Wie bewegt man Schüler zum Grüßen auf dem Gang?

  • Liebe Kolleginnen und Kollegen,


    an meiner Schule (Gymnasium auf dem Lande) scheint es nicht so üblich zu sein, dass Schüler ihre Lehrer grüßen, die ihnen auf dem Gang oder irgendwo auf dem Schulgelände begegnen. Da werden Lehrer oft lieber "übersehen", was schon mehrere meiner Kollegen unabhängig von mir bemerkt haben. Das kannte ich so von anderen Schulen nicht. Heute nun rief mir nach der letzten Stunde ein Schüler aus einer Klasse, mit der ich ziemlich gut klarkomme, "Tschüß, Frau X...", nach, woraufhin ein Mitschüler "Schleimer" zu dem freundlich Grüßenden sagte.


    Ich überlege nun, das Thema in der Klasse am Montag kurz anzuschneiden. Ich möchte den Schülern klarmachen, dass es ganz normal sein sollte, dass man sich grüßt, und das nichts mit "Rumschleimen" zu tun hat. Hat jemand von Euch so etwas schon mal angesprochen, ohne dass folgenden "Grüß-Situationen" danach krampfig und erzwungen waren?


    Würde mich über Eure Einschätzungen und Erfahrungen freuen. Wie kann man ohne Holzhammermethode den Schülern "beibringen" zu grüßen?

    • Offizieller Beitrag

    Ich würde das Thema zwar ansprechen aber nicht moralisieren.
    Schüler grüßen nicht notwendigerweise nicht, weil sie keinen Respekt haben oder den Lehrer bewusst übersehen, sondern weil sie es u.U. gar nicht wissen oder kennen, dass es sich aus Sicht einiger Kollegen gehört zu grüßen.


    Auf der anderen Seite: Wenn mich jeder Schüler, dem ich am Tag über den Weg laufe, begrüßen würde, könnte ich auch sechs Stunden mit Begrüßungen verbringen.


    Ich für meinen Teil erwarte nicht, dass mich alle Schüler auf dem Gang grüßen - dennoch tun es für gewöhnlich die meisten, die ich selbst unterrichte. Von "Schleimer" ist da nicht die Rede - das gehört eben zum Umgangston.


    Wenn Du sie jedoch dazu bewegen möchtest, kannst Du ihnen ja klar machen, dass es Dir wichtig ist und zu einer positiven Schulatmosphäre beiträgt.


    Falls die Schüler das aber in der von Dir erwarteten Form noch nie getan haben, würde ich es nicht explizit erwarten. Wenn das so Gewohnheit ist, kannst Du als Einzelner nicht viel ändern - vielleicht am ehesten bei Deiner eigenen Klasse.


    Gruß
    Bolzbold

  • Bei uns ist eher das Problem, dass ein paar wenige Lehrer nicht einmal ihre Kollegen auf dem Flur grüßen.


    Was macht man da?


    Gruß
    Super-Lion

  • Hi,


    ich halte es für sehr wichtig, dass man Schülerinnen und Schüler zur Höflichkeit anhält. Diese Aspekte habe ich immer im Unterricht vermittelt und habe den Schülerinnen und Schülern auch durch das Aufsuchen außerschulischer Lernorte (z. B. Betriebserkundungen) dann Gelegenheit gegeben, das Erlernte in der Öffenlichkeit und nicht nur in der Schule umzusetzen, um auch dann festzustellen, wie die Umwelt (hier die Betriebsvertreter) darauf reagiert, gemäß dem Motto "Wie es in den Wald hineinschallt, so ....."
    Das haben sie dann schnell begriffen und auch umgesetzt.


    Bei Kollegen würde ich einfach mal das Gespräch darüber suchen bzw. mit gutem Beispiel vorangehen und zuerst grüßen. Mag zwar dann manchmal etwas mühsam sein, aber so kann man dann auch noch Kolleginnen und Kollegen "erziehen".


    Versuch es einfach mal!


    LG Lieselümpchen

    Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich! (Afrikanisches Sprichwort)
    :)

  • Hallo,


    ich kenne das Problem auch von unserer Schule (sowohl Lehrer als auch Schüler). Bei den Kollegen hat bis jezt nichts geholfen, da sind einfach ein paar Spezielle dabei, die grüßen einen einmal pro Woche und sonst wird man mit Ignoranz gestraft...


    Bei den Schülern bin ich dazu übergegangen, dass ich sie konsequent grüße und zwar immer und überall und sehr überschwenglich, gerade bei denen, die einen angeblich nicht sehen. Das hilft eigentlich ganz gut. 'In meiner Klasse habe ich das Thema noch nicht ansprechen müssen, da sie grüßen, aber wenn sie es nicht machten, dann würde ich darüber reden, warum man sich grüßt und was es für einen anderen Menschen beduetet, wenn man ihn ignoriert usw.


    Schnuppe

    • Offizieller Beitrag

    Ich grüße alle Schüler, die ich einzeln auf dem Gang oder in der freien Wildbahn sehe, und die grüßen auch zurück. Den von Kollegen schon gehörten Käse, dass der jüngere immer zuerst grüßen muss, finde ich total kindisch&peinlich, da mach ich nicht mit. Seh' ich einen, grüß ich - sieht der mich zuerst, grüßt der halt, vergisst er's mal, tu ich's dann eben doch - oder lass es halt. Manchmal sind die Lieben ja nur total in Gedanken / frisch verliebt / noch in der Matheklausur .... passiert mir auch.


    In der Pause, finde ich, wird's dann aber albern. Ich begegne da auf dem Weg Klassenraum - Cafeteria etwa 100 Schülern, die ich kenne / mal hatte / die mich kennen: "Hallo X, hallo Y, hallo z und a, hallohallogutenTaghallohallonawiegeht's, hallohallogutentaghallotaghallohuhuhalloTagTagTag...." Ganz ehrlich, nee. In meinen Mund muss zwischendrin auch nochmal das Brötchen rein. Ich grinse also auf eher überfüllten Wegen von A nach B so halbwegs freundlich generell vor mich hin, damit sind alle gemeint, die sich angesprochen fühlen - Kollegen und Schüler - und wem das nicht reicht, für den tut's mir leid, aber ich bin kein Grammophon und auch kein Papagei. :)


    Ist wohl eher ein Problem größerer Schulen...

  • Zitat

    Bei den Schülern bin ich dazu übergegangen, dass ich sie konsequent grüße und zwar immer und überall und sehr überschwenglich


    damit meinte ich, im Schulgebäude...also in der Pause kann ich auch nicht alle grüßen, sondern da läuft es über Blickkontakt und lächeln.

  • Hallo zusammen und vielen Dank für Eure Beiträge! Ich finde die Idee mit dem überschwenglichen Zuerst-Grüßen sehr gut und werde sie bei nächster Gelegenheit ausprobieren.


    Ich überlege allerdings immer noch, wie ich diese Situation anspreche, als ein Schüler sich nett von mir verabschiedet hat und gleich als "Schleimer" tituliert wurde. Aber das geht sicherlich mit einem kurzen Gespräch, wie Schnuppe es beschrieben hat. Das sollte eben nur, wie Bolzbold schreibt, nicht zu moralisierend "rüberkommen".

  • Wie sollen Schüler und Kollegen lernen, dass es ganz nett ist, wenn man gegrüßt wird? - Indem man als Lehrer und Kollege einer Schülergruppe bzw. dem Kolegen ein freundliches "Guten Morgen!" anbietet.


    Regelungen des Anstandes, dass der Jüngere den Älteren zuerst zu grüßen hat, sind in den meisten Köpfen nicht verankert. Wer darauf beharrt, wird scheitern.


    Wenn ich grüßend über den Schulhof gehe, übe ich eine Vorbildfunktion aus.
    Dass ich in der 5-Minuten-Pause nicht jeden Schüler persönlich anspreche, versteht sich von selbst, aber die eine oder andere Bemerkung "en passant" ist "Klimapflege".

    Vorurteilsfrei zu sein bedeutet nicht "urteilsfrei" zu sein.
    Heinrich Böll

    Einmal editiert, zuletzt von alias ()

  • Ich finds immer wieder erstaunlich, dass SuS, wenn sie alleine sind, ganz freundlich grüßen. Und wenn sie in Gruppen zusammenstehen, ist es anscheinend uncool die Lehrerin zu grüßen. :rolleyes: Besonders in der Mittelstufe.


    Wenn ich SuS sehe, dann lächle ich ihnen zumindest immer freundlich zu.Manche grüßen dann von alleine, oder lächeln zumindest zurück. Das reicht ja manchmal auchschon.


    Nur bei den Allercoolsten ist es immer schwierig! ;)

    • Offizieller Beitrag
    Zitat

    Original von Meike.
    Ich grinse also auf eher überfüllten Wegen von A nach B so halbwegs freundlich generell vor mich hin, damit sind alle gemeint, die sich angesprochen fühlen - Kollegen und Schüler...


    :D
    Jau, und wer mir einzeln über den Weg läuft, wird halt richtig gegrüßt. Die meisten grüßen dann auch freundlich und fröhlich zurück.


    Viele haben´s halt nicht gelernt, dass man als Jüngerer eigentlich am Zug wäre, also finde ich es wichtig, sie überhaupt dazu zu bringen, zu grüßen, dann muss halt ich anfangen. Bringt mich auch nicht um :)

    Bolzbold #5

    Gutmensch und Spaß dabei (= das GG und der Diensteid sind schon 'ne gute Sache 😉)

    "Und hast du die Ausrufezeichen bemerkt? Es sind fünf. Ein sicheres Zeichen dafür, dass jemand die Unterhose auf dem Kopf trägt." (T. Pratchett)

    Einmal editiert, zuletzt von jotto-mit-schaf ()

  • Es geht in eine etwas andere Richtung, aber bin ich zu empfindlich, wenn ich mich etwas wundere, von Schülern auf eine zügig korrigierte Gedichtanalyse mit Kommentaren, per Mail zugeschickt, keinerlei Reaktion zu erhalten? Ich vermute, dass so etwas von den Schülern auch als Teil der Serviceleistungen des Lehrers empfunden wird ...


    Aber wenigstens ein "Es ist angekommen" würde mich schon erfreuen ...

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