Inklusion in der realen Welt

  • Ja unter Umständen. Ich habe einen autistischen Schüler, der mit seiner Schulbegleiterin viel ruhiger ist. Sie hat mit ihm Strategien entwickelt, die ihm helfen.

  • Es lohnt sich übrigens, auch mal in die Leserzuschriften zu dem genannten Artikel hineinzulesen. Da schreibt jemand unter der Überschrift "Schlechte Recherche"sehr Interessantes, nämlich sinngemäß:
    1. Die Überschrift suggeriert polemisch, dass Willi nie in die Elbphilharmonie darf, was so nicht stimmt.
    2. Die Elbphilharmonie bietet eine Fülle von Veranstaltungen speziell für Kinder - Konzerte und Workshops zum Mitmachen und sogar Ausprobieren der Instrumente.
    Der Verfasser / die Verfasserin hat offenbar auch schon Kinderkonzerte miterlebt, bei denen nicht nur behinderte Kinder ungestüm reagierten und sich kein Mensch daran störte - im Gegenteil, das gehörte selbstverständlich dazu.
    Außerdem wird angeregt, doch mal nachzufragen, ob die Elbphilharmonie vll. auch auf Bedürfnisse von Kindern wie Willi eingehen kann oder Angebote hat, die sich da besonders eigenen.
    Aber stattdessen wird pauschal auf der Elbphilharmonie rumgehackt und ich werde den Eindruck nicht los, dass Willi hier irgendwo Mittel zum Zweck ist, um mal wieder auf den bösen elitären Kulturbetrieb hinzuweisen, der Behinderte angeblich ausschließt... Willi ist ein Kind. Er hat im Moment noch große Probleme mit der Affektkontrolle, vll. gibt es Hilfe, die ihn dabei in Zukunft noch besser unterstützen, aber muss man bis dahin unbedingt mit dem Kopf direkt durch die Wand und eine Institution und ihre Besucher vorverurteilen, ohne sich vorher genau kundig zu machen, welche Lösungen im Sinne aller es gibt?

  • http://www.elbphilharmonie.de unter entdecken und mitmachen - regelmäßige Kinderkonzerte für alle Altersgruppen, Instrumentenwelt zum Anfassen und Ausprobieren, großes Kinderferienprogramm mit vielen Workshops, Konzerte speziell für Schulklassen. Da sollte sich für das Kind doch etwas finden lassen. Und die Preise sind auch noch erschwinglich. Es gibt sogar Konzerte für Kleinkinder und Babys mit Kissen, Decken, Wickelmöglichkeiten und extra auf sie abgestimmte Musik, hab ich sonst noch nirgends gesehen! "Konzerthaus für alle" muss nicht automatisch bedeuten: alle gehen immer in alles, sondern es kann auch heißen: wir bieten für die Bedürfnisse und Möglichkeiten eines breiten Publikums etwas an. Ich finde das Angebot beeindruckend und würde mir in unserer Region so etwas auch wünschen - vll. sollte die Mutter von Willi sich da mal erkundigen, bevor sie sich und ihr Kind von vornherein in eine Opferrolle bugsiert.

  • Nein, kgf, es geht hier nicht um spezielle Angebote für Kinder, sondern um die Frage, ob man Konzertbesuchern zumuten darf, dass (geistig) Behinderte in ganz regulären Konzerten anwesend sein dürfen oder nicht.


    Wer das das ablehnt, spricht sich gegen Inklusion aus. Und zu der hat sich Deutschland völkerrechtlich verpflichtet, wie wir alle wissen.

    Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

    Einmal editiert, zuletzt von Mikael ()

    • Offizieller Beitrag
    Zitat

    Ein Konzert für alle - außer Willi



    Willi, 9, liebt Klassik. Trotzdem wird er wohl nie ein Konzert in der Elbphilharmonie hören. Denn Dvorák und Saint-Saëns lassen den geistig Behinderten jauchzen und springen. Eine Zumutung für die übrigen Besucher - oder?

    Diese Aussage ist nun einmal plakativ und falsch.


    kl. gr. frosch

  • [...] die Frage, ob man Konzertbesuchern zumuten darf, dass (geistig) Behinderte in ganz regulären Konzerten anwesend sein dürfen oder nicht.


    Wer das das ablehnt, spricht sich gegen Inklusion aus. Und zu der hat sich Deutschland völkerrechtlich verpflichtet, wie wir alle wissen.

    • Klar können sie in Konzerte. Dort gibt es gewisse Regeln, an die muss sich in irgendeiner Form jeder implizit halten. Sonst muss man damit leben, dass sich ggf. jemand beschwert oder vom Hausrecht gebrauch macht.
    • Inklusion heißt umfassende Teilhabe. Inklusion heißt nicht unendliche Toleranz für jegliches deviantes Verhalten. Es käme ja auch niemand auf die Idee, dass es ok wäre, während eines Konzerts den Gettoblaster auszupacken und eigene Musik zu spielen.
    • Wir sind ein demokratischer Staat mit Meinungsfreiheit. Es steht jedem frei, die Idee der Inklusion abzulehnen oder zu begrüßen, egal was unsere Politiker für Verträge geschlossen haben. Es ist allerdings nicht legitim, die als Lehrer im Beruf nicht umzusetzen.
    • Klar können sie in Konzerte. Dort gibt es gewisse Regeln, an die muss sich in irgendeiner Form jeder implizit halten. Sonst muss man damit leben, dass sich ggf. jemand beschwert oder vom Hausrecht gebrauch macht.

    Der Staat als Eigentümer der Konzertsäle hat die Pflicht, die Regeln so zu formulieren, dass Behinderte nicht vom regulären Konzertbesuch ausgeschlossen werden können. Die UN-Behindertenrechtskonvention fordert nämlich die gesellschaftliche und kulturelle Teilhabe. "Kinderkonzerte" und "Musik auf CD hören" sind sicherlich keine angemessene Teilhabe.


    Aber für einige steht das Recht auf "ungestörten Musikgenuss" offensichtlich über dem Recht von Behinderten auf gesellschaftliche und kulturelle Teilhabe. Wenn man das so sieht, sollte man das auch klar sagen und sich nicht hinter irgendwelchen Argumenten verstecken, die den Kern der Sache nicht treffen.


    Gruß !

    Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

  • Kinderkonzerte sind angemessen. Das ist nämlich ein KIND. Er ist 9. Aber ich habe langsam das Gefühl, hier geht es nicht um Sachargumente, deshalb bin ich raus aus der Diskussion. Ich habe nichts übrig dafür, wenn man beim Thema Inklusion mit Scheuklappen stur irgendwelche Opferparolen und Anschuldigungen ohne Faktenbasis wiedergibt, ohne mal sachlich alle Seiten zu sehen und Kompromisse zu suchen, mit denen alle leben können.

  • Ein Widerspruch gegen das Grundrecht auf Inklusion wäre doch, wenn man pauschal beim Einlass sagt: Der ist behindert, der dar hier nicht rein.
    Darf er aber.
    Was er nicht darf, ist drinnen den Molli machen. Darf ich auch nicht. gleiches Recht für alle.
    Nicht: Der darf das, weil er behindert ist und du darfst das nicht, denn bei dir wurde noch kein Stempel draufgedrückt...
    Das IST Inklusion. Und der Integrationshelfer (bei Willi im Konzert die Mama) hilft, sich in die bestehenden Regeln und Normen zu integrieren/inkludieren. Klappt das nicht, fällt es aus.
    Abgesehen davon ist Musik ein schützenswertes Kulturgut, wertvoll und sollte als solches gewertschätzt werden. Dazu gehört für mich auch, dass es Prachtbauten von Wert für prachtvolle, wertvolle Musikstücke gibt.

    • Offizieller Beitrag

    Seit wann bist du denn so ein vehementer Verfechter der Inklusion, Mikael? Ich bin ja ganz gerührt... :P


    Sag's doch einfach ganz offen. Am Beispiel Willi willst du mal wieder die dir verhasste Inklusion als komplette Zumutung dastehen lassen und deinen Standpunkt, dass Behinderte bitte nur da behindert sein sollen, wo sie keiner sieht / hört, am Beispiel des gestörten Kunstgenuss der armen Elbphilharmoniebesucher verdeutlichen.


    Während du anderswo Bilderrätsel postetst, weil dir Frauen genauso auf die Nerven gehen wie Behinderte.


    Schatzi, such dir mal ein paar Korrekturen oder reparier was am Haus.

  • Nein, kgf, es geht hier nicht um spezielle Angebote für Kinder, sondern um die Frage, ob man Konzertbesuchern zumuten darf, dass (geistig) Behinderte in ganz regulären Konzerten anwesend sein dürfen oder nicht.


    Wer das das ablehnt, spricht sich gegen Inklusion aus. Und zu der hat sich Deutschland völkerrechtlich verpflichtet, wie wir alle wissen.

    Aber das lässt sich ja dann unendlich weiterspinnen. Wieso hat denn dann ein Behinderter nicht das Recht als Filialleiter der Deutschen Bank zu arbeiten??? Wieso darf der Behinderte nicht in der Fußballnationalmannschaft spielen??? (Ich übrigens auch nicht ;-)) Wieso bekommt der Behinderte nicht sein Abiturzeugnis??? Wieso darf er nicht Maschinenbau studieren??? Wieso darf der Behinderte keine Kreditverträge schließen???


    Das lässt sich unendlich fortführen. Was du vergessen hat, Mikael, ist, dass es nicht um behindert oder nicht behindert geht und um das Recht, dass JEDER an ALLEM teilhaben darf, sondern, dass für bestimmte Dinge eben bestimmte Anforderungen erfüllt werden müssen, wer die nicht erfüllt, kann da nicht teilnehmen. Das gilt auch für alle anderen nicht behinderten Menschen. Ich selbst darf auch nicht an allem teilhaben, wo ich gerne möchte. That's life.

  • Mit dem Argument kann man die Teilhabe behinderter Kinder in der Unterstufe von Gymnasien oder weiterführenden Schulen somit verbieten. Denn während der normale Schüler das Bruchrechnen lernt, soll der behinderte Schüler seinen Zahlenraum erweitern. Er erfüllt somit keine Voraussetzung.


    Mikail spricht da einen korrekten Punkt an.

  • Danke, Meike, du hast meine (lange verworrenen) Gedanken auf Papier gebracht.
    Ich hab wirklich versucht, mikaels argumentative Veränderung und sein Ansinnen zu begreifen, jetzt gehts...

  • Mit dem Argument kann man die Teilhabe behinderter Kinder in der Unterstufe von Gymnasien oder weiterführenden Schulen somit verbieten. Denn während der normale Schüler das Bruchrechnen lernt, soll der behinderte Schüler seinen Zahlenraum erweitern. Er erfüllt somit keine Voraussetzung.


    Mikail spricht da einen korrekten Punkt an.

    und das möchte der mikael ja (eigentlich) auch ...also, worum geht es wirklich?

  • Ich hab wirklich versucht, mikaels argumentative Veränderung und sein Ansinnen zu begreifen, jetzt gehts...

    :rofl: Der ist gut ... echt ... so lange hat das gedauert? Na, macht nichts, kann mal passieren ;) Meike hat die Diskussion ja jetzt zum Glück auf ein angemessenes Niveau gebracht :prost:

  • :rofl: Der ist gut ... echt ... so lange hat das gedauert? Na, macht nichts, kann mal passieren ;) Meike hat die Diskussion ja jetzt zum Glück auf ein angemessenes Niveau gebracht :prost:

    Woran genau machst du jetzt die Zeitdauer fest, die ich gebraucht habe? Also ehrlich jetzt! :aufgepasst:

    Einmal editiert, zuletzt von cubanita1 ()

  • Mit dem Argument kann man die Teilhabe behinderter Kinder in der Unterstufe von Gymnasien oder weiterführenden Schulen somit verbieten. Denn während der normale Schüler das Bruchrechnen lernt, soll der behinderte Schüler seinen Zahlenraum erweitern. Er erfüllt somit keine Voraussetzung.


    Mikail spricht da einen korrekten Punkt an.

    Die "Behinderten" in der Unterstufe am Gymnasium sind aber auch nicht da, um einen normalen Schulabschluss anzustreben. Dafür gäbe es nämlich Zugangsvoraussetzungen.
    Praktisch wird es aber auch hier so gehandhabt, dass sich ein betroffener Schüler, der sich (trotz Inklusionshelfer) nicht benehmen kann, vor die Tür gesetzt wird bzw. sowieso nicht immer im Klassenverband unterrichtet wird.


    Wer ist denn jetzt eigentlich für oder gegen Inklusion? Ich habe den Überblick verloren. :staun:

Werbung