Wissenschaft durch Ihre Erfahrung - Umfrage

  • Sehr geehrte Lehrerinnen und Lehrer,
    im Rahmen meiner Abschlussarbeit an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg untersuche ich Merkmale des Lehrpersonals, die zur Lösung klasseninterner Konflikte beitragen könnten.
    Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mich bei der Umsetzung meiner wissenschaftlichen Hausarbeit unterstützen und meinen Fragebogen ausfüllen würden. Eine ergänzende Unterstützung wäre es, wenn Sie den unten stehenden Link an Ihre Kollegen und Kolleginnen weiterleiten könnten, um eine große Anzahl an Fachstimmen gewinnen zu können.


    Mit dem folgenden Link gelangen Sie zu dem Fragebogen:

    https://www.soscisurvey.de/KonstruktiveKonfliktloesung/
    Bei der Beantwortung des Fragebogens wünsche ich Ihnen viel Freude!


    Ich danke Ihnen für Ihr Bemühen im Voraus.

  • Ich weiß nicht, ob mich das (noch) ärgern oder (schon) amüsieren soll, mit welcher Regelmäßigkeit in solchen wissenschaftlichen (!) Umfragen mein Schultyp als vermutlich größter in Deutschland fehlt


    Auf jeden Fall bin ich bei Frage 2 raus, mit Berufsbildenden Schulen haben's die Damen und Herren Wissenschaftler bekanntlich nicht so, wir dürfen nicht mitspielen :)


    Gruß,
    DpB



    PS: Ok, jetzt weiß ich's. Doch, diese Ignoranz - nicht nur bei dieser Umfrage - ärgert mich.

  • Du meine Güte ... was soll das werden: unzufriedener Mensch = schlechter Lehrer = viele Disziplinprobleme im Unterricht? Braucht man so eine "Studie" wirklich bzw. was will man daraus lernen?


    "Verlassen des Sitzplatzes" und "Trinken während des Unterrichts" werden bei uns nicht als "Disziplinlosigkeit" geahndet sondern zählt als ganz normales Verhalten. Wenn einer Nase putzen muss und dafür ein Tuch aus der Handtuchbox braucht oder was in den Mülleimer werfen will, steht er halt auf und macht das.

  • Wenn ein wissenschaftlich nachweisbarer Zusammenhang zwischen meiner Laune und der Mitbringwahrscheinlichkeit von Geodreiecken in meiner Klasse besteht, hätte ich gerne das Ergebnis der Studie! Ich mach auch ne Therapie, wenns hilft :tanz:

    • Offizieller Beitrag

    Jaaa, das wünsche ich mir auch: Wenn es mir gut geht, haben alle ihre Materialien dabei und alle Eltern kümmern sich um ihre Kinder. Dann wäre ich einfach immer fröhlich!
    Nehmen wir an, bei mir schliefen 100% aller Kinder 100% der Zeit. Müsste ich die anderen Fragen noch beantworten?


    Die Unterrichtssituation oder mein eigenes Reaktionsvermögen lassen es nicht zu mit jedem einzelnen Schüler verständnisvoll umzugehen oder deren Sichtweise einzunehmen... "Julia, 5x3! Moment, warte mit der Antwort, ich fühle mich in Florian ein, der gerade kippelt und in Hrissima, die zu spät kommt. So Julia ... Moment nein, Susi, warum guckst du so traurig? Hast du wieder die eklige Erdbeermarmelade auf dem Brot, die du nicht magst? Wie wäre es wenn du ganz lieb den Ahmet fragst, der hat Käse drauf und mag ihn auch nicht, tauscht doch. Julia, so, ich erkenne, wie du dich fühlst und ich sehe, dass du 15 denkst, du musst gar nicht sprechen! Wunderbar, weiter im Stoff. Gwendolin, ich sehe, dass du gerade über den nächsten Filmabend nachdenkst, hör bitte damit auf, denn jetzt ist Mathematik!"

  • Conni: Wirklich schön karikiert :) Genau das dachte ich mir auch ... woher zum Henker soll ICH denn wissen, was bei meinem 15-16jährigen Jugendlichen im Kopf rumspukt? Oder anders gefragt - WILL ich das überhaupt wissen? Die Antwort ist ganz klar ... NEIN. Und zwar nicht, weil ich ein empathieloser Miesepeter bin, sondern weil es mich schlichtweg gar nichts angeht. Ich hab ja wirklich schon viele Umfragen ausgefüllt, die irgendein armer Knilch für seine Master- oder Sonstwas-Arbeit bei Facebook verlinkt hat aber über diese hier hab ich mich echt geärgert.

    • Offizieller Beitrag

    Danke! Ich habe manchmal den Eindruck, in manchen Köpfen geht gar nichts vor. Zudem bin ich auch der Ansicht, dass ich das nicht "erwissen" oder "erfühlen" kann. Wenn ich es "intuitiv" weiß - und zwar bei 20 Kindern oder mehr, dann ist es eher ein Raten, sicher kann ich nicht sein.
    Wer weiß, was die Threaderstellerin für Ansichten vom Beruf hat und wo ihr Fokus ist.

  • Hm...Ofz zeigen sie ja, was sie denken. Offensichtlich denken sie sehr häufig an Penisse.


    Apropos denken: Was sind das eigentlich für Profs, die solche Projekte absegnen? Ich habe immer das Gegühl, da werden einfach undurchdacht ein paar Fragen hingeworfen. Badis ist das Klischee, was derjenige über Schule und Lehrer so im Kopf hat.


    Dieses Werk schafft es aber mindestens in die Top 3 der sinnlosen Umfragen.


    (Diese sinnlosen Umfragen betreffen aber nicht nur den Themenbereich Schule)


    AnMa Geh IN eine Schule. hospitiere länger und mach mal selbst Unterricht.
    Und danach kannst du dir dann eine sinnvolle Fragestellung überlegen.

  • Inwiefern ist denn bitte meine "Studienabschlussnote" hier relevant? (Völlig davon abgesehen, dass ich die nach über zehn Jahren tatsächlich nicht mehr weiß, war noch nie gut darin, mir Zahlen zu merken, insbesondere solche, die für mein Leben total irrelevant sind - also alles abgesehen von Telefonnummern und Kontostand ;-p)


    Nachtrag: Wodurch natürlich auch klar ist, dass ich keine 1,0 hatte... das hätte selbst ich mir wahrscheinlich gemerkt :P

    "Et steht übrijens alles im Buch, wat ich saje. ... Nur nit so schön." - Feuerzangenbowle

    Einmal editiert, zuletzt von katta ()


  • Ich denke, wenn Sie alle LehrerInnen sind, dann ist das was ich untersuchen möchte auch für Sie interessant.

    Dann wäre es schön, wenn du kurz berichtest, inwiefern.




    Ich hätte aber auch noch eine Frage:
    Bringen Sie Ihren SchülerInnen auch auf diesem Weg "konstruktive Kritik" bei?
    Wäre wirklich sehr interessant zu wissen, da ich mir als Studentin unter kontruktiver Kritik von Personen, die täglich mit dieser Form von "Feeback-geben" arbeiten, etwas anderes vorgestellt habe.

    Nein, meine SchülerInnen lernen auf anderem Wege, was konstruktive Kritik ist. Allerdings habe ich es nicht als meine Aufgabe gesehen, konstruktive Kritik auszuüben. Du hattest nicht darum gebeten und wenn ein Fragebogen bereits im Netz steht und ich ihn vollständig ausfülle, erwarte ich natürlich, dass der bereits auf festen Füßen steht. Kann mir nicht vorstellen, dass du noch mal von vorne anfängst, egal welcher Art die anonyme Kritik sein möge.


    Allerdings wäre etwas mehr Freundlichkeit hier sicher angemessen gewesen.

    • Offizieller Beitrag

    Nein, meine SchülerInnen lernen auf anderem Wege, was konstruktive Kritik ist. Allerdings habe ich es nicht als meine Aufgabe gesehen, konstruktive Kritik auszuüben. Du hattest nicht darum gebeten und wenn ein Fragebogen bereits im Netz steht und ich ihn vollständig ausfülle, erwarte ich natürlich, dass der bereits auf festen Füßen steht. Kann mir nicht vorstellen, dass du noch mal von vorne anfängst, egal welcher Art die anonyme Kritik sein möge.
    Allerdings wäre etwas mehr Freundlichkeit hier sicher angemessen gewesen.

    Dem schließe ich mich an: Konstruktive Kritik am Fragebogen war hier nicht unsere Aufgabe, sondern das Ausfüllen desselben, bei dem offenbar mehreren unverständlich war, was die zugrundeliegenden Hypothesen sind.
    Wenn der Fragebogen nicht nur geschlossene Fragen, sondern auch eine offene Antwortmöglichkeit ("Haben Sie Anmerkungen...?" mit Kästchen zum Hineinschreiben) enthalten hätte, wäre ein Teil des Unverständnisses dort aufgeschrieben worden und nicht hier. Ein Teil der hier geäußerten Kritik ist somit ein "selbst gelegtes Ei".


    Nun kommt meine konstruktive Kritik:
    Der erste Teil des Fragebogens ist ein typischer Persönlichkeitsfragebogen. Ich habe mir als Studi ein paar Mark dazuverdient, indem ich in der psychologischen Fakultät an Versuchen teilgenommen habe. Da gab es bereits ähnliche Fragebögen. So weit schön und gut.
    Nun kommt aber anschließend ein Fragebogen, bei dem bestimmte Verhaltensweisen von Schülern pauschal als Unterrichtsstörungen angesehen werden (trinken, umherlaufen). Tequila Sunrise äußerte hier bereits sachlich und konstruktiv (2. Teil ihres Beitrags), dass dies in bestimmten Schulen und Unterrichtskonstellationen normale Verhaltensweisen sind und keineswegs Unterrichtsstörungen. Auch Kippeln wird in Grundschulen oft gar nicht mehr als Störung angesehen, da es Kinder mit nicht vollständig ausgereiftem Gleichgewichtssinn gibt, die beim Kippeln (oder Wackeln auf einem Wackelbrett oder Sitzball) besser lernen.
    Es wäre also gut gewesen, vorher abzufragen, welche der genannten Aktivitäten der Umfragenteilnehmer als Unterrichtsstörungen ansieht und dies in der Auswertung zu berücksichtigen. Stell dir vor, Frau Y hat im Fragebogen einige Merkmale für "depressive Züge" angekreuzt und gleichzeitig kippeln ihre Schüler und laufen (um sich z.B. ein Taschentuch zu holen) durch den Klassenraum, kauen Kaugummi oder trinken etwas. Damit gibt es gleich viel mehr vermeintliche Unterrichtsstörungen und es könnte ein Zusammenhang zwischen "depressive Züge" und "Unterrichtsstörungen" gefunden werden. Dem ist aber nicht so, weil die Schüler sich im Unterricht von Frau Y mit ihrem Verhalten an alle gängigen Regeln ihrer Schule halten. Allein deshalb wäre es gut gewesen, hier diese Möglichkeit in Betracht zu ziehen.


    Der letzte Teil, in welchem man einschätzen soll, ob man weiß, was in den Schülern vorgeht, bleibt für mich unverständlich. Dies ist eine reine Selbsteinschätzung, die auch projektiv oder selbstüberschätzend sein kann. Allerdings hatte ich auch Professoren/Lehrbeauftragte, die dachten, als Lehrer müsse man sich in alle Schüler gleichzeitig hineinversetzen können und intuitiv erspüren, was sie fühlen/wollen/denken. Ich habe dann etwas Zeit gebraucht, um mich davon zu lösen. Nicht einmal in moderneren psychologischen Ausbildungen wird das noch vom Psychologen bei einem Einzelklienten erwartet.


    Ich finde es befremdlich, dass diese Art von Umfragen zunehmen. Meine Motivation, so etwas auszufüllen, nimmt durch Umfragen dieser Qualität ab.

  • Bin mal gespannt, ob die Herren und Damen Studenten und Studentinnen auch an ihre Fragenbeantworter denken und eine Zusammenfassung ihrer Ergebnisse hier online veröffentlichen.

  • Vielen lieben Dank für den ausführlichen Beitrag.
    Natürlich hätte man den Fragebogen anders gestalten können und ich verstehe euch Ihre geäußerte Kritik.
    Sie haben recht, im ersten Teil geht es um die Persönlichkeit der Lehrperson. Im zweiten Teil sollten Sie die Häufigkeit von Unterrichtsstörungen einschätzen. Dabei habe ich nicht willkürlich Schülertätigkeiten aufgezählt oder darauf geachtet, dass manche davon evtl. erlaubt sind. Die genannten Störungen im Fragebogen sind Erscheinungsformen von Unterrichtsstörungen, wie man sie in der Literatur vorfindet. Unterrichtsstörungen werden unterschieden zwischen akustischen Störungen, motorischen Störungen, Aggressionen, geistiger Abwesenheit, Verweigerung und Verstößen gegen die Hausordnung. Diese Bereiche werden dann in Aktivitäten unterteilt wie zB. mit dem Stuhl kippeln, Wutausbruch, Tagträumen, Zupätkommen, Essen...
    Wenn Sie sich mit entsprechender Literatur auseinandersetzen, werden Sie diese Unterteilungen zum Bereich - Formen von Unterrichtsstörungen immer wieder vorfinden.
    Der letzte Teil des Fragebogens ist von Godfrey T. Barrett-Lennard. Er ist Professor in der Psychologie und forscht im Bereich Beziehungen in der Therapie und in "Lebens-Systemen". Dieser Fragebogen stammt aus seinem Buch "Relationship Inventory".
    Es bedarf einem großen Aufwand passend zum Thema auch Fragebögen zu finden oder selbst zu erstellen. Für mich ist es natürlich ärgerlich, wenn man dann gesagt bekommt "das ist der schlechteste Fragebogen" oder "geh erstmal hospitieren und unterrichte selbst".
    Die Teilnahme war freiwillig und keineswegs beleidigend gedacht.
    Vielen lieben Dank trotzdem für ihr Feedback.

  • Die genannten Störungen im Fragebogen sind Erscheinungsformen von Unterrichtsstörungen, wie man sie in der Literatur vorfindet.

    Wie aktuell ist denn die gelesene Literatur? Um welche Art von Literatur handelt es sich dabei?



    Wenn Sie sich mit entsprechender Literatur auseinandersetzen, werden Sie diese Unterteilungen zum Bereich - Formen von Unterrichtsstörungen immer wieder vorfinden.

    Klingt als würden Sie davon ausgehen, dass keiner von uns sich mit der Literatur auseinandersetzt, was natürlich nicht zutreffend ist. Gerade im Punkto "Unterrichtsstörungen" halte ich mich aber wirklich nicht an Definitionen aus der Literatur, sondern an die Definitionen unserer Hausordnung bzw. unseres stillschweigenden Einvernehmens unter den Kolleginnen und Kollegen an meiner Schule. Kindern und Jugendlichen das Trinken während des Unterrichts zu verbieten ist übrigens schon sehr lange "out" und zählt daher nicht Unterrichtsstörung. Mir ganz persönlich ist es darüberhinaus auch völlig Wurscht, wenn ein Schüler während einer Freiarbeitsphase mal in sein Brötchen beißt, solange er mir die Tische dabei nicht vollkrümelt.


    Der letzte Teil des Fragebogens ist von Godfrey T. Barrett-Lennard. Er ist Professor in der Psychologie und forscht im Bereich Beziehungen in der Therapie und in "Lebens-Systemen". Dieser Fragebogen stammt aus seinem Buch "Relationship Inventory".

    Ohne dieses Buch zu kennen lassen mich aber 2 Minuten Recherche bei Tante Google erahnen, wo unter anderem das Problem liegen könnte: es wird bereits Ende der 1960er Jahre in fachwissenschaftlichen Veröffentlichungen zitiert, scheint also wirklich steinalt zu sein. Abgesehen davon, dass sich in den letzten 50 Jahren in der Beziehung zwischen Lehrern und Schülern natürlich viel verändert hat, scheint es in diesem Buch auch mehr um die Beziehungen innerhalb einer Familie zu gehen, als zwischen Lehrern und Schülern. Natürlich ist meine Beziehung zu meinen Schülern eine völlig andere, als zu meinen (nicht vorhandenen) eigenen Kindern - sie ist professionell und nicht persönlich.



    Es bedarf einem großen Aufwand passend zum Thema auch Fragebögen zu finden oder selbst zu erstellen. Für mich ist es natürlich ärgerlich, wenn man dann gesagt bekommt "das ist der schlechteste Fragebogen" oder "geh erstmal hospitieren und unterrichte selbst".

    Ja, natürlich ist das Arbeitsaufwand. Besser machen kann man es trotzdem. Wenn ich als Lehrer mal eine Unterrichtsstunde vergeige, weil ich mich zu schlecht darauf vorbereitet habe, muss ich auch damit leben. Nur allein der Arbeitsaufwand macht die Stunde halt nicht gut.

    Einmal editiert, zuletzt von TequilaSunrise ()

    • Offizieller Beitrag

    Danke Tequila Sunrise. Ich war gerade am Überlegen, ob ich schreiben soll "Ich geb's auf." und suche seither Belege bzgl. z.B. des Kippelns. Wir hatten vor ca. 5 Jahren 2 ausführliche Fortbildungen zum Thema "Wahrnehmungsstörungen", bei denen es genau um solche Dinge ging.
    Wenn die Literatur etwas älter ist, dann ist natürlich der Anspruch ein anderer. Vielleicht sollte man mit der Umfrage dann aber auch ältere Lehrkräfte ansprechen und fragen, wie ihr Unterricht vor 20 Jahren war.


    Hier z.B. mal ein Bild von typisch gestörtem Unterricht, herausgegeben von der Bungesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung:
    Gestörter Unterricht
    Hier ein Artikel dazu, in der andere Sitzmöbel empfohlen werden - neben regelmäßiger Bewegung, auch der Beinmuskulatur.

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