Ideen PoWi 9

  • Ich habe nun eine neunte Klasse in Politik/Wirtschaft übernommen und laut schulinternem Curriculum steht nun eine Reihe zu "Arbeit" an, in der e eigentlich darum gehen soll, dass die SuS herausfinden, in welche Richtung sie beruflich mal gehen wollen. Außerdem wird da das Praktikum vorbereitet. Nun kam es zu einer Umstrukturierung und das Praktikum ist bereits absolviert und die Reihe wurde bereits durchgeführt.
    Ich möchte daher nun etwas Anderes machen (alles andere wäre ja auch sinnlos) und habe mir gedacht, das Thema Arbeit problemorientiert aufzuziehen. Ich würde die SuS in Gruppen einteilen und arbeitsteilig verschiedene Aspekte (z.B. Fachkräftemangel, demographischer Wandel + Rentenprobleme, Missbrauch von Leiharbeit, Rente mit 63/67, Digitialisierung/Automatisierung von Arbeit, Mindestlohn) erarbeiten zu lassen.
    Das soll dann den anderen in einer Präsentation vorgestellt werden, wobei alle auch ein Handout mit den wichtigsten Informationen bekommen sollen.
    Am Ende sollen alle Schüler eine Rede schreiben, die sie auf einem fiktiven "Arbeitskongress" halten. In dieser Rede sollen sie ausdrücken, welche arbeitsmarktpolitischen Ziele die kommende Bundesregierung haben sollte (dabei können sie sich auch auf bestimmte Aspekte konzentrieren).
    Es geht mir also darum, dass sie am Ende begründet Stellung dazu nehmen können, was die Politik in Zukunft in der Arbeitsmarktpolitik berücksichtigen muss.


    Meine größten Sorgen sind:
    1. Dass ich die SuS damit überfordere. Ich habe noch kein Material für die einzelnen Gruppen (was mit der zweiten Sorge zusammenhängt), könnte mir aber vorstellen, dass es insgesamt eine recht herausforderne Reihe ist.
    2. Ich weiß nicht, welche Aspekte die Gruppen erarbeiten sollen. Die oben genannten sind die, die mir so eingefallen sind, sind mir aber so noch zu durcheinander, es fehlt ein roter Faden. Andererseits könnte dadurch ein etwas globalerer Überblick über das Thema gegeben werden, wenn ich es nicht von Anfang an auf eine Leitfrage wie "Sollte der Mindestlohn wieder abgeschafft werden" o.Ä. verenge.


    Habt ihr vielleicht Ideen, wie ich so etwas durchführen könnte oder fallen euch vielleicht verschiedene Aspekte für die einzelnen Gruppen ein?

  • Das was du erwartest ist meiner Meinung nach LK-Niveau aber sicher nicht 9. Klasse.


    Und warum willst du das Thema so breit aufreissen? Die Themen sind derart interessant und wichtig, dass eine Gruppenarbeit, die so breitgefächert ist, die Schüler nur an der Oberfläche kratzen lässt.


    Warum gehst du nicht exemplarischer vor und entscheidest dich nur für ein paar der Elemente? Und dann analysiert zwei oder drei der am meisten gewählten Praktika an diesen Punkten?

  • Ja, das habe ich schon befürchtet.
    Auf die Praktika möchte ich eher nicht eingehen, weil ich glaube, dass die Erfahrungen da zu unterschiedlich sind und das ja dann für die SuS, die ihr Praktikum in einem anderen Bereich gemacht haben, von Nachteil wäre.


    Welche Elemente würdest du denn für am sinnvollsten halten?

  • Missbrauch von Leiharbeit und Rentenprobleme (ob mit 63, 67 oder was weiss ich) interessiert Neuntklässler eher nicht ;) (vor allem, wenn es von einer eher unerfahrenen Lehrperson gemacht wird). Ist auch vom Sachwissen ziemlich vorrausetzungsvoll (die SuS werden nur eine vage Vorstellung davon haben, was Rente überhaupt ist). Viel praxisnäher machen und überhaupt ndie Grundlagen der Sozialversicherung erstmal einführen (kann man doch prima mit Praktikum verbinden - a la: was würdest du verdienen, wenn du den Job dann machen würdest. Wieviel Abzüge hättest Du dann vom Brutto, wie sähen die aus?)


    Praktikumsreflexion ist das schülerorientierteste Thema - wenn es in keinen anderen Unterrichtskontexten aufgearbeitet wird, dann würde ich das sogar als obligatorisch erachten.


    Am besten fragste mal einen erfahrenen Lehrer an deiner Schule (so wie du das hier skizziert hast, klappt es nicht, außer Du hast 'Extremschüler')

  • Danke für die Antwort :).


    Bezogen aufs Fachwissen würde mir die Diskussion zu Leiharbeit leichter fallen als für jeden Job die Gehaltsgrößen zu diskutieren :D. Aber okay, das könnten ja die SuS für ihren jeweiligen Job raussuchen, wobei leider viele eben nicht in dem Job ihr Praktikum hatten, in dem sie mal arbeiten wollen.
    Als ich in einer Einführungsstunde gefragt habe, was sie gerne machen würden etc., haben sie sogar explizit "Rente" als Thema genannt :D. Daher hatte ich halt daran gedacht, aber ich weiß natürlich nicht, inwiefern die SuS versucht haben, von mir vermeintlich erwünschte Antworten zu geben.


    Grundlagen der Sozialversicherung werden explizit in der EF dann gemacht - und ich weiß, dass einige Kollegen wohl recht allergisch reagieren, wenn man sowas vorwegnimmt und ungleiche Bedigungen zwischen den Kursteilnehmern schafft. Trotzdem finde ich die Idee nicht schlecht.


    Die andere Idee wäre die Diskussion über ein bedingungsloses Grundeinkommen. Wenn ich also das Feld von hinten aufrolle und gerade darauf eingehe, dass unheimlich viele ja noch gar nicht wissen, was sie mal machen wollen - und das Grundeinkommen ihnen dann ja die Möglichkeit geben könnte, erstmal was auszuprobieren o.Ä.

  • Die ganze Praktikumsthematik wurde - ich weiß nicht, wieso - in den Deutschunterricht verfachtet (soweit ich das durchblicke). Deshalb fällt das in PoWi jetzt sozusagen raus.

  • Die Diskussion über ein bedingungsloses Grundeinkommen ist noch anspruchsvoller als dein erster Vorschlag. Wie sollen die Schüler begründet Stellung nehmen, wenn sie die Konsequenzen nicht überblicken können? Wie viele Stunden hast du zur Verfügung?

  • Wir (also ich als Schülerin irgendwann in den 90ern...) waren mal im Biz. Vermutlich gibt es sowas gar nicht mehr. Das war ein Berufsinformationszentru des Arbeitsamtes und man konnte durch eine kartei ganz vieler berufe incl. Aufgabenfeld, Ausbildungsvoraussetzungen etc. blättern.
    Kannst du nicht einen ähnlichen Unterrichtsgang machen, ihr sucht dann die Top 10 Berufe deiner Klasse und dann analysiert ihr die Rahmnebedingungen? Also Gehalt - Ausbildungsdauer, etc.

  • Wir (also ich als Schülerin irgendwann in den 90ern...) waren mal im Biz. Vermutlich gibt es sowas gar nicht mehr. Das war ein Berufsinformationszentru des Arbeitsamtes und man konnte durch eine kartei ganz vieler berufe incl. Aufgabenfeld, Ausbildungsvoraussetzungen etc. blättern.
    Kannst du nicht einen ähnlichen Unterrichtsgang machen, ihr sucht dann die Top 10 Berufe deiner Klasse und dann analysiert ihr die Rahmnebedingungen? Also Gehalt - Ausbildungsdauer, etc.

    Die BIZ gibt es noch und die Datenbank dazu auch. Inzwischen ist die Datenbank aber auch online einsehbar (https://berufenet.arbeitsagentur.de). Allerdings steht ein Besuch des nächstgelegenen BIZ wahrscheinlich sowieso auf dem Plan.



    Zur Einstiegsfrage: Ich findes diese Vielfalt von Themen (vor allem zum selbstständigen Erarbeiten) auch zu anspruchsvoll für eine 9. Klasse. Nehme dir doch den Punkt Automatisierung/Industrie 4.0 raus und mach da etwas daraus. Die Texte/Materialien dazu dürften oftmals aber auch zu anspruchsvoll sein, sodass du vermutlich selbst etwas schreiben musst, bzw. vorhandene Texte vereinfachen musst. Es waren ja sicher auch Schüler in Industriebetrieben im Praktikum, an deren Erfahrungen/Erzählungen kann man das sicher gut aufhängen. Natürlich kann man da nicht in die Tiefe gehen, aber es reicht, um Eindrücke von der Arbeitswelt der Zukunft zu vermitteln und vielleicht sogar, als kleiner positiver Nebeneffekt, so manchem Schüler klar zu machen, wie wichtig eine Ausbildung ist.


    Edit: Habe gerade gesehen, bei Schroedel aktuell gibt es etwas zu Industrie 4.0. Steht zwar da, dass es ab Klasse 10 ist, aber vllt. kann es dir als Grundlage dienen:
    https://verlage.westermanngrup…haft-Politik-ab-Klasse-10
    Wenn du dort schon einmal Bücher bestellt hast, müsstest du das Material kostenlos bekommen können.

  • Vielen Dank für eure Antworten.


    Grundsätzlich finde ich die Vorschläge gut, nur haben die SuS das halt schon vor dem Praktikum gemacht. Sie haben so eine Art Portfolio erstellt und herausgearbeitet, was für einen Job sie gerne mal machen würden. Leider wussten das viele trotzdem noch nicht (was ich auch verstehen kann, ich wusste in dem Alter auch noch nicht so richtig, was ich mal machen will) und/oder haben keinen Praktikumsplatz in dem Bereich gefunden.
    Damit ist der Bereich einerseits thematisch schon abgearbeitet, andererseits will ich das auch nicht noch weiter ausdehnen, weil es für diejenigen, die noch nicht wissen, was sie mal machen wollen (oder eben keinen Platz in dem Bereich hatten), irgendwann doch bestimmt auch nervig wird.


    Ich habe im Grunde genommen bis zu den Osterferien Zeit (vielleicht minus eine Woche), also 12-14 Stunden.


    Ich schaue mir das von Schroedel mal an und nutze das Wochenende, um weiter nachzudenken :).
    Habe da auch noch was von der GEW gefunden, für diejenigen, die es interessiert: http://www.boeckler.de/pdf/schule_ue_industrie_4.0.pdf

  • Ich würde das Thema Berufe im Hinblick z.B. auf Arbeitsbedingungen ruhig nochmal vertiefen. Die Schüler/innen kennen in der Regel recht wenig verschiedene Berufe, ich glaube etwa aus zehn bis 20 Berufen meine ich, wird oft ausgwählt. Dabei gibt es um die 350 verschiedene Ausbildungsberufe. Man könnte z.B. Eltern einladen, falls jemand zu den Unterrichtszeiten Zeit hätte, ihren Beruf vorzustellen. Vielleicht könnte man außerdem Berufe vorstellen, die nicht so bekannt sind, aber trotzdem interessant für die Schüler/innen sein könnten. Die Berufe auf das Thema Arbeitsbedingungen/Arbeitsschutz zu durchleuchten, finde ich ebenfalls recht sinnvoll: Wann arbeite ich? Abends? Am Wochenende? Wo arbeite ich? Muss ich viel stehen? Muss ich schwer tragen? Muss ich körperlich besonders fit sein? Ist es am Arbeitsplatz laut? etc. Dazu könnte man das Thema Arbeitsschutzgesetze mit einbeziehen oder mal unsere Arbeitsbedingungen in Deutschland mit denen in anderen Ländern vergleichen o.ä. - Da ich aus dem Ruhrgebiet komme, in Dortmund gibt es eine Ausstellung zum Arbeitsschutz, die man dazu ansehen könnte, da würde ich abschließend -falls machbar- im Laufe des Schuljahres hinfahren.

  • eher sozialethisch, aus dem lehrplan gy 9 bayern: "verschiedene Auffassungen von Arbeit heute (Schule, Job, Berufung, Selbstverwirklichung) und von sinnvoller Freizeitgestaltung; Wert und Grenzen des Leistungsprinzips (Leistungsbeurteilung, Begabung und Fleiß, Konkurrenz­kampf, Gleich­berechtigung der Frau im Arbeitsleben u. a.)";


    oder auch die schon genannte automatisierung als thema - lebensweltnah, also irgendwas mit selbstbedienungskassen, bankautomaten, "lernen wir bald alle nur noch daheim am rechner?", roboter betreuen senioren in japan, verlust von jobs für ungelernte usw. - äre machbar. ist dann aber sicher sehr viel arbeit und es ist für einen anfänger vermutlich schwer, da einen roten faden zu basteln.

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