Langsam aber sicher erkennt die Öffentlichkeit, was für ein Verein die GEW ist

  • Ich zitiere einmal aus dem SPON-Forum zur Bildungspolitik in NRW im Zusammenhang mit der Landtagswahl

    Zitat

    austenjane1776 Heute, 21:40
    85. Sie sagen es

    Die "GEW" ist die institutionalisierte Jubeltruppe der Kultusbürokratie (Bildung paßt da nicht). Wenn sichs gut anhört, werden die Lehrerinteressen sofort geopfert. Die "Nähe" zur SPD ist chronisch. Gewerkschaft geht anders - siehe IG Metall. Die kämpfen FÜR ihre Mitglieder - und machen nicht jeden Quatsch jubelnd mit.

    http://www.spiegel.de/forum/le…3-9.html#postbit_54903682


    Mehr braucht man wirklich nicht sagen.

    Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

    Einmal editiert, zuletzt von Mikael ()

  • Die "Öffentlichkeit" wählt die Politiker und findet deren Schulpolitik scheinbar nicht so wichtig oder gut.
    Inklusion als Sparmaßnahme, Schulfrieden=jeder macht was er will, Abschuss der Hauptschulen, Abschuss der Gemeinschaftsschule im ländlichen Raum, Schule als "Wirtschaftsunternehmen" ohne Geld und Personalkompetenz, 5000 neue Stellen=jeder macht eine Überstunde...
    Alles Projekte von SPD, CDU, Grünen, FDP in den letzten Jahren. Trotzdem werden sie alle abwechselnd mal gewählt.


    Thema Streik:
    IG-Metall-Streik = sofortige finanzielle Verluste des bestreikten Unternehmens
    GEW-Streik = nicht bezifferbare gesellschaftliche Kosten meist jenseits der 'Lebensspanne' der entscheidenden Politikern. Zeitnahe Wirkung nur wie eine Demo.


    Finde den Unterschied. ;)

    • Offizieller Beitrag

    Warst du eigentlich schonmal beim Arzt mit deiner GEW-Obsession, Mikael? ;)
    Irgendein Kommentar Nummer 85 unter einem SPON Artikel, und du jubelst "Die Öffentlichkeit... !!1!1!Drölfzig Leute hassen die GEW mit derselben Intensität wie ich!"
    Echt, ich mach mir langsam Sorgen um dich ...


    Aber um deine Herzrhytmusstörungen zu verhindern:
    Das tatsächliche Jubeln der GEW über die Inklusion sieht so aus:



    Zitat

    „Viele dieser Eltern stellen fest, dass die sonderpädagogische Förderung, die sie für ihre Kinder erwarten, an der Regelschule nicht geleistet werden kann“, sagte VBE-Chef Udo Beckmann dieser Zeitung. Dies sei ein „schlimmes Signal“. Die Landesregierung sei dabei, die Inklusion „vor die Wand zu fahren“.Die GEW-Landesvorsitzende Dorothea Schäfer kritisiert: „Wir sind weit vom Ziel entfernt, die inklusiven Klassen durchgängig mit zwei Lehrern zu besetzen. Außerdem sind die Lerngruppen zu groß, und vielen Lehrern fehlt die Erfahrung im Umgang mit Kindern mit Behinderungen“, sagte sie. Um die Inklusion erfolgreich zu gestalten, müssten in NRW 7000 zusätzliche Lehrer eingestellt werden, rechnen GEW und VBE vor. „Die Inklusion ist gewollt, aber bitte nicht unter diesen Bedingungen“, ergänzt Beckmann. https://www.derwesten.de/polit…zu-fahren-id12150232.html


    Zitat

    Die mit der Umsetzung der Inklusion aktiven Lehrkräfte erwarten, dass die Personalausstattung deutlich verbessert wird. Ziel muss es aus Sicht der GEW sein, dass umgehend 1.000 pädagogische Fachkräfte mit sozialpädagogischer Qualifikation eingestellt werden, die insbesondere in den Schulen, die einen hohen Anteil an Inklusionsschüler*innen haben, mit den Lehrkräften in Integrationsklassen arbeiten.
    Es werde noch vier Jahre dauern, bis die Verdopplung der Kapazitäten in dem Studium der Förderschul¬lehrkräfte, die Kultusministerin Frauke Heiligenstadt durchgesetzt habe, in den Schulen ankomme. Mit dieser Maßnahme habe sie die falschen Beschlüsse der Schwarz-Gelben Vorgängerregierung korrigiert.
    Die GEW betont, dass die Lehrkräfte eine Reduzierung der Unterrichtsverpflichtung erwarten, damit ihre Überlastung abgebaut wird und Zeit für Beratung und Kooperation für den gemeinsamen Unterricht zur Verfügung steht.


    Zitat


    Klassen- und Kursgrößen von mehr als 25 Schülerinnen und Schülern sind für die GEW Hessen in allen Schulformen inakzeptabel. Diese Höchstgrenze muss perspektivisch weiter reduziert werden. Zu große Klassen sind wesentlich mit verantwortlich für die Arbeitsüberlastung, die von vielen Lehrkräften nicht nur beklagt, sondern auch deutlich nachgewiesen werden kann. Sie bedeuten weniger Zeit für individuelle Förderung, Betreuung und Zuwendung pro Schülerin oder Schüler, bringen einen erhöhten Korrekturaufwand mit sich und führen zu einer beengten Raumsituation mit den bekannten Folgen hinsichtlich des Lärmpegels, der räumlichen Enge und der größeren Unübersichtlichkeit.
    Für den „Gemeinsamen Unterricht“ von behinderten und nichtbehinderten Kindern oder Jugendlichen galt bis 2011 eine Höchstgrenze von 20 Schülerinnen und Schülern pro Klasse. In dieser Verordnung findet sich nichts dazu. Inklusive Beschulung erfordert jedoch intensivere Zuwendung und Betreuung der Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf. Auch haben die Lehrkräfte einen deutlich höheren Aufwand für Gutachten, Förderpläne und Förderberichte sowie textbasierte Zeugnisse zu bewältigen. All das kostet Zeit. Je größer die Klassen sind, desto weniger Zeit steht für den einzelnen Schüler oder die einzelne Schülerin zur Verfügung. Damit Lehrkräfte aber den Bedürfnissen aller Kinder und Jugendlichen gerecht werden können, benötigen wir kleinere Klassen und mehr Zeit.http://www.gew-hessen.de/home/details/verordnung-klassengroessen/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=c2e281901120a8072ff3158fa6b011cc


    Usw...usf.. :)


    Ich geh jetzt erstmal für diesen grauenvollen Verein 2 Tage Personalräte schulen in Rechts- und Strategiedingen, damit die die Interessen der Kollegen zielgerichtet durchsetzen können und am Tag 3 dann die üblichen Beratungen machen, bei Versetzungen und Beurlaubungen und Konflikten mit "lustigen" Schulleitungen, bei Mehrarbeits- und Teilzeitproblemen, Langzeiterkrankungen und diversen anderen Dingen helfen. Einiges davon übrigens ehrenamtlich. Wie viele von uns. :)

    WE are the music-makers, and we are the dreamers of dreams,
    World-losers and world-forsakers on whom the pale moon gleams
    yet we are the movers and shakers of the world for ever, it seems.

  • Jeder, der im Sinne seines Kindes handelt und nicht falsche und realitätsferne Ideale verfolgt, weiß, dass ein behindertes Kind, das den Regelschulanforderungen z.B. aus kognitiven Gründen nicht gerecht werden kann, im geschützten Rahmen des Förderschulbereichs besser gefördert werden kann als im Regelschulbereich, wo das Kind im schlechtesten Fall nur Mandalas ausmalt. Wir haben ein einzigartiges Förderschulsystem - es wäre schade, es nicht zu nutzen. Schade finde ich, dass immer negative Beispiele einer Förderschulbeschulung angeführt werden und darauf aufbauend automatisch geschlossen wird, dass das Kind im Regelschulsystem besser zurechtgekommen wäre - vlt. hätte es ja dort die gleichen oder noch mehr Probleme gehabt.
    Ich bin mir sicher, dass sich jeder Grundschulkollege die Mühe gibt, Unterricht zu gestalten, in dem auch Kinder mit Förderbedarf angemessen berücksichtigt werden, aber auch das hat irgendwann seine Grenzen erreicht und wenn eine Lehrkraft sagt, dass sie ihr Bestes getan hat, aber an ihre Grenzen kommt und im Rahmen ihrer Möglichkeiten dem Kind keinen angemessenen Unterricht ermöglichen kann, dann ist das von allen Seiten zu respektieren, denn z.B. in der 3. Klasse Mathematik wird der Zahlenraum bis 1.000 erschlossen. Auch hier gibt es leistungsstärkere und -schwächere Schüler, aber es kann natürlich nicht sein, dass eine Lehrkraft parallel den Lehrstoff für einen Schüler, der kognitiv noch in der 1. Klasse hängt, neben ihren Hauptaufgaben zusätzlich aufbereitet.
    Man muss sich von der Vorstellung lösen, dass ein Kind mit IQ 60 mal Analysisaufgaben rechnen kann. Wenn das Kind aber irgendwann lebensnahe Mathematik beherrscht, sprich die sichere Beherrschung der Grundrechenoperationen im natürlichen Zahlenbereich, sowie einfache alltägliche Brüche und Dezimalzahlen, das Einordnen der geometrischen Grundformen und ein elementares Verständnis für mathematische Muster im weitesten Sinne, dann hat man schon viel erreicht und hat das Kind auf seinen außerschulischen Alltag angemessen vorbereitet.

  • Jeder, der im Sinne seines Kindes handelt und nicht falsche und realitätsferne Ideale verfolgt, weiß, dass ein behindertes Kind, das den Regelschulanforderungen z.B. aus kognitiven Gründen nicht gerecht werden kann, im geschützten Rahmen des Förderschulbereichs besser gefördert werden kann als im Regelschulbereich, ...

    Jeder, der ein (behindertes) Kind hat, möchte, dass es die bestmöglichen Chancen hat. Wie kann da einer daherkommen und pauschal beurteilen, was realitätsfern ist und wo dieses Kind besser gefördert wird?


    Jeder der unterrichtet weiß, dass es verschiedene Lehrpläne gibt, also nicht jeder im dritten Schuljahr bis 1000 rechnen muss.


    Und jeder, der die Menschenrechtsabkommen der Vereinten Nationen kennt weiß, dass das ganze Problem nicht mit einem polemischen Satz abgetan ist, sondern Deutschland in Fragen der Inklusion vielen anderen Ländern hinterherhinkt. Und dass wir uns ein paar Gedanken zu Menschenrechten machen müssen. Dass daraus nicht folgt: kürzt Lehrerstellen, Mandalas für alle! ist jedem hier klar, damit ist aber halt nicht die ganze Problematik geklärt.


    Da die GEW nun aber nicht für die Einstellung von Förderschullehrern oder Klassengrössen verantwortlich ist, finde ich es kontraproduktiv, sie dafür immer wieder verantwortlich zu machen. :weissnicht:

  • Jeder, der im Sinne seines Kindes handelt und nicht falsche und realitätsferne Ideale verfolgt, weiß, dass ein behindertes Kind, das den Regelschulanforderungen z.B. aus kognitiven Gründen nicht gerecht werden kann, im geschützten Rahmen des Förderschulbereichs besser gefördert werden kann als im Regelschulbereich, wo das Kind im schlechtesten Fall nur Mandalas ausmalt. Wir haben ein einzigartiges Förderschulsystem - es wäre schade, es nicht zu nutzen.

    Entschuldige, aber ich kenne viele Kinder, bei denen das nicht so ist und die viel von anderen Kindern gelernt haben, weil sie in inklusiven Schulen waren. Und sogar in Deutschland gibt es davon funktionierende, aber leider ist dies nicht mehr die Regel. Aber auch Förderschulen sind nicht immer toll!
    Und doch, es ist besser, einige Förderschulen nicht mehr zu nutzen, weil sie nur Verwahranstalt sind!
    Zu behaupten, dass Förderschulen immer die bessere Alternative sind, das ist realitätsfern! Und anderen zu unterstellen, sie handeln nicht im Sinne ihres Kindes, wenn sie einen anderen Weg bevorzugen als du, ist schon mehr als dreist!


    Man muss sich von der Vorstellung lösen, dass ein Kind mit IQ 60 mal Analysisaufgaben rechnen kann. Wenn das Kind aber irgendwann lebensnahe Mathematik beherrscht, sprich die sichere Beherrschung der Grundrechenoperationen im natürlichen Zahlenbereich, sowie einfache alltägliche Brüche und Dezimalzahlen, das Einordnen der geometrischen Grundformen und ein elementares Verständnis für mathematische Muster im weitesten Sinne, dann hat man schon viel erreicht und hat das Kind auf seinen außerschulischen Alltag angemessen vorbereitet.

    Und warum soll es dies nicht in einer inklusiven Schule lernen können? Achso, auch an Grundschulen arbeiten Sonderpädagogen.


    Da die GEW nun aber nicht für die Einstellung von Förderschullehrern oder Klassengrössen verantwortlich ist, finde ich es kontraproduktiv, sie dafür immer wieder verantwortlich zu machen.

    Danke, das sehe ich auch so!

  • Es ist so enorm schade, dass die miese Umsetzung der flächendeckenden Inklusion nun dazu geführt hat, dass sich so viele Vorurteile gebildet haben. Interessanterweise meist bei denen, die gar nicht betroffen sind, wie der Lehramtsstudent.


    Ich arbeite an einer der Schulen, die "Inklusion" bereits seit 30 Jahren betreibt und habe ein Kind, das als Inklusionskind an einer Grundschule lernt, die ebenfalls seit mehr als 30 Jahren "inklusiv" arbeitet.


    Ich weiß, dass Inklusion sehr gut funktioniert, wenn die Bedingungen stimmen.
    Ich weiß aber auch, dass Inklusion so, wie sie jetzt vielfach umgesetzt wird, nicht funktionieren kann.
    Ich weiß auch, dass es immer Kinder geben wird, die von einem Regelschulplatz nicht profitieren und in einem kleineren, engeren System besser aufgehoben sind.
    Ich weiß aber auch aus eigener Anschauung, dass viele I-Kinder von der Regelschule stark profitieren, weil ihnen der Input des Regelunterrichts gut tut und er ihnen einen Regelschulabschluss ermöglichen kann, den man bei der Einschulung nicht für möglich gehalten hätte.


    Hier wollten die einen zu schnell zu viel und die anderen auf dem Rücken der Wehrlosen Sparmaßnahmen einführen.
    Und nun kommen die komfortzonenorientierten Bedenkenträger und sagen: „Seht Ihr, wir haben es ja schon immer gewusst. Es kann nicht funktionieren.“ :uebel:

    Dödudeldö ist das 2. Futur bei Sonnenaufgang.

  • Naja, zumindest mir geht es auch nicht darum, anderen meine Sichtweise aufzubinden, sondern eher meinen Standpunkt hierzu darzulegen. Die Förderschulthematik ist ja auch für mich relevant, da ich u.U. später meine Schüler bezüglich einer Förderbeschulung beraten (bzw. deren Eltern) und natürlich den Kollegen der weiterführenden Schulen eine gute Vorarbeit leisten muss.
    Die Grundschule hat ja die Aufgabe, das Lernpotential der Schüler zu ermitteln und dazu gehört gegen Ende der Grundschulzeit auch die Selektion dazu. Ich sehe Selektion allerdings nicht als "Die Guten gehen ans Gymnasium, die Schlechten auf die Hauptschule" (=Bewertung), sondern als die Möglichkeit, den Schülern die Schulform zu empfehlen, auf der sie am besten gefördert und gefordert werden können.


    Eltern befürworten inklusive Beschulung hauptsächlich aus zwei Gründen:
    Fachliches Niveau - Eltern denken, dass auf der Förderschule ihre Kinder durch das (aus ihrer Sicht) niedrige Niveau noch stärker eingeschränkt werden, ihr Potential zu entfalten. Natürlich kann das theoretisch passieren. Aber nur weil der Input anspruchsvoll ist, heißt das nicht, dass automatisch auch mehr hängen bleibt. Um ein Extrembeispiel zu verwenden: Wenn ich einen 5.-klässler in eine Mathematik-Vorlesung an der Uni setzen würde, wäre der am Ende völlig erschlagen von dem Wissen und könnte damit gar nichts anfangen. Es gibt ja die Theorie der "Zone der nächsten Entwicklung" von Vygotsky, die im Prinzip besagt, dass Kinder am besten lernen, wenn das angesetzte Niveau ein bisschen über ihrem tatsächlichem Können liegt. Dann ist der Stoff fordernd, aber nicht überfordernd. Und dann lernt das Kind am besten, nicht wenn der Stoff möglichst anspruchsvoll ist.
    Soziale Gründe - Eltern möchten, dass ihr Kind in einem "normalen" Umfeld lernen kann - mit und von anderen Kindern. Das Bild des blonden Kindes mit dem dunkelhäutigen, dem asiatischen und dem behinderten (hier ist auffällig, dass es sich zumeist um Kinder im Rollstuhl handelt, nicht jedoch um solche mit Autismus oder einer geistigen Behinderung) Kind wird da gerne für Werbezwecke verwendet, für so ganz realistisch halte ich es dann doch nicht. Kinder suchen sich oftmals ihre Freunde aufgrund ähnlicher Vorlieben aus und da sind die Schnittmengen der Interessen zwischen einem normalbegabten Kind und einem mit Autismus oder einer geistigen Behinderung doch eher klein. In der konkreten Klassensituation heißt das, dass sich die Kinder zwar tolerieren und auch akzeptieren, da sie den Umgang mit Behinderten gewohnt sind und somit keine Berührungsängste bestehen, das war es dann aber auch. Ohne dass es von der Lehrkraft im besonderen Maße thematisiert wird, merkt das Kind mit Förderbedarf ja schnell, dass es anders ist. Die Mitschüler denken sich meist nichts dabei, aber was antwortet man, wenn einer sagt "Hey, warum bekommt der immer die leichten Aufgaben?". Die Lehrkraft meint es bestimmt nur gut, aber ich empfinde das schon fast diffamierender als wenn der Schüler im Rahmen einer Förderbeschulung an den gleichen (oder zumindest ähnlichen) Aufgaben wie seine Mitschüler arbeiten kann, nicht stets das schwächste Glied ist und in der Schule Erfolgserlebnisse hat ("Ich KANN etwas und das vlt. sogar besser als jemand anderes.").



    Es muss immer im Einzelfall entschieden werden, ob ein Förder- oder eine Regelschulbesuch Sinn macht, auch weil es ja nicht Behindertenschule, sondern Förderschule heißt, sprich, es gibt Kinder, die trotz ihrer Einschränkung durch Überkompensierung ihrer anderen Fähigkeiten dennoch die Ziele der Regelschule realisieren können. Eine Förderschule kann aber auch durch den geschützen Rahmen ermöglichen, dass die Kinder derart gefördert werden, dass sie zu einem späteren Zeitpunkt doch noch an die Regelschule wechseln können oder dass sie (z.B. beim Förderschwerpunkt geistige Entwicklung) zumindest derart vorbereitet werden, dass sie nach der Schule ihren Alltag so selbstständig wie möglich meistern können.

  • Wenn ich einen 5.-klässler in eine Mathematik-Vorlesung an der Uni setzen würde, wäre der am Ende völlig erschlagen von dem Wissen und könnte damit gar nichts anfangen.

    Entschuldige, aber da scheint bei dir in manchen Vorlesungen auch entweder nicht viel hängen geblieben zu sein oder die Uni hat bei euch ein Defizit, sonst wüsstest du, dass solche Verallgemeinerungen in unserem Beruf total fehl am Platze sind, denn ja auch 5. Klässler sind nicht alle von dem Stoff überfordert (ich sage nur Hochbegabung!). Jedes Kind ist anders und das gilt es zu berücksichtigen.

    Die Mitschüler denken sich meist nichts dabei, aber was antwortet man, wenn einer sagt "Hey, warum bekommt der immer die leichten Aufgaben?".

    Weil es seinem Leistungsniveau entspricht. Die Frage kommt aber in der Regel nicht, wenn du generell differenziert arbeitest, weil da nicht ein Kind andere Aufgaben als alle anderen bekommt, sondern es einige verschiedene gibt. Übrigens kommt diese Frage bei uns bisher nicht uns bei uns sitzen ja die Klassen 1/2 bzw. 1-3 zusammen und bekommen unterschiedliche Aufgaben usw. das kennen die Schüler gar nicht anders, daher fragt auch niemand da nach.

  • Ich haltr von Inklusion persönlich sehr wenig Insbesondere in weiterführenden Schulen funktioniert das nicht.


    Aber es macht schon Sinn, dass das linke Spektrum eine Einheitsschule anstrebt bzw. die Eltern über die weiterführende Schule entscheiden lassen will.


    Wäre die Selektionsfunktion noch relevanter, dann würde kaum ein Inklusionsschüler auf das z.B. Gymnasium kommen können.
    Denn wie will ich rechtfertigen, dass der eine auf die Hauptschule gehen soll, aber Henry auf das Gymnasium darf?

  • Jedes Kind ist anders und das gilt es zu berücksichtigen.

    Dem würde ich dir nicht widersprechen, dennoch hat das alles seine Grenzen. Ich kann durch Differenzierung ermöglichen, dass alle am selben Thema arbeiten, der leistungsschwächere Schüler, indem er mehr Hilfestellungen und eher geschlossene Aufgabenformate bekommt, der leistungsstärkere, indem er mehr Knobelaufgaben und nach oben offene Aufgabenformate erhält - solange alle Schüler am Ende der Jahrgangsstufe die im Rahmen der Bildungsstandards formulierten Kompetenzen erworben haben. Wo meine Kompetenzen jedoch enden, ist wenn Schüler X am Zehnerübergang hängt, Schüler Y bereits schriftlich im 1000er-Bereich operiert und Schüler Z übertrieben gesagt Kurvendiskussionen durchführen könnte. Wenn dann noch Schüler mit Verhaltensauffälligkeiten oder Sprachproblemen hinzukommen, kommt selbst die Grundschule mit ihrem Image der "Schule für alle" an ihre Grenzen. Wenn du, Susannea, es schaffst, alle deine Schüler ideal zu fördern und zu fordern, dann freut es mich für dich und deine Schüler. Die Gefahr besteht jedoch, dass man sich mit diesem Ansatz übernimmt und letztendlich keinem der Schüler wirklich gerecht wird, vor allem wenn die finanziellen Mittel begrenzt, die Erwartungen der Eltern und die bürokratischen Anforderungen hoch sind.

    • Offizieller Beitrag

    Wir haben im Grunde eine ganz einfache Frage, deren Antwort aber mitunter brutal ausfallen kann - ganz gleich in welche Richtung.


    Sollen Inklusionskinder auf Kosten der Regelkinder an Regelschulen beschult werden oder sollen die Regelkinder auf Kosten der Inklusionskinder "unter sich" bleiben.
    Diese Frage birgt meines Erachtens erheblichen sozialen Sprengstoff, weil es hier m.E. kein richtig und kein falsch gibt.


    Ich kann mich mittlerweile des Eindrucks nicht erwehren, dass hier letztlich eine Form von Nivellierung betrieben werden soll, die der Kurzgeschichte "Harrison Bergeron" gleich kommt.
    Natürlich ist es selbstverständlich, dass benachteiligte Kinder besondere Förderung erhalten. Wenn dies aber - wie ich aus dem eigenen Umfeld und aus eigener Erfahrung miterlebe - auf Kosten der nicht benachteiligten Kinder geschieht, dann kann das nicht Sinn der Sache sein. Ruhige oder disziplinierte Kinder werden neben unruhige gesetzt. Starke neben schwache, damit der Starke dem Schwachen hilft. Das fordert von den stärkeren Kindern ein höheres Maß an Geduld, Empathie, Ausdauer und Rücksichtnahme, kurz Soziakompetenz ein als von den anderen Kindern. Das Ganze wird dann noch mit Moralin getränkt, so dass Stärke mittelbar zu moralischer Schuld pervertiert wird. Harrison Bergeron lässt grüßen...

    • Offizieller Beitrag

    Schade an der ganzen Inklusions-Geschichte ist, dass es alles in Deutschland nicht nötig wäre. Immerhin ist im englischen Original der Vereinbarung von "inlusivem Bildungssystem" die Rede. Nicht von "Inklusive Schule". Wir waren der Vereinbarung mit unserem hochspezalisierten Förderschul-System also schon um Jahre voraus - und hinken nicht hinterher, wie Schantalle schreibt.


    Aber ich denke mir, ich halte mich aus dem Thema wieder raus. Ist schlecht für meinen Blutdruck.


    kl. gr. frosch

  • Warst du eigentlich schonmal beim Arzt mit deiner GEW-Obsession, Mikael?

    Nöö, aber könnte man deswegen vorzeitig pensioniert werden? :top:


    Aber trotzdem wieder einmal ein interessante Diskussion hier. Und die GEW-Fanboys und -girls hauen wieder ein "Gefällt mir" nach dem anderen bei den üblichen Verdächtigen hinaus...


    Gruß !

    Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

    Einmal editiert, zuletzt von Mikael ()

  • Wo meine Kompetenzen jedoch enden, ist wenn Schüler X am Zehnerübergang hängt, Schüler Y bereits schriftlich im 1000er-Bereich operiert und Schüler Z übertrieben gesagt Kurvendiskussionen durchführen könnte.

    Warum? Solche Szenarien hat man doch im jahrgangsübergreifenden Lernen öfter. Wenn man natürlich am Frontalunterricht hängt, dann klappt das nicht, wenn die Schüler aber Hilfe zur Selbsthilfe bekommen und viel alleine oder in Gruppen arbeiten, dann ist dies nicht so das Problem. Zumindest Personalmangel kann man dann noch mit einer etwas rückwärtsgehenden Variante lösen, indem man mit sich selbst teilt.


    Wenn dann noch Schüler mit Verhaltensauffälligkeiten oder Sprachproblemen hinzukommen, kommt selbst die Grundschule mit ihrem Image der "Schule für alle" an ihre Grenzen.

    Wo genau liegt denn bei Kindern mit Sprachproblemen das wirkliche Problem? Die Aufgaben müssen einfacher oder anders sein, geht aber auch. Verhaltensauffällige Schüler sind nur dann ein wirkliches Problem, wenn von ihnen eine Fremdgefährdung ausgeht.


    und die bürokratischen Anforderungen hoch sind.

    Von welchen redest du? Es sind doch weniger als ohne Inklusion.


    Probleme bereiten uns zumindest im Moment viel mehr die Platzprobleme und die finanziellen Beschränkungen.

    • Offizieller Beitrag

    Schade an der ganzen Inklusions-Geschichte ist, dass es alles in Deutschland nicht nötig wäre. Immerhin ist im englischen Original der Vereinbarung von "inlusivem Bildungssystem" die Rede. Nicht von "Inklusive Schule". Wir waren der Vereinbarung mit unserem hochspezalisierten Förderschul-System also schon um Jahre voraus - und hinken nicht hinterher, wie Schantalle schreibt.


    Aber ich denke mir, ich halte mich aus dem Thema wieder raus. Ist schlecht für meinen Blutdruck.


    kl. gr. frosch

    Und genau DAS kapiere ich nicht. Wieso wurde dieser Text so selektiv gelesen und verstanden?

  • Susannea: Es gibt auch Leute, die dem jahrgangsübergreifenden Lernen kritisch gegenüberstehen. Ich selbst bin ja schon Teil der neueren Schülerschaft gewesen, die bereits offener unterrichtet wurde als die Frontalunterricht-Generation, darunter auch einige Elemente, die ich gut fand und selbst im Unterricht einsetzen würde (z.B. Wochenplan). Von einem ganz offenen Unterricht a la Falco Peschel halte ich jedoch nichts und finde ich nicht erstrebenswert.
    Bei Sprachproblemen meinte ich weniger Schüler mit Sprachstörungen als solche mit geringen Deutschkenntnissen, die je nach Einzugsgebiet natürlich mal mehr, mal weniger relevant für den Lehrbetrieb sind. Wie du meiner Legende entnehmen kannst, ist Deutsch eines meiner Fächer und dazu gehört natürlich das Vermitteln der Kulturtechniken Lesen und Schreiben, sowie die Systematisierung der intuitiv bereits bekannten grammatischen Strukturen der deutschen Sprache. Das setzt allerdings solide, im Idealfall muttersprachliche, altersgemäße Sprachkenntnisse im Deutschen voraus. Kindern die deutsche Sprache (im Sinne eines Fremdspracherwerbs) von Grund auf zu lehren, vor allem dann, wenn keine weitere Sprache als gemeinsamer Nenner besteht (vgl. TEFL), kann u.U. äußerst mühsam sein und überschreitet meine Kompetenzen. Wenn du das erfolgreich und engagiert betreibst, freue ich mich dennoch für dich :) .
    Mit bürokratischen Anforderungen (die Umschreibung ist vlt. unglücklich gewählt, ich erkläre, was ich meine) spreche ich nicht von solchen, die es explizit durch Inklusion gibt, sondern die so oder so durch den schulischen Betrieb allgemein bestehen, z.B. die Vera-Vergleichsarbeiten in Klasse 3, Projektwoche, Schulkonzepte und -feste, sowie Ausflüge.


    Tolle Anmerkung von Frosch und Bolzbold!

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