Abschlüsse und Zukunftsaussichten

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    • Abschlüsse und Zukunftsaussichten

      Ich dachte, um des Pfälzers Thread nicht ganz zu sprengen, hier mal ein eigener Thread dazu.

      Eine bekannte Jugendliche am Gymi wollte ein Praktikum im Einzelhandel machen und wurde vom Lehrer mit verächtlichem Schnauben bedacht. Anwalt wäre doch das Mindeste...

      Wenn es stimmt, dass immer mehr ein immer leichteres Abi schaffen, sehe ich verschiedene Möglichkeiten. Entweder, längeres gemeinsames Lernen, dann zwei gesellschaftlich als gleichwertig anerkannte Sekundarstufen II, gymnasial und berufsbildend.

      Oder Aufnahmeprüfungen für Gymi bzw. Uni. Hat so Vor- und Nachteile, wahrscheinlich mehr Nachteile, wenn man bei anderen Ländern guckt.

      Oder eben, wie aktuell wohl Tendenz: immer mehr Abiturienten streben Ausbildungen an, die bestbezahlenden Betriebe können sich die besten Absolventen leisten. Frage dann, was machen die SchülerInnen mit Haupt- und Realschulabschlüssen? Oder nehmen Betriebe sowieso lieber sehr gute Realschüler, als mittelmäßige Abiturienten?...
    • Ich hatte letztes Jahr tatsächlich eine Abiturientin in der Eintelhandeksklasse. Tolle Schülerin. Sie hatte durchaus gute Gründe und wird sicherlich ihren Weg gehen.

      Gleichzeitig werden die Bewerberzahlen bei den Ausbildungen weniger. In den kaufmännischen Ausbildungsberufen sitzen mittlerweile auch Schüler aus der Sonderschule, ohne Hauptschulabschluss o.ä.

      Je nach individueller Motivation und Einsatzbereitschaft kann das auch klappen. Ist aber schwierig, wenn man alle in einer Klasse unterrichten soll.
    • Laut dem EQR ist eine Ausbildung heute fast genauso viel Wert wie ein Bachelor-Abschluss.

      Ich glaube eine Ausbildung ist laut EQR die Stufe 5, ein Bachelor-Abschluss ist Stufe 6.

      Finde ich auch richtig so, da unser duales Ausbildungssystem wirklich ein einzigartiges Erfolgsmodell ist.

      Meinetwegen könnte man das dreigliedrige Bildungssystem gerne abschaffen. Grundschule, Mittelschule, wer dann noch Lust und Potential hat, dreijähriges Gymnasium in Aufbauform. Gerne auch nicht nur die beruflichen Richtungen sondern auch ein „allgemeinbildendes“.
    • Wie wäre es einfach damit, die Anforderungen am Gymnasium wieder an das ehemalige Niveau zu heben, sodass nunmehr ein geringerer Teil der Schüler das Gymnasium absolviert, was dazu führt, dass zum einen das Ansehen des Gymnasiums wieder steigt, gleichzeitig aber auch die Haupt- und Realschulen nicht mehr als "Resterampen" des deutschen Bildungssystems gelten, sondern gleichermaßen geschätzt werden und ihren Platz in der Gesellschaft haben. Oder ist das so unrealistisch? Ganz ehrlich - da müssen sich halt auch mal Gymnasiallehrer an die eigene Nase fassen und nicht Hinz und Kunz durchwinken.

      Ich kann natürlich nicht für alle Betriebe sprechen, aber mir wäre ein sehr guter Realschüler lieber als ein mittelmäßiger Abiturient, weil es zu guten Noten neben Fachwissen eine gewisse Portion Fleiß und Strebsamkeit braucht (Aspekte, die hinsichtlich eines zukünftigen Arbeitnehmers durchaus von Relevanz sein könnten). Beim mittelmäßigen Abiturient steht häufig mehr Schein als Sein im Vordergrund. Man macht das Abitur, weil man ja eh schon am Gymnasium ist, aber richtig überzeugt ist man nicht von der Sache; das äußert sich dann in der Arbeitshaltung. Natürlich gibt es auch mittelmäßige Abiturienten, die sich in den letzten 2 Jahren sehr stark für ihre schulische Karriere engagieren, die aber aufgrund begrenzter kognitiver Fähigkeiten nicht zu besseren Noten fähig sein. Meiner Erfahrung nach dürfte das aber die Minderheit sein. Ein mitelmäßiger Abiturient wird seine Arbeit später tendenziell eher mittelmäßig machen als ein sehr guter Realschüler. Und je nach Arbeitsstelle ist "mittelmäßig" etwas zu wenig.
    • Es ist aber nun einmal leider politischer Wille, dass mehr Schüler das Abitur machen. Es werden nahezu jedes Jahr Prüfungsanforderungen abgesenkt, Notenspiegel angehoben, etc.

      Als ich 2004 Abitur gemacht habe, durfte man ganze vier Unterkurse haben. Heute sind es sieben bis neun. Meine Schwester, die 2008 Abi gemacht hat, durfte aus keiner Prüfung mit 0NP rausgehen. Heute kein Problem mehr.

      In anderen Schularten geht es ähnlich kulant zu. Bei der FHSR kann eine Hauptfach 5 mit einer Hauptfach 3 ausgeglichen werden.

      Solange von „oben“ das Signal „Durchwinken“ gesendet wird, werde ich mich als einzelne Lehrkraft nicht widersetzen...

      Wobei ich weiß, dass bei mir die Anforderungen im Vergleich zu anderen Kolleginnen und Kollegen recht hoch sind.

      Meine Klausurschnitte in Mathe liegen um die 5NP, in Englisch um die 7NP. Damit bin ich eine ganze Note schlechter als viele meiner Kollegen. Und das liegt NICHT daran, dass ich dümmere Schüler habe.
    • Das ist das Problem "deutsche Titelgeilheit" - für jeden Scheißdreck brauchst du nen "Schein", ob du es wirklich kannst ist irgendwo sekundär.

      Ich fände es nicht verkehrt, wenn das Abi zumindest mal wieder auf dem Level ankäme, wo zB ich es gemacht habe... und alle Schulformen müssen da "anziehen", was die Anforderungen angeht. Und wieder Schüler "runterreichen", die eben nicht auf diese Schulform gehören. Dazu müßte aber
      - einerseits die Arbeitgeberfront kapieren, was welcher Abschluss bedeutet (und man eben für eine ganze Reihe Berufe kein Abi braucht - quasi für alles, wofür man nicht zur Uni muss);
      - andererseits die Hauptschulen eine Möglichkeit bekommen, ihre Niveaubremsen loszuwerden... denn - es gibt tatsächlich SuS, die so dämlich sind... nur wie dieses "Ventil" aussehen könnte, und wie man diesen "Bodensatz" (sorry für den Ausdruck, aber so ist es leider) dazu bekommt, zumindest zu lernen, wie man nicht zwangsläufig in der JVA landet, das weiß ich leider auch nicht. Vermutlich müsste da mehr gesetzlicher "Zwang" auch gegenüber den Eltern dieser Problemschüler her, so traurig das klingen mag, aber wenn da nichts getan wird... landen die wirklich maximal im Knast, die sind doch selbst für Zalando & Co zu doof...
      Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
    • Krabappel schrieb:

      Wenn es stimmt, dass immer mehr ein immer leichteres Abi schaffen, sehe ich verschiedene Möglichkeiten. Entweder, längeres gemeinsames Lernen, dann zwei gesellschaftlich als gleichwertig anerkannte Sekundarstufen II, gymnasial und berufsbildend.
      Welche Vorteile soll das längere gemeinsame Lernen haben? Warum müssen zwei unterschiedliche Ausbildungsformen gesellschaftlich als gleichwertig angesehen werden? Die Einzigen die von einer Einheitsschule profitieren sind die Privatschulen.

      Krabappel schrieb:

      Oder Aufnahmeprüfungen für Gymi bzw. Uni. Hat so Vor- und Nachteile, wahrscheinlich mehr Nachteile, wenn man bei anderen Ländern guckt.
      Eine strenge und verbindliche Grundschulempfehlung reicht aus. Die Unis sortieren im MINT-Bereich in den ersten zwei Semestern eh aus.
    • Das ist doch eine gesellschaftliche Frage. Tatsache ist, dass die Hauptschule ein sterbender Schulzweig ist. Warum ? Was kannst du heute noch mit einem Hauptschulabschluss anfangen ? Deshalb landen die Schüler auf den Realschulen. Aber die Schüler sind doch nach wie vor da. Jetzt stehen die KollegInnen dort vor dem Dilemma, diese Schüler entweder reihenweise durchfallen zu lassen oder das Niveau so weit zu senken, dass zumindest ein Großteil irgendwie noch den Abschluss bekommt. Dann landen diese Leute auf den Berufsschulen. Dort geht das Spielchen weiter. Um die Leute nicht reihenweise durchfallen zu lassen, wird letztlich auch durchgewunken. Dann wundern sich die Betriebe über das schlechte Niveau der Absolventen.
      Aber an den Gymnasien sieht es ja nicht wirklich besser aus. Mittlerweile frage ich mich, ob man wirklich für so viele Berufe unbedingt ein Abitur (Nachweis der Studierfähigkeit !) braucht.
      Naja, über das neue Bachelor- Master- System an den Hochschulen will ich gar nicht reden, das würde hier nur den Rahmen sprengen.
    • ...je nachdem in welcher Region ist das aber kein Gerücht, sondern (leider) wahr. Gründe - s.o.
      Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
    • Ich kann Jazzy82 Hoffnung nur sehr unterstreichen!!!

      Ich war selbst von 2004-2010 auf der Hauptschule und danach von 2010-2013 auf dem Gymnasium und das alles in Bayern. Ich wurde sogar 1999 in die Sonderschule eingeschult und nicht in die Grundschule!

      Damit möchte ich nur stark andeuten das unser Schulsystem durchgängig ist und noch was, die meisten meiner ehemaligen Klassenkamaraden von der Hauptschule legen gerade nach erfolgreicher Ausbildung mit beruflichen Fortbildungen/Studium nach BOS etc. mMn bessere und sinnvolle Karrieren hin als so manche Abiturienten die ich kenne die vollkommen weltfremd! irgendwas daher studieren und 0 Ahnung haben von der Berufswelt bzw. was sie überhaupt werden wollen.
    • Jazzy82 schrieb:

      Wenn endlich die Gerüchte aufhören würden, dass man mit einem Hauptschulabschluss keine Stelle bekommt, wäre schon viel erreicht.
      Das kann ich nur unterstreichen. Unsere Hauptschüler kommen in der Regel gut unter. Auch unsere Schüler mit dem Förderschwerpunkt Lernen bekommen etwas, außer sie sind völlig daneben.
    • @Berufsschule93: Gerade solche Beispiele werden leider oft als Argument gegen Grundschulempfehlungen genannt, obwohl ich sie eher als ein Beispiel für die Transparenz unseres Bildungssystems sehe. In vielen Fällen stimmt sie eben doch und auch wenn es "nur" die Hauptschule ist, schafft sie es bei den jeweiligen Schülern, das meiste Potential herauszukitzeln, denn nur weil bei anderen Schulformen vlt. ein höheres Niveau angepeilt und mehr Stoff unterrichtet wird, heißt es nicht zwangsläufig, das auch mehr hängen bleibt. Und auch in Fällen wie deinem war die Entscheidung für die Hauptschule nicht zwangsläufig die falsche, da es auch Spätzünder gibt, die mit der richtigen Förderung erst in die Lage versetzt werden, Inhalte auf höherem Niveau verstehen und verarbeiten zu können. Man muss diese Schulform nur als Chance sehen, statt sie gleich als Abstellgleis für Gestrandete zu charakterisieren. Ich hatte in der Oberstufe auch ehemalige (bayerische) Hauptschüler in meinen Kursen, die teilweise sogar besser als die alteingesessenen Gymnasiasten, die sich irgendwie durch das Schulsystem mogelten, waren. Und ganz ehrlich: Diesen "rise from zero to hero", den möchte man doch als Lehrer gerne von seinen Schützlingen sehen, oder ;) ? Da zählt es nicht, ob der Schüler in der 5. Klasse in der Hauptschule oder dem Gymnasium ist, sondern wie er sein Potential langfristig nutzt - und da kann ein ehemaliger Hauptschüler aus zunächst wenig viel machen und ein ehemaliger Gymnasiast seine vermeintlich gute Ausgangslage sinnlos verschwenden.
    • @Lehramtsstudent

      Genau so ist das!

      Es war aufjedenfall richtig mich erst in die Sonderschule einzuschulen, danach in die Grundschule und von dort über die Hauptschule auf das Gymnasium. Ich hätte in der 5 Klasse NOCH nichts auf einem Gymnasium verloren, ich wäre da gar nicht hinterher gekommen! Man sollte sich bei der weiterführenden Schule nur auf die Fähigkeiten des Kindes fokusieren. Ich bin kein Einzelfall. Die Hauptschule bedeutet nicht das man dumm ist sondern, dass es auf dem jetztigen Entwicklungsstand besser wäre sich auf das Grundsätzliche zu fokusieren. Damit befürworte ich ganz dringend die Grundschulempfehlung die man mMn nur durch mehrwöchigen Probeunterricht mit Prüfungen und Bewertungen der Lehrer entgehen können sollte.

      Ich habe ab dem Übertritt auf das Gymnasium Gymnasiasten erlebt die überhaupt gar kein Interesse an den Fächerkanon bzw. Schule generell hatten. Dagegen hatte ich schon als Hauptschüler immer Interesse war aber vom kognitiven her noch nicht weit genug mit 10-11 Jahren. Dieses Interesse fehlte bei ganz vielen Gymnasiasten! Viele gehen heutzutage nicht mit einer Motivation wie z.B. "Ich will dahin gehen weil mich die Schule und die Fächer interessieren" sondern eher "Meine Eltern sagen das halt so und sonst werde ich arbeitslos, weil mit einem Bachelor kriegt man gleich mit 21 Jahren 3k netto! etc." (sic!) aufs Gymnasium.

      Zudem konnte ich mich in der Übergangsklasse mit ganz vielen Realschülern vergleichen. Wir waren fast nur Realschüler mit zwei Hauptschülern und einem Wirtschaftsschüler. Ich war ehrlich gesagt geschockt wie schlecht manche Realschüler in Fächern wie Englisch oder Mathematik gegenüber mir waren als ehemaligen Hauptschüler! Nach diesem Erlebniss bin ich endgültig das Selbstbild eines "dummen" Hauptschülers losgeworden und bin sehr froh darüber das ich diese Erfahrung machen durfte.

      Um aber nochmal zum Thema zurück zu kommen Deutschland hat ein super Ausbildungssystem und so viele Möglichkeiten damit Karriere zu machen. Man kann das natürlich auch mit einem fachverwandten Studium noch ergänzen bzw. erweitern.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Berufsschule93 ()

    • Lehramtsstudent schrieb:

      Und auch in Fällen wie deinem war die Entscheidung für die Hauptschule nicht zwangsläufig die falsche, da es auch Spätzünder gibt, die mit der richtigen Förderung erst in die Lage versetzt werden, Inhalte auf höherem Niveau verstehen und verarbeiten zu können. Man muss diese Schulform nur als Chance sehen, statt sie gleich als Abstellgleis für Gestrandete zu charakterisieren.
      Solche Fälle gibt es, aber es gibt auch Fälle, wo Potential letztlich begraben wird durch dieses neue Umfeld - auf das es eben ankommt.

      Um in einer Klasse von "Chaoten", in der kein normaler Unterricht stattfinden kann, als einzig Motivierter am Ball zu bleiben und sich nicht bei den "Abgehängten" zu integrieren muss man schon ganz schön tough sein.
      Umgekehrt kann es Wunder wirken einen schlechten Schüler aus einer "Chaoten"-Klasse in eine angepasste/lernwillige Klasse zu setzen.

      Die Erfolgsgeschichten halte ich für die Ausnahme.

      Ich merke in meinem Schulalltag einen deutlichen Unterschied zwischen ehemaligen Hauptschülern, Realschülern und Abiturienten, auch in der Reihenfolge, dass man fast immer richtig von der tatsächlichen Leistung auf den vorherigen Abschluss tippen kann.
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