Rechtschreibfehler: Wort in der Lautierung nicht erfasst. Hattet ihr schon ähnliche Fälle?

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      @Jazzy: Ehrlich gesagt ist es erschreckend, wenn eine Sechstklässlerin so schreibt, da man sich dann fragt, was die vorangegangen 5 Jahre im Deutschunterricht (nicht) passiert sein muss. Denn in dem Textausschnitt sind viele Fehler dabei, die höchstens noch im 1. Schuljahr passieren sollten, die aber bei Nichtbehebung den ganzen folgenden Rechtschreibunterricht ab Klasse 2 für die Katz werden lassen, da die absoluten Grundlagen fehlen. Ist die Schülerin türkischen oder anderen arabischen Hintergrundes? Das würde nämlich den einen oder anderen Fehler (z.B. den Laut "sch" als "s" verschriftlicht) erklären. Ich vermute mal, dass die Schülerin Schriftsprache nach dem "Schreiben nach Gehör"-Prinzip (Anlauttabelle?) lernte, da viele Fehler der Schülerin keiner wirklichen Regelmäßigkeit folgen, sondern schlichtweg beliebig sind. Da hat die Schülerin in den frühen Schuljahren nicht gelernt, dass die Verschriftlichung der deutschen Sprache, wie auch im Fach Mathematik, gewissen Prinzipien und Mustern folgt. Zielführender wäre die Arbeit mit Basisgraphemen gewesen, mit der sie am Ende der 1. Klasse die Worte immerhin bereits so verschriftlicht hätte:
      Tube - Tube
      Röke - Röcke
      Scherben (evtl. Scheaben) - Scherben
      Dekel - Deckel
      Pikel - Pickel
      Kiefer - Kiefer
      Filter - Filter
      Salbe - Salbe.
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      Hallo Lehramtsstudent,

      du verstehst meinen Text nicht. Ich beschreibe hier ein Kind mit LRS. Das Kind hat eine anerkannte Teilleistungsschwäche und wird gefördert und erhält Nachteilsausgleiche. Das hat nichts mit einem Migrationshintergrund zu tun (hat sie nicht) oder der Methode (natürlich hat sie danach gelernt). Sie hat eine eingeschränkte Gymnasialempfehlung und auf unserer Schule nur 1er und 2er.
      Ich finde es erschreckend, pauschal die letzten 5 Jahre des Deutschunterrichts in Frage zu stellen. Nur weil man Deutschlehrer ist, muss man sich nicht auf dem Gebiet der LRS Förderung auskennen oder diese kompetent beherrschen. Ich hatte eine halbjährige Fortbildung zu diesem Thema. In der Regel findet die Förderung extern statt und nicht in der GS. Weiterhin sind die meisten Lehrwerke, die mir dazu bisher begegnet sind, nicht wirklich geeignet. Abschließend sei erwähnt, dass dieses Kind bereits seit einem Jahr von mir gefördert wird. Es liegt nicht immer an dem Migrationshintergrund, der Methode oder der Lehrkraft. Die Schwäche bedarf einer enormen Aufmerksamkeit und Zuwendung, damit sie vielleicht irgendwann annähernd behoben wird.
      Abgesehen davon gibt es keine Fehler, die man in der ersten Klasse macht und dann in der zweiten Klasse nicht mehr machen darf. Ihr müsst doch Entwicklungspsychologie an eurer Uni durchnehmen. Der Schriftspracherwerb verläuft nicht linear oder in Stufen (wie ich es damals noch gelernt habe), sondern ist immer wieder ein Überdenken und Überprüfen des Erlernten. Dadurch können bei neuen Wörter immer wieder neue, bzw. alte Fehler auftauchen.

      LG
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      Tja, in Brandenburg und Berlin ist jedoch der normale Deutschlehrer als Fachkraft für LRS (!) eingesetzt und muss das alles wuppen können. Gerne im eigenen Unterricht, weil meist die Stunden für Förderkurse fehlen. Und dann muss ich nachweisen zum ÜbergangsVerfahren auf die weiterführende Schule, wie ich denn gefördert habe und Förderpläne einreichen. Finde ich ja auch sinnvoll - wenn es denn eine Förderung geben könnte. Differenzierung hin oder her, aber das LRS Training KANN ich nicht auch noch in meinen 5-6 Stunden Deutschunterricht quetschen, in dem u.U. auch noch I-Kinder und 1-3 Schüler ohne Deutschkenntnisse sitzen (die natürlich auch keine Förderung bekommen, weil die Stunden fehlen).
      immer.gut :-)
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      Jazzy82 schrieb:

      Ich finde es erschreckend, pauschal die letzten 5 Jahre des Deutschunterrichts in Frage zu stellen. Nur weil man Deutschlehrer ist, muss man sich nicht auf dem Gebiet der LRS Förderung auskennen oder diese kompetent beherrschen.
      Selbst wenn man sich fortgebildet hat, kann man davon noch lange nicht zaubern. Es gibt Kinder mit so schwerer LRS, dass die Buchstaben gar nicht visuell geordnet werden können und einige Laute vom Hören nicht unterschieden werden können.
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      Bekommt die Schülerin eigentlich außerschulische Förderung? Bei so einer schweren LRS müsste doch Wiedereingliederungshilfe über das Jugendamt möglich sein um einen externen Therapeuten zu bezahlen (der dann auch im Bereich LRS sicher besser ausgebildet ist als quasi alle Deutschlehrer an Schulen)...
      The price of freedom is eternal vigilance. (Leonard H. Courtney)
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      Valerianus schrieb:

      Bekommt die Schülerin eigentlich außerschulische Förderung? Bei so einer schweren LRS müsste doch Wiedereingliederungshilfe über das Jugendamt möglich sein um einen externen Therapeuten zu bezahlen (der dann auch im Bereich LRS sicher besser ausgebildet ist als quasi alle Deutschlehrer an Schulen)...
      Bei uns bekommen sie das erst, wenn sie aufgrund der Teilleistungsschwäche eine psychische Störung entwickelt haben, das Kind also quasi in den Brunnen gefallen ist. :sauer:
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      Stimmt, das ist der nervige Part, dass du für die Wiedereingliederungshilfe eine seelische Behinderung oder zumindest die Gefahr einer solchen nachweisen musst, aber normalerweise kennen die LRS-Institute vernünftige Ärzte und unabhängige Psychologen die einem da weiterhelfen können (Schulangst, Verweigerung in Lernsituationen, innerfamiliäre Konflikte um Hausaufgaben, man kann da schon was finden).
      The price of freedom is eternal vigilance. (Leonard H. Courtney)
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      Valerianus schrieb:

      Bekommt die Schülerin eigentlich außerschulische Förderung? Bei so einer schweren LRS müsste doch Wiedereingliederungshilfe über das Jugendamt möglich sein um einen externen Therapeuten zu bezahlen (der dann auch im Bereich LRS sicher besser ausgebildet ist als quasi alle Deutschlehrer an Schulen)...
      Morgen zusammen!

      Bei uns bekommen viele Kids außerschulische Hilfe. Meine 9. Klässlerin, die nun so gut schreibt, wurde von dem Psychologen vor einem Jahr abgewiesen mit den Worten: "Ich kann dir nicht mehr helfen." Das ist zwar ehrlich, zeigt allerdings auch, wie viel fehlendes Wissen in diesem Bereich besteht. Der Psychologe ist auf Grundschüler spezialisiert.
      Und natürlich darf man nie vergessen, dass jede Förderung nur so gut funktioniert, wie der Schüler lernwillig ist. Viele Kids haben nach der 5. Klasse den LRS Unterricht geschmissen (wir brauchen eine Unterschrift der Eltern, da sie aus dem normalen Unterricht genommen werden). Die habe ich nun in der 8. Klasse sitzen und sie können kein Wort richtig schreiben. Unter jede Deutscharbeit kommt quasi die gleiche Förderempfehlung. Leider stammen diese Kids aus bildungsfernen Familien und sie werden niemals die deutsche Rechtschreibung beherrschen.
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      Valerianus schrieb:

      Stimmt, das ist der nervige Part, dass du für die Wiedereingliederungshilfe eine seelische Behinderung oder zumindest die Gefahr einer solchen nachweisen musst, aber normalerweise kennen die LRS-Institute vernünftige Ärzte und unabhängige Psychologen die einem da weiterhelfen können (Schulangst, Verweigerung in Lernsituationen, innerfamiliäre Konflikte um Hausaufgaben, man kann da schon was finden).
      So habe ich es bei "meinen" gemacht. Allerdings ist nun der schulpsychologische Dienst sauer auf mich, weil ich die Kinder nicht dort habe testen lassen und versucht mich mit dem Bestehen auf penetranter Übergenauigkeit beim derzeit vorliegenden Antrag zu ärgern. (Die Schule hat einen Rückpfiff erhalten, dass wir jetzt alles dort zuerst zu melden haben. Schade eigentlich.)
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