schockierende Zahlen aus Bayern....

  • Die aktuellen Einstellungszahlen für Gymnasien in Bayern:


    https://www.bllv.de/September-2015.11421.0.html



    im Gesamtschnitt über alle Bewerber (fast alle von lokalen Seminaren) auf alle vergebene Stellen kommt man auf ca. 1 von 10 der eine Stelle bekommen hat. In überlaufenen Kombinationen wie Deutsch+X auf 1 von 50. Dazu kommen vergleichbare Überschüsse für Realschulen in Bayern.


    Gleichzeitig hat Berlin zum Halbjahr Medienberichten zufolge wieder über 300 Quereinsteiger eingestellt - nicht nur in Mangelbereichen wie Physik.


    Entgeht mir hier irgendein Zusammenhang im Hintergrund? Steht die Mauer wieder (diesmal um ganz Berlin)? Sitzen tausende Kandidaten lieber vollkommen aussichtslos in Bayern rum (im Sinne von, dass jeder rational denkende Mensch schlussfolgern kann, dass sie niemals eine bayerische Planstelle bekommen können), statt in Berlin zu arbeiten?

  • Welcher Bayer will schon nach Berlin?
    Nachdem, wie ihr die Schwaben empfangen habt? :P
    BTW: Etwa ein Drittel von Bayern gehört zu Schwaben..

    Vorurteilsfrei zu sein bedeutet nicht "urteilsfrei" zu sein.
    Heinrich Böll

  • Welcher Bayer will schon nach Berlin?

    Es ist in der Tat mein (subjektiver) Eindruck, dass der durchschnittliche Bayer sehr heimatverwurzelt ist und sein Bundesland nicht gerne verlässt - oder höchstens nach BaWü oder Hessen, was ja noch angrenzt.
    Außerdem stelle ich auch fest, dass viele junge Absolventen insgeheim immer noch hoffen, irgendwie an eine Planstelle zu kommen, auch wenn es eigentlich hoffnungslos ist. Da lockt Berlin mit Angestelltenverträgen nicht.


    Ich weiß ja nicht, wie ich in dieser Situation gehandelt hätte, möchte aber von mir selbst glauben, dass ich flexibel und spontan genug gewesen wäre, das Bundesland zu wechseln und auch einen Angestelltenvertrag in Berlin zu nehmen.


    Noch eine Idee: Viele Refs, die vielleicht an ländlichen Gymnasien waren haben eventuell Angst davor, den Umständen an berliner Großstadtschulen, wie sie in der Presse gerne dargestellt werden, gerecht werden zu können.

  • Ich gehöre zu denen, die Bayern nicht unbedingt verlassen wollten. Jetzt hab ich eine Planstelle in BaWü. Grenznah. Der Grund, warum ich trotz guter Einstellungschancen nicht nach Berlin wollte? Ich mag die Stadt nicht so gern, finde sie leider auch nicht besonders schön, ich fühle mich dort einfach unwohl, auch, weil ich generell in keiner Großstadt leben und arbeiten möchte. Auch nicht so weit von hier weg, schon gar nicht, wenn ich dabei an einem Ort bin, an dem ich gar nicht sein möchte. Mir war klar, dass mich diese Haltung sehr unflexibel machte und dass es objektiv betrachtet auch wenig vernünftig war. Hat auch nicht jeder verstanden, klar. Vielleicht hätte ich meine Meinung nach jahrelangen Aushilfsverträgen auch revidiert, wenn der finanzielle Druck groß genug geworden wäre. Aber das hat sich nun ja erledigt.
    Die Hoffnung auf eine Planstelle, egal wie unwahrscheinlich, hatte ich tatsächlich. Bescheuert, ich weiß. Ich kann es nicht erklären, warum man sich trotzdem daran klammert.

  • Sind wir auch mal ehrlich, der Grund Lehramt zu studieren ist doch für viele auch, weil es etwas bodenständiges, konservatives usw. ist. Quer durch die Republik zu ziehen passt da nicht zusammen.




    In NRW ist übrigens Lehrermangel im Sek-1-Bereich. Verbeamtet wird auch noch.

    • Offizieller Beitrag

    Ich finde es interessant, dass aber auch gleichzeitig erwartet wird, dass sich junge (?!) AbsolventInnen nur nach ökonomischen Gesichtspunkten orientieren und dafür alles in Kauf nehmen. Die 90% Leute, die keine Stelle erhalten, sind ja nicht automatisch arbeitslos. Es gibt Vertretungsverträge, andere Träger, aber auch einfach andere Jobs. Jeder legt sein Priorität und ohne die "Extreme" im Blick zu haben, die mit 25 schon Haus, Ehepartner und 2 Kinder haben, sind manchmal 1000 Euro mehr im Monat das nicht wert, 600 Kilometer weit weg zu ziehen, um einen Job auszuüben, den man an sich mag, aber vielleicht nicht in der anderen (bildungspoltischen) Struktur und in einem absolut, ungewünschten Umfeld. Die Bereitschaft, für den Abschluss der Ausbildung zeitweise umzuziehen, kann man durchaus erwarten (da es auch überhaupt von vornerein bekannt ist), aber wo die Leute am Ende wieviel verdienen, sollen sie doch selbst entscheiden, wenn sie glücklich sind.

  • Es steht jedem frei, bei der Lebensplanung ökonomische Gesichtspunkte außer Acht zu lassen. Nur darf man sich dann hinterher halt nicht über Schwierigkeiten beschweren.

    • Offizieller Beitrag

    Es steht jedem frei, bei der Lebensplanung ökonomische Gesichtspunkte außer Acht zu lassen. Nur darf man sich dann hinterher halt nicht über Schwierigkeiten beschweren.

    das ist der Punkt.
    Ich bin immer so naiv und wundere mich immer wieder, wenn Leute sich über die Konsequenzen ihrer eigenen Entscheidungen beschweren...

  • Tja, da kommen wohl mehrere Effekte zusammen:


    - Die Nachwirkungen des BayernLB - Hypo Aldria Desasters, das Bayern zig Milliarden Euro kostet


    - Die Schuldenbremse, die ab 2020 gilt


    - Die Demographie mit dem tendeziellen Rückgang der Schülerzahlen


    Und das Ganze bei Rekordsteuereinnahmen! Wie es wohl erst wird, wenn die Konjuntur wieder einbricht?


    Und bekanntermaßen wird dort zurerst gespart, wo am wenigsten mit Gegenwehr zu rechnen ist. Schüler dürfen ja nicht wählen...


    Gruß !

    Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

  • Einstellungen im einstelligen Prozentbereich oder im Bereich 10 bis 20 Prozent sind knallharte Sparmaßnahmen. Mach dir doch nichts vor! Selbst in Mangelfächern stellt Bayern höchstens jeden Zweiten ein!


    Gruß !

    Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

  • Deswegen schrieb ich "auch" und nicht "ausschließlich". Dass das natürlich auch andere Faktoren sind - logisch. Aber dennoch gibt es (das gilt auch für NRW) viele junge Leute, die stur Deutsch/Geschichte studieren ohne Rücksicht darauf, dass das schon sehr gut abgedeckt ist.

  • Leicht off-topic, passt aber zum Thema: Eine Bekannte von mir hat vor einem halben Jahren ihr LA Studium abgeschlossen, Kombi D/G. Sie arbeitet nun und meint, das Ref will sie nicht machen, weil die Jobchancen halt mau sind. Nun frage ich mich....wenn Lehrer örtlich eher unflexibel sind, sie sich aber bundesweit bewerben würde, meint ihr, dann wären ihre Chancen okay? LA Gymnasium, da habe ich nicht so die Ahnung von....

  • wenn - ja, wenn - die betreffenden leute von anfang an nicht nur lehramt, sondern auch magister/master d/g studieren würden, von der einstellung her (also praktika machen, sich die arbeitsfelder dort ansehen etc.), dann würden sie nachher auch nicht so in der luft hängen. wenn man dagegen nur lehramt macht, weil konservativ und sicher und dann kann ich zuhause in meinem dorf bleiben, und mathe kann ich auch nicht, und ich mag kinder, und lieber gymnasium, da sind die nicht so wild wie an der mittelschule - ja dann wird es nach dem ref ziemlich sicher recht schwierig mit d/g gymnasium.

  • Die Kombi D/Ge ist schon seit den 80ern eine Todeskombi, auch (gerade?) auf dem Gym.

    Das stimmt nur zum Teil. Es gab dazwischen durchaus auch schon Phasen, in denen auch D/G-Lehrer in hohem Umfang eingestellt wurden. Leider, muss man fast sagen, da diese Phasen dann dazu geführt haben, dass wieder Hunderte diese Fächer gewählt haben mit der Illusion, dass es schon irgendwie klappen würde.

  • also praktika machen, sich die arbeitsfelder dort ansehen etc.

    Daran scheitert es allerdings häufig schon bei den "echten" Magisterstudenten. Gerade in den Geisteswissenschaftens studieren die gerne vor sich hin, ohne mal den Blick über den Mensatellerrand zu erheben. Dann sind sie fertig und haben keine weiteren Qualifikationen.


    Das ist auch das, was mich - bei allem Verständnis und Mitgefühl - immer am meisten aufregt, wenn sich junge Lehrämtler über die schlechte Stellensituation beschweren: Dass sie wie mit Scheuklappen nur auf ein Berufsziel hin studiert haben, ohne zu wissen, ob sie eine Stelle bekommen oder ob der Job überhaupt etwas für sie ist. Das habe ich schon zu meiner Zeit nicht verstanden.
    In meinem direkten Umfeld haben wir uns alle noch Alternativqualifikationen, eben durch zusätzliche Abschlüsse, Praktika etc. gesucht. Und obwohl ich das Glück hatte, direkt eine Planstelle bekommen zu können und den Job zu mögen, war ich immer froh, zumindest gefühlt eine Alternative zu haben und bin jetzt noch froh über die anderen Erfahrungen, die ich dadurch gemacht habe.

  • Ja, die mangelnde (aber erforderliche) Auseinandersetzung und Verinnerlichung der Arbeitsmarktsituation ist sicher nicht nur eine Domäne von D/G-Lehramtsstudenten, auch wenn dies sicher einer der Studienrichtungen ist, bei der seit einigen Jahren die Lage am aussichtslosesten ist (eben auch in Verbindung mit der mentalen Einstellung vieler Abiturienten/Jungstudenten in dem Bereich)...



    Was kann man da tun? Ich hatte letztes Schuljahr mal außer der Reihe eine Unterrichtseinheit zur Arbeitsmarktlage durchgeführt (mit diversen Absolventenstatistiken, d.h. wo und unter welchen Bedingungen Absolventen verschiedener Fächer nach 5 und 10 Jahren so arbeiten).


    Die meisten Abiturienten hatten offen gesagt keine Vorstellung vom Arbeitsmarkt, da halfen auch keine Jobmessen. Im Studium ändert sich das sicher nur bedingt - der eigentliche Erkenntnisschub beginnt offenbar erst sobald sie 5, 6 Jahre später mit der Jobsuche konfrontiert sind (und auch mitbekommen, wo die Schulfreunde so landen). Das ist natürlich zu spät.




    Ich sage damit wohlgemerkt nicht, dass man nur ökonomisch und nicht nach Interesse studieren soll (andernfalls hätte ich E-Technik und nicht Physik genommen) - die SuS sollen sich aber informiert und unverblendet für ihr LA-D/G-Studium entscheiden (was Chancen, Mobilität etc. betrifft). Wobei ich nicht weiß, wie ich der Verblendung (1000nde Abiturienten meinen "Ich bin die große Ausnahme!") beikommen kann...

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