Warum mischt sich die Kirche in Bildung ein?

  • Das Thema ist eines, welches mich schon länger beschäftigt.
    Als Lehrer für Religion brauch man ja je nachdem die Vocatio bzw. die Missio Canonica.
    Dazu muss man sein Einverständnis geben, dass man nach den Regeln der Kirche lebt (Keine zweite Heirat, keine Homosexualität etc.) und dass man Gott "verherrlicht". Ohne dies zu unterschreiben kann man an einer staatlichen Schule kein Religion unterrichten.
    Ich finde das absolut inakzeptabel. Die Kirche mischt sich hier RADIKAL in die staatliche Erziehung und Bildung ein und indoktriniert die Schüler so über die Lehrperson mit ihren antiquierten und wissenschaftsfeindlichen Ansichten.


    Meiner Meinung nach hat die Kirche im Staatswesen NICHTS ZU SUCHEN!


    Wie steht ihr dazu?


    Ich freue mich über eure Beiträge!

  • Meiner Meinung gehört der Religionsunterricht abgeschafft. Man kann diesen durch einen Ethikunterricht ersetzen, der auch die Weltreligionen kritisch betrachtet.


    Religion ist Privatsache und hat in der Schule nichts verloren.

    • Offizieller Beitrag

    Ich halte das für einen völlig unreflektierten und unreifen Beitrag.
    Jeder angehende Religionslehrer weiß um die Bedingungen, unter der die katholische Kirche die Lehrbefugnis erteilt. Katholizismus und Kirche lassen sich nicht voneinander trennen. Wer katholische Religion unterrichten möchte, muss sich den Regeln der Kirche beugen.
    Bei den Religionslehrern, die ich an meiner Schule kennengelernt habe, war KEINE(R) dabei, der weltfremd, indoktriniert oder was auch immer war. Das waren Leute mit Mathe oder Bio als Zweitfach.


    Anstatt Stammtischparolen von Dir zu geben, hätte ich gerne mal ein paar Fakten und Belege, dass die Kirche sich "RADIKAL in die staatliche Erziehung und Bildung einmischt" (sic!) und die "Schüler so über die Lehrperson indoktriniert".
    Solche Phrasen, die Zeugnis von grober Unkenntnis sind, kenne ich von Lehrern oder solchen, die es werden wollen, gar nicht.

    • Offizieller Beitrag

    Und unabhängig davon, ob Religion in der Schule nun gut oder schlecht sein mag:
    Es macht zumindest Sinn, dass der konfessionellen Religionsunterricht gewisse Anforderungen an den Lehrer stellt - nämlich die, dass man mit der entsprechenden Konfession verbunden ist.


    Kl. Gr frosch

  • Das Fach heißt "katholische Religionslehre", nicht allgemeine Religionskunde.
    Im übrigen wird ja niemand gezwungen, Religion zu unterrichten.
    Abgesehen davon ist der Rest deines Postings inhaltlich völlig falsch.

  • Mir ist ein staatlich kontrollierter Religionsunterricht lieber als völliger Wildwuchs in irgendwelchen religiösen Gruppen, die den Kindern mangels Vorbildung quasi alles Mögliche erzählen können.

    Dödudeldö ist das 2. Futur bei Sonnenaufgang.

  • Und unabhängig davon, ob Religion in der Schule nun gut oder schlecht sein mag:
    Es macht zumindest Sinn, dass der konfessionellen Religionsunterricht gewisse Anforderungen an den Lehrer stellt - nämlich die, dass man mit der entsprechenden Konfession verbunden ist.

    Ebenfalls mal unabhängig davon, ob Religion in der Schule nun gut oder schlecht sein mag:
    Das sehe ich anders. Die Anforderung, die gestellt werden muss, ist, dass sich der Lehrer mit der entsprechenden Konfession auskennt. Nicht mehr, nicht weniger. Leben muss man danach nicht, das ist Privatsache der Lehrperson.

    Warum Trübsal blasen, wenn man auch Seifenblasen kann?

  • So, würdet ihr euch alle auch so empören, wenn man Islamunterricht auf diese Weise anführen würde? Mit Einmischung irgendwelcher Muftis, gesteuert direkt aus Ägypten/Saudi-Arabien? Und wenn die Lehrerin Kopftuch oder gar Niqab tragen müsste?
    Das wäre das Gleiche in Schwarz - Nur dann würde der kleine, spießige Hypokriten-Lehrer sich aufregen, als gäbe es kein morgen mehr.

  • Ich halte das für einen völlig unreflektierten und unreifen Beitrag. Jeder angehende Religionslehrer weiß um die Bedingungen, unter der die katholische Kirche die Lehrbefugnis erteilt. Katholizismus und Kirche lassen sich nicht voneinander trennen. Wer katholische Religion unterrichten möchte, muss sich den Regeln der Kirche beugen.
    Bei den Religionslehrern, die ich an meiner Schule kennengelernt habe, war KEINE(R) dabei, der weltfremd, indoktriniert oder was auch immer war. Das waren Leute mit Mathe oder Bio als Zweitfach.

    Ja bestimmt. Mit Biologie als Zweitfach. Warum nur glaube ich dir nicht?
    "Den Regeln der Kirche beugen" muss man sich also. Ok. Dann sollten Religionslehrer also auch am Besten auf Kondome verzichten, generell nicht verhüten, die Evolutionstheorie nach Darwin ablehnen und sich gegen Sexualkundeunterricht stellen. Weil, sie wollen ja Religion unterrichten.

  • Meine Stiefmutter war früher Religionslehrerin und hat sich nach Jahrzehnten von ihrem Ex-Mann scheiden lassen, der massiver Trinker war und sie und ihr schwerstbehindertes Kind regelmäßig (auch körperlich) misshandelt hat (Ich kenne ihn nicht, nur ihre Perspektive). Daraufhin hat sie nicht mehr als Religionslehrerin unterrichten dürfen, weil sie sich scheiden lassen hat. In jener konkreten Situation etwa kann ich durchaus verstehen, warum man die Auslegung der Reglungen seltsam findet.


    Das Argument, dass man sich ja für den Beruf als (Religions-)Lehrer entschieden hat ist ein etwas problematisches, da die Bereitschaft, Religion so zu unterrichten "wie man sollte" sich ja mit den Jahren und den eigenen Lebenserfahrungen ebenso ändern können wie die Bereitschaft, den Partner "in guten wie in schlechten Zeiten" zu lieben. Bin ich als Ehefrau auch dann noch an mein Gelübde gebunden, wenn man Partner mich regelmäßig vergewaltigt? Bin ich als Religionslehrer auch dann noch gebunden an die Lehre, wenn ich aufgrund meiner Lebenserfahrung Lücken oder gefährliche Aussagen entdeckt habe?


    Im Grunde betrifft die Problematik ja nicht nur den Religionsunterricht, sondern alle Lehr-Inhalte oder vielmehr Lehr-Gebäude, die man sich zu unterrichten erklärt, da sie in gewisser Weise alle auf Glaubens-Sätzen basieren. Viele davon sind erfahrungsmäßig "nachprüfbar", aber wie viele Mathematik-Lehrer a) haben alles, was sie unterrichten, zumindest einmal selbst nachvollzogen und b) können mit Sicherheit nachweisen, dass das was sie tun aus dem Grund funktioniert, aus dem sie glauben, dass es funktioniert?


    In gewisser Hinsicht bewegt sich jeder Lehrer ein Stück weit immer innerhalb einer Art von Ideologie, die er nur bis zu einem gewissen Punkt hinterfragen kann, ohne seine Existenzberechtigung als Vermittler dieser Ideologie aufzugeben (freiwillig, indem er kündigt, oder unfreiwillig, indem er entlassen wird).


    Auch wenn das an vielen Schulen meiner Erfahrung nach nicht allzu gern gesehen wird, den Kindern unabhängig vom Fach kritisches Denken und das wertfreie Wechseln in verschiedene Perspektiven zu lehren und vorzuleben, schützt sie ganz gut vor hirnloser Indoktrination in jeder Hinsicht. Das kann man im Deutsch-Unterricht, im Mathematik-Unterricht wie auch in Religion und allen anderen Fächern machen. Und dann eben in Religion beispielsweise ein Dogma das man selbst in Frage stellt mit Perspektiven anderer Religionen oder Philosophen wertfrei nebeneinander stellen und dann diskutieren warum verschiedene Menschen das verschieden sehen (und damit ganz glücklich sein) können wo es doch angeblich nur einen Gott und eine richtige Lehre gibt. Die Kids kommen da meist selbst auf ganz interessante Fragestellungen, und wenn du ihnen erstmal beigebracht hast schwierige Fragen zu stellen hast du (und haben sie) gewonnen.


    Ein Bunterrichter

  • So, würdet ihr euch alle auch so empören, wenn man Islamunterricht auf diese Weise anführen würde? Mit Einmischung irgendwelcher Muftis, gesteuert direkt aus Ägypten/Saudi-Arabien? Und wenn die Lehrerin Kopftuch oder gar Niqab tragen müsste?
    Das wäre das Gleiche in Schwarz - Nur dann würde der kleine, spießige Hypokriten-Lehrer sich aufregen, als gäbe es kein morgen mehr.

    Erstaunlicherweise habe ich genau diese Aussage unmittelbar nach lesen deines ersten Postings erwartet.
    Um was konkret geht es dir eigentlich?
    Im Übrigen hat sich auch bei den Katholiken mit den Jahren viel verändert und ich vermute, keine islamische Relilehrerin würde Islamkunde unterrichten wollen wenn sie es gleichzietig als Zumutung empfinden würde, Kopftuch tragen zu müssen.
    Es gibt nicht nur schwarz und weiß auf der Welt.

  • Erstaunlicherweise habe ich genau diese Aussage unmittelbar nach lesen deines ersten Postings erwartet.Um was konkret geht es dir eigentlich?
    Im Übrigen hat sich auch bei den Katholiken mit den Jahren viel verändert und ich vermute, keine islamische Relilehrerin würde Islamkunde unterrichten wollen wenn sie es gleichzietig als Zumutung empfinden würde, Kopftuch tragen zu müssen.
    Es gibt nicht nur schwarz und weiß auf der Welt.

    Worum es mir geht? Dass unabhängiger, unvoreingenommener Religionsunterricht nicht möglich ist. Und dass dadurch Kinder beeinflusst werden, die gar nicht richtig beurteilen können, was der Lehrer da von sich gibt. Und wenn dazu dann noch die Kirche direkt ihre Finger mit im Spiel hat, stößt mir das doch gewaltig auf.

  • Wie evidenzbasiert ist Deine Aussage?


    Übrigens ist die Teilnahme am Religionsunterricht nicht verpflichtend. Abmeldung der Eltern und ab 14 Jahren auch selbstständig genügt.

    Dödudeldö ist das 2. Futur bei Sonnenaufgang.

  • Wie evidenzbasiert ist Deine Aussage?


    Übrigens ist die Teilnahme am Religionsunterricht nicht verpflichtend. Abmeldung der Eltern und ab 14 Jahren auch selbstständig genügt.

    Religion ist immer Meinung, Spekulation und Märchen. Und das hat an einer staatlichen, wissenschaftlichen Institution nichts zu suchen, es sei denn, es wird ReligionsWISSENSCHAFT gelehrt, was aber nicht der Fall ist.


    Dass Religionsunterricht nicht verpflichtend ist, ist mir klar. Allerdings lassen die allermeisten Eltern (gerade aus der Generation "Babyboomer") gar keine Wahlfreiheit. Die sind selber indoktriniert von noch wesentlich krasserem Religions"unterricht" in den 60er Jahren.

  • Viele Eltern und Schüler legen aber Wert auf einen fundierten Religionsunterricht und ich find das Fach wichtig - für die, die es möchten (und das sage ich, obwohl ich mit der Kirche nichts am Hut habe). Wie soll man sich ohne Religonsunterricht so einen fundierten und eigenständigen Überblick über seine eigene Religion (und den anderen) bilden? Wer das Fach Relgion ablehnt, kann ja Philosophie oder Ethik wählen. Aber die Fächer sind nunmal nicht für jeden etwas ...

  • Viele Eltern und Schüler legen aber Wert auf einen fundierten Religionsunterricht und ich find das Fach wichtig - für die, die es möchten (und das sage ich, obwohl ich mit der Kirche nichts am Hut habe). Wie soll man sich ohne Religonsunterricht so einen fundierten und eigenständigen Überblick über seine eigene Religion (und den anderen) bilden? Wer das Fach Relgion ablehnt, kann ja Philosophie oder Ethik wählen. Aber die Fächer sind nunmal nicht für jeden etwas ...

    Das ist ja das, was ich meine. Über Religion unterrichtet zu werden, ist gut- Das leistet aber nicht der Religionsunterricht in Deutschland, der einfach ein verlängerter Arm der Kirche ist. S.O.

  • Worum es mir geht? Dass unabhängiger, unvoreingenommener Religionsunterricht nicht möglich ist. Und dass dadurch Kinder beeinflusst werden, die gar nicht richtig beurteilen können, was der Lehrer da von sich gibt.

    Ich frag noch mal: Ist das so? Oder nur dein Bauchgefühl?


    An meiner Schule kann man sich mit den Reli-Lehrern ganz normal über Inhalte und Didaktik ihrer Fächer unterhalten und da ist nichts von Indoktrination zu merken. Erst recht nicht davon, dass die Kids nicht beurteilen können, um was es da geht. Ich frag jedesmal nach. Ich war auch mal der Meinung, dass Religion an staatl. Schulen falsch verortet ist, aber nicht mehr.

    "A lack of planing on your side does not constitute an emergency on my side."

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