Warum A15 für mich KEIN Karriereziel mehr ist

  • A15-Besetzungen, also nicht die stellvertretende Schulleitung, von außerhalb gegen den Willen der Schulleitung? Hört sich... seltsam an.

    Häufigster Fall: Jemand, der bereits A15 ist, wird an eine Schule versetzt und hat dort erst einmal keine Funktionsstelle. Dann muss er mehr oder weniger die nächste kriegen und nehmen, die frei wird, und jeder darauf wartende A14 hat Pech gehabt.

    Seit 2004 unter dem gleichen Namen im Forum, weitgehend ohne ad hominem.

    • Offizieller Beitrag

    Ein ergänzender Gedanke noch, ich habe den Thread überflogen - zum Hintergrund: A15 ist im Bereich Realschule/Bayern nur möglich mit Gang in die Schulleitung - Die Anzahl geeigneter Bewerber für solche Stellen nehmen ab, auch aus den oben genannten, für mich nachvollziehbaren Überlegungen. Dies führt aber wiederum dazu, dass sich stellenweise Leute auf diese Stellen bewerben, die eben nicht geeignet sind und aufgrund der mangelnden Mitbewerber eben durchkommen.


    Was das Resultat ist, lese ich dann in den vielen, anderen Postings hier.

  • Stimmt ... eine Art Teufelskreis. Bei uns wird demnächst die erweiterte Schulleitung eingeführt. Die Kolleginnen und Kollegen, von denen ich glaube, dass sie diese Position gut ausfüllen könnten (müssen alles schon Funktionsträger sein), wollen nicht (weil mit Posten in der erweiterten SL evtl. auch Aufgaben verbunden sind, die gerade DIESE Kolleginnen und Kollegen nicht machen wollen). Diejenigen, die wollen ... naja ...

  • Bei mir ging es nach dem Referendariat recht schnell und so wurde ich im 5. Jahr nach dem 2. Staatsexamen A15. Bereut habe ich das in den vergangenen 12 Jahren nie.


    Ich gehe 4 Tage die Woche zur 1. Stunde in die Schule und komme meistens so gegen 17/18 Uhr nach Hause. Einmal pro Woche gehe ich erst gegen 9 Uhr zur Schule. Ungefähr alle 2 Wochen komme ich schon gegen 15:30 nach Hause. Einen Samstag pro Monat verbringe ich durchschnittlich mit der Korrektur von Klassenarbeiten. Prüfungskorrekturen und Anwesenheit in der Schule während der Ferien sind im Jahr ca. 2-3 Wochen. Anders ausgedrückt: ich habe 10 Wochen "echten" Urlaub. Wer kann das schon von sich behaupten?


    Mit den Arbeitszeiten komme ich jedenfalls sehr gut zurecht. Ich kann fast alles in der Schule erledigen und arbeite nur selten zu Hause. Das ist gerade bei 3 noch kleinen Kindern (Baby, Kindergarten, Grundschule) schon ein sehr großer Vorteil.


    Eigentlich könnte man ja meinen, dass die Abteilungsleitung nach 12 Jahren zum größten Teil Routine und das ganze nicht mehr so anstrengend sei. Das trifft auf mich leider nicht zu. Was ich als anstrengend empfinde sind die Konflikte. Etwas organisieren, an etwas arbeiten....das macht mir nicht viel aus, auch wenn es viele Stunden dauert. Aber Spannungen im Kollegium und sonstige Konflikte, die mit Emotionen verbunden sind erzeugen bei mir Stress. Die nehme ich manchmal auch mit nach Hause. Ich werde mit zunehmendem Alter anscheinend nicht "cooler". Da hatte ich früher vielleicht sogar eine größere Leichtigkeit.


    Trotzdem bin ich sehr zufrieden damit, nur ungefähr die Hälfte meines Lehrauftrags zu unterrichten und die andere Hälfte für die Tätigkeit in der Schulleitung zugeteilt zu bekommen. Auch wenn ich für die zweiten 50% sicherlich 75% der Zeit aufwende. Für Unterrichtsvorbereitungen kann ich mir nur ganz wenig Zeit nehmen. Schulleitungsmitglieder sind vermutlich nicht gerade immer die besten Lehrer....


    Was ich sehr schätze ist die Abwechslung meiner Arbeit. Die Gestaltungsmöglichkeiten durch die Arbeit im Schulleitungsteam. Ich könnte mir nicht vorstellen, mich wieder mit dem vollen Deputat auf den Unterricht zu konzentrieren. Die 300 Euro, die ich mehr als ein Oberstudienrat verdiene spielen dabei übrigens eine untergeordnete Rolle....


    Schon vor 5 Jahren wurde ich von nicht ganz unwichtigen Leuten gefragt, ob ich mir eine Stelle als Schulleiter vorstellen könnte. Ich konnte mir das mit Anfang 40 nicht. Und obwohl ich nun älter geworden bin, fühle ich mich trotzdem nicht langsam reif dafür. Ich denke, dass ich A15 bleiben werde. Es ist schon auch wichtig zu erkennen, wo die eigenen Stärken und Grenzen sind.

  • Trotzdem bin ich sehr zufrieden damit, nur ungefähr die Hälfte meines Lehrauftrags zu unterrichten und die andere Hälfte für die Tätigkeit in der Schulleitung zugeteilt zu bekommen.

    Interessant. In Niedersachen gibt's für A15 (Koordinator) nur 5 Unterrichtsstunden Entlastung. Um die Hälfte des Deputats Entlastung zu bekommen, müsste man schon stellverretender SL sein. Verräts du uns, in welchem Bundesland du bist?


    Gruß !

    Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

  • Berufliche Schule in Baden-Württemberg....für einen AL gibt es hier eine Entlastung von bis zu 11 Stunden bei 25 Stunden vollem Deputat...das wären also 14 Stunden Unterrichtsverpflichtung....bin aber auch noch fürs Handbuch, die Praktikanten und noch ein paar andere Dinge verantwortlich, die nicht über die Entlastungsstunden für die Schulleitung laufen...insgesamt unterrichte ich dieses Schuljahr somit 11 Stunden pro Woche...

  • Eigentlich könnte man ja meinen, dass die Abteilungsleitung nach 12 Jahren zum größten Teil Routine und das ganze nicht mehr so anstrengend sei. Das trifft auf mich leider nicht zu. Was ich als anstrengend empfinde sind die Konflikte. Etwas organisieren, an etwas arbeiten....das macht mir nicht viel aus, auch wenn es viele Stunden dauert. Aber Spannungen im Kollegium und sonstige Konflikte, die mit Emotionen verbunden sind erzeugen bei mir Stress.

    Das ist eine ganz wichtige Erkenntnis. Es ist klar, dass die wirklich anstrengenden Konflikte, also nicht nur mit einem Schüler oder einem Elternteil, sondern mit einer Reihe von Eltern und/oder Beschwerden bei dienstvorgesetzten Stellen, etc. mehr oder intensiver werden, je weiter "nach oben" in der schulischen Hierarchie man sich befindet. Für Schulleiter kommen dann noch Auseinandersetzungen mit Kolleginnen und Kollegen, die mit ihrer Beurteilung nicht einverstanden sind (sowas kann man bei Versetzungen durchaus auch von der abgebenden Schule "erben"), Maßnahmen im Rahmen des betrieblichen Eingliederungsmanagements, bei langzeiterkrankten Lehrkräften auch Korrespondenz mit Amtsärzten, Anwälten und Ministerium mit dazu. Diese Verfahren rechtssicher zu betreiben, kann beträchtlichen Zeitaufwand und viele Nerven kosten.


    Das so zu organisieren, dass trotzdem der Großteil der Arbeitszeit für Beratung in der Schulgemeinschaft, für Schulentwicklung und pädagogisches Handeln zur Verfügung steht, ist bisweilen eine echte Herausforderung.


    Falls jemand einen Tipp hat, wie man die o.g. Themen nicht im Kopf mit nach Hause nimmt, höre ich gern aufmerksam zu ;)

    • Offizieller Beitrag
    Zitat

    Falls jemand einen Tipp hat, wie man die o.g. Themen nicht im Kopf mit nach Hause nimmt, höre ich gern aufmerksam zu

    Da gibts doch sicher etwas in Dillingen ;).


    Mir tobt in den letzten Wochen wieder ganz stark der Begriff "Ambiguitätstoleranz" durch den Kopf, vor allem im Umgang mit hochgebildeten, hochbezahlten, jungen, verbeamteten Menschen.

    • Offizieller Beitrag

    Kollegium?!


    OK, hochbezahlt ist etwas dehnbar, kommt wahrscheinlich darauf an, welchen Vergleich man hat. Ich habe schon im Referendariat so viel verdient wie mein Vater in seinem ganzen Leben (auf das Monatsgehalt bezogen). Daher meine Perspektive - und ich denke auch aus anderer Perspektive gehören wir in A13-A15 nicht zu den Tagelöhnern.


    Wie das zu verstehen ist? Genau die Auseinandersetzungen mit den KollegInnen, die oben angesprochen wurden. Mit gebildeten Menschen, die einen sicheren Job haben. Die an ihre Schüler andere Maßstäbe ansetzen als im Vergleich an ihre eigenen Kinder. Nur als Beispiel.

    • Offizieller Beitrag

    So, nach längerer Zeit nun mal ein Update.


    Die Situation an meiner Schule hat sich für mich so entwickelt, dass ich dort langfristig keine Perspektive mehr gesehen habe und ich mich dementsprechend recht und links umgesehen habe, was es an Alternativen gibt.
    Mittlerweile hat es mich als pädagogischen Mitarbeiter in die Schulbehörde verschlagen. (Auf den genauen Fachbereich gehe ich aus Diskretionsgründen nicht ein.)


    Dort werde ich nun erst einmal für ein Jahr, ggf. auch für drei Jahre arbeiten. Eine Beförderung nach A15 wäre dort theoretisch auch möglich, doch habe ich mir meinen Oberstufenkoordinator sehr genau angeschaut und mein Eindruck hat sich erhärtet, dass er diese Schlagzahl trotz seiner gerade einmal Anfang 40 keine fünf Jahre durchhalten wird. Eigentlich kann das System Schule es einem nicht deutlicher sagen, dass ein weiterer Karriereschritt womöglich gar nicht so erstrebenswert ist.
    Was ich in den nächsten Monaten ausloten werde, ist zum einen, wann ich zurück in die Schule gehe und zum anderen, wie ich mich dort so einrichte, dass ich den Beruf nicht nur gesundheitlich bis zur Pensionierung durchhalte sondern auch von der Motivation her. Die Dinge, die ich in der Schule nicht mehr machen möchte, bin ich ja nun erst einmal los. Da das Zusatzaufgaben waren, muss ich sie auch nicht bei einer Rückkehr in die Schule wieder übernehmen.

  • Ach cool, das ist ja interessant. Kannst du uns da vielleicht auf dem Laufenden halten, was deine Aufgabenbereiche, Verantwortung, Belastung angeht?
    Viel Glück!

  • Das würde mich auch interessieren, ich gucke mir die Ausschreibungen auch immer an, aber bin wahrscheinlich noch zu sehr am Anfang aber spannend klingt es immer, würde mich auch sehr auf einen Erfahrungsbericht freuen !
    Bzw auch wie das Bewerbungsverfahren ablief, brauchtest du nochmal eine Revision?

    • Offizieller Beitrag

    Das Bewerbungsverfahren enthält keine Revision.


    Bewerbung abschicken, auf Einladungsschreiben hoffen bzw. warten, zum Termin kommen, schriftliches Assessment und Bewerbungsgespräch durchlaufen und mit ein bisschen Glück (und Können) die Stelle bekommen.


    Meine Aufgabenbereiche werde wie gesagt aus Diskretionsgründen nicht hier erläutern. Erfahrungen genereller Art hingegen schon.

  • Ich frag mich, was man macht, wenn die Abordnung endet. Die Abordnungen sind ja meines Wissens nicht nur als Stelle begerenzt sondern auch in der maximal am Stück abordbaren Zeit (12 Jahre?).


    Auch wenn ich meinen Job wirklich gerne mache, stelle ich mir den Wiedereinstieg nach einer Abordnung ziemlich hart vor.

  • Ich frag mich, was man macht, wenn die Abordnung endet. Die Abordnungen sind ja meines Wissens nicht nur als Stelle begerenzt sondern auch in der maximal am Stück abordbaren Zeit (12 Jahre?).


    Auch wenn ich meinen Job wirklich gerne mache, stelle ich mir den Wiedereinstieg nach einer Abordnung ziemlich hart vor.

    In Bayern sind Abordnungen ins Ministerium oder an andere über- oder beigeordnete Institutionen i.d.R auf 5-7 Jahre befristet. Je nachdem, wohin man abgeordnet ist, wird man während dieser Zeit 1-2 Mal befördert. Die (häufig recht unerfahrenen) Lehrkräfte gehen also als "LehrerInnen" ins Ministerium rein und kommen mindestens als "stellv. SchulleiterInnen" wieder raus. Das kann gutgehen, muss es aber nicht (für alle Beteiligten)...

    • Offizieller Beitrag

    Die Abordnungen in NRW laufen mindestens ein, maximal drei Jahre. Theoretisch könnte man sich aber gegen Ende der Abordnung noch auf andere PM Stellen oder gar auf eine Referentenstelle, falls man über die Qualifikationen verfügt, bewerben.
    Mein Vorgesetzter hat mir gestern gesagt, dass bei der Beendigung der Abordnung man die Wahl hat, ob man an seine alte Schule zurück möchte oder ob man an eine andere Schule möchte - Bedarf vorausgesetzt.
    Das würde ggf. meine Verhandlungsposition gegenüber meiner aktuellen Schulleitung stärken...


    Viele PMs werden in der Tat gegen Ende ihrer Tätigkeit befördert und gehen dann mit Funktionsstelle an die Schulen zurück. Je nachdem, was sie vorher in der Behörde für Aufgabenfelder hatten, wäre dies ja auch plausibel.

Werbung