Lehrerklassenzimmer am Gymnasium - Erfahrungen?

  • Hallo zusammen!


    Ich weiß, es gibt hier schon einen Thread zum Thema (Klassenräume oder Lehrer- bzw- Fachräume?), aber mir geht es heute um konkrete Erfahrungen und nicht um einen Meinungsaustausch zum Thema, deshalb eröffne ich einen neuen Thread.


    An meiner Schule wird derzeit im Kollegium darüber diskutiert, ob man Lehrerklassenzimmer einführen möchte oder nicht. (Dagegen sind hauptsächlich die Kollegen, die durch ihr Fach sowieso eigentlich ein eigenes Zimmer haben (Fachraum), und deshalb die Notwendigkeit nicht einsehen.)
    Ich gehöre zu denjenigen, die sich durch die ständigen Zimmerwechsel mit Mega-Gepäck über weite Strecken extrem gestresst fühlen, zumal es bei uns keine 5-Minuten-Pausen gibt und man deshalb sowieso schon gehetzt ist. Ich beneide die Kollegen an den Grundschulen, die nicht jede Stunde mit Sack und Pack treppauf, treppab und über den Pausenhof ins Nachbargebäude rennen müssen und 45 Minuten später wieder zurück.


    Meine Fragen deshalb:


    Gibt es hier jemanden, der an einem Gymnasium arbeitet, welches bereits Lehrerklassenzimmer hat?


    Wie sind eure Erfahrungen damit?


    Wie habt ihr die Lehrerklassenzimmer durchgesetzt?


    Welche Probleme sind aufgetreten?


    Habt ihr die Lehrerklassenzimmer mit einer Änderung bezüglich der Stundenplangestaltung verbunden? (z.B. Doppelstundenkonzept, sodass prinzipiell weniger Raumwechsel nötig sind, sowohl für die Schüler als auch die Lehrer)


    Welche Empfehlungen gebt ihr Schulen, die eine solche Änderung anstreben?


    Hier in diesem Link klingen die Erfahrungen ziemlich überzeugend
    http://www.bpv.de/archiv/gib/2008/GiB0608.pdf (Seite 22)


    Herzlichen Dank vorab für alle Erfahrungsberichte!

  • Hallo!
    Wir haben kurz einmal darüber nachgedacht, aber die Vorstellung, dass nicht ca 60 Lehrer alle 45 Minuten den Raum wechseln sondern ca 1000 Schüler ! 8o, hat uns so beunruhigt, dass wir die Idee ganz schnell ad acta gelegt haben. Denn auf diese Weise sind 1000 Schüler fast jede Pause dabei, ihre Räume zu wechseln und nicht nur in den großen Pausen draußen.
    Eine ganz wichtige Grundvoraussetzung für die Angelegenheit ist wohl, dass alle Schüler auf den Gängen über entsprechend große Schließfächer verfügen, wo sollten die sonst mit ihrem Kram hin?
    Was passiert, wenn ein Lehrer nicht da ist (krank, verhindert...Kommt bei uns durchaus vor.) oder eine Klasse eine Freistunde hat? Wo soll sich dann eine ganze Schulklasse sinnvoll aufhalten? Also braucht man neben Schließfächern auch Aufenthaltsräume für Schüler. Oder soll man die Schüler in die schön eingerichteten Lehrerklassenzimmer allein lassen? Können überhaupt alle Lehrer einen eigenen Raum erhalten? Was sind das für traumhafte Verhältnisse?!
    Also sorry, keine eigenen Erfahrungen, sondern nur ein paar besorgte Überlegungen.
    Viele Grüße

  • Hallo,
    an meiner Ausbildungsschule wurde das im letzten Halbjahr meines Referendariats eingeführt; ich kann also nichts zu langfristigen Erfahrungen sagen. Ich fand es nicht gut. Die Schule war sehr weitläufig und die Kleinen (und auch viele Große) haben es überhaupt nicht geschafft, in einer vertretbaren Zeit sich die Hausaufgaben abzuschreiben, einzupacken, den Raum zu wechseln und wieder auszupacken. Das schon genannte Prinzip mit den Schließfächern trat ebenfalls auf. Dazu kam, dass sich jede Vollzeitkraft mit mindestens einer Teilzeitkraft den Raum hätte teilen müssen, weil es zu wenig Räume gab, so dass in Freistunden die Räume eigentlich immer besetzt waren und man auch "aufräumen" musste. Zu guter Letzt gab es noch das Problem, dass wir nur einige Räume für die ganz großen Klassen (in diesem Fall in den Stufen 6 und 9 oder so) hatten, die auf diese Weise aber eigentlich viel mehr Räume gebraucht hätten.
    Ich sehe die Vorteile des Lehrerraumprinzips absolut, die Umsetzung hat bei uns aber schlechte Erfahrungen gebracht.
    Viele Grüße
    D.

  • Bei meinem eigenen Kind (Realschule-700 Schüler) läuft das jetzt seit 2 Jahren.


    Und es läuft recht gut.
    Mehrere (Fach)lehrer teilen sich einen Raum,
    da es einfach nicht so viele Räume gibt.


    Schließfächer gibt es nicht.
    Die Schüler haben alles mit dabei.
    Ist auch kein Problem.
    da die Kinder ja auch vorher nichts in den Klassen lassen konnten.


    Vorteil:
    Atlanten bleiben jetzt im Fachraum
    und müssen nicht mehr mitgeschleppt werden.


    Wörterbücher sind auch im Fachraum.



    In Freistunden (die es nur sehr selten unbeaucfsichtigt gibt) sind die Schüler in der Halle.
    Dort gibt es Sitzgelegenheiten und mehrere Kicker.
    In den Fachräumen sind sie nur, wenn auch ein Lehrer anwesend ist.



    Der Wechsel läuft problemloser als gedacht.
    Man hat bei der Stundenplanung darauf geachtet,
    dass es vermehrt Doppelstunden gibt.
    Außerdem gibt es für die einzelnen Stufen "Trakte".
    Dort sind dann Klassenzimmer, Chemie/Physiksaal, Musik/Kunst/Computerraum eng beieinander.
    So müssen die Schüler nicht ständig durchs ganze Schulhaus wandern.




    Die 5. Klassen haben wenig verschiedene Lehrer
    und müssen dadurch noch weniger wechseln.

  • Wir hatten das sog. Fachraum-Prinzip für ein Jahr und haben es dann wieder aufgegeben. Hauptnachteil sehe ich darin, dass sich die Schüler überhaupt nicht mehr "zu Hause" fühlen. Sie haben kein Klassenzimmer mehr, keinen Ort, wo sie hingehören, den sie gestalten dürfen. Folglich sind sie auch für nichts mehr verantwortlich. Der Fachlehrer muss dafür sorgen, wie es in seinem Raum aussieht, den Schüler, die eh alle 45 min wo anders sind, ist es noch mehr als früher wurscht, wie es z. B. unter ihren Tischen aussieht.
    Auch der ruhige "Kaffeeklatsch" unter Freunden in der 5min -Pause entfällt durch das ewige Gerenne zum nächsten Raum.
    Nein, für die Lehrer mag es bequem sein, aber den Schülern tut es nicht gut.

  • Wir leben in einem Schulzentrum und eine Schule hat das Fachraumprinzip seit Beginn des Schuljahres, Schüler strömen (trotz Doppelstundenmodell) durch die Gänge und sind heimatlos. Neue Überlegung: Wenigstens die Jg. 5 und 6 bekommen einen Klassenraum und es sollen "Heimatbereiche" z.B. für 7/8 angelegt werden, damit die Kinder einen Anlaufpunkt haben.

    There is a difference between knowing the path and walking the path. (Matrix)

  • an meinem gymnasium gibts wohl ne mischform


    klassenräume für die klassen 5-11 (ab der 11 findet kursunterricht ausschließlich in doppelstunden statt, vorher auch fast immer) und entsprechende fachräume.
    die hauptfächer wie deutsch, mathe, englisch, latein, französisch werden im klassenraum unterricht, der rest findet in fachräumen statt: chemie/physik/bio im naturwissenschaftlichen trakt (3 Stockwerke), erdkunde/politik/geschichte in räumen mit platz für karten, atlanten, etc (ebenfalls 2 stockwerke)
    pädagogik/reli/philosophie in schlichten kursräumen
    unsere schule ist eher höher als breiter, also muss man eher treppen steigen, als weite flure entlang laufen und man kann recht schnell in den 5-min-pausen die räume wechseln....


    wobei: ich hab 2003 abi gemacht, ich weiß nicht, wie es inzwischen ist
    bei freistunden können die klassen 11-13 in der schüler-cafeteria bleiben, für untere stufen war so etwas zum ende meiner schulzeit ebenfalls angedacht
    herumirrende schüler, weil kein vertretungslehrer zur verfügung stand, gab es nicht


    ohne eingebildet klingen zu wollen, vielleicht ging das auch, weil es eine privatschule ist....

    Wenn das Leben einfach wäre, wäre es ja langweilig!
    Oder nicht?

    Einmal editiert, zuletzt von Zauberwürfel ()

  • Danke an alle, die hier bisher ihre konkreten Erfahrungen geschildert haben.


    Weitere Erfahrungen würden mich brennend interessieren. Auch von denen, die bislang schon geschrieben haben, würde mich noch etwas konkreter interessieren, welche "Anfängerfehler" ihr bei der Umstellung an eurer Schule gesehen habt, wie diese behoben wurden, bzw. wie ihr diese beheben würdet usw. (Muss ja nicht jede Schule die gleichen Anfängerfehler machen.)


    Wir haben bislang ein Fachraumprinzip für die Fächer Physik, Biologie, Chemie, Musik und Kunst. Komischerweise sind es genau die Kollegen, die diese Fächer unterrichten, die sich gegen das angebliche Chaos aussprechen, das entstehen würde, wenn es noch mehr Fachräume (d.h. Lehrerklassenzimmer) gäbe... klar, die haben ihre Schäfchen ja auch schon im "Trockenen", haben sich gemütlich eingerichtet, das Material, das die Schüler brauchen, liegt griffbereit im Schrank, sie haben technische Geräte parat, die auch funktionieren, weil sie von maximal 2 verschiedenen Leuten bedient werden, die sich damit auch auskennen, sie können in Ruhe Noten eintragen, wenn die Schüler den Raum wechseln und müssen nicht selbst dauernd schwer schleppen, kommen nicht völlig außer Puste in höllenlaute Klassen, die seit 5 Minuten auf den Lehrer warten, die erstmal beruhigt werden müssen usw. Naja, ich reg' mich schon wieder auf, sorry.


    Also falls noch jemand konkrete Erfahrungsberichte hat, würde ich mich riesig freuen, wenn diese hier noch veröffentlicht werden könnten.


    Danke.

  • Hallo Mimmi,
    wir haben an unsere Schule seit fast zwei Jahren das Lehrerraumprinzip. Es hat sich bewährt und läuft super. Ich möchte nie wieder an eine Schule in der man von Klasse zu Klasse laufen muss!!! Das Lehrerraumprizip wurde bei uns erstmal 'probeweise' für 2 Jahre eingeführt. In einer Lehrerkonferenz vor Ostern wurde nun endgültig abgestimmt, ob das System beibehalten werden soll, oder ob wir zurück zu den Klassenräumen wollen. Das Ergebnis war eindeutig, bis auf ein Gegenstimme und zwei Enthaltungen haben alle Lehrer (35) für das Lehrerraumprinzip gestimmt.
    Nun zu deinen Fragen:
    Wie haben wir den Lehrerraum durchgesetzt: Bei uns war es so, dass die Schulleitung selbst diesen Vorschlag gemacht hat. Sie haben andere Schulen besucht, und es ist auch ein Konrektor einer Schule, die dieses System bereits eingeführt hatten, bei uns gewesen und hat uns seine Erfahrungen geschildert, unsere Fragen beantwortet und Zweifel entkräftet. Außerdem haben wir uns natürlich im Netz informiert. Da sich alles ziemlich positiv anhörte, wagten wir den Versuch.


    Nun ein wenig zu den Erfahrungen:
    Eigentlich gibt es nur zwei wirkliche Nachteile gegenüber dem Klassenraumprinzip: 1. Die Schüler müssen ihre Tasche ständig mitschleppen, auch in den großen Pausen. 2. Die Schüler haben keine "Heimat".


    Dafür gibt es aber umso mehr Vorteile:
    Große Angst hatten wir natürlich vor den Schülermassen, die jede Pause zwecks Raumwechsel durch die Schule ziehen. Erstaunlicherweise läuft das aber sehr zügig und völlig problemlos ab. Manche Schüler müssen auch nur in den Raum gegenüber oder wegen einer Doppelstunde gar nicht wechseln. Es gibt kein Gedränge auf den Fluren. Wirklich keine Probleme diesbezüglich! Es befinden sich viel viel weniger Schüler auf den Fluren als das am Ende der großen Pausen der Fall ist. Außerdem verschwinden sie ja am Ziel angekommen sofort im Lehrerraum und müssen nicht auf dem Flur auf den Lehrer warten. Das führt im übigen dazu, dass wir uns oft begrüßen, und ich mit dem Unterricht beginne, bevor es überhaupt geklingelt hat. Der Raumwechsel geht sehr schnell, vor allem wenn die Schüler von gegenüber kommen. Das gab es vorher nie. Die Unterrichtszeit wird durch den Raumwechsel im Vergleich zu vorher nicht geringer. Der Lehrer ist immer pünktlich. ;) In den 5 Minuten Pausen verlassen die meisten Lehrer nur selten ihren Raum. Übrigens: D371: Jeder Schüler schafft es die Hausaufgaben abzuschreiben und den Raum zu wechseln, man muss sie nur rechtzeitig an die Tafel schreiben. Damit haben wir keine Probleme. Die Schüler schaffen das und haben gleichzeitig etwas Bewegung, das tut ihnen gut (sages sie selbst!).


    Bei uns haben alle Vollzeitkräfte einen eigenen Raum erhalten. Teilzeitkräft und Kollegen die auch im Fachraum (Biologie etc. oder Sport) unterrichten, teilen sich einen Lehrerraum mit einem Kollegen. Das ist überhaupt kein Problem. Nur beim Erstellen des Stundenplans muss man das natürlich berücksichtigen.


    Die jüngeren Schüler (Klasse 5-7) haben die Möglichkeit ein Schließfach zu mieten. Die Schließfächer wurden von einem Unternehmen auf den Fluren kostenlos installiert. Die Miete beträgt 5 Euro pro Jahr. Im Laufe der Zeit sollen noch mehr Schließfächer aufgestellt werden. Tatsache ist jedoch, dass die Schüler nicht in jeder 5 Minuten Pause zu ihrem Schließfach laufen können und somit die meisten Sachen sowieso ständig dabei sind. Aber das ist kein wirkliches Problem. Die Tasche hat man ja auch auf dem Schulweg etc. dabei.


    Wenn ein Lehrer krank ist und es keine Vertretung gibt, dann dürfen sich die Schüler trotzdem im Lehrerraum eines Kollegen aufhalten. Die Lehrerräume sind immer verschlossen, und in so einem Fall schließt der Kollege der Nachbarklasse den Raum zu Beginn der Stunde auf und am Ende der Stunde ab. Die Schüler benehmen sich im Lehrerraum. Man kann die Schüler ohne Bedenken im 'schön eingerichteten Lehrerraum' lassen. Wirklich. Es ist noch NIE zu irgendwelchen Beschädigungen oder Diebstahlt gekommen!!! Es ist ja auch immer bekannt, welche Gruppe sich in dem Raum befand, so dass Beschädigungen etc. sofort aufgedeckt und zugeordnet würden. Außerdem befinden sich keine" kostbaren" Gegenstände im Raum. Die Schüler haben schon ein Gefühl dafür, was man darf und was nicht. Die Sachen des Lehrers werden in Ruhe gelassen.
    Ich muss diesbezüglich auch 'Ratte' widersprechen. Die Lehrerräume sehen tip top aus. Vorher haben die Schüler ihre Klassen, gerade in den 5 Minuten Pausen respektlos behandelt und 'verwüstet'. Im Unterricht angefertigte Poster etc. hielten nie wirklich lange ohne Beschädigung an den Wänden. Die Tische und Stühle waren oft kaputt und vor allem beschmiert. Ebenso die Wände und der Boden. Seit wir das Lehrerraumprinzip haben bleiben Poster ohne Risse, Tische und Stühle sind sauber, und es geht viel weniger kaputt. Darüber sind vor allem der Hausmeister sowie die Putzfrauen erfreut. Die Ausgaben für Kreide sind drastisch gesunken und auch eine Packung farbige Kreide hält Ewigkeiten. Vorraussetzung ist natürlich, dass die Schüler auch erkennen, dass dies 'mein Raum' ist und er mir wichtig ist. Ratte: Natürlich müssen die Fachlehrer ihren Raum gestalten. Darum machen wir ja das Ganze überhaupt. Ich kann meinen Raum endlich so gestalten, wie es für meinen Unterricht wichtig ist! Lernplakate etc. aufhängen, ohne Angst, dass sie in kürzester Zeit kaputt sind. Lexika, Atlanten etc. im Klassensatz im Raum haben usw. Die Vorteile, die dieses Prinzip auf den Unterricht hat, brauche ich ja hier nicht erläutern. Einige Kollegen haben sogar einen Beamer unter der Decke installiert bekommen und einen Internet Anschluss im Klassenraum. Das wird auf alle Räume ausgeweitet. Kostet halt nur Geld. Aber man kann ja nicht alles auf einmal haben.


    So, jetzt habe ich aber erstmal genug geschrieben.
    LG Eusebia

  • Hallo,


    die Schule, an der ich zur Zeit bin, hat das Lehrerraumprinzip auf Probe seit dem Sommer. Anfangs waren einige Lehrer sehr unzufrieden, weil besonders die Naturwissenschaftslehrer doch weiter ständige Raumwechsel hatten; aber inzwischen hat es sich eingependelt.


    Da wir ein recht konsequentes Doppelstundensystem haben, klappt das auch mit den Raumwechseln recht gut und es gibt keine - wie weiter oben beschriebenen - "heimatlosen" Klassen.


    Ich bin in "meinem" Raum von 25 Stunden 21. Ansonsten sind nur mal Vertretungsstunden in dem Raum. Ich kann ihn gestalten, wie ich möchte, muss nicht absprechen, wer noch so z.b. Schülerplakate aufhängen will, die Schüler können die Atlanten bei mir im Raum lassen (abschließbare Schränke....), ich muss Globus, Karte, etc. nicht rumschleppen - das ist SEHR angenehm. Außerdem ist es für viele Schüler gut, zwischen den Stunden mal ein wenig Bewegung zu haben .


    Viele Grüße,
    Miriam

  • Hallo Miriam,
    mit " die Schüler haben keine Heimat" meinte ich, dass die Klassen keinen Ort haben der 'ihnen' gehört, wo sie sagen können: "Hier ist unsere Klasse, hier sind wir zu Hause." Das gibt es nicht mehr. Aber wie gesagt, dass ist zwar ein Nachteil, aber die vielen vielen Vorteile überwiegen.
    LG Eusebia

  • Hallo,


    ich war im Wintersemester als Deutschassistentin in Frankreich, wo es auch so etwas ähnliches wie ein Lehrerraum-Prinzip gab. So ganz ist es an zwei der drei Schulen nicht aufgegangen, aber es wurde dann zumindest versucht, dass es "Fach-Zimmer" gibt (also z.B. ein Raum, wo praktisch nur Deutsch unterrichtet wurde und wo dann auch eine Deutschlandkarte hing usw.). Allerdings haben die französischen Lehrer in der Regel nur ein Fach bzw. eine festgelegte Fächerkombi (Geschichte/Erdkunde oder Physik/Chemie). Schränke, um Sachen im Zimmer zu lassen, gab es kaum.
    Der Vorteil war (neben der Ausstattung natürlich), dass es keine Beschädigungen gab, weil die Schüler nur mit Lehrer reindurften (habe ich in Deutschland sonst nur in der Grundschule erlebt, aber könnte man natürlich rein theoretisch auch auf dem Gym so machen), Nachteil waren die Schülermassen, die sich zwischen zwei Stunden durchs Haus bewegten - zumal es zwischen der 1. und 2. und der 3. und 4. Stunde keine 5-Minuten-Pause gab; Doppelstunden gab es auch praktisch gar nicht. Hatte schlussendlich zur Folge, dass von den eigentlich 55 Minuten im besten Fall 50 Minuten übrig blieben, zumal in Deutsch die Schüler auch noch aus verschiedenen Klassen zusammenkamen, die in verschiedenen Gebäudeteilen Unterricht hatten bei Kollegen, die verschieden lang unterrichteten...
    Zumindest in der Form wie an meinen frz. Schulen (keine Pause, keine Doppelstunden und zum Teil riesige, weitläufige Schulen) hat es mich überhaupt nicht überzeugt. Klar ist es für mich als Lehrer bequemer, aber ich finde es irgendwie sinnvoller, dass ca. 60 Lehrer wandern als 1000 Schüler... und ein Klassenzimmer als "Heimat" finde ich auch gut.

  • Hallo Mimmi,


    bei uns gibt es das Fachraumprinzip. Wir haben vier Mathematikräume, die nebeneinander liegen und in denen nur Mathematik unterrichtet wird. Zwei davon haben Beamer und Internetanschluss (per Kabel), die anderen nur WLAN. Mathematiklehrer, die sehr viel Mathematik unterrichten und weniger ihr zweites Fach, unterrichten (fast) immer im gleichen Raum. Sie sind es auch, die bei uns anderen Kollegen nachfragen, wenn ihr Raum von einer Klasse mal wieder nicht so ordentlich hinterlassen wurde.


    Ich unterrichte mehr Physik und bin mit meiner Mathematikklasse jetzt in jeder Stunde in einem anderen Raum. Für mich hat sich durch das Fachraumprinzip daher nichts geändert. (Lernplakate aufhängen ist in Mathematik für mich aber nicht mehr.) Kollegen mit Deutsch/Geschichte, die alle Stunden in einem Raum halten können, sind aber begeistert. Wenn sie Freistunden haben, sind aber die Räume meist trotzdem besetzt, da es einige Kollegen gibt, die wie ich dann die Lücken füllen müssen. Es gibt einfach zu wenige Räume.


    Ich war bei der Einführung nicht dabei, aber ich habe gehört, dass die Räume nun wesentlich ordentlicher seien. Davon, dass keine Plakate mehr zerstört werden usw. kann aber keine Rede sein. Vielleicht ist das bei einem echten Lehrraum-Prinzip besser. Unsere Schüler haben in der Regel aber auch gegenüber Unsauberkeit und Zerstörung ein anderes Empfinden als deutsche Schüler.


    Wenn die Schüler beim Wechsel einmal quer durch die Schule müssen, kommen sie manchmal etwas knapp in die Klasse. Oft liegt es aber daran, dass die Schüler zwischendurch zu ihrem Locker gehen, obwohl sie das eigentlich nur in den großen Pausen machen sollen. Ich finde eigentlich auch, dass Locker überflüssig sind, da die Schüler ihre Sachen beim Klassenraumprinzip ja auch nicht im Raum lassen. Allerdings haben unsere Schüler hier wirklich viele Fächer und teilweise auch viele Bücher dazu. Da macht es dann doch wieder Sinn. Atlanten usw. kann man aber jetzt im Fachraum lassen, wobei viele Schüler das nicht wollen, da sie dann nicht spontan zum Lernen darauf zugreifen können.


    FAZIT: Ich finde das Fachraumprinzip besser als das Klassenraumprinzip, bin aber lange nicht so begeistert davon wie Eusebia von ihrem Lehrerraum-Prinzip. Und es hat auch nicht die gelichen Nebenwirkungen (= Räume die tiptop sind).


    Viele Grüße
    DFU

  • Zitat

    Original von DFU
    [...] und teilweise auch viele Bücher dazu.


    Wäre es dann nicht sinnvoll, in jedem Fachraum einen Schrank mit einem halben Klassensatz von Büchern zu füllen, die dann an die Schüler bei Bedarf ausgeteilt werden? Die Schüler könnten dann ihre eigenen Bücher zu Hause lassen. Das schont die Bücher und den Rücken.


    À+

Werbung