Bundesweiter Warnstreik angestellter Lehrkräfte ab Dienstag

    • Offizieller Beitrag

    Wie genau läuft denn so ein Streik ab? ich kann ja schlecht an einer kleinen Schule morgens den Schulleiter anrufen und sagen "ich streik heut mal, kümmern sie sich bitte um Vertretung"?


    Nein, normalerweise hängen die GEW Vertrauenspersonen vor Ort die Streiklisten aus und rufen die Beamten dazu auf, NICHT zu vertreten, weil es sonst sinnlos ist. Ich habe das ganze Streik ABC weiter vorne auch verlinkt.
    Für Hessen gibt es einen Fyer und eine Art Formular, auf dem die Beamten sich solidarisch erklären und ihre Nicht-Bereitschaft zum Vertreten erklären können. Ich weiß nicht, was es in Schleswig gibt...


  • Nein, normalerweise hängen die GEW Vertrauenspersonen vor Ort die Streiklisten aus und rufen die Beamten dazu auf, NICHT zu vertreten, weil es sonst sinnlos ist. Ich habe das ganze Streik ABC weiter vorne auch verlinkt.
    Für Hessen gibt es einen Fyer und eine Art Formular, auf dem die Beamten sich solidarisch erklären und ihre Nicht-Bereitschaft zum Vertreten erklären können. Ich weiß nicht, was es in Schleswig gibt...

    Ich meine jetzt die angestellten KollegInnen. In Thüringen, Sachsen und S-A müssten theoretisch Schulen z.T. dicht gemacht werden, da außer einigen Schulleitern niemand verbeamtet ist.


    Nun denn, ich halt mich auf dem Laufenden. Im Moment gibts noch keine konkreten Aussagen.

    Einmal editiert, zuletzt von Pausenbrot ()

  • Ein Zitat von aus diesemArtikel zum Streik in NRW:


    Zitat

    Das NRW-Schulministerium sieht den Lehrbetrieb in der kommenden Woche nicht grundsätzlich in Gefahr. „Es kann zu Beeinträchtigungen kommen, doch die Schulen werden versuchen, den Unterrichtsausfall durch die Zusammenlegung von Lerngruppen in Grenzen zu halten“, sagte eine Sprecherin von Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne). Es sei nicht möglich, beamtete Lehrer flächendeckend für Vertretungsunterricht heranzuziehen.


    Das klingt ganz so, als plante die Schulministerin durchaus Beamte als Streikbrecher einzusetzen, wenngleich sie zugibt, dass das leider nicht flächendeckend funktionieren wird. :sauer: Was tut denn ein Beamter, wenn seiner eigenen Lerngruppe noch die eines streikenden Kollegen zugewiesen wird - darf er dann das Unterrichten seiner normalen Lerngruppe unterlassen, weil er ansonsten ja automatisch die anderen in Vertretung mitunterrichten und so zum Streikbrecher werden würde?

    Warum Trübsal blasen, wenn man auch Seifenblasen kann?

  • Hallo Susannea,
    danke für den Link. Das ist schon einmal interessant, allerdings suche ich eher einen direkten Aufruf zum Streik am Dienstag. So wie ich unser Kollegium kenne bekommt das sonst niemand mit und vor allem glaube ich, dass sonst wirklich gar niemand streikt.
    Und dann heißt es bestimmt wieder: "Die Forderungen können ja so wichtig nicht gewesen sein, wenn man nicht mal bereit ist dafür zu streiken".
    Und ja, Du hast recht, in SH ist jeglicher Widerstand, der zur Verbesserung von Arbeitsbedingungen führen könnte, marginal. Generell kommt es mir von meiner Schule im Speziellen so vor, als würden die alles mit sich machen lassen. Es kommt wohl auch nicht von ungefähr, dass die Bezahlung in SH so gering und die Stundenzahl (25,5) so hoch ist. Es wehrt sich ja niemand bei irgendetwas. Traurig.
    Bei Personalratswahlen wird immer händeringend überhaupt ein Kandidat gesucht, weil das niemand machem möchte. Dabei wird in Gesprächen deutlich wie unzufrieden alle sind und der Langzeiterkranktenstand ist hoch wie nie (bei über der Hälfte weiß man, dass es Burnout und ähnliche, berufsbedingte Probleme sind!).
    Vielleicht sollte ich mich mal im Personalrat engagieren? Aber als Neuling?

  • Hallo Susannea,
    danke für den Link. Das ist schon einmal interessant, allerdings suche ich eher einen direkten Aufruf zum Streik am Dienstag. So wie ich unser Kollegium kenne bekommt das sonst niemand mit und vor allem glaube ich, dass sonst wirklich gar niemand streikt.


    Scheint auch in Schleswig-Holstein nicht vorgesehen zu streiken:
    https://www.facebook.com/perma…offset=0&total_comments=1

  • Was tut denn ein Beamter, wenn seiner eigenen Lerngruppe noch die eines streikenden Kollegen zugewiesen wird - darf er dann das Unterrichten seiner normalen Lerngruppe unterlassen, weil er ansonsten ja automatisch die anderen in Vertretung mitunterrichten und so zum Streikbrecher werden würde?


    Da würde ich ganz pragmatisch vorgehen:


    Befinden sich beide Lerngruppen in einem Raum, ist aus Platzgründen meistens sowieso kein reguläres Unterrichten möglich (in den Naturwissenschaften aus Sicherheitsgründen bei Überschreitung der Raumkapazität sogar verboten, gilt auch für Sport (gefahrengeneigte Tätigkeit!) -> Du führst eine reine Aufsicht über beide Lerngruppen


    Befinden sich beide Lerngruppen in getrennten Räumen, bist du aufgrund der Aufsichtspflicht primär verpflichtet, durch andaurndes Hin- und Herlaufen, diese zu erfüllen, dann ist auch kein reguläres Unterrichten möglich -> Du führst eine reine Aufsicht über beide Lerngruppen


    Die Sicherheit der Schüler geht selbstverständlich auch bei einem Streik vor und daher ist die Aufsicht selbstverständlich wichtiger als der Unterricht!


    Gruß !

    Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

    • Offizieller Beitrag

    Es kommt wohl auch nicht von ungefähr, dass die Bezahlung in SH so gering und die Stundenzahl (25,5) so hoch ist. Es wehrt sich ja niemand bei irgendetwas. Traurig.
    Bei Personalratswahlen wird immer händeringend überhaupt ein Kandidat gesucht, weil das niemand machem möchte. Dabei wird in Gesprächen deutlich wie unzufrieden alle sind und der Langzeiterkranktenstand ist hoch wie nie (bei über der Hälfte weiß man, dass es Burnout und ähnliche, berufsbedingte Probleme sind!).
    Vielleicht sollte ich mich mal im Personalrat engagieren? Aber als Neuling?


    In Hessen unterrichtest du als Gymnasialer 26 Stunden - wir sind das einzige Bundesland mit der offiziellen 42 Stunden Woche für Lehrer. Dagegen sollte es, 2007 oder 09 glaube ich, einen Streik auch der Beamten geben - 400 Hanseln oder so standen vor dem Kultusministerium und wurden von der Presse ausgelacht. Die GEW und an meiner Schule ich im Besonderen hatten intensiv informiert und alles wasserfest organisiert - die Damen und Herren Studienräte fuhren mit dem Jammern fort und gingen nicht hin. :/


    Ich war wochenlang so sauer, dass ich Beschwerden wegen Überarbeitung nur noch mit den Worten "Wo warst du vorletzen Donnerstag, als du was gegen deine Überarbeitung hättest tun können??! WO!?!?" entgegennahm. Bin auf wenig Verständnis bei meinen Kollegen gestoßen.
    Manchmal ist es zum Mäusemelken.


    Ja, engagier dich im Personalrat. Für junge, unerfahrene Persoalräte macht die GEW Schulungen. Und ein junger, unerfahrener politisch engagierter Personalrat ist allemal besser, als ein erfahrener Freud&Leid Personalrat (Babygeschenke und Kollegiumsausflüge).


    (edit: Thüringen hatte auch 42...)

  • In Hessen unterrichtest du als Gymnasialer 26 Stunden - wir sind das einzige Bundesland mit der offiziellen 42 Stunden Woche für Lehrer.


    Nur die Lehrer und nicht alle Landesbeamten?


    Wenn das wirklich so ist: Gegen so etwas muss man KLAGEN, notfalls bis zum Bundesverwaltungsgericht und dem EuGH. Dass Sonderopfer für einzelne Berufsgruppen zur Sanierung der Staatsfinanzen gegen diverse Rechtsnormen verstoßen, sollte sich herumgesprochen haben. Genau das ist ja auch die Strategie, die in Niedersachsen verfolgt wird, mittlerweile sogar von der GEW.


    Gruß !

    Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

    • Offizieller Beitrag

    Alle Landesbeamte . Und "mittlerweile auch die GEW" ist mal wieder so eine unnötige Armleuchterbemerkung. Sei froh, dass du sie hast, die GEW. Deshalb kannst du dein Arbeitszimmer von der Steuer absetzen und arbeitest nicht 43 Stunden, nur deshalb gibt es überhaupt Lehrerstreiks, Rechtsschulungen für Personalräte fast flächendeckend, bekommst du als befristet Angestellter zumindest in vielen Fällen die Sommerferien bezahlt und so weiter, und so fort. Alles ohne nennenswerte Unterstützung anderer Verbände und zum Teil gegen die Trägheit der zu Vertretenden erstritten bzw verhindert. Die anderen Verbände kriegen nämlich schon seit Jahrzehnten gar nichts auf die Reihe. Im Zweifelsfall schießen sie nur auch noch quer, wenn was gemacht werden soll. Im besten Fall schließen sie sich qua billiger Solidaritätserklärung den Aktionen der GEW an, das kostet sie selber nichts und sie müssen weder Arbeitsaufwand (das kann man nämlich auch im Moment grad wieder vergessen) noch Mitgliederbeiträge zusteuern. Haben aber den Nutzen, später.

  • Die Sicherheit der Schüler geht selbstverständlich auch bei einem Streik vor und daher ist die Aufsicht selbstverständlich wichtiger als der Unterricht!


    Eine optimale Wirkung würde der Streik aber nur dann entfalten, wenn der gesamte Schulbetrieb eingestellt werden müsste. Die Schulleitung müsste alle Eltern informieren, ihre Kinder bitte die ganze Woche zuhause zu lassen, da aufgrund des Lehrerstreiks weder Unterricht noch Aufsicht für die Schüler gewährleistet werden können. Dann würde der Streik und das Anliegen dahinter auch wirklich grosse Wellen schlagen und der Druck auf Arbeitgeber enorm steigen.


    So wird man wahrscheinlich die Beamten dazu verpflichtet "Aufsicht" über bestimmte Klassen zu führen, deren Unterricht wegen des Streiks teilweise ausfällt. Das mindert die Wirkung des Streiks schon ziemlich, würde mal sagen.

  • Ja, die lieben Trägheitskräfte... als ich eine junge Kollegin ansprach, ob sie ebenfalls an den Warnstreiks am Dienstag teilnimmt meinte sie sinngemäß, dass es ja unfair wäre, nachdem man sich für den Beruf entschieden hat zu streiken - sie kannte ja die Arbeitsbedingungen vorher (ich nehme aber an, dass sie von den beabsichtigten Kürzungen bei den Renten nichts mitbekommen hat)



    würden alle diese Einstellung vertreten, gäbe es noch immer die 6-Tage-Woche-70-Stunden-Woche und Löhne knapp über dem Existenzminimum - während die wirtschaftlichen Produktivitätsgewinne, welche sich aus dem Zusammenspiel aller gesellschaftliche Akteure ergeben haben, bei wenigen Superreichen landen




    Also, schämt euch nicht fürs streiken für eure Interessen als Arbeitnehmer! Auch Journalisten und selbst Ärzte sind sich dafür nicht zu schade.

  • Der Großteil unserer sozialpolitischen und arbeitsrechtlichen Errungenschaften wurden nur durch Streiks - und ihre politischen Folgen - erkämpft. Nicht nur hier, sondern fast überall auf der Welt, selbst in den USA.



    Die 5-Tage-40-Stunden-Woche wurde in den 60/70er Jahren erstreikt, respektive mit der Drohung von Streiks in den Tarifverhandlungen.


    Ein Großteil der Gehaltserhöhungen in der BRD seit 1949 sind oft nur durch tatsächliche Streiks erreicht worden.


    Und auch Bismarcks Sozialgesetzgebung erfolgte nicht aus Nächstenliebe, sondern um den Arbeiterunruhen Heer zu werden.




    Diese Ergebnisse nenne ich im Vergleich zum Mitteleinsatz ziemlich effektiv. Sofern man sich stumm und unsichtbar alles gefallen lässt macht der (oberste) Boß was ihm gefällt. Das sieht man besten an den desolaten Arbeitsbedingungen in den Branchen mit geringem gewerkschaftlichen Organisationsgrad. Nur wenn man sich offen hörbar macht und der Boß Widerstand spürt, bewegt er sich. Jeder der anderer Ansicht ist und auf Lohnerhöhung aus "Anstand" des Boß hofft zeigt einen sehr kurzsichtigen geistigen historischen Horizont und belügt sich selbst - gerade in der heutigen Zeit.




    P.S.
    falls der Druck der Lehrer so gering wäre, hätte der Berliner Finanzsenator vor 1-2 Jahren sicher nicht versucht (erfolglos) die Streiks gerichtlich verbieten zu lassen


    P.P.S.
    das Streikrecht und die Rolle von Gewerkschaften als Tarifpartner war eine der zentralen Ziele der Revolution 1919; wer dies gering schätzt hat später keinen, aber auch überaupt keinen, Grund sich über Willkür der Arbeitgeber und Verschlechterung von Sozialstandards - hin zur schlechten alten Zeit - zu beklagen


    P.P.P.S.
    Ich finde es immer wieder faszinierend, wie es den relativ ungebildeteren "Arbeitern" heute und früher leichter fällt, für ihre Rechte zu kämpfen und dem Boß die Stirn zu bieten, als dem studierten Personal - dass sich heute i.d.R. auch nur im selben Abhängigkeitsverhältnis befindet, aber zur Selbstausbeutung tendiert (da nimmt man dem Boß gleich noch die Arbeit ab)

  • Ich schäme mich eher für das Vorgehen vieler Beamten und Vorgesetzten, die gerne Streikbrechertätigkeiten durchführen oder so wie an meiner Ref-Schule geschehen die Angestellten daran erinnerten, dass sie doch neu wären und damit noch in der Probezeit! :angst:

  • Die anderen Verbände kriegen nämlich schon seit Jahrzehnten gar nichts auf die Reihe. Im Zweifelsfall schießen sie nur auch noch quer, wenn was gemacht werden soll.


    Ach Meike, komm mal runter von deinem "Die-GEW-ist-der-Hort-der-Lehrerglückseligkeit". Zumindest in Niedersachsen gingen ALLE wesentlichen Aktionen gegen die Arbeitszeiterhöhung der Gymnasiallehrer von den Philologen aus. Die haben zuerst eine Klage beim Verwaltungsgericht eingereicht, die GEW ist dann letztendlich mit einer eigenen Klage hinterhergedackelt. Ein Schulterschluss mit den Philologen kam zumindest für die GEW offensichtlich nicht in Frage, da hat diese "Gewerkschaft" wohl immer noch ideologische Scheuklappen auf. Und ich behaupte einmal: Gäbe es in Niedersachsen nicht die gleichzeitige Streichung der zugesicherten Altersermäßigung für ALLE Lehrkräfte, ginge die Arbeitszeiterhöhung der Gymnasiallehrkräfte der GEW doch am A... vorbei. Zumindest lautet die offzielle Begründung für die Arbeitszeiterhöhung der Gymnasiallehrkräfte und die Streichung der Altersermäßigung für alle Lehrkräfte immer noch "Finanzierung der Ganztagsschule". Alleine beim Wort "Ganztagsschule" wurden die GEW-Funktionäre sicherlich ganz feucht... da kann man schon einmal Opfer bringen, für die "gute Sache", oder?


    Gruß !

    Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

    Einmal editiert, zuletzt von Mikael ()

  • Diese Ergebnisse nenne ich im Vergleich zum Mitteleinsatz ziemlich effektiv. Sofern man sich stumm und unsichtbar alles gefallen lässt macht der (oberste) Boß was ihm gefällt. Das sieht man besten an den desolaten Arbeitsbedingungen in den Branchen mit geringem gewerkschaftlichen Organisationsgrad.


    Alle Jahre wieder die gleichen unreflektierten Vorhaltungen. Der Streik als Arbeitskampfmittel stammt aus der Wirtschaft, aus der Produktion. Seine Wirksamkeit und Schärfe ergibt sich aus dem schnellen Profitverlust der Arbeitgeber. Wir sind hier aber leider im öffentlich finanzierten Bildungssektor. Wir erwirtschaften keinen Profit, dessen Verlust unserem AG weh tun könnte, wenn wir die Arbeit niederlegen. Das kann man sehr gut am Streik der Erzieherinnen 2009 sehen. Die haben nämlich im Gegensatz zu uns einen sehr hohen Organisationsgrad. Dennoch haben sie fast ein ganzes Quartal streiken müssen, um von AG-Seite überhaupt eine Reaktion zu bekommen.

    "A lack of planing on your side does not constitute an emergency on my side."

  • Dennoch haben sie fast ein ganzes Quartal streiken müssen, um von AG-Seite überhaupt eine Reaktion zu bekommen.


    Ja, und? Dann sollen die angestellten Lehrkräfte doch ein viertel Jahr streiken, meinetwegen auch in der Abi-Zeit. Meine Unterstützung haben sie. Und wenn ich dann vor lauter paralleler Beaufsichtigung fremder Lerngruppen selbst keinen Unterricht mehr machen kann, dann soll es so sein. Den Schwarzen Peter sollten wir Lehrkräfte uns dafür jedenfalls nicht zuschieben lassen, egal ob angestellt oder verbeamtet.


    Gruß !

    Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

  • Klar doch. Mit anderen Worten: "Ich kippe den Inhalt der Streikkasse auf einen großen Haufen und helfe mit Benzin und Streichhölzern nach". Da kann man sich wenigstens ein paar Würstchen drauf braten und kriegt nicht kalt. Das der GEW keine bessere Verwendung einfällt sagt viel.

    "A lack of planing on your side does not constitute an emergency on my side."

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