ZON - Interview

    • DeadPoet schrieb:

      Ist Unterrichtsausfall - so lange nicht über Wochen ein bestimmtes Fach ausfällt - wirklich das große Problem, zu dem er gemacht wird?
      Das wollte ich gerade sagen.
      Ich finde diese ewigen Diskussionen zum Stundenausfall wegen Krankheit etc. irgendewie total abartig. Die paar Stunden, die da ausfallen, machen den Kohl nicht fett.

      Die weitaus größere Baustelle sehe ich bei den Stunden, die gar nicht erst im Stundenplan für die Schpler auftauchen, weil aufgrund von Lehrermangel vorab mal gleich zusammengestrichen wird. Was meint ihr, wie toll das ist, wenn in einer Klasse ein Fach von einer Doppelstunde im kompletten Schuljahr auf eine Stunde in nur einem Halbjahr zusammengekürzt wird wegen Lehrermangel. Trotzdem soll man die Azubis auf die gleiche Abschlußprüfung vorbereiten, obwohl mal eben 75% der Unterrichtszeit wegfallen.

      Nur diesen Unterrichtsausfall sieht niemand, weil er natürlich nicht offensichtlich für ide Eltern in Erscheinung tritt. Wer vergleicht schon die Stundenpläne der letzten 20 Jahre, um nach solchen Kürzungen zu suchen?
    • Mikael schrieb:

      Es ist eine Frechheit sich hinzustellen und Berufsschullehrer, die "oft Arbeiten bis zum Umfallen" und auch noch krankgeschrieben Vertretungsaufgaben an die Schule schicken, als Vorbild hinzustellen.
      Ist das so? Ich habe keine Erfahrung mit den anderen Sek I/II-Schulen, da meine Kinder noch in Kita und Grundschule sind.
      An meinem BK ist es so, dass (zur Zeit noch) abteilungsintern vertreten wird, auch wenn die SL das gerne anders hätte. So unterrichtet jeder sein Fach in einer Klasse, die er kennt. Problematisch wird es bei Langzeiterkrankungen, weil das Fach dann nicht unterrichtet wird, es sei denn, ein Kollege unterrichtet dann eine Reihe in diesem Fach, wenn er die Facultas hat.
      Viele KuK haben Springstunden im Stundenplan, die dann eben mit Vertretung gefüllt werden können. Ein Kollege mit Vollzeit kann sich alles ab der 5. Vertretungsstunde im Monat bezahlen lassen. Ein Kollege mit TZ bekommt jede Vertretungsstunde bezahlt.

      Ist das an anderen Schulen nicht so? Ich habe das auch schon von Gymnasien und Gesamtschulen hier in NRW gehört.
    • Wollsocken80 schrieb:

      Was heisst denn "mit Mühe und Not den Pflichtunterricht abdecken"? Ich plane keine einzelnen Stunden sondern ganze Unterrichtsreihen, also bin ich immer mind 2 Wochen im voraus. So lange kann ich theoretisch krank sein und meine Schüler füllen einfach weiter Aufgabenblätter aus und lesen Text. Muss nur einer daneben stehen und aufpassen dass sie das auch tun.
      Ich unterrichte Mathe und meine Stundenvorbereitung enthält in der Regel irgendetwas Neues, das die Schüler sich erarbeiten sollen und Übungsgelegenheiten, die häufig im neuen Thema angewandt stattfinden. Arbeitsblätter zum Herunterarbeiten bekannter Prozesse nutze ich als Hausaufgaben oder mal als freiwilliges Übungsmaterial. Selbst wenn ich mein komplettes Schuljahr so schon fertig vorbereitet hätte, würde ich das einem fachfremden Kollegen nie sinnvoll geben können. Wie soll er die Schülerergebnisse sinnvoll für ein passendes Tafelbild, das von den Schülern maßgeblich beeinflusst wird, bündeln? Wie soll er Fragen beantworten? Selbst Fachkollegen, die die konkreten Voraussetzungen der Klasse und meine Intention nicht im Detail kennen, könnten Probleme haben,meine Vorbereitung vernünftig zu nutzen.
    • Sagt mal, wie ist denn das bei euch so mit dem Vertretungsunterricht? Die Frau behauptet ja: "Denn speziell am Gymnasium meiner Kinder war es oftmals so, dass der Vertretungslehrer Klassenarbeiten korrigiert oder einen Film zeigt."
      Aus meiner eigenen Schulzeit in der Sek. I kann ich das leider bestätigen, das war aber auch in einem anderen Jahrhundert.

      Unsere Schulleitung erwartet von jeder Lehrkraft, dass sie auch in Vertretungsstunden Unterricht macht und nicht rumgammelt, und das kann ich auch verstehen.

      Wenn man vorher absehbar nicht da ist, wird man um Vertretungsaufgaben gebeten. Wenn man morgens anruft, wird auch danach gefragt, zumindest ob man was zum aktuellen Thema sagen kann. Wenn nicht, ist das auch ok. Dann kommt entweder eine Lehrkraft, die mit der Klasse die Aufgaben bearbeitet oder selbstständig unterrichtet, oder (was ich auch gut finde) es kommt eine Lehrkraft, die ohnehin in der Klasse ein Fach unterrichtet, und hält stattdessen Stunden ihres eigenen Faches.

      Wenn ich vorher weiß, dass ich vertrete, dann bereite ich diese Stunde auch entsprechend vor. Eventuell schreibe ich dem Fachlehrer eine kurze Mail, wenn er (trotz Krankheit) kurz antwortet, ist das gut, wenn nicht, dann auch. Ich würde bei uns nie auf die Idee kommen, die vertretenen Stunden zu verschwenden.

      Leider erinnere ich mich aber auch an meine letzten Schulen, in denen Filme/Spiele so häufig waren, dass die Schüler regelrecht schockiert waren, wenn man in Vertretungsstunden
      unterrichten wollte. :stumm:
    • DeadPoet schrieb:

      Ist Unterrichtsausfall - so lange nicht über Wochen ein bestimmtes Fach ausfällt - wirklich das große Problem, zu dem er gemacht wird? In meiner Schulzeit fiel Unterricht aus - manchmal sogar viel. Dann haben wir uns - Akademikerhaushalt oder nicht - über mehr freie Zeit gefreut. Die Schulaufgaben und das Abi hat das jetzt aus der Erinnerung heraus nicht negative beeinflusst.
      Ich hatte vor zwei oder drei Jahren mal gesundheitlich einen ziemlichen Durchhänger und bin einige Stunden ausgefallen - sogar in meinem Abiturkurs. Am Schuljahresende war ich dennoch mit allen Klassen fertig und der Kurs hat das (Zentral)Abitur auch gut gemeistert ...

      Etwas ketzerisch: Wenn irgend etwas nicht passt, wird es auf Unterrichtsausfall "geschoben", andere Gründe, die z.T. für Eltern oder Schüler unangenehmer sind, weil sie mehr in ihrer Eigenverantwortung liegen, fallen unter den Tisch.

      Ich kenne es aber von meiner Schule auch nur so, dass Vertretungen nach folgendem Prinzip eingeteilt werden:
      - an erster Stelle ein Lehrer, der die Klasse in einem anderen Fach unterrichtet. Fehlt der Mathe-Lehrer, gibt es halt eine Stunde mehr Deutsch oder Englisch
      - an zweiter Stelle ein Lehrer, der das Fach der abwesenden Lehrkraft unterrichtet - und es wird, anders als in dem Interview, Unterricht gehalten
      - nur im Notfall kommt ein Lehrer, der weder Fach noch Klasse hat ... die Erwartung (die meist auch erfüllt wird) ist, dass dennoch Unterricht statt findet (Grundlagen in Mathe wiederholen, Englisch Grammatik
      Nö. Bei uns ist das anders:

      1. Lehrer, bei denen irgendetwas ausfällt, weil die Klasse auf Exkursion ist etc....
      2. Vollzeitlehrer, die im laufenden Monat weniger als 3 Vertretungsstunden hatten.
      3. Wenn das nicht geht, Teilzeitlehrer, die werden sowieso bezahlt, aber man verhindert, dass man die ersten 3 gehaltenen Stunden der Vollzeitlehrer mitbezahlen muss

      Es geht nicht um Sinnhaftigkeit, sondern um Kosteneffizienz.

      Den Sinn, den es hat, wenn ich als Spanischlehrerin Mathe in Klasse 9 unterrichten soll, habe ich noch nie verstanden. Bei mittleren Stunden verstehe ich das ja, da gibt es eine Aufsichtspflicht, aber bei Randstunden ist das vollkommen sinnbefreit.

      Zumal wir ja auch erst morgens, ein paar Minuten vor dem eigenen Unterricht erfahren, dass wir vertreten müssen, da kann man eh nichts mehr vorbereiten, erst recht nichts fachfremd.
    • Trapito schrieb:

      Unsere Schulleitung erwartet von jeder Lehrkraft, dass sie auch in Vertretungsstunden Unterricht macht und nicht rumgammelt, und das kann ich auch verstehen.
      Unsere Schulleitung setzt die Kollegen im Vertretungsunterricht gleich mehrfach ein. Also der Kollege, der zufällig im Nebenraum seinen regulären Unterricht macht, schließt dann nebenan noch auf, wirft den Schülern irgendein Arbeitsblatt (oder was er gerade für die Vertretung in die Hand bekommen hat) vor die Füße und macht dann seinen eigenen Unterricht im Nebenraum. Sollten gerade freie Kollegen da sein, werden die eingesetzt oder wenn die eh in der Klasse Unttericht hätten, wird deren Unterricht vorgezogen.

      Für die Statistik ist das natürlich sehr gut, weil es keine Ausfallstunden gibt. So wird dann auch die 8. Stunde verteten. Das das natürlich die reinste Rennerei wird, wenn man neben seinem eigenen Unterricht parallel noch in zwei Klassen vertreten soll, dürfte offensichtlich sein. Aber in der Sek II müssen die Schüler ja nicht mehr beaufsichtigt werden, sie müssen sich rein rechtlich nur noch beaufsichtigt fühlen. Ich darf während der Stunde also den Klassenraum verlassen so lange die Schüler durchgehend damit rechnen müssen, daß in jeder Sekunde irgendein Kolege in den Raum kommen könnte.
    • Bei euch hört sich das so an, dass euer Unterricht nur aus Arbeitsblättern besteht, die der Reihe nach bearbeitet werden, oder eben Lehrbuchtexten, die der Reihe nach gelesen werden.

      Ist das echt so? Ich unterrichte ja Fremdsprachen und ja, da gibt es AB UND ZU mal ein AB, aber nicht jede Stunde. Ich habe auch gar nicht so viele Vorlagen und selber erstellen schaffe ich ja zeitlich gar nicht, dass ich die Schüler jeweils 45 Minuten mit ABs beschäftige.

      Ganz viele Sachen sind nur in meinem Kopf geplant, mit ein paar Notizen. Z.B. Kommunikationsübungen, Schreibübungen, Rollenspiele, aber auch Übungen zu einem Text, den wir schon längst gelesen haben (Analyse etc.).
      Damit könnte jetzt ein anderer Lehrer gar nichts anfangen, ohne ewig lange Erklärungen und ein fachfremder schon mal gar nichts.

      Also mein Unterricht sieht irgendwie ganz anders aus als "Danebenstehen und Aufpassen".
    • Unsere Schule hat ein tragfähiges Konzept, finde ich. Zunächst befinden sich in meinem Stundenplan zwei 45-Minuten-Stunden (75%-Stelle), an denen ich Vertretungsbereitschaft habe. Das habe ich bei ca. 1000 Schülern und etwa 70-80 Kollegen in meinem Slot mit drei weiteren Kollegen zusammen. Vertretung (fachfremd) ist also erstmal i. d. R. ausreichend abgedeckt und auch nicht mit Frust verbunden.

      Zusätzlich schicken viele Kollegen freiwillig Material. Wenn das mal nicht der Fall ist, dann sind Klasse 7-9 trotzdem gut versorgt, da es bei uns sogenannte "Studienzeiten" für diese Jahrgänge gibt. Für diese Studienzeit befinden sich im Raum zahlreiche Ordner mit sehr aufwendig aufbereitetem Material - sowohl zum Erarbeiten, Übung und Vertiefen in den Kernfächern und einigen Nebenfächern. Die Schüler arbeiten dann selbständig an selbstgewählten Aufgaben weiter und dokumentieren das auch in ihren Studienzeitenheften (die auch mit im Klassenschrank stehen). Voraussetzung in den Jahrgängen ist also nur, dass der Unterricht im Klassenraum vertreten wird.

      Klasse 5/6 kann man häufig auch spontan irgendwie sinnvoll beschäftigen, wenn man fachfremd ist. Im Zweifelsfall rede ich mit Klassen auch gern mal außer der Reihe über "Sicherheit im Internet" oder wir spielen Mathe- oder Vokabelspiele. Die brauchen eh viel spielerische Übung.

      Die Oberstufe ist meistens auch völlig unproblematisch. Wenn ich da mal fachfremd ohne Material vertreten muss (selten), dann frage ich häufig, ob Übungsmaterial im Buch oder auf ABs vorhanden ist und sie organisieren sich dann selbst. Ich achte nur darauf, dass sie dabei bleiben und möglichst nicht daddeln.

      Natürlich meckern die Eltern trotzdem über Ausfallstunden (obwohl es bei uns sehr selten Ausfall gibt, es sei denn, es handelt sich um eine 1. Stunde morgens. Dann wird ab der zweiten vertreten) und über verlorene Vertretungsstunden. Tatsächlich habe ich nur ein einziges Mal unter etlichen Vertretungen einen Film geguckt, weil der Fachlehrer schrieb, die Schüler hätten sich nach den letzten sehr arbeitsintensiven Wochen einen Film ihrer Wahl verdient.

      Wie hoch unser Krankenstand ist und der Anteil der Vertretungsstunden, weiß ich nicht. Ich empfinde es nicht als viel.
    • bluebutterfly schrieb:

      Ich unterrichte Mathe und meine Stundenvorbereitung enthält in der Regel irgendetwas Neues, das die Schüler sich erarbeiten sollen und Übungsgelegenheiten, die häufig im neuen Thema angewandt stattfinden.
      Auch in dem Fall können die Unterlagen selbsterklärend sein. Bei uns ist es an vielen Gymnasien mittlerweile Usus, dass es Phasen gibt, in denen die SuS komplett ohne Lehrer arbeiten, dann *müssen* die Unterlagen selbsterklärend sein. Bei uns nennt sich das Konzept "Selbstlernsemester" und betrifft die Fächer Deutsch, Mathe, Englisch, Französisch und das Schwerpunktfach. In mindestens diesen Fächern müssen also alle Kollegen ihr Material so vorbereiten, dass sie als Lehrperson jederzeit vertretbar sind bzw. eben für die eigentlichen Unterrichtsstunden sogar überflüssig werden.



      bluebutterfly schrieb:

      Selbst Fachkollegen, die die konkreten Voraussetzungen der Klasse und meine Intention nicht im Detail kennen, könnten Probleme haben,meine Vorbereitung vernünftig zu nutzen.

      Das kann nicht sein. Es spiel schlicht und ergreifend keine Rolle, ob ein Fachkollege irgendein mathematisches Detail nun ein bisschen anders erklärt, als Du es geplant hattest weil Mathe ist eben Mathe, unabhängig von der Person, die das Fach unterrichtet. Es ist doch bei euch auch absolut üblich, dass der Fachlehrer im Verlauf der Zeit am Gymnasium regelmässig wechselt. Da muss der übernehmende Kollege dann ja auch einfach so mit der Vorarbeit des abgebenden Kollegen leben und ich schätze, das stellt meist kein Problem dar.


      Anna Lisa schrieb:

      Ganz viele Sachen sind nur in meinem Kopf geplant, mit ein paar Notizen. Z.B. Kommunikationsübungen, Schreibübungen, Rollenspiele, aber auch Übungen zu einem Text, den wir schon längst gelesen haben (Analyse etc.).
      Damit könnte jetzt ein anderer Lehrer gar nichts anfangen, ohne ewig lange Erklärungen und ein fachfremder schon mal gar nichts.
      Nein, ich habe tatsächlich alles entweder auf Papier oder mindestens digital verschriftlicht. Innerhalb meiner Fachschaft kann jeder jeden ganz spontan und beliebig vertreten, weil Chemie einfach immer Chemie ist und es damit völlig unerheblich ist, ob nun Kollege X oder Kollege Y die Ionenbindung oder was auch immer erklärt. Fachfremd wird bei uns einfach nicht vertreten. Die Ehre hatte ich mal an der Berufsschule, war dann zugegeben etwas mehr Aufwand, weil ich im Fachrechnen sämtliche Aufgaben erst mal für mich selbst lösen musste.


      Anna Lisa schrieb:

      Also mein Unterricht sieht irgendwie ganz anders aus als "Danebenstehen und Aufpassen".
      Das klingt so negativ. Für mich ist es ein Qualitätsmerkmal meines Unterrichts, dass ich im Praktikum z. B. wirklich nur noch daneben stehe und aufpasse, dass sich keiner verletzt. Meine Arbeit habe ich dabei ja schon lange vorher erledigt, indem ich die Versuche geplant und die Unterlagen so ausgearbeitet habe, dass die SuS exakt nach Anleitung erfolgreich zum Ziel kommen. Ich fördere und fordere ganz gezielt wann immer es möglich ist die selbständige Arbeit meiner SuS. Ich als Person bin dabei nur im Hintergrund wichtig.

      @bluebutterfly Dein Beitrag Nr. 28 klingt doch nach einem sehr vorbildlichen Vertretungskonzept. Ich verstehe daher nicht, warum Du einen Beitrag likesd, in dem jemand meine Ausführungen zum Vertreungsunterricht mit vorgefertigten Arbeitsblättern kritisiert. Ein Problem, warum es offenbar häufig nicht läuft mit dem Vertretungsunterricht, scheint ja gerade die Tatsache zu sein, dass sich einige Kollegen für unersetzlich halten.


      Das viel grössere und eigentliche Problem scheint ja der Personalmangel in Kombination mit einem an einigen Schulen offenbar absurd hohen Krankenstand zu sein (zu den 20 % hat sich bisher ja noch keiner äussern wollen). Wir haben als Schule einfach den immensen Vorteil, dass von ca. 120 Kollegen nur ca. 5 (inkl. derzeit mir selbst) eine 100 % Anstellung haben. Der ganze Rest arbeitet nur mit einem max. 80 % Deputat. So hat man einfach immer genug "Verschiebemasse". Während Kollegin X im Mutterschutz ist, bekommt die vertretende Kollegin Y eben 4 Lektionen pro Woche mehr in die Stundenbuchhaltung, die sie das Schuljahr drauf wieder abfeiert. Krankheitsbedingte Vertretungen werden in der Regel wie gesagt direkt ausbezahlt.

      Mikael schrieb:

      Dann schlag doch bei eurer nächsten Lehrerkonferenz einfach vor, bei euch "Minusstunden" einzuführen. So ganz basisdemokratisch, wie die Schweizer das gewöhnt sind...

      Keine Sorge, dass fällt unserer zuständigen Regierungsrätin bestimmt noch irgendwann selbst ein, dass man das so machen könnte ;) Jetzt aber mal extra nur für Dich eine kleine Stunden-Rechnung aus meinem Arbeitsalltag: Ich betreute in diesem Schuljahr 4 Maturarbeiten, davon sind 3 experimentelle Arbeiten. Pro betreuter MA bekomme ich ein Semester lang 0.4 Wochenlektionen gut geschrieben. Unseren Maturanden wird während zwei Wochen eine Freistellung vom Regelunterricht gewährt um während dieser Zeit intensiv an der MA arbeiten zu können. Das bedeutet natürlich, dass für die in den fraglichen Klassen unterrichtenden Lehrpersonen während dieser zwei Wochen der Regelunterricht auch ausfällt. In meinem Fall waren das sagenhafte 13 Lektionen, die ich in der ersten Freistellungwoche weniger zu unterrichten hatte. Dafür bin ich die komplette (!) Woche lang von 8 - 18 Uhr mit den Maturanden im Labor gehockt um die experimentellen Arbeiten zu betreuen. Jetzt darfst Du selber ausrechnen, ob ich am Ende ein Stunden-Minus oder doch eher ein Plus hatte. ;) Die zweite Freistellungswoche wurde kurzerhand zu einer Sonderwoche umfunktioniert, in der ich vor lauter schulinterner Weiterbildung noch nicht mal meiner MA-Betreuungspflicht im vollen Umfang nachkommen konnte. Ist jetzt aber alles leicht OT. :)
    • Wollsocken, das liegt aber dann an deinen Fächern. In NW mag das so gehen, in den Fremdsprachen ganz sicher nicht, weil ja ein wesentlicher Teil aus Kommunikation besteht und auch aus einer Diskussionskultur.

      Ja, vielleicht mag jeder Chemielehrer spontan eine Unterrichtsstunde zu Ionenverbindungen durchführen können. Das ist ja in der Tat immer dasselbe.

      Aber wenn ich z.B. gerade das Thema "Australien" mache und zuletzt über "School of the Air" gesprochen habe, kann man dazu ungefähr eine Million verschiedener Stunden machen, je nachdem ob ich einen Methodenstunde mache, Textarbeit, Hörverstehen, eine argumentative Stunde, eine Stunde mit Sprechanlässen etc. etc. etc.

      Es nützt einem Vertretungslehrer auch nix, wenn ich die Rede des Königs als HV mitgebe und einen passenden Lückentext. Der ist dann nach 20 Minuten fertig. Ich mache aus dem Material eine Doppelstunde mit Wiederholungsschleifen etc. Das geht auch ohne Material.
    • Obwohl sie selbst Lehrerin ist, passiert ihr als Mutter der typische short cut. Die Lehrer sollen mal bitte zugeben, dass zuviel Unterricht ausfällt - als ob wir es wären, die das verschleiern.

      Wenn Lehrer in Vertretungsstunden Zeitung lesen oder Filme zeigen, ist das ganz sicher nicht ideal, weder was den Lernerfolg noch was die Außenwirkung betrifft, aber oft gar nicht die Entscheidung von Lehrern. Da echte Vertretundsstunden irgendwann bezahlt werden müssen, gibt es zusätzlich die Erfindung der sog. Aufsichtsstunden, in denen Lehrer angeblich gar nicht arbeiten und die deshalb auch nicht bezahlt werden müssen. Natürlich könnte man jetzt einfach trotzdem Unterricht machen. Viele tun das, mit schlechtem Gewissen den jungen Kollegen gegenüber, die trotz Bestnoten und offenkundigem Lehrermangel nicht eingestellt werden. Und die hätten sicherlich auch gerne die eingesparte Stelle an der Berufsschule der eifrigen, aber politisch etwas naiven Dame.
    • Anna Lisa schrieb:

      Aber wenn ich z.B. gerade das Thema "Australien" mache und zuletzt über "School of the Air" gesprochen habe, kann man dazu ungefähr eine Million verschiedener Stunden machen, je nachdem ob ich einen Methodenstunde mache, Textarbeit, Hörverstehen, eine argumentative Stunde, eine Stunde mit Sprechanlässen etc. etc. etc.
      Und was ist daran jetzt schlimm wenn der Vertretungslehrer sich für die Variante 987 entscheidet und Du die Variante 2351 genommen hättest? Hauptsache die SuS haben in der Stunde Englisch gesprochen und am Thema geübt. Der Vertretungsleher dokumentiert ja, was er gemacht hat, daran kannst Du wieder anknüpfen. Englisch ist genauso immer dieselbe Sprache wie Ionenbindung in der Chemie immer das gleiche Thema ist, das man an zig verschiedenen Beispielen völlig gleichwertig erklären kann.

      Das hast Du vermutlich überlesen:

      Wollsocken80 schrieb:

      Bei uns nennt sich das Konzept "Selbstlernsemester" und betrifft die Fächer Deutsch, Mathe, Englisch, Französisch und das Schwerpunktfach. In mindestens diesen Fächern müssen also alle Kollegen ihr Material so vorbereiten, dass sie als Lehrperson jederzeit vertretbar sind bzw. eben für die eigentlichen Unterrichtsstunden sogar überflüssig werden.

      Selbsterklärende Unterlagen und Unterrichtskonzepte kann und muss es auch in den Sprachen geben.

      Anna Lisa schrieb:

      Es nützt einem Vertretungslehrer auch nix, wenn ich die Rede des Königs als HV mitgebe und einen passenden Lückentext. Der ist dann nach 20 Minuten fertig. Ich mache aus dem Material eine Doppelstunde mit Wiederholungsschleifen etc. Das geht auch ohne Material.
      Auf die Idee wird ein Fachkollege hoffentlich dann auch kommen. Klingt für mich jetzt nicht so wahnsinnig kompliziert.
    • Wollsocken80 schrieb:

      bluebutterfly schrieb:

      Ich unterrichte Mathe und meine Stundenvorbereitung enthält in der Regel irgendetwas Neues, das die Schüler sich erarbeiten sollen und Übungsgelegenheiten, die häufig im neuen Thema angewandt stattfinden.
      Auch in dem Fall können die Unterlagen selbsterklärend sein. Bei uns ist es an vielen Gymnasien mittlerweile Usus, dass es Phasen gibt, in denen die SuS komplett ohne Lehrer arbeiten, dann *müssen* die Unterlagen selbsterklärend sein. Bei uns nennt sich das Konzept "Selbstlernsemester" und betrifft die Fächer Deutsch, Mathe, Englisch, Französisch und das Schwerpunktfach. In mindestens diesen Fächern müssen also alle Kollegen ihr Material so vorbereiten, dass sie als Lehrperson jederzeit vertretbar sind bzw. eben für die eigentlichen Unterrichtsstunden sogar überflüssig werden.
      Ich habe auch nicht gesagt, dass es generell nicht geht. Bei mir ginge es halt zur Zeit nicht. Ich unterrichte seit einem Schuljahr und habe noch keinen großen Fundus fertiger Materialien, die von vorne bis hinten durchdacht und dann auch noch universell vom fachfremden bis fachkundigen Lehrer umsetzbar wären.

      Phasen, in denen Schüler bei uns (selbstverständlich) weitestgehend ohne Lehrer arbeiten, gibt es bei uns bzw. bei mir natürlich auch in großem Umfang. Aber danach kommt eigentlich IMMER eine Phase der Plateaubildung oder Sicherung, in der die Schüler ihre Ergebnisse zusammentragen, wir Fragen klären und ein Tafelbild erstellen. Danach gibt es dann ein/zwei kleine Übungsaufgaben dazu, um zu überprüfen, ob jeder den Kern der Sache begriffen hat. Während der Erarbeitungsphase gehe ich schon vorher rum und schaue, welche Lösungen ergiebig aussehen (auch gezielt fehlerbehaftete oder komplizierte) und lasse die dann möglichst so vorstellen, dass sich mein erhofftes, aber nicht vorformuliertes Tafelbild aus den Schülerbeiträgen heraus entwickeln lässt. Mir persönlich verlangt das im Unterricht viel Konzentration und auch im Vorfeld ein klares Bild davon ab, was ich erreichen will.

      Werden die Aufgaben den Kindern vorgelegt, anschließend mit der Musterlösungen abgeglichen und wird dann eine vorgefertigte Definition an die Tafel geklatscht, dann ist der Effekt ein ganz anderer. Außerdem ist das Abgleichen (meiner) Aufgaben in der Regel gar nicht so leicht, weil ich häufig in Erarbeitungen offen lasse, ob Lösungen zeichnerisch, rechnerisch, durch Schätzung oder sonstwie entwickelt werden. Oder wenn eine konkrete Lösungsstrategie verwendet werden soll, dürfen die Schüler eigene Aufgaben dazu entwickeln und sie anwenden und vergleichen.

      Wenn ich im Krankheitsfall Vertretungsstunden vorbereite, dann suche ich in der Regel andere Aufgaben raus - nämlich "mechanisches Üben" oder Erarbeitungen am Text. In meinem eigenen Unterricht finde ich die Zeit dafür aber zu schade. Lesen oder mechanisch üben können die Kinder auch zu Hause im eigenen Tempo.

      ---

      Und dass du schreibst, es könne nicht sein, dass selbst Fachkollegen meine Unterrichtsvorbereitung nicht einfach so umsetzen könnten, finde ich absurd. Du kennst doch meine Vorbereitung überhaupt nicht. Natürlich kann ich sagen: "Die können jetzt grob xy, mach mal yz mit denen" oder "Üb' mal zx.". Darum ging es doch aber nicht. Es ging um konkretes Unterrichtsmaterial oder nicht?

      "Mathe ist Mathe" ist auch ein eigenartiger Spruch. Wenn ich den Satz des Pythagoras unterrichte, dann kann ich das auf etlichen Ebenen verfolgen. Hinter dem Inhalt steckt noch so viel mehr. Das nennt sich bei uns "prozessbezogene Kompetenzen".

      Die Intention einer Stunde zum Satz des Pythagoras kann total unterschiedlich sein:
      * Experimentelles Entdecken des Satzes und Hypothesen bilden, Begriffsbildung
      * Entdecken und Begründen/Argumentieren (schwer zu unterrichten, besonders wenn das Vorwissen der Schüler nicht bekannt ist oder was genau in letzten Unterrichtsstunden stattgefunden hat)
      * Verständnis der Definition herausbilden, indem Beispiele und Gegenbeispiele zur Anwendbarkeit von Pythagoras gebildet und diskutiert werden
      * Nach "Schema F" Anwenden des Satzes (einfach zu vertreten)
      * ...

      ---

      Eigenartig finde ich auch, dass du kritisierst, dass ich einen kritisch-hinterfragenden Beitrag zu vorgefertigten Arbeitsblättern like, die man nicht weiter kommentieren muss. Es gibt Stunden, in denen Arbeitsblätter sehr wertvoll sind. Es gibt Konzepte wie bei uns die sogenannten "Studienzeiten", die ausschließlich darauf basieren (Umfang: 1,5h die Woche). Aber das heißt noch lange nicht, dass ich 100% meines Unterrichts so gestalte. Das würde ich unbefriedigend finden - vor allem für die Schüler. Einige können sich hervorragend selbst organisieren und arbeiten toll an Arbeitsblättern. Andere bringen sich aktiv in Unterrichtsgesprächen oder Vorstellungen ein, aber Konzentration allein - Fehlanzeige. Ich will alle irgendwann mal bedienen. Nur mit Arbeitsblättern und Texte lesen werde ich das nicht erreichen. Für Vertretungsstunden sind das aber sehr geeignete Methoden, denke ich.

      "Meine Arbeit habe ich dabei ja schon lange vorher erledigt, indem ich die Versuche geplant und die Unterlagen so ausgearbeitet habe, dass die SuS exakt nach Anleitung erfolgreich zum Ziel kommen. Ich fördere und fordere ganz gezielt wann immer es möglich ist die selbständige Arbeit meiner SuS. Ich als Person bin dabei nur im Hintergrund wichtig."

      Für Experimente in Chemie ist das sicher auch schon aus Sicherheitsgründen total sinnvoll. Meine Schüler sollen in Mathe aber möglichst häufig eigene Wege finden. Das fördere ich immer und immer wieder, wo ich kann. Sie sollen die Inhalte ja begreifen und nicht einfach die Lösungswege herunterbeten.

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    • bluebutterfly schrieb:

      "Mathe ist Mathe" ist auch ein eigenartiger Spruch. Wenn ich den Satz des Pythagoras unterrichte, dann kann ich das auf etlichen Ebenen verfolgen. Hinter dem Inhalt steckt noch so viel mehr. Das nennt sich bei uns "prozessbezogene Kompetenzen".
      Das was hinter dem Inhalt steckt, ist aber nicht personenspezifisch, sprich das kannst Du genauso gut vermitteln, wie jeder andere Kollege, der im Fach ausgebildet ist. Naja, vllt kann es der eine ein bisschen besser, als der andere, abhäng von seinen didaktischen Fähigkeiten, aber das hat wiederum nichts mit Vertretungsunterricht zu tun.


      bluebutterfly schrieb:

      Und dass du schreibst, es könne nicht sein, dass selbst Fachkollegen meine Unterrichtsvorbereitung nicht einfach so umsetzen könnten, finde ich absurd. Du kennst doch meine Vorbereitung überhaupt nicht. Natürlich kann ich sagen: "Die können jetzt grob xy, mach mal yz mit denen" oder "Üb' mal zx.". Darum ging es doch aber nicht. Es ging um konkretes Unterrichtsmaterial oder nicht?
      Ja richtig. Wenn Dein Unterrichtsmaterial so kryptisch ist, dass ich es als Fachkollege nicht nachvollziehen kann, dann ist was schief gelaufen. ;) Es spielt an der Stelle überhaupt keine Rolle, ob der Vertretungslehrer 1 : 1 genau das macht, was Du im Unterricht gemacht hättest, solange er Deinen roten Faden beibehält. Noch nicht mal das müsste er, würde aber Dir die Arbeit hinterher erleichtern. Du bist Berufsanfängerin - natürlich stresst Dich der Gedanke, dass jemand Deinen Plan durcheinander bringen könnte. Glaub mir, das legt sich mit der Zeit. Ich hab das mit den sprichwörtlich "vielen Wegen nach Rom" auch akzeptieren lernen müssen. Es ist aber so. Ganz massiv lerne ich das gerade, da ich meinen ersten eigenen Studenten betreue und mir der mein Konzept in meinen Klassen ganz gewaltig durcheinander bringt. Für den Lernfortschritt meiner Schüler ist das erstaunlich egal. Hat was verstörendes und beruhigendes zugleich - ich bin nicht wichtig (= schade eigentlich ...), ich bin jederzeit vertretbar (= gut, dass ich auch einfach mal krank sein kann).


      bluebutterfly schrieb:

      Werden die Aufgaben den Kindern vorgelegt, anschließend mit der Musterlösungen abgeglichen und wird dann eine vorgefertigte Definition an die Tafel geklatscht, dann ist der Effekt ein ganz anderer.
      Wieso sollte das im Vertretungsunterricht bei einem Fachkollegen so sein? Eine Musterlösung verbietet dem Kollegen doch nicht, mit den SuS verschiedene Lösungswege zu diskutieren. Musterlösungen sind eigentlich vor allem für schnelle SuS hilfreich, die sich damit selbst überprüfen und dann selbständig im Stoff weiterarbeiten können.


      bluebutterfly schrieb:

      Phasen, in denen Schüler bei uns (selbstverständlich) weitestgehend ohne Lehrer arbeiten, gibt es bei uns bzw. bei mir natürlich auch in großem Umfang. Aber danach kommt eigentlich IMMER eine Phase der Plateaubildung oder Sicherung, in der die Schüler ihre Ergebnisse zusammentragen, wir Fragen klären und ein Tafelbild erstellen.
      Wie lange dauert denn in der Regel eine Krankheitsvertretung? Das ist mal ne Woche oder so. Ist doch kein Problem, dass in der Woche erst mal alles abgearbeitet wird, was an Übungsaufgaben da ist und im Anschluss an die Vertretung eine Stunde stattfindet, in der allfällige Fragen geklärt werden.


      bluebutterfly schrieb:

      Für Experimente in Chemie ist das sicher auch schon aus Sicherheitsgründen total sinnvoll. Meine Schüler sollen in Mathe aber möglichst häufig eigene Wege finden. Das fördere ich immer und immer wieder, wo ich kann. Sie sollen die Inhalte ja begreifen und nicht einfach die Lösungswege herunterbeten.
      Du hast auch eine interessante Vorstellung vom Chemieunterricht ;) Was glaubst Du, wie viele Freiheitsgrade einem Schüler immer noch beim experimentellen Arbeiten bleiben, selbst wenn er eine Anleitung hat. Wie häufig ich mir schon gedacht habe "ach ... so kann man es auch machen" und mich schwer zusammenreissen musste, nicht aufzustehen und dem Schüler das Material aus der Hand zu nehmen. :)
    • Bei euch scheint es da extra Vorgaben zu geben. Mir hat noch kein Mensch gesagt, ich müsse meine Unterrichtsvorbereitung so vorhalten, dass andere sie entziffern können müssen. Freiwillig für die wenigen Tage im Jahr, die ich fehle, finde ich den entstehenden Mehraufwand auch tatsächlich zur Zeit nicht gerechtfertigt. Vielleicht dann, wenn ich nach zwei/drei Unterrichtsgängen beurteilen kann, ob ich die Stunde wirklich so für die Zukunft konservieren will. Dann mache ich das aber immer noch primär für mich und nicht für einen anderen Vertretungslehrer.
    • kodi schrieb:

      Das ist reine Akademikerarroganz und stimmt meiner Beobachtung nach nicht.
      Ich denke sie hat allerdings damit Recht, dass Versäumnisse der Schule/Ausfallstunden bei Kindern aus bildungsfernen Elternhäuser stärker durchschlagen. Das liegt aber eher daran, dass diese Elternhäuser in der Regel nicht die Ressourcen haben, um Versäumnisse der Schule privat mit den Kindern aufzuarbeiten. ... und das darf eigentlich auch nicht nötig sein.
      Glaubst du wirklich, dass die wenigen Ausfallstunden bei Kindern aus bildungsfernen Elternhäusern einen Unterschied machen? Besonders in der Unter- und Mittelstufe? Vertretungsstunden werden nur gehalten, um die Statistik zu schönen.

      Miss Jones schrieb:

      Ich würde die "Schuld" nicht mal unbedingt im (oftmals nicht gerade berauschenden) Vertretungssystem suchen, sondern auch in der Gesellschaft an sich: Sie spricht von "Familien"... wie oft sind das mitterweile Alleinerziehende? Und - selbst wenn die nicht bildungsfern sind, vielleicht selbst Abitur haben, wieviel Zeit haben die denn überhaupt, sich um die Hausaufgaben und sonstige schulische Probleme der Kinder zu kümmern?
      Das potenziert sich dann natürlich noch - Wenn Probleme kommen, die für die Eltern völlig fremd sind, weil sie die Themen in ihrer Schule nie hatten, vielleicht nicht mal die Sprache kennen...
      Das Erlernen von Eigenverantwortung und Selbständigkeit ist ein wichtiger Schritt in Richtung Studierfähigkeit.
    • Übrigens halte ich mich auch absolut nicht für unersetzbar. Vielleicht reden wir aneinander vorbei. Es geht mir nur darum, dass ich nicht mal eben meine schon fertigen Notizen zur Unterrichtsvorbereitung jemand anderem als geeignetes Unterrichtsmaterial geben kann, wenn ich spontan ausfalle, weil es eben meine ganz persönliche Vorbereitung mit entsprechenden Lücken, Schwammigkeiten und gezielt offen gelassenen Punkten ist.

      Wer jede Stunde idiotensicher umsetzbar dokumentiert hat: Klasse, gerne her damit. Vielleicht kann ich's ja gut umsetzen. Ich finde nur nicht, dass man das von Lehrern auch noch erwarten kann.

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    • bluebutterfly schrieb:

      Vielleicht reden wir aneinander vorbei. Es geht mir nur darum, dass ich nicht mal eben meine schon fertigen Notizen zur Unterrichtsvorbereitung jemand anderem als geeignetes Unterrichtsmaterial geben kann, wenn ich spontan ausfalle, weil es eben meine ganz persönliche Vorbereitung mit entsprechenden Lücken, Schwammigkeiten und gezielt offen gelassenen Punkten ist.
      Also jetzt werde ich aber wirklich neugierig ... Wie "schwammig" kann Deine Vorbereitung denn sein, dass ein Fachkollege, wenn das Stundenthema sagen wir gerade "Satz des Pythagoras" ist, nicht nachvollziehen kann, was Du in dieser Stunde hättest machen wollen? Wenn ich einen Kollegen vertrete, dokumentiere ich, was ich gemacht habe und dann kann der Kollege sich hinterher immer noch überlegen, ob ich irgendwas seiner Meinung nach total Wichtiges unterschlagen habe, das er unbedingt noch nachschieben muss.

      Ich habe auch schon einen Berufsanfänger vertreten und sollte ein für die Schüler erfahrungsgemäss eher lästiges Thema besprechen, bei dem es häufig zu Verständnisproblemen kommt. Beim Durchsehen der Unterlagen des Kollegens war mir schon klar, dass weder die Anzahl der Übungsaufgaben ausreicht, noch die Erklärung im Skript überhaupt für alle verständlich ist. Also habe ich kurzerhand und spontan die Stunden nach meinen Vorstellungen gehalten und mit dem Kollegen hinterher die Problematik besprochen. Auch sowas darf passieren - sowohl die SuS, als auch der Kollege haben an der Stelle von meiner Erfahrung profitiert. Das funktioniert natürlich nur, wenn man in einem Kollegium arbeitet, in dem jeder offen für konstruktive Kritik ist.
    • Landlehrer schrieb:

      Das Erlernen von Eigenverantwortung und Selbständigkeit ist ein wichtiger Schritt in Richtung Studierfähigkeit.
      Das ist zwar richtig - aber hier mMn die "falsche Baustelle". Denn jegliche "materialien" sind da abzuholen, wo sie sich befinden.

      Wollsocken80 schrieb:

      Das funktioniert natürlich nur, wenn man in einem Kollegium arbeitet, in dem jeder offen für konstruktive Kritik ist.

      Da sagst du was wahres... und das könnte vielerorts ein ziemliches Problem sein...
      Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
    • bluebutterfly schrieb:

      zeit.de/gesellschaft/schule/20…terrichtsausfall-schueler
      Mir fällt da folgende Stelle auf:

      Viel wäre schon gewonnen, wenn das Kollegium dort den Missstand der vielen Unterrichtsausfälle anerkennen und sich verpflichten würde, in Vertretungsstunden lehrplankonform zu unterrichten.
      Als ob uns der Missstand nicht bekannt wäre. Wie wäre es damit, dass die politisch Verantwortlichen die Voraussetzungen dafür schaffen, dass sinnvolleer Vertretungsunterricht möglich ist? Dazu müssten sie aber die personellen Ressourcen anpassen.

      Insofern ist auch die in diesem Thread geführte Diskussion, wie denn nun der perfekte Vertretungsunterricht auszusehen hat, nicht zielführend. Im Rahmen meiner dienstlichen Verpflichtungen habe ich werde die Möglichkeit, allen Unterricht so vorzubereiten, dass er auch ohne mich läuft, noch kann ich einfach mal so eine Vertretung aus dem Hut zaubern.

      Und wenn man schon mal dabei ist, kann man sich auch mal Gedanken darüber machen, wie man ein Arbeitsumfeld herstellt, in dem man weniger krank wird. "Man" sind natürlich wieder die Verantwortlichen, die den lieben langen Tag darüber schwadronieren, wie wichtig Bildung ist, dann aber die dafür benötigte Kohle nicht locker machen.