Arbeitsaufwand für erste Unterrichtsstunden

  • Hallo,


    kann mir jemand sagen, mit wieviel Arbeitszeit man ungefähr (ich weiss, es ist von vielen Faktoren abhängig) pro gehaltener Stunde rechnet (also: wieviel Stunden arbeitet Ihr pro Woche bei wieviel Unterreichtsstunden), ausgehend davon, dass jemand die Stunden zum ersten Mal hält?



    Danke!

  • Hallo Mopple,


    meine Antwort wird nicht sehr motivierend sein.
    Ich habe in meinem ersten Jahr als Direkteinsteiger 8 Stunden wöchentlich unterrichtet und hatte so gut wie keine Freizeit.
    Für manche Stunden habe ich fast einen ganzen Tag (z.B. Sonntag) zur Vorbereitung benötigt.
    Ich war mehrmals drauf und dran, alles hinzuschmeißen.


    Gruß
    Super-Lion

  • Genauso ging es mir auch. Nach ca. einem Jahr war ich schon etwas routinierter, dann jedoch ging es auf die Prüfung zu und der Mega-Stress begann wieder. Nach der Prüfung habe ich dann eine feste Stelle mit 25 Stunden bekommen, und wieder saß ich bis spät in die Nacht an den Vorbereitungen.


    Nun bin ich seit 2,5 Jahren dabei, leite eine Klasse und kann sagen, dass ich seit ca. einem halben Jahr wieder "Land sehe".


    Es dauert also alles seine Zeit, aber wenn man erstmal so richtig "drin" ist, dann läuft es viel besser und macht auch Spaß!!

  • Ja, ich kann das aus dem Ref. bestätigen. Ich würde sagen, zu Beginn braucht man bestimmt 4Std. Vorbereitung für eine Std. Unterricht.
    Später denkt man weiter, plant die Reihen dann "größer". Da relativiert sich das dann. Aber mit allen "Nebentätigkeiten" wird das im Schnitt nicht unter 1:1 rutschen, d.h. pro Unterrichtsstunde kommt eine Stunde Arbeit dazu (inkl. Korrekturen, AG, Elterrngespräche...).

    • Offizieller Beitrag

    ABER, später dann, wenn nicht jeder zuschaut:



    - den perfektionismus nicht auf die spitze treiben (faustregel: eine stunde wird nicht besser, wenn ich sie statt einer, zwei stunden vorbereite - die schüler merken es eh nicht....)


    - praktisch denken: die schüler tragen jeden tag ihre schulbücher mit in die schule - also arbeite ich damit und erstelle nicht jedes mal aufwendige arbeitsblätter oder sonstwas...meine stundenvorbereitung sieht und sah manchmal so aus, dass ich die entsprechenden seiten im buch notiert habe und ein tafelbild vorbereitete - und dann gibt keine gruppenarbeit, sondern die schüler erarbeiten die inhalte mit den fragen im buch, aber ich hab mal einen abend frei, oder auch mehrere....


    - zwei oder drei-felder-wirtschaft: erst einen überblick verschaffen und dann sich auf eine klasse/ein fach konzentrieren und die anderen sachen erstmal brach liegen lassen (weniger arbeit hineinstecken), später wechseln; eine


    - "entspannungsstunden" einbauen (für dich entspannung): dann nehme ich was zu lesen mit und lese mit den schülern eine stunde lang - im lehrplan steht das allemal :D (kann man ja übertragen: rechnen in mathe, länder auswendig lernen in erdkunde...)


    sodele...


    h.

  • wow, ich kann nur sagen: Ihr macht mir ein wenig Bammel, nun kann ich die Situation aber etwas besser einschätzen, obwohl die Situation bei mir eine etwas andere sein wird. Danke für die Antworten, ich werde versuchen, möglichst viel mit den Kollegen zusammenzuarbeiten, an der Schule wird viel kooperiert (wenn man sich die Mühe macht, jemanden zu fragen) und angeblich kann man im Internet auch so einiges finden. Passend machen muss ich es dann natürlich selbst.


    Also für meine ersten zwei Mathestunden während des Praktikums habe ich ein Mal ca. 40 Minuten Vorbereitungszeit gebraucht (einfaches Einstiegsthema, ruhige und normal leistungsstarke Klasse) und ein Mal ca. 90 Minuten (sehr unruhige, extrem leistungsschwache Klasse und eher schwieriges, per se nicht sehr spannendes Thema), es war also da auch sehr abhängig vom Lehrstoff oder der Klasse. Allerdings habe ich da eben nur hospitiert und es ist eben etwas anderes, mal eien Unterrichtsstunde zu halten, als wirklich kontinuierlich Unterricht zu halten.


    Ich glaube übrigens, was Hawkeye sagt ist wahr, man sollte den Perfektionismus ein wenig ablegen zu Anfang. Da ist man einfach noch in der Lernphase und der Lehrerberuf lebt stark von Erfahrung.


    Hut ab vor Euch, das Ref ist wirklich eine harte Zeit, das bestätigen mir Eure Antworten zusammen mit dem, was ich an der Schule am Rande mitbekam. Ehrlich gesagt habe ich auch einige im ref oder sehr junge Lehrer gesehen, die schon so demotiviert, fertig und negativ eingestellt waren, dass sich erahnen lässt, wie hart es ist und dass es eben nicht für jeden das Richtige zu sein scheint.

  • Mal ganz neugierig gefragt: Warum ist deine Situation eine andere? Internet und Tipps von Kollegen haben wir auch schon alle genutzt - trotzdem kann auch ich die 4 Stunden zu Beginn des Refs, die ich da manchmal in eine Stunde gesteckt habe, bestätigen.


    Zitat

    Original von Mopple_the_whale_


    Ich glaube übrigens, was Hawkeye sagt ist wahr, man sollte den Perfektionismus ein wenig ablegen zu Anfang. Da ist man einfach noch in der Lernphase und der Lehrerberuf lebt stark von Erfahrung.


    Diese Einstellung finde ich ehrlich gesagt etwas gefährlich (und glaube auch nicht, dass Hawkeye das so gemeint hat). Wenn du von Anfang an Fünfe gerade sein lässt, wird es schwieriger, bestimmte Erfahrungen zu sammeln, die es dir später leichter machen. Ich kann nur deshalb mittlerweile einiges besser/ schneller einschätzen, weil ich mir zu Beginn die Mühe gemacht habe, alles doppelt und dreifach zu durchdenken, alle Eventualitäten abzuwägen - und die Schüler später doch anders reagiert haben. Handlungsalternativen habe ich nur deshalb heute zur Hand, weil ich sie mir erarbeitet habe. Nur aus diesem Grund würde mich deshalb mittlerweile der selbe Fehler heute weniger aus der Bahn werfen und eine Stunde weniger ruinieren, weil ich flexibler darauf reagieren kann. Das konnte ich im Ref aber nur, wenn ich mir vorher konkret überlegt habe "wenn die Schüler so agieren, dann reagiere ich so...".


    Just my two cents...

  • Zitat

    Original von Britta


    Wenn du von Anfang an Fünfe gerade sein lässt, wird es schwieriger, bestimmte Erfahrungen zu sammeln, die es dir später leichter machen. Ich kann nur deshalb mittlerweile einiges besser/ schneller einschätzen, weil ich mir zu Beginn die Mühe gemacht habe, alles doppelt und dreifach zu durchdenken, alle Eventualitäten abzuwägen - und die Schüler später doch anders reagiert haben. Handlungsalternativen habe ich nur deshalb heute zur Hand, weil ich sie mir erarbeitet habe. Nur aus diesem Grund würde mich deshalb mittlerweile der selbe Fehler heute weniger aus der Bahn werfen und eine Stunde weniger ruinieren, weil ich flexibler darauf reagieren kann. Das konnte ich im Ref aber nur, wenn ich mir vorher konkret überlegt habe "wenn die Schüler so agieren, dann reagiere ich so...".


    Dem kann ich mich anschließen. Im Referendariat hat man ja noch die Zeit, sehr lange an einzelnen Stunden zu sitzen und diese gut zu durchdenken. Danach dann nicht mehr.

    • Offizieller Beitrag
    Zitat

    Original von Britta
    Diese Einstellung finde ich ehrlich gesagt etwas gefährlich (und glaube auch nicht, dass Hawkeye das so gemeint hat). Wenn du von Anfang an Fünfe gerade sein lässt, wird es schwieriger, bestimmte Erfahrungen zu sammeln, die es dir später leichter machen. Ich kann nur deshalb mittlerweile einiges besser/ schneller einschätzen, weil ich mir zu Beginn die Mühe gemacht habe, alles doppelt und dreifach zu durchdenken, alle Eventualitäten abzuwägen - und die Schüler später doch anders reagiert haben. Handlungsalternativen habe ich nur deshalb heute zur Hand, weil ich sie mir erarbeitet habe. Nur aus diesem Grund würde mich deshalb mittlerweile der selbe Fehler heute weniger aus der Bahn werfen und eine Stunde weniger ruinieren, weil ich flexibler darauf reagieren kann. Das konnte ich im Ref aber nur, wenn ich mir vorher konkret überlegt habe "wenn die Schüler so agieren, dann reagiere ich so...".


    Just my two cents...


    Auch von mir absolute Zustimmung!


    Am Anfang geht es nicht anders, als alle Stunden sorgfältig zu planen!


    Erst nach ein paar Jahren geht einem die Stundenplanung leichter von der Hand. Allerdings kommen dann andere Aufgaben hinzu, deren Zeitaufwand man nicht unterschätzen sollte: Klassenleitung, Organisiation, Schreiben von schulinternen Lehrplänen etc. Bei mir war es so, dass ich im Ref (mit 12 Unterrichtsstunden, Lehrproben, Korrekturen etc.) oft Wochen mit bis zu 80 Arbeitsstunden hatte, im ersten Jahr nach dem Ref waren es ca. 60 Arbeitsstunden, allerdings hatte ich wegen meiner beiden Korrekturfächer keine volle Stelle, sondern "nur" 20 von 28 Stunden und natürlich entsprechend weniger Gehalt. Nach zwei bis drei Jahren gab es dann endlich wieder ein bisschen Freizeit (und auch damals hatte ich mich wegen meiner Fächerkombi nicht an eine volle Stelle herangetraut), aber an eine durchschnittliche 40-Stundenwoche kam ich garantiert nicht ran, es war fast immer deutlich mehr. Das lag aber nicht hauptsächlich an der Unterrichtsvorbereitung, sondern an den anderen Aufgaben, die viel mehr Raum einnahmen als ich es mir vorher jemals hätte vorstellen können.


    Also kurz gesagt:
    Am Anfang geht die Stundenplanung nicht ohne richtig viel Arbeit (am Anfang geht es wirklich nicht ohne sehr sorgfältige Planung, halbherzig geplante Stunden werden sich schnell rächen), später geht sie leichter von der Hand, aber dafür hast du andere Aufgaben, die sehr viel Zeit und vor allem viel Energie benötigen.

    • Offizieller Beitrag

    hi,
    dennoch wiederhole ich, dass auch ein referendar schlafen muss und ich glaube nicht, dass die stunde, die ich bis 2 uhr nachts vorbereite, so gut wird, wenn ich nicht ausreichend schlafe. raubbau an sich selbst mag ein kurzfristig probates mittel sein, hilft aber auf dauer nicht weiter.


    g


    h.

  • Keine Frage, auch ich hab schon im Ref immer darauf geachtet, dass ich in der Regel genügend Schlaf bekomme (von kurzen Phasen gegen Ende der Examensarbeit oder ggf. vor nem UB mal abgesehen). Ich habe es IMMER so gehalten, dass ich zu vernünftigen Zeiten ins Bett gegangen bin, denn übermüdet kommt auch am Schreibtisch nix mehr raus. Da hat dann auch die Perfektion in der Vorbereitung ihre Grenzen.
    Was ich für nicht sinnvoll halte, ist lediglich eine Grundhaltung, die sagt "Mein Unterricht muss nicht perfekt sein, denn ich bin Berufsanfänger, Perfektion bringt die Erfahrung und kommt somit von allein." Das Ziel sollte schon von Anfang an guter (sehr guter) Unterricht sein.

  • Also ganz ehrlich ... ich bin etwas verwundert. Ich habe schon recht bald nach Beginn des Referendariats nicht viel mehr als 60 Minuten Vorbereitung für eine Unterrichtsstunde verwendet. Nein, ich glaube nicht, dass ich ein Genie bin o.ä.


    Aber ich habe erstens die Schulbücher benutzt (nicht ausschließlich, aber doch). Zweitens habe ich mir z.B. für Geschichte Unterrichtsentwürfe besorgt und mich "inspirieren" lassen. Ich habe sie nicht 1:1 übernommen - passten oft nicht zu mir - aber Materialien verwendet, Fragestellungen oder auch den ein oder anderen Glanzpunkt.


    Ich fand den Unterricht, wenn nicht alles ins Detail geplant war, nicht notwendigerweise schlechter. Genau geplant waren immer Einstieg, die wichtigsten Ergebnisse, Tafelanschrieb, Wechsel der Methoden, bestimmte Überleitungs- und Schlüsselfragen (also Fragen, mit denen man hoffentlich von den Schülern die Antworten bekommt, die man als Ergebnis braucht), Materialien ...
    Natürlich habe ich mir auch Alternativ-Fragen überlegt, wenn die SuS auf meine ursprüngliche Frage nicht gut reagieren ... ich habe mir überlegt, welche Reaktionen/Antworten wohl sehr wahrscheinlich sind und wie ich mit ihnen umgehen kann - aber das z.T. auf meinem Weg in die Schule (hatte je nachdem einen Schulweg von bis zu 2,5 Stunden).


    Aber zugegeben: Manche Themen waren schwerer, da brauchte ich dann auch zwei oder drei Stunden für die Unterrichtsplanung (von Lehrproben dann gar nicht zu reden).

Werbung