Unterrichtsvorbereitungen – geistiges Eigentum?

    • Offizieller Beitrag

    Das faule Ei mit "Wir laden alle was hoch, dann muss man nur noch zugreifen und schwuppss-- ist die Stunde in Sack und Tüten" glaubt doch nur, wer nicht in der Praxis unterrichtet.
    Und das hat noch nicht mal was mit geistigem Eigentum zu tun.

    Bei uns funktioniert das großartig in mehreren Fachschaften, allerdings ist das freiwillig und aus einer kleinen Gruppe Kollegen heraus entstanden, die mal angefangen haben und über Jahre gern produziert und das eine oder andere hochgeladen haben, erst ohne dass sich andere beteiligt haben, dann kamen ein paar hinzu und mittlerweile ist es wirklich ein Pool an dem sich viele beteiligen - allerdings ohne verpflichtend zu sein. Und manche tun's halt auch nicht. So what. Wie immer halt. Es funktioniert eher so: man erstellt was, das im Unterricht gut lief, freut sich, denkt sich "könnt den anderen auch gefallen" und lädt es hoch. Von zu Hause meist. Inzwischen ist das ein recht umfangreicher Pool zu allen denkbaren Themen. Die jungen Kollegen, die ihr volles Deputat mangels Erfahrung kaum auf die Kette kriegen und die, bei denen privat oder geusndheitlich die Luft brennt, freuen sich sehr und auch der gesunde Kollege guckt manchmal neugierig rein, wer was zu welchem Thema wieder hochgeladen hat. Präsenzpflicht deswegen geht natürlich gar nicht. Geht auch aus diversen anderen Gründen nicht.

    §75 (4)
    "Der Personalrat hat [...] mitzubestimmen über [...]
    11. Einführung und Anwendung technischer Einrichtungen, die dazu geeignet sind, das Verhalten und die Leistung der Beschäftigten zu überwachen."

    Das trifft hier aber nicht zu, da es keine "technische Einrichtung " ist - dieser Paragraf bezieht sich auf Kopierer mit Festplattenspeicher und einem Kollegen zugewiesenem Code, auf Schließanlagen, die ein Bewegungsprofil erstellen könne oder Monitore mit Vertretungsplan im Lehrerzimmer, die ein Mikrofon enthalten ;) o.ä,.


    Mitbestimmung sehe ich allerdings schon gegeben: Eher passen aber die in den LPVGs üblichen Paragrafen zur "Hebung der Arbeitsleistung".

  • Bei uns funktioniert das großartig

    Das ist dann ein Beispiel, das funktioniert gegen wie viele, die nicht funktionieren?


    Bevor man solcherlei untermimmt, sollte man sich überlegen, woran es denn liegt, wenn es funktioniert. Ein Kriterium schient mir zu sein, dass Maßnahmen, auf die die Beteiligten keinen Bock haben, generell unter keinem guten Stern stehen. Und so stellt sich mir das beim Lesen der meisten Beiträge hier da.


    Wenn da Leute einen Anwalt einschalten möchten, wird man wohl kaum erwarten können, dass die ihr Material gerne und mit Eifer zur Verfügung stellen.


    Ich weiß nicht, ob man sich als SL immer als solchen zum Scheitern verurteilten Projekten abarbeiten muss.

    „Fakten haben keine Lobby.“


    (Sarah Bosetti)

  • Es ist doch klar, warum es bei Meike funktioniert. Es ist freiwillig. Keiner hat das Gefühl, gezwungen zu werden, und keiner, der nichts bereitstellt, wird schief angekuckt.


    So, und meiner Meinung nach nur so, kann es funktionieren.

  • Das trifft hier aber nicht zu, da es keine "technische Einrichtung " ist

    Ach, ein Server, auf dem Material gespeichert wird, ist keine technische Einrichtung? Na, dann.


    Man kann lückenlos nachvollziehen, wer wann wieviel eingestellt hat. Und ob man die aten zur Überwachung des Personals nutzen kann. Hallo?

    „Fakten haben keine Lobby.“


    (Sarah Bosetti)

  • Ich sage einfach mal nur meine persönliche Meinung zu meinem "Urheberrecht" auf die von mir produzierten Unterrichtsmaterialien.


    Mein Prinzip: alles, was ich produziere, ist nach der Creative Commons-Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 DE lizensiert. Das heißt:


    • Es darf frei geteilt und bearbeitet werden, solange
    • mein Name und die Lizenz genannt wird,
    • und es nicht kommerziell
    • unter den gleichen Bedingungen weitergegeben wird.


    Warum das? Erstens bin ich der Meinung, dass eine freie Informationsgesellschaft einzig und allein durch freie Weitergabe von Daten und Inhalten funktioniert. Lehrerarbeit wird dadurch erleichtert, dass Lehrer ihre Gedanken und Materialien frei weitergeben. Bildung funktioniert nur durch den freien Zugang auf Wissen; die Weitergabe von Bildung funktioniert nur durch den freien Zugang auf Wissen und Materialien zur Weitergabe von Bildung. Ich bin insofern utopischer Idealist, dass ich zutiefst von dem Ideal der Wissensfreiheit überzeugt bin. Wäre ich das nicht, wäre ich weder der Wissenschaftler, der ich bin, noch der Lehrer, der ich bin.


    Zweitens gibt mir mein Dienstherr, der Staat, jeden Monat einen Sack voll Geld, damit ich die Bildung in der Gesellschaft verbreite und verbessere. Als Beamter bin ich dazu angehalten, meinen Arbeitseinsatz der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Ich finde das ehrlich gesagt gut. Der Staat sichert meinen Lebensunterhalt und ich sorge mit meiner Arbeitskraft für Volksbildung. Ich sehe keinen Grund, warum das auf meine reine Schultätigkeit und mein Unterrichtsdeputat beschränkt sein sollte. Ich finde es sogar ziemlich dubios, wenn Lehrer die Erträge ihrer durch den Staat finanzierten Arbeit an private Unternehmer in Form von Schulbuchverlagen verkaufen. Ich finde das nicht gut. Ich kann zwar verstehen, dass diese Vertriebsmechanismen in früheren Zeiten, vor der digitalen Revolution notwendig waren. Aber heutzutage wissen alle Kolleginnen und Kollegen, durch welche rechtlichen Reifen man springen muss, um als Lehrer die Materialien von Schulbuchverlagen im Unterricht zu nutzen. Ist das die paar Kröten wert? Für mich nicht. Ich umgehe die Schulbuchverlage als Multiplikatoren und mache das Leben für andere Kollegen leichter.


    Und was ist, wenn jemand meine Materialien kommerziell verwertet? Ja, dann tut er das eben. Scheiß drauf. Werde ich dadurch ärmer? Nein. Also, so what.

  • Ich finde es geht darum, dass enorme Mehrarbeit auf das Kollegium zukäme. Die Kollegen dieser Schule sollen jeden Tag 8 Stunden in der Schule verbringen und dann noch ausgearbeitete Stunden hochladen. (Die Stichpunkte, die man sich oft nur macht werden wohl nicht reichen) Da es aber keine brauchbaren Arbeitsplätze gibt, werden sie abends trotzdem noch sitzen.


    Und den Anwalt frage ich dann, wenn die eigene Personalvertretung rechtlich keine Ahnung oder/ und kein Interesse. Hier wird ja auch bloß gemutmaßt, man kann nicht alles wissen. Dafür gibt's Anwälte.

    • Offizieller Beitrag

    aber bei sowas kontrolliert doch kein Mensch, ob man die Stunde von Dienstag in der 6. Klasse hochgeladen hat.
    Jeder von uns hat gute, bessere und mittelmäßige Stunden.
    Da kann doch jeder entscheiden, welche er hochlädt und im Laufe der Zeit ist man sicher geneigter, mehr einzustellen, wenn man sieht, dass es funktioniert.
    und sicher soll kein Mensch ein Word-Dokument mit 3 Zeilen "Buch Seite 45, Nummer 5 und dann Nummer 7" einstellen... aber gute Arbeitsblätter, Einstiegsbilder, Karikaturen oder Quellen sind immer für jemanden eine Erleichterung, der das Thema zum ersten Mal unterrichtet und noch gar keine Materialien hat.

  • Da kann doch jeder entscheiden, welche er hochlädt [...]

    Ist das so? Wie denn nun beim Threadopener die Lage ist, wissen wir nicht. Scheinbar möchte er keine konkreten Angaben machen.


    Wenn da nur ein Pool aufgemacht werden sollte, wo jeder nach Gutdünken etwas einstellt, bräuchte es die Frage schon gar nicht.

    „Fakten haben keine Lobby.“


    (Sarah Bosetti)

    Einmal editiert, zuletzt von O. Meier ()

    • Offizieller Beitrag

    Ach, ein Server, auf dem Material gespeichert wird, ist keine technische Einrichtung? Na, dann.
    Man kann lückenlos nachvollziehen, wer wann wieviel eingestellt hat. Und ob man die aten zur Überwachung des Personals nutzen kann. Hallo?

    Beim Personalvertretungsrecht geht es in diesem Falle aber um die Neueinführung von technischen Geräten, die das Potential zur Überwachung haben.


    Ich hatte ja den Unterpunkt des Mitbestimmungsparagrafen genannt, mit dem man da eher drankommt, wenn man das will.

    WE are the music-makers, and we are the dreamers of dreams,
    World-losers and world-forsakers on whom the pale moon gleams
    yet we are the movers and shakers of the world for ever, it seems.

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