Gute Klassen - schlechte Klassen?

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Deswegen bin ich sehr froh, dass ich ein Hauptfach (5 Stunden) + Klassenlehrerstunde (1 Stunde) + ab dem 2. Halbjahr ein Nebenfach (2 Stunden) in der Klasse unterrichten kann. Das ist gerade bei den Kleinen notwendig, der Oberstufe ist es wahrscheinlich relativ egal irgendwann. :)
      The price of freedom is eternal vigilance. (Leonard H. Courtney)
    • Wir sehen unsere Klassen als KlassenlehrerInnen häufig und man kann zugucken, wie Klassen abstürzen oder sich positiv entwickeln, bei KL-Wechsel. Deswegen sind einzelne natürlich trotzdem schwierig aber die Dynamik ändert sich. Konflikte klären können, diszipliniert sein, diskussionsfreudig oder still...

      Aus kollegialen Gründen wird das natürlich nicht angesprochen, augenfällig ist es trotzdem.
    • Krabappel schrieb:

      Aus kollegialen Gründen wird das natürlich nicht angesprochen, augenfällig ist es trotzdem.
      haha, schön wäre es. Es vergeht kein einziger Tag, an dem ich nicht ein oder mehrere Kollegen zu mir kommen oder gleich das ganze Lehrerzimmer (wir sind keine große Schule) darüber informieren, wie blöde/anstrengend meine Klasse wieder war. Ich weiß das. Seit mittlerweile mehreren Jahren kämpfe ich und kann jetzt selbst nicht mehr. Habe alle Register gezogen. Bin einfach nur noch fertig und froh, wenn sie dann endlich raus sind. Ich lebe aber in Angst und Ungewissheit: wer kommt danach?
      immer.gut :-)
    • Wir hatten viele Jahre ganz unterschiedliche 1. Klassen. Die von meiner Kollegin und mir waren immer verschrien. Wenn da jemand zur Vertretung rein musste, hieß es: "Herzliches Beileid!" (Schön, das als Klassenleiterin zu hören, wirklich super, wir haben irgendwann das Lehrerzimmer gemieden.) Freitags in der 5. Stunde mussten nur wir unterrichten. Waren wir krank, fiel die Stunde aus. O-Ton Schulleitung: "Da kann man freitags in der 5. keinen mehr reinschicken."
      Ich hatte jahrelang Selbstzweifel. Natürlich habe ich gelernt, wie ich die Kinder beeinflusse. Ich habe sogar überlegt, ob ich ungeeignet bin und eine Umschulung machen sollte.

      Bis.... ja, bis mehrere Kolleginnen das Team der 1. und 2. Klassen verließen und neue nachrückten. Zu diesem Zeitpunkt teilten wir die KiTa-Betreuung neu auf: Eine erfahrene Kollegin + eine neue waren für eine KiTa zuständig. Ich wechselte die KiTa - und meine nächste Klasse war zwar zurückhaltend und nicht besonders schlau, aber einfach lieb. Jeder liebte die Klasse, jeder ging gerne als Fachlehrer rein und ich wurde gelobt. Ich habe nichts anders gemacht als in den anderen Klassen - ich war sogar weniger pädagogisch-erzieherisch tätig und weniger konsequent, das war nämlich weniger nötig.

      Die folgende Klasse hatte einige Probleme im Verhalten mehr, war aber mit Konsequenz und sehr engen Grenzen gut händelbar.
      In diesem Jahr wurde mir sogar unterstellt, ich hätte die ganzen lieben Kinder selber genommen und der Parallelkollegin die verhaltensauffälligen zugeschleust. (Genau, nennt mich Hellseherin und Göttin.)

      Inzwischen werden die KiTa-Gruppen miteinander vermischt und aus jeder KiTa mit großen Schülerzugängen kommen Kinder in jede 1. Klasse. Ferner wird vorher genau geschaut. Seither sind die Klassen ausgewogener, aber ein paar Querschießer gibt es immer. Wenn sich davon mehrere treffen, entsteht auch eine etwas schwierigere Klasse.

      Was ich nebenbei noch anfügen möchte, ist der Zufall. Es gibt so viele verschiedene Charaktere - und in den meisten Klassen sind nur 25 bis 35 davon - da spielt der Zufall dann eben doch noch eine Rolle.
    • Friesin schrieb:

      MrsPace schrieb:

      Ich finde, die Qualität der Klasse steht und fällt mit der Qualität der Klassenleitung und deren pädgogischem Konzept.
      mit diesem erklärungsversuch macht man es sich m.m.n. doch ein wenig zu einfach.
      Ich finde, das LehrerInnenteam und die gemeinsamen Zielsetzungen können ausschlaggebend sein.
      Je mehr KollegInnen am selben Strang ziehen, desto wahrscheinlicher ist es wohl, dass man erfolgreich im Sinne der verfolgten Ziele ist.
      Dazu gehören Schülermotivation, Disziplin, Leistungsbereitschaft, etc.
    • Josh schrieb:

      Ich finde, das LehrerInnenteam und die gemeinsamen Zielsetzungen können ausschlaggebend sein.
      wir haben an der schule ein einheitliches konzept, an das sich --so weit ich das aus den vielen vielen beratungen und dem austausch mitbekomme - tatsächlich alle halten.
      dennoch sind die klassen einfach unterschiedlich.

      im übrigen sind die leistungsstarken klassen nicht automatisch die angenehmeren :pfeif:
      pingo, ergo sum
    • Ich glaube, "gute" Klassen und "schlechte" Klassen hat jeder schon mal erlebt. Das setzt sich bis in die Berufsschulen fort. Als ich noch an einer BBS war, musste ich in zwei Parallelklassen Englisch für Elektriker machen. Und habe ich einfach gelernt für mich selbst, dass man die Klassen nehmen muss, wie sie sind.

      In der 1./2. Stunde hatte ich bei der Klasse A Unterricht. Das waren alles Jungs im Teenager-Alter, aber alle total lieb. Wenn ich sagte: "Lehrbuch S. 56 aufschlagen" habe die das zu 100% gemacht.
      In der 3./4. Stunde hatte ich bei der Klasse B Unterricht. Ich war dieselbe Person, mit den gleichen Materialien, mit den gleichen Methoden. Aber die haben einfach nie das gemacht, was ich gesagt habe. Methodenwechsel hat auch nichts gebracht. Da waren einige "Alpha-Tier-Idioten" drin, die alles bestimmen wollten. Die meisten haben "gekuscht" vor denen. Als junge Frau hatte ich einfach keine Chance. Erst Recht nicht für Englisch. Einige andere ältere (männliche) Kollegen haben ähnliches berichtet. Aber hier habe ich dann einfach gelernt: "Jedes ist seines Glückes Schmid" und erst recht wenn sich um junge Erwachsene handelt.

      Ich kann mich als Lehrer nicht verbiegen und jedem alles Recht machen. Manchmal ist es einfach Zufall, dass ein Haufen "Idioten" in einer Klasse sind. Wenn ich merke, dass ich aber in anderen Klassen viele SuS erreiche, dann kann ich mich darüber erfreuen. Wenn ich dann einige wenige eben nicht erreiche, dann muss ich zwar immer weiter probieren, aber man kommt eben oft an seine Grenzen. Dann ist das eben so.
    • Wolfgang Autenrieth schrieb:

      Andere Klassen haben einen Musikzug (wobei sich aktives Musizieren positiv auf Sozialverhalten und mathematische Fähigkeiten auswirkt)
      Könnte auch andersrum gelagert sein: Von Haus aus bildungsaffinere und sozial kompetentere Schüler musizieren eher aktiv und besuchen die Klassen mit Musikzug.

      edit: Und vielleicht unterstellt man musizierenden Schülern auch automatisch besseres Sozialverhalten und größere Bildungsaffinität. Wie heißt das noch gleich? Ach ja, Pygmalion-Effekt. Funktioniert auch sehr gut mit Latein-, noch besser mit Griechischklassen.
      Ironie im Netz ist wie eine Heugabel im vollen Fahrstuhl: Egal wie vorsichtig man ist, irgendein Idiot sticht sich daran immer ein Auge aus.
    • fossi74 schrieb:

      Könnte auch andersrum gelagert sein: Von Haus aus bildungsaffinere und sozial kompetentere Schüler musizieren eher aktiv und besuchen die Klassen mit Musikzug.

      edit: Und vielleicht unterstellt man musizierenden Schülern auch automatisch besseres Sozialverhalten und größere Bildungsaffinität.
      Hmm ... mag teils was dran sein. Ich beobachte aber in den Naturwissenschaften bei den Musikern tatsächlich im Schnitt ein auffallend gutes Abstraktionsvermögen. Ob sie das jetzt immer schon hatten, oder durchs Musizieren trainiert wird sei dahingestellt. So und so sind Musik-Klassen auch bei uns sehr beliebt, weil sie - wenn auch nicht immer besonders leistungsstark - in der Regel lieb sind.


      Valerianus schrieb:

      Deswegen bin ich sehr froh, dass ich ein Hauptfach (5 Stunden) + Klassenlehrerstunde (1 Stunde) + ab dem 2. Halbjahr ein Nebenfach (2 Stunden) in der Klasse unterrichten kann. Das ist gerade bei den Kleinen notwendig, der Oberstufe ist es wahrscheinlich relativ egal irgendwann.
      Auch das mag richtig sein. Wobei ich die 4 - 5 Lektionen, die man bei uns in der eigenen Klasse hat, für Oberstufe schon einiges finde. Zumal bei uns normalerweise während der 4 Jahre bis zur Matur das Klassenteam und damit auch die Klassenleitung nicht wechselt. Vielleicht kann man bei den Kleinen noch was ausrichten, wer sich das bei 15 - 19jährigen einbildet, macht sich aber - so finde ich - ziemlich was vor.


      Friesin schrieb:

      im übrigen sind die leistungsstarken klassen nicht automatisch die angenehmeren
      Ja ... da hast Du aber sowas von recht. Trifft bei uns voll und ganz auf das Profil Mathe/Physik zu. Die sind notenmässig immer ein bisschen besser als der Rest. Wer sich traut, Mathe als Schwerpunktfach zu wählen, der kann es wohl wirklich. Aber ... lahm sind die. Jetzt nicht gerade renitent oder so, aber unendlich lahm. Keine Diskussionen, Prüfungsfragen immer schön mit Drei-Wort-Sätzen beantworten, Hauptsache das richtige Stichwort ist dabei. Noch besser ist alles, was man ausrechnen kann.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Wollsocken80 ()

    • Ich habe meine eingangs angesprochenen Test´s jetzt zu Ende korrigiert und auch bei den Ergebnissen interessante Unterschiede festgestellt. Zur Erinnerung: es gab gleiche Tests in sechs verschiedenen Klassen. Die Noten waren in einer Klasse mehr oder weniger eine Gauß-Verteilung, in einer anderen Klasse umgekehrt (viele sehr gute und viele schlechte Noten, schmales Mittelfeld), und in einer Klasse fast eine flat-line (alle Noten gleich verteilt). *grübel*

      Insgesamt ist der Test eher schwach ausgefallen, wie ich finde :(
      Nachdem ich am Wochenende ein paar schlaflose Nächte hatte - wie bringe ich den Kleinen (5. Klasse) die 5en und 6en bei? - gestaltete sich die tatsächliche Notenverkündung dann teils unverhofft. Ja, die erwarteten Tränen gab es, zum Glück nur in Einzelfällen. Ich hab getröstet und Mut gemacht, so weit es ging.

      Allerdings, in der einen "schlechten" Klasse wurde auf die ganz schlechten Noten mehrfach mit anhaltendem Kichern und Herumgekaspere reagiert. Na dann. Dann brauch ICH mir ja keine Sorgen mehr machen und kann wieder beruhigt schlafen, oder?

      (...)
    • Catania schrieb:

      Allerdings, in der einen "schlechten" Klasse wurde auf die ganz schlechten Noten mehrfach mit anhaltendem Kichern und Herumgekaspere reagiert. Na dann. Dann brauch ICH mir ja keine Sorgen mehr machen und kann wieder beruhigt schlafen, oder?
      Herrje ... nein, ich fürchte, die werden Dir in Zukunft noch die ein oder andere schlaflose Nacht bescheren :( Zumeist ist das ja nur ein Zeichen von Überforderung. Mit ein bisschen "Glück" wirst Du die Fraglichen noch los. Ist das noch so, dass in der 7. Klasse die zweite Fremdsprache beginnt? Da wurde bei uns anno dazumals eine von drei Parallelklassen komplett eingestampft. Ich war selber in so einer Arschloch-Klasse ...
    • Es gibt immer "gute" und "schlechte" Klassen. Das ist seit Jahrhunderten nichts neues, wie die erzählende Schullitertur zeigt.

      Worum es geht, ist, dass jeder Schüler so viel wie möglich lernt. Das ist die Aufgabe des Lehrers. Nicht mehr und nicht weniger. Man hat eine "schlechte Klasse"? Ja, dann arbeite man eben damit und versuche so viel an Leistung und Bildung herauszuholen, wie möglich.
    • Catania schrieb:

      Allerdings, in der einen "schlechten" Klasse wurde auf die ganz schlechten Noten mehrfach mit anhaltendem Kichern und Herumgekaspere reagiert.
      Doch, du solltest dir schon Gedanken über die Kinder machen. Wie soll denn ein Zehnjähriger in seiner neuen Schulklasse (voller cooler Jungs?) anders reagieren, wenn er sich nicht gleich als Fußabtreter anbieten will? Was in ihm vorgeht, weißt du erstmal nicht. Es sollte dir aber nicht egal sein.
    • Ratatouille schrieb:

      Wasn los, Wollsocken, schwarzen Tag gehabt?
      Nein, so böse wie es sich offenbar liest, ist es gar nicht gemeint. Ich war selber wirklich in einer Arschloch-Klasse. Wenn ich aber heute darüber nachdenke und meine Erfahrung als Lehrer dazu nehme, stelle ich einfach fest, dass renitentes Verhalten häufig das Produkt von Überforderung ist. In dem Fall kann es helfen, wenn der betreffende Schüler auf ein für seine Fähigkeiten angemessenes Schulniveau wechselt. Ich meine das nicht als "Abschieben" von Problemfällen, sondern als eine mögliche Lösung, die auch im Interesse des Schülers sein kann. Was im Einzelfass die Ursache für renitentes Verhalten ist, muss man natürlich rausfinden.