Borchert: "Nachts schlafen die Ratten doch "

    • Borchert: "Nachts schlafen die Ratten doch "

      Liebe Forenmitglieder,

      meine Staatsprüfung im Fach Deutsch steht bevor und ich bin mir sehr unsicher, ob meine Planung so sinnvoll ist oder nicht. Mit meiner leistungsstarken Lerngruppe (Klasse 8) möchte ich die Geschichte "Nachts schlafen die Ratten doch" erarbeiten. Im Vordergrund der Stunde soll die inhaltliche Erarbeitung stehen. Dabei sollen die SuS den Stimmungswandel des Jungen nachvollziehen und auf die Gesprächsstrategie des Mannes zurückführen. Als Aufgabenstellung habe ich mir hierfür überlegt, dass die SuS die Geschichte zunächst in Sinnabschnitte unterteilen (bzgl. des Verhaltens des Jungen). Dabei sollen sie das Verhalten des Jungen in diesen Sinnabschnitten mit einem Satz zusammenfassen. Anschließend sollen sie konkrete Textstellen heraussuchen, die zeigen, dass der Mann maßgeblich für den Stimmungswandel verantwortlich ist. Meine Frage ist jetzt, ob es Sinn macht, dass der Text in Sinnabschnitte unterteilt wird. Wenn ich die Aufgabe so formuliere, dass die SuS im Bezug auf das Verhalten des Jungen einzelne Textstellen heraussuchen, laufe ich der Gefahr, dass die Ganzheitlichkeit des Textes nicht erkannt wird und die SuS die Dynamik des Textes nicht erfassen. Hat jemand vielleicht sogar eine andere Idee? In einem sichernden Unterrichtsgespräch möchte ich das sich verändernde Verhältnis dann graphisch darstellen, indem ich Pfeile aufzeichne, die mit den Abschnitten immer näher zusammenlaufen, sich am Ende aber dann nicht ganz treffen, weil man nicht wirklich weiß, ob der Mann wirklich zurückkehrt.

      Vielen Dank.
    • Ich befürchte, ohne zumindest mal das übergeordnete Lernziel zu kennen, wird man Dir hier keine Rückmeldung geben können. Die Methodik entwickelt sich nun mal aus der Didaktik und wenn Du Fragen zur Methodik hast, benötigen wir die Lernziele, wenigstens das ÜLZ.
      Wenn das Deine Examenslehrprobe ist, weißt Du das aber doch sicherlich, oder?
      I wonder which mistake I'm going to try to learn from today.
    • Die Idee, die Geschichte in Sinnabschnitte zu unterteilen, um den Inhalt Stück für Stück zu erfassen, finde ich gut. Die Vorstellung, das Ganze graphisch mit Pfeilen darzustellen, kann ich hingegen nicht nachvollziehen. Wenn man das Tafelbild sehen würde, könnte man es vermutlich besser verstehen. So kommt mir das etwas verwirrend vor. Der Junge bekommt doch durch das Gespräch mit dem Mann wieder Hoffnung. Aber wieso möchtest du dazu Pfeile aufzeichnen?

      Wenn du den Stimmungswandel darstellen möchtest, würde ich dazu Farben benutzen. In der Geschichte kommen ja auch Farben vor: Am Anfang blaurote Abendsonne, dann wird es ganz dunkel-schwarz, ... zum Schluss grün (Kaninchenfutter - Hoffnung). Das finde ich verständlicher.
    • lametta schrieb:

      Im Vordergrund der Stunde soll die inhaltliche Erarbeitung stehen. Dabei sollen die SuS den Stimmungswandel des Jungen nachvollziehen und auf die Gesprächsstrategie des Mannes zurückführen.
      die lernziele hast du ja schon.

      den weg dorthin, aka didaktik der stunde, hast du auch schon. auch das tafelbild klingt überzeugend und ist für die geschichte ja auch erwartbar. das, was du vorhast, wäre bei uns eine solide stunde gewesen, aber bestenfalls eine drei, da zu lehrerzentriert, zu sehr gesteuert. ich würde die inhaltliche erschließung etwas beschleunigen (z.b. vorgegebene sinnabschnitte sortieren lassen) und mich dann auf die innere handlung, die ja deiin kernthema zu sen scheint, konzentrieren. vielleicht alles methodisch ein bisschen produktionsorientierter angehen: z.b. drei teams (oder sechs, jedes thema 2x vergeben), die irgendwie schüleraktivierend die innere handlung (1) junge am beginn der geschichte, 2) der mann, 3) junge am ende der geschichte herausarbeiten. zum beispiel durch einen heißen stuhl, einen inneren monolog, ein interview mit der figur, ein sprechendes standbild... das dann präsentieren lassen und daraus das geplante tafelbild entwickeln. transfer über thematisierung der farbsymbolik - vielleicht passendes unterstreichen von entsprechenden stellen im tafelbild (grau der trümmer, grün des karnickel-grases der hoffnung...) . oder so. nur eine idee. einstieg vielleicht bilder einer zerbombten stadt (münchen nach wkII?), um das setting der geschichte zu klären?! wobei das auch was für eine vorentlastende hausaufgabe wäre.
    • Seven schrieb:

      Ich befürchte, ohne zumindest mal das übergeordnete Lernziel zu kennen, wird man Dir hier keine Rückmeldung geben können. Die Methodik entwickelt sich nun mal aus der Didaktik und wenn Du Fragen zur Methodik hast, benötigen wir die Lernziele, wenigstens das ÜLZ.
      Wenn das Deine Examenslehrprobe ist, weißt Du das aber doch sicherlich, oder?
      Hallo Seven,
      vielen Dank für die Rückmeldung. Das Lernziel ist die inhaltliche Erarbeitung der Geschichte. Die SuS sollen erkennen, was mit dem Jungen los ist, wie es dem Mann gelingt ihn von seinem Zwangsgedanken abzubringen und in welchem Verhältnis die beiden zueinander stehen. In der Folgestunde nach dem Examen möchte ich die Geschichte sprachlich analysieren.

      Cat1970 schrieb:

      Die Idee, die Geschichte in Sinnabschnitte zu unterteilen, um den Inhalt Stück für Stück zu erfassen, finde ich gut. Die Vorstellung, das Ganze graphisch mit Pfeilen darzustellen, kann ich hingegen nicht nachvollziehen. Wenn man das Tafelbild sehen würde, könnte man es vermutlich besser verstehen. So kommt mir das etwas verwirrend vor. Der Junge bekommt doch durch das Gespräch mit dem Mann wieder Hoffnung. Aber wieso möchtest du dazu Pfeile aufzeichnen?

      Wenn du den Stimmungswandel darstellen möchtest, würde ich dazu Farben benutzen. In der Geschichte kommen ja auch Farben vor: Am Anfang blaurote Abendsonne, dann wird es ganz dunkel-schwarz, ... zum Schluss grün (Kaninchenfutter - Hoffnung). Das finde ich verständlicher.
      Hallo Cat 1970,
      auch dir danke für die Rückmeldung. Ich wollte in irgendeiner Form graphisch darstellen, dass der Junge sich dem Mann annähert, sodass die Dynamik des Verhältnis deutlich wird. Möglicherweise sind Pfeile aber nicht die richtige Wahl. Farben könnten da eindeutiger sein, aber ich weiß allerdings nicht, ob den SuS in Klasse 8 die Farbsymbolik schon so bewusst ist. Hast du da Erfahrung?



      kecks schrieb:

      lametta schrieb:

      Im Vordergrund der Stunde soll die inhaltliche Erarbeitung stehen. Dabei sollen die SuS den Stimmungswandel des Jungen nachvollziehen und auf die Gesprächsstrategie des Mannes zurückführen.
      die lernziele hast du ja schon.
      den weg dorthin, aka didaktik der stunde, hast du auch schon. auch das tafelbild klingt überzeugend und ist für die geschichte ja auch erwartbar. das, was du vorhast, wäre bei uns eine solide stunde gewesen, aber bestenfalls eine drei, da zu lehrerzentriert, zu sehr gesteuert. ich würde die inhaltliche erschließung etwas beschleunigen (z.b. vorgegebene sinnabschnitte sortieren lassen) und mich dann auf die innere handlung, die ja deiin kernthema zu sen scheint, konzentrieren. vielleicht alles methodisch ein bisschen produktionsorientierter angehen: z.b. drei teams (oder sechs, jedes thema 2x vergeben), die irgendwie schüleraktivierend die innere handlung (1) junge am beginn der geschichte, 2) der mann, 3) junge am ende der geschichte herausarbeiten. zum beispiel durch einen heißen stuhl, einen inneren monolog, ein interview mit der figur, ein sprechendes standbild... das dann präsentieren lassen und daraus das geplante tafelbild entwickeln. transfer über thematisierung der farbsymbolik - vielleicht passendes unterstreichen von entsprechenden stellen im tafelbild (grau der trümmer, grün des karnickel-grases der hoffnung...) . oder so. nur eine idee. einstieg vielleicht bilder einer zerbombten stadt (münchen nach wkII?), um das setting der geschichte zu klären?! wobei das auch was für eine vorentlastende hausaufgabe wäre.
      Hallo Kecks,

      danke für deine Antwort. Man muss vorab dazu sagen, dass mein Fachleiter lehrerzentrierte Stunden sehr wertschätzt. Ein gelungenes Unterrichtsgespräch, bei dem man zeigt, dass man gute Impulse setzen kann, ist ihm sehr wichtig. Bzgl. produkltionsorientierter Ansätze hat er uns gesagt, dass diese auch wirklich sehr zielführend gestaltet sein müssen und auch nicht zwingend in Examensstunden gezeigt werden müssten (er hätte schon oft welche gesehen, die nicht zielführend sind). Aber das ganze zu reduzieren ist natürlich eine gute Idee. Ich könnte theoretisch die Sinnabschnitte vorgeben und dann nur zusammenfassen lassen. Meinst du denn nicht, dass das mit dem Interview oder dem Hot Chair zeitlich eng werden könnte? Sonst könnte man wirklich überlegen, ob man zunächst inhaltlich die Geschichte erarbeitet, dann vielleicht sogar schon das Tafelbild erstellt und im Transfer dann mit einer produktionsorientierten Methode zeigt, dass die SuS die Figuren und ihre Handlungsmotive verstanden haben. Im Einstieg hatte ich mir überlegt ein Bild eines Jungen in Trümmern zu zeigen, sodass die SuS die Geschichte inhaltlich kurz zusammenfassen müssen (sie lesen die Geschichte in einer Hausaufgabe zum ersten Mal). Das zeithistorische Bewusstsein müsste da schon da sein, da wir einen Filmausschnitt zur Nachkriegszeit im Rahmen der Geschichte "Das Brot" gesehen haben.
    • ach, sooo ein fachleiter... schade. man kann mit produktionsorientierten methoden jenseits des selbstzwecks soooo viel tolles machen, was weit mehr schüler erreicht als das ordinäre unterrichtsgespräch. und ich bin ein großer fan von frontalunterricht, aber nicht als monokultur. aber du hast natürlich recht, wenn der/die so drauf ist, gehört das produktive eher bis ausschließlich in die vertiefung.
    • kecks schrieb:

      ach, sooo ein fachleiter... schade. man kann mit produktionsorientierten methoden jenseits des selbstzwecks soooo viel tolles machen, was weit mehr schüler erreicht als das ordinäre unterrichtsgespräch. und ich bin ein großer fan von frontalunterricht, aber nicht als monokultur. aber du hast natürlich recht, wenn der/die so drauf ist, gehört das produktive eher bis ausschließlich in die vertiefung.
      Ich habe mir aber jetzt einfallen lassen, dass man vielleicht eine gute "Zwischenlösung" finden könnte. Immerhin sitzen in der Kommission drei Leute. Eventuell könnte man das so gestalten, dass man in der Hausaufgabe aufgibt, dass die SuS die Geschichte lesen und auf Folienschnippseln Fragen notieren, die ihnen beim Lesen aufgefallen sind. Da die Geschichte fast nur aus Dialog besteht, kann man davon ausgehen, dass sich die Fragen fast ausschließlich auf die Handlungsmotive der Figuren beziehen werden. Dann könnte man nach dem Einstieg die Fragen auf dem Overheadprojektor zeigen (schon vorher doppelte Fragen aussortieren). Damit könnte man dann auch das weitere Vorgehen begründen: Um die Fragen zu beantworten (die Leerstellen zu füllen), betrachtet man den Text genauer. Dann lässt man eben die oben genannten Aufgaben erarbeiten und sichert wie gehabt an der Tafel. Dann schaut man zunächst, welche Fragen man mit der Textarbeit schon beantwortet hat und lässt die SuS im Transfer in Partnerarbeit die Leerstellen selbst füllen. Folglich sollte dann einer eben die Rolle des Mannes einnehmen und der andere die des Jungen. Dann könnten sich die SuS gegenseitig interviewen. Abschließend kann man das dann plenar noch einmal aufgreifen, indem man die SuS fragt, welche Fragen sich noch schwer beantworten lassen und welche Leerstellen sie selbst schon füllen konnten. Damit wird auch noch einmal auf das Gattungstypische verwiesen. Was hälst du davon?
    • klingt gut, aber ist risikoreich, weil man nie weiß, ob die kinder zuverlässig fragen entwickeln, die wirklich auf die leerstellen des textes zielen, nicht auf "haha, hatten sie schon mal sex?" (an den mann gerichtet)... freilich werden sie sich da in examensstunden zusammenreißen, aber wenn du das machst, dann würde ich die fragen am vortag einfordern und entsprechend vorsortieren/notfalls auch ein paar fragen unterjubeln, die zielführend sind. ist aber auf jeden fall schön, weil man sagen kann, dass die problemorientierung oder so was in der art wirklich von den schülern kommt...

      (dein fachleiter hat im übrigen meiner ansicht nach sicherlich recht, wenn er sagt, dass produktionsorientierte methoden oft völlig sinnfrei veranstaltet werden. aber sie können halt auch extrem hilfreich sein, z.b. wenn es wie hier darum geht, intentionen von lebensnah gestalteten figuren nachzuvollziehen...).