Wem geht / ging es im Referendariat auch so schlecht?

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    • Buntflieger schrieb:

      DeadPoet schrieb:

      Wenn Praxiserfahrung auf Theorie trifft, geb ich halt der Praxis den Vorzug.
      Hallo DeadPoet,

      dann gib du "der Praxis den Vorzug", das sei dir unbelassen.
      Es wirkt aber schon recht kurios, einem Fachbuch aus der Schulpsychologie (basierend auf solider Forschung) einen FAZ-Artikel entgegenzusetzen. Das spricht für sich. Da kann ich dann auch nichts mehr dazu sagen.

      der Buntflieger
      Oh Mann, von deiner Forschungsgläubigkeit solltest du echt mal runterkommen. Da wird so viel Mist verzapft, dass ein Großteil an Forschung vermutlich für die Tonne sein wird. Seit in den Unis auch ein unglaublicher Druck reingekommen ist und die Leute sogar neben ihrer wachsenden Lehrverpflichtung eine verpflichtende Anzahl an Publikationen in den Verträgen stehen haben, ist es doch logisch, dass irgendetwas darunter leiden muss. Einen Uniaussteiger kenne ich sogar persönlich. Da kam der Chef mit der Ansage: "Wir müssen mal wieder etwas publizieren; hast du was?" - "Nö, eigentlich nicht, dauert halt noch, bis da was gescheites bei rumkommt." - "Ist egal. Schreib das zusammen, was du hast." Dann wird das halt im Zweifel hingebogen. Da geht in der derzeitigen Unilandschaft leider einiges den Bach runter.
      Dazu kommt in diesen ganzen Humanwissenschaften, dass das alles sehr auf (wertender) Beobachtung komplexer Situationen basiert. Wie will man das denn alles sauber operationalisieren?!? Wie will man denn genügend große Stichproben mit vergleichbaren Kontrollgruppen finden (in meinem kleinen Förderschwerpunkt aufgrund der niedrigen SuS-Anzahl teilweise wirklich unmöglich!) bzw. die Mittel dafür bekommen?

      Meine zwei Lieblingsbeispiele sind folgende:
      • In meinem Mathestudium haben wir die Forschungsergebnisse zur Effektivität der verschiedenen Verfahren der schriftlichen Subtraktion bearbeitet. Hat man sich das reingezogen, war ein bestimmtes Verfahren den anderen überlegen, weswegen sich viele Schulbücher danach derzeit richten. Ich habe es einmal so eingeführt und es war eine Katastrophe. Das übliche Verfahren haben sie aber hinbekommen. Ich habe jahrelang die SuS aus unserer Grundstufe in Mathe bekommen, die die schriftliche Subtraktion auch so beigebracht bekamen. Es ist echt ein Jammer, dass die das nicht beherrschen. Viele Quereinsteiger hatten noch Mathelehrer vom alten Schlag und konnten es. Diese Forschung ist leider echt nicht das Papier wert, auf dem sie steht!
      • Im Zeichen der Inklusion werden selbstredend auch neue Lehrstühle dafür eingerichtet und auch die Forschung soll starten. Natürlich werden für diese Posten keine Kritiker eingestellt oder Leute, die der ganzen Sache neutral gegenüberstehen (Vor- und Nachteile sehen), sondern Anhänger. Natürlich spiegeln die Forschungsergebnisse das wieder, ob das nun stimmt oder nicht. Zu viele skeptische Worte, würden vermutlich dazu führen, dass der Vertrag nicht verlängert wird oder sogar ein Lehrstuhl wieder abgeschafft wird.


      Gebe ich der Praxis gegenüber der Forschung den Vorzug? Natürlich, alles andere wäre töricht. Ich arbeite nicht in der Forschung, sondern in der Praxis, und grobe Fehler oder völlig falsche Annahmen haben für mich im Gegensatz zu den Leuten von der Uni reale Folgen, die ein Kollege oder ich ausbaden muss. Die Eltern beschweren sich ja nicht bei den Unidozenten für ihre verqueren Aussagen in der Lehre, die dann folglich in die Praxis umgesetzt werden, sondern bei mir.
      In Sonderpäd und PoWi hatte ich viele Dozenten, die vorher Lehrer waren oder in Sonderpäd im außerschulischen Feld gearbeitet hatten. Da habe ich recht viel gelernt, womit ich etwas anfangen konnte. Wobei man merkte, dass manche sich mit den Jahren auch von der Realität entfernten. Die Leute aus den Erziehungswissenschaften waren nicht so dolle. Dass sie nur eingeschräkte Praxiserfahrung hatten, merkte man ihnen deutlich an. Die hatten es sich in ihrem Elfenbeintürmchen so richtig bequem gemacht. Viel davon hätte ich mir wirklich sparen können.
    • Wikipedia schrieb (stellvertretend für die einzelnen Bundesländer):

      "Studienseminar, das: Rechtlich handelt es sich um den Schulen und ihren jeweiligen Organisationsformen zugeordnete Einrichtungen, die der Aufsicht des Staates unterstehen und weisungsgebunden sind, im Unterschied zu den Universitäten, für die die Verfassungsgarantie der Freiheit von Forschung und Lehre gilt."
    • Krabappel schrieb:

      Wikipedia schrieb (stellvertretend für die einzelnen Bundesländer):

      "Studienseminar, das: Rechtlich handelt es sich um den Schulen und ihren jeweiligen Organisationsformen zugeordnete Einrichtungen, die der Aufsicht des Staates unterstehen und weisungsgebunden sind, im Unterschied zu den Universitäten, für die die Verfassungsgarantie der Freiheit von Forschung und Lehre gilt."
      In der Verfassung mag das stehen, aber wie belastbar ist das wirklich? Ich habe noch meinen Uni-Mail-Account und sehe dadurch, was an der Uni so an Meldungen kommen. Wie viele Hände aus Politik und Wirtschaft die Rektorin schüttelt. Die reden bestimmt immer nur über das Wetter. ;)
      Dazu kommen noch die ganzen Drittmittel, von denen Unis zunehmend abhängig werden (daran sind ja auch NIE Erwartungen geknüpft *Ironie*). Da wird knallhart nach gegangen und was am meisten Prestige bringt, bekommt die meiste Kohle. Lehramt hat null Prestige und deshalb haben die Leute dort die niedrigsten Gehälter und geringsten Forschungsetats.
      zeit.de/2015/11/drittmittel-michael-hartmann-hochschulen

      Ich bin wirklich kein Fan von Verschwörungstheorien, aber man kann nicht leugnen, dass da etwas im Gange ist, was nicht so gut für die Qualität der Unis in unserem Bereich ist.
    • Frapper schrieb:

      Krabappel schrieb:

      Wikipedia schrieb (stellvertretend für die einzelnen Bundesländer):

      "Studienseminar, das: Rechtlich handelt es sich um den Schulen und ihren jeweiligen Organisationsformen zugeordnete Einrichtungen, die der Aufsicht des Staates unterstehen und weisungsgebunden sind, im Unterschied zu den Universitäten, für die die Verfassungsgarantie der Freiheit von Forschung und Lehre gilt."
      In der Verfassung mag das stehen, aber wie belastbar ist das wirklich? Ich habe noch meinen Uni-Mail-Account und sehe dadurch, was an der Uni so an Meldungen kommen. Wie viele Hände aus Politik und Wirtschaft die Rektorin schüttelt. Die reden bestimmt immer nur über das Wetter. ;) Dazu kommen noch die ganzen Drittmittel, von denen Unis zunehmend abhängig werden (daran sind ja auch NIE Erwartungen geknüpft *Ironie*). Da wird knallhart nach gegangen und was am meisten Prestige bringt, bekommt die meiste Kohle. Lehramt hat null Prestige und deshalb haben die Leute dort die niedrigsten Gehälter und geringsten Forschungsetats.
      zeit.de/2015/11/drittmittel-michael-hartmann-hochschulen

      Ich bin wirklich kein Fan von Verschwörungstheorien, aber man kann nicht leugnen, dass da etwas im Gange ist, was nicht so gut für die Qualität der Unis in unserem Bereich ist.
      Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern ganz normales Wirtschaften nach dem Prinzip des maximalen Profits.

      Für "Freiheit von Forschung und Lehre" gilt wie für den Rest unserer Gesellschaft auch: Du hast so viel Freiheit wie Du bezahlen kannst.
    • Krabappel schrieb:

      Was ich sagen will, ist: Studienseminare sind weisungsgebunden kein Hort des Diskutierens. Per definitionem schon nicht. Scheinen ja manche Lehramtsanwärter nicht zu glauben ;)
      Ach so, ich dachte, dein Post war auf mich bezogen. :) In NRW gab es in der Tat einen vom Ministerium gestellten Kriterienkatalog zur Bewertung von Prüfungen, die die Fachleiter auch für die UBs benutzt haben. Das waren drei oder vier Seiten mit Merkmalen, die zu beachten waren. Im Ref mussten wir am Anfang nur wenige dieser Kriterien erfüllen, um reinzukommen, und das wurde gesteigert. Das wurde auch gar nicht hinterfragt. Wozu auch? Dass nachher in der Realität ein anderer Wind weht, war doch allen klar, auch den Fachleitern. Ich fand es trotzdem sinnvoll, um Stunden gut durchdringen zu können.
    • War bei uns an sich auch do (3 Seiten). Nur hat das keinen im Seminar interessiert bei der Bewertung. War leicht surreal weil man mit den Vorgaben gut arbeikonbte die FSL aber nicht mit gearbeitet haben :(
      Ob ein Weg sich lohnt gegangen zu werden weiß man erst wenn man ihn gegangen ist. - Peregrinatio maiores Weisheit

      1. Wenn dir Jammern hilft, ist das in Ordnung. Wichtig ist dabei nur, das du bei der ganzen Jammerei Eines nicht vergisst: Es interessiert niemanden. Beweg dich oder bleib stehen, aber gib niemals jemand anderen die Schuld für deinen Stillstand. (Kapa)
    • Kapa schrieb:

      War bei uns an sich auch do (3 Seiten). Nur hat das keinen im Seminar interessiert bei der Bewertung. War leicht surreal weil man mit den Vorgaben gut arbeikonbte die FSL aber nicht mit gearbeitet haben :(
      Hallo Kapa,

      bei uns gibt es auch diese Bewertungslisten, aber in der Praxis wird dir letztlich irgendwas erzählt und wenn dich jemand fertigmachen will, wird er das tun - und zwar ganz ohne Bewertungsliste. Die Kritik muss im Zweifelsfall nicht mal Sinn ergeben. Wehren ist sowieso nicht wegen: sofort kritikunfähig.

      Alles steht und fällt mit der Menschlichkeit derjenigen, die am Drücker sind. Und da gibt es leider immer wieder deftige Totalausfälle drunter. :staun:

      der Buntflieger
    • Neu

      Hallo in die Runde,

      ich habe ja hier meinen Unmut geäußert über mein Referendariat, das in den letzten Wochen immer mehr zum Stresstest unter z.T. ziemlich fragwürdigen Bedingungen ausgeartet ist. Jetzt erkläre ich kurz, weshalb ich so verärgert war.

      Ab ca. Anfang Mai habe ich bis zu 11 Stunden pro Woche in meinen Fächern unterrichtet. Dabei saß selten der Mentor hinten drin und ich hab alles selbst vorbereitet (immer mit V-Plan und Phasen etc., als wie ein UB halt) und hatte am Ende im Schnitt ca. 3-4 Stunden Schlaf. Manchmal auch gar keinen.

      Der Unterricht lief aber alles in allem gut, mit den SuS kam ich immer besser klar (merkt man ja, wenn sich ein Vertrauensverhältnis aufbaut), aber die Anforderungen bei den UBs haben mich einfach fertig gemacht. Da wurden Mini-Kleinigkeiten kritisiert (z.B. wenn ein Schüler mit dem Nachbarn getuschelt hat und man das nicht sofort disizipliniert/wahrgenommen hat) oder die Schrift an der Tafel nicht ganz nach Schönschrift aussah oder/und Folien mal nicht so gut lesbar waren oder oder oder...

      Während ich also im Alltag trotz der Stresssituation gut klar kam, wurde mir dann nach den UBs auf z.T. (von Seiten der Schulleitung und Mentoren, weniger von den LBs) erzählt, dass bei mir so große Defizite zu sehen sind, dass man mir im Grunde den eigenständigen Unterricht nicht anvertrauen könne. Dann bekam ich einen Gnaden-UB, wo ich nochmal zeigen sollte, dass ich es doch kann. Da war ich dann so nervös, dass gar nix geklappt hat.

      Irgendwie hat man dann - ich schätze mal durch Druck vom Seminar - doch entschieden, mich in den eigenständigen Unterricht zu lassen. Ich fühle mich in dem Laden (Schule) aber nicht mehr wohl - also nicht wegen der SuS, sondern wegen Mentoren/Schulleitung - und fühle mich auch als Mensch nicht richtig wahrgenommen. Das hat mich frustriert und deshalb war ich hier so negativ drauf.

      Wollte ich nur mal loswerden, ohne mich jetzt allzu sehr in Einzelheiten zu verlieren.

      der Buntflieger
    • Neu

      @Buntflieger In welchem BL machst Du nochmal das Ref?


      Buntflieger schrieb:


      Da wurden Mini-Kleinigkeiten kritisiert (z.B. wenn ein Schüler mit dem Nachbarn getuschelt hat und man das nicht sofort disizipliniert/wahrgenommen hat) oder die Schrift an der Tafel nicht ganz nach Schönschrift aussah oder/und Folien mal nicht so gut lesbar waren oder oder oder...
      Leider muss ich Dir sagen, dass das keine Mini-Kleinigkeiten sind, denn unleserliche Schrift an der Tafel und auf einer Folie sowie tuschelnde SuS können den Unterricht sprengen. Deswegen ist es zu Recht angebracht, diese "Kleinigkeiten" anzusprechen. Würde ich als Mentorin ebenso machen. Wie würdest Du im Seminar reagieren. wenn ein Fachleiter eine unleserliche Folie auflegt?

      Ansonsten tut es mir natürlich leid, dass Du so an der Situation leidest. Ich habe auch damals unter diesem Druck gelitten. Als Seiteneinsteigern hatte ich zudem auch noch ein großes Programm "nebenher" (beruflich und privat). Trotzdem möchte ich die Zeit nicht missen. Ich habe mich gezwungen (nur für mich), meine Stunden Seminar/UB-tauglich zu halten. Das hat mir im Nachhinein wirklich viel gebracht. Nur die UBs in dem Stil zu halten, hätte mich in der Prüfung umgeschmissen. Ich brauchte die Übung. Mit knapp 40 ist man nicht mehr so lernfähig ;) Deswegen empfehle ich Dir, alle Stunden so zu planen (wenn auch nur stichwortartig auf dem Papier), als sollte es eine UB-Stunde sein. Also deutliche Phasierung, durchdachte Reihe, Materialien für SuS gut aufgearbeitet und vorbereitet. Das hilft. Glaub es mir.

      Wie lange hast Du noch?
    • Neu

      Ich stimme da Sissymaus zu, unleserliche Schrift an Tafel oder auf einer Folie sind wirklich wichtige Punkte, die man ansprechen muss. Was das Getuschel angeht kommt es sicherlich auf die Zahl der tuschelnden Schüler und die Dauer des Tuschelns an.

      Buntflieger schrieb:

      Ab ca. Anfang Mai habe ich bis zu 11 Stunden pro Woche in meinen Fächern unterrichtet. Dabei saß selten der Mentor hinten drin und ich hab alles selbst vorbereitet (immer mit V-Plan und Phasen etc., als wie ein UB halt) und hatte am Ende im Schnitt ca. 3-4 Stunden Schlaf. Manchmal auch gar keinen.
      Die 11 Stunden sind ja ganz normal im Ref, die habe ich auch immer (mindestens) unterrichtet. Aber weshalb war nur selten ein Mentor dabei? Du hast doch gewöhnlich 8 Stunden BdU (eigenverantwortlichen Unterricht) und zusätzlich ca. 6 Stunden Ausbildungsunterricht, also mit Mentor drin!? Wenn dir der BdU garnicht erst gegeben werden sollte, hätten ja alle 11 Stunden mit Mentor sein müssen, der für die Klasse verantwortlich ist - wo war der denn? Und weshalb musstest du, wenn kein Mentor dabei war, die Stunden mit Verlaufsplan vorbereiten? Wer hat den denn angeguckt? Hätte man dir den BdU nicht gegeben, hätte ich dann auch mal nachgefragt, woran genau das liegt und wie du ohne die dir zustehende Ausbildung zu erhalten denn die notwendigen Standards erfüllen sollst...

      Stunden mit Mentoren (also: Ausbildungsunterricht) habe ich übrigens auch immer (!) mit Verlaufsplan geplant, den diese dann zusammen mit dem Material vorher von mir bekamen, so wussten sie was kommt und ich konnte zeigen, dass ich Unterricht klar phasiert planen kann. Fand ich gut so und wurde in allen meinen Gutachten positiv erwähnt. Sobald man die Stunde einmal geplant hat dauert das Ausfüllen der Tabelle ja auch nur noch 5-10 Minuten, das macht den Braten also auch nicht mehr fett... Beim BdU habe ich wohl ca. 70% der Stunden mit Verlaufsplan geplant.

      Und noch ein Rat: Niemals (!) am Schlaf sparen! Dadurch arbeitest du am nächsten Tag aufgrund der Müdigkeit nur (noch) ineffektiver, brauchst (noch) länger und kriegst wieder zu wenig Schlaf -> Teufelskreis! Ich habe in Hochphasen an allem gespart, aber niemals am Schlaf, aus oben genanntem Grund und weil es krank macht.
      Warum Trübsal blasen, wenn man auch Seifenblasen kann?
    • Neu

      Sissymaus schrieb:

      Leider muss ich Dir sagen, dass das keine Mini-Kleinigkeiten sind, denn unleserliche Schrift an der Tafel und auf einer Folie sowie tuschelnde SuS können den Unterricht sprengen. Deswegen ist es zu Recht angebracht, diese "Kleinigkeiten" anzusprechen. Würde ich als Mentorin ebenso machen. Wie würdest Du im Seminar reagieren. wenn ein Fachleiter eine unleserliche Folie auflegt?

      Hallo Sissymaus,

      ich mache in BW das Referendariat, habe schon gehört, dass es in NRW etwas entspannter zugehen soll. Aber kann auch ein Gerücht sein?
      Bei mir ist es so, dass ich im "normalen" Unterricht (also wenn ich ich sein kann) quasi keine Probleme mit Nervosität habe, aber in den UBs ist das für mich eine ganz andere Situation. Daran gewöhne ich mich irgendwie nicht. Vielleicht liegt es z.T. auch an den Leuten, die zuschauen. Jedenfalls fällt mir alles viel schwerer in UBs und ich stehe mehr oder weniger neben mir. Ich hab auch nicht das Gefühl, dass die SuS viel dabei lernen. Das ist in meinem "normalen" Unterricht ganz anders; da gehts zur Sache, aber eben häufig ohne streng durchgezogene Phasen/Struktur. Ich verhalte mich da spontan, dynamisch und eben lebendig. Aber natürlich weit weg von jeder UB-Stunde. Die sind ja völlig steril und künstlich, jedenfalls aus meiner Sicht und Vorstellung von Unterricht.

      Aber egal, soll jetzt nicht in Grundsatzdiskussionen ausarten. Mir ist es schon klar, dass ich für die Lehrproben eben auf die Standard-Schiene kommen muss. Da arbeite ich auch dran, aber man macht es mir wirklich nicht leicht. Es entspricht einfach zu wenig meinem Naturell.

      Unleserliche Folien oder unleserliche Schrift wurde nicht kritisiert, sondern dass die Schrift nicht schön genug (Vorbildfunktion) und die Folien zu schmierig sind. Das liegt aber an den alten Geräten und stört sonst ja auch keinen, aber in den UBs wird sowas auf die Goldwaage gelegt. Als hätte man keine größeren Probleme... :daumenrunter:

      der Buntflieger
    • Neu

      Midnatsol schrieb:

      Aber weshalb war nur selten ein Mentor dabei? Du hast doch gewöhnlich 8 Stunden BdU (eigenverantwortlichen Unterricht) und zusätzlich ca. 6 Stunden Ausbildungsunterricht, also mit Mentor drin!? Wenn dir der BdU garnicht erst gegeben werden sollte, hätten ja alle 11 Stunden mit Mentor sein müssen, der für die Klasse verantwortlich ist - wo war der denn? Und weshalb musstest du, wenn kein Mentor dabei war, die Stunden mit Verlaufsplan vorbereiten? Wer hat den denn angeguckt? Hätte man dir den BdU nicht gegeben, hätte ich dann auch mal nachgefragt, woran genau das liegt und wie du ohne die dir zustehende Ausbildung zu erhalten denn die notwendigen Standards erfüllen sollst...
      Hallo Midnatsol,

      ich vermute, dass ich deshalb in den Eigenständigen gelassen werde, weil ich schon eigenständig unterrichtet hatte in den letzten Monaten. Normal müsste wohl ein Mentor immer mit dabei sein, aber wenn es offensichtlich läuft, dann hat man als Mentor hier und da andere Dinge zu tun und lässt den Referendar alleine machen. Ich habe mich darüber auch nicht beschwert, weil ich mich alleine viel wohler fühle vor der Klasse. Problem ist nur, dass man eben nicht sieht, dass ich guten Unterricht machen kann OHNE Beobachtung. Die SuS bewerten meinen Unterricht gut (führe regelmäßig formative Evaluationen durch). Aber in UB-Situationen stolpere ich ständig über meine eigenen Füße.

      Die VPs muss ich abgeben bzw. vorzeigen und werden abgenickt oder mal Kleinigkeiten zur Verbesserung von Mentorenseite vorgeschlagen. Das ist wohl so geregelt, dass man zu jeder Stunde einen VP vorlegen muss.

      der Buntflieger
    • Neu

      Buntflieger schrieb:

      Normal müsste wohl ein Mentor immer mit dabei sein, aber wenn es offensichtlich läuft, dann hat man als Mentor hier und da andere Dinge zu tun und lässt den Referendar alleine machen. Ich habe mich darüber auch nicht beschwert, weil ich mich alleine viel wohler fühle vor der Klasse. Problem ist nur, dass man eben nicht sieht, dass ich guten Unterricht machen kann OHNE Beobachtung
      Ja, das scheint so zu sein. Was sagen denn deine Mentoren so in den Nachbesprechungen? Machen sie denn welche mit dir, die diesen Namen auch verdienen und üben sie dabei auch konstruktive Kritik? Wenn ich lese, dass die Zweifel an deiner Befähigung zum eigenständigen Unterricht unter anderem von deinen Mentoren kommen, müssten sie solche Zweifel vorher mit dir persönlich einmal angesprochen haben – alles andere wäre höchst unprofessionell.
    • Neu

      Philio schrieb:

      Ja, das scheint so zu sein. Was sagen denn deine Mentoren so in den Nachbesprechungen? Machen sie denn welche mit dir, die diesen Namen auch verdienen und üben sie dabei auch konstruktive Kritik? Wenn ich lese, dass die Zweifel an deiner Befähigung zum eigenständigen Unterricht unter anderem von deinen Mentoren kommen, müssten sie solche Zweifel vorher mit dir persönlich einmal angesprochen haben – alles andere wäre höchst unprofessionell.

      Hallo Philio,

      schön wärs ja. Aber die "Nachbesprechungen" (die gibt es schon, am Anfang waren die nach jeder Stunde, gegen Ende nur noch sporadisch, aber immer qualvoll) drehen sich um Kleinigkeiten und gehen vom Hundertsten ins Tausendste. Mal bin ich nicht präsent genug, dann wieder zu sehr im Vordergrund, beim nächsten Mal stehe ich nicht an genügend Ecken gleichzeitig im Raum und halte die Hände falsch. Dann ist die Stimme mal zu eintönig, zu laut, zu leise, zu viel, zu wenig... zu lehrerzentriert, zu wenig präsent als Lehrperson... es dreht sich beliebig im Kreis. Von daher bringt mit das alles nicht wirklich viel, sondern verwirrt einfach nur.
      Übrigens richtet sich die Meinung meines Mentors ziemlich exakt nach der der Schulleitung - quasi wie eine Einheit. Seit die Schulleitung kritisch mir gegenüber ist, ist es auch der Mentor. Am Anfang war das noch entspannter. Ich bin gespannt, wie das weitergeht.

      Jetzt entspanne ich mich aber erstmal - frische Kraft tanken in den Ferien und dann einfach voll durchstarten und mein Ding machen und mich auf die Lehrproben gezielt vorbereiten.

      der Buntflieger
    • Neu

      Buntflieger schrieb:

      Normal müsste wohl ein Mentor immer mit dabei sein, aber wenn es offensichtlich läuft, dann hat man als Mentor hier und da andere Dinge zu tun und lässt den Referendar alleine machen

      Davon halte ich absolut gar nichts und mir ist auch absolut schleierhaft, wie Ausbildungslehrer auf die Idee kommen den Ausbildungsunterricht zu verlassen und andere Dinge zu erledigen. Die bekommen dafür Geld, die Stunde ist nämlich in ihrem Deputat drin. Dementsprechend sollten sie auch ihre Pflicht wahrnehmen.

      Dich einfach machen zu lassen hilft dir nämlich bei deiner Ausbildung nicht, sondern die Unterrichtsstunde sollte nachher nachbereitet werden, das geht nur dann, wenn der Mentor/Ausbildungslehrer sie auch sieht.


      Ansonsten: Du sagst hier, dass alle Sachen irgendwelche Kleinigkeiten sind. Das ist aber das Problem, dass sich das dann summiert. Und Dinge wie z.B. unlesbare Tafelanschriften oder unlesbare Folien sind keine Kleinigkeiten, sondern sehr wichtig, dass diese Fehler abgestellt werden.

      Weiterhin sagst du, dass du in deinem Unterricht ohne Beobachtung "dynamisch, lebendig, ohne Phasen" bist- das ist auch nicht Sinn der Sache. Ich bin natürlich nicht bei dir mit drin, aber ich habe auch einen Referendar, der sowas gerne von seinem Unterricht sagt. In der Realität ist das ein endlos langer Lehrervortrag mit haufenweise Beispielen und Geschichten aus der eigenen Schülerzeit - da lernt man aber nichts von.
      Und wenn du in den UB ständig über deine eigenen Füße stolperst, dann sollte das ein Zeichen dafür sein, dass man das eben im eigenständigen Unterricht übt, und nicht "dynamisch, lebendig und ohne Phasen" arbeitet.