Anwesenheitspflicht am Tag der offenen Tür

  • Es gibt schon eine Unterschied zwischen persönlichem Engagement, das man dann auch entsprechend mit der eigenen Arbeitszeit verrechnen kann (Fortbildungen am Wochenende oder in den Ferien; Arbeit in Arbeitsgruppen; Exkursionen etc.) und von oben vorgeschriebener, also quasi institutionalisierter, Arbeitseinsatz in ungewöhnlichem Umfang oder zu unüblichen Zeiten (Wochenende etc.).
    Wenn das ganze Kollegium betroffen ist, dann hat der Chef bzw. Dienstherr dafür zu sorgen, dass es entsprechenden Ausgleich gibt. Das ist tatsächlich nicht zu viel verlangt und es ist Aufgabe der Personalvertretung, dies einzufordern.


    Wenn der Schulleiter sich nun konstant weigert, dann kann man natürlich immer noch die Notbremse ziehen und die Vorbereitung einschränken etc. Aber professionell ist das nicht. Und mit "unprofessionell" meine ich nicht die scheinbar schlechtere Vorbereitung, sondern die allzu hohe Bereitschaft, seine Arbeit ohne angemessene Vergütung zu erledigen.
    So würde ich solches Vehalten zumindest in Deutschland bzw. nach geltendem bayerischen Dienstrecht beurteilen. Das mag in anderen Bundesländern oder Ländern über Dienstbezüge oder andere Regelungen schon im Vorfeld anders vergütet sein.


    Und noch etwas: Weil irgendein User sich vorhin daürber lustig gemacht hat, wie viel Zeit darauf verschwendet wird, rechtliche Regelungen herauszusuchen. Ich neige auch dazu, in solchen Fällen im Gesetz nachzulesen. Dabei geht es mir aber nur in den seltensten Fällen um den aktuell anstehenden "Tag der offenen Tür" oder was auch immer, sondern ich finde es absolut notwendig für professionelles Arbeiten, dass man über die gesetzlichen Hintergründe seines Handelns informiert ist. Und deshalb nehme ich solche Fragestellungen gern zum Anlass, mich grundsätzlich über die Thematik zu informieren. Ob man dann im Einzelfall immer auf sein Recht pochen muss, ist eine andere Frage.

  • Du schreibst oben, dass du an der ganztägigen Fortbildung teilnimmst, weil du sonst kein Schwerpunktfach mehr bekämst. Herzlichen Glückwunsch. Ganztägige schulische Fortbildungen sind bei uns Pflicht. Ob wir an dem Tag 1 oder 8 Stunden hätten.

    Ich schreibe oben auch was von verpflichtenden Fortbildungstagen für das ganze Kollegium, aber egal. Wenn man nicht einer Meinung ist, kann es schon mal zu selektiver Wahrnehmung kommen.



    Sorry, ich gehöre viel zu oft zu der Fraktion "für die Kids / für die Schule als Lebensraum mache ich es doch gerne", aber die Grenze ist schon, wenn man nicht mehr weiß, ob man es eben "freiwillig" / "zusätzlich" aus freiem Herzen macht oder ob irgendein Schulleiter dieses Engagement nicht mehr zu schätzen weiß, dies als selbstverständlich ansieht und es für alle verpflichtend macht.

    Wenn ich mir alles so durchlese, was Du schreibst, glaube ich ehrlich, dass wir grundsätzlich gar nicht so verschieden sind in unserer Arbeitshaltung. Die Argumentationskette "ich muss immer mehr arbeiten und weiss nicht wo mir der Kopf steht, deshalb will ich nicht an einem Tag der offenen Tür sein, wenn der am Samstagmorgen ist" ist aber einfach extrem unglücklich. Das war es auch, was mich hier initial so auf die Palme gebracht hat.


    Du willst ja nicht, dass man euch als Lehrer als weltfremde, faule Säcke beschimpft, oder? Was bleibt aber am Ende für ein Eindruck, wenn ein Kollegium beschliesst, dass der Tag der offenen Tür unter der Woche oder eine Elternsprechstunde auf 15 Uhr angesetzt wird? Da könntest ja nicht mal Du als Lehrerin hingehen, hättest Du Kinder an dieser Schule weil Du eben nicht mal eben zusätzlich zu Deinen 12 Wochen Ferien irgendeinen beliebigen Tag freinehmen kannst! Von allen anderen Menschen auf dieser Welt wird das aber offenbar erwartet und das ist in der heutigen Zeit tatsächlich ziemlich weltfremd.


    Am Ende interessiert es einfach die Verkäuferin, den Mechatroniker oder den Arzt nicht, wie hoch Deine Arbeitsbelastung ist, wenn sie als Eltern nicht an einer schulischen Veranstaltung teilnehmen können, weil diese in ihrer eigenen Arbeitszeit liegt. Die haben alle auch eine stetig steigende Arbeitsbelastung. Was am Ende bleibt ist der Eindruck "Lehrer sind weltfremde, faule Säcke".


    Obendrein muss man sich auch ehrlich überlegen, wer Schuld an der wachsenden Arbeitsbelastung ist. Es ist ja nicht Dein Schulleiter, der Dir die 26 Pflichtlektionen vorschreibt und es ist auch nicht meine Schulleiterin, die sagt, wir müssen ab Januar 2 Lektionen pro Woche mehr unterrichten. Meine Schulleiterin will aber, dass wir auch in Zukunft die höchsten Anmeldezahlen im Kanton haben, ergo schaut sie natürlich, dass unsere SuS sowie deren Eltern so zufrieden wie möglich mit unserer Arbeit sind. Ab nächsten Schuljahr gilt für die ganze Schweiz freie Kantonswahl beim Übertritt aufs Gymnasium und dann wird es für uns wirklich spannend, ob wir den Laden noch voll bekommen. Logisch gehen wir demonstrieren und schicken böse Briefe nach Liestal um die geplanten Sparmassnahmen zumindest teilweise noch abzuwenden. Wir sabotieren auch mit vereinten Kräften irgendwelche vom Kanton beschlossenen, sinnlosen Aktionen wie "gemeinsames Prüfen". Aber wir wären schön blöd, aus Protest einen Tag der offenen Tür am Samstag zu verweigern oder mit unseren SuS nicht mehr auf Exkursion zu gehen. Die erzählen das daheim und dann heisst es eben "aha ... die Lehrer haben keinen Bock mehr zu arbeiten, die faulen Säcke".

  • Wenn ich mir alles so durchlese, was Du schreibst, glaube ich ehrlich, dass wir grundsätzlich gar nicht so verschieden sind in unserer Arbeitshaltung. Die Argumentationskette "ich muss immer mehr arbeiten und weiss nicht wo mir der Kopf steht, deshalb will ich nicht an einem Tag der offenen Tür sein, wenn der am Samstagmorgen ist" ist aber einfach extrem unglücklich. Das war es auch, was mich hier initial so auf die Palme gebracht hat.

    Huhu!


    Ich bin bei unserem samstäglichen Tag der Offenen Schule "gerne" dabei und ich habe kein größeres Problem damit. Wir bekommen auch den Ausgleichtag dafür.
    und vermutlich würde ich es auch sogar ohne Ausgleichstag machen.
    Weil ich total bescheuert bin.


    ABER: ich habe nur betont, dass es mir wichtig ist, zu wissen, wann ich tatsächlich etwas mache, was ich muss und wann ich etwas mache, was zusätzlich ist.
    Beispiel: ich mache dieses Schuljahr 2 Arbeitsgemeinschaften kostenlos. wie schon seit Jahren im Schnitt 1,5-2 Schulstunden zusätzlich.
    SOLANGE ich ab und zu den Dank dafür bekomme, oder den Hinweis "ach frau Chili, dein Einsatz ist da und da, alles gut, für die Arbeitsgruppe XY fragen wir Kollege YZ, er macht zur Zeit keine Zusatzaufgabe.", dann ist es / wäre es okay.


    Aber was real passiert, ist eher "WAAS, du möchtest Anerkennung / Dank dafür, dass du eine AG, die bei uns im Schulprogramm steht, kostenlos machst und du wagst es, anzumerken, dass die Parallelfachschaft ein vergleichbares ANgebot bezahlt bekommt??"
    und ich doofe mache es weiter. Weil es mir Spass macht, die Schule mitzugestalten. Aber mit "angeblichen Pflichtsachen" bin ich geiziger. Weil ich finde, dass Engagement freiwillig sein sollte. Wenn ich aufgrund von was weiss ich eben nicht kann, dann sollte man es mir nicht übel nehmen.


    und hier reden wir über einen Samstag.
    Aber es ist nur eine von sehr vielen Veranstaltungen, die zur Außendarstellung beitragen. Die 5-6 Abendveranstaltungen, 4 Gottesdienste, 1 Samstag, 2-3 Renovierungsnachmittage, ohne auch noch die Abschlussveranstaltungen und so weiter anzusprechen.


    chili

  • Ich bin bei unserem samstäglichen Tag der Offenen Schule "gerne" dabei und ich habe kein größeres Problem damit. Wir bekommen auch den Ausgleichtag dafür.

    Das habe ich längst zur Kenntnis genommen und wundere mich ohnehin seit geraumer Zeit darüber, warum insbesondere Du Dich so angegriffen fühlst. Es haben aber mehrere Mitschreiber in diesem Diskussionsstrang sich genau darüber beklagt und Dinge verlauten lassen wie "sollen sich die Eltern doch frei nehmen" und DARÜBER rege ich mich auf.



    Aber was real passiert, ist eher "WAAS, du möchtest Anerkennung / Dank dafür, dass du eine AG, die bei uns im Schulprogramm steht, kostenlos machst und du wagst es, anzumerken, dass die Parallelfachschaft ein vergleichbares ANgebot bezahlt bekommt??"

    Wenn Dein Schulleiter das so sagt, zeugt das von schlechter Personalführung. Meine Chefin sagt sowas nicht.

  • Bei uns ist das gesamte Kollegium zur Anwesenheit verpflichtet, egal ob Teil- oder Vollzeitlehrkraft. Es gibt keinen Ausgleich in irgendeiner Form.
    Es handelt sich um einen Samstag.
    Ist das mal wieder typisch Schleswig-Holstein oder handelt unsere Schulleitung da unrechtmäßig? Und wenn letzteres, sollte man das mal an eine Gewerkschaft weitermelden?

  • Bei uns ist das gesamte Kollegium zur Anwesenheit verpflichtet, egal ob Teil- oder Vollzeitlehrkraft. Es gibt keinen Ausgleich in irgendeiner Form.
    Es handelt sich um einen Samstag.
    Ist das mal wieder typisch Schleswig-Holstein oder handelt unsere Schulleitung da unrechtmäßig? Und wenn letzteres, sollte man das mal an eine Gewerkschaft weitermelden?

    Ich denke, das ist wieder eine Frage, wie man es macht. Bei uns liegt der in der Woche an Unterrichtstagen, nur wer Unterricht hat, ist dabei. Aber z.B. Einschulung an einem Samstag gab nun auch soviele Diskussionen, dass meine Schulleitung es satt hat und auch Anwesenheitspflicht erklärt hat, nur die Kollegen, die selber in der Familie einschulen, waren davon ausgenommen.

  • Schau mal bei euch in die ADO (oder wie auch immer es bei euch heißt rein).
    Was steht da, was dort quasi in den wahrzunehmenden Aufgaben eines Lehrers drin steht?
    Eine echte Dienstpflicht ist bei uns nur möglich, wenn des durch die Lehrerkonferenz abgesegnet wurde, der Rest ist Graubereich.

  • Besteht Anwesenheitspflicht am Tag der offenen Tür, wenn dieser an einem unterrichtsfreien Samstag stattfindet? Wenn ja, haben wir dann einen Anspruch auf Unterrichtsausfall zum Ausgleich?

    Ein Blick in die ADO verschafft Klarheit: Tag der offenen Tür, Schulfeste, u.ä. gehört zu den Dienstpflichten eines Lehrers, ist damit mit dem Gehalt abgegolten. Damit Anwesenheitspflicht und kein Anspruch auf finanziellen Ausgleich (auf Unterrichtsausfall sowieso schon nicht)

  • Und was ist mit den Schülern? Haben die keinen Anspruch auf Ausgleich?


    Denn wenn die einen Ausgleich bekommen, haben die Lehrer den ja zwangsläufig auch ;) Kein Schulleiter bei Verstand würde die Lehrer dann verdonnern, doof rumzusitzen und "Aufräumarbeiten" etc. zu leisten.


    Wir konnten dieses Jahr durch unseren Ausgleichstag einen Tag früher unsere Weihnachtsferien genießen :)

  • Und was ist mit den Schülern? Haben die keinen Anspruch auf Ausgleich?


    Denn wenn die einen Ausgleich bekommen, haben die Lehrer den ja zwangsläufig auch ;) Kein Schulleiter bei Verstand würde die Lehrer dann verdonnern, doof rumzusitzen und "Aufräumarbeiten" etc. zu leisten.


    Wir konnten dieses Jahr durch unseren Ausgleichstag einen Tag früher unsere Weihnachtsferien genießen :)

    Das ist dann wie Präsenztag in den Ferien, den auch die Senatorin vorgegeben hat, anfangs sogar von 8-16 Uhr

  • Am Tag der Offenen Tür ist bei uns Unterricht, 3 Stunden. Denn die Leute wollen ja auch den "Alltag" sehen, um sich ein Bild von der Schule zu machen. Und weil wir samstags Unterricht machen, gibt es einen Ausgleichstag, natürlich für die Kids und die Lehrer*innen.
    L.G. und schöne Weihnachten
    Pia

  • Und was ist mit den Schülern? Haben die keinen Anspruch auf Ausgleich?


    Denn wenn die einen Ausgleich bekommen, haben die Lehrer den ja zwangsläufig auch

    Bei uns muss das gesamte Kollegium den halben Samstag kommen ohne Ausgleich.


    Am Tag der Offenen Tür ist bei uns Unterricht, 3 Stunden. Denn die Leute wollen ja auch den "Alltag" sehen, um sich ein Bild von der Schule zu machen. Und weil wir samstags Unterricht machen, gibt es einen Ausgleichstag, natürlich für die Kids und die Lehrer*innen.

    Die Unterrichtsstunden werden als Schnupperstunden mit den eventuell zukünftigen SuS abgehalten, nicht mit den SuS unserer Schule. Andere KuK müssen für Elterngespräche bereitstehen, Informationsräume gestalten, Voträge halten. Das gesamte Kollegium wird zwangsmobilisiert: Teilzeit- und Vollzeitkräfte in gleichem Maße (unteilbare Aufgabe, Dienstpflicht). Wer abwesend ist benötigt eine Krankmeldung.

  • Ich hab den Strang hier gerade noch mal durchgelesen und zufrieden festgestellt, dass wir keine 2 Lektionen mehr arbeiten, der Klassenteiler bei 24 SuS geblieben ist und wir immer noch die Lageraufstockung bekommen. Auch die Kosten für den Instrumentalunterricht trägt zumindest zur Hälfte wieder der Kanton. Laut sein lohnt sich auf jeden Fall. Nur muss man eben zur richtigen Zeit und an der richtigen Stelle laut sein. Unser Orientierungsabend findet immer noch abends von 18:30 Uhr bis 21:00 Uhr statt und es käme mir immer noch nicht in den Sinn mich an der Stelle zu verweigern denn der ist immer noch immens wichtig für unsere Anmeldezahlen (ob die zuständige Regierungsrätin uns den Laden ganz dicht machen will ist immer noch nicht vom Tisch). "Mach ich nicht" kann ich an vielen anderen Stellen sagen an denen es strategisch erheblich klüger ist.

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    Früher war mehr Lametta!

    Einmal editiert, zuletzt von Wollsocken80 ()

  • Unser Orientierungsabend findet immer noch abends von 18:30 Uhr bis 21:00 Uhr statt und es käme mir immer noch nicht in den Sinn mich an der Stelle zu verweigern denn der ist immer noch immens wichtig für unsere Anmeldezahlen (ob die zuständige Regierungsrätin uns den Laden ganz dicht machen will ist immer noch nicht vom Tisch). "Mach ich nicht" kann ich an vielen anderen Stellen sagen an denen es strategisch erheblich klüger ist.

    Was sind denn diese vielen anderen Stellen, die man verweigern kann? Bei uns ist alles Dienstpflicht, ich habe noch nicht eine einzige Sache gefunden, die man nicht machen muss, obwohl die SL das möchte.

  • Firelilly:
    Gegen so einen SL hilft tatsächlich nur auch deinerseits auf den Vorschriften herumzureiten und alles schriftlich(!) zu dokumentieren:


    Zum Tag der offenen Tür am Samstag:
    Ich habe zu Beginn des Threads schon einmal geschrieben, dass (zumindest in Nds) die Arbeitszeitverordnung klar sagt, dass so eine Samstagsveranstaltung nur zulässig ist, wenn "die dienstlichen Verhältnisse es erfordern". Und das muss der SL objektiv(!) nachweisen, d.h. dass es nicht möglich ist diese Veranstaltung an einem Schultag (Mo - Fr) durchzuführen. Da sollte euer PR Druck machen, notfalls der Bezirks-PR (oder wie auch immer der in S-H heißt).


    Ansonsten:
    Die persönliche Arbeitszeit dokumentieren (schrifltich, täglich). Und wenn dann die Arbeitszeit auf das Jahr gerechnet regelmäßig über der Arbeitszeit für Beamte in S-H liegt, dann Ausgleich fordern (Mehrarbeitsvergütung bzw. Stundenermäßigung im nächsten Jahr). Auch die berühmten "drei Stunden zusätzlicher Unterricht" pro Monat dürfen keine Dauereinrichtung werden, da es sonst eine versteckte Arbeitszeiterhöhung wäre und somit unrechtmäßig. Das kann alles das Bohren eines dicken Brettes bedeuten, notfalls (wenn schriftlichte Eingaben und (Bezirk-)PR nicht helfen) musst du zu den Mitteln der Überlastungsanzeige, Dienstaufsichtsbeschwerde und notfalls Klage vor dem VerwG greifen. Das kostet dann alles Zeit und Nerven, eventuell sogar Geld, und du brauchst Verbündete (=Zeugen).


    Und wenn das alles nichts hilft, über eine Versetzung nachdenken. Es gibt auch gute SL.


    Gruß !

    Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

  • Wie kommst du darauf?

    Habe ich ja oben schon geschrieben! Ein reiner Präsenztag ohne Schüler macht keinen Sinn. Zu Hause kann man besser arbeiten / vorbereiten. Und ein guter Schulleiter weiß das und verlangt keinen Präsenztag.

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