Wortarten nach Montessori

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      @state_of_Trace

      Ich habe derzeit wieder Probleme mit der Rechtschreibung. Tritt bei mir seit der Grundschule in Phasen auf und keiner weiß warum ;) Aktuell ist es wieder besonders schlimm. Edit: Und das meine ich jetzt vollkommen ernst, also nicht als bloße Entschuldigung.
      LG Cogito

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Cogito ()

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      Kann halt immer mal passieren, da kann sich keiner von ausnehmen.

      Es ging mir aber vor allem um den Punkt, dass diverse "Regeln" aus der Grundschule sich festsetzen und äußerst nützlich sind. Von daher kann ich wirklich nicht über den Zugang, wie er mir in den 90ern beigebracht wurde, klagen.

      Das Thema Substantivierung von Adjektiven war ja auch schonmal im Gespräch: "Nach im, am, vom, beim, zum werden Verben zu Substantiven und somit großgeschrieben". Hat nie Probleme bereitet;)
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      Galt nicht das Argument, dass man die Grammatik unbedingt allumfassend verstehen müsse und der "alte Zugange" nicht gut wäre?
      Der Meinung bin ich nicht, zumal ich das auch selbst nicht tue.

      Ich kenne mich mit dem Aspekt "Verben als Zentrum des Satzes" (oder wie auch immer) auch nicht aus, hab aber auch nie Probleme gehabt ein Verb zu erkennen. Und es wurde mir auch als "Tuwort" ursprünglich mal beigebracht :D
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      state_of_Trance schrieb:

      Galt nicht das Argument, dass man die Grammatik unbedingt allumfassend verstehen müsse und der "alte Zugange" nicht gut wäre?
      Nein. Wenigstens nicht in meiner Argumentation und Ansicht :) Und auch sonst war das mit der Grammatik, die allumfassend verstanden werden müsse hier kein Thema. Oder ich habe das vollständig überlesen und/oder missverstanden. Es wurde (nicht von mir) der Zugang zu den Wortarten bemängelt.
      LG Cogito
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      Cogito schrieb:

      was hast du denn genau für ein Problem mit der Erklärung: "Das Verb ist das Wort, das uns sagt, was jemand tut oder was geschieht." In Ergänzung für die Leistungsstärkeren bzw. später "Das Wort, das einen Zustand beschreibt". Damit sind alle Arten des "Verbs" (Hilfsverben/Modalverben/semantische Kategorien) abgedeckt. Wichtig ist eben, dass es "Verb" heißt, damit ich in der weiterführenden Schule mit "Hilfsverb" und "Modalverb" weitermache, weswegen "Tuwort" als Begriff unpassend ist. So viele Zustandsverben/Vorgangsverben gibt es im Vergleich zu den Handlungsverben/Tätigkeitsverben auch nicht. Man sollte sie auf Nachfrage eben nur nicht weglassen.
      Hallo Cogito,

      da ist ein Missverständnis, das ich gerne kurz ausräumen möchte. Ich sagte nicht, dass die Kinder keine Formen benennen können sollen und sozusagen die Funktion isoliert betrachtet werden soll - da wäre dein Vorwurf natürlich berechtigt, dass man nicht die Funktion ohne das, was funktioniert, betrachten kann.

      Ich kritisiere die herkömmliche Vermittlung der Wortarten gleich am Anfang und zwar weitgehend isoliert von der Funktion (also vom Satzzusammenhang), das ist ja dasselbe, was du irrtümlich bei mir kritisiert hast, nur umgekehrt: Form ohne Funktion. Die Funktion beschränkt sich in aller Regel auf einige Proben und eben einseitige bis fragwürdige semantische Bestimmungen.

      Wenn man wirklich klar herausstellt, dass Verben neben Tätigkeiten auch (und zwar in 60% der alltagssprachlichen Fälle) Vorgänge und Zustände bezeichnen, bin ich einverstanden. In der Praxis ist das aber - seien wir doch ehrlich - nicht der Fall. Eine Erwähnung am Rande dürfte nicht ausreichen, um den Lernenden ausreichende Orientierung zu bieten. Gerade die Leistungsschwächeren laufen doch in Gefahr, Dinge nachhaltig falsch zu verstehen.

      Man kann zudem Satzglieder auch vorerst ganz ohne die lateinischen Bezeichnungen einführen. Es reicht doch aus, hier lediglich von Verbergänzungen zu sprechen, später kann man - wie in einigen Grammatiken ohnehin der Fall - hier auch schlicht Komplemente und Supplemente (d.h. Subjekt/Objekt und Satzadverbiale/Abtönungspartikel etc.) unterscheiden und das reicht völlig, um ein grundlegendes Verständnis dessen, was ein Verb (bzw. Verbalkomplex) ist, auszubilden.

      der Buntflieger
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      Ich weiß gar nicht, ob Kinder (im Grundschulalter) wirklich so stark zwischen Tätigkeit, Vorgang und Zustand unterscheiden, dass sie große Probleme haben könnten, alles als Verb zu bezeichnen. Im Grunde fiel mir das auch in der Grundschulzeit nie so wirklich auf, weil irgendwie immer klar war, was ein Verb ist; eben etwas, was zu einem Nomen gehört, was man konjugieren und in verschiedenen Tempi darstellen kann. Dass es Unterschiede inhaltlicher Art bei Verben bestehen, fiel mir erst im Französischunterricht auf, weil man bei der Bildung des Passé Composé und dem Passiv zwischen Bewegungsverben (konjugiert mit etre) und anderen Verben (konjugiert mit avoir) unterscheidet.
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      Lehramtsstudent schrieb:

      Ich weiß gar nicht, ob Kinder (im Grundschulalter) wirklich so stark zwischen Tätigkeit, Vorgang und Zustand unterscheiden, dass sie große Probleme haben könnten, alles als Verb zu bezeichnen. Im Grunde fiel mir das auch in der Grundschulzeit nie so wirklich auf, weil irgendwie immer klar war, was ein Verb ist; eben etwas, was zu einem Nomen gehört, was man konjugieren und in verschiedenen Tempi darstellen kann. Dass es Unterschiede inhaltlicher Art bei Verben bestehen, fiel mir erst im Französischunterricht auf, weil man bei der Bildung des Passé Composé und dem Passiv zwischen Bewegungsverben (konjugiert mit etre) und anderen Verben (konjugiert mit avoir) unterscheidet.

      Hallo Lehramtsstudent,

      schauen wir uns doch im Kontrast nochmal das eigentliche Thema der Wortartensymbole von Montessori an. Dort wird das Verb (jedenfalls laut dem Beispiel, das ich dazu im Netz fand) ganz klar und ausschließlich als das eingeführt, was das Kind - und zwar konkret und direkt - selbst tun kann:





      Funktion des Verbs



      Einführung:
      Ich beginne mit dem Kind eine Unterhaltung: "Als ich heute zur Schule kam, begegneten mir schon viele Menschen. Die einen liefen ganz schnell, die anderen trödelten. Da war einer, der laut hustete und ganz viele Kinder, die aufgeregt hin und her hüpften. Es gibt viele Dinge, die man schon morgens tun kann, wie laufen, husten, hüpfen ... Ich schreibe dir mal auf, was du jetzt tun kannst!" Auf kleine Papierstreifen schreibe ich dem Kind nun Aufträge in rot auf, wie gehe, klatsche, hüpfe, huste, ... und das Kind führt diese Dinge aus. "Diese Wörter kann man tun. Über die Wörter die man tun kann, kommt der große rote Kreis." Das Kind legt die roten Kreise über die ausliegenden Verben. (Quelle: meine-erfahrungen-mit-montesso…nktion-der-wortarten/#ver)

      Im ersten Satz haben wir direkt mit "begegnen" ein Verb, das dort einen Vorgang beschreibt. Das alles ist mit "Funktion des Verbs" überschrieben. Tatsächlich wird hier aber nur eine semantische Erklärung angeboten (das Verb als diejenigen Wörter, die man tun kann) und sonst nichts - keine Spur von einer "Funktion" im grammatischen Sinne also.

      Das mag sich hier nur um eine weniger gelungene Darstellung des Ansatzes von Montessori handeln, aber es zeigt doch, dass das Verb offenbar ganz stark und im obigen Fall eben ausschließlich als Tätigkeit identifiziert wird. Ich würde mich nicht wundern, wenn das die gängige Art und Weise ist, das Verb als Symbol einzuführen. Das bietet sich für einen direkten handlungsorientierten Zugriff ja auch an, nun ist es aber eben so, dass Sprache bei Weitem nicht nur das beschreibt, was wir konkret vor Ort machen.

      Was geht um uns herum vor, was ereignet sich in der Welt? Eben z.B. das: "Mir begegneten ... viele Menschen."

      Für die Kinder ist aber nach solch einer Erklärung "laufen", "husten", "hüpfen" etc. der rote Kreis. Wie soll man von dort aus bitteschön die Erklärungskurve zu Vorgängen und Zuständen schaffen (sofern sie überhaupt erfolgt)? Ich stelle mir das schwierig vor.

      der Buntflieger
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      Du befürchtest also, dass die Kinder sagen, dass "begegnen" kein Verb sei, weil es schwierig ist, bei dem Satz "Mir begegneten viele Menschen." mit "Was tut...?" zu fragen, oder? Du könntest damit natürlich Recht haben, aber bedenke, dass es bei dem Montessori-Ansatz um die Einführung in die Verbmorphologie geht. Die Kinder sollen Verben erst einmal kennenlernen und nicht mit jedem Ausnahmefall vertraut sein. Weiterhin kommen ja später die Regeln zu den Verben dazu, z.B. dass sie konjugiert und in verschiedenen Zeiten dargestellt werden können. Im Übrigen ist dein Beispiel ein Passiv-Satz, was natürlich noch einmal schwerer ist. Aktiv würde es so heißen: Viele Menschen begegneten mir.
      Konjugation:
      Du begegnetest...
      Er begegnete...
      Ihr begegnetet... mir.
      "Ich" und "wir" machen semantisch hier keinen Sinn, "sie" ist grammatisch synonym zu "viele Menschen".
      Tempi:
      Viele Menschen waren mir begegnet.
      Viele Menschen sind mir begegnet.
      Viele Menschen begegnen mir.
      Viele Menschen werden mir begegnen.
      Viele Menschen werden mir begegnet sein.

      Was machen die vielen Menschen? Sie begegnen mir.

      Folglich: ist gleich Verb ;) .
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      Lehramtsstudent schrieb:

      Du befürchtest also, dass die Kinder sagen, dass "begegnen" kein Verb sei, weil es schwierig ist, bei dem Satz "Mir begegneten viele Menschen." mit "Was tut...?" zu fragen, oder? ... Im Übrigen ist dein Beispiel ein Passiv-Satz, was natürlich noch einmal schwerer ist. Aktiv würde es so heißen: Viele Menschen begegneten mir.
      Konjugation:
      Du begegnetest...
      Er begegnete...
      Ihr begegnetet... mir.
      "Ich" und "wir" machen semantisch hier keinen Sinn, "sie" ist grammatisch synonym zu "viele Menschen".
      Tempi:
      Viele Menschen waren mir begegnet.
      Viele Menschen sind mir begegnet.
      Viele Menschen begegnen mir.
      Viele Menschen werden mir begegnen.
      Viele Menschen werden mir begegnet sein.

      Was machen die vielen Menschen? Sie begegnen mir.

      Folglich: ist gleich Verb ;) .

      Hallo Lehramtsstudent,

      der Satz mit "begegnen" ist mir nur aufgefallen (und habe ich als Beispiel herausgepickt, dass man ständig auf Verben trifft, die eben keine Tätigkeit - also bewusste/intentionale Handlung - beschreiben).

      Mir ging es in erster Linie um das Montessori-Beispiel als solches.

      Aber gut, ich gehe auf deine Einlassung ein. Erstmal kann man mit "begegnen" gar kein Passiv bilden. Das liegt schlicht daran, dass es eben keine bewusst durchgeführte (zielgerichtete) Handlung beschreibt!

      Du drehst hier einfach den Satz um, das hat aber nichts mit Aktiv/Passiv zu tun. Im letzteren Fall ändert sich die Satzperspektive durch Promotion (Vorstufung) des Patiens und Demotion (Rückstufung) des Agens. Im Satz "Viele Menschen begegneten mir" gibt es kein Agens (d.h. "Täter"), sondern nur jemanden, dem andere Leute begegnen.

      Oh man, man mache sich die Grammatik-Welt, wie sie einem gefällt. :zoepfe:

      der Buntflieger
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      @Buntflieger

      Ja, aber es geht doch hier nur um die allererste Einführung. Und natürlich kann man das später ausweiten. Ich finde das so schwer jetzt nicht, wenn man im Anschluss/parallel relativ zügig auch auf andere Merkmale des Verbs kommt.
      Ich denke übrigends auch nicht, dass das Beispiel nun unbedingt spezifisch Montessori ist.
      Ich spiele mit meinen Schülern zu Beginn des Themas Verben auch gerne Pantomime und lasse die passenden Verben dazu finden. Und ich bin heilfroh wenn sie die Verknüpfung "es ist eine Tätigkeit , also ist es ein Verb" abspeichern (und niemand sagt, dass das die einzigen Verben wären....). Heute war z.B. wieder einer meiner 3.Klässler der festen Überzeugung "kocht" wäre ein Nomen. Diese Kind hat also nicht mal erkannt, dass es sich um ein Tätigkeit handelt! Der hat mir das erst geglaubt, als er selber feststelle, dass man sagen kann "ich koche, er kocht usw.". Da wäre ich froh gewesen wenn er sofort erkannt hätte: Tätigkeit, also Verb.

      Ansonsten grübel ich jetzt schon ein Weilchen darüber, was ich jetzt alles nicht machen könnte, wenn die Kinder die Wortarten in der 2.Klasse nicht gelernt hätte. Rechtschreibung wäre auf jeden Fall ein Punkt (es wundert mich übrigends, dass du das als minderwichtig abtust und gleichzeitig beklagst, dass das den Kindern später so schwer fällt...). Angefangen mit der schon erwähnten Großschreibung, über sowas wie Wortbausteine (z.B. Vorsilben von Verben, Endungen verschiedener Personalformen) bis hin zu Ableitungen (Mehrzahlbildung von Nomen, Steigern von Adjektiven) oder Verlängerungen (wiederum Pluralbildung von Nomen oder das Bilden der Grundformen von Verben). Klar könnten man das irgendwie auch ohne Wortartenbegriffe erklären und einfach nur von Wortfamilien und verwandten Wörtern sprechen, aber ich finde das wären verschenkte Lernmöglichkeiten, da sich dabei ja auch Verknüpfungen bilden.

      Ein anderer Bereich wäre das Texte schreiben. Da thematisiert man ja auch, dass sie vielfältige und passende Verben finden sollen, man thematisiert die Zeitformen (ich wüsste z.B. nicht wie ich mit den Kindern das Präteritum hätte üben sollen, das sie jetzt beim Märchenschreiben brauchen), oder dass man Texte durch den Einsatz von Adjektiven lebendiger gestalten kann.
      Der Punkt ist: man kann auch trotz Einführung der Wortarten mit Sprache spielen, darüber reflektieren und gemeinsame Entdeckungen machen (meine Kinder sind was das angeht sehr interessiert und findig!).

      Und wenn sich ein Schüler später darüber wundert, dass in dem Satz: "Beim Schwimmen habe ich meine Taucherbrille verloren." Schwimmen ein Nomen ist, dann ist das doch prima! Dann ist ihm da ein Diskrepanz zu dem aufgefallen, was er bisher schon wusste und dann kann man daran wunderbar anknüpfen und gemeinsam überlegen, warum das so ist.
      (Meinen Kleinen würde ich das übrigends z.B so erklären, dass das in dem Satz halt der "Name" der Sportart/Tätigkeit ist...).
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      Buntflieger schrieb:




      Ahnungen und skizzenhafte Unterrichtsideen sind bereits zur Diskussion gestellt worden (nicht nur von mir) und darauf könnte man sich schon nochmal etwas konkreter beziehen.
      Wo? Ich hab nur sehr konkrete Nachfragen gefunden, denen du nicht standhalten konntest. Das ist was ganz anderes, als alles aus Prinzip vom Tisch zu wischen.


      Buntflieger schrieb:

      ...
      Warum lassen wir die Kinder nicht mit den Formen und Funktionen der Sprache (kontrolliert) experimentieren? D.h. Einheiten als solche wahrnehmen, schauen was passiert, wenn man sie verschiebt. Verben zu Sätzen ergänzen lassen etc. Warum müssen sie gleich zu Beginn Wortarten aufs Auge gedrückt bekommen?...
      Was meinst du denn genau? werde doch mal konkret.

      Wie sollen die 8-jährigen Schüler von icke oder meine 15-Jährigen experimentieren, um herauszufinden, was...- ja was eigentlich? skizziere doch mal eine Unterrichtseinheit. Wer soll was am Ende des Jahres können und womit in etwa willst du es erreichen?

      Da ich seit 5 Jahren mehr oder minder erfolglos Sprachbetrachtung betreibe, bin ich für jede Idee offen. Sag mir, was ich morgen in Deutsch machen soll und ich berichte vom Ergebnis.
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      Krabappel schrieb:


      Was meinst du denn genau? werde doch mal konkret.
      Wie sollen die 8-jährigen Schüler von icke oder meine 15-Jährigen experimentieren, um herauszufinden, was...- ja was eigentlich? skizziere doch mal eine Unterrichtseinheit. Wer soll was am Ende des Jahres können und womit in etwa willst du es erreichen?

      Hallo Krabappel,

      ich werde ständig konkret, aber das scheint hier irgendwie nicht anzukommen. Ich weise ganz konkret auf Verständnisschwierigkeiten bei der Grammatikvermittlung hin und erkläre sehr konkret diversen Leuten hier, weshalb sie offenbar das semantische Konzept der Sprachbetrachtung im Deutschen nicht richtig verstanden haben.

      Ich musste hier tatsächlich über mehrere Seiten klarstellen, dass "schlafen" keine Tätigkeit beschreibt und nun gerade hat jemand offenbart, dass er offensichtlich keine Idee vom Konzept der semantischen Rollen hat ("Diathese") und sich stattdessen seine eigene Bedarfs-Semantik zusammen schustert.

      Was deine Frage anbetrifft: Versuchs doch einfach mal mit Wortkarten. Du bist die Lehrkraft, lass dich von Ideen anderer inspirieren und entscheide selbst, was für deine Schüler am geeignetsten ist. Wenn du die hier skizzierte Idee doof findest, dann lass es doch einfach bleiben. Dass ich dir nicht mehr sagen kann (und ehrlich gesagt auch nicht will), hab ich schon mehrfach wiederholt. Ich bin hier auf keiner Mission oder so, ich finde das Thema nur spannend, sehe konkrete Probleme und ansonsten bin ich kein Grammatikdidaktk-Gruru, sondern ein Berufsanfänger mit großen Erfahrungsdefiziten in allen Bereichen.

      der Buntflieger
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      icke schrieb:

      Ansonsten grübel ich jetzt schon ein Weilchen darüber, was ich jetzt alles nicht machen könnte, wenn die Kinder die Wortarten in der 2.Klasse nicht gelernt hätte. Rechtschreibung wäre auf jeden Fall ein Punkt (es wundert mich übrigends, dass du das als minderwichtig abtust und gleichzeitig beklagst, dass das den Kindern später so schwer fällt...). Angefangen mit der schon erwähnten Großschreibung, über sowas wie Wortbausteine (z.B. Vorsilben von Verben, Endungen verschiedener Personalformen) bis hin zu Ableitungen (Mehrzahlbildung von Nomen, Steigern von Adjektiven) oder Verlängerungen (wiederum Pluralbildung von Nomen oder das Bilden der Grundformen von Verben). Klar könnten man das irgendwie auch ohne Wortartenbegriffe erklären und einfach nur von Wortfamilien und verwandten Wörtern sprechen, aber ich finde das wären verschenkte Lernmöglichkeiten, da sich dabei ja auch Verknüpfungen bilden.

      Ein anderer Bereich wäre das Texte schreiben. Da thematisiert man ja auch, dass sie vielfältige und passende Verben finden sollen, man thematisiert die Zeitformen (ich wüsste z.B. nicht wie ich mit den Kindern das Präteritum hätte üben sollen, das sie jetzt beim Märchenschreiben brauchen), oder dass man Texte durch den Einsatz von Adjektiven lebendiger gestalten kann.
      Der Punkt ist: man kann auch trotz Einführung der Wortarten mit Sprache spielen, darüber reflektieren und gemeinsame Entdeckungen machen (meine Kinder sind was das angeht sehr interessiert und findig!).

      Und wenn sich ein Schüler später darüber wundert, dass in dem Satz: "Beim Schwimmen habe ich meine Taucherbrille verloren." Schwimmen ein Nomen ist, dann ist das doch prima! Dann ist ihm da ein Diskrepanz zu dem aufgefallen, was er bisher schon wusste und dann kann man daran wunderbar anknüpfen und gemeinsam überlegen, warum das so ist.
      (Meinen Kleinen würde ich das übrigends z.B so erklären, dass das in dem Satz halt der "Name" der Sportart/Tätigkeit ist...).

      Hallo icke,

      Rechtschreibung habe ich nicht als unwichtig abgetan, ich habe nur Zweifel angemeldet, dass eine möglichst frühe Wortarteneinführung zwangsläufig zu einer besseren Rechtschreibung führt oder/und für diese unabdingbar ist.

      Dann wendest du das Argument zudem einfach gegen mich: Ich habe doch zuerst angemerkt, dass die kategoriale Wortarteneinführung - basierend auf dürftigen Kriterien - später womöglich zu einer mangelhaften Rechtschreibung führt bzw. beiträgt.

      Alles, was du anführst, ist außerdem genau der Selbstzweck, von dem ich schon sprach: "Vorsilben von Verben, Endungen verschiedener Personalformen, Mehrzahlbildung von Nomen, Steigern von Adjektiven, Verben finden, Zeitformen üben, Adjektive einsetzen"... etc.

      Klar kann man Verben und Adjektive nur "finden", wenn man sie vorher einführt. Dass sie gar nicht eingeführt werden sollen, wurde von mir außerdem nicht behauptet.

      Anerkennenswert ist die folgende Aussage von dir:

      "Der Punkt ist: man kann auch trotz Einführung der Wortarten mit Sprache spielen, darüber reflektieren und gemeinsame Entdeckungen machen (meine Kinder sind was das angeht sehr interessiert und findig!)."

      Die Einführung der Wortarten dreht sich also weitgehend um sich selbst und bringt viele kleinere wie größere Problemchen mit sich. Trotzdem können wir später über Sprache reflektieren - das sei unbestritten. Aber vielleicht wäre das einfacher und früher möglich und die Wortartenkenntnis dann eine Selbsterkenntnis der Lernenden und keine übergestülpte Lernprozedur einer in vielerlei Hinsicht problematischen bzw. defizitären (Schul-)Grammatik.

      der Buntflieger
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      Wieso ist es Selbstzweck, wenn die Kinder Adjektive und Verben nutzen um an ihren Texten zu arbeiten? Ist Sprache nicht dazu da um sich auszudrücken? Um Inhalte zu vermitteln? Sie erweitern damit ihren Wortschatz und ihre Ausdrucksfähigkeit. Letztlich hatten wir z.B großen Spaß daran immer noch mehr Wörter zum Wortfeld "sagen" zu finden. Die Kinder haben gar nicht mehr aufgehört immer noch mehr Wörter zu finden und waren sehr fasziniert davon, wie sich dadurch der Ausdruck und z.T auch die Bedeutung der nachfolgenden wörtlichen Rede veränderte.
      Und wie willst du die Rechtschreibung vermitteln ohne Rechtschreibstrategien zu nutzen (die nun mal die Wortarten mit einbeziehen)? Was wäre die Alternative?
      Klar ist es manchmal stupides Übenvon recht formalen Inhalten, aber das macht eben nur einen Teil des Unterrichts aus. Und ist manchmal auch nötig, damit es sich setzt und man es dann an anderer Stelle bewusst einsetzen kann.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von icke ()

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      Buntflieger schrieb:

      ich habe nur Zweifel angemeldet, dass eine möglichst frühe Wortarteneinführung zwangsläufig zu einer besseren Rechtschreibung führt oder/und für diese unabdingbar ist.
      Auf jeden Fall! Inzwischen hat man bei uns die Grammatik und die Rechtschreibung im Lehrplan unter der Überschrift: "Sprachliche Strukturen erkennen und reflektieren" zusammengefasst. Es gibt ganz viele Überschneidungen zwischen grammatikalischen und rechtschriftlichen Betrachtungsweisen. Als Beispiel seien hier die Wortfamilie, Verlängerungen von Wörtern, Vorsilben genannt, was in den anderen Beiträgen schon erwähnt wird. Wenn man nicht kategorisiert und strukturiert, bleibt dieser Aspekt der Sprache ein zusammenhangloser Mischmasch. Übrigens kann man auch in diesen Kategorien viel Schüler selbst erforschen lassen, wenn man die Themen einführt. Das hat icke beschrieben. Außerdem - das wurde ebenfalls schon mehrmals erwähnt, werden die Erkenntnisse nach und nach erweitert. Man bleibt ja nicht auf dem Stand der Einführung der 2. Klasse stehen. In Mathematik machst du auch erst das kleine 1x1, bevor du die schriftliche Multiplikation durchnimmst oder fängst mit einem kleinen Zahlenraum an, bevor du weiterschreitest.
      Manche Themen führe ich auch einmal gerne vom globalen Ansatz her (erst einmal alle Aspekte entdecken und dann die einzelnen vertiefen) und nicht schrittweise ein, doch die Themen müssen sich dann wirklich dafür eignen, da der Anspruch da schon höher ist.
      Wie gesagt, da die Wortarten früh anfangen sollten, wie sich alle Grundschullehrer einig sind, können wir nicht abwarten bis zur 4. Klasse, bis die Schüler so weit eine Abstraktionsfähigkeit besitzen, dass sie die verschiedenfältigen Aspekte von Wortarten selbständig entdecken können. Ich kann das höchstens als Zusammenfassung des bisherigen Gelernten mit Entdeckung von weiteren, neuen Aspekten im 4. Schuljahr machen.

      Das andere ist der kreative, intuitive Zugang zur Sprache, den ich in der Grundschule sehr bereichernd finde. Auch hier haben wir viele Möglichkeiten, kreativ mit Sprache umzugehen, sogar mit grammatikalischem Hintergrund. Da existieren viele Ideen, die man umsetzen kann.
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      icke schrieb:

      Wieso ist es Selbstzweck, wenn die Kinder Adjektive und Verben nutzen um an ihren Texten zu arbeiten? Ist Sprache nicht dazu da um sich auszudrücken? Um Inhalte zu vermitteln? Sie erweitern damit ihren Wortschatz und ihre Ausdrucksfähigkeit. Letztlich hatten wir z.B großen Spaß daran immer noch mehr Wörter zum Wortfeld "sagen" zu finden. Die Kinder haben gar nicht mehr aufgehört immer noch mehr Wörter zu finden und waren sehr fasziniert davon, wie sich dadurch der Ausdruck und z.T auch die Bedeutung der nachfolgenden wörtlichen Rede veränderte.
      Und wie willst du die Rechtschreibung vermitteln ohne Rechtschreibstrategien zu nutzen (die nun mal die Wortarten mit einbeziehen)? Was wäre die Alternative?
      Klar ist es manchmal stupides Übenvon recht formalen Inhalten, aber das macht eben nur einen Teil des Unterrichts aus. Und ist manchmal auch nötig, damit es sich setzt und man es dann an anderer Stelle bewusst einsetzen kann.

      Hallo icke,

      sicherlich ist Sprache dazu da, um sich auszudrücken und um Inhalte zu vermitteln etc.
      Aber was um Himmels Willen hat das mit Grammatikunterricht zu tun?

      Es ist hinlänglich bekannt, dass Grammatikunterricht äußerst bescheidene Effekte erzielt, nur sehr wenig davon dauerhaft bei den Lernenden hängen bleibt und empirisch konnten bisher keine schlagkräftigen Belege dafür gefunden werden, dass Grammatikunterricht das Sprachverständnis unterstützt.

      Das Sprachverständnis entwickelt sich von ganz alleine, durch alltägliche Interaktionen und konkrete Sprachhandlungen aller Arten. Die bewusste Reflexion über die Sprache (d.h. Grammatik im eigentlichen Sinne) ist was ganz anderes. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum zu glauben, dass die Sprachkompetenz eines Menschen irgendwas mit seinen expliziten Grammatikkenntnissen zu schaffen habe (mit den impliziten sehr wohl!)

      Jetzt lebt der Grammatikunterricht noch von seiner altehrwürdigen Tradition und den verbreiteten Irrtümern über dessen Nützlichkeit/Notwendigkeit. Langfristig gesehen wird er sich aber neu und besser rechtfertigen müssen als bisher.

      Und "Wortfelder" kann man ganz ohne Grammatik bilden. Heteronyme werden ja nicht auf Grund grammatikalischer Kenntnisse gefunden, sondern wegen thematischer/inhaltlicher Zusammenhänge des Gemeinten/Bezeichneten.

      der Buntflieger
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      Bei der deutschen Sprache kann man sich tatsächlich darüber streiten, welcher Effekt das Grammatikwissen für die gesprochene Sprache und Textproduktionen hat. (Effekte sind auf jeden Fall vorhanden, wenn die Übungen gut gewählt sind.)
      Für die Rechtschreibung braucht man ein Grammatikwissen auf jeden Fall; in den letzten Jahren hat man die Rechtschreibung besser strukturiert - früher hat man das meiste anhand von "Worterinnerungen" und stupidem Auswendiglernen geschrieben.
      Ein weiterer wichtiger Aspekt der Grundschulgrammatik ist, dass sie zumindest im Ansatz grammatikalische Grundlagen für Fremdsprachen legt. Ich denke, im Hinblick auf die Fremdsprachen ist ein grundlegendes Grammatikwissen notwendig, es sei denn, die Fremdsprachen werden irgendwann ganz intuitiv vermittelt.
    • Neu

      Caro07 schrieb:

      Bei der deutschen Sprache kann man sich tatsächlich darüber streiten, welcher Effekt das Grammatikwissen für die gesprochene Sprache und Textproduktionen hat. (Effekte sind auf jeden Fall vorhanden, wenn die Übungen gut gewählt sind.)
      Für die Rechtschreibung braucht man ein Grammatikwissen auf jeden Fall; in den letzten Jahren hat man die Rechtschreibung besser strukturiert - früher hat man das meiste anhand von "Worterinnerungen" und stupidem Auswendiglernen geschrieben.
      Ein weiterer wichtiger Aspekt der Grundschulgrammatik ist, dass sie zumindest im Ansatz grammatikalische Grundlagen für Fremdsprachen legt. Ich denke, im Hinblick auf die Fremdsprachen ist ein grundlegendes Grammatikwissen notwendig, es sei denn, die Fremdsprachen werden irgendwann ganz intuitiv vermittelt.

      Hallo Caro07,

      leider sind die Übungen eben oft nicht gut gewählt, sondern der Grammatikunterricht besteht aus ständig wechselnden Versatzstücken.

      Bitte lass uns das Thema Rechtschreibung doch beiseite legen; ich habe nie gesagt oder gemeint, dass diverse Hilfsmittelchen (Proben) nicht sinnvoll sein können, um Hürden in der Rechtschreibung zu umschiffen. Nun fällt es mir nicht leicht, die Themen zu verbinden, da ich bis weit nach dem Abitur allenfalls über rudimentäre Grammatikkenntnisse verfügte, dennoch aber meine Rechtschreibung weitgehend fehlerfrei ausfiel.

      Ich habe als Kind viel gelesen (Jugendbücher) und während dieser aktiven Lesephase verbesserte sich meine Rechtschreibung drastisch.

      Leider ist das Argument mit den Fremdsprachen inzwischen auch hinfällig. Es gibt Lerner, denen dieser Zugang hilft, aber eben auch solche, für die das ein Alptraum darstellt. Ich habe erst in der Oberstufe damit angefangen, die Fremdsprachen zu schätzen und zu sprechen: Als die Grammatik zurücktrat und man endlich damit begann, Texte zu lesen und darüber zu sprechen/schreiben! Frag mich bitte nichts über die Englisch-Grammatik! :rotwerd:

      Ich spreche diese Sprache heute so gut wie nie zuvor, aber vor allem deshalb, weil ich ständig Texte in Englisch lese.

      Wenn wir den Grammatikunterricht rechtfertigen wollen, dann würde ich da anders ansetzen. Es kann doch nur darum gehen, gewisse bewusste Einblicke in die eigene Sprache zu erhalten und spielerisch damit zu experimentieren. Dieser ganze aufgeblasene Ernst der Schulgrammatik und diese starre Unzugänglichkeit sind doch eher hinderlich für solch einen Prozess. Jetzt als Erwachsener spiele ich mit den lateinischen Begriffen und kloppe sie in die Tonne, wenn sie mich nicht überzeugen - natürlich basierend auf linguistischen Theorien und nicht aus bloßer Willkür heraus.

      Aber als Kind/Schüler hat mich dieser Wust an unzugänglichen Begriffen oder/und sonderbaren Erklärungen (wie gesagt, ich habe den schulischen semantischen Zugang als Kind eben NICHT so ohne Weiteres schlucken können) abgeschreckt und mir war immer ein Rätsel, weshalb ich trotzdem sprachlich keine Probleme hatte. Die lagen in anderen Bereichen.

      Es ist spät, der Beitrag schon wieder viel zu lang und ich bin müde. Gute Nacht! :gruss:

      der Buntflieger
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