Aufgabe von Gewerkschaften

    • Das Problem ist nur: Wieviele von den 280.000 GEW Mitglieder kennen die Satzung und ahnen somit, was die GEW wirklich will. DIe denken nur "Gewerkschaft" (weil es so prägnant im Namen steht) und in Wirklichkeit bekommen sie eine ideologiegetränke Vereinigung, deren Hauptziel die Gesellschaftsveränderung ist.
      Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

      "In theory there is no difference between theory and practice. In practice there is." (Yogi Berra)
    • Schantalle schrieb:

      Als Angestellte kann ich eh nicht groß wählen, die GEW ist ja praktisch die einzige Vereinugung, die Tarifverhandlungen für mich führt.
      Bei allem Respekt, die gewerkschaftliche Schlagkraft der GEW liegt in etwa auf dem Niveau eines Schmetterlings. Fast alle wesentlichen Verbesserungen im TV-L wurden durch ver.di erstritten (notfalls auch durch Streiks).
      The price of freedom is eternal vigilance. (Leonard H. Courtney)
    • Meines Erachtens hat eine Gewerkschaft das zu klären, was "arbeitsvertraglich" so möglich ist. Alles, was in so Tarifverträgen drinsteht (Besoldung, Arbeitszeit, Regeln zu Kündigung etc.) möchte ich von meiner Gewerkschaft verhandelt wissen. Und sollte ich Probleme bekommen habe ich gern die Gewerkschaft im Rücken, um mir im Kampf um meine Rechte beizustehen.

      Pädagogische Themen, Schulpolitik machen, dafür hat eine Gewerkschaft m.E. kein Mandat. Das muss an anderen Stellen geklärt werden. Auch eine Pilotengewerkschaft wird den Arbeitgebern eher nicht vorschreiben können, wie Fluggäste behandelt werden sollen oder über welche Zahlungssysteme Buchungen abgewickelt werden.
    • Neu

      LittleAnt schrieb:

      Meines Erachtens hat eine Gewerkschaft das zu klären, was "arbeitsvertraglich" so möglich ist. Alles, was in so Tarifverträgen drinsteht (Besoldung, Arbeitszeit, Regeln zu Kündigung etc.) möchte ich von meiner Gewerkschaft verhandelt wissen. Und sollte ich Probleme bekommen habe ich gern die Gewerkschaft im Rücken, um mir im Kampf um meine Rechte beizustehen.

      Pädagogische Themen, Schulpolitik machen, dafür hat eine Gewerkschaft m.E. kein Mandat. Das muss an anderen Stellen geklärt werden. Auch eine Pilotengewerkschaft wird den Arbeitgebern eher nicht vorschreiben können, wie Fluggäste behandelt werden sollen oder über welche Zahlungssysteme Buchungen abgewickelt werden.
      Schönes Beispiel, danke.
      Die Vereinigung Cockpit (vulgo 'Pilotengewerkschaft' kümmert sich nicht nur um Cash und Arbeitszeit, sondern auch um die Bedingungen an Bord, die Flugzeiten, die Anzahl des Personals und vieles mehr. Auch hier hilft ein Blick in die Satzung.


      Satzung der Vereinigung Cockpit schrieb:

      2. ZWECK, AUFGABEN
      2.1 Zweck der VC ist der Zusammenschluss des Cockpitpersonals im Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. Die VC ist nicht auf einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb ausgerichtet.
      2.2 Die VC ist unabhängig von politischen Parteien oder Richtungen, Staatsorganen, Religionsgemeinschaften, Unternehmen und Arbeitgeberverbänden sowie anderen außerhalb der VC stehenden Personen und Verbänden.
      2.3 Die wesentlichen Ziele der VC sind die Mitwirkung am Wohl der Zivilluftfahrt, insbesondere die Förderung und Erhöhung der Sicherheit des Luftverkehrs, sowie die Wahrung und Verfolgung berufspolitischer und tariflicher Interessen ihrer Mitglieder.
      Die Ziele sollen insbesondere erreicht werden durch:
      a) Einwirkung auf Gesetzgebung, Luftfahrtunternehmen und Industrie, im Besonderen in den Bereichen der Ausbildung und Einsatzbedingungen von Cockpitbesatzungen und der die Flugsicherheit betreffenden Regelungen,
      b) Mitbestimmung bei der Gestaltung der Arbeits- und Gehaltsbedingungen, insbesondere durch den Abschluss von Tarifverträgen in allen Flugbetrieben unter Anwendung der zur Verfügung stehenden Mittel,
      c) Sicherung der Mitbestimmungsrechte in allen wirtschaftlichen und sozialen Fragen und Vertretung der Arbeitnehmerinteressen des Cockpitpersonals in den für die Wirtschaft bestehenden oder noch einzurichtenden Körperschaften,
      d) Mitwirkung bei der Wahl der Betriebsvertretungen für das Cockpitpersonal und deren Unterstützung in der Erfüllung ihrer Aufgaben und Befugnisse im Rahmen der gesetzlichen Mitbestimmung,
      e) Weiterentwicklung des allgemeinen und beruflichen Bildungswesens für Cockpitbesatzungen und Sicherung der Mitbestimmung in allen dafür vorgesehenen Einrichtungen,
      f) verbandliche Schulung der Mitglieder,
      g) Information der Öffentlichkeit über die berufspolitische, sozialpolitische und wirtschaftliche Lage der Cockpitbesatzungen,
      h) Pflege internationaler Kontakte, insbesondere zu anderen Cockpitverbänden und Arbeitnehmervereinigungen.
      2.4 Die VC ist befugt, Tarifverträge abzuschließen und bildet hierzu eigene Tarifkommissionen. Das Nähere regeln Ordnungen und Richtlinien.
      2.5 Die VC kann Mitgliedern sowie deren Angehörigen und/oder Hinterbliebenen Unterstützung gewähren. Näheres regeln ggf. spezielle Unterstützungsordnungen. Auf geldliche Leistungen besteht kein Rechtsanspruch.
      Schon etwas mehr als nur Cash&Carry.
      Da ist vieles ähnlich wie bei der GEW. Und dass die Berufsbedingungen und die Verhältnisse an der Schule keine Auswirungen auf uns Lehrer haben, will hier ja wohl niemand behaupten.
      Vorurteilsfrei zu sein bedeutet nicht "urteilsfrei" zu sein.
      Heinrich Böll
    • Neu

      alias schrieb:

      Da ist vieles ähnlich wie bei der GEW. Und dass die Berufsbedingungen und die Verhältnisse an der Schule keine Auswirungen auf uns Lehrer haben, will hier ja wohl niemand behaupten.
      Aber das Problem ist, dass sich die GEW oftmals für Bedingungen und Verhältnisse an der Schule einsetzt, die mir als Lehrer zum Nachteil gereifen.
    • Neu

      Gewerkschaften sind wohl klassischerweise links. Man kann deswegen natürlich eine bzw. die Ideologie kritisieren, aber für mich und nach meinem Verständnis des Begriffes Ideologie ist es nicht sinnig zu kritisieren, dass eine Organisation eine Ideologie hat. Auch ver.di vertritt ja aktuell linke bildungspolitische Ziele wie gemeinsames Lernen bis zur 10. Klasse z.B. oder kostenfreie KiTa-Plätze. Jede*r hat eine Ideologie und das an sich ist auch nicht schlimm (wie es die AfD bspw. in ihrem Parteiprogramm den anderen Parteien immer wieder zum Vorwurf machen will). Ich möchte auch gar nicht in einer Gewerkschaft sein, die kein Profil hat und sich nicht mit dem Großen und Ganzen beschäftigt. Der GEW vorzuwerfen, dass sie unter dem Deckmantel Gewerkschaft andere Ziele verfolgt, halte ich für nicht haltbar, da die weiteren Interessen nicht nur im Kleingedruckten der Satzung stehen, sondern auch auf der Website beschrieben und öffentlich immer wieder vertreten werden. So sehe ich die GEW als Glücksfall, da ich mich dort einerseits sehr gut repräsentiert fühle, was das Bild von Schule angeht (ganz im Gegensatz z.B. zum politisch konservativ eingestellten Deutschen Lehrerverband), und andererseits gleichzeitig auf rechtliche Unterstützung und Rückendeckung und damit der Kernaufgabe einer Gewerkschaft zählen kann.
      Eine Gewerkschaft hat somit das Mandat, was ihr durch ihre Mitglieder erteilt wird.
    • Neu

      alias schrieb:

      Schönes Beispiel, danke.Die Vereinigung Cockpit (vulgo 'Pilotengewerkschaft' kümmert sich nicht nur um Cash und Arbeitszeit, sondern auch um die Bedingungen an Bord, die Flugzeiten, die Anzahl des Personals und vieles mehr.
      Nööö. Wäre Cockpit die GEW, würde sie fordern:
      • Economy Class für alle, damit keiner benachteiligt wird. Und damit der Qualitätsverlust nicht so auffällt, heißt die Economy Class in Zukunft "First Class"
      • Abschaffung der Linienflugpläne. Die Passagiere entscheiden bei jedem Flug selbstständig, wohin sie fliegen. Umwege werden selbstverständlich akzeptiert, man kommt auch über München von Berlin nach Hamburg. Der Pilot bleibt aber vollumfänglich für die Einhaltung der Flugzeiten verantwortlich.
      • Die Fluglinienbindung wird abgeschafft. In Zukunft gilt das Air Berlin-Ticket auf für Lufthansaflüge. Die Lufthansa bleibt aber dafür verantwortlich, alle mitzunehmen. Wenn die Kapazitäten nicht reichen, müssen die Lufthansa-Piloten unbezahlte Überstunden fliegen.
      • Die diskrminierende Unterteilung in Piloten, Flugbegleiter und Stewardessen wird aufgehoben. Es heißt in Zukunft nur noch "Flugpersonal" und geflogen wird abwechselnd der Reihe nach. Und alle sollen selbstverständlich soviel verdienen, wie Lufthansa-Piloten mit 20 Jahren Flugerfahrung.
      • Dazu gehört selbstverständlich eine einheitliche Ausbildung. Statt Fachwissen, das sowieso schnell veraltet (man denke an die dauernden Wechsel der Flugzeugtypen), wird der Schwerpunkt auf Konfliktmanagement, interkulturelle Kompetenzen und Karaoke-Singen gelegt. Um die Flugphysik kümmert sich ab jetzt ausschließlich der Boardcomputer.
      Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

      "In theory there is no difference between theory and practice. In practice there is." (Yogi Berra)
    • Neu

      alias schrieb:

      Die Vereinigung Cockpit (vulgo 'Pilotengewerkschaft' kümmert sich nicht nur um Cash und Arbeitszeit, sondern auch um die Bedingungen an Bord, die Flugzeiten, die Anzahl des Personals und vieles mehr. Auch hier hilft ein Blick in die Satzung.
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      (ist mir grade zu spät um korrekt zu zitieren, obiges war das Zitat von alias)
      ----
      Die Ausgangsfrage war: "Was ist für euch die Aufgabe einer Gewerkschaft".
      Meine Meinung bleibt: Nicht das WIE ich meine Arbeit mache, sondern das WAS. WAS ich bezahlt bekomme, WAS mein Urlaubsanspruch ist, WAS meine Arbeitsstunden sind.
      Das WIE wir über andre Kanäle Entschieden, und auch hier können wir als Lehrer Einfluss nehmen. Aber das ist nicht die Aufgabe, die ich von meiner Gewerkschaft erwarte.
      Ja, ich bin wie Yummi und Co bei den "Berufsschullehrern". Hier, im Bundesland, hat diese Schulform auch eine starke Basis, und das zu Recht. Vieles wird hier richtig gemacht, andres macht mir Sorgen.
      ABER: Schulpolitik soll und darf nicht von unsren Gewerkschaften gemacht werden! Damit macht sich die Gewerkschaft doch zum "Zerrissenen" zwischen "Kunde" und "Servicemitarbeiter"!
      Was will eine Gewerkschaft, die Bildungspolitik betreibt? Steht sie hinter uns? Steht sie hinter den Schülern? Kann sie wirklich die "optimale Lösung" anbieten die beiden zu Gute kommt? Der streit zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeber ist doch der: Gewerkschaft will das beste für Arbeitnehmer, Arbeitgeber will das beste für Unternehmen und Kunde. Und dazwischen findet man Kompromisse.
      Ich WILL schlichtweg nicht, dass sich meine Gewerkschaft einmisch in die Diskussion "was ist das beste für den Schüler". Ich will, dass Ideen kommen, was das beste für den Schüler ist, und meine Gewerkschaft sagt "das können unsre Leute leisten/nicht leisten".
      Und diese unsägliche Diskussion darüber, ob ich in Zukunft über jeden meiner 200 Schüler einen Aufsatz schreiben will ist weder in meinem, noch im Interesse meiner Schüler. Scusi, isso.

      -----
      Edit by Mod: mir war es nicht zu spät. Kleine Tiere müssen schließlich zusammenhalten. ;) Ich hoffe, das Zitat passt so. kl. gr. frosch
    • Neu

      LittleAnt schrieb:


      ABER: Schulpolitik soll und darf nicht von unsren Gewerkschaften gemacht werden! Damit macht sich die Gewerkschaft doch zum "Zerrissenen" zwischen "Kunde" und "Servicemitarbeiter"!
      Was will eine Gewerkschaft, die Bildungspolitik betreibt? Steht sie hinter uns? Steht sie hinter den Schülern?
      Schüler sind keine Kunden. Und es braucht niemanden, der zwischen Lehrern und Schülern vermittelt oder sich auf die eine oder andere Seite schlägt :ka:
    • Neu

      Bildungspolitik wird von Politikern gemacht und entschieden.
      Um Einfluss auf diese Entscheidungen zu nehmen, organisieren sich Menschen in Interessenverbänden, so versucht keiner, dem Philologenverband, dem Realschullehrerverband, dem BLLV und dem Schulleiterverband vorzuschreiben, das diese sich gefälligst nur um die optische Gestaltung der Unterrichtsmaterialien und um die anstehende Gehaltserhöhung zu kümmern haben.
      Nur weil die GEW das Wörtchen "Gewerkschaft" in ihrem Namen trägt, soll diese in diesem Prozess ausgeschlosen sein?
      Leute, kommt auf den Teppich. Es besteht Koalitionsfreiheit und um welche Inhalte sich die Verbände kümmern, wird in diesen Verbänden entschieden.
      Wer das verbieten will, stellt sich außerhalb unserer Grundordnung.
      Dass die GEW hier Einfluss hat und ausübt, freut mich als Mitglied. Dass Einzelmotzer ihren mangelnden Einfluss beklagen, stört mich nicht. Selbst schuld.
      Vorurteilsfrei zu sein bedeutet nicht "urteilsfrei" zu sein.
      Heinrich Böll
    • Neu

      Schantalle schrieb:

      LittleAnt schrieb:

      ABER: Schulpolitik soll und darf nicht von unsren Gewerkschaften gemacht werden! Damit macht sich die Gewerkschaft doch zum "Zerrissenen" zwischen "Kunde" und "Servicemitarbeiter"!
      Was will eine Gewerkschaft, die Bildungspolitik betreibt? Steht sie hinter uns? Steht sie hinter den Schülern?
      Schüler sind keine Kunden. Und es braucht niemanden, der zwischen Lehrern und Schülern vermittelt oder sich auf die eine oder andere Seite schlägt :ka:
      Wie würdest du Schüler, als analogie zur freien Wirtschaft, denn bezeichnen?

      Klar sind das Kunden. Kunden, die manchmal nicht wissen was das beste für sie ist, Kunden für die wir kämpfen damit sie das beste bekommen was sie bekommen können.

      Was denn sonst?
    • Neu

      Firelilly schrieb:

      Dann sollte man mal überdenken, warum Lehrer im Lehrerzimmer untereinander über Unzufriedenheiten und zu hohe Arbeitsbelastung sprechen, dies aber nicht öffentlich auf einer Lehrerkonferenz tun, wo die Schulleitung anwesend ist. Es ist doch klar, die Schulleitung sitzt am längeren Hebel und man muss immer damit rechnen, dass man Nachteile bis hin zum Bossing erlebt, wenn man unliebsame Dinge mal benennt.
      Als Personalrat ist man in der Funktion neutral zu melden "Im Kollegium gibt es folgendes Ansinnen...". Damit ist man nicht unbedingt selber in der Schusslinie, man ist nur das Sprachrohr.
      Dafür machen wir doch die Personalversammlungen. Bei denen ist die SL prinzipiell nicht anwesend. Hier könnten die Kollegen sich also mal deutlich äußern, damit wir in Debatten mit der SL mehr haben als "wir haben am Rande mitbekommen". Zumal wir auch schon von Kollegen kritisiert worden sind, dass wir Dinge zum Thema gemacht haben, die eben nicht explizit an uns als Aufgabe herangetragen wurden.
      Ist auch verständlich, manchmal will man sich nur Luft machen. Deshalb fragen wir solche Dinge auch immer mal wieder auf PVs ab - übrigens selbstverständlich auch schrifltich und damit anonym. Nur kommt da halt selten etwas Konkretes.
      Das Problem ist, dass viele Lehrer einfach ängstlich sind - trotz Verbeamtung auf Lebenszeit.
      Das wird ja auch in deinem Kommentar deutlich.
    • Neu

      WillG schrieb:

      Dafür machen wir doch die Personalversammlungen. Bei denen ist die SL prinzipiell nicht anwesend. Hier könnten die Kollegen sich also mal deutlich äußern, damit wir in Debatten mit der SL mehr haben als "wir haben am Rande mitbekommen". Zumal wir auch schon von Kollegen kritisiert worden sind, dass wir Dinge zum Thema gemacht haben, die eben nicht explizit an uns als Aufgabe herangetragen wurden.Ist auch verständlich, manchmal will man sich nur Luft machen. Deshalb fragen wir solche Dinge auch immer mal wieder auf PVs ab - übrigens selbstverständlich auch schrifltich und damit anonym. Nur kommt da halt selten etwas Konkretes.
      Das Problem ist, dass viele Lehrer einfach ängstlich sind - trotz Verbeamtung auf Lebenszeit.
      Das wird ja auch in deinem Kommentar deutlich.
      Unser Personalrat macht wenig schriftlich und anonym. Das habe ich auch schonmal rückgemeldet, aber geändert hat sich nichts. Noch sind nicht alle Kolleginnen lebenszeitverbeamtet. Dann sieht die Sache vielleicht anders aus, aber bis dahin, ja, die Schulleitung hat viel zu viel Macht. Geht ja um Gutachten, Stundenpläne, usw., weil denen deutlich sichtbar diejenigen besser dran sind, die nicht durch andere Ansichten auffallen.
      Und nein, ansonsten ist die Stimmung in Ordnung und die Schulleitung in Ordnung, man bekommt viel Unterstüzung.... WENN man eben in deren Sinne agiert.
      Der Krankenstand ist hoch wie nie, weil jeder so viel extra macht.
    • Neu

      Morse schrieb:

      Schantalle schrieb:

      was dürfen Gewerkschaften fordern, finden und meinen?
      Mehr Geld, weniger Arbeit, bessere Arbeitsbedingungen
      Zu kurz gesprungen! Aufgabe der Gewerkschaften ist die Mitgestaltung der Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen. Die Arbeitsbedingungen der Lehrer werden auch durch äußere Rahmenbedingungen wie Gestaltung und Aufbau der Schulsysteme, Ausbildung der Lehrkräfte, Bildungspläne, Finanzierung von Bildung und Schule bestimmt.

      Sobald man auf diese Rahmenbedingungen Einfluss nimmt, ist man allgemeinpolitisch tätig. Sonst funktioniert das nicht.


      Prof. Dr. Konrad Zweigert schrieb:

      Zwar besteht eine Tendenz, gewerkschaftlicher Tätigkeit eine Legitimation möglichst nur im ökonomischen Bereich zuzusprechen und hier wieder die bloßen Arbeitsbedingungen zu betonen. Tatsächlich kann aber der Auftrag der Koalitionen nicht so eng aufgefaßt werden. Zu den Wirtschaftsbedingungen zählen allgemein die wirtschafts- und sozialpolitischen Verhältnisse, soweit sie Arbeitnehmer betreffen, einschließlich der beruflichen Bildung, der Altersversorgung und der Vermögensbildung. Die Gewerkschaften dürfen daher auch auf die Verteilung des Sozialproduktes und die Wirtschaftsordnung Einfluß nehmen, wenngleich viele dieser Fragen nicht von den Koalitionen selbst, sondern nur vom Gesetz geregelt werden können.
      Alter Text. Immer noch gültig. Zweigert war Richter am Bundesverfassungsgericht



      Zweigert schrieb:


      Die Satzung des DGB nennt unter seinen Aufgaben ausdrücklich den Ausbau und die Sicherung des sozialen und demokratischen Rechtsstaates und seiner frei-
      heitlich-demokratischen Grundordnung sowie die Verteidigung der Grundrechte. Daraus wird deutlich, daß sich die Gewerkschaften als Mitträger der freiheitlich-
      demokratischen Grundordnung verstehen. Ihr Eintreten für die Entfaltung von Menschenwürde, Freiheit und Gleichheit auch im Arbeitsleben entspricht dem Auf-
      trag der Verfassung. Daß die Gewerkschaften eine soziale Evolution in Richtung auf eine gerechtere Vermögensverteilung erstreben, steht ebenfalls im Einklang mit
      dem Grundgesetz. Es besteht auch kein Widerspruch zwischen dem Sozialstaatsprinzip (Art. 20 Abs. 1 GG) und einer Lohnpolitik, die bestehende Einkommens-
      unterschiede nicht bloß fortschreibt, sondern sich vorwiegend der unteren Einkommensgruppen annimmt
      Vorurteilsfrei zu sein bedeutet nicht "urteilsfrei" zu sein.
      Heinrich Böll
    • Neu

      alias schrieb:

      Morse schrieb:

      Schantalle schrieb:

      was dürfen Gewerkschaften fordern, finden und meinen?
      Mehr Geld, weniger Arbeit, bessere Arbeitsbedingungen
      Zu kurz gesprungen! Aufgabe der Gewerkschaften ist die Mitgestaltung der Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen. Die Arbeitsbedingungen der Lehrer werden auch durch äußere Rahmenbedingungen wie Gestaltung und Aufbau der Schulsysteme, Ausbildung der Lehrkräfte, Bildungspläne, Finanzierung von Bildung und Schule bestimmt.
      Sobald man auf diese Rahmenbedingungen Einfluss nimmt, ist man allgemeinpolitisch tätig. Sonst funktioniert das nicht.

      Da habe ich eine ganz andere Meinung.
      Die Gestaltung der Schulsysteme und Bildungspläne usw. sollte meiner Meinung nach gerade NICHT die Aufgabe der Gewerkschaft sein, sonst arbeitet sie ohne Lohn noch zusätzlich für den Arbeitgeber.

      Z.B.: Den Klassenteiler zu senken sollte Ziel einer Gewerkschaft sein, aber nicht, weil es pädagogisch und didaktisch sinnvoll ist, sondern weil es die Arbeit erleichtert.

      (Das KM (!) sollte den Klassenteiler aus pädagogischen und didaktischen Gründen senken - aber das kapitalistische Prinzip der möglichst geringen Lohnkosten steht dem gegenüber)
    • Neu

      Auch auf die Gefahr hin, dass ich hier zum running gag werde:
      Gestern lag mal wieder eine Ausgabe der NDS im Briefkasten. Und ich habe schon wieder einen Grund, mich aufzuregen.

      S. 8 Überschrift: Sprachenlernen braucht individuelle Rezepte Neu zugewanderte Kinder in Kita und Schule

      Wasser auf unsere Mühlen, da wir das Problem haben, dass in unseren "Internationalen Klassen" (die nur stundenweise laufen, weil wir nach dem Immersionsprinzip arbeiten) ein einheitlicher Unterricht kaum möglich ist, weil die Lernstände der Teilnehmer so arg unterschiedlich sind (vom Mittelstandskind aus Syrien, das fließend Englisch spricht und die latein. Schrift beherrscht, bis hin zur Kurdin vom Land, die, wie ihre Eltern auch, nicht alphabetisiert ist).
      Und ich denke:
      Oh, Klasse, man sieht das Problem und zeigt auf, dass man für die nötigen "individuellen Rezepte" mehr Personal und Geld für versch. Material braucht.
      DENKSTE

      Die Autorinnen des Artikels sind Hochschullehrerinnen. Da hätte mir schon dämmern können, wieviel Praxisnähe ich erwarten kann.
      Tatsächlich enthält der Artikel zu 2/3 Binsenweisheiten, die schon längst bekannt sind, und die wir ja auch längst beherzigen (Immersion führt zu schnellerem Spracherwerb, Zugang zu muttersprachlichen Kontakten, muttersprachl. Unterricht usw.).
      Dann aber kommt der Hammer:
      Im letzten Absatz steht da: "Nicht nur Prof. Dr. Dr. Ingrid Gogolin ... fordert deshalb: Institutionen sollten ihren monolingualen Habitus ablegen. Würde sich das Bildungssystem mehrsprachigen Erwerbswegen deutlich mehr öffnen und Migrant*innensprachen mehr Beachtung in Lernprozessen geschenkt werden, würden ... mehrsprachiger Unterricht, mehrsprachige Pädagog*innen deutlich mehr gefördert, könnten Kinder ihren Sprachkompetenzen gemäß angemessener betreut, begleitet und unterrichtet werden." (Hervorhebungen von mir)

      Um jetzt nicht falsch verstanden zu werden: In der Sache ist das völlig richtig! (Und im Übrigen gar nicht neu.)
      ABER: Der Ton macht die Musik. So, wie das formuliert ist (siehe meine Hervorhebungen), stößt mich das vor den Kopf. Das klingt, als wollten wir nicht. Wenn wir nur wollen würden, dann ginge das.
      WIR WOLLEN! Indes, es geht nicht.

      Wir suchen schon lange händeringend Lehrkräfte mit muttersprachlichen Kompetenzen in Arabisch, Türkisch, Kurdisch. Indes: Wir finden keine. Der Markt ist leer. Und wir liegen auf der allzu beliebten Rheinschiene.

      Ich würde in meinem Deutschunterricht sehr gerne die Muttersprachen der Kinder meiner Klasse hinzuziehen, gerade wenn ich Grammatikeinheiten habe. Indes: Es sind sieben verschiedene. Und: Ich beherrsche keine davon. Ich kann kein: Russisch, Arabisch, Berberisch, Tschechisch, Albanisch, Kurdisch, Tamilisch, und nur ganz wenig Türkisch. Wie viele Kollegen bräuchte ich, um all diesen Herkunftssprachen "Beachtung zu schenken"?

      Und ich kenne so manche Schule in migrantisch geprägten Stadtteilen einer rheinischen Großstadt, die eine sprachlich recht homogene Schülerschaft hat, an der der Herkunftssprache schon seit Jahrzehnten große "Beachtung geschenkt" wird.

      Was also soll dieser anklagende Ton, der sich an Lehrkräfte wendet, in einer Gewerkschaftszeitung?
      Ja, glauben denn die Chefredakteure, wir wüssten nicht, was wir brauchen?
      Es liegt nicht am mangelnden Willen unsererseits. Es liegt an den Umständen, dass sehr schnell sehr viele Migrantenkinder hinzugekommen sind, auf deren Sprachen wir nicht vorbereitet waren, es liegt daran, dass der Integrationserfolg der letzten 50 Jahre so dermaßen bescheiden war, dass Mangel an Akademikern mit Migrationshintergrund herrscht, und nicht zuletzt an der Landesregierung, die nicht bereit ist, dem Bildungsbereich das nötige Geld zur Verfügung zu stellen.
      DAS sollte in einer Gewerkschaftszeitung stehen.

      Die Integration von Flüchtlingskindern erfordert einen hohen Organisationsaufwand, für den wir keinerlei Unterstützung bekommen. Wir müssen Dolmetscher selbst organisieren, wir kaufen Material aus eigener Tasche, wir bekommen keine Entlastungsstunden für die aufwändige Koordination mit DaZ-Kollegen, Familienhelfern und Schulpsychologen. Die Flüchtlingskinder werden in den Klassenteiler nicht eingerechnet.
      DAS sollte in einer Gewerkschaftszeitung stehen.
      Dödudeldö ist das 2. Futur bei Sonnenaufgang.

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    • Neu

      Versuch dich nicht drüber zu ärgern.
      Ist schwer und ich möchte zwar auch fast jede zweite Ausgabe mindestens einem Autor einen Trömp schicken, aber man muss sich mal vor Augen halten, wer Zeit hat für so eine Zeitschrift zu schreiben...
      in der Regel nicht die erfahrenen Lehrer, die in der Praxis stehen und ihre Energie zur Lösung der Probleme in der Praxis einsetzen. ;)
    • Neu

      Susannea schrieb:

      Darf ich mal kurz fragen, warum bei Personalversammlungen der Schulleiter nicht anwesend sein soll, bei uns ist dies oft der Fall, denn auch Schulleiter gehören zum Personal und einige sind sogar in der Gewerkschaft (und gehen dann auch deren Wege mit).
      Also, in Bayern ist es so, dass der Schulleiter ("Leiter der Dienststelle") tatsächlich an der Personalversammlung teilnehmen darf. Aus anderen Bundesländern weiß ich, dass er nur auf explizite Einladung des PR teilnehmen darf - mit wenigen Ausnahmen (PV zum Tätigkeitsbericht; PVs, die der SL selbst einberuft). Die erweiterte Schulleitung hat hingegen meist ein Recht auf Teilnahme. Wie das bei euch geregelt ist, findest du im Personalvertretungsgesetz deines Bundeslandes.

      In der Praxis war es bislang aber tatsächlich an allen Schulen, die ich kenne, so, dass der Dienststellenleiter selbst prinzipiell nicht auf PVs gegangen ist - außer eben er wurde vom PR expliziz gebeten, um beispielsweise zu einem Thema Stellung zu nehmen oder so.
      Das gibt dem Personal die Möglichkeit, sich mal frei auszutauschen.

      Anders sind meine Erfahrungen bei der erweiterten Schulleitung. Da habe ich schon alles erlebt. Von freiwilliger Nicht-Teilnahme bis hin zum wörtlichen Mitschreiben, um später der Schulleitung doch so genau wie möglich zu berichten, wer was gesagt hat. So ein Verhalten ist aber in höchstem Maße unsouverän und zeugt nicht gerade von Leitungsqualitäten. Deshalb haben wir an meiner alten Schule auch mal einen entsprechenden langhaltigen Konflikt mit der erw. Schulleitung bzgl. ihrer Rolle im Kollegium ausgefochten.