Praktische Umsetzung des Kerncurriculums Mathe im Förderschwerpunkt Lernen in der Grundschule

  • Hallo,


    ich würde gerne wissen, welche Erfahrungen Ihr konkret beim zieldifferenzierten Unterrichten gesammelt habt. Wie weit kommen Eure L-Schüler nach 1-2 Jahren?


    Was macht Ihr, wenn der Schüler bzw. die Schülerin nach Klasse 1 praktisch noch gar nicht rechnen kann (z.B.: Schüler beherrscht Addition nur im ZR bis 10 und noch gar keine Subtraktion)?


    Ich finde, dass hier das System einfach hakt. Wir (Nds.) sollen uns auch bei zieldifferenzierten Lernzielen an die Vorgaben für die Grundschule anlehnen. Entsprechend sind die Inklusionsarbeitshefte zu den Unterrichtswerken auch aufgebaut. In Klasse 2 ginge es demnach "einfach" weiter mit dem Zahlenraum bis 100, wenn auch im Niveau Abstriche gemacht werden. Dass manche nicht annähernd die normalen Lernziele erreicht haben (können), wird ziemlich ignoriert.


    Diese alleinige Orientierung am Grundschullehrplan entspricht doch nicht der Realität. Früher auf der Förderschule wurde den Kindern selbstverständlich auch einfach mehr Zeit gegeben, nicht umsonst gelten sie ja als "lernbehindert ".


    Wie löst Ihr dieses Zwickmühle? Einfach in diesen Fällen weiter im ZR 20 arbeiten? Mit gemeinsamen Unterricht hätte das dann aber nicht mehr viel zu tun.


    Ich bin gespannt auf Eure Erfahrungen und Meinungen!

    • Offizieller Beitrag

    Bei uns wurde der Förderbedarf "Lernen" schon lange abgeschafft in Klasse 1/2. Daher müssen wir uns auch nicht am (Förderschul-)Lehrplan orientieren, der gilt erst ab Klasse 3.
    Wenn die Kinder so weit zurückfallen, bekommen sie im 2. Schulbesuchsjahr wieder 1.-Klasse-Material, z.B. "Rechnen ohne Stolperstein" oder ähnliche Förderhefte. Im von dir genannten Beispiel würde ich zuerst den ZR bis 10 wiederholen, festigen und die Subtraktion bearbeiten. Erst danach in den ZR bis 20. Nach dem 2. Jahr "verweilen" sie in der Schulanfangsphase, d.h. sie haben ein 3. Jahr Zeit, doch noch weiterzukommen, bevor es in die 3. geht.
    Ab der 3. orientieren wir uns am RLP Förderschule. Wenn das nicht reicht, gibt es einen "individuellen Lernplan", der dahinter zurückbleibt.
    Nein, das hat mit gemeinsamem U. nicht mehr viel zu tun, wenn die Zahlenräume zu weit auseinandergehen, gibt es nicht mehr viel, was man parallel bearbeiten kann.
    <ironie> Ab dem nächsten Schuljahr gibt es einen neuen Lehrplan, da wird alles einfacher. </ironie>

  • Ich bleibe mit den Kindern im entsprechenden Zahlenraum! Teilweise arbeiten sie dadurch tatsächlich komplett an einem anderen Thema als die anderen Kinder. Teilweise kann man jedoch ähnliche Aufgabentypen wählen. Außerdem bieten Bereiche wie Geometrie oder Wahrscheinlichkeitsrechnung auch noch einmal andere Möglichkeiten für das Lernen am gemeinsamen Lerngegenstand.


    Ich sehe es nicht als sinnvoll an, einen Zahlenraum zu entdecken, für welchen wichtige Grundlagen fehlen.

  • Ich sehe es nicht als sinnvoll an, einen Zahlenraum zu entdecken, für welchen wichtige Grundlagen fehlen.

    In Ansätzen geht das vielleicht schon.


    Aufgaben des folgenden Typs waren für den Schüler verständlich:
    5 + 2 = 7
    15 + 2 = 17


    Entsprechend wird man das auch mit höheren Zahlen fortsetzen können.


    Ändert natürlich nichts daran, dass die 10er-Übergänge das großes Problem bleiben werden. Hieran wird aber kein Weg vorbeigehen, das muss irgendwie wiederholt werden.


    Hat hierzu jemand vielleicht noch einen "Geheimtipp"?

  • Als Förderschultante kann ich dir sagen, dass manche auch im neunten Schuljahr noch im ZR bis zehn unsicher sind. Wir sind dann trotzdem im Stoff bis Klasse 4, ZR bis 1.000.000 etc. Manche lernen auch nie richtig die Uhr lesen. Mit digitaler Anzeige auf dem Handy gehts trotzdem halbwegs.


    Was viele (ältere) Kinder ganz gut können ist auch rechnen mit Geld, einkaufen geht ja jeder. Bei den Kleinen würde ich Pränumerik machen, solange du kannst. Schau mal in den Lehrplan Lernförderschule, das nimmt dir vielleicht den Druck, schnell vorankommen zu wollen?


    Und Hut ab an alle Integrationsleute. Conni, was du leistest ist wirklich enorm! Ich hoffe, zumindest deine Schulleitung erkennt das ab und an mal an. Ich würde irre werden, bei der ganzen Differenziererei, der gemischten Elternklientel- der eine mit Samthandschuh, die andere mit Polizei im Nebenzimmer ^^


    Obwohl, ich geb jetzt die Leistungsstärksten an die Hauptschule, da bin ich gespannt, mit wem ich noch ein Unterrichtsgespräch führen kann. Mischung hat halt wiederum Vorteile, wenn man sich an einen Lehrplan halten muss, den nicht alle erfüllen können. Aber meine Klasse ist wiederum so klein, dass ich mich gar nicht traue zu sagen, wie klein :rotwerd:

  • Pränumerische Aufgaben binde ich immer mal wieder ein. Hat übrigens mein Schüler nicht die geringsten Probleme mit.
    Verstehe nicht, warum man trotz guter Mengenvorstellung solch große Schwierigkeiten mit dem Rechnen hat. Da würde ich gerne mal in den Kopf hineinsehen...

    • Offizieller Beitrag


    Und Hut ab an alle Integrationsleute. Conni, was du leistest ist wirklich enorm! Ich hoffe, zumindest deine Schulleitung erkennt das ab und an mal an. Ich würde irre werden, bei der ganzen Differenziererei, der gemischten Elternklientel- der eine mit Samthandschuh, die andere mit Polizei im Nebenzimmer ^^


    Obwohl, ich geb jetzt die Leistungsstärksten an die Hauptschule, da bin ich gespannt, mit wem ich noch ein Unterrichtsgespräch führen kann. Mischung hat halt wiederum Vorteile, wenn man sich an einen Lehrplan halten muss, den nicht alle erfüllen können. Aber meine Klasse ist wiederum so klein, dass ich mich gar nicht traue zu sagen, wie klein :rotwerd:

    Danke für die Blumen. Ich warte noch auf ein Zeichen meiner Schulleitung. :engel:
    Ich kann auch an manchen Tagen nicht mehr differenzieren. Dann machen mal alle das gleiche und sie dürfen sich helfen, geht auch. In Mathe ist es momentan nicht ganz sooo krass.
    Oft mache ich es auch so: Ich erkläre Aufgabe 1 und 2, die ganz leistungsschwachen lösen dann Aufgabe 1 mit einer Einmaleinstabelle, das Mittelfeld 1 bis 3 und die leistungsstarken 1,2, 4 und 5. Letztlich muss ich mich bei allen ohne Förderbedarf "Lernen" ja auch am Rahmenlehrplan der Grundschule orientieren (zur Zeit 3. Klasse), d.h. Multiplikation bis 1000 gehört dazu. Nur das Kind mit dem Förderbedarf "Lernen" krepelt dann bei der Subtraktion bis 100 ohne Zehnerübergang herum - mit einem Inklusions-Heft, bei dem sich mir alle Haare sträuben, wenn ich mir die Erklärung anschaue. Ich mag die Erklärung am liebsten überkleben, so gruselt es mich.
    Ja, und das mit der Mischung stelle ich mir schwierig vor. Ich habe immerhin noch 4 bis 5 richtig gute, von denen sich 3 melden + 2 Kinder im Mittelfeld mit hohem Redebedürfnis. Einer kommt meist auf die Lösung.

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