Arbeitsunwilliger Mathe Grundkurs 8

  • Ooooch, das hatte ich schon schlechter.


    Ich werde am Ende des Monats einen Elternbrief rausgeben mit dem aktuellen Leistungsstand für dieses Halbjahr. Dann habe ich zumindest informiert.


    Lustigerweise gehören die "Chaoten" sogar zu den besseren Schülern.

  • Mathetest: je eine 2,3 und 4. Acht 5 und eine 6. Fünf Wochen für nichts gearbeitet.

    Nicht so pessimistisch. Du hast nicht für nichts gearbeitet, sondern wenigstens für die drei Schüler mit den besseren Noten. :troest:


    Mal ein kleines Anekdötchen aus Schülerperspektive: Ich habe selbst anno dazumals in einem Englisch-Grundkurs gesessen, der mehrheitlich die Mitarbeit komplett verweigert hat. Ich mag mich da an eine Klausur erinnern mit einem Durchschnitt von 3.75 Punkten ... wobei ich 13 Punkte hatte, ein Mitschüler hatte 10 Punkte und eine Mitschülerin hatte 8 Punkte. Jetzt kannst Du Dir ausrechnen, was der Rest der insg. ca. 20 Schüler so hatte. Ich hab's damals als Schüler schon nicht kapiert, aber so war es eben ganze 2 Jahre lang. Ich hab jedenfalls was gelernt, also war es nicht "für nichts". :_o_)

  • Highlights aus meinem Mathekurs:
    Letzte Woche, diverse Schülerlösungen auf einem Arbeitsblatt, Wiederholung zur Unterscheidung verschiedener Vierecke.
    Aufgabe 1: Um welches Viereck handelt es sich : Je 2 Seiten sind zueinander parallel und gleich lang


    5 Schüler haben "Viereck" geschrieben. Nunja...ist ja nicht wirklich falsch.
    3 Schüler haben "Dreieck" geschrieben.
    Immerhin hat niemand Kreis hingeschrieben....


    Soll ich da lachen oder weinen?



    Heute wieder kollektive Denkverweigerung. Obwohl...denken ist da schon zuviel gesagt.
    Es ging um die Herleitung zur Flächenberechnung von Raute und Drachen.
    An der Tafel ist ein Drachen gezeichnet, die Hälfte davon - also ein Dreieck- ist farbig makiert. Die Formel für dieses Dreieck steht an der Tafel. Dazu die Erklärung, dass die gesuchte Fläche doppelt so groß ist, wie die des Dreiecks. Weil dieses Dreieck da ja 2 mal drin ist. Soooo, die unglaublich schwierige Fragestellung lautetet: Wie groß ist die gesuchte Fläche?
    ansch langem, zähen warten, gehe ich mit meinem "Anspruch" (haha) zurück.
    "Also, wir wissen, die Fläche ist doppelt so groß- was muss man also rechnen?"


    Keiner hat eine Idee. Irgendwann dann doch eine Meldung und der Vorschlag "durch 2?"


    Nein, ich kaufe den Schülern nicht ab, dass sie DAS wirklich nicht können. Die sind ja irgendwie bis in Klasse 8 geraten.


    Ich sammle da zur Zeit fast alle Aufgaben ein und benote diese. Viel Wiederholung, alles sehr kleinschrittig, so dass jeder da Punkte sammeln könnte.
    Einem Schüler, der eigentlich tstsächlich nichts kann in Mathe, gelingt das auch. Der bemüht sich halt, fragt nach... Mit den Rechenfehlern die er macht, kann ich leben.


    Und ansonsten hagelt es halt schlechte Noten. Da können mir auch gerne Eltern erklären, das sei eben zu schwer...Dann sollen sie aber bitte dazu erklären, warum der Sprössling sich weigert ein Lineal zu benutzen, statt angespitztem Bleistift einen dicken Filzstift benutzt, das Arbeitsblatt vollkritzelt...


    Außerdem: Wenn Aufgaben wie "zeichne ein Rechteck" , "berechne den Flächeninhalt eines Quadrates mit der Seitenlänge 9 cm" oder "berechne den Umfang des Dreiecks mit den Seitenlängen...." für einen 8.Klässler zu schwer sind, dann ist die schlechte Note ja durchaus berechtigt.

  • Keiner hat eine Idee. Irgendwann dann doch eine Meldung und der Vorschlag "durch 2?"

    Mal ne ganz ernst gemeinte, vielleicht etwas naive Frage: Bist Du sicher, dass Du die nicht UNTERforderst? Für mich liest sich das dermassen unterirdisch, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass die ernsthaft SO doof sind. Hast Du ihnen einfach mal gesagt ... so, das wird jetzt ausgerechnet und wer zuerst fertig ist bekommt nen Keks?

  • Hallo wollsocken,


    das Problem ist eher, dass die Schüler nicht denken können oder wollen. Die wollen sich nur berieseln lassen und nicht arbeiten. Kurz vor einer Klassenarbeit wachen sie dann meistens auf und möchten noch alles schnell können. Direkt nach der Klassenarbeit wird alles wieder vergessen.


    Hanuta, ich habe auch nochwas. Gestern wurden Vergleichsarbeiten geschrieben. Dabei sollte die Fläche und der Umfang eines Rechtecks berechnet werden. vier von zwölf konnten die Fläche berechnen und nur einer den Umfang. Dabei war das Thema Flächenberechnung vor den Weihnachtferien dran. ;(


    Immerhin konnten die meisten die Wahrscheinlichkeit berechnen.

  • Tschuldigung,


    aber das , was ihr beschreibt, erfordert denn schon die Anwendung der Fachbegriffe, der Formel und ein gewisses abstraktes Denken.
    Zwar auf keinem hohen Niveau, aber ein Schüler muss sich damit auseinandersetzen. Und ich kann mir gut vorstellen, dass die Lust dazu nicht immer so hoch ist.


    Mit der Abstraktion ist das so eine Sache: sie fällt noch den Oberstuflern ganz schwer und meine ehemaligen Hauptschüler auf dem Weg zum Realschulabschluss und meine Hauptschüler brauchen immer eine ganz konkrete Sache, die sie quasi anfassen können, sonst wird das nix mit der Abstraktion. Das bedeutet, dass ich viele Fachbegriffe und Probleme mit kleinen Rollenspielen erkläre (Was ist Exekutive - 2 Schüler nehmen mich fest, weil ich Julians Handy stehle - sie brauchen diese Eselsbrücke, ansonsten lernen sie nur auswendig und verstehen es nicht. Seitdem ich diese Rollenspiele mache und viel mehr Eselsbrücken baue, werden die Leistungen auch besser.)
    Und da haben wir wieder das Fachleuteproblem - wenn ich einen Text lese, kann ich sofort Auskunft über Stil und sprachliche Mittel geben. Das fällt meinen 13ern diese JHahr so schwer - nach 10 Minuten haben die Süßen das erste Stilmittel gefunden, sind aber der Überzeugung, da ist nur das eine drin. In einem Kafka. Wenige Wochen vor dem Abi. Und wir haben das geübt. Wie die Blöden. Aber sie können es nicht. Ihnen fällt gar nichts im text auf, ist halt ein text.....



    Und wenn ich das Problem in D und GK habe, kann ich mir vorstellen, wie es in Mathe aussieht.


    Also: Probiert es mit Mathe zum Anfassen. Dann darf das vielleicht auch mal knobeliger werden.
    Dreiecke in die Hand drücken. Drachen bauen. Erst dann Fläche und Umfang ermitteln. Ich wette, die meisten fangen an, nachzumessen - würde ich übrigens auch tun. Allein die Formel ist ja schon eine Abstraktion. Ich Depp kann mir die Probleme der Schüler gut erklären!

  • @Wollsocken Ich verstehe was du meinst. Aber das ist es nicht. Es ist so, wie mimimama es schreibt: Sie wollen nicht denken. Sie wollen da halt nur rumsitzen. Sie halten es schon für eine Zumutung, dass sie nicht quatschen dürfen.


    @Stille Mitleserin Eine Fläche verdoppeln ist abstrakt? Fachbegriffe? Ich erwarte nicht, dass sie "multiplizieren" sagen. Aber das man MAL nimmt und nicht teilt, wenn eine Fläche 2 MAL da ist, ist definitiv nicht abstrakt. Meine 7. Klässler sind sehr leistungsschwach. Aber das gestern hätten die gekonnt. Es war ja schon alles vorgekaut. Selbst meine Förderschüler wären damit nicht überfordert gewesen.


    Material ausgeben, selbst machen lassen....habe ich natürlich auch schon gemacht. Es interessiert sie aber nicht.


    @Mimimama Bei uns wurden gestern auch Vergleichsarbeiten geschrieben. Ich habe mich noch nicht getraut, da rein zu gucken. Fläche und Umfang eines Rechtecks könnten einige hinbekommen haben.
    Eine andere Figur war nicht dabei. Das wäre spannend...Die, die überhaupt was rechnen, berechnen JEDEN Umfang mit 2a + 2b.
    Die wissen nicht, was sie tun. Und es ist ihnen sch... egal.


    Die Schüler waren alle sehr früh fertig. Ich befürchte, alles wo man ein bißchen denken musste, wurde gar nicht erst angefangen.

  • @hanuta @Mamimama Doch ... ich versteh das Problem schon, dass die nicht denken WOLLEN. Ich sag ja, ich hatte gleich im 1. Jahr am Gym eine Klasse, die auch keine Lust hatte zum Denken. Noch bevor die aufs Arbeitsblatt geschaut haben, waren schon die ersten Hände gestreckt "Siiiiie ... ich komm ÜBERHAUPT nicht draus!!". Ich bin irgendwann in den Streik getreten. Habe der ganzen Klasse erklärt ... "Passen Sie auf. Sie Lösen jetzt die Aufgaben x - y und zwar ohne meine Hilfe. Ich geh jetzt Kaffee trinken und versichere Ihnen, ich merke, wenn Sie den Raum verlassen. Bis ich zurück komme, haben ALLE das gemacht." Die fanden das so saublöd, dass man sie einfach alleine sitzen lässt, dass sie es tatsächlich gemacht haben. Einer meiner jetzigen Kollegen hat gerade auch so eine Klasse, die die Arbeit einfach verweigert, der macht das ähnlich - er streikt. Gute Chemie-Schüler werden da nie draus und irgendeinen Lehrplan oder so kann man sich nach der Methode auch in die Haare schmieren, aber es funktioniert tatsächlich, sie tun immerhin was. Offenbar ist da sitzen und nicht mehr vom Lehrer bequatscht werden so scheiss langweilig, dass dann Aufgaben lösen doch noch attraktiver wird.


    @Stille Mitleserin Nö. Ausnahmsweise bin ich mal nicht Deiner Meinung. Eine Fläche zu verdoppeln und die Rechenoperation dazu "mal" anstatt "geteilt" zu nennen ist ganz sicher nicht abstrakt, schon gar nicht wenn die geometrische Figur an die Tafel gezeichnet ist. Abstrakt ist, wenn ich meinen Schülern vom Welle-Teilchen-Dualismus erzähle. Elektronen kann man ja nicht mal sehen.

  • Bei der DAV habe ich gestern auch ein paar Highlights erlebt.
    Eine Schülerin hat das Testheft durchgeblättert, 5! Aufgaben gemacht und war fertig. Antwort: kein Bock, ist zu viel.
    Fläche und Umfang konnten bei mir 3 Schüler von 14 berechnen. Erschreckend, da wir das regelmäßig wiederholen.
    Das Nashornbaby war 200m lang. Quadrat berechnen konnte ein Schüler. Schokolinsen waren es auf dem gesamten Bild 30. 30? Häh?

  • Ist die Vergleichsarbeit bundesweit gleich?? Ich dachte, die sei nur innerhalb eines Bundeslandes. Aber wir hatten zumindest auch das Nashornbaby und die Smarties.


    Was mich echt nervt, ist manchmal mein eigener Unterricht. Ich komme immer weiter weg von dem, wie ich es gern machen würde dahin, wie ich es nie machen wollte. :(
    Vormachen, nachmachen lassen, einsammeln...Das macht mir einfach keinen Spaß.


    Aber: Ich habe am Wochenende "schab nix gemacht" gelesen, von einem Hauptschullehrer.
    Kam mir alles sehr bekannt vor.
    Vor allem
    "Das sind die Momente, in denen ich erst nach Schmerzensgeld schreie und mir danach Vorwürfe mache: »Warum hast du keine solide Handwerkerausbildung gemacht? Du könntest jetzt mit Radio Kukident im Hintergrund Parkett verlegen, mit erwachsenen Kollegen Dachstühle zimmern oder Speisen garnieren, die nicht widersprechen! Aber nein, der Herr musste ja studieren! Eine sinnvolle Beschäftigung sollte es sein! Schließlich kommt Beruf ja von Berufung! Es sollte etwas Ausfüllendes sein. Nach getaner Arbeit sollte ich mich abends außerordentlich aufgeräumt im Spiegel betrachten und dabei sagen können: ›Welch ein Tag! Meine vielschichtige Tätigkeit hat sichtbar Eindruck hinterlassen. Meine Umgebung ist nun durch meine Einmischung wertvoller, als sie es vorher war. Mein Mitteilungsbedürfnis wurde befriedigt. Der Tag hat sich gelohnt!
    Denkt ein normaler ägyptischer Familienvater eigentlich auch so? Ein Vater, der frühmorgens zu seinem ersten doofen, schlecht bezahlten Job geht, mittags zu seinem zweiten doofen, schlecht bezahlten Job geht und abends zu seinem dritten doofen, schlecht bezahlten Job geht? Der Mann hat gar keine Zeit, um über Selbstverwirklichung nachzudenken. Er denkt darüber nach, wie seine siebenköpfige Familie über die Runden kommt. Wahrscheinlich gibt es das Wort Selbstverwirklichung in vielen Sprachen der Erde gar nicht. Es ist wohl eine Erfindung derer, denen es zu gutgeht. Ach, welch groteske Anmaßung geht mit dieser Suche nach dem beruflichen Idealzustand einher! Was für ein hanebüchener Unsinn! Gebt mir zwanzig Billy-Regale! Ich will sie alle aufbauen! Jetzt und hier! Alleine! Fanen spilen! Witter gomst! Empeiröf*!« Wenige Minuten später ist die Tortur jedoch vergessen, und ich bin wieder sehr zufrieden mit meinem Beruf."


    (das durfte er kurz zuvor lesen)


    Dieser Kurs mach mich gelegentlich wahnsinnig. Aber da macht es einfach die Kombination aus wenig können, nichts können wollen, großer Klappe....Aber das sind halt 8.Klässler.

  • Hallo,


    die Aufgaben scheinen ja bundesweit gleich zu sein. Wir hatten die genannten Aufgaben auch.


    Hanuta, das Buch habe ich letzten Sommer gelesen. Genau wie bei uns. ;)


    Irgendwie tröstet es einen ja, wenn andere ähnliche Erfahrungen machen. Dann kann ja nicht alles an mir liegen.


    Bei der Aufgabe mit dem Quadrat hatte ich mir auch mehr erhofft, man musste doch nur zählen!


    Hattet ihr auch 45 Antwortmöglichkeiten? In meinem Kurs lag die Spanne zwischen 20 und 8 richtigen Antworten. (Beim E-Kurs war 31 richtige Antworten das Beste.)


    Gut, dass wir noch gut 2 Jahre bis zur ZAP haben....


    LG

  • Bei Durchgucken der Vergkeichsarbeiten verspüre ich doch den Wunsch, wieder Taxi zu fahren.
    Habe noch nicht ausgewertet, ich tippe auf 1 bis 10.
    Aber ich habe einige der Aufgaben meiner 7. (die sind echt leistungsschwach) gestellt. Ok, die waren motivierter, durften sie doch zeigen, dass sie besser sind als die 8. Die wussten echt mehr.


    Schön auch der Dialog am Ende der Stunde...


    Frau Hanuta: Super. Hoffentlich seid ihr nächstes Jahr auch noch so schlau.
    Schülerin: Neee, wahrscheinlich nicht. Wir sind dann ja auch voll in der Pubertät.


    Wir hatten in der Stunde ein Gespräch über merkwürdiges Verhalten von Pubertierenden, nachdem die Aufgabe mit den Kugeln im Sack (hahaah Sack...) zu massivem Gelächter führte.


    Bittebitte, lass meine nächstes Jahr nicht plötzlich so sein wie die jetzigen 8er

  • vergleichsarbeit: (bei uns gab es 46 Antworten)
    Spanne von 6 bis 27 richtigen Antworten. Nur 3 Schüler haben mehr als 50% richtig, ebenfalls 3 haben weniger als 25% .
    Bei einigen ist offensichtlich, dass sie nicht (richtig) lesen.


    Gab es bei anderen auch die "Fußballtabelle" Hat bei mir nienand.


    Und dass im Kreisdiagramm ausgerechnet Minuten zugeordnet werden sollten, hat dazu geführt, dass die meisten das als Uhr interpretiert haben. Also der Halbkreis entspricht 30 Minuten u.s.w.
    lachen oder weinen?

  • Die Vergleichsarbeiten werden bundesweit einheitlich geschrieben, sind also auch gleich. Das müsste man wissen können.

    Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

  • Hallo,


    die Beschreibungen von den Matheleistungen eurer Schüler passt auch auf meine Schüler. Der Vera-Test wurde auch in meiner Klasse geschrieben. Wobei die Kids sich echt Mühe gegeben haben. Leider ist es so, dass die wirklich nicht kapieren, was von ihnen gewollt wird. Die sind wirklich handlungsunfähig bei manchen Aufgaben. Die verstehen die Aufgaben nicht. Es fehlt an Lesekompetenz. Die kapieren nicht die Matheaufgaben. Kids, bei denen Dyskalkulie diagnostiziert wurde (was dann schon Luxus ist, weil Eltern dahinter waren und diese es interessierte, dann auch fördern zu lassen) die haben wenigstens ne Chance auf Therapie im Privaten.
    Meine Kids sind irgendwann einmal in der Grundschule "verloren" gegangen. Ich kann die Lücken nicht wirklich schließen in den ein/zwei Schuljahren, in denen ich die habe. Hier hat man keine Chance. Man kann immer nur mit kleinen Erfolgen motivieren und einzelne, bei denen man denkt, hier passt gerade alles, individuell fördern... Flickschusterei... Eine krasse Entwicklung...


    Grüße!

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