Direkteinstieg/ Quereinstieg Gymnasium Baden-Württemberg

  • Hallo,
    das Land Ba-Wü sucht gerade händeringend Lehrer für die Berufsschule und das Gymnasium [PDF]. Ich würde mich als Magister (Deutsch/ Politik) für den Direkteinstieg am Gymnasium interessieren. Zwar werde ich laut des Aufrufs explizit nur an den beruflichen Schulen gesucht, aber ich habe gehört, dass es am Gymi nicht besser aussieht und würde es wenn überhaupt lieber da probieren.
    Ein reguläres Ref kommt für mich nicht in Frage, da das finanziell einfach nicht machbar ist, bleibt also der Direkteinstieg. Ich habe dann auf dem Kultusportal eine FAQ über den Direkteinstieg an den beruflichen Schulen gefunden. Dazu hätte ich einige Fragen, vielleicht kann mir ein Seiteneinsteiger oder gut Informierter helfen; beim Regierungspräsidium sind die Ansprechpersonen erst wieder ab dem 7 erreichbar, so dass ich schon mal hier fragen wollte, vielleicht gibt es ja auch ein paar über die offiziellen Infos hinausgehenden Erfahrungen etc.


    1) Sind die Informationen über die beruflichen Schulen auf den Direkteinstieg am Gymnasium übertragbar?


    2) Sehe ich das richtig, dass die Ausbildung als Direkteinsteiger ein gut bezahltes Ref (leider nur als Angestellter und nicht als Beamter auf Probe) mit weniger harten Prüfungen ist?


    3) Wer hat denn Erfahrungen mit dem Direkteinstieg (in BaWü) gemacht? Wie lief das bei euch? Wie wurdet ihr von Direktor und Kollegen aufgenommen?


    Grüße & Danke, maxi


    PS: Frohe Weihnachten :weihnachtsmann: !

  • Die Bezahlung dürfte das geringer Übel sein, schließlich zahlt Baden-Württemberg 500 Euro Aufschlag, also 1.000 + 500 Euro. Da kann man doch zwei Jahre lang mit auskommen.... www.kultusportal-bw.de/servlet/PB/-s/gkteqi1mmscgw6337h37kx9eoyf9t2/menu/1238550/index.html?ROOT=1111879
    Problematischer dürfte die Bewerbungsfrist sein, die nämlich Ende November ablief, für den Einstieg im Herbst 2009 wohlgemerkt.


    Die Internetseite des Landes B-W ist eine der ausführlichsten, leider auch eine der unübersichtlichsten. Ich selbst hatte Anfang Oktober die Seiten aller Kultusministerien abgeklappert, auf der Suche nach Informationen für Seiteneinsteiger. Damals wurde bei B-W aber definitiv noch keine Bewerbungsfrist von Ende November genannt !
    Bislang war es so, daß man sich erstmal bis März registrieren lassen mußte und anschließend eine Bewerbung losschicken konnte. Ich warte seit Mai darauf, daß wieder der März kommt, um mich endlich bewerben zu können, aber das kann ich jetzt wohl knicken....


    Ach so, ich denke kaum, daß der Direkteinstieg "einfacher" als der normale Quereinstieg über den Vorbereitungsdienst ist. Nach allem, was ich in Internetforen las, hat B-W sogar eine recht hohe Ausschußquote im Vorbereitungsdienst.

  • Hallo Maximator,


    ich habe 2004 den Direkteinstieg an einer beruflichen Schule gewagt. Wie's am Gymnasium aussieht, kann ich Dir nicht sagen.


    Die Seminare waren bei mir genau die gleichen wie bei den Refs. Ein Ref mit den gleichen Fächern machte parallel an der gleichen Schule mit mir seine Ausbildung - wir saße in den gleichen Seminaren. Die Prüfungen waren auch identisch. Schul- und Beamtenrecht, EWS 1 und EWS 2, Fachdidaktik der beiden Fächer, Schulleiterbeurteilung und eben die Lehrproben in deinen Fächern. Also einfacher war das nicht.


    Die Bezahlung ist nicht schlecht, allerdings bist Du angestellt und verdienst so um die 3000 € brutto. Netto also auch nicht der Brüller, aber etwas besser als im Ref.


    Vorteil: Da man von der Schule sozusagen eingestellt wird, gleich ab dem ersten Tag eigenständig unterrichtet, wird man sowohl von Schülern als auch Kollegium als volle Lehrkraft angenommen.


    Mein Rektor hat mich vom ersten Tag an unterstützt. Ich habe aber auch von anderen gehört, dass der Rektor etwas gegen sie hatte und sie dann deshalb z.B. nach der Probezeit nicht übernommen wurden. Man ist von der Schule wahrscheinlich mehr abhängig als ein Refi.


    Soviel von mir, falls Du noch Fragen hast - einfach melden.


    Gruß
    Super-Lion

  • Also erstmal vielen Dank.
    Der Zuschlag hört sich aber prinzipiell interessant an - ist man denn als Seiteneinsteiger auch Beamter auf Widerruf? Denn dann wären 1500€ nicht übel und netto letztlich gar nicht so viel weniger als bei einer TVL E13 Anstellung bei einem Direkteinstieg.
    Wobei ich jetzt nicht so ganz verstanden habe, wann der Direkteinstieg und wann der Seiteneinstieg in frage kommt ?( ?


    Ich sehe deine Vermutungen insofern bestätigt, dass einem bei einem Direkteinstieg absolut nichts geschenkt wird, da ich hier in einigen Freds einen ähnlichen Eindruck gewonnen habe.
    Aber mich würden trotzdem gesicherte Infos/ Fakten zum Quereinstieg (Direkteinstieg) am Gymi interessieren.


    Darf man fragen, was du genau vor hast? Hier+ ist übrigens die Info zu finden, dass die Frist für den Direkteinstieg in B-W an den Beruflichen Schulen/ Gymi der 31. März ist. Ich weiß nicht, ob dir das hilft, wollts aber mal gesagt haben :) . Ist aber wirklich alles sehr unübersichtlich...


    Grüße, maxi


    Edit @ Super-Lion: Okay, jetzt herrscht Klarheit bezüglich des Direkteinstiegs, vielen Dank. So wie ich das aktuell nach einigen Stunden Recherche auf den Seiten des KM sehe, gibts beim Gymi auch nur den Seiteneinstieg über das im Verhältnis zum Aufwand mager bezahlte Ref.

  • Hm, ja die sichere Stelle ist natürlich ein Vorteil. In B-W ist das mit den Stunden ja eigentlich auch prinzipiell moderat. Habe aber in deinem Fred von 18 oder mehr Stunden eigenständiger Unterricht gelesen (aber das kommt ja erst im letzten Halbjahr) + Seminar + kein Anspruch auf Mentorat + beschissener Stundenplan (Erste kommen, Letze gehen - sowas geht mal gar nicht!!!), das hört sich extraheftig an und verunsichert wieder...


    Naja, ich warte mal was noch kommt.


    Grüße, maxi

  • Jetzt muss ich mich auch mal zu Wort melden:


    Ich habe vor 6 jahren den Seiteneinstieg in den Lehrdienst gesucht und bin daher über das schlecht bezahlte Referendariat in den Schuldienst gekommen. Ich habe das keine Sekunde bereut, denn was ich hier in dieser Diskussion sehr vermisse, ist dass Lehrer ein Beruf ist, den man ERLERNEN muss! Ich kann es kaum glauben, dass jemand denkt, er stellt sich mal einfach so vor die Klasse und ist ein vollwertiger Lehrer.


    Nach meiner Info ist der Direkteinstieg ohne Referendariat nur für ganz exotische Berufsszweige möglich, wie Wirtschaftsinformatiker oder Elektroingenieure. Für Deutsch/GK-Lehrer wäre mir das absolut neu und in meinen Augen auch nicht notwendig. Über das Ref jederzeit, aber ohne? Wieso sollte das KuMist das tun? Mein Schulleiter z.B. würde lieber den Unterricht selber halten, als nochmals unausgebildete Seiteneinsteiger einzustellen.
    Auch würde ich mich nicht auf das Gymnasium versteifen. Ich empfehle dir, die Berufsschule nicht rigoros abzulehnen, so schlimm sind die Schüler dort auch nicht wie man erzählt (falls das deine Motivation ist).


    Überhaupt habe ich Dipl.-Informatiker erlebt, die über den Direkteinstieg gekommen sind, und es nur ein Jahr ausgehalten haben, bzw. haushoch gefeuert wurden, weil sie es einfach nicht gepackt haben, und sich die Sache zu einfach vorgestellt haben.


    Ich finde (bitte korrigiere mich, wenn ich das falsch sehe) du solltest auch mal deine Motivation überdenken: Du willst gleich richtig verdienen, am besten gleich Beamter sein, und natürlich nur Gymnasium, aber keine beschissenen Stundenpläne haben und extraheftig darf es auch nicht werden. Bitte gehe mal in dich, warum du diesen Job eigentlich machen willst, sonst ist die Enttäuschung hinterher nur umso größer.


    Ich kann jedem nur raten, über das Ref in den Schuldienst einzusteigen. Die zweijährige finanzielle Durststrecke kann man überleben und man hat die Chance diesen Beruf "von der Pike auf" zu erlernen und bekommt auch viel mehr Entfaltungsmöglichkeiten um in diesen schwierigen und anspruchsvollen Beruf hinein zu finden.


    Gruß
    MN

    »...Aus Mettwurst machste kein Marzipan! «
    Bernd Stromberg

    6 Mal editiert, zuletzt von Modal Nodes ()

  • Vielen Dank für deinen Erfahrungsbericht. Jaja, da habe ich mir gedacht, das sowas kommt :) . Ich würde an dieser Stelle gerne Diskussionen über die Motivation etc. außen vor lassen.


    Ob der Direkteinstieg für Germanisten/ Politologen nicht möglich ist, das ist die große Frage. Es hört sich in dem Aufruf (erster Post) nicht so an, nicht an der Berufsschule und schon gar nicht am Gymi. Aber der Kollege einer Bekannten hat es am Gymi so gemacht und über 2 Ecken habe ich gehört, dass der Bedarf zumindest an den beruflichen Schulen wohl sehr groß ist und dass die RP nicht sehr wählerisch sind.
    Vielleicht versteht ja einer, was das uns KM da genau sagen will ;) oder hat konkrete Infos aus erster Hand.


    Grüße, maxi

    • Offizieller Beitrag


    Vielen Dank Modal Nodes, dass du das hier mal so klar ausgesprochen hast. Ich als "regulär gewachsene" Lehrerin (allerdings mit anderer Berufserfahrung vorher) hielt mich da ja sonst bei dem Thema eher zurück, weil ich es immer etwas hochnäsig fand, darüber zu befinden, ob Seiteneinstieg eine gute Möglichkeit sei oder nicht - seit ich allerdings im Gesamtpersonalrat arbeite und im Kontakt mit vielen bzw allen örtlichen Personalräten stehe, stehe ich dem ganzen Seiteneinstieg immer kritischer gegenüber: die Berichte und Zahlen dazu sind relativ vernichtend, die Aufrufe des KM sich den Lehrerberuf einfach mal so zuzutrauen (siehe "Lehrer nach Hessen), sind verführerisch und vor allem völlig irreführend. Die ÖPRs berichten uns fast nur von schief laufenden Versuchen - an den Berufsschulen sehr viel weniger, aber an den Gymnasien fast ausschließlich. Offensichtlich sind ein Fach können und ein Fach ohne Lehramtsstudium und Referendariat vermitteln können zwei verflucht verschiedene paar Schuhe - und viele der im neuen hessichen Programm eingestiegenen Kollegen entwickeln sich am Gymn. zu echten Belastungen, vor allem der ausgelieferten Schüler, für die ja lediglich die Quali zum Abi dran hängt, aber auch der Kollegien.


    Solche Tests gehen immer zu Lasten der Schüler... und nein, Lehrer kann nicht jeder. Die zwei Jahre Referendariat mit knackiger Prüfung sind zwar nicht an allen Stellen sinnvolle Vorbereitung auf den Beruf, aber doch an vielen - und ganz bestimmt als Motivations- und grundsätzlicher Eignungstest.


    Zitat

    Ich würde an dieser Stelle gerne Diskussionen über die Motivation etc. außen vor lassen.

    Warum?

    WE are the music-makers, and we are the dreamers of dreams,
    World-losers and world-forsakers on whom the pale moon gleams
    yet we are the movers and shakers of the world for ever, it seems.

    2 Mal editiert, zuletzt von Meike. ()

  • Ich habe hier sachliche Fragen gestellt und hätte gerne darauf Antworten. Es steht natürlich jedem frei zu posten was er will :) , aber ich habe diesbezüglich kein Interesse und denke, dass eine solche Debatte vom Zweck des Freds wegführt. In einigen Dingen stimme ich euch durchaus zu, aber das hilft mir in der Sache auch nicht weiter ;) .


    In diesem Sinne: Weitermachen, ich würde mich allerdings freuen, wenn da noch ein paar harte Fakten und persönliche Erfahrungen kommen.


    Grüße, maxi

  • Ich denke niemand will dir hier was "reindrücken" aber kannst du nicht ein bisschen verstehen, dass manche sich schlicht weg verarscht fühlen, wenn du hier ankommst, so frei nach dem Motto: "Das was ihr jahrelang gelernt oder sogar studiert habt, kann ich auch ohne Vorbereitung."? "Sagt mir wie ich Lehrer werden kann, ich mache das dann mal schnell."?


    Sicherlich war deine ursprüngliche Frage eine reine Organisatorische. Dennoch muss der Tipp erlaubt sein, dass du dir das m.E. viel zu einfach vorstellst. Du redest über diesen Beruf als ginge es darum einen Angelschein zu beantragen. Du kannst sicherlich die Diskussion hier beiseite schieben, trotzdem machst du dir was vor, wenn du denkst, man wird einfach so mal schnell Lehrer.


    Wie ich schrieb, kann man nach meinen (vielleicht lückenhaften) Informationen mit Deutsch/GK nicht ohne Ref Lehrer werden. So sehr ich dir eine berufliche Erfüllung wünsche, kann ich aber im Sinne meines Berufsstand nur hoffen, dass sich kein RP darauf einlassen wird.


    Wenn du diesen Beruf wirklich willst, dann geh und zieh das Ref durch und in zwei Jahren wirst du mir Recht geben. Die Entscheidung pro/contra Ref ist nicht nur eine finanzielle Entscheidung, sondern auch eine Frage wie viel Wert du auf die Fertigkeiten und Erfahrungen legst, die du nur im Ref vermittelt bekommen kannst.


    Viele Grüße
    MN

    »...Aus Mettwurst machste kein Marzipan! «
    Bernd Stromberg

    2 Mal editiert, zuletzt von Modal Nodes ()

  • Kann es sein, dass der ein oder andere nur darauf wartet hier jemand be"lehren" zu können? Sorry, der musste sein :D .
    Ich will hier garantiert niemanden verarschen (naja, okay, eben schon ein bisschen ;) )! Nur weil ich hier nicht gleich einen Seelenstrip hinlege und alles offenbare, heißt auch nicht, dass ich keine Ahnung und mir keine Gedanken gemacht habe. Vielleicht war das ein Fehler und ist das falsch angekommen, aber ich bin eigentlich ziemlich gut informiert.
    Die Motivationsfrage dürft ihr mir selbst überlassen.


    Grüße und einen schönen Abend, maxi

  • Zitat

    Original von Modal Nodes
    Ich denke niemand will dir hier was "reindrücken" aber kannst du nicht ein bisschen verstehen, dass manche sich schlicht weg verarscht fühlen, wenn du hier ankommst, so frei nach dem Motto: "Das was ihr jahrelang gelernt oder sogar studiert habt, kann ich auch ohne Vorbereitung."?


    Genau, so geht es z.B. mir, die im Referendariat gescheitert ist, aber vorwiegend wegen fehlender Unterstützung "von oben".


    Ich finde das Referendariat sehr sinnvoll und wenn ich nicht bald von HARTZ IV befreit werde, werde ich einen Neustart versuchen.


    Ich muss auch sagen, dass man gegenüber den Schülern eine Verantwortung trägt und sich gerade deshalb dem Referendariat unterziehen sollte.


    Ich habe selbst erlebt, wie hilflos ich ohne praktische Erfahrung war, und ich muss sagen, dass ich trotz schlechter Erfahrungen aus dem Referendariat für mich sehr viel rausgezogen habe. Das Referendariat IST sinnvoll, und wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich es lieber wiederholen als direkt den Seiteneinstieg zu wählen, wo von mir dasselbe wie von meinen voll ausgebldeten Kollegen erwartet wird, allein schon der Schüler zuliebe.


    Den größten Vorwurf mache ich hier nicht dir, sondern dem KM. Das soll lieber nach anderen Lösungen suchen.

  • Hi,


    ich denke, dass die Frage, die Modal Nodes, Meike und andere aufgeworfen haben, auch an dieser Stelle wichtig ist! Das hatten wir letztens schon in einem anderen Thread in die gleiche Richtung diskutiert. Ich will das nicht alles wiederholen, aber die Einstellung: "Nehmt mich als Seiteneinsteiger aber nur mit Sahnehäubchen ohne pädagogischen Morast", die hier ein wenig rausklingt, zeigt nicht grade eine Haltung, die in diesem Beruf wichtig ist: Einen der härtesten aber auch einen der schönsten Jobs 30+x Jahre mit vollem Engagement leisten zu wollen. Das klingt eher danach, vor allem auf leichtem Weg in leichtem Umfeld (?Gymi?) die scheinbaren Privilegien des Lehrerstandes mitzunehmen.


    Zur Klärung: Ich bin kein studierter Lehrer! Mit ET durfte(!!) ich den Seiteneinstieg machen. Seiteneinstieg heißt bei uns in RLP: 18 Stunden unterrichten und dabei das volle Ref machen. Glaube mir: Ich habe mit dem Gedanken, Lehrer zu werden, 10 Jahre gerungen, ausgehend vom Vordiplom im "falschen" Fach (ET), über die Jahre in der Fortbildung als Trainer und ein paralleles Päd.-Studium. Alle diese Erfahrungen sind wertvoll für meine Arbeit ABER, das, was ich in den zwei Jahren Ref auf die ganz harte Tour lernen musste, ist - neben dir als Lehrerpersönlichkeit - eine der unabdingbaren Voraussetzungen für das Lehramt! Hier lernst du etwas ganz wichtiges: Dein pädagogisches Handeln zu hinterfragen und zu professionalisieren!
    Klar, die zwei Jahre hätte ich mir auch gerne erspart (insofern kann ich dich verstehen), aber sie gehen vorbei. :)


    Glaube mir, die Hinweise, die du hier so leichtfertig abtust, solltest du in deinem Interesse und dem deiner zukünftigen Schüler ernst nehmen!!!


    Um aber auf deine eigentliche Frage zu antworten:

    Zitat

    3) Wer hat denn Erfahrungen mit dem Direkteinstieg (in BaWü) gemacht? Wie lief das bei euch? Wie wurdet ihr von Direktor und Kollegen aufgenommen?


    Ein Direkteinstieg ist verdammt hart, aber zu schaffen, wenn du pädagogisches Geschick mitbringst, Bereitschaft zur Reflexion deines Handelns zeigst und bereit bist, zwei Jahre wie ein Besessener zu arbeiten. Was das ganze so anstrengend macht, ist es, auf einen Schlag mit den Schülern, dem Planen, dem Unterrichten, den Abläufen der Schule und gleichzeitig noch mit den Anforderungen des Refs zurecht zu kommen. Das ist ein extrem harter und schmerzhafter Lernprozess, bei dem viele Zeiten des Frusts überstanden werden müssen.
    Von Kollegen wird man im Bereich der BBSen meist gut aufgenommen, da hier ein solcher Einstieg keine Ausnahme darstellt (vor allem in den technischen Fächern). Ich kann mir aber vorstellen, dass gerade an Gymis eher Vorbehalte da sind.


    Einen schönen Gruß,
    Golum


    Edit: Die kritischen Anmerkungen, die ich oben schrieb, beziehen sich auch auf diesen Satz aus dem Anfangspost:

    Zitat

    Zwar werde ich laut des Aufrufs explizit nur an den beruflichen Schulen gesucht, aber ich habe gehört, dass es am Gymi nicht besser aussieht und würde es wenn überhaupt lieber da probieren.

    2 Mal editiert, zuletzt von golum ()

  • Ich finde es etwas eigenartig, wenn ein neuer Benutzer in seinen ersten sechs Beiträgen über "Hohlstunden" diskutiert, dadurch den Anschein erweckt Lehrer zu sein und sich anschließend über die Möglichkeit des Seiteneinstiegs erkundigt....

  • Noch kurz eine Antwort auf diese Frage (aus RLP-Sicht):

    Zitat

    2) Sehe ich das richtig, dass die Ausbildung als Direkteinsteiger ein gut bezahltes Ref (leider nur als Angestellter und nicht als Beamter auf Probe) mit weniger harten Prüfungen ist?


    Seiteneinstieg = "gut(?)" bezahltes Ref.
    Gut bezahlt ist vor dem Hintergrund der Belastung und des TVL relativ.


    "leider nur als Angestellter" -> Das ist die Voraussetzung, um den Seiteneinstieg zu machen. In RLP bekommst du aber als "kleinen" Ausgleich die Verbeamtung als Gegenleistung für das Bestehen der Prüfung im Vertrag festgeschrieben! Vorsicht: Alter!


    weniger harte Prüfungen? In RLP nicht. Du hast zwar ne reduzierte Hausarbeit dafür aber 6 Besuche mehr. Examensprüfung gleich, wenn man davon absieht, dass man kein echtes 2. Staatsexamen bekommt ;)
    (Anerkennung in anderen Ländern nicht garantiert!)


    Wie gesagt: RLP... BaWü? Kann mir vorstellen, dass es da ähnlich ist (vor allem was die ersten zwei Antworten angeht).


    Gruß,
    Golum

  • Hallo zusammen,


    nun muss ich aber mal die Direkteinsteiger verteidigen.


    Ich habe bei einigen Direkteinsteigern erlebt, dass sie aus dem Schuldienst gefeuert wurden. Während der Probezeit war man nämlich nur vom Schulleiter abhängig. Selbst Kollegen, die von Fachberatern mit guten Noten versehen wurden, aber die Stelle eines Neffen des Schulleiters besetzten, mussten relativ unbegründet gehen.


    Bei den Refs an unserer Schule habe ich es teilweise so erlebt, dass diese keine Lernbereitschaft zeigten, quasi beratungsresistent waren, schlecht Lehrproben hingelegt haben und am Ende hat sich, auch nach einer Ref-Verlängerung, niemand getraut, ihnen zu sagen, dass sie keine Lehrer sind.
    Man kann ihnen doch nicht den weiteren Lebensweg verbauen - so die Meinung der Seminarleitung.


    Ich habe in Ba-Wü teilweise den Eindruck, dass man z.B. an der Uni Stuttgart nur Technikpädagogik studieren muss, dann ins Ref geht und eigentlich fast nichts mehr schiefgehen kann. Selbst bei schlechten, katastrophalem Unterricht bekommt man irgendwie, wenn auch mit schlechten Noten, sein 2. Staatsexamen. Den Schulen bleibt dann nur noch zu kämpfen, dass der Refi nicht an der Schule bleiben darf.


    Direkteinsteiger in Ba-Wü sind keine Lehrer, die sich einen faulen Lenz machen möchten. Sie haben meist jahrelang in wichtigen Positionen in der Industrie gearbeitet und vielleicht, so wie ich, schon lange zuvor mit dem Gedanken des Lehrerberufs gespielt.
    Sie haben gesehen, wie's im realen Berufsleben aussieht, können etwas "wegschaffen", da sie ingenieurmäßiges Denken und Arbeiten gelernt haben und auch nicht Punkt 12 Uhr 5 das Schulgebäude verlassen.


    Warum sollen es Direkteinsteiger einfacher haben? Wir haben genau die gleiche Ausbildung, die gleiche Zahl an begleitetem Unterricht und Hospitationen. Nur, dass wir eben noch ein paar Stunden "nebenher" unterrichten müssen und hierfür bezahlt werden.


    Wenn ich sehe, was für Pappnasen, sorry, nach 2 Jahren Minimal-Ref in den Schuldienst im höheren Dienst mit A13 übernommen werden, wird mir schlecht.


    Im Nachhinein betrachtet hätte ich es mit dem Ref einfacher gehabt, müsste heute als FH-ler vielleicht keinen Aufstiegslehrgang machen, um in Ba-Wü in den höheren Dienst zu kommen.


    Es gibt bei Refis solche, die sich wahnsinnig reinhängen und solche, die den Lehrerjob nur machen, um viele Ferien zu haben.
    Bei den Direkteinsteigern gibt es diese Personen auch.
    Aber ein Direkteinsteiger hat meist die Möglichkeit wieder zurück zu gehen, wenn er weiß, dass es nicht hinhaut. Ein Refi steht in einer Sackgasse und zieht den Job durch, ob er glücklich ist oder nicht.


    Und dass ein Direkteinsteiger mehr verdient, hängt nicht nur damit zusammen, dass er eben eigenen Unterricht hält, sondern auch damit, dass man gute Leute in den Lehrerberuf locken will.
    Die Pfeifen bekommt man nämlich auch für weniger Geld.


    Sorry, aber das musste jetzt echt einmal gesagt werden.


    Es wäre schön, wenn sich hier vielleicht auch mal ein Schulleiter einer beruflichen Schule zu Wort melden würde. Die hätten nämlich lieber Direkteinsteiger.


    Gruß
    Super-Lion

  • Das von dir zitierte Schreiben ist doch klar:


    Zitat


    Die beruflichen Schulen haben großen Bedarf an
    Magisterabsolventen mit Hauptfach Deutsch, Englisch oder Spanisch und einem weiteren geeigneten Hauptfach für den Seiteneinstieg. Der Direkteinstieg ist hier neben den Ingenieurinnen und Ingenieuren auch für Personen mit universitärem Diplom in Physik oder Mathematik geöffnet.


    An den b-w allgemeinbildenden Gymnasien besteht prinzipiell (noch) kein gravierenden Mangel an Deutschlehrern. Zwar gibt es einige eher ländliche Gymnasien, die auch in Deutsch unterbesetzt sind, das reicht aber nicht aus, dass deswegen gleich der Direkteinstieg geöffnet wird.
    Selbst bei uns an den beruflichen Schulen gibt es keinen Direkteinstieg für angehende Deutschlehrer. Wie die Gymnasien decken wir momentan unseren Bedarf durch Realschulkollegen und setzen die Lehrer mit großer Fakultas dafür (persönlich zu meinem Leidwesen) fast nur noch in der beruflichen Oberstufe ein.


    Ums kurz zu machen: Es gibt für dich keine reguläre Möglichkeit, dauerhaft in den b-w Schuldienst zu kommen, ohne das Ref zu absolvieren.


    Zum Thema Direkteinstieg kann ich Super-Lion nur unterstützen: Die Kollegen, die in B-W auf diesem Wege zu uns kommen, stehen nach der Ausbildung den originären Theorielehrern nicht nach.
    Dass die Situation am Berufseinstieg für beide Seite haarig ist, darf man aber nicht verschweigen. Je nach kollegialer Hilfe und Persönlichkeit ist es sowohl für Lehrer als auch für Schüler eine Belastung, dass die Direkteinsteiger quasi sofort mit eigener Unterrichtsverpflichtung beginnen müssen. Ich habe in Wirtschaftskunde (dem Fach, in dem ich einen Einblick und Vergleich habe) schon Sachen gesehen und mitbekommen, die mehr als grenzwertig sind. Hierüber zu diskutieren ist aber insofern müßig, als dass wir auf andere Weise den Unterricht überhaupt nicht mehr abgedeckt bekämen.

    Erziehung ist die organisierte Verteidigung der Erwachsenen gegen die Jugend.

    Einmal editiert, zuletzt von Timm ()

  • Danke für die klärenden Worte. Das sind gesicherte und aktuelle Informationen?
    Was denkst du denn wie es mit dem Seiteneinstieg in das Ref/ Gymi für mich aussieht?


    Grüße & Danke, maxi

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