Deutschlands Lehrer: Zu alt, zu weiblich, zu überbezahlt

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    • Deutschlands Lehrer: Zu alt, zu weiblich, zu überbezahlt

      So jedenfalls der Tenor der neuesten OECD-Studie:
      spiegel.de/lebenundlernen/schu…ut-bezahlt-a-1167094.html

      Aber immer dran denken: OECD ist der wirtschafsnahe Club, der Äpfel mit Birnen vergleicht, d.h. Faktoren wie Demographie, allgemeines Lohnniveau und Ausbildungsstand gerne unter den Teppich kehrt...

      Gruß !
      Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

      "In theory there is no difference between theory and practice. In practice there is." (Yogi Berra)
    • Hat jemand die Studie gelesen und kann mir sagen wo die ganzen "zu"s stehen?

      Ohne selbst detailliert gelesen zu haben: Wenn ich in die bei Spiegel verlinkte Studie Bildung auf einen Blick 2017 auf Seite 501 nachsehe, wunder ich mich schon über das was der Spiegel daraus mach.
      Der Spiegel schreibt "Nur Italien hat demnach eine ältere Lehrerschaft." In der Grafik auf Seite 501 stehen zwischen Italien und Deutschland noch Litauen, Lettland, Griechenland, Estland, Tschechien, Finnland, Norwegen, Niederlande, Schweden und Neuseeland.
      Der Spiegel schreibt auch "Sie sind oft schon leicht ergraut, haben erwachsene Kinder und sind vielleicht nicht mehr ganz so belastbar wie ihre jüngeren Kollegen". Ich kann in der OECD-Studie gerade keine Informationen zum Ergrauungsgrad finden, und auch nichts darüber ob die Lehrkräfte erwachsene Kinder haben, oder ob sie weniger belastbar sind.

      Da würde ich erst mal nicht auf die OECD, sondern auf Kristin Haug und Lena Greiner (die Spiegel-Autoren) schimpfen.
    • Jammern auf hohem Niveau, würde ich sagen: Die Lehrergehälter in Deutschland gehören zu den besten. Im viel gerühmten Finnland sollen sie deutlich niedriger sein (und keiner dort jammert).

      Manche sollten sich schämen!

      AUSZUG:
      Im internationalen Vergleich verdienen Lehrpersonen in Deutschland sehr gut
      Die BRD liegt auf Platz 3 (Einstiegsgehalt) bzw. Platz 4 (Gehalt nach 15 Jahren) der OECD-Liste und damit knapp 40 bzw. 30% über dem OECD- Durchschnitt. Betrachtet man nur die EU-Staaten, belegt Deutschland nach Luxemburg den zweiten Platz. Besonders interessant wird dieser Punkt, wenn man die Unterschiede bei den Lebenshaltungskosten (pdf, Stand 2006) berücksichtigt: In Dänemark, Großbritannien, Schweden, Frankreich oder Italien sind die Lebenshaltungskosten 10-20% höher als in der BRD, die Lehrergehälter sind jedoch um bis zu 40% niedriger.

      Siehe auch: lehrerfreund.de/schule/1s/lehrergehaelter-vergleich/3221
      Für alles gibt es ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.
    • Ach sofatroll, du bist schon ein echter Durchblicker. Erst meinst du, dass Grundschullehrer sowieso nicht studieren müssten, für das, was sie leisten (und das sagt ausgerechnet ein Gesamtschullehrer (sic!)), und jetzt hast du deine Affinität zur OECD entdeckt (erstaunlich, da Gesamtschullehrer ja im allgemein als eher linkslastig verschrieen sind).

      Und vergleichst auch Äpfel mit Birnen (warum fängst du nicht gleich bei der OECD an?): Gerade Frankreich und GB sind durch erhebliche regionale Diskrepanzen gekennzeichnet: Würde mich nicht wundern, wenn in deinem zitierten Text die Lebenshaltungskosten in Paris und London mit den landesdurchschnittlichen Gehältern bei Lehrern verglichen werden. Jedenfalls wäre diese "Methodik" einer OECD würdig. Wenn du dich als Gesamtschullehrer überbezahlt fühlst, was ich durchaus verstehen könnte, kannst du ja auswandern, am Besten nach Ungarn, da sind die Gehälter sogar "um bis zu 73% niedriger" laut Grafik in deiner verlinkten Quelle. Viktor Orban wird sich bestimmt über jemanden freuen, der Dumping-Löhne so hochjubelt...

      Gesamtschullehrer sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren...
      Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

      "In theory there is no difference between theory and practice. In practice there is." (Yogi Berra)
    • sofawolf schrieb:

      Jammern auf hohem Niveau, würde ich sagen: Die Lehrergehälter in Deutschland gehören zu den besten. Im viel gerühmten Finnland sollen sie deutlich niedriger sein (und keiner dort jammert).

      Manche sollten sich schämen!
      Jeder hat mittlerweile gemerkt, dass dir dein Studium nichts gebracht hat und du überbezahlt bist.
    • Und SPON bekommt es nicht einmal hin, das Bild einer deutschsprachigen Lehrerin abzubilden, oder macht die gerade "Solar System" bilingual in der Grundschule?

      Gruß !
      Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

      "In theory there is no difference between theory and practice. In practice there is." (Yogi Berra)
    • Das Alter kann man aber auch positiv deuten. Diese "alten" Lehrer gehen in absehbarer Zeit in großer Quantität zeitnah in Rente und durch die Nachfolger wird das Durchschnittsalter mit einem Schlag deutlich reduziert.

      Das "zu weibliche" liegt wohl an der Familienfreundlichkeit des Berufes, was ihn vor allem für Frauen, die in der Regel auch irgendwann mal mit der Familienplanung beginnen, attraktiv macht. Man muss lediglich darauf achten, dass der weibliche Anteil nicht zu groß ist, da insbesondere in den pädagogisch ausgerichteteren Schulformen (Grund-, Förder- und Hauptschule) die Schüler insbesondere auch männliche Lehrer haben sollten, da nicht jedes Kind mehr mit männlichen Leitfiguren aufwächst.
    • Lehramtsstudent schrieb:

      Das Alter kann man aber auch positiv deuten. Diese "alten" Lehrer gehen in absehbarer Zeit in großer Quantität zeitnah in Rente und durch die Nachfolger wird das Durchschnittsalter mit einem Schlag deutlich reduziert.
      Das ist für eine Schule als System alles andere als gut - wenn im Schweinezyklus innerhalb kurzer Zeit ein großer Teil des Lehrerkollegiums in Pension geht, fällt auf einmal jede Menge organisatorischen und strukturellen Know-Hows weg, das nicht in einer längeren Anpassungsphase an Nachfolger weitergereicht werden kann - schlicht und einfach, weil eventuell nicht genug jüngere Lehrer da sind oder die einfach so jung sind, dass sie noch zu sehr damit beschäftigt sind, sich das Unterrichten und die pädagogisch-didaktischen Arbeitsfelder anzueignen. Viele der Tätigkeiten hinter den Kulissen sind sehr komplex und voller möglicher rechtlicher und organisatorischer Fallstricke; das offensichtlicheste Beispiel dafür ist ein guter Stundenplan an einer großen Schule. Das kann man nicht so aus dem Ärmel schütteln.

      Schlagartige Veränderungen sind für eine Schule immer schlecht. Das, was einer Schule gut tut, ist eine gute Mischung in der Altersstruktur, die sanfte Übergänge zwischen den Lehrergenerationen ermöglicht. An unserer Schule ist das innerhalb der letzten 10 Jahre zum Glück gelungen. Aber das sind nun einmal Interna, die man aus einer studentischen Perspektiven nicht sehen kann sondern nur in einem praktischen Gesamtblick, der mit der Berufserfahrung kommt.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Meerschwein Nele ()

    • Als ich vor 12 Jahren nach der Elternzeit an meiner an meiner jetzigen Grundschule anfing, gehörte ich eher zu den jüngeren. Mein jüngstes Kind war gerade 3 Jahre alt. Jetzt, nach 12 Jahren bin ich die älsteste, sooo alt immer noch nicht, aber alle anderen Kolleginnen sind jünger. Unser Durchschnittsalter beträgt 40 Jahre.....
    • Rund 41 Prozent der Grundschullehrer (Primarbereich), 48 Prozent der Lehrer an Gesamtschulen und Gymnasien (Sekundarbereich I) und 42 Prozent an der gymnasialen Oberstufe (Sekundarbereich II) sind mindestens 50 Jahre alt.

      SKANDAL!!!

      Wenn Gymnasiallehrer mit 30 Jahren mit der Ausbildung fertig sind und mit 65 in Pension gehen, wie aktuell noch der Fall, und alle Jahrgänge gleichmäßig vertreten wären, müssten 42 Prozent 50 oder älter sein. Waaaahnsinn, wie stark die tatsächlichen Zahlen hiervon abweichen. Und natürlich allein Schuld der Lehrer, was altern die denn so unverschämt!!
    • Ich mache mich jetzt mal ganz unbeliebt und schreibe, dass ich eine deutliche Erhöhung des Renteneintrittsalters vor allem in unserem Beruf gar nicht mal so schlecht fände. Die älteste Kollegin in unserer Fachschaft ist jetzt 62 und wird uns in 2 Jahren verlassen. Das wird aus von Nele genannten Gründen ein herber Verlust für uns sein und ich finde eine steigende Anzahl von Kolleginnen und Kollegen hat in diesem Alter eigentlich noch genug Luft für mind. 3 weitere Jahre. Ich gehe sowieso davon aus, dass ich bis 70 arbeite und habe damit für den Moment auch keine grossen Schmerzen. Klar setzt das voraus, dass ich bis dahin körperlich noch einigermassen fit bin, aber wenn ich mir eben meine alternden Kollegen so anschaue scheint mir das durchaus realistisch.

      Unser Kollegium ist mir für meinen Geschmack schon fast zu jung. Die älteren Kollegen sind nicht nur didaktisch-pädagogisch-organisatorisch extrem wertvoll, sie bieten auch der Schulleitung eher die Stirn, weil sie sich halt erinnern, wie gewisse Abläufe vor 15 - 20 Jahren mal organisiert waren und sich die Dinge möglicherweise zu Ungunsten des Kollegiums verändern.
    • Zwei Einlassungen zur Diskussion über den Verdienst:

      1. Absolut "zu viel verdienen", "zu wenig verdienen" - diese seltsame Argumentation müsste man mir erst mal erklären... Als ob sich die Höhe eines Lohns nach irgendeinem anderen Kriterium richtet ausser der Konkurrenz am Arbeitsmarkt. Ich kann zu wenig verdienen um mir eine eigene Wohnung leisten zu können, oder zu viel verdienen um nur zweilagiges Klopapier ohne Bärchenaufdruck zu benutzen. Hinter solchen Aussagen versteckt sich womöglich nur ein moralisches Urteil à la "dass der Chef 5 Mal so viel verdient wie ich wär ja ok, aber muss es denn gleich 500 Mal so viel sein?"

      2. Verglichen mit Xy ist es doch viel/wenig/gleich/ähnlich/Diverses. Verglichen mit Lehrern in manch anderen Ländern verdiene ich viel. Verglichen mit Lehrern in manch anderen Ländern verdiene ich wenig. Viele Menschen sind ärmer als ich. Viele Menschen sind reicher als ich. Was sollen diese Vergleiche?
      Vor langer Zeit sind Leute an Krankheiten gestorben, die heute nicht der Rede Wert sind - da geht's uns heute aber richtig gut! Und wir haben große Flachbildschirme! Die Armen Leute in der Vergangenheit, die hatten das ja alles gar nicht. So gesehen geht's und heute schon gut! Man merkt...


      Persönlicher Kommentar zur Lohnhöhe: Mit der Lohnhöhe bin ich nicht unzufrieden, aber ich bin damit unzufrieden, dass ich überhaupt Lohnarbeit, also abhängige Arbeit, verrichten muss.
    • Anja82 schrieb:

      Alle Kollegen die jetzt bei uns in Pension gehen (65) sind heilfroh und haben es verdient. Die würden nicht mehr arbeiten wollen.
      Ohne Frage. Ändert aber nichts daran, dass das Renten/Pensionseintrittsalter (ob jetzt 65 oder 67 ist dafür irrelevant) in einer Zeit festgelegt wurde, als die Leute nur unwesentlich älter als eben diese Jahre geworden sind.

      Oder ein anderes Beispiel:

      Ein heute 70jähriger ist gesundheitlich usw. so fit, wie vor 40 Jahren ein 65jähriger.

      zeit.de/2004/13/Serie-_Alt_werden/komplettansicht
    • Im Augenblick haben wir in den meisten Bundesländern schon eine Erhöhung des Pensionseintrittsalters für Beamte mit dem Ziel hin zu 67 Jahren.
      Das dürfte gerade den Jahrgang 1952 betreffen, der hat 65 Jahre und 6 Monate. Als Lehrer macht man immer ein Halbjahr voll, wenn man ungünstig geboren ist, können das 5 Monate länger sein als es Pflicht ist.

      Eine Bemerkung nebenbei: Bei uns wurden Anträge auf vorzeitigen Ruhestand (also 2 Jahre früher) aufgrund des Lehrermangels nicht immer genehmigt und die Antragsteller wurden vertröstet.

      Letztendlich: Was soll der Artikel? Wir werden so oder so gezwungen, länger zu arbeiten ob wir wollen oder nicht. Ich halte diesen Artikel Älteren gegenüber diskriminierend.

      Ansonsten stimme ich allen zu, die von einer guten Altersmischung sprechen. Man kann sich gegenseitig bereichern. Es ist nicht so, dass die Älteren ihre letzten Jahre "nur" absitzen. (Es gibt natürlich wie in jedem Beruf immer Ausnahmen.)