Kombination mit Englisch gymnasiales Lehramt

  • Hallo zusammen,


    nachdem ich hier schon eine Weile mitlese, habe ich mich dazu entschlossen, mich nun doch auch noch einmal an euch Rat suchend zu wenden. Erst einmal finde ich dieses Forum super - großes Lob an die Verantwortlichen!


    Meine Situation ist folgende: Ich studiere momentan Mathematik im Bachelor of Science (bald im 2. Semester) und habe soweit auch alles bestanden. Das Studium der Mathematik verlief für mich bisher eher holprig und habe auch nur meine Klausuren dieses Semester nur knapp bestanden. Nach einigen Karriereveranstaltungen an der Uni habe ich angefangen, daran zu zweifeln, ob ich wirklich in die freie Wirtschaft möchte. Für das Fachstudium habe ich mich ursprünglich entschieden, weil mir meine ehemaligen Lehrer zu einem Lehramtsstudium rieten und ich deswegen aus Prinzip etwas anderes machen wollte und außerdem war ich mir selbst nicht 100% sicher und dachte mir, dass ich vom Fachstudium noch leichter zum Lehramt wechseln kann als andersherum. Soweit so gut... ich habe die Semesterferien für ausgiebige Praktika an verschiedenen Schulformen genutzt und bin mir nun sicher, dass ich Lehrer werden möchte.
    Ich möchte das Höhere Lehramt an Gymnasien studieren, weil ich mir dadurch mehr Einsatzmöglichkeiten an den verschiedenen weiterführenden Schulformen erhoffe und bei einem Fach, Englisch, bin ich mir auch schon 100 prozentig sicher, jedoch stellt sich mir die Frage nach dem Zweitfach.
    Potentielle Zweitfächer wären für mich Mathematik, Chemie, Physik und Deutsch.


    Mathematik: Hier könnte ich mir natürlich meine bisher erbrachten Leistungen anrechnen lassen, jedoch ist da noch die Frage, ob es dann Probleme mit der Studienorganisation und dem Bafög geben könnte. Des Weiteren bringt mich Mathematik an manchen Tagen zur Verzweiflung. Ich finde dieses Fach immer noch interessant, jedoch zweifle ich ein wenig an meiner Eignung, da ich zum einen die Klausuren nur knapp bestanden habe und auch regelmäßig mit der 50%-Hürde kämpfe. Auch habe ich während meiner Praktika zweifel am Mathematikunterricht bekommen, da dieser immer so weltfremd erschien und einfach kein Platz für interessante Konzepte ist, da der Lehrplan immer einen gewissen Druck aufbaut und am Ende zählt, was die Schüler ausrechnen können und nicht was die Mathematik spannendes bieten kann. Trotzdem denke ich, dass gerade die Mathematik die Möglichkeit bietet sich mit Schülern durchzubeißen und es gibt ja durchaus nicht nur stupides Rechnen, sondern auch den Bezug zur realen Welt.


    Chemie: Die Chemie verbindet, meiner Meinung nach, Theorie und Praxis auf eine spannende Art und Weise. Es lassen sich so viele Beispiele aus der Welt der Schüler finden und vieles kann auch selbst ausprobiert werden. "Chemie ist nicht alles, aber alles ist Chemie." Hier bereiten mir jedoch die Laborpraktika ein wenig Bauchschmerzen, da ich schon in der Schule nicht das Gefühl hatte, dass mir das protokollieren eines Experiments wirklich liegt.


    Physik: Das wäre irgendwie ein Notnagel. Die Physik bietet ja scheinbar sehr gute Berufsaussichten und es gibt auch durchaus physikalische Themen, die ich spannend finde, jedoch mindestens ebenso viele, die ich total ätzend finde. Auch der Alltagsbezug ist genauso groß, wenn nicht gar noch ein wenig größer, wie bei der Chemie, was ich als Plus verzeichne.


    Deutsch: Deutsch finde ich auch echt spannend. Die Beschäftigung mit der eigenen Sprache und der Literatur ist wirklich interessant und man kann die Schüler wohl auch ganz anderes kennenlernen als in anderen Fächern, jedoch sind die Berufsaussichten wohl eher nicht so toll und der Korrekturaufwand soll ja auch "tödlich" sein...


    Ich war bereits bei der Studienberatung. Dennoch würde ich mich sehr über eure Anregungen und Meinung freuen. Auch eure persönliche Einschätzung zu den jeweiligen Berufsaussichten fände ich spannend, wobei mir natürlich klar ist, dass ihr keine Kristallkugel habt (die Bedarfsprognosen meines Bundeslandes und der KMK kenne ich auch).


    Vielen Dank für eure Hilfe!

  • Auf keinen Fall Deutsch zu Englisch! Dann hörst du mit dem Korrigieren nicht mehr auf. Ganz egal, was das Fach dir bedeutet, nein! Besonders, wenn du dann viel Oberstufe haben solltest.


    Mathe: Muss nicht schaden, dass du mit Mathe zu kämpfen hast, das hilft beim Reindenken in die SuS.



    Chemie: Joa, mag ich so ein bisschen. ;) Aber wie viel hattest du da in der Schule? Ein Protokoll zu schreiben ist das kleinste deiner "Probleme", sprich der Anforderungen. Das lernt man eigentlich schnell, denn es ist durch sein starres Schema sehr gut zu erlernen. Das Fach kann Spaß machen, man muss halt putzen nach den Versuchen.Oder die SuS anschreien, bis die es tun. :P Ich finde es schwer, Übungsstunden in dem Fach zu konzipieren, da es für mich immer das Gleiche ist. (= Einfach Chlor gegen Brom austauschen bei einer Reaktion kommt mir wie Verar...e vor. Auch wenn es für die Schüler oft was ganz Neues ist.)



    Physik: Kann ich auch ein bisschen leiden :D , entdecke ich jedes Jahr mehr die Schönheit des Ganzen. Auch von Sachen, die ich ätzend finde...Manchmal muss man sich was länger reinfuchsen, um den Sinn zu sehen. Ich habe aber eigentlich nur Oberstufe, deswegen geht das auch was weiter als in der Mitterlstufe. (Müsste mein Profil mal updaten)

    Quiet brain, or I'll stab you with a Q-Tip!

  • Dass man auf keinen Fall Deutsch zu Englisch dazu nehmen sollte, hört man immer wieder. :pfeifen: Ich hab's trotzdem gemacht und keine einzige Minute bisher bereut.


    Ja, ich korrigiere mich dumm und dämlich. Während einige meiner Kollegen mittags ein Nickerchen machen und auch sonst ihren Hobbys frönen, sitze ich -zumindest in diesem Schuljahr- jedes Wochenende. Man benötigt doch einige Strategien, um mit dieser Fächerkombi auf Gym-LA noch Freizeit genießen zu können, aber da muss man eben erfinderisch sein oder auch mal Fünfe gerade sein lassen.


    Diese Fächer zu unterrichten, macht einfach Spaß und Freude. Englisch gefällt mir dabei noch mehr als Deutsch, einfach weil meine Freiheiten in diesem Fach noch größer sind und der Lehrplan mir wesentlich mehr Raum lässt. Doch das kommt gewiss auch aufs Bundesland an; RLP meint es dahingehend (noch) gut mit uns.


    Studiere das, was Dir Spaß macht und vor allem, was Du 30 lange Jahre lang auch unterrichten möchtest, denn das sollte man nicht unterschätzen.

    I wonder which mistake I'm going to try to learn from today.

  • Vielen Dank euch beiden für die Antworten.


    @MSS Naja ich war halt im Grundkurs Chemie (Sachsen) und habe da auch meine mündliche Prüfung mit 15NP abgeschlossen, aber da habe ich trotzdem die Befürchtung fachlich nicht ausreichend für ein Studium vorbereitet zu sein. Protokolle haben wir in der Oberstufe 3 Stück geschrieben. Wie aufwendig ist denn die Vorbereitung von Experimenten für den Unterricht?


    @Seven Wie belastend findest du denn die Korrekturen? Hattest du Probleme beim Berufseinstieg?


    Ich würde mich auch nich über weitere Meinungen freuen! :)

  • Ich habe Englisch und Päda und bin mittlerweile am BK, also schreiben fast alle meine Schüler bei mir auch Klausur (FHR oder AHR).
    Ja, das sind in Klausurphasen schon harte Zeiten. Aber wenn man die Klausuren etwas verteilt legt (wenn das möglich ist) und in der Phase dann halt auch mal deutlich mehr arbeitet (mein Sohn ist heute bei den Großeltern, damit ich an meinem freien Tag korrigieren kann), dann geht das schon. Ich freu mich wieder auf die klausurfreie Phase.
    Und wenn ich am Gymnasium wäre, hätte ich ja auch mal einfachere Klassenarbeiten von 5ern oder 6ern, weniger Abitur, weniger mündliche Prüfungen etc., das wäre bestimmt schon einfacher.
    Man muss halt sein Leben irgendwie so takten, dass es passt und man klar kommt.
    Aber von deinen Fächern würde ich wohl am ehesten zu E/Ma tendieren. Weniger Lerngruppen, bessere Ausgangslage als Klassenlehrer, sehr unterschiedlicher Korrekturaufwand. Aber mit Physik oder Chemie bist du bestimmt auch gut dran, da werden wenigstens in der Mittelstufe keine Arbeiten geschrieben.

    Only Robinson Crusoe had everything done by Friday.

  • Dass man auf keinen Fall Deutsch zu Englisch dazu nehmen sollte, hört man immer wieder. Ich hab's trotzdem gemacht und keine einzige Minute bisher bereut.

    Ich habe ebenfalls D/E und ich empfinde es als die reine Korrekturhölle. Ich habe mein Studium geliebt und konnte mich für beinahe alle Inhalte absolut begeistern. Ich unterrichte auch beide Fächer sehr gerne, wobei jetzt der Grammatik-/Aufsatzschwerpunkt im D-UR der Unterstufe nicht wirklich spannend ist. Ich würde diese Fächer trotzdem nie wieder in dieser Kombination studieren, eben aufgrund der unglaublichen Korrekturbelastung in D. Eher nocht E/Geo oder so. Geo hatte ich nämlich als Drittfach angedacht, es dann aber gelassen. D.h. ich hätte durchaus eine Alternative zu D gehabt, was es jetzt fast noch frustrierender macht...

  • Hallo,
    ich habe mit Deutsch/Englisch vor fast 40 Jahren angefangen (Ethik u. ITG kamen erst später), ich würde es wieder machen, trotz der Korrekturen. Allerdings scheint mir eines im Kern entscheidend, das musst du für dich selbst klären:
    Was für ein Korrekturtyp bist du?

    Ich: Diktate Unterstufe werden blitzschnell in Hohlstunden runtergehauen, ansonsten wird jede Arbeit/Klausur genau einmal gelesen und die Note druntergeknallt, bei Unsicherheiten wird nicht recherchiert, sondern nach Gefühl entschieden.

    Meine Partnerin (auch Deutsch): Jedes Diktat wird zuerst vorkorrigiert, danach endkorrigiert, danach zur Sicherheit nochmals durchgelesen, Zweifelsfälle werden aufwändig recherchiert, ständig wird gefragt, was der Schüler evtl. hätte meinen können.


    So benötige ich für ein Diktat D/E Unterstufe, ca. 25 Schüler, etwa 70 Min. inkl. Noteneintrag, für eine einzelne Klausur Oberstufe E/D zw. 20 u. 35 Minuten.
    Und dann habe ich auch die Kraft, bei vielen dienstlichen Anfragen Nein zu sagen, die Frage ist natürlich, ob du dir das zutraust.


    Wenn dir Begriffe wie "blitzschnell", "Note drunterknallen" oder "Gefühl entscheidet" pädagogische Schauer über den Rücken treiben, dann nimm als Zweitfach Mathe, das ist im Unterschied zu Chemie und Bio vierstündig, ist Angstfach, und du hast deutlich weniger zu tun. Ich hatte ja bisher schon einige Kollegen mit M/E, die schätzen den Unterschied im Arbeitsaufwand auf ca. 1 zu 3 oder gar 4.
    Ciao

  • "Chemie ist nicht alles, aber alles ist Chemie."

    ... und die wenigsten Schüler interessiert das.



    Auch der Alltagsbezug ist genauso groß, wenn nicht gar noch ein wenig größer, wie bei der Chemie, was ich als Plus verzeichne.

    Ähm nein ... eigentlich ganz klar anders rum.


    Ich hab schon viele Schüler sagen hören "Chemie interessiert mich schon, ich versteh's nur nicht. Physik ist so schön einfach, da muss man immer nur die passende Formel aus dem Formelbuch raussuchen. Ist aber ansonsten stinklangweilig."


    Ich unterrichte beides, ich mag beides (Chemie mehr als Physik) aber es ist in beiden Fällen schon schwierig das viel gepriesene Alltagswissen unter die Leute zu bringen. Den meisten Jugendlichen ist es halt im tiefsten Innern völlig egal, warum eine Leuchtstoffröhre jetzt leuchtet, Hauptsache sie leuchtet ;)

  • Danke auch euch für die sehr intrressanten Antworten!


    @WillG Deine Korrekturweise erinnert mich stark an meine alte Deutschlehrerin, wobei ich sagen muss, dass eine solche Arbeitsweise, meiner bescheidenen Meinung nach, nicht unbedingt schlecht sein muss.


    @TequilaSunrise Na da hast du mich wohl ordentlich desillusioniert - war zu meiner nicht allzu lang vergangenen Schulzeit eher so, dass sich die meisten eher für Physik interessierten (34 Physikprüflinge und nur 2 in Chemie und auch ein Chemie-LK kam nicht zustande und der Physik-LK war voll - und da war die Entscheidung doch sehr interessensorientiert, da man vorher wusste auf welch unterschiedlichen Niveaus die entsprechenden Lehrer unterrichten - aber das ist ja auch nur eine ganz subjektive Erfahrung).


    Eure Antworten geben mir durchaus noch neue Denkanstöße und dafür möchte ich mich nochmals bedanken!

  • Bonzo21 und ich sind dieselben Korrekturtypen. 8) Für mehr ist da auch schlichtweg keine Zeit mehr. Mittlerweile versuche ich die Disziplin aufzubringen, unter der Woche jeden Tag ca. 5 Kursarbeiten zu korrigieren, sodass ich innerhalb einer Woche einen Klassensatz schaffe, also quasi wie am Fließband. Leider gab man mir in diesem Halbjahr einen Stundenplan aus der Hölle, sodass ich diese Strategie im 2. Halbjahr nicht mehr aufrecht erhalten kann, was mich wirklich in die Bredouille bringt. Ich hoffe, man hat für nächstes Schuljahr ein Einsehen und ich nicht wieder das Nachsehen...


    Als Berufseinsteiger hatte ich mit den Korrekturen keine Probleme, was aber auch wieder an der Taktik lag: Bereits im Ref habe ich mir angewöhnt in der letzten Sommerferienwoche alle Reihen inklusive Klausuren für das kommende Halbjahr vorzubereiten, sodass ich unter der Woche nur noch minimale Stundenvorbereitung bzw. -nachbereitung habe und dafür Korrekturzeit.
    In Freistunden wird korrigiert; HÜs und Tests sind korrekturfreundlich gestaltet, Klausuren mit Erwartungshorizont ausgearbeitet, damit ich sie u.U. öfter benutzen kann. Damit habe ich mir mittlerweile einen sehr soliden Grundstock an Unterrichtsreihen erarbeitet, was mir den Beruf erheblich erleichtert und mir Platz für die Korrekturen lässt. Zeit für Neues bleibt dennoch (und ist auch wichtig!); dann bereite ich eben in den kleinen Ferien noch mal vor.
    Wichtig sind mir persönlich "freie Phasen". Für jede Lerngruppe bereite ich mindestens ein Stationenlernen oder Projektlernen im Halbjahr vor, um mich auch hier in Hochphasen zu entlasten, bspw. während der schriftlichen Abiturphase. So kann ich auch mal während Unterrichtsstunden einen Test korrigieren.


    Unvorhergesehenes aber haut dann immer voll rein (wie bspw. der o.g. miese Stundenplan) und bringt mich immer noch ins Straucheln. Aber das jetzige Halbjahr ist ja sehr kurz... ;)

    I wonder which mistake I'm going to try to learn from today.

  • @WillG Deine Korrekturweise erinnert mich stark an meine alte Deutschlehrerin, wobei ich sagen muss, dass eine solche Arbeitsweise, meiner bescheidenen Meinung nach, nicht unbedingt schlecht sein muss.

    Du verwechselst mich mit Bonzo21, macht aber nix, weil ich das ähnlich angehe. Trotzdem würde ich nicht nochmal Deutsch machen. Und zwar ausschließlich wegen der Korrekturen.

  • @Seven Das klingt ja echt nach einer guten Taktik und ist sicherlich auch für andere Fächer sehr geeignet - das werde ich definitiv mal im Hinterkopf behalten


    @WillG Oh... tut mir leid! Dennoch sollte ich den Gedanken Deutsch wohl eher wieder verwerfen... Das bedeutet jedoch auch einen Schritt nach vorne für mich im Entscheidungsprozess.


    Das war bisher alles wirklich konstruktiv und hilfreich!

  • @MSS Naja ich war halt im Grundkurs Chemie (Sachsen) und habe da auch meine mündliche Prüfung mit 15NP abgeschlossen, aber da habe ich trotzdem die Befürchtung fachlich nicht ausreichend für ein Studium vorbereitet zu sein. Protokolle haben wir in der Oberstufe 3 Stück geschrieben. Wie aufwendig ist denn die Vorbereitung von Experimenten für den Unterricht?

    Zu den Experimenten im Unterricht: Das hängt ab, an welchem Zweig du unterrichtest. Ist der Zweig naturwissenschaftlich/technisch, sind die Experimente aufwändiger als an anderen Zweigen. Ich unterrichte Chemie in nicht-naturwissenschaftlichen Zweigen von der 9. - 12. Klasse. Längst nicht in jeder Stunde gibt es ein Experiment. Wenn ich z.B. Isomerieformen oder die Nomenklaturregeln bespreche, gibt es keine Experimente. Oder bei der Abhängigkeit der Siedepunkte von der Länge der Kohlenwasserstoffe. Soll ich tatsächlich eine Stunde damit vertun, dass ich die Flüssigkeiten erhitze und die Schüler auf ein Thermometer schauen? Hier arbeite ich mit Diagrammen, die die Schüler auswerten. Diese Kompetenz müssen sie ja auch erwerben. Ansonsten sind die meisten Experimente wenig aufwändig. Für den Aufbau brauche ich selten mehr als fünf Minuten, entsprechend das Aufräumen/Spülen hinterher. Schließlich sollen die Schüler die Experimente auch nachvollziehen können, und zwar auch die nicht so begeisterten/begabten Schüler. Schülerübungen können in der Vorbereitung natürlich aufwändiger sein, wenn man alles für mehrere Gruppen vorbereitet, aber auch diese sind je nach Zweig häufiger oder selten.
    Meine Experimente in dieser Woche (10. Klasse) bestanden darin, dass ich die Farbänderung verschiedener Indikatoren bei sauren und alkalischen Lösungen zeigte. Der Aufwand bestand darin, die Lösungen herauszusuchen und sechs Reagenzgläser aufzustellen. In der anderen Klasse hatte ich Ammoniumchlorid erhitzt und die entstandenen Gase mit Indikatorpapier nachgewiesen.


    Sarek

  • und da war die Entscheidung doch sehr interessensorientiert, da man vorher wusste auf welch unterschiedlichen Niveaus die entsprechenden Lehrer unterrichten

    Nein, die Entscheidung ist eben nicht interessensorientiert ;) Du schreibst es ja selbst - es hängt gerade in diesen Fächern sehr viel vom Lehrer ab. Ohne mir selbst allzu viel auf die Schulter klopfen zu wollen ... bei uns an der Schule läuft es so: bin ich mit der Kollegin x zusammen dran, wählen viele SuS Chemie, ist der Kollege y mit der Kollegin z zusammen dran, sind die Kurse noch maximal halb so groß. Je nachdem, wie Du selber so tickst kann das aber gerade der Reiz der Fächer sein. Es ist schon toll wenn man merkt ... Mensch, wenn ich mir so richtig den A** aufreiße, dann kommt tatsächlich auch mal was rum. Dafür muss man aber wirklich ein bisschen masochistisch veranlagt sein ;)

    • Offizieller Beitrag

    Habe Deutsch und Englisch, nur Oberstufe, und das Korrigieren ist in der Tat das einzige am Job, was ich hasse. Allerdings würde ich deswegen die Fächer nicht wechseln, ich will einfach kein anderes unterrichten. Bzw PoWi könnte ich mir interessehalber noch vorstellen, aber da haste in der Oberstufe auch Korrekturspaß. In Hessen müssen in allen Fächern Rechtschreib-, Zeichensetzungs und Ausdrucksfehler angestrichen, ein Fehlerindex errechnet und ggf. Punkte abgezogen werden.


    Bei uns ist Englisch wegen dem Zwang zur Positivkorrektur (Richtiges über Falsches drüber schreiben, dazu noch Fehlerart und-Gewichtung am Rand plus ausführliche Inhaltserläuterung) wahnsinnig aufwändig, ich brauche mit guter Routine bei richtig guten Schülern c.a 45 Minuten, bei richtig schlechten, die auf plusminus 600 Wörter 50-80 Fehler machen, über eine Stunde. Note drunterknallen geht also nicht, wäre aber auch ohnehin nicht meine Arbeitsweise. Zwar gehöre ich nicht zur pädagogisches Gedöns-Fraktion, aber ich schätze Transparenz und sachlich genaues Arbeiten. Jüngere Kollegen mit wenig Routine brauchen noch viel länger und drehen am Rad.


    Ich habe nicht mehr so viele Kurse, aber für den Kollegen mit voller Kurspackung heißt das 7-8 Kurse (a drei Stunden, mal ein LK mit 5 dabei) mal 25 Schüler im Schnitt mal 4 Klausuren im Jahr = 800 Stunden Korrekturen. Plus Abitur. Hausaufgaben, Vokabeltests, usw. Da musste schon ordentlich Spaß an den Fächern haben, um das auszugleichen. Gut, reine Oberstufenarbeit ist selten, aber auch mit Mittelstufe kommst du auf mehrere hundert Stunden Korrekturen.


    Wenn man das vorher weiß, kann man sich überlegen, ob man das aufgrund der Großartigkeit der Fächer (und das empfinde ich nach wie vor so ) antun kann. Mir macht Unterrichtsvorbereitung Spaß, das Unterrichten selbst und die inhaltliche Rahmenarbeit - Guardian, Times, Breitbart lesen, auf den Seiten der governemts rumhängen, Rachel Maddow und Trump bei twitter abonniert haben , im Verteiler des Southern Poverty Law Center zu sein, und dem des British Teachin Council.. ist genau mein Ding. Neben noch son paar anderen Schwerpunkten.
    Bin zufrieden. Würde es genau so wieder machen. Läuft.

    WE are the music-makers, and we are the dreamers of dreams,
    World-losers and world-forsakers on whom the pale moon gleams
    yet we are the movers and shakers of the world for ever, it seems.

  • Zu den Experimenten im Unterricht: Das hängt ab, an welchem Zweig du unterrichtest. Ist der Zweig naturwissenschaftlich/technisch, sind die Experimente aufwändiger als an anderen Zweigen. Ich unterrichte Chemie in nicht-naturwissenschaftlichen Zweigen von der 9. - 12. Klasse. Längst nicht in jeder Stunde gibt es ein Experiment. Wenn ich z.B. Isomerieformen oder die Nomenklaturregeln bespreche, gibt es keine Experimente. Oder bei der Abhängigkeit der Siedepunkte von der Länge der Kohlenwasserstoffe. Soll ich tatsächlich eine Stunde damit vertun, dass ich die Flüssigkeiten erhitze und die Schüler auf ein Thermometer schauen? Hier arbeite ich mit Diagrammen, die die Schüler auswerten. Diese Kompetenz müssen sie ja auch erwerben. Ansonsten sind die meisten Experimente wenig aufwändig. Für den Aufbau brauche ich selten mehr als fünf Minuten, entsprechend das Aufräumen/Spülen hinterher. Schließlich sollen die Schüler die Experimente auch nachvollziehen können, und zwar auch die nicht so begeisterten/begabten Schüler. Schülerübungen können in der Vorbereitung natürlich aufwändiger sein, wenn man alles für mehrere Gruppen vorbereitet, aber auch diese sind je nach Zweig häufiger oder selten.Meine Experimente in dieser Woche (10. Klasse) bestanden darin, dass ich die Farbänderung verschiedener Indikatoren bei sauren und alkalischen Lösungen zeigte. Der Aufwand bestand darin, die Lösungen herauszusuchen und sechs Reagenzgläser aufzustellen. In der anderen Klasse hatte ich Ammoniumchlorid erhitzt und die entstandenen Gase mit Indikatorpapier nachgewiesen.


    Sarek

    Ich möchte noch ergänzen (die Versuche ergeben sich bei mir an der Anzahl der Wochenstunden, was die Themen hergeben und wie sehr ich den SuS zutraue, keinen Mist zu bauen):
    Je nachdem, wie gut deine Schule ausgestattet ist, ist es kompliziert oder einfach. Lehrerexperiment hängt alleine vom Experiment ab, das du machst. Schülerexperiment hängt davon ab, ob es Schülerarbeitsplätze mit Ausstattung oder wenigstens Boxen gibt. Sonst muss man mehr raussuchen. Und eine gut strukturierte Sammlung hilft natürlich auch. Die Anfangszeit ist immer schwer, bis man weiß, was wo steht, aber danach geht es halbwegs schnell.
    Gibt es nicht genug Lehrerrolltische, muss man den Kram mühsam durch die Gegend jonglieren und kann nicht alles draufschmeißen und erst mal liegenlassen (minus stinkende/empfindliche/giftige Sachen).
    Und eine Frage die auch für Zuhause wichtig ist: Gibt es eine Spülmaschine? Wenn ja, können die Schüler grob vorreinigen und dann kann man es als Lehrer einfach schnell reinsortieren, wenn nicht, hat man den ganzen Kram auf den Tropfbrettern und muss den alten erstmal wegräumen und gründlicher kontrollieren, dass es wirklich sauber ist. Das passiert zwar im Unterricht, aber nervt und dann steht man hinterher doch da, weil einem irgendwas im Nachhinein aufgefallen ist.


    Das war jetzt Worst Case gegenüber Optimum. Prinzipiell gilt, dass mit Erfahrung alles schneller von der Hand geht, aber ich gehe jetzt wenn möglich (in der Oberstufe) so vor, dass ich Versuche zum Thema sammle und dann in einer Doppelstunde abhandle, so dass man entspannt arbeiten und aufräumen kann, mit ein bisschen Verknüpfung zur Theorie.

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  • Hallo zusammen,
    nach vollzogenem Wechsel dachte ich mir, dass ich mich nochmals melde. Ich habe meine Matheprüfungen alle mitgeschrieben und auch besser absolviert als angenommen und habe mich deshalb für die Kombination Mathe/Englisch entschieden.
    Ich möchte mich an dieser Stelle nochmals für euren Rat bedanken und ich denke doch, dass man sich hier zu gegebener Zeit durchaus auch mal wieder liest.
    Viele Grüße
    Benzie

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