zunehmende Gewalt durch Schüler

  • Aufpassen mit den Statistiken. Heißt eine Zunahme der registrierten Straftaten, dass es mehr Straftaten gegeben hat oder dass mehr Straftaten registriert wurden?

    Daran musste ich auch als erstes denken. Das scheint mir wie die Sache mit dem Komasaufen zu sein. Gesoffen und gekotzt haben wir früher auch, nur hat's keiner gefilmt und bei Youtube hochgeladen. Das soll um Himmels willen nicht heissen, dass ich Komasaufen oder mit dem Messer rumfuchteln als Belanglosigkeit abtun will. Nur bei diesen ganzen Statistiken immer, da ziehe ich auch automatisch mal ne Augenbraue hoch. Und wie Krabappel so schön schrieb, hängt's auch immer vom Bezugspunkt ab, ob die Dinge nun gerade besser oder schlechter werden. ;)

  • Hast du nicht diese schwarz-weiß-Bilder vor deinem inneren Auge, auf denen Jungs mit Lederranzen und Kniestrümpfen sich prügeln? (Sach dit nochmal, dann jibts Keile). Auf dem Schulhof natürlich nicht, da musste man noch in den Vierzigern im Kreis laufen...

    Stimmt....
    So weit habe ich nicht zurückgedacht.
    Ich hatte es auf meine Erfahrungen als Lehrerin - ich bin schon lange dabei - bezogen.


    Mit den mangelnden Erfahrungen draußen könntest du Recht haben.


    Dennoch meine ich, dass nach dem Abflauen der von dir geschilderten Fälle aus der Nachkriegszeit sich die Gewaltbereitschaft in den letzten 10 Jahren wieder erhöht ist. Ich führe das hauptursächlich auf schlechte Vorbilder in den Medien zurück - Gewaltszenen in Fernsehen, Gewaltspiele, Handykonsum, fragwürdige Botschaften in Raps usw. Dadurch ist die Hemmung gesunken. Vor ca. 25 Jahren wurde uns einmal in einer Fortbildung gesagt, dass die Fäkalsprache auf der Straße zunehmen wird. Das habe ich mir gut gemerkt, weil es mich damals verwundert hat. Ist alles eingetroffen und hat sich nicht nur auf der Straße etabliert.

  • Ich führe das hauptursächlich auf schlechte Vorbilder in den Medien zurück - Gewaltszenen in Fernsehen, Gewaltspiele, Handykonsum, fragwürdige Botschaften in Raps usw.

    Oh, das scheint mir viel zu einfach. Ich muss oft dran denken, was früher, als ich so im Alter meiner Schüler (15 - 19) war, im Fernsehen noch alles unzensiert lief. Was ist eigentlich aus "Nightmare on Elm Street" & Co. geworden? Völlig undenkbar, dass sowas heute noch ausgestrahlt wird. Wenn es danach ginge, müssten wir Kinder der 80er und 90er uns ja zu völligen Psychos entwickelt haben ;) Ich denke, dass durch die Vielfältigkeit der Medien heute nur sehr viel mehr von dem sichtbar wird, was früher im Verborgenen blieb. Mag sein, dass das anonyme Schreiben in Internet-Foren etc. zu einer gewissen Verrohung der Gesellschaft führt.


    Grundsätzlich müssen wir wohl einfach damit leben, dass die meisten europäischen Gesellschaften den Zenit ihres ökonomischen Wohlstandes überschritten haben. Unzufriedene Leute, die z. B. keinen adäquaten Job finden (bzw. Jugendliche, die keine Lehrstelle finden) kommen halt eher auf dumme Gedanken, als wenn alles feinifein ist. Sehe ich ja hier vor meiner Haustüre. Der Medienkonsum "meiner" Jugendlichen ist ja exakt der gleiche, mit Messern und sonstigem Gedöns sind wir an der Schule aber überhaupt nicht konfrontiert.

  • Was heute ganz massiv zugenommen hat ist die Angst von Helikoptereltern vor Alltagsgegenständen. Ich hatte vor ein paar Monaten eine völlig panische Mutter, weil ein Mitschüler in der Schule ein Messer dabeigehabt habe und ihr Sohn deswegen nun Todesängste ausstehen müsse. Nachdem ich das Messer [Anzeige] in Augenschein genommen habe, habe ich dann im Unterricht mal aus Jux eine Geschichtsstunde mit Holzbearbeitung verbracht. Mal im Ernst...in den 80er hatte fast jede Junge so ein Ding, zwar nicht dabei in der Schule aber naja, zur Not kann man jemanden auch mit einem Bleistift umbringen...with a fucking pencil...wer nimmt denn dafür ein Schweizer Taschenmesser? 8|

    If you look for the light, you can often find it.
    But if you look for the dark that is all you will ever see.

  • :rofl: Mir fiel gerade mein letztjähriger Ausflug zur deutschen Botschaft nach Bern wieder ein (ich brauchte einen neuen Pass). Da stand am Eingang ein kleiner, untersetzter Schweizer als Sicherheitsbediensteter und fragte mich, ob ich wohl ein Sackmesser mit mir führe. Nein. Ob er denn mal in meinen Rucksack schauen dürfe? Ja. Zuoberst lag meine zerknüllte Jacke, dann noch eine Getränkeflasche und was weiss ich noch alles. Meint der Sicherheitsbedienstete: Na, wenn das Sackmesser *da drunter* ist, dann zählt es eh nicht mehr als Waffe.


    @Valerianus Schick den Schüler doch zur Therapie zu uns. Da kann er mit den Rekruten der Schweizer Armee mal ne Runde Zug fahren. Die finde ich ja zugegeben auch immer ein bisschen gruslig - in einer Hand der Sixpack Bier, über der Schulter das Sturmgewehr (Foto ohne Sixpack, war wohl auf dem Hinweg zur Kaserne).


    [Blockierte Grafik: https://f2.blick.ch/img/incomi…980-h960/Soldaten1-1-.jpg]

  • Ich glaube, dass viele Probleme, auf die wir in der Schule treffen (Verrohung der Sprache, Aggressionen, Drogenkonsum, ...), daran liegt, dass unsere Gesellschaft satt und gelangweilt ist.
    Was müssen bzw. können sich die Jugendlichen heutzutage denn eigentlich noch erkämpfen? Das Leben ist ein Livestream...

    • Offizieller Beitrag

    Den gibt es erwiesenermaßen durch ein hohes Maß an sozialer Anpassung und Kooperation.
    Das sind biologisch nicht gerade die Stärken des männlichen Teils unserer Bevölkerung. Die Verweiblichung aller Bereiche der Erziehung lässt sich hier ferner nicht leugnen.
    Mit Stärke, Durchsetzungswillen und ab und an mal einer treffsicheren Faust ins Gesicht des Gegenüber bekommt man eher "Noten" im Führungszeugnis als gute Abschlusszeugnisse.

    • Offizieller Beitrag

    Das tut die Welt seit dem bekannten Sokrates-Zitat.
    Und dennoch hat sich die Menschheit weiterentwickelt. Nicht zwingend immer zum Guten - aber weiterentwickelt mit vielen durchaus positiven Errungenschaften.
    Was diese bei der heutigen Jugendgeneration sind bzw. sein werden, darüber grüble ich im Moment auch verstärkt nach.

  • Ab einem Alter von 5 Jahren besaß ich ein Schweizer Taschenmesser und hab das immer in der Schule dabei gehabt (klingenlänge 9cm). War bei uns an der Dorfschule normal.


    Aus dem Schweizer wurde dann irgendwann mal ein hochwertiges Karbonmesser mit feststehender Klinge (11 cm, gurtschneider + glasbrecher am/Im griff). Ich hab das immer bei (genau wie kabelbinder und 15m paracord), verdeckt und ordentlich gesichert. Unter anderem auch deswegen weil es für verschiedene Dinge praktisch ist (bin zB zu doof mit ner Schere zu schneiden).


    Was mir mehr Sorge bereitet ist, dass in meinen Klassen mehr und mehr Kinder (arischer/deutscher Natur) mit Stahlkappen und Quarzhandschuhen zur Schule kommen um sich und, auf dem Schulweg, Flüchtlinge aufzumischen.


    Wichtig bei der Sache ist, dass Messer und andere zum verletzen geeignete Gegenstände per Schulordnung untersagt werden. Der passus ist bei uns zb nicht wirklich gegeben. Und das man den Kindern beibringt, dass das kein Spielzeug ist.
    Im Endeffekt kann ein Schüler einen anderen aber auch mit einem Kuli, einer Schere oder einem Schraubenzieher (Werkunterricht) schwerst verletzen. Was dahingehend ganz hilfreich wäre: gesondertes Training für Lehrkräfte zur Gefahrenabwehr und Deeskalation, vor allem an Schulen mit problematischem Klientel.

    • Nicht, wer zuerst die Waffen ergreift, ist Anstifter des Unheils, sondern wer dazu nötigt. -Machiavelli-
    • Zwei Mächte gehen durch die Welt, Geist und Degen, aber der Geist ist der mächtigere. -Napoleon-
    • In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst! -Augustinus-
  • Messer mit sich zu führen, bedingt durch die Einflüsse durch andere Kulturkreise, wo das Tragen von Messern üblich ist


    In manchen Kulturen ist das Tragen eines Messers für Männer normal.

    "In manchen Kulturen" - ja, zum Beispiel hier in Bayern, wo der sog. "Hirschfänger" zur männlichen Traditionstracht mit Lederhose etc. gehört.

  • Hier auf dem Landgymnasium kommt das durchaus immer mal wieder vor. Vor allem während des "Heimatfests" (- hieß schon so, bevor es das Heimatministerium und vermutlich auch bevor es Seehofer gab -) oder während des Oktoberfests. Allerdings ist mir dabei noch nie ein Hirschfänger aufgefallen.

  • Mir ist gerade aufgefallen, dass unter den "nützlichen Dingen, die man dabei haben sollte" wenn's ins Klassenlager oder auf Wanderung geht bei uns sogar ganz offiziell das Sackmesser mit dabei steht ... Mal abgesehen davon, dass viele unserer SuS Pfadis sind und das ohnehin im Rucksack haben. Also das noch mal zum Thema "andere Kulturkreise". :gruebel:

    Einmal editiert, zuletzt von Wollsocken80 ()

  • Tolle Schlagverstärker, meine Einsatzhandschuhe beim Bund damals waren auch von dem Typus. Haben in zivilen Händen m.E. nichts zu suchen weil die Wirkung der eines Schlagringes sehr ähnlich ist.


    Wollsocken: Pfadis haben immer ein Messer bei (daher hab ich mein Zeug auch immer dabei). Im übrigen....legt euch bitte niemals mit Pfadfindern an, wir kennen Stellen im Wald wo euch niemand findet

    • Nicht, wer zuerst die Waffen ergreift, ist Anstifter des Unheils, sondern wer dazu nötigt. -Machiavelli-
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