Erfahrungen mit internationalen Förderklassen am Berufskolleg

  • Hallo zusammen,


    hat hier jemand Erfahrungen mit dieser Art von Klassen? Dies würde wohl auch ein Teil meines Aufgabengebietes und nachdem ich das hier fand:
    https://www.berufsbildung.nrw.…ionale_foerderklasse_.pdf
    läuft es wohl auf die erstmalige Beschulung von minderjährigen Flüchtlingen hinaus?
    Ich kann mir gerade absolut nicht vorstellen, wie Matheunterricht laufen soll, wenn die deutsche Sprache schoon Schwierigkeiten bereitet. WIe sollen dann Fachtermini sinnvoll eingesetzt werden?
    Da ich nach OBAS eingestellt werden würde, hätte das ja zur Konsequenz direkt alleine zu unterrichten, auch da brauche ich gerade sehr viel Phantasie um mir einen gelingenden Unterricht vorzustellen.


    Würde mich sehr freuen, wenn mir jemand von seinen Erfahrungen berichten würde.

  • Also wie genau das am Berufskolleg läuft kann ich dir nicht sagen, aber ich habe schon eine Intensivklasse (was dem entspricht) in Mathe unterrichtet.
    Tatsächlich geht es erstmal darum das Fachvokabular zu erarbeiten. Je nach Schüler können sie Mathe schon recht gut.
    Es gibt online das ein oder andere Wörterbuch mit den wichtigsten Begriffen.
    Ich bin aber relativ schnell dazu übergegangen sie einfache Aussagen überprüfen und begründen zu lassen. Da siehst du Recht schnell was die Schüler auch mathematisch draufhaben und sie üben direkt den Umgang mit der Fachsprache.
    Egal wie alt die Schüler waren hab ich sie auch immer mit den Grundrechenarten anfangen lassen (also im Prinzip relativ schnell den Stoff der Klassen 1-7/8/9 wiederholen lassen)
    Ich hoffe das hilft dir zumindest etwas.

  • Ich arbeite an einer Berufsbildenden Schule und habe bereits Erfahrungen mit solchen Klassen sammeln können.
    Im Prinzip kann ich mich meinem Vorredner nur anschließen. Man muss schauen inwiefern die deutsche Sprache beherrscht wird (bei uns haben die Schüler in den meisten Fällen vorher für 6-12 Monate in einer extra Klasse nur Deutschunterricht gehabt.....scheint aber nicht überall so zu sein) und dann das Fachvokabular Schritt für Schritt erarbeiten.
    Bei uns hatten manche Schüler wenig bis gar keine Erfahrungen mit Schule ganz zu schweigen von Mathe oder ähnlichem. Das findet man aber schnell heraus und mit üben üben üben, lernen
    die Schüler das sehr schnell und sind meist motivierter als andere .... war jedenfalls bei uns so.


    Vielleicht hilft dir das ja :)

  • Danke für eure Antworten.
    Wenn ich es richtige verstehe, läuft es also auf eine Kombination hinaus von Tests auf mathematische Fähigkeiten parallel zum Testen der Sprachfähigkeit.
    Falls ich die Stelle tatsächlich bekommen sollte, werde ich als erstes nachprüfen welche Kurse die Schüler schon durchlaufen haben. Über das Alter der Schüler wurde nichts gesagt, aber da der Kurs an einem Berufskolleg stattfinden soll als Vorstufe zu einer Ausbildung gehe ich davon aus Schüler kurz vor dem Erwachsenenalter vorzufinden.


    WIe war das denn bei euch bezüglich der Homogenität der Schüler? Waren das Menschen aus nur einem Land oder eher eine bunt gemischte Truppe die sich auch noch untereinander nicht direkt verständigen konnte?
    Habt ihr nur Deutsch geredet oder auch mal ins Englische gewechselt? Andere Sprachen kann man ja schlecht vorrausetzen, ich zumindest kann kein Farsi oder Paschtunisch.




    Eine persönliche Frage: Wie wurdet ihr auf diese Kurse vorbereitet und wie lange unterrichtet ihr schon?

  • Also ich wurde direkt nach dem Ref ins kalte Wasser geschmissen (also erste Stelle, zum ersten Mal mit voller Stundenzahl, Klassenleitung, etc) Fortbildung gab's keine. Die damalige Klassenlehrerin, die eben auch für's Deutsch zuständig war, hat uns mit etwas Rat zur Seite gestanden.
    Inzwischen haben einige Verlage Arbeitshefte herausgebracht, die gab es damals noch nicht.
    Was manchmal hilft sind Webseiten von deutschen Auslandsschulen. DFU ist hier das Zauberwort
    Ansonsten sind die Kurse bei uns ziemlich gut durchmischt. Meist verstehen sich aber einige Schüler untereinander, selbst wenn es nur verwandte Sprachen sind.
    Ich habe zu 90-95% in Deutsch gesprochen, nur im absoluten Notfall aufs Englische zurück gegriffen. Es gab aber auch vereinzelt Schüler, die kein Englisch könnten. Da müssen Hände, Füße, Zeichnungen, Wörterbücher etc herhalten.
    Vor allem unsere Deutschkollegen der Klasse sind sehr hilfreich.
    Wenn du Interesse hast, kann ich in den nächsten Tagen/Wochen Mal nachschauen welche Bücher ich für Material genutzt habe, und was ich sonst noch so habe . Schreib am besten ne PN, dann geht es nicht unter
    Viele Grüße

  • Bei uns wird grob nach Deutschkenntnissen gestaffelt. Unterricht läuft meist auf deutsch, da die meisten zu wenig Englisch beherrschen (aber auch hier kommt von perfekt( aus Indien) bis gar nichts alles vor). Es gibt in den Klassen keine Sprache, die alle beherrschen, daher wird auch mal kreuz und quer übersetzt.
    Die meisten bleiben 1-2 Jahre in den Klassen, allerdings haben wir auch keine Schüler, die länger da sind.
    Manche kommen auch schon mit Schulabschluss, der aber nicht anerkannt oder nachgewiesen wird. Ist halt manchmal sehr undurchsichtig.
    Aber die sind schon älter als 16.

    Only Robinson Crusoe had everything done by Friday.

  • Vielen dank für eure Antworten,


    ich war die letzten Tage etwas im Stress, daher antworte ich erst jetzt. Wenn ich es also richtig sehe, ist dieser ganze Unterricht im Ganzen noch in der Entwicklung bzw. im Prozess, so dass vermutlich vieles durch Trial&Error sowie durch Kooperation mit anderen Lehrern entsteht. Denn das ist eigentlich in solch einer Klasse meine größte Sorge, durch die erschwerte Kommunikation gar nicht mehr mit den Schülern reden zu können.


    Wenn das Gespräch erfolgreich sein sollte werde ich mir erst intensiv Gedanken weiter dazu machen, denn im Moment ist ja alles in der Schwebe.



    Zitat von panthasan

    Wenn du Interesse hast, kann ich in den nächsten Tagen/Wochen Mal nachschauen welche Bücher ich für Material genutzt habe, und was ich sonst noch so habe . Schreib am besten ne PN, dann geht es nicht unter

    Das werde ich auf jeden Fall machen sobald ich mehr weiß :top:

  • Wir haben eine Schulsozialarbeiterin mit voller Stundenzahl nur für die SPRINT-Klassen (Sprache und Integration). Das hilft, da diese ggf. mit einzelnen Schülern arbeiten und so unterstützen kann. In den Klassen ist es problematisch, dass von vier Jahren Schule (und dann sieben Jahre und mehr Berufspraxis) bis hin zum Abiturienten oder ehemaligen Studierenden alles dabei ist.
    Insgesamt sind die Klassen, die wir haben, ganz angenehm. Zum Großteil ein anderes Verständnis von Schule. Lehrer gelten als Personen, gegenüber denen man respektvoll auftreten muss. Manche kennen Schule als Institution, in der der Lehrer redet und man keine Fragen stellen darf - sonst gibt es Prügel. Das führt dazu, dass diese eben nicht oder nur sehr zögerlich nachfragen, wenn sie etwas nicht verstanden haben. Andere wiederum "können" schon alles - so die Eigenwahrnehmung.

    Bei "selbst schuld" wird nicht gepustet!

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