Missio und nicht -eheliche Lebensgemeinschaft

  • Ich bin angefragt worden, ob im Bistum Essen Verweigerungsgrund für die vorläufige Mission ist, in einer nicht ehelichen Gemeinschaft zu leben. Man muss es wohl im Antrag auf die Missio angeben. Diese Angabe bei der Bezirksregierung ergibt zudem einen Sozialpunkt.
    Wer hat Erfahrungen damit?
    flip
    <br>

  • hallo,


    ich weiß von einer bekannten, die mit ihrem freund in einer nicht-ehelichen gemeinschaft lebt, dies aber strengstens verheimlicht, um etwaigen komplikationen aus dem weg zu gehen...so taucht sie zb nicht uf dem klingelschild ihrer wohnung auf, damit es nicht rauskommt, dass sie in wilder ehe lebt...


    schnuppe<br>

    • Offizieller Beitrag

    Ich kenne einen gegenteiligen Fall (aus dem Bereich des Bistums Köln). Eine geschiedene Kollegin, die mit Kind und Freund zusammen lebt und über den Erwerb der Missio eine feste Stelle bekommen hat.<br>

  • Hallo!
    Ich habe auch Reli studiert, aber die Missio noch nicht beantragt. In einem Vorgespräch, das wir mal an der Uni hatten, hat man uns ziemlich deutlich zu verstehen gegeben, dass man erstmal alles darf, bis die Oma von nebenan es weitermeldet. Heißt: wenn sie drauf gestoßen werden, müssen sie natürlich etwas unternehmen, ansonsten erstmal scheinheilig die Augen zu.....
    Ein Kollege, der seit Februar im Ref ist hat Reli als Fach und ist bisher mit seiner Frau nur standesamtlich verheiratet - da machen sie jetzt schon Druck, dass der kirchliche Segen bald nachkommt.
    Ist sicher von Bistum zu Bistum unterschiedlich....Ich persönlich würde mich zwar nicht davon abhalten lassen, auch unehelich zusammen zu leben und mich auch nicht total verrückt machen, um alles geheim zu halten, aber ich würde mich auf der anderen Seite dann z.B. nicht trauen, es anzugeben, um Sozialpunkte zu erhalten. Das ist evtl. doch etwas zu "öffentlich".
    LG
    RR<br>

    Jeder Tag, an dem du nicht lächelst, ist ein verlorener Tag.

  • Kann/Darf die Kirche denn im Meldeamt Nachforschungen anstellen, mit wem man zusammen wohnt?
    Also ob zu dem eigenen Wohnort noch ein weitere Eintrag, der des nichtehelichen Partners, existiert??


    Das betrifft nicht mich, ich frage nur aus Interesse.

  • Zitat

    Original von Rinchen88
    Kann/Darf die Kirche denn im Meldeamt Nachforschungen anstellen, mit wem man zusammen wohnt?


    Soweit sind wir zum Glück noch nicht, dass die Wünsche von Religionsgemeinschaften rechtsstaatliche Prinzipien aushebeln...


    Nele

    • Offizieller Beitrag

    Die Kirche kann nicht von selber solche Infos rausbekommen. Nur: wenn man den Reli-Lehrer anschwärzt, wird die Kirche ggf. aktiv werden.


    Und sollten beide Mitglieder der eheähnlichen Lebensgemeinschaft Mitglieder der jeweiligen Kirche sein, braucht die Kirche keine staatlichen Meldeämter. Dann geht ggf. einfach eine Anfrage an die betreffende Pfarrgemeinde raus. Die haben dort auch einiges an Meldedaten.


    kl. gr. frosch

  • danke schon mal.
    also ist es unwahrscheinlich, dass es -ohne Meldung durch Dritte- rauskommt, wenn bspw. Person a katholisch ist und die richtige Adresse registriert ist, Person b jedoch zum Einen evangelisch ist und zum anderen vermutlich keine Adresse in der ehemaligen Gemeinde hinterlegt ist (durch 2-maligen Umzug dürfte die registrierte Adresse noch die Elternadresse sein?!).

  • Rinchen88
    Deine Ausführungen erinnern mich übrigens frappierend an die Art und Weise, wie Dissidenten in autokratischen Gesellschaften in konspirative Lebensformen gedrängt werden. Dass man als Bürger eines liberalen Rechtsstaates zu einem solchen Handeln gedrängt wird, weil man Mitglied einer Religionsgemeinschaft ist und sich weigert, einige ihrer Moralgrundsätze anzuerkennen, sollte zum Nachdenken anregen - selbst, wenn da keine reale Gefahr sondern nur die Ängstlichkeit spricht, die der Diskurs offenbar erzeugt.


    Nele

    Einmal editiert, zuletzt von neleabels ()

  • Ich finde es auch nicht in Ordnung.


    Ich studiere selbst kath. Theologie, mir macht mein Studium sehr viel Spaß und ich studiere es aus meinem Glauben heraus, nicht aufgrund vermeintlich besserer Jobaussichten oder ähnlichem.
    Dennoch stehe auch ich manchen Entscheidungen der Kirche kritisch entgegen. Ich nehme sie an, aber ich würde mich auch nicht beschweren, wenn es z.B. Auflagen wie die des "Verbots" der nicht-ehelichen Lebensgemeinschaft nicht gäbe. ;)



    In dem Fall geht es jetzt nur ums Prinzip... da war es praktisch schon vor Studienbeginn soweit und bevor betreffende Person von der Missio wusste.
    Da überlegt man sich schon, ob man wieder auseinander ziehen soll oder ob es auch so ginge...

  • Zitat

    Original von Rinchen88
    danke schon mal.
    also ist es unwahrscheinlich, dass es -ohne Meldung durch Dritte- rauskommt, wenn bspw. Person a katholisch ist und die richtige Adresse registriert ist, Person b jedoch zum Einen evangelisch ist und zum anderen vermutlich keine Adresse in der ehemaligen Gemeinde hinterlegt ist (durch 2-maligen Umzug dürfte die registrierte Adresse noch die Elternadresse sein?!).


    Ich glaube, die Bistümer haben anderes zu tun als bei jedem der tausenden Missio-Inhaber persönlich vorbeizuschauen um zu gucken ob man alleine wohnt oder nicht. ;) Erst recht, wenn es nur um die vorläufige Missio geht.
    Aber allzusehr würde ich mich auch nicht drauf verlassen... Für Sozialpunkte würde ich persönlich die Lebensgemeinschaft nicht angeben.


    Wenn man aber mit dem Referendariat fertig ist, würde ich mir schon gut Gedanken über eine Hochzeit machen. Denn wenn man auch offiziell als Religionslehrer/in in einer Klasse eingesetzt ist und im "ungüngstigsten" Fall auch noch in der Nähe der Schule und der Schüler wohnt, ist die "Gefahr" doch recht groß, dass irgendein übereifriges Elternteil von der wilden Ehe Wind bekommt und die Idee hat, beim Bistum anzurufen...

    "I propose we leave math to the machines and go play outside."
    (Calvin and Hobbes, Bill Waterson)

    • Offizieller Beitrag

    Ich bin auch Relilehrer und es war mir ehrlich gesagt egal, ob die Kirche weiß, dass ich mit meiner jetzigen Frau vor der Hochzeit zusammengelebt habe. Hätte ich Ärger bekommen, hätte ich halt kein Reli unterrichtet. Who cares.


    Und jetzt, auch auf die Gefahr hin, dass ich jetzt sehr ... obrigkeitshörig oder konservativ erscheine:
    Nele, es geht nicht draum, ob ein Mitglied der Religionsgemeinschaft sich nicht an die Regeln hält, sondern streng genommen ist der Reli-Lehrer ein "Vertreter" der entsprechenden Kirche. Streng genommen kann die Kirche, in deren Auftrag er "lehrt", auch erwarten, dass er sich an die Regeln hält.


    Wie gesagt, "streng genommen". Man darf sich zumindest dann nicht beklagen, wenn man sich nicht an die "Regeln" hält und dann einen auf den Deckel bekommt.
    Ich hätte mich nicht beklagt.


    kl. gr. Frosch


    P.S.: wenn wir jetzt bei heise.de im Forum wären, würde ich sagen "macht mir rot". ;)

    • Offizieller Beitrag

    Ich als Atheistin kann nur den Kopf schütteln über solche "Regeln", die im 21 Jahrhundert ganz natürlich dazu führen müssen, dass Menschen ein Versteckspiel beginnen, mit dem sie den Werten, die sie eigentlich vermitteln wollen/sollen, entgegenleben müssen. Völlig pervertiert dieses System. *koppschüttel* ...


    (edit)
    Sorry. Ist jetzt so rausgplatzt. Aber ich kieg da immer einen Hals...

    • Offizieller Beitrag

    Wie du an meiner Aussage oben siehst, finde ich diese Regeln auch lächerlich. Und sie war mir egal. Das ist auch okay. ich muss dann aber halt damit leben, dass mein "Auftraggeber" (hier die Kirche) nicht damit leben kann. *schulterzuck*

  • Zitat

    Original von kleiner gruener froschStreng genommen kann die Kirche, in deren Auftrag er "lehrt", auch erwarten, dass er sich an die Regeln hält.


    Aber gelten diese Regeln überhaupt für Reli-Lehrer? Soweit ich weiß gilt in der RKK das Zölibat nur für Priester u.ä. und nicht für das Zivilpersonal...

    »...Aus Mettwurst machste kein Marzipan! «
    Bernd Stromberg

  • Es geht hier ja nicht um das Zölibat. Aber man muss beim Antrag auf die Missio quasi "unterschreiben", dass man sein Leben an christlichen Maßstäben orientiert und danach lebt. Dazu gehört, dass man nicht in wilder Ehe lebt, Sonntags den Gottesdienst besucht, katholisch heiratet und seine Kinder katholisch taufen lässt und entsprechend erzieht.

    "I propose we leave math to the machines and go play outside."
    (Calvin and Hobbes, Bill Waterson)

  • PS: Man fragt sich ja fast, was von der Kirche schlimmer bewertet wird. Eine nichteheliche Lebensgemeinschaft oder ein gewisses verschwommenes Geschichtsbild...

    • Offizieller Beitrag

    Allerdings, Rolf!!!! :gruebel:


    Da könnt' ich mich ja auch stundenlang drüber aufregen! Was da alles toleriert wird ... und unter den Teppich gekehrt ... aber wehe, so ein Relilehrer heiratet nicht gleich nach dem ersten Kuss. DAS ist dann ein Grund jemandem den Job zu nehmen.
    Ich wünschte mir, der Job würde denen genommen, die obenerwähntes unter-den-Teppich-Kehren nicht nur tolerieren, sondern produzieren.
    Widerlich.

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