MeVo schert nun auch aus - Inklusion nicht mehr für alle

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    Vielleicht kann ich auch noch etwas zum Thema beitragen oder interessante Fälle schildern in Sachen Inklusion.
    Ich arbeite seit vier Jahren bei uns an einer Schule für Hörgeschädigte (wir haben auch einen Schulzweig für Sehbehinderte, aber mit denen habe ich in Sachen Unterricht nichts bis wenig zu tun) und seit diesem Schuljahr bin ich auch in der Ambulanz. Ich habe wie meine Kollegen etwa ein dutzend Fälle an allen möglichen Schulen - das kann wirklich alles sein, je nachdem wo die halt sind. Wir decken einen ganzen Regierungsbezirk ab und so bekommt man natürlich unweigerlich mit, was so überall anders los ist. Ich habe ein Deputat von 10 Stunden dafür, um zu beraten, aufzuklären, zu hospitieren, zu dokumentieren und alles, was eben so im Rahmen von Inklusion anfällt. Einen Tag in der Woche habe ich "frei", damit ich mir Termine zu Hospitationen, Sensibilisierungsstunden in Klassen, Gesprächen etc. machen kann. Mein Bereich (fast ein ganzer Landkreis!) ist eine Stunde Fahrtzeit weit weg. Andere Gespräche laufen über Telefon, Mail oder Nachmittagstermine an meinen anderen Tagen, wo keine Konferenz ist oder ich keinen Nachmittagsunterricht habe. Schließlich habe ich auch noch meine eigene Klasse (7 SuS) und unterrichte Hörgeschädigtenkunde bei uns an der Schule.
    Meine Kollegen und ich erleben wirklich alles erdenkliche und ich zähle mal ein paar auf.

    Positives:
    + Mädchen am Gymnasium in einer kleinen Klasse von 15 Schülern. Das Team, das die Hauptfächer abdeckt, und die Schulleitung tun sehr viel dafür, dass sie gut mitkommt. Wirklich rührend und alle sind glücklich. An der Schule (fünfzüigig) sind alle Klassen recht klein. Ich weiß zwar nicht, wie die das hinbekommen, aber es scheint dort allgemein gut zu laufen.
    + Junge, hochgradig schwerhörig, in der 1. Klasse. Die Klassenlehrerin ist recht abwehrend gegenüber allem, was ich so an Empfehlungen anschleppe. Die anderen beiden im Team sind recht offen und setzen vermutlich die wichtigsten Sachen um. So etwas wie eine Lärmampel und strenger auf Gesprächsdisziplin zu achten, bringt ja eigentlich allen etwas. In der Klasse ist ein verhaltensauffälliger Schüler mit Assistenz, der schon einiges an Radau macht. Sie haben aber einen Nebenraum, wo man dann doch in Ruhe arbeiten kann, so dass es noch irgendwie geht. Die Assistenz kümmert sich auch um die anderen Schüler, so dass sie wirklich eine Bereicherung darstellt.
    + Von meinen Kollegen aus dem Sehbehindertenbereich: zwei blinde Schüler sind an Regelschulen (einmal Grundschule, einmal Gym). Beide sind jeweils zwei Tage an der Schule und haben eine Assistenz. Vor allem vom Grundschulkind weiß ich etwas mehr: Die Klassenlehrerin ist sehr bemüht, die Klasse ist klein, die Assistenz hat sich auch eingearbeitet (in ihrer Freizeit wohlgemerkt!), die Eltern sind auch auf Zack und so sind alle glücklich mit der Situation. Für sie ist es so dort definitiv besser als bei uns an der Schule, die weit weg ist.
    + viele Fälle, wo es ganz gut hinhaut, weil zumindest eine der wichtigen Säulen (Elternhaus, Bedingungen in der Klasse) stimmt.

    Jetzt kommen die zahlreichen Abers und vielen fragwürdige Fälle:
    - Mit Gymnasien haben wir manchmal zu kämpfen, vor allem, wenn die Gegend eher konservativ geprägt ist. Da kommen Schüler zu uns an Schule, die meines Erachtens völlig normal sind und durch ihr Arbeits- und Sozialverhalten bestechen, denen auch keine richtige Chance gegeben wurde. Es ist teilweise erschütternd, wie sie von Lehrern (!) erniedrigt wurden, weil sie einseitig taub sind, technische Hilfe benötigen, wegen der Schwerhörigkeit teilweise etwas anders sprechen oder eben keine Höraufgaben im Sinne des Nachteilsausgleichs bekommen sollen.
    - Ein Schüler ist an einer Mittelpunktsschule in der 8. Klasse. Die Schüler sind in H/R-Kurse eingeteilt, weswegen die Klassenlehrerin den Jungen nur zwei Stunden in der Woche sieht. Das ist doch auch für die große Masse an Schülern Bockmist. Das Mikrofon wird nie benutzt, weil der Schüler es nie mit hat. Das Elternhaus interessiert es nicht und man hört immer nur Ausflüchte, warum es gerade jetzt nicht geht.
    - 2. Klasse, Junge ist gehörlos, trägt aber zwei Cochlea-Implantate (CI). Als ich zu Besuch war, waren die Batterien auf einer Seite leer und keine Ersatzbatterien dabei. Die Mutter hat noch nie jemand gesehen und auch ich habe sie noch nie ans Telefon bekommen. Die Vertretungslehrerin ist zugänglich und versucht umzusetzen, was sie so kann. Die eigentliche Klassenlehrerin war länger krank, kommt aber bald wieder und kümmerte sich um fast nichts (ein Mikrofon im Unterricht um den Hals hängen zu haben ist ja wirklich nicht zu viel verlangt!). Das ganze Kollegium sieht, dass sie das absichtlich vor die Wand fahren lässt und zerreißt sich das Maul über sie. Auch die Schulleitung weiß das und lässt sie gewähren.
    - Mittelschule. In der 7. Klasse sind LH/H/R vertreten. Klassenleitung und gleichzeitig Konkrektor ist wirklich bemüht, dass es klappt, aber in der Klasse ist er nicht das einzige Sorgenkind. Trotzdem ist der Schüler sozial isoliert und verfällt in störendes Verhalten, weil es eben auf keiner Front gut für ihn läuft. Ich hoffe, ich kann die Eltern überreden, dass er zu uns an die Schule kommt. Als ich das erste mal da war und nach der Hospitation mit ihm geredet habe, standen ihm die Tränen in den Augen und man merkte ihm seine Hilflosigkeit deutlich an. Als ich bei ihnen zu Hause war, um mit den Eltern zu reden und mir mal einen Überblick zu verschaffen, war er ein recht normaler umgänglicher Teenager.

    Ich könnte diese Negativliste gefühlt unendlich fortsetzen. In meiner letzten Klasse waren 6 von 7 vorher an einer Regelschule gewesen und vor allem am Anfang der 5. Klasse haben sie sich regelmäßig das Herz ausgeschüttet, wie es ihnen an der Grundschule erging.


    In allen Fällen kristallisieren sich ein paar Sachen heraus, die für das Gelingen notwendig sind:
    - Die Lehrer müssen bereit sein (das sind sie meistens) und auch genug Kapazitäten haben, dass sie sich dem widmen können.
    - Ist die Klasse zu groß oder mit weiteren Problemfällen überfrachtet, wird man der Lage auch oft nicht Herr.
    - Das Elternhaus ist eigentlich das wichtigste an der Sache. Die müssen sich letztendlich hinter alles klemmen. Das beginnt mit Streitigkeiten mit der Krankenkasse wegen der Technik, über den Schulträger (schallsanierter Raum), gute medizinische Versorgung und eben auch mit dem Kind das nachzuarbeiten, was im Unterricht nicht geschafft wurde. Das lässt sich auch bei besten Bedingungen einfach nicht komplett vermeiden.
    - Der Schüler sollte nicht zu den ganz schüchternen und zurückhaltenden gehören, denn auch er muss sich darum kümmern, dass er etwas mitbekommt. Dafür braucht man halt ein wenig Biss. Generell wird an einem Kommunikationsverhalten in der Regelschule gar nicht gearbeitet und man schlägt sich irgendwie durch. Bei uns an der Schule wird da viel mehr Wert drauf gelegt, sogar in Form eines Extrafaches Hörgeschädigtenkunde.

    Da das Elternhaus echt entscheidend ist, merkt man natürlich eine soziale Schere. Das ist es, was ich den ganzen radikalen Inklusionsbefürwortern am meisten vorwerfe. Inklusion tritt an als großes emanzipatorisches Vorhaben, erreicht aber das genaue Gegenteil. Viele gut aufgestellte Eltern entscheiden sich dann nach einer gewissen Phase des Scheiterns oder großer Probleme für unsere Schule trotz der teilweise immens langen Fahrtwege mit dem Bus. Eltern, die sich für ihre Kinder nicht sonderlich interessieren, lassen die dann auch auf der Regelschule versauern und es fährt gegen die Wand. Wären sie bei uns, müssten sie sich um weniger kümmern, weil wir das als Fachleute viel mehr im Blick haben. Wie oft habe ich es schon mitbekommen, dass Schüler eine Probebeschulung bei uns machen und dann schon nach einem Tag sagen, dass sie bei uns bleiben wollen, weil es ihnen so gut gefällt.
    Uns wurden ja sinkende Schülerzahlen prognostiziert, was sich aber überhaupt nicht bewahrheit. Es gab mal einen kleinen Knick und vor allem im Grundschulbereich waren die Zahlen stark zurückgegangen, wo auch schon mal eine Klasse 1/2 eingerichtet werden musste, weil es nicht genug für zwei getrennte Klassen gab. Dieses Jahr haben wir so viele Schüler wie noch nie bei uns eingeschult. Darunter sind einige als Quereinsteiger dabei und zwei, wenn auch kleine, erste Klassen. Es scheint sich wohl schon bei Eltern rumgesprochen zu haben, dass es mit der Inklusion nicht so toll läuft und man entscheidet sich direkt für uns. Da bin ich ganz beruhigt, dass Hessen nicht Inklusion mit der Brechstange betreibt wie NRW, Bremen, Hamburg oder Berlin. Ich habe mein Ref in NRW gemacht und es war ein reiner Alptraum dort.
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    Hallo Frapper,
    was ziehst du denn aus deinen Beobachtungen für Schlüsse?

    Weil manche Eltern sich nicht ausreichend kümmern...
    Weil manche Grundschullehrerin kein Lust haben...
    Weil mancher Gymnasiallehrer falsche Vorstellungen von Behinderung hat...
    Weil es mühsam ist, Schallisolierung zu organisieren...
    Weil Schwarze in Bussen auf anderen Plätzen sitzen müssen, als Weiße... ach Moment, das war ja in den USA. Ist aber noch nicht sehr lange her.

    Was ich meine, ist: ja, die Bedingungen sind nicht ideal. Daraus eine Separation von Schulkindern zu fordern finde ich nicht schlüssig. Menschen mit und ohne Behinderung müssen in dieser Gesellschaft einen Job finden und ihren Alltag meistern. Lernbehinderte (die die größte Population von Förderschülern stellt) sind übrigens nach dem Schulabschluss nicht mal mehr lernbehindert, weil es diesen Begriff nur im Kontext Schule gibt. Schule ist dabei doch kein extraterrestrischer Raum?

    Pädagogische Mühlen mahlen langsam. Was Montessori vor 120 Jahren festgestellt hat, gilt heute noch als "Reformpädagogik". Du kannst eine Grundschulkollegin, die keine Lust/ Zeit/ Nerven hat nicht zwingen, dem hörbehinderten Kind mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Es gibt aber durchaus Grundschullehrerinnen, die dazu bereit und in der Lage sind. Wenn also in einer Situation (gemessen an den eigenen Erwartungen) etwas nicht so passiert, wie ich mir das wünsche, bedeutet es noch lange nicht, dass eine ganze Idee gescheitert ist.

    Für bessere Bedingungen kämpfen: unbedingt! Für mehr Verständnis werben aber auch. Damit könnte man in einem Lehrerforum anfangen. Was du tust, ist Wasser auf die Mühlen derjenigen zu gießen, die finden, dass Behinderte sowieso verloren haben in der Gesellschaft und daher besser extra beschult werden sollten. Weil die Schule nicht alle Probleme der Gesellschaft lösen kann etc.pp. Naja, kurz: weil viele Menschen es nicht anders kennen und generell jeder Änderung skeptisch gegenüberstehen.
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    Krabappel, hast du denselben Beitrag gelesen wie ich? Der Schluss ist doch relativ einfach: Inklusion kann funktionieren, dazu braucht es gewisse Grundlagen und die müssen durch den Gesetzgeber bereitgestellt und finanziert werden. Da das regelmäßig offensichtlich nicht der Fall ist und dann nur durch zusätzliches Engagement des Kindes, der Eltern und der Lehrer (alle zusammen) aufgefangen werden kann, ist insbesondere für Kinder bei denen dieses Engagement (von welcher Seite auch immer) fehlt, die Schule mit speziell ausgebildeten Lehrern besser. Du argumentierst an vielen Stellen einfach ideologisch, während Frapper sehr pragmatisch an das Ganze ran geht (ich kann da ehrlich gesagt überhaupt keine Präferenz feststellen), weil sehr deutlich zwischen Inklusion und Inklusion mit der Brechstange unterschieden wird und insbesondere auch der Eltern- und Kindeswille in ihrer Argumentation sichtbar wird. Wenn gut ausgebildete und informierte Eltern und ihre Kinder auch eine Förderschule wollen, warum sollen die auf Teufel komm raus inkludiert werden? Und hör auf mit dem Schwachsinn von der Integration in den Arbeitsmarkt, für Menschen mit Förderschwerpunkt Hören/Sehen läuft da schon relativ viel (und zwar erster Arbeitsmarkt, nicht dieser Ausnutzungsteufelskreis von Behindertenwerkstätten), aber es gibt Menschen die werden einfach niemals für den ersten Arbeitsmarkt geeignet sein, teilweise weil es ihnen nicht möglich ist (insb. Bereich GB und damit meine ich sicher nicht das nette Mädel mit Down-Syndrom), teilweise weil ihnen nie (weder im Elternhaus noch in der Schule) vermittelt worden ist was für grundlegende Verhaltensweisen sie dafür zeigen müssten. Für beide Gruppen sind speziell geschulte Lehrkräfte sicherlich besser . Die könnten ihnen übrigens auch im inklusiven System gut helfen, sie müssten dann nur ständig da sein und das kostet massiv Geld, welches der Staat nicht zu zahlen bereit ist für den feuchten Traum "Inklusion", stattdessen ist in 25% der Stunden ein Integrationshelfer (oft ohne Ausbildung) dabei...herzlichen Glückwunsch...
    The price of freedom is eternal vigilance. (Leonard H. Courtney)
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    Trantor schrieb:

    @Frapper Wo bist Du denn tätig in Hessen?
    Das möchte ich ungern preisgeben. Von unserer Art von Schulen gibt es in Hessen insgesamt nur vier. Wenn ich da auch nur die Himmelsrichtung nenne, weiß man schon direkt welche Schule. ;) Ich kann nur sagen, dass ich ähnliche Geschichten von einer anderen Schule höre, wo meine Referendarin mittlerweile arbeitet. Wieso fragst du?


    Mir ging es vor allem darum, mal einen Einblick in meinen kleinen speziellen Bereich aufzuzeigen. Meiner Einsicht nach wäre es fatal, die Förderschulen ganz zu schließen und in manchen Regionen oder Gemeinden gar keine Förderschule mehr vorzuhalten. Für manche Kinder und Jugendliche ist eine Förderschule schlicht und ergreifend besser als die Regelschule und in meinen Augen wird das auch vorerst so bleiben, es sei denn, man steckt auch mehr ins allgemeine System. In NRW oder MeckPomm will keiner das Rad zurückdrehen, aber das Ende aller Förderschulen ist unrealistisch, wenn man wirklich im Interesse der Kinder denkt und nicht an ein utopisches Weltbild, das man sich ausmalt, aber den Realitätstest nicht besteht. Ich verstehe auch nicht, warum es so schwer ist, das einzusehen.
    Wir haben ja auch einiges an Schülern vertreten - von Lernhilfe bis Realschule, eigentlich auch Gym, nur dass wir offiziell diesen Bildungsgang nicht anbieten dürfen, sitzen tun sie trotzdem bei uns - und ich bin froh, dass wir einigermaßen versuchen, sie in leistungshomogene Klassen/Gruppen zu bündeln. Letztes Jahr hatte ich Mathe in einer Klasse mit sieben Schülern. Das hört sich nach sehr wenig an, war aber echt anstrengend vom Unterrichten her. Einer der fünf Regelschüler brauchte Gebärdenunterstützung, dann die zwei LH-Schüler mit jeweils Sonderprogramm. Der eine kann halbwegs alleine arbeiten, wenn man etwas eingeführt hatte, aber Nummer 2 ist derart schwach in Mathe und kann kaum selbstständig etwas bearbeiten. Zum Glück hat er eine Unterrichtsassistenz für die Hälfte der Unterrichtszeit, sonst wäre das gar nicht machbar. Man kann einfach nicht auf drei Hochzeiten gleichzeitig tanzen. Meine Nachfolgerin in der Klasse hat auch zu kämpfen mit dem Unterschied, dass sie nicht gebärden kann.

    Das ist ja noch so ein weiterer Punkt, der mir sauer aufstößt. Es gibt einfach nicht genug ausgebildete Förderschullehrer in unserem Bereich, und zwar in ganz Deutschland. Wir sind davon etwas mehr betroffen als andere, so dass wir mittlerweile einige Kollegen haben, die nicht aus dem Bereich sind. Bei den Personalengpässen, die wir teilweise hatten, war unsere Schulleitung natürlich dankbar, dass wir sie an der Hand hatten. Für manche ist es die rettende Insel gewesen, sich aus dem inklusiven Unterricht an der Regelschule zu uns an die Schule versetzen zu lassen, aber auf Dauer ist das zu einem gewissen Problem geworden. Wir müssen insgesamt mehr in die Ambulanz/Inklusion geben, wo aber nur Förderschullehrer für Hören reindürfen, während dann andere einen guten Teil des Unterrichts bei uns schmeißen. Letztes Jahr sollte diese Kollegin dort eben nicht Mathe unterrichten, weil sie nicht gebärden kann. Jetzt, wo ich unbedingt in die Ambulanz musste, weil kein anderer dafür in Frage kam, muss sie es doch machen. Ich schätze diese Kollegen und jeder bringt etwas mit, was wir bei uns definitiv gut gebrauchen können, und sie versuchen sich einzuarbeiten in die Materie. Ich will sie nicht schlecht machen, aber in Teilen merkt man aber schon, dass es ihnen an mancher Kompetenz fehlt. Eine Ausbildung lässt sich eben nicht durch guten Willen ersetzen - noch so ein zentraler Kritikpunkt an der derzeitigen Inklusion.
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    Valerianus schrieb:

    Du argumentierst an vielen Stellen einfach ideologisch, während Frapper sehr pragmatisch an das Ganze ran geht (ich kann da ehrlich gesagt überhaupt keine Präferenz feststellen), weil sehr deutlich zwischen Inklusion und Inklusion mit der Brechstange unterschieden wird und insbesondere auch der Eltern- und Kindeswille in seiner Argumentation sichtbar wird.
    Dankesehr, denn genau so ist es! Ich habe in dem Zitat etwas verbessert; ich bin nämlich ein Er. ;)
    Der Beitrag von Krabappel enthält so viel von dem, was ich an der derzeitigen Diskussion so unerträglich finde und da kann ich auch nur mich selbst zitieren, weil ich es zeitgleich geschrieben habe, als die Antwort kam:

    Frapper schrieb:


    In NRW oder MeckPomm will keiner das Rad zurückdrehen, aber das Ende aller Förderschulen ist unrealistisch, wenn man wirklich im Interesse der Kinder denkt und nicht an ein utopisches Weltbild, das man sich ausmalt, aber den Realitätstest nicht besteht. Ich verstehe auch nicht, warum es so schwer ist, das einzusehen.
    Die Antwort, warum man es nicht einsehen will, ist ganz einfach: Ideologie. Es darf einfach nicht so sein.


    Wenn es um die Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt geht, läuft bei uns an der Schule sehr viel. Die Betreuung ist deutlich enger als an der Regelschule. Die Inklusionsschüler werden von uns zwar auch betreut, aber nicht im gleichen Umfang wie unsere Schüler. Wie ich schon in einem anderen Beitrag geschrieben habe, legen wir viel Wert darauf, dass sie lernen, mit ihrer Hörschädigung im Alltag klarzukommen - das fängt bei Telefontraining an und hört bei Vorstellungsgesprächen auf. Ich kenne den Unterschied zwischen Schülern, die im Umgang mit ihrer Schwerhörigkeit völlig hilflos sind und denen, die genau sagen und einfordern können, was sie brauchen und ihnen zusteht. Auch wenn wir dieses Schuljahr ein Angebot an die Inklusionsschüler machen wollen, wird das nicht ansatzweise mit den Inhalten im Fach Hörgeschödigtenkunde vergleichbar sein. Hier sind es dann wieder die Eltern der Inklusionsschüler, die den Unterschied machen werden. Interessiert es die Eltern nicht, bringen sie ihre Kinder nicht zu einem Seminar bei uns, während engagierte das noch aufgreifen und privat vertiefen.
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    Du sagst: es hapert an äußeren Bedingungen. Es gibt Eltern, die sich nicht richtig kümmern können und Lehrer, die es nicht wollen. Warum schließt du daraus, dass Förderschulen die besseren Orte der Förderung sind? Kümmern sich die Eltern eurer Schüler denn immer rechtzeitig um Batterien?

    Von Hörbehindertenpädagogik habe ich keine Ahnung. Ich kann auch keine Gebärdensprache. Ich kenne nicht mal jemanden, der Gebärdensprache spricht. Woran liegt das? Gehörlose bilden eine eigene Community, ich denke nicht, dass sie an der Förderschule besser lernen, mit Hörenden zu leben und vor allem lernen Hörende es nicht.
    Ich behaupte nicht, dass es jedem Kind in einer Regelschule am besten geht. Wenn ich einen Platz an einer freien Schule bekommen hätte, wären meine Kinder dort. Das ist aber ein verdammtes Problem vieler Regelschulen, dass Kinder im Frontalunterricht untergehen. Egal ob hochbegabt oder minderbegabt oder anstrengend. Ich muss oft für psychisch Kranke entscheiden, wo sie lernen sollen und für viele Kinder gibt es nicht mal die richtige Schulform. Sollen wir daher noch Schulen für psychisch Kranke einrichten? An den Förderschulen für soz.em. sieht man es am Deutlichsten. Die Kids sind praktisch nicht beschulbar, sollen aber alle in einer Klasse lernen. Und kaum ein Lehrer möchte dort unterrichten. Das ist doch unbefriedigend.

    Du sagst selbst, Inklusion klappt in soundsoviel Fällen gut. Woran liegt das? leistest du dort die bessere Inklusionsarbeit? Oder liegt es daran, dass die Lehrer an diesen Schulen gewillt und die Klassen kleiner sind? Das ist für mich die entscheidende Frage in dieser Diskussion. Was muss passieren, damit Kinder und Lehrer zufrieden sind. Wenn die Förderschule die Wunschschule bleibt, weil sie die Bessere ist: prima. Soundsoviele Eltern möchten aber, dass ihr Kind nicht an eine Förderschule geht.

    Ich habe auch schon den Förderort LFS empfohlen, weil ich gesehen habe, wie ein Kind woanders untergeht. Es ist aber nur eine Notlösung. Es kann nicht das Ziel sein, jede Inklusionsbemühung zu torpedieren, so wie viele Kollegen es aus Prinzip machen. Siehe Valerianus, der mich hier anpöbelt und "Ideologien" selber von sich weist. Was ist schon ideologisch :/
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    aber das Ende aller Förderschulen ist unrealistisch,
    Was sagte mir vor Jahren der Schulleiter einer Förderschule: ich habe so ein großes System - ich sitze die Inklusion einfach aus.

    kl. gr. frosch
    Free Tibet!!
    ----
    Die meisten meiner Beiträge entstehen auf einer tablet-Tastatur. Da es dort kein haptisches Feedback gibt, schleichen sich schneller Tippfehler ein. Sorry.
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    Danke Frapper, für deinen Bericht. Die Seite der Förderschullehrer hört man ja kaum.

    Bis jetzt habe ich erst einen Schüler inkludiert, was einigermaßen lief, weil die Kommunikation mit Lernbegleitung und Elternhaus gut war. Aggressiver Asperger Autist, der oft ohne Grund seine Mitschüler körperlich angriff, wenn man nicht schnell genug war und von daher gab es verständlicherweise Probleme mit den anderen Eltern und Schülern. Er war ziemlich begabt und bereicherte damit auf seine Weise die Gruppe. Aber anstrengend und verweigerte ganz oft die Arbeit. Alle Kolleginnen, die mit ihm zu tun hatten, waren zwischendurch am Ende. Aber welche Förderschule wäre für ihn richtig gewesen mit einem IQ von 140?

    In der Klasse hatte er trotzdem immer wieder Kinder, die mit ihm zusammenarbeiten oder spielen wollten, auch wenn oft die Fetzen flogen. Die ganze Zeit hatte ich aber Angst, dass wirklich mal etwas Schlimmes passiert, denn die Lernbegleitung stand nur wenige Stunden in der Woche zur Verfügung. Da geht es ja schon los....
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    Krabappel schrieb:



    Von Hörbehindertenpädagogik habe ich keine Ahnung. Ich kann auch keine Gebärdensprache. Ich kenne nicht mal jemanden, der Gebärdensprache spricht. Woran liegt das? Gehörlose bilden eine eigene Community, ich denke nicht, dass sie an der Förderschule besser lernen, mit Hörenden zu leben und vor allem lernen Hörende es nicht.

    Dass Hörende keine Gebärdensprache lernen / können, liegt daran, dass die Tauben nicht auf die zugeht?
    Das ist (leider zu selten, aber trotzdem) deren Muttersprache. Das ist - erstmals - die einzige Möglichkeit, die sie haben, sich mit der Welt und untereinander zu verständigen.
    Ich sage auch nicht einem Querschnittsgelähmten, dass er einfach gefälligst lernen soll zu laufen, um sich zu integrieren. Ja, genauso absurd klingen dann Forderungen nach vollständiger Inklusion von tauben SchülerInnen.
    Wenn ein Kind ein CI trägt, aber ohne Batterie oder allgemein kaum kommunizieren kann, was passiert mit ihm? Nur, weil es die Möglichkeit hat, den ganzen Tag in der Schule zu sitzen und das aufzuschnappen, was der Lehrer sagt, im besten Fall ist das Kind gebärdensprachig und hat Dolmetscher (ein Wunder!) im Unterricht: wo ist das Sozialleben und die Entwicklung? Die meisten tauben Kinder haben hörende Eltern. Mit wem kommunizieren sie auf natürlicher Art? Mit wem können sie lernen zu DENKEN? (Ohne Sprache, kein Denken...)

    Es ist ein Unding, wenn auch den äußeren Tatsachen geschuldet, dass die meisten tauben und schwerhörigen Kinder so lange Anfahrtswege zu einer passenden Schule haben. Wenn man bedenkt, dass schon sehr viele der FörderschullehrerInnen nicht WIRKLICH gebärden können.... (auch eine organisatorische und Kostenfrage... die meisten Unis bieten wenn überhaupt nur 1-2 Sprachkurse an) Wenn man bedenkt, dass - vgl. Frappers Beitrag - auch noch soviele Förderschullehrer komplett ohne Ahnung von Audiopädagogik in das System kommen und sich das alles beibringen ...

    Es gibt sicher Konstellationen, wo es gut funktioniert... und natürlich den Superduperfall der Grundschule, wo die Lehrkraft und alle Kinder freiwillig Gebärdensprache lernen, damit sie mit dem tauben Kind kommunizieren. Aber die Realität sind eher viel zu oft: vereinsamende Kinder, die aufgrund von fehlenden Bezugspersonen / Vorbildern ein komplett falsches Bild von sich selbst entwickeln.
    Man muss schon die Förderschwepunkte auseinanderhalten / differenziert betrachten, sowie die weiteren äußeren Bedingungen.

    Chili
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    Frapper schrieb:

    Die Antwort, warum man es nicht einsehen will, ist ganz einfach: Ideologie. Es darf einfach nicht so sein.
    Moin,

    also ich würde nicht denken, daß es an der "Ideologie" liegt. Es liegt einfach am Geld. Hast Du dir mal überlegt, was bei euch ein Sonderschüler pro Schuljahr für Kosten verursacht? Wie groß war eure durchschnittliche Klassenstärke noch einmal?

    Ich habe hier insg. 18 Klassen in der Regelschule mit 25-30 Schülern jeweils. Bei mir ist das, wenn ich ehrlich sein darf, eher nur noch "Verwalten und keine Formfehler begehen". Allerdings ist bei solchen Klassenstärken der Unterricht natürlich für den Schulträger äußerst günstig.
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    am Geld?

    Na, das fehlt doch sowieso immer, weil die Politik noch immer dieses nicht verstanden hat:

    Keine Bildung ist viel zu teuer.


    Das gilt für alle Themen, sei es Inklusion oder was auch immer wo "mal wieder" behauptet wird, es sei zu wenig Geld da...
    Auf die Idee, dieses Geld mal anderso herzunehmen (wo zu viel ausgegeben wird - angefangen bei Politikerdiäten, weiter beim Thema Rüstung, und was nicht noch...) kommen die einfach nicht... die haben wohl in der Schule nichts gelernt...
    Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
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    lamaison2 schrieb:

    Aggressiver Asperger Autist, der oft ohne Grund seine Mitschüler körperlich angriff
    So einen durfte ich auch einmal inkludieren. Als er dann aber im Unterrichtsbesuch (Schulleitung war da wegen Lebenszeitverbeamtung) ohne Vorwarnung aufstand, quer durch den Raum ging, um auf einen anderen Mitschüler einzudreschen und der sich so wehrte, daß der Autist am Ende ein gebrochenes Nasenbein hatte, war das Thema Inklusion bei mir und der Schulleitung durch. Und ja, moralisch finde ich es richtig, daß er sich gewehrt hat und da er zuerst kräftig einstecken mußte (Gehirnerschütterung) auch entsprechend mit voller Härte reagiert hat.
    Schließlich sollen wir auch die Asperger auf ein Leben in der Gesellschaft vorbereiten und ungestraft andere Leute verprügeln ist nun einmal einfach nicht gesellschaftskonform. Dafür gibt es einfach keinen Freibrief, egal wie man die "Krankheit" dann nennen will.

    Wenn Schüler körperliche Gebrechen haben, ist die Inklusion kaum ein Problem, aber bei "Emotionalem und sozialem Förderbedarf" streike ich. Dafür bin ich in keinster Weise ausgebildet und bei Klassenstärken von 30 Schülern auch nicht in der Lage irgendwie zu reagieren.
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    chilipaprika schrieb:

    Dass Hörende keine Gebärdensprache lernen / können, liegt daran, dass die Tauben nicht auf die zugeht?
    Das ist (leider zu selten, aber trotzdem) deren Muttersprache. Das ist - erstmals - die einzige Möglichkeit, die sie haben, sich mit der Welt und untereinander zu verständigen.
    Ich sage auch nicht einem Querschnittsgelähmten, dass er einfach gefälligst lernen soll zu laufen, um sich zu integrieren. Ja, genauso absurd klingen dann Forderungen nach vollständiger Inklusion von tauben SchülerInnen.
    Absurd sind Argumente von emotional Betroffenen. Daher ist es auch keine gute Idee, diesen Thread wieder hochkochen zu lassen. Aber bitte dreh mir nicht die Wörter im Mund herum, chili ?(
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    Krabappel schrieb:

    Was ich meine, ist: ja, die Bedingungen sind nicht ideal. Daraus eine Separation von Schulkindern zu fordern finde ich nicht schlüssig. Menschen mit und ohne Behinderung müssen in dieser Gesellschaft einen Job finden und ihren Alltag meistern. Lernbehinderte (die die größte Population von Förderschülern stellt) sind übrigens nach dem Schulabschluss nicht mal mehr lernbehindert, weil es diesen Begriff nur im Kontext Schule gibt. Schule ist dabei doch kein extraterrestrischer Raum?

    Pädagogische Mühlen mahlen langsam. Was Montessori vor 120 Jahren festgestellt hat, gilt heute noch als "Reformpädagogik". Du kannst eine Grundschulkollegin, die keine Lust/ Zeit/ Nerven hat nicht zwingen, dem hörbehinderten Kind mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Es gibt aber durchaus Grundschullehrerinnen, die dazu bereit und in der Lage sind. Wenn also in einer Situation (gemessen an den eigenen Erwartungen) etwas nicht so passiert, wie ich mir das wünsche, bedeutet es noch lange nicht, dass eine ganze Idee gescheitert ist.

    Für bessere Bedingungen kämpfen: unbedingt! Für mehr Verständnis werben aber auch. Damit könnte man in einem Lehrerforum anfangen. Was du tust, ist Wasser auf die Mühlen derjenigen zu gießen, die finden, dass Behinderte sowieso verloren haben in der Gesellschaft und daher besser extra beschult werden sollten. Weil die Schule nicht alle Probleme der Gesellschaft lösen kann etc.pp. Naja, kurz: weil viele Menschen es nicht anders kennen und generell jeder Änderung skeptisch gegenüberstehen.
    Was ist so schlimm an der Separation von Schulkindern? Sollte nicht jedem die für ihn bestmögliche Bildung zukommen? Die Vorstellung, dass eine Lehrkraft das komplette Spektrum von geistiger Behinderung bis Hochbegabung abdeckt und alle Schüler voneinander lernen ist realitätsfern.
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    @Krabappel
    Ich versuche das mal nach und nach abzuarbeiten.
    Wir bei uns an der Schule haben in vielem ein System, was früh greift, wenn etwas in eine falsche Richtung abrutscht. Das fängt schon beim Sekretariat an, die bei unseren gut 200 Schülern sehr viele Eltern gut kennen. Da wird dann noch einmal eher nachgehakt. Dann gibt es den Trainingsraum bei uns, der überwiegend gut funktioniert. Wir haben zwei Sozialpädagogen an der Schule, die beide auch unterrichten und einen guten Überblick haben. Dazu kommen einige Erzieher, die vor allem in der Grundstufe tätig sind. Einen Pädoaudiologe haben wir und er kümmert sich um vieles, was bei der Technik und Versorgung ansteht - bei der derzeitigen rasanten Entwicklung im technischen und medizinischen Bereich kann man nicht auf dem aktuellsten Stand sein. Einmal in der Woche ist ein Hörgeräteakustiker da. Wer bei ihm ist, kann Reparaturen in der Schule machen lassen. Zu den Batterien: In der Mittelstufe gibt es ein Methodentraining, wozu auch ein Arbeitsplatzcheck gehört. Da stehen auch die Ersatzbatterien drauf. Sind sie nicht da, kann man sie als Schüler nachliefern. Ist es immer noch nicht da -> Eintrag ins HA-Heft/Anruf zu Hause. Kommt mir mehreres spanisch vor -> Gesprächstermin in der Schule/Hausbesuch, zum Teil mit Sozialpädagogen. In der Regel bringt das etwas.

    Das mit den Gebärdensprachnutzern ist etwas anderes als mit den Schwerhörigen. Das könnte ich hier episch ausbreiten, was da so los ist. Das ist in der Tat eine ganz andere eigene Welt zum Teil. Es ist vor allem die geringe Schülerzahl, die den Ausschlag macht und sich deshalb einer allgemeinen Lösung entzieht. Die meisten Gehörlosen bekommen ein CI, sind somit lautsprachlich orientiert und sind im pädagogischen/didaktischen Sinne schwerhörig. An unserer Schule haben wir folglich auch sehr wenige echte Gebärdensprachnutzer (damit meine ich nicht Schwerhörige, die viele Gebärden kennen und lautsprachbegleitende Gebärden nutzen, sondern echte Muttersprachler). In der Grundstufe gibt es bei uns eine kleine Klasse, in der Hauptstufe eine und unsere Willkommensklasse, wo es überhaupt erst einmal darum geht, eine Sprache aufzubauen. Besonders eingebunden ins Geschehen auf dem Pausenhof sind sie derzeit nicht, weswegen ich auch Eltern verstehe, die sagen, dass sie an jeder Schule recht isoliert sind und dann können sie auch mit Dolmetscher an eine Regelschule gehen. Davon haben wir derzeit einen Fall, der von uns gesondert betreut wird. In Deutschland gibt es knapp 40 solcher Fälle der Einzelinklusion mit Dolmetscher und das läuft teilweise bescheiden. Die Rollen des Dolmetschers ist nicht wirklich klar (reines Übersetzen oder auch ein pädagogischer Auftrag?), die haben keine pädagogische Ausbildung, Verfügbarkeit, Strittigkeiten der Kostenübernahme. In Norddeutschland gab es einen prominenten Fall, wo sich die Behörden weigerten, den Dolmetscher zu bezahlen, weil sie die jeweils andere Behörde in der Pflicht sahen. Es landete vor Gericht, ist immer noch nicht wirklich entschieden und wer leidet darunter? Der Junge jedenfalls nicht mehr, denn die Eltern hatten nach einer gewissen Zeit die Schnauze voll. Jetzt geht er an die Förderschule Hören in Dortmund, wo die Oma wohnt. Herzlichen Dank! In Thüringen gibt es einen neuen Schulversuch nach dem Wiener/Hamburger Modell für Gebärdensprachnutzer an der Regelschule ( ardmediathek.de/tv/Sehen-statt…12912&documentId=46426666 ). Gute Sache. Leider hängt das immer sehr an den Personen vor Ort, so dass es schwierig ist, so etwas in die Fläche gehen zu lassen.

    Frontalunterricht ist schlecht: Ich weiß, dass man das vor allem an Unis eingetrichtert bekommt und es gibt quasi nichts schlimmeres als das - für mich ist das gequirlte Scheiße! Frontalunterrcht hat seine Berechtigung und offenere Unterrichtsformen sind nicht der Weisheit letzter Schluss. Wer sich Schulen anschaut, die viel auf so etwas setzen, weiß auch, dass es einige Schüler gibt, die dabei hinten runter fallen, auch wenn es das Differenzieren ja angeblich zu einem Kinderspiel macht: jeder sitzt ja vor seinem eigenen Kram. In einer privaten Gesamtschule habe ich das gesehen, weil dort ja Inklusion gelebt wird. Dann war dort der Matheunterricht als Lernbüro angelegt, sprich: bring's dir anhand eines Arbeitshefts selbst bei und der Lehrer geht bei Bedarf von Tisch zu Tisch, um etwas zu erklären. Trockener als der schlimmste Frontalunterricht. Wer profitiert davon? Die Leistungsstarken, weil sie sich das anhand des Arbeitshefts noch irgendwie beibiegen können. Wem bringt es nichts? Den Leistungsschwachen, denn sie bekommen das halt einfach nicht so hin, sich das selbstständig zu erschließen. Sie profitieren davon, wenn eine Lehrperson das auf geeignete Weise einführt und eine recht engmaschige Kontrolle über den Lernprozess hat. Bei Werkstattarbeit/Stationsarbeit - auch sehr beliebt im offenen Unterricht - bin ich zum Teil auch kritisch, wenn es um die Lernergebnisse geht. Ich habe es erst letzte Woche wieder mal erlebt. Meine sonst eher behäbige fünfte Klasse hat mir in Hörgeschädigtenkunde das Zeug förmlich aus den Händen gerissen und die Stationen bemerkenswert motiviert abgearbeitet. Ich habe sie gelobt und sie waren auch stolz, weil sie so viel geschafft hätten. Ich frage am Ende immer zur Reflexion, was sie aus der Stunde mitgenommen haben/was ihnen am deutlichsten in Erinnerung geblieben ist. Von meinen beiden leistungsschwächeren Mädels kam "Keine Ahnung, ich weiß nix mehr." Tolle Wurst. Man kann leistungsschwächere Schüler eben nicht einfach nur Material in die Hand drücken, egal wie selbsterklärend das doch angeblich alles ist, und denken, das wird schon. Die brauchen einfach Struktur, Struktur und nochmals Struktur. Da ist dieses offene Zeugs keine echte Alternative auf Dauer.

    Zu einer gelingenden Inklusion: Natürlich sind wir wieder bei den örtlichen Rahmenbedingen, die vor allem an ausreichend qualifiziertem Personal und recht kleinen Klassen hängen. Ich habe da immer meine Paradebeispiele. In jedem Jahrgang haben wir ein oder zwei Schüler, die so stark schwerhörig sind, dass es keine großen Nebengeräusche geben darf, damit ein Unterrichtsgespräch geführt werden kann, damit eine Partner- oder Gruppenarbeit rein von der Kommunikation her klappen kann. Sind mehr als elf Schüler in einer Klasse (das ist unsere Maximalzahl für eine Klasse an unserer Schule), wird das einfach schwierig bis unmöglich. Es entsteht praktisch automatisch eine höhere Geräuschkulisse und man kann es vergessen. Kommt so ein Schüler an eine Schule oder wird er es, weil einige Schwerhörigkeiten fortschreitend verlaufen, müsste man ohne großes bürokratisches Aufhebens sagen können "In diese Klasse kommen nur elf Schüler statt der üblichen 22.", ohne dass der Schule personell ein Nachteil entsteht, nämlich die Parallelklasse im Gegenzug aus allen Nähten platzt. Da kann man dann aber auch nicht jeden anderen Schüler reinstecken, der einem vielleicht die Klasse auf den Kopf stellt oder dauerhaft zu laut ist, denn sonst ist der Vorteil der kleinen Klasse dahin. Ich kann mir kaum vorstellen, dass wir einmal so weit kommen. Bis dahin erübrigt sich für mich auch die Diskussion um die Schließung von Förderschulen. Manche Schüler kann man schlicht nicht guten Gewissens an eine Regelschule schicken. Wenn es Eltern trotzdem tun, ist es ihre Sache, was sie ihrem Kind antun. Man kann da nur ehrlich beraten und sagen, was möglich ist und was ganz klare Grenzen sind. Das macht man ja nicht, denn "Wir lassen kein Kind zurück" von Hannelore Kraft klingt ja viel besser. Auch der liebe Verfechter einer radikalen Inklusion und dem Ende aller Förderschulen Herr Wocken war mal bei uns an der Schule, um einen Vorttrag zu halten und hat das Blaue vom Himmel heruntergelogen. Als dann eine Kollegin (selbst hochgradig schwerhörig und weiß, wovon sie redet) es mal mit Kritik beruhend auf unserer alltäglichen Erfahrung probiert hat, wurde sie mit Phrasen abgewürgt: "Gebärdensprache lernen die anderen Schüler doch so schnell und nebenbei." Haha. Jeder Fremdsprachenlehrer bekommt bei solch dummen Aussagen die Krätze, aber im Namen der Inklusion darf man ja alles behaupten. Sich von der Realität zu emanzipieren nenne ich das.
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    lamaison2 schrieb:

    Danke Frapper, für deinen Bericht. Die Seite der Förderschullehrer hört man ja kaum.

    Bis jetzt habe ich erst einen Schüler inkludiert, was einigermaßen lief, weil die Kommunikation mit Lernbegleitung und Elternhaus gut war. Aggressiver Asperger Autist, der oft ohne Grund seine Mitschüler körperlich angriff, wenn man nicht schnell genug war und von daher gab es verständlicherweise Probleme mit den anderen Eltern und Schülern. Er war ziemlich begabt und bereicherte damit auf seine Weise die Gruppe. Aber anstrengend und verweigerte ganz oft die Arbeit. Alle Kolleginnen, die mit ihm zu tun hatten, waren zwischendurch am Ende. Aber welche Förderschule wäre für ihn richtig gewesen mit einem IQ von 140?

    In der Klasse hatte er trotzdem immer wieder Kinder, die mit ihm zusammenarbeiten oder spielen wollten, auch wenn oft die Fetzen flogen. Die ganze Zeit hatte ich aber Angst, dass wirklich mal etwas Schlimmes passiert, denn die Lernbegleitung stand nur wenige Stunden in der Woche zur Verfügung. Da geht es ja schon los....
    Leider hört man die Seite der Sonderpädagogik viel zu selten in der gesamten Diskussion. Wenn dann Warnungen kommen, dass es nicht so gut ausgeht, wenn man das ganze Förderschulsystem abwickelt, wird das abgetan, man wolle ja nur den eigenen Hals retten. Politisch interessieren vor allem die Zahlen und Quoten, weil das am einfachsten zu ermitteln ist. Dass in Hessen die Auflösung der Förderschulen Hören, Sehen, geistige Entwicklung und körperliche und motorische Entwicklung vom Tisch sind, hat auch mit dem Einschreiten der Verbände zu tun. Teilweise war bei den Entscheidungsträgern überhaupt keine Vorstellung, was hinter den 4% schwerhöriger Schüler im Förderschulsystem steht. Das ist für die doch nur eine Zahl, wo für die nichts konkretes hinter steht. Unser Schulleiter ist da auch unterwegs und hat mal aus dem Nähkästchen geplaudert. Da bekommt man das kalte Grausen.

    Zum Autist: Die sind leider überall und nirgendwo ideal aufgehoben. Man findet sie deshalb auch überall im Schulsystem, es kann es richtig krachen und man muss immer nach Einzellösungen suchen. Für einen Asperger-Autisten mit dem Zeug zum Abitur bringt deshalb auch eine Förderschule meist wenig bis nichts, wenn nicht einmal der angestrebte Schulabschluss passt. Dann ist durch Unterforderung sowieso Stress vorprogrammiert.
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