Deutsch Förderunterricht für Berufsschüler

  • Moin,


    vielleicht kennt Ihr das Problem auch. Ich habe immer wieder Schüelr bei mir in der Berufsschule sitzen (sowohl teil- also auch vollzeit), die eigentlich mit dem Unterrichtsstoff keine Probleme haben, die aber der Deutschen Sprache nicht ausreichend mächtig sind, um die mitunter komplexen Fragestellungen in Klausuren zu verstehen. Also Mathe 1, Physik 1, Betriebswirtschaft 5, Englisch 6, ...


    Gibt es irgendwo für solche Schüler entsprechend aufbauende DaZ-Kurse? Es geht mir also nicht darum, daß die Schüler kein Deutsch verstehen. Es geht mir darum, daß sie es für den Beruf nicht gut genug verstehen. Also für die Fremdsprachler: Wie bringe ich die Schüler von Kompentenzniveau B1 auf C2? Hätten die Schüler fachlich ein Problem, könnte ich sie zumindest im Teilzeitbereich zu den ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) schicken, die vom Arbeitsamt finanziert werden. Aber was mache ich mit den Vollzeit-Schülern?


    Und nein, ich unterrichte das Fach Deutsch selber nicht.

  • Darüber wundere ich mich aber. In welchen Bildungsgängen wird denn in Mathe und Physik ohne Fragestellung gearbeitet? Gerade in der Fachmathematik haben diese Schüler doch Schwierigkeiten, weil sie gar nicht verstehen können, WAS sie da rechnen sollen. Wo gibt’s denn in der SekII noch Päckchen-Rechnen?


    Aber das Grundproblem ist doch eigentlich „nur“, dass sie die Fachsprache nicht können. Sprachsensibler Unterricht ist ja in aller Munde. Deswegen kann man vielleicht die Frage anders stellen, formulieren bzw über Bilder darstellen. Ich habe einen Schüler im technischen Gymnasium, der das Fachvokabular nicht beherrscht. Das muss er dann einfach lernen. So wie andere Vokabeln.

  • In welchen Bildungsgängen wird denn in Mathe und Physik ohne Fragestellung gearbeitet? Gerade in der Fachmathematik haben diese Schüler doch Schwierigkeiten, weil sie gar nicht verstehen können, WAS sie da rechnen sollen. Wo gibt’s denn in der SekII noch Päckchen-Rechnen?

    Also in Mathe ist das derweil bei uns recht einfach. Da führen sie nämlich derweil Kurvendiskussionen durch. Sobald der Schüler da das Wort "Kurvendiskussion" in Verbindung mit der Formel hört, weiß er bescheid und macht den Rest automatisch. Da könntest also wirklich die komplette Klausur an die Tafel schreiben:


    Führen sie für folgende Funktionen jeweils eine Kurvendiskussion durch:

    • 1. Formel
    • 2. Formel


    Fertig. ist die Klausur. Das man da entsprechend ab- und aufleiten muß, um Hoch- und Tiefpunkte sowie Wendestellen inkl. deren Art bestimmen zu können, wissen inzw. alle. Dazu noch das Verhalten gegen plus und minus unendlich usw. ...


    Wird schwierig wenn es an Gesetzestexte geht. Die verzweifeln reihenweise...

    Um die geht es z.T., wobei ich da immer schon den entsprechenden Paragraphen raussuche und zur Frage dazu packe.

  • plattyplus: Das, was du beschreibst, ist Anforderungsbereich I, also Reproduktion von Inhalten. Auch in Mathematikklausuren sollten Anforderungsbereich II und III Anwendung finden und da, da hat Sissymaus schon Recht, müssen Schüler natürlich auch die Fragestellung lesen und die Fachbegriffe (ggf. in einem kleinen Text) richtig anwenden. Ich weiß nicht, an welcher Schulform du konkret unterrichtest (im Berufsschulbereich gibt es ja nochmal viele Untergliederungen), aber gerade im Leistungskurs (gibt es ja z.B. im beruflichen Gymnasium) bearbeitet man wenig Aufgaben rein nach Schema F.

  • Danke, lieber (Grundschul-) Lehramtsstudent, dass du uns über das Berufskolleg und seine Bildungsgänge aufklärst.


    Plattyplus, ich hab gedacht, du redest von dualen Bildungsgängen. In Berufsfachschulen, Gymnasien und HBF ist das natürlich so, wie du beschreibst.
    Aber eine Lösung habe ich auch nicht. Außer eben, dass Fachvokabular eben gelernt werden muss. Mein arabischer Teilnehmer Leistungskurs Maschinenbau muss auch lernen, was eine neutrale Faser ist. Das wissen die Deutsch-Muttersprachler auch nicht.
    Zudem muss die Lesekompetenz geschult werden. Dafür gibt’s einige Methoden. Da die ja auch Deutsch haben, wäre das dort zu verorten. Sprich doch mal mit den Deutsch-Kollegen.

  • Die guten Noten in Mathe und Physik wundern mich auch. Von welcher Schulform sprichst du da?
    In unseren dualen Ausbildungsklassen haben wir ähnliche Probleme, die sich dann aber eben auf alle Schulfächer beziehen. Selbst wenn jemand in Mathe ein absolutes Ass war, hapert es irgendwann am Verständnis. Neuer Unterrichtsstoff kann bei mangelnden Sprechkenntnissen nur schwer vermittelt werden und Anwendungsaufgaben sind kaum lösbar.
    Die Heterogenität ist gerade in den Ausbildungsklassen heftig. Vom Abiturienten bis zum erst seit einem Jahr in Deutschland lebendem Familienvater ist alles dabei. Und solange es keine Verordnung gibt, die die Problematik von Nichtmuttersprachlern regelt, muss ich geben/ gebe ich in vielen Fäller mangelhafte/ungenügende Noten; vor allem denjenigen, die die angebotenen ABHs nicht nutzen und nur sporadisch besuchen.

  • Danke, lieber (Grundschul-) Lehramtsstudent, dass du uns über das Berufskolleg und seine Bildungsgänge aufklärst.

    Nö, habe ich nicht und ich bin auch ehrlich, dass ich von den Bildungsgängen am Berufskolleg null Ahnung habe. Was jedoch den allgemeinbildenden Teil betrifft, gerade was den gymnasialen Oberstufenbereich angeht, so ist es nun einmal so, dass Klausuren nach den drei Anforderungsbereichen aufgebaut sind und man gerade im Anforderungsbereich III nicht nach Schema F vorgehen kann - nicht mehr, nicht weniger.

  • Ich schließe mich da an. Diese an die Tafel geschriebene Klausur finde ich nicht in Ordnung, besonders nicht für gymnasiale Bildungsgänge. Da sollten noch andere, komplexere Aufgaben enthalten sein, entweder innermathematisch oder im Kontext.


    Mit meinen Klausuren, die ich vorbereitend auf das Zentralabitur konzipiere, haben Schüler mit schwachen Deutsch Kenntnissen öfter Probleme. Sie müssen es aber üben.

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