Aufgabe von Gewerkschaften

    • Aufgabe von Gewerkschaften

      Für mich als Lehrerin würden Berichtzeugnisse ein enormes Mehr an Berufszufriedenheit bedeuten und sind somit durchaus Bestandteil des Diskussionsstoffes einer Gewerkschaft.
      Die übrigens neben "Erziehung" noch "Wissenschaft" im Namen trägt. Wenigstens eine Gruppierung mit öffentlichem Interesse die es wagt, über unser veraltetes Schulsystem zu reden. Finde ich.

      Da der andere Thread zu ist hier die allgemeine Frage: was dürfen Gewerkschaften fordern, finden und meinen?
    • Gewerkschaften sollten die Interesse ihre Mitglieder vertreten, sich für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen einsetzen und bei arbeitsrechtlichen Fragen beratend zur Verfügung stehen. Ideologisch geprägte Bildungspolitik (Gemeinschaftsschulen, Inklusion, Abschaffen des Sitzenbleibens, Abschaffen von Ziffernoten, ...) gehört nicht zum Aufgabengebiet.
    • Nur weil Noten ein tradiertes Mittel in der Schule zur Beurteilung von Leistungen sind, macht es sie weder veraltet noch obsolet.

      Die Forderung Noten abzuschaffen und durch "Lernstandsberichte" zu ersetzen ist an Lächerlichkeit kaum zu überbieten.

      Einerseits werden sich im Zeitverlauf Textbausteine entwickeln und letztlich Standardfloskeln in Zeugnissen stehen, bei denen der Name ausgetauscht und hier und da kurz etwas verändert wird.

      Dieselben die das vorschlagen, sind doch die ersten die rumheulen, wenn es plötzlich wesentlich mehr Arbeit bedeutet und der Dienstherr keine Deputatsreduktion einführt. Das wird unweigerlich zum obigen Punkt führen.
      Und andere Kollegen können halt nicht Teilzeit arbeiten, weil sie eine Familie zu versorgen haben. Die werden ebenfalls Stabdardbausteine verwenden.
      Als ob sich dann was verändert hat. 8)

      Darüberhinaus ist in der Notenverordnung klar geregelt, was eine Note aussagt. Wer nicht die Eier in der Hose hat, einem Schüler mittels einer schlechten Note klar zu machen wo er steht, soll es lieber ganz bleiben lassen.

      Diese Lernstandsberichte sind dafür da, mit viel Blabla um das Problem herumzulavieren und dabei als Motivationselement getarnt. Letztlich sollen sie Konfrontation, die sich nun einmal aus der Leistungsbeurteilung ergeben, zwischen Schüler und Lehrer ergeben, minimieren.

      Die Bildungsexperten die das vorschlagen sollen einfach aus ihrem Büro rauskommen und wieder unterrichten. Oder halt eine Privatschule eröffnen. Im öffentlichen Schulsystem haben sie schon genug angerichtet.
    • Die Frage ist schwieriger als es auf den ersten Blick scheint.
      Die Aufgabe einer Gewerkschaft sehe ich ebenfalls vor allem darin, die Interessen ihrer Mitglieder zu schützen; dazu gehören sicherlich in erster Linie die Bereiche Besoldung, Arbeitszeit und Belastung.
      Dazu gehört aber auch die Frage der Arbeitszufriedenheit. Das Bildungswesen ist seit Jahren ständigen Reformen ausgesetzt, die sich nachhaltig auf unser Tätigkeitsfeld auswirken. Die (Mit-)Gestaltung dieses Tätigkeitsfelds ist aber unter den oben genannten Gesichtspunkten ebenfalls Aufgabe der Gewerkschaft. Nun könnte eine Gewerkschaft alle Veränderungen blockieren, um die Belastung ihrer Mitglieder gering zu halten. Das ist aber nicht besonders realistisch, da der Einfluss der Gewerkschaften einfach nicht groß genug ist. Also bleibt der Versuch, die Reformen - und damit auch die Arbeitsbedingungen - aktiv mitzugestalten. Und schon sind wir bei ideologischen Fragen, da beinahe jedes Thema im schulischen Kontext ideologisch besetzt ist. Darüber lässt sich trefflich streiten, wie man ja hier im Forum immer wieder sieht.

      Ich persönlich bin übrigens Mitglied in der GEW, obwohl ich viele der dort vertretenen Einstellungen (und Ideologien) ablehne. Das hat mehrere Gründe. Ich glaube, dass es unserem Berufsstand insgesamt sehr nutzt, in einer starken Gewerkschaft organisiert zu sein. Und "Stärke" entsteht in diesem Sinn auch durch Mitgliederzahlen. Ich begrüße auch manche der Änderungen, die die GEW bewirkt, auch wenn ich mir natürlich mehr Reichweite wünschen würde.
      Ich finde auch, dass die GEW einen verdammt guten Informationsservive in Rechtsfragen, schulorganisatorischen Fragen und Laufbahnfragen bietet. Das ist ein Service, für den ich gerne zahle - das hat mit einer "Schlüsselversicherung" nichts zu tun.

      Und wenn ich mich über ideologisch verbrämte Vorstöße der GEW ärgere, nehme ich mir manchmal vor, mich dort inhaltlich mehr zu engagieren, um meine Sichtweise besser einbringen zu können. Das mache ich dann meist nicht, aufgrund von Arbeitsbelastung, Freizeitstress oder einfach Faulheit. Und dann halte ich lieber die Klappe, als mich über die zu beschweren, die sich eben trotz dieser Faktoren für meine Arbeitsbedingungen nach bestem Wissen und Gewissen engagieren.
    • Yummi schrieb:

      Nur weil Noten ein tradiertes Mittel in der Schule zur Beurteilung von Leistungen sind, macht es sie weder veraltet noch obsolet.

      Die Forderung Noten abzuschaffen und durch "Lernstandsberichte" zu ersetzen ist an Lächerlichkeit kaum zu überbieten.

      Einerseits werden sich im Zeitverlauf Textbausteine entwickeln und letztlich Standardfloskeln in Zeugnissen stehen, bei denen der Name ausgetauscht und hier und da kurz etwas verändert wird.

      Dieselben die das vorschlagen, sind doch die ersten die rumheulen, wenn es plötzlich wesentlich mehr Arbeit bedeutet und der Dienstherr keine Deputatsreduktion einführt. Das wird unweigerlich zum obigen Punkt führen.
      Und andere Kollegen können halt nicht Teilzeit arbeiten, weil sie eine Familie zu versorgen haben. Die werden ebenfalls Stabdardbausteine verwenden.
      Als ob sich dann was verändert hat. 8)

      Darüberhinaus ist in der Notenverordnung klar geregelt, was eine Note aussagt. Wer nicht die Eier in der Hose hat, einem Schüler mittels einer schlechten Note klar zu machen wo er steht, soll es lieber ganz bleiben lassen.

      Diese Lernstandsberichte sind dafür da, mit viel Blabla um das Problem herumzulavieren und dabei als Motivationselement getarnt. Letztlich sollen sie Konfrontation, die sich nun einmal aus der Leistungsbeurteilung ergeben, zwischen Schüler und Lehrer ergeben, minimieren.

      Die Bildungsexperten die das vorschlagen sollen einfach aus ihrem Büro rauskommen und wieder unterrichten. Oder halt eine Privatschule eröffnen. Im öffentlichen Schulsystem haben sie schon genug angerichtet.
      Vollste Zustimmung ! Berichtszeugnisse sind - nicht nur aufgrund des zur Verfügung stehenden Zeitpensums - reine Augenwischerei.
    • Hier muss ich Yummi und Landlehrer voll zustimmen. Diese Art der "Lernstandsberichte" wurde in Australien in den 90igern eingeführt und seit dem wird Rumexperiment. Auch mit Hilfe von Software dauert es lange sinnvolle Zeugnisse zu schreiben, z.B. 4 Klassen mit je 25 Schülern=100 Zeugnisse schreiben. Das für jedes Fach und schon hat man ein massives Portfolio den Eltern zu überreichen. Und ja, ohne Textbausteine geht dann gar nichts mehr. Hier ist mal ein Link zum freien "Teacher Report Assistant" der weitgehend benutzt wurde und eine große Auswahl von Textbausteinen zum Download bereitstellt.
      rayslearning.com/repview.htm
    • Kommt doch bitte mal von den Noten runter, die Diskussion ist hier unnötig, wurde schon oft geführt und ist im Falle von Yummi auch noch verärgernd und unsachlich.

      Mir gehts wirklich um die Frage, wie sehr sich eine Gewerkschaft inhaltlich äußern sollte und ob das in einer Pädagogengewerkschaft besonders ist, weil alles Pädagogische gleich ideologisch gefärbte Wutausbrüche provoziert.

      Ich weiß schlicht nicht, zu was sich z.B. die Fluglotsengewerkschaft so äußert und hab auch gerade nur beschränkten Internetzugang sonst würde ich nachsehen...
    • Gewerkschaften sind für die Beschäftigten und nicht für die Arbeitgeber oder "Kunden" (in Anführungszeichen, weil ich den Begriff für unseren Berufsstand nicht als sehr passend empfinde) da. Und mit "Kunden" meine ich in erster Linie nicht die Schüler, für die wir uns im Rahmen unserer Möglichkeiten immer bestmöglich einsetzen, sondern v.a. die Eltern.
      Daher stellt sich die Ausgangsfrage für mich gar nicht, sondern führt nur dazu, unsere Arbeitnehmerrechte zu schwächen. Die ideologisch geprägten Forderungen v.a. der Traumtänzergewerkschaft GEW dient gerade nicht uns, sondern der Erfüllung einseitig politisch gefärbter Zwecke vieler dort Engagierter. Ich möchte damit solche Ziele nicht per se verurteilen, aber diese sollten in den entsprechenden Parteien verfolgt werden. Dafür sollte der Name "Gewerkschaft" nicht missbraucht werden.

      P.S. Bevor meine dezidierte Meinungsäußerung zu hart ankommt: Ich bin ein ehemalige GEW-Mitglied und konnte nach einiger Praxiserfahrung nicht mehr mit gutem Gefühl Mitglied bleiben.
    • Starke Gewerkschaften wie die der Lokführer und Piloten holen bessere Konditionen durch Streiks und harte Verhandlungen heraus. Außerdem äußern sie sich mit mehr Bedacht auf die die Arbeitsbedingungen ihrer Mitglieder. Es gibt leider keine starke Lehrergewerkschaft, da Beamte nicht streiken dürfen und die existierenden Interessenvertretungen mehr oder weniger den gleichen Kurs wie die Kultusministerien vertreten.
    • Latin_Lover schrieb:

      P.S. Bevor meine dezidierte Meinungsäußerung zu hart ankommt: Ich bin ein ehemalige GEW-Mitglied und konnte nach einiger Praxiserfahrung nicht mehr mit gutem Gefühl Mitglied bleiben.
      Ich finde es gut, dass du dich als EHEMALIGES GEW-Mitglied outest. Dann ist die Hoffnung noch nicht ganz verloren, mögen viele deinem guten Beispiel folgen.

      Ich sage einmal für was Gewerkschaften NICHT da sind: Zur Selbstverwirklichung verhinderter Bildungspolitiker, die es nicht in die Politik oder die Ministerien geschafft haben, und sich jetzt als traumtänzerische Ideologen auf Kosten der Beschäftigten profilieren wollen.

      Gruß !
      Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

      "In theory there is no difference between theory and practice. In practice there is." (Yogi Berra)
    • Schantalle schrieb:

      Kommt doch bitte mal von den Noten runter, die Diskussion ist hier unnötig, wurde schon oft geführt und ist im Falle von Yummi auch noch verärgernd und unsachlich.

      Mir gehts wirklich um die Frage, wie sehr sich eine Gewerkschaft inhaltlich äußern sollte und ob das in einer Pädagogengewerkschaft besonders ist, weil alles Pädagogische gleich ideologisch gefärbte Wutausbrüche provoziert.

      Ich weiß schlicht nicht, zu was sich z.B. die Fluglotsengewerkschaft so äußert und hab auch gerade nur beschränkten Internetzugang sonst würde ich nachsehen...
      Nein, es ist nicht unsachlich und ob es dich als GEW-Mitglied ärgert oder nicht ist mir völlig egal.

      1. Du beziehst dich in deinem ersten Satz auf Berichtszeugnisse.
      2. Du beziehst dich auf die GEW, die wie nun wieder alle Jahre gegen Schulnoten bläst.
      3. Du beziehst dich auf den von Mikail eröffneten, aber gerade geschlossenen Thread in dem es gerade um dieses Thema gegangen ist.
      4. Du implizierst mit deiner Feststellung eines veralteten Schulsystems deine eigene Zustimmung zur Agenda der GEW.

      Also wirf keine Nebelkerzen und wirf anderen Themenverfehlung vor, wenn du für deine und von deiner Gewerkschaft vertretenen "wissenschaftlichen" These massiv kontra von den übrigen Kollegen bekommst.

      Und ja, Gewerkschaften sind wichtig. Aber die GEW kann ich einfach nicht ausstehen. Die Gründe sind vielfältig. Insbesondere torpedieren die die beruflichen Schulen mit ihrer Politik massiv.
    • Landlehrer schrieb:

      Starke Gewerkschaften wie die der Lokführer und Piloten holen bessere Konditionen durch Streiks und harte Verhandlungen heraus. Außerdem äußern sie sich mit mehr Bedacht auf die die Arbeitsbedingungen ihrer Mitglieder. Es gibt leider keine starke Lehrergewerkschaft, da Beamte nicht streiken dürfen und die existierenden Interessenvertretungen mehr oder weniger den gleichen Kurs wie die Kultusministerien vertreten.
      Ich denke, das muss man etwas differenzierter betrachten. Hier gibt es sehr wohl eine starke Lehrergewerkschaft, denn es wird schon seit ca. 7 Jahre nicht mehr verbeamtet, es hält sich zumindest bei uns nun noch die Waage mit den Angestellten und den Beamten, aber die Zahl der Angestellten steigt, so dass wir es doch mit Hilfe unserer Erzieher (die ja hier Teil des Kollegiums in den Grundschulen sind) geschafft haben, dass die Schule zwei Tage dicht war. Organisiert von unserer doch recht starken Lehrergewerkschaft GEW.

      Und die unmöglichen Parolen der Verdi-Jugend gestern zeigte, dass da nichts verstanden wurde, aber im aktuellen Tarifstreit trifft es ja nicht nur eine Gewerkschaft und eine Gruppierung, sondern viele und damit kann man dann viel erreichen.
    • Aufgaben, wegen derer ich mich in der GEW engagiere:

      - Personalvertretung
      - Rechtsberatung
      - Mitbestimmung
      - Kontrolle
      - Information
      - Vernetzung

      Ich arbeite personalrätlich, schulisch, regional und überregional, berate individuell und kollektiv, schule Personalräte, unterstütze einzelne Kollegen, ganze Kollegien und vor allem örtliche Personalräte. Das Feedback, die einzelnen Danksagungen, die Erfolge etwas für Kollegen zu erreichen, die Auseinandersetzungen, die Solidarität, die unablässige Horizonterweiterung empfinde ich als extrem bereichernd. Das ist für mich Gewerkschaft. Wobei ich ganz klar erst Personalrätin, dann Gewerkschafterin bin, aber die GEW ist unbezahlbar in Bezug auf Information, Rechtsschulungen, der Arbeit der Rechtsstelle für PRen usw.

      Was ich nicht so bräuchte und wo ich oft auch quer liege, ist der ganze bildungspolitische Teil, hier bin ich aber Teil der wachsenden Faktion, die "alte" und liebgewonnene Vorstellungen gerne in Frage stelle, mich streite, dabei die Sicht der anderen Mitglieder kennen lerne, mich daran reibe, auch wieder meinen eigenen Horizont erweitere, eigene Sichtweise überdenken lerne, mich aber auch so kontrovers einbringe, dass ich hoffe, andere tun das auch ab und zu mal - und manchmal ärgere ich mich so vor mich hin, genau so oft freue ich mich aber. Wie es halt so ist, wenn man nicht nur am Spielfeldrand steht und mault, sondern mitspielt :)
      WE are the music-makers, and we are the dreamers of dreams,
      World-losers and world-forsakers on whom the pale moon gleams
      yet we are the movers and shakers of the world for ever, it seems.
    • Das Problem ist doch nur, Meike, wenn ihr an der Basis so "wunderbare" Arbeit leistet, warum wählt ihr dann immer wieder Typen an die Spitze, die nichts besseres zu tun haben, als mit absurden Forderungen die Arbeit der Kollegen und Kolleginnen zu verschlechtern und das Image der Lehrer im Allgemeinen und der GEW im Speziellen in der Öffentlichkeit zu ruinieren?
      Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

      "In theory there is no difference between theory and practice. In practice there is." (Yogi Berra)
    • Danke. Ohne die GEW könnte ich diese Aufgaben aber nicht wahrnehmen. Dazu bedarf es eben starker gewerkschaftlicher Strukturen.

      Leider wird dieser Teil der Arbeit, also derjenige der Menschen, die nicht mit der Presse kommunizieren, aber den Hauptteil der gewerkschaftlichen Arbeit ausmachen, kaum wahrgenommen.
      Berifft die Hauptpersonalräte, Gesamtpersonalräte, Bezirkspersonalräte, Rechtsberater/Beistände, Mitarbeiter der Referate (Mitbestimmung, Beratung, Weiterbildung), die ehrenamtliche Arbeit in den Fach- und Schulgruppen, die die ÖPRen beraten, Juristen in der Rechtsstelle, usw.
      Wie gesagt: DAS ist für mich Gewerkschaft.
      WE are the music-makers, and we are the dreamers of dreams,
      World-losers and world-forsakers on whom the pale moon gleams
      yet we are the movers and shakers of the world for ever, it seems.
    • Meike. schrieb:




      Leider wird dieser Teil der Arbeit, also derjenige der Menschen, die nicht mit der Presse kommunizieren, aber den Hauptteil der gewerkschaftlichen Arbeit ausmachen, kaum wahrgenommen.
      In den Kollegien wird dies sehr wohl wahrgenommen, wenn gute Arbeit geleistet wird - egal, ob von der GEW dem Phv u.a. Warum ansonsten wählen immer noch so viele Gymnasiallehrer die GEW bei Personalratswahlen ;)
      Was die außerschulische Öffentlichkeit oder irgendwelche Trolle denken, muss dich doch wirklich nicht interessieren.