Warum mischt sich die Kirche in Bildung ein?

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      An unserer Schule bemühen sich "mein" Schulleiter und ich uns, den Reliunterricht möglichst klein zu halten und viel Werbung für den Philounterricht zu machen- Mit Erfolg.

      Ansonsten kann ich WillG voll zustimmen. Wenn irgendwelche Konservativen unbedingt Reliunterricht wollen und diesen schwachsinniger Weise im Grundgesetz belassen wollen - Von mir aus. Aber ohne die Einmischung einer Institution, die für Jahrhunderte den Fortschritt in Europa blockiert und vernichtet hat, die Frauen verbrannt und "Ketzer" gefoltert hat, die NACH WIE VOR Schwule (und zum Teil Frauen) diskriminiert und mit dafür verantwortlich ist, dass in Afrika die AIDS-Rate so hoch ist.

      Sachlicher, religionswissenschaftlicher Unterricht ohne Einmischung einer mehr oder wniger verbrecherischen Organisation - Das fordere ich. In Frankreich funktioniert es doch auch wunderbar! Konfessioneller Religionsunterricht ist veraltet und ewig gestrig - In meinen Augen damit völlig überflüssig.

      P.S. Ich weiß, etwas drastisch formuliert - Aber das ist eben auch ein recht emotionales Thema.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Lord Voldemort ()

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      kecks:
      man schaue sich nur mal an, wie über den islam im katholischen reliunterricht und in ethik gesprochen wird. welten.
      hier: es werden vor allem die problematischen punkte (frauenbild im islam/in manchen islamischen familien in deutschland; islam als immer schon politische religion, von wegen umma und so...) hervorgehoben und dann den kindern vermittelt, dass das ja "bei uns" nicht so sei. zumindest ist es das, was die sus mitnehmen. sie fragen in ethik immer wieder nach diesen unterschieden in der vermittlung ("in reli haben die gelernt, dass..."), es irritiert sie.
      ist jetzt sehr, sehr scharf und eher sarkastisch bis satirisch formuliert. zudem hörensagen von sus und relikollegen und material/schulbuch, ich war selber nach meiner eigenen schulzeit nur eine handvoll male in einer ganzen relistunde dabei.
      Um direkt konkret zu reagieren: es liegen keine Welten zwischen Ethik und dem Religionsunterricht. Es werden im Religionsunterricht nicht vor allem die von dir genannten problematischen Punkte angesprochen. Ich möchte nicht ausschließen, dass deine Schüler sich nur diese problematischen Punkte merken. Ich möchte auch nicht generell ausschließen, dass dein Religionskollege das so macht. Aber dann solltest du ihm die Schuld in die Schuhe schieben. Als Argument gegen den konfessionellen Religionsunterricht ist das nicht sonderlich angebracht, denn es liegt nicht an den Vorgaben des kath. Religionsunterrichtes.

      Einige Lehrpläne habe ich mal hier angehängt. Es mag in den Lehrplänen bestimmt Unterschiede geben, aber die Grundtendenz ist die gleiche. Es steht sicherlich auch drin, dass man andere Religionen (genauso wie man es im Fach Religion auch mit der eigenen macht) kritisch hinterfragt. Das ist aber nur ein sehr kleiner Teilbereich. Eigentlich geht es um das Verständnis anderer Religionen.

      Ich kann dir leider nicht den für deine Schulform und dein Bundesland passenden Lehrplan anzeigen (es sei denn, ich habe zufällig den passenden rausgesucht), da in deinem Profil weder Informationen zu deiner Schulform noch zu deinem Bundesland stehen, aber ich bin sicher, dass du ggf. den passenden Lehrplan finden wirst um dich dort bei Bedarf zu informieren. Wenn dein Kollege am Lehrplan vorbei arbeitet, kannst du ihn dann vielleicht einmal darauf hinweisen.

      Lehrplan Bayern, Klasse 7 (ich glaube es war der aus dem Gymnasium)L


      Lehrplan NRW, Realschule




      Lehrplan Niedersachsen, Sek 1


      kl. Gr. Frosch

      .S.: Ungeachtet der Tatsache, dass ich deine Aussage bzgl. der Vermittlung des Islams im Religionsunterricht für nicht richtig halte, habe ich (wie sicherlich bekannt ist) aber auch nichts gegen die Abschaffung des Religionsunterrichtes an den Schulen und den Ersatz des Faches durch Ethik. Wir sollten aber bei den Argumenten dafür die Kirche im Dorf lassen.
      Free Tibet!!
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      Anja82 schrieb:

      Die Grafik heißt Konfessionen Deutschlands und da scheint der Islam nicht zuzugehören. Schade...
      Wenn man sich die Quelle der Karte (bzw. die von Jule ergänzte Legende) anschaut, sieht man, dass es um die Mehrheitskonfession der jeweiligen Region geht. Da kann logischerweise der Islam nicht dazugehören. Hier wäre eine aktuelle Einschätzung der Anteile, wo man auch den Islam findet.
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      ...je nachdem, wie man "welten" versteht. ich finde schon, dass das welten sind, weil die grundhaltung eine andere ist (eine menge religionen nebeneinander vs. unsere religion und die da mit ihrer religion) in reli bzw. ethik.

      aber das hatten wir neulich schonmal. und da first world problem... ich korrigiere jetzt hier fertig.
      die wahrheit ist konkret. (bert brecht)
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      hm, auf meine Nachfrage hattest du oben noch geschrieben, dass der "Welten"-Unterschied wäre, dass im Religionsunterricht vor allem die problematischen Punkte angesprochen würden. Das stimmt ja so nicht, wie aufgezeigt.

      Die von dir genannte unterschiedliche Grundhaltung ist aber auch nicht vorhanden. Auch im Religionsunterricht heißt es "eine Menge Religionen nebeneinander" und nicht "wir und die da mit ihrer Religion".

      kl. gr. frosch
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      doch, die unterschiedliche grundhaltung ist die ursache (meiner meinung nach) für die unterschiedliche darstellung des islams in reli- und ethikunterricht. habe ich auch schon oben als vermutung so formuliert.

      das findet sich sogar im lp, close reading und so:

      da wird z.b. im lp bayern gym eth 7 geschrieben von dem islam als dem "andersartigen in unserer lebenswelt" blablubb. das ist für meine schüler nicht so. der islam ist nicht "andersartig", sie sind moslems. das ist ihre --> "unsere" lebenswelt. "unsere" ist für mich in ethik jeder, der in meinem unterricht sitzt. in reli sind das halt (fast) nur katholiken oder sonstwie der konfession positiv zugetane leute (bzw. kinder solcher leute). "unsere" = katholisch, sagt der lp, und in reli stimmt das ja auch.

      die realiät ist aber außerhalb des reliunterrichts eine andere, und darauf kann halt ethik meiner meinung nach viel besser eingehen und vorbereiten. wir sind immer schon ein bunter haufen in sachen metaphysik und daher gezwungen, uns ständig darüber (und vor allem über die sich daraus ergebenden konsequenzen im alltag und der welt) neu zu verständigen, wofür ethik ja auch da ist. reli dagegen setzt eine metaphysische überzeugung (katholische dogmatik, sozusagen), und dann erkundet man von dieser basis aus die welt, z.b. die muslimische. kann man machen. ich finde aber halt ethik lebensnäher, spannender, schöner, sinnvoller, entspannter, mit weniger epistemologischen problemen behaftet, sucht euch was aus.
      die wahrheit ist konkret. (bert brecht)
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      1. das "Close Reading" kannst du dir sparen. Danke.
      2. Es heißt in bayrischen Lehrplan nicht "Das Andersartige in Bezug auf unsere Religion" (wie du vermutest). "Unsere" = "unsere Gesellschaft" - das steht ja auch so im Text. Sonderlich geschickt ist die Formulierung nicht, da stimme ich dir zu. Ich tendiere auch eher dazu, dass der Islam nicht das "andersartige in unserer Gesellschaft " ist. Aber wie gesagt: "Andersartig" steht da nicht in Bezug auf "unsere Religion".
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      nö, spare ich sicher nicht, close reading ist eine gängige methode der literaturwissenschaft. ich bin literaturwissenschaftlerin, und der lp ist ein text. :)

      und du zeigst den witz gerade selber nochmal auf: "unsere gesellschaft" wird vom lp semantisch gleichgesetzt mit "unsere religion", das ist immer noch der reli-lehrplan - und genau da ist das problem. unsere gesellschaft ist eben nicht primär katholisch, oder, wollen wir mal nicht so sein, christlich.
      die wahrheit ist konkret. (bert brecht)
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      Um mal eine unparteiische Position einzunehmen: Es sind schlichtweg unterschiedliche Perspektiven. Die eine Seite legt "Religionsfreiheit" als "alle (in Deutschland praktizierten) Religionen sind auf gleicher Ebene, weswegen es kein "Ihr" und "Wir" gibt.", die andere als "jeder darf seine Religion praktizieren wie er lustig ist, die Hauptreligion (in Deutschland) ist aber das Christentum" aus. Da gibt es wohl unterschiedliche Meinungen dazu, mit der jeder (Religions-/Ethik-)Lehrer anders umgeht. Selbst in Gegenden mit hohem Anteil an nicht-christlichen Schülern sind die Meinungen gespalten von "wir müssen auf die Lebenswelt unserer Schüler eingehen" bishin zu "Genau deswegen müssen wir die christlichen Werte umso mehr betonen, da die Schüler diese von zuhause nicht kennen, sie aber zu Deutschland dazu gehören".

      Mich erinnert das etwas an eine andere kontrovers diskutierte Frage im Schulbereich: Nämlich, ob man im Sozialkundeunterricht die Paarung Mann/Frau (+Kinder) als Hauptfamilienform und die anderen möglichen Konstellationen als alternative Familienformen darstellt oder ob man sagt, dass Mann/Frau (+Kinder) nur eine von mehreren möglichen Familienformen ist. Letztendlich gibt es hier kein Richtig oder Falsch - sondern nur unterschiedliche Ansichten.
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      kecks - ich wusste, dass du als nächstes darauf hinweist, dass unsere Gesellschaft primär christlich sei. Ob sie das aber wirklich immer noch ist, sei dahin gestellt. Nichtdestotrotz ist explizit die Rede von "unserer Gesellschaft". Nicht "unserer Religion". Das darf man dann auch ruhig so verstehen. Die semantische Gleichsetzung wird von dir so interpretiert.

      Wie gesagt: wenn im katholischen Religionsunterricht die (Welt-)Religionen behandelt werden geht es nicht um ein "wir" und "die". Aber wie du weiter oben schon geschrieben hast: Du hast nicht viel Einblick in den kath. Religionsunterricht. Der wäre für eine entsprechende Beurteilung des kath. Religionsunterrichtes aber sicher hilfreich. Macht aber nichts. First World Problems. ;)

      kl. gr. frosch
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      @Lehramtsstudent
      Bei Letzterem ist sicher die diskriminierungsfreie Ansicht die richtige.

      Ob das bei Religionen auch funktioniert (insbesondere bei denen, die ihren Gott als den jeweilig einzigen und wahren postulieren), da bin ich mir nicht so sicher.
      8_o_) Politische Korrektheit ist das scheindemokratische Deckmäntelchen um Selbstzensur und vorauseilenden Gehorsam. :whistling:
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      Lehramtsstudent schrieb:




      Mich erinnert das etwas an eine andere kontrovers diskutierte Frage im Schulbereich: Nämlich, ob man im Sozialkundeunterricht die Paarung Mann/Frau (+Kinder) als Hauptfamilienform und die anderen möglichen Konstellationen als alternative Familienformen darstellt oder ob man sagt, dass Mann/Frau (+Kinder) nur eine von mehreren möglichen Familienformen ist. Letztendlich gibt es hier kein Richtig oder Falsch - sondern nur unterschiedliche Ansichten.
      moralisch und fachwissenschaftlich gibt es nur eine Antwort...
      Keine falsch verstandene Toleranz gegenüber den Intoleranten, deren Sicht darf thematisiert werden, ist aber soziologisch falsch (du sprachst vom SoWi-Unterricht)
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      In NRW gibt es keine kreisfreie Stadt und keinen Kreis in dem Muslime insgesamt die Mehrheitsreligion stellen. Der höchste Wert in einzelnen Stadtteilen dürfte Duisburg-Bruckhausen mit ca. 40-45% Muslimen sein. Jetzt kommt aber dazu, dass die Verteilung bei den Schulkindern etwas anders aussieht, dann gibt es in NRW einige Städte in denen die Mehrheitsreligion (an vielen Schulen) der Islam ist (Gesamtschülerzahl, wieder für Duisburg: 17.344 muslimisch, 14.875 katholisch, 13.041 evangelisch (Quelle: WAZ)).
      The price of freedom is eternal vigilance. (Leonard H. Courtney)
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      Valerianus schrieb:

      Der höchste Wert in einzelnen Stadtteilen dürfte Duisburg-Bruckhausen mit ca. 40-45% Muslimen sein.
      Wenn man bedenkt, dass bei den restlichen 55-60% auch ein größerer Anteil Atheisten dabei sein dürfte, wären die Christen hier definitiv in der Minderheit.
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      Bei solchen Prognosen dürfte es christlichen Vertretern (und konservativen Bevölkerungsanteilen) Bange um die christlichen Werte des Landes werden. Aber gut, wenn ihr als Lehrer damit klar kommt und trotzdem den christlichen Schülern die Möglichkeit gegeben ist, ihren religiösen Aktivitäten nachgehen zu können (Religionsunterricht, Feiern christlicher Feste, Schweinefleisch in Mensa und co.), kann man zumindest nur auf die Schule bezogen dagegen nichts einwenden.
      Hattet ihr schon immer ein "gemischtes" Einzugsgebiet oder ist das erst mit der Zeit so geworden?
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      Lehramtsstudent schrieb:

      Bei solchen Prognosen dürfte es christlichen Vertretern (und konservativen Bevölkerungsanteilen) Bange um die christlichen Werte des Landes werden. Aber gut, wenn ihr als Lehrer damit klar kommt und trotzdem den christlichen Schülern die Möglichkeit gegeben ist, ihren religiösen Aktivitäten nachgehen zu können (Religionsunterricht, Feiern christlicher Feste, Schweinefleisch in Mensa und co.), kann man zumindest nur auf die Schule bezogen dagegen nichts einwenden.
      Hattet ihr schon immer ein "gemischtes" Einzugsgebiet oder ist das erst mit der Zeit so geworden?
      Welche christlichen Werte denn? :wink_1: