Lehrerausfall und der Umgang damit

  • Hallo,


    jetzt ist auch bei uns das Thema dran. Nicht weil so viel Stunden ausfallen, es hält sich noch in Grenzen. Es ist eher das wie der Unterricht weitergeführt wird, wenn Lehrer fehlen.
    Heute wurde der 4. Klasse eine ganze Liste Deutsch Aufgaben gegeben, die in der Stunde selbständig abgearbeitet werden sollten. Dann blieb die Klasse alleine, ab und zu blickte eine Lehrerin rein, mit den Worten: "Wenn jetzt nicht Ruhe ist, dann nehme ich einige mit in meine Klasse." Nachdem sie es das dritte mal gesagt hatte, aber nichts getan, da nahm sie niemand mehr Ernst.
    Die Klasse ist von der Disziplin her eine sehr schlimme. Es kommt schon mal vor, das Schüler X die Mitschülerin Y in die Gardine einrollt, bis sie fast erwürgt ist... Wíe ist denn das mit der Aufsichtspflicht wärend dieser Stunde?


    Ich brauche glaube nicht extra erwähnen, das Töchterchen mit ADS heute den ganzen Nachmittag zu Hause gesessen hat und die Aufgaben gemacht hat, weil sie es bei dem Lautsärtkepegel nicht hinbekam. Das einzige was sie gemacht hat war mit Bleistift vorgeschrieben, hatte Lehrerin 1 so erlaubt, Lehrerin 2 meinte dann sie will keinen Bleistiftstrich mehr sehen, also schrieb Tochter drüber. Da sie das nicht synchron machte, konnte man kaum lesen, also auch das noch mal zu erledigen.


    Ja das war unser Tag und meine Tochter singt jetzt noch Lieder und ist fröhlich, einziger Kommentar, ich will aus dieser scheiß Schule raus. Nun das wird nach der 4. ja auch passieren.


    LG Legata


    PS: falls jemand aus dem Grundschulforum hier ist, dann kommt euch der Beitrag wohl bekannt vor. Vielleicht kommen mehreren Leuten, auch mehrere gute Ideen was man machen könnte.

  • Eine solche 4. Klasse ohne ständige Aufsicht zu lassen ist ein krasses Vergehen gegen die Aufsichtspflicht. Leitet dieses Problem dringend über Elternvertreter und Elternbeirat an die Schulleitung weiter. Da gibt es nichts zu diskutieren, das darf einfach nicht sein.

    Erziehung ist die organisierte Verteidigung der Erwachsenen gegen die Jugend.

    • Offizieller Beitrag

    Ich kann mich Timm hier nur anschließen, die Anwesenheitspflicht ist hier wahrzunehmen.
    Das kurze Reinschauen der anderen Lehrerin kann aber nicht als Aufsicht durchgehen.


    Noch eine Frage zu deiner Tochter:
    Lehrerin 1: Ist das diejenige, die krank war und die Liste hinterlassen hat?
    Wenn ja, dann würde ich Töchterchen jederzeit mit dem Hinweis auf das Einverständnis von der "eigentlichen" Lehrerin mit Bleistift schreiben lassen.
    Und noch was ganz Blauäugiges: Kann man denn das mit Bleistift geschriebene nicht einfach wegradieren?
    Dadurch würde ihr zumindest ein überflüssiger Arbeitsschritt erspart.
    Liebe Grüße,
    Hermine

  • Danke euch beiden,
    Hermine: Lehrerin 1 war auch nur irgendeine die mal kurz reinschaute, also absolutes Durcheinander.
    Du kennst ja meine Tochter nicht, mit motorischer Ungeschicktheit und einem harten Bleistift, weißt du was von der Heftseite noch übrig bleibt nach dem Radieren? Wir haben es heute gehabt, nachdem sie meinte die Subjekte und Prädikate falsch unterstrichen zu haben, nach dem Radieren sieht man die Seite kaum noch macht die Arbeit nicht leichter, aber danke für das Mitdenken.


    LG Legata

    • Offizieller Beitrag

    Oje, du hast Recht, das kann ich nicht wissen.
    Allerdings hätte ich für das Chaos als Mutter auch kein Verständnis- und als Lehrerin wüsste ich nicht, was gegen Bleistift spricht (noch dazu, wenn man ihn eben nicht so einfach wieder wegradieren kann)
    Aber das Durcheinander mit den zwei Lehrerinnen ist wenigstenst noch ein Argument, das man bei der Schulleitung gegen eine solche Vorgehensweise vorbringen könnte.


    Liebe Grüße,
    Hermine

  • Liebe Leute,
    ich finde das auch nicht super, was da an Vertretungsunterricht passiert, aber was soll die Schulleitung denn machen, wenn sich morgens zwei Lehrkräfte krank melden? Bei uns werden diese Klassen dann auf die anderen aufgeteilt, d.h. bis zu 8 Sch. mehr pro Klasse, da ist an vernünftiges Arbeiten auch nicht zu denken.
    Unsere Frau W. will uns ja schon Eltern schicken für diesen Fall, aber dann können wir auch gleich alle heimgehen ... dann sollen es doch die Eltern alleine machen! Grundschule kann ja jeder :D
    Gruß venti :)

    • Offizieller Beitrag
    Zitat

    venti schrieb am 08.11.2005 22:01:
    Liebe Leute,
    ich finde das auch nicht super, was da an Vertretungsunterricht passiert, aber was soll die Schulleitung denn machen, wenn sich morgens zwei Lehrkräfte krank melden? Bei uns werden diese Klassen dann auf die anderen aufgeteilt, d.h. bis zu 8 Sch. mehr pro Klasse, da ist an vernünftiges Arbeiten auch nicht zu denken.
    Unsere Frau W. will uns ja schon Eltern schicken für diesen Fall, aber dann können wir auch gleich alle heimgehen ... dann sollen es doch die Eltern alleine machen! Grundschule kann ja jeder :D
    Gruß venti :)


    !!!
    Am Besten kommt Frau W aus H höchstpersönlich in die Schule und regelt das mal!


    So wie venti es beschreibt, kenne ich es aus meinem Refi in Hessen auch.


    Solange nicht genügend Lehrer eingestellt werden, werden sich solche Probleme nicht zufriedenstellend lösen lassen.
    Bei uns war es auch üblich, eine Klasse allein und die Tür auf zu lassen... manchmal saß auch der Hausmeister ne Stunde drin.


    Toll finde ich das sicher nicht, aber was die Kollegen in solchen Fällen machen sollen, weiß ich auch nicht


    Gruß,
    Melosine

  • Zitat

    Melosine schrieb am 08.11.2005 22:09:


    Toll finde ich das sicher nicht, aber was die Kollegen in solchen Fällen machen sollen, weiß ich auch nicht


    Stimmt - und ich hoffe, das kam nicht falsch rüber. Schuld ist natürlich nicht die Kollegin (o.k., sie hätte theoretisch remonstrieren können), sondern die Orginsatoren aus der SL. Das von euch beschriebene System, die Schüler aufzuteilen ist aber rein vom Aufsichtsrechtlichen eindeutig vorzuziehen.


    Ich beneide da keineswegs die kleineren Grundschulen, da ist Vertretung bestimmt mehr als problematisch. Bei rund 100 Kollegen und den 6 Schulleitungsmitgliedern mit geringen Deputaten findet sich eigentlich bei uns immer einer. Und bei älteren, ordentlichen Klassen kann man das System der offenen Tür und des Rüberguckens praktizieren - bei der Primar- und Unterstufe definitiv nicht.

    Erziehung ist die organisierte Verteidigung der Erwachsenen gegen die Jugend.

    Einmal editiert, zuletzt von Timm ()

    • Offizieller Beitrag
    Zitat

    Melosine schrieb am 08.11.2005 22:09:


    Bei uns war es auch üblich, eine Klasse allein und die Tür auf zu lassen... manchmal saß auch der Hausmeister ne Stunde drin.


    Das ist doch von der Aufsichtspflicht her gar nicht erlaubt , so haben wir es zumindest gelernt.


    Bei uns wird soweit als möglich vertreten (Schulleiter, Konrektorin), also wird meistens eher aufgeteilt, weil Vertretung nicht möglich (obwohl wir alle uns zustehenden Lehrerstunden haben, was in RLP schon selten ist) :rolleyes:


    Gruß leppy

  • Ich kenn beides. Einmal die Stillarbeit, wo ein Lehrer manchmal nach dem Rechten schaut, einzelne störende Kinder dürfen dann auch gerne auf dem Flur zwischen beiden Klassen arbeiten. Dann gibt es die Variante, die Klasse aufzuteilen, d.h. eine Klasse wird auf 3 verteilt, die dann mit über 35 Schülern alle nicht vernünftig arbeiten können.
    Mir gefallen beide Varianten nicht, aber hat jemand eine besser Lösung?


    silja

    • Offizieller Beitrag

    Ich musste im Referendariat an meiner damaligen Schule 3 Klassen gleichzeitig beaufsichtigen, weil so viele Lehrer krank waren (zu Zeiten der Erkältungswelle). Das war bei uns normal, wenn viele Lehrer krank waren.
    Was hätten wir denn mit den Schülern machen sollen?
    Es wurden auch teilweise schon Klassen nach der 2. Stunde nach Hause geschickt.

  • Wir haben an unserem Gymnasium das Glück, einen relativ großen Aufenthaltsraum zu besitzen, der auch als Caféteria benutzt wird (da ist er dann in der Mittagspause aber leider inzwischen eigentlich zu klein), da können wir einen Großteil unserer Vertretungsstunden abwickeln. In diesem Raum kann eine Lehrerin oder ein Lehrer problemlos bis zu drei Klassen beaufsichtigen und dabei sogar selber noch etwas arbeiten oder mit anderen (Lehrern oder Schülern) einen Kaffee trinken. Die Schülerinnnnen und Schüler arbeiten da vor sich hin oder machen Hausaufgaben, das funktioniert hervorragend. Darüberhinaus hat dieser Aufenthaltsraum inzwischen das Klima zwischen Lehrern und Schülern, das vorher auch schon ganz okay war, noch weiter verbessert. Aber sowas hat halt leider nicht jede Schule.

    Wir sind die Leute, vor denen uns unsere Eltern immer gewarnt haben.

  • Meine Referendariatsschule war eine sehr kleine (mich eingeschlossen, 9 Lehrkräfte). Wurde jemand krank, konnte man aber die sogenannten "Pädagogischen Mitarbeiter/innen" anrufen. Das ist eine niedersächsische Spezialität, bis vor kurzem hiessen die pädagogischen Mitarbeiter "Betreuungskräfte" und übernahmen die Aufsicht über die Kinder, die vor 13 Uhr Unterrichtsschluss hatten und von den Eltern für die Betreuung angemeldet waren. Da die Schule auf dem Land liegt und die meisten pädagogischen Mitarbeiter im gleichen oder Nachbardorf wohnten, kam es zumindest nicht zu Verletzungen der Aufsichtspflicht, denn irgendeine der 5 Damen konnte immer. Für die inhaltliche Vertretung hatten wir Vertretungsordner angelegt, die im Lehrerzimmer standen - nach Klassenstufe und Fächern differenziert - und meist Übungsmaterial enthielten. Das klappte eigentlich ganz gut, bis auf die von Referendarin beschriebenen Krankheitswellen, in denen dann auch das Prinzip "Tür auf, benachbarte Lehrerin schaut ab und zu rein" praktiziert wurde.


    Hilfreich ist übrigens auch, wenn man eine Referendarin an der Schule hat, die Montags erst zur 3. Stunde Unterricht hat. Die kann man auch morgens 7 Uhr anrufen und fragen, ob sie 1./2. Stunde Vertretung machen kann... ;)


    LG, das_kaddl.

  • Zitat

    Hilfreich ist übrigens auch, wenn man eine Referendarin an der Schule hat, die Montags erst zur 3. Stunde Unterricht hat. Die kann man auch morgens 7 Uhr anrufen und fragen, ob sie 1./2. Stunde Vertretung machen kann...


    Wie war das noch? Mit ISDN werden bestimmte Anrufer nicht durchgestellt oder sowas in der Art. Sinnvolle Anschaffung ;)


    In meinem alten Lehrerkollegium kursierte die Story, dass in einem solchen Fall der schon recht alte Hausmeister ein kleines Stäußen Gänseblümchen (oder waren es Schneeglöckchen?) gepflückt hatte und es den Kinder mit den Worten "Schreibt mal was darüber" vorgesetzt hat ;)


    Petra

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