Hallo aus Hannover

    • Hallo aus Hannover

      Hallo ihr Lieben,
      ich stelle mich dann auch mal vor:

      Ich bin Isabel, 23 Jahre alt und studiere im 2. Mastersemester gymnasiales Lehramt für die Fächer Englisch und Deutsch.
      Ich bin seit meinem 14. Lebensjahr blind (mit geringem Sehrest) und wurde sowohl inklusiv, als auch auf einer Blindenschule unterrichtet und habe daher relativ viele Erfahrungen in dem Bereich.

      In meiner Freizeit lese ich gern und gehe mit meinem Freund tanzen.

      Ich freue mich schon auf einen regen Austausch mit euch :)

      LG,
      Isabel
      Liebe Grüße von FizzyIzy :winkewinke:
    • Hallo Isabel!

      Was mich interessieren würde: Wie gehst du mit Texten um, die nicht in Blindenschrift geschrieben sind? Bekommst du die selben Klausuren wie deine Kommilitonen oder sehen die anders aus? Erst gestern hieß es in einem Seminar nach dem Motto "Schauen Sie sich diese Grafik an!" Wie gehst du mit dem allgemeinen Studienalltag um?
      Ich vermute mal, dass du diese Fragen oft gestellt bekommst, aber ich bin diesbezüglich neugierig :pfeifen: ...

      Liebe Grüße
    • Huhu,
      ich lese tatsächlich GAR NICHTS in Punktschrift. Würde einfach zu lange dauern, da ich die erst zu spät erlernt habe und auch nur die Vollschrift kann. Fast alles ist aber eigentlich in Kurzschrift (ähnlich wie Steno) geschrieben.

      Ich lasse mir Buchtexte in Worddokumente einscannen und vergrößere dann einfach die SChriftgröße und nutze zusätzlich die Bildschirmlupe des PCs. Zuhause hab ich auch ein so genanntes Lesegerät. Das ist einfach eine Kamera, die an einen Monitor angeschlossen ist und die Texte dann ganz stark vergrößern kann und auch verschiedene Kontraste hat.

      Folien und Arbeitsblätter versuche ich mir von den Dozenten vorab geben zu lassen, damit ich sie während des Seminars auf meinem Laptop mitlesen kann. Es kommt aber auch immer wieder vor, dass so etwas vergessen wird oder die Dozenten das einfach nicht wollen. Zur Not hab ich auch immer noch einen Assistenten dabei, der mir Tafelbilder vorlesen und abschreiben kann und Bilder erklärt.

      Meine Klausuren sind eigentlich meist identisch mit denen der anderen. Manchmal werden Grafiken oder Modelle rausgenommen und durch andere vergleichbare Sachen ersetzt oder ich beschreibe die Sachen einfach mit Worten, anstatt sie in Modellen aufzumalen.

      Ich hab dann auch immer 50% zusätzliche Zeit zur Verfügung (bei Hausarbeiten auch).

      Wenn du noch Fragen hast, kannst du gerne fragen :)

      LG,
      Isabel
      Liebe Grüße von FizzyIzy :winkewinke:
    • Das klingt ja soweit machbar, danke für den Einblick. Das heißt im Unterricht bräuchtest du dann auch eine Assistenz? Ich stelle mir das alleine nämlich echt schwer vor. Ohne Brille könnte ich nicht sehen wer sich da gerade meldet und würde auch keinen Pfuschversuch mitbekommen...
      Only Robinson Crusoe had everything done by Friday.
    • Bisher war es eigentlich immer gut machbar. Im Praktikum hatte ich immer eine Assistenz dabei, habe die aber eigentlich im Unterricht gar nicht gebraucht.

      Ich kann mir sehr viele Dinge schnell und gut merken. Ich merke mir z.B. welches Kind auf welchem Platz sitzt und mit der Zeit erkenne ich auch die Stimme des Kindes.

      Beim Melden kann man ja verschiedene Methoden anwenden. Entweder man lässt die Schüler klopfen, ihren Namen sagen (klappt eher in den älteren Klassen) oder bei den jüngeren klappen auch Meldeketten sehr gut.

      An der Tafel kann ich selbst noch schreiben und im Zweifel helfen mir die Schüler kurz. Bisher waren die immer alle sehr sozial, was das anging.

      Was das Spicken angeht, würde ich dann natürlich schon eine Assistenz mitnehmen, um das zu verhindern. Ich würde die Arbeiten aber auch (wenn möglich) in einem Computerraum schreiben lassen, weil handschriftliches für mich schwer zu korrigieren ist.

      Da die Assistenz leider einkommens- und vermögensabhängig ist, werde ich sie später, wenn ich dann wirklich Geld verdiene, auch nur einsetzen, wenn es nicht anders geht. Also z.B. wenn ich eine neue Klasse bekomme o.ä. Ansonsten müsste ich zu viel dazubezahlen (14,50€/h).

      Ich bin aber eigentlich ganz zuversichtlich, dass das alles irgendwie klappen wird. Bisher hab ich insgesamt ca. ein halbes Jahr Unterrichtserfahrung und lediglich beim Deutschunterricht für Flüchtlinge, die weder ein Wort Deutsch, noch Englisch oder Französisch sprachen kam ich an meine Grenzen.
      Liebe Grüße von FizzyIzy :winkewinke:
    • An den Aspekt habe ich noch gar nicht gedacht! Am Gymnasium hast du zugegebenermaßen eine relativ angenehme Schülerguppe, aber auch hier sind die Schüler während der Pubertät (Klasse 7-9) gerne mal etwas durch den Wind und ich weiß nicht, ob die Schüler deine Behinderung ausnutzen (z.B. Zettelchen weiterreichen oder Spicken) und sich vlt. sogar darüber lustig machen (Karikaturen malen bishin zum Stuhl wegziehen) würden. Und wie du bereits selbst beschrieben hast: Du wärst sehr von der Assistenzkraft abhängig. Was macht dich als Lehrkraft aus, wenn die Assistenzkraft doch bereits einen derart großen Anteil des Unterrichts einnimmt? Ich stelle mir das äußerst schwierig vor, aber vlt. "sieht" man das Ganze etwas anders, wenn man in der Rolle des Betroffenen ist.
    • Eigentlich kam ich immer sehr gut ohne Assistenz im Unterricht aus. Die saß immer nur dabei, falls mal was sein sollte. Die pubertierenden Klassen hab ich auch schon unterrichtet und hatte da eigentlich keinerlei Probleme. Ich hab die Erfahrung gemacht, dass die eher sehr neugierig sind und es bewundern, wenn man trotz Behinderung so einen Job macht. Daher waren bisher immer alle sehr hilfsbereit. Meine Assistenz hätte eigentlich nur bei Prüfungssituationen was zu tun. Ansonsten würde sie nur die ganze Zeit in der Ecke sitzen und zugucken (zumal sie ja auch keine Ausbildung im Lehramtsbereich hat).

      Ich hab ja auch zwei Hauptfächer (Englisch und Deutsch) und gehe mal davon aus, dass ich dann vermutlich auch die Klassenleitung übernehmen würde. Da wäre es von den Schülern ja nicht so ratsam, mir den Stuhl wegzuziehen o.ä.

      Tatsächlich haben die bisher immer aufs Wort gehört und auch direkt ihre Taschen aus dem Weg geräumt, wenn ich das gesagt habe. Sicherlich wird's auch mal andere Klassen geben, aber ich kann mich eigentlich sehr gut durchsetzen und bekomme meist doch sehr viel mit.
      Liebe Grüße von FizzyIzy :winkewinke:
    • Ich finde das sehr interessant und werde Deine Beiträge verfolgen. Es wäre schön, wenn Du uns ein bißchen berichten würdest. Auch aus Deinem Schulalltag, als Du selbst Schülerin warst. Anscheinend funktioniert ja einiges, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.
      Wünsche Dir weiter viel Erfolg!
    • In den kommenden Ferien hab ich wieder ein 5 wöchiges Praktikum, von dem ich dann gern berichten kann :)

      Als ich selbst noch Schülerin war, lief es leider nicht so reibungslos wie jetzt in der Uni. Die Hilfsmittel, die ich gestellt bekam, waren nicht gut/ausreichend und generell haben die Rahmenbedingungen leider nicht gestimmt, weshalb ich dann auch irgendwann auf eine Blindenschule gegangen bin, wo ich dann auch gleich richtig gute Noten hatte.

      Es war schon motivierend mal zu sehen, dass man mit den richtigen Bedingungen doch einiges erreichen kann (hab sogar ein Einser-Abi geschafft). Auf dem Regelgymnasium kam ich meist immer mit einigen vieren immer gerade so durch. Das hat sich dann in Marburg schlagartig geändert. Die Lehrer waren aber glaube ich auch einfach überfordert, weil sie ja gar nicht für solche Schüler ausgebildet werden und ich auch keinen Sonderpädagogen oder eine Schulassistenz hatte.

      In Marburg war der Unterricht dann einfach ganz anders gestaltet, sodass man viel mehr mitnehmen konnte.

      Ich überlege auch meine Masterarbeit evtl. über Fremdspracherwerb von blinden Schülern zu schreiben und dabei vllt geeignete Unterrichtskonzepte zu entwerfen. Ist aber noch ca. ein Jahr hin bis ich die schreiben muss.

      Ihr könnt mir, wie gesagt, auch immer gern Fragen stellen. Ich beantworte die immer gerne, weil ich es wichtig finde, die eigenen Erfahrungen in solchen Sachen zu teilen.
      Liebe Grüße von FizzyIzy :winkewinke:
    • Lehramtsstudent schrieb:

      An den Aspekt habe ich noch gar nicht gedacht! Am Gymnasium hast du zugegebenermaßen eine relativ angenehme Schülerguppe, aber auch hier sind die Schüler während der Pubertät (Klasse 7-9) gerne mal etwas durch den Wind...
      Hältst du die TE eigentlich für ein bisschen bekloppt?

      @Fizzylzy, herzlich willkommen im Forum und viel Erfolg beim Studium!
    • Ich bemerke Deinen Thread erst jetzt.

      Ich habe einen Kollegen, der stark sehbehindert ist. Die Schüler respektieren ihn und nehmen, wenn Nötig, Rücksicht auf seine Einschränkung. Er hat noch nie eine Assistenz gebraucht.
      Dödudeldö ist das 2. Futur bei Sonnenaufgang.