IQB - Viertklässler rechnen und lesen und rechnen schlechter (zeit.de)

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    • Bolzbold schrieb:

      "Zucht und Ordnung" sind vermutlich aufgrund der deutschen Geschichte negativ konnotiert.
      Ersetzen wir Zucht mit Erziehung und Ordnung mit Disziplin, sieht das Ganze schon wieder völlig anders aus. Ich erwarte von meinen Schülern, dass sie ein Mindestmaß an Erziehung und Disziplin besitzen und zeigen. Dagegen kann nun wirklich niemand etwas haben.
      Dagegen hat auch niemand was.
      Allerdings ist die mangelnde bis nicht vorhandene Erziehungsfähigkeit diverser "Eltern" da natürlich kontraproduktiv.
      Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
      Die Grundlage des Glücks ist die Freiheit, die Grundlage der Freiheit aber ist der Mut. (Perikles)
      Wer mit beiden Füßen immer felsenfest auf dem Boden der Tatsachen steht, kommt keinen Schritt weiter. (Miss Jones)
    • auch auf die Gefahr hin, mich jetzt in die Nesseln zu setzen:
      In der DDR konnte man gut lernen, ich denke sogar, manches war einfacher. Auch für Lehrer. Die große pädagogische Freiheit ist Segen und Fluch zugleich. Ich denke tatsächlich, dass es manchmal einfacher wäre, kräftesparender, wenn nicht jeder Furz auf x verschiedene Weisen diskutiert werden müsste, wenn es nicht y Varianten gäbe, die alle ein Experiment mit ungewissem Ausgang wären. seien wir ehrlich, in wie vielen Momenten eines Unterrichtstages entscheiden wir etwas, wo wir nicht mal annähernd über den Ausgang spekulieren können. Und wir hoffen, dass es funktioniert, manchmal mit langem Atem. Und froh wenn es klappt und verwirrt, wenn es nach 3 guten Läufen plötzlich bei der Truppe nicht funktioniert.
      Manchmal wäre es einfach entlastend zu sagen, so ist es. Ohne Gedanken wälzen und ohne Zweifel. Das betrifft Methoden, Konzepte zur Verhaltensregulation, Themen im SU, Verfahren im Mathe-Unterricht, aber auch die ganz großen Themen wie schulinterne Curricula und und und. Ja, es klingt super, dass wir alles selbst entscheiden dürfen. Bullshit! es ist so, weil andere - die, die eigentlichen Entscheidungsträger sind, es nicht entscheiden wollen, weil sie keine Ahnung von der Materie haben, sich nicht in die Nesseln setzen wollen, etc. Also wird alles schön blumig und gummiartig formuliert und jeder findet sich irgendwo wieder. Ich denke schon, dass bestimmte Methoden beim Lesen, Schreiben, Rechnen erfolgreicher sind als andere. Aber nur beim Rechnen hab ich wirklich fundierte Ahnung. Ja! Im Rechtschreiben ist es ein immer währendes Experiment, weil ich noch nicht herausgefunden habe, wie es bei wirklich (fast) allen erfolgreich läuft. Es wäre toll, wenn mal jemand das Heft in die Hand nähme, und mal sagt, macht es so. Einmal konsequent so und dann mal gucken. Stattdessen gibt es Millionen Mischungen von Methoden und jeder glaubt, er hätte die Weisheit mit Löffeln gefressen.
      Mich nervt die große Freiheit manchmal und das heißt nicht, dass ich gerne den kompletten Lehrplan vorgegeben haben möchte. Mir scheint auch, dass es in den BL, in denen es mehr Festlegungen gibt, die Ergebnisse vorzeigbarer sind. Ob mir das nun in meiner pädagogischen Freiheit gefällt? Vermutlich nicht immer.
      Aber manchmal wünsch ich mir wirklich Entlastung von der Verantwortung, die Vorgehensweise immer selbst entscheiden zu müssen.
      Dazu kam zu DDR-Zeiten ein anderes Ansehen des Lehrers, eine andere Elternarbeit mit Hausbesuchen (wobei ich das nicht flächendeckend weiß sondern nur aus meinem Erleben), eine m.E. respektvollere Erziehung in Elternhaus und Schule (vor der Person, vor der Leistung, vor dem Material), mehr Unterrichtsstunden pro Schuljahr (wir hatten längere Ferien aber in der Menge m.M.n. genauso viel, aber Samstags Unterricht), es gab Konsequenzen aber auch mehr Anerkennung für gute Leistungen in der Schule. Es gab Aufgaben, die zu erfüllen waren, über die nicht diskutiert wurde. Heute liegt immer irgendwem irgendwas quer. Ja, es konnten nicht alle mithalten, aber können sie es heute besser?

      Und zum Abschluss nochmal, mir ist klar, was ich eventuell mit diesem Statement lostrete. Aber ja auch, ich fand Schule in meiner Kindheit aus MEINEM BLICKWINKEL besser. Damals entschied ich mich, Lehrerin zu werden. Ich habe später immer wieder daran gezweifelt, ob ich das immer noch will. Nach der Elternzeit meiner Kinder am allermeisten. Es ist eigentlich nicht annähernd das, was ich z.Zt. meiner Berufswahl wollte. Aber ich geb mein Bestes und hab die meiste Zeit Freude an meinem Beruf. Und trotzdem hätte ich es gern anders.
      Und auch nochmal, ich weiß, dass es auch vielen in der DDR mies ging, als Schüler, als Eltern, als Arbeiter etc. Und trotzdem, es ging auch vielen gut. Weniger Sorge, weniger Entscheidungen fällen müssen, weniger Risiken. Nicht jeder ist zum Entscheidungsträger und Abenteuer geboren. Viele überfordert es total. Aber die haben keine Chance.
      Ich glaube, die Ergebnisse der Viertklässler wären besser, wenn wir mehr konkrete Vorgaben im Lehrplan hätten und wenn Bildung nicht Ländersache wäre. Wenn mal jemand in der Politik den Mut hätte, es einfach richtig zu machen mit allen Konsequenzen!

      Jetzt schlägt mein Herz im Hals. Ich schick das jetzt ab. Und nun haut drauf.
      8) LG cubanita1

      Achte gut auf deinen Körper. Er ist der einzige Ort, in dem du leben kannst.
    • Bolzbold schrieb:

      "Zucht und Ordnung" sind vermutlich aufgrund der deutschen Geschichte negativ konnotiert.
      Ersetzen wir Zucht mit Erziehung und Ordnung mit Disziplin, sieht das Ganze schon wieder völlig anders aus. Ich erwarte von meinen Schülern, dass sie ein Mindestmaß an Erziehung und Disziplin besitzen und zeigen. Dagegen kann nun wirklich niemand etwas haben.

      Ich stimme dir zu, aber selbst das Wort Disziplin ist ja heutzutage schon anrüchig. Ich bevorzuge daher die "vernünftige Lern- und Arbeitsatmosphäre". :)
      Für alles gibt es ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.
    • cubanita1 schrieb:

      ...
      Ich glaube, die Ergebnisse der Viertklässler wären besser, wenn wir mehr konkrete Vorgaben im Lehrplan hätten und wenn Bildung nicht Ländersache wäre. Wenn mal jemand in der Politik den Mut hätte, es einfach richtig zu machen mit allen Konsequenzen!

      Jetzt schlägt mein Herz im Hals. Ich schick das jetzt ab. Und nun haut drauf.

      Respekt für deinen offenherzigen Beitrag, @cubanita1 !

      Nur die pädagogische Freiheit möchte ich unbedingt behalten. Sie ist für mich der letzte Rest, der mich verantwortungsvoll arbeiten lässt, weil ich nicht jeden Murks mitmachen muss, den sich andere ausgedacht haben (die mitunter nie vor einer Klasse standen).

      Wenn alles vorgegeben wird, kann es auch das Falsche sein, wie man oft genug erst Jahre bzw. Schülergenerationen später feststellt. Freiraum sollte es geben, er kann uns im gegenseitigen Erfahrungsaustausch auch zeigen, was besser und was schlechter funktioniert - so wie jetzt die IQB-Studie.

      Wenn das Bildungssystem bundeseinheitlich wäre, könnte es auch "das falsche" sein, das - entsprechend politischer Mehrheitsverhältnisse - bundesweit gilt. Es könnte ja so wie in Berlin oder Bayern, in Bremen oder Sachsen ... Nur durch den Föderalismus sehen wir, dass es auch anders geht !
      Für alles gibt es ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.
    • In der DDR wurden aber auch massig Kinder an Sonderschulen abgeschoben,die da nicht hingehört hätten. Mein Vater (heute würde man Legasthenie diagnostizieren) zum Beispiel.

      @Walburga: Hast du schon mit einer ganz normalen Grundschulklasse mit IntraAct gearbeitet, oder ist deine Argumentation eine Theoretische?
    • Es geht doch letztlich darum, dass Schulen früher nicht so ein Tamtam gemacht haben, dass Lehrer noch Autoritätspersonen waren und Eltern für gewöhnlich in Bezug auf Schule absolut obrigkeitshörig waren. Das war in der früheren BRD genauso wie in der DDR.
      Dass das heute nicht mehr so ist, hat durchaus auch sein Gutes. In Deutschland scheine wir es aber nie zu schaffen, das Pendel einmal in der Mitte zur Ruhe kommen zu lassen. Es muss immer in eines der beiden Extreme ausschlagen. Erst kam die autoritäre Erziehung zu des Kaisers Zeiten, in Weimar, im Dritten Reich und in der frühen Nachkriegszeit. Danach kam die antiautoritäre Erziehung mit den 68ern. Beides zum Teil bereits erhebliches Unheil angerichtet und tut es immer noch.

      Bildung und Erziehung kommen ohne Disziplin nicht aus - können aber durch zu autoritäre Anteile ebenso gehemmt werden.
      Gruß
      Bolzbold



      Ich bin ein Ar***, und deswegen konnte ich nur Lehrer werden.
    • Anja82 schrieb:

      In der DDR wurden aber auch massig Kinder an Sonderschulen abgeschoben,die da nicht hingehört hätten.
      massig? Ob du da so pauschal für alle Orte und Schulen sprechen kannst, würde ich in Frage stellen. Ob das DDR-typisch war ... Auch das stelle ich in Frage. Fehlentscheidungen einzelner? Mit Sicherheit.
      Aber die gibt es auch heute.
      8) LG cubanita1

      Achte gut auf deinen Körper. Er ist der einzige Ort, in dem du leben kannst.
    • sofawolf schrieb:

      cubanita1 schrieb:

      ...
      Ich glaube, die Ergebnisse der Viertklässler wären besser, wenn wir mehr konkrete Vorgaben im Lehrplan hätten und wenn Bildung nicht Ländersache wäre. Wenn mal jemand in der Politik den Mut hätte, es einfach richtig zu machen mit allen Konsequenzen!

      Jetzt schlägt mein Herz im Hals. Ich schick das jetzt ab. Und nun haut drauf.
      Respekt für deinen offenherzigen Beitrag, @cubanita1 !

      Nur die pädagogische Freiheit möchte ich unbedingt behalten. Sie ist für mich der letzte Rest, der mich verantwortungsvoll arbeiten lässt, weil ich nicht jeden Murks mitmachen muss, den sich andere ausgedacht haben (die mitunter nie vor einer Klasse standen).

      Wenn alles vorgegeben wird, kann es auch das Falsche sein, wie man oft genug erst Jahre bzw. Schülergenerationen später feststellt. Freiraum sollte es geben, er kann uns im gegenseitigen Erfahrungsaustausch auch zeigen, was besser und was schlechter funktioniert - so wie jetzt die IQB-Studie.

      Wenn das Bildungssystem bundeseinheitlich wäre, könnte es auch "das falsche" sein, das - entsprechend politischer Mehrheitsverhältnisse - bundesweit gilt. Es könnte ja so wie in Berlin oder Bayern, in Bremen oder Sachsen ... Nur durch den Föderalismus sehen wir, dass es auch anders geht !
      1. Ich bin ja gar nicht für "alles vorgeben" sondern für gesunde Kompromisse.
      Abgesehen davon musst du dich ja mit jeder methodischen Entscheidung eben ENTSCHEIDEN und weißt nicht, ob es besser sein wird oder falsch sein wird. Die Alternative kennen wir nie. Denn für diese Lerngruppe in diesem Moment ist es so. Genau das verführt aber tausende Kollegen immer wieder zu zweifelhaften neuen Versuchen, halbherzigen Spielerchen und gut gemeinten Experimenten. Ich denke tatsächlich, dass viel Kraft und Energie dabei drauf gehen, dass jeder Kollege alles selbst durchgrübelt und entwickelt und verwirft. Teamarbeit und schulinterne Festlegungen sollen dem entgegen wirken. Deshalb ackern wir ja in Brandenburg gerade an diesem schiC herum. An manchen Stellen ist es wichtig, die Entscheidungen anhand der örtlichen und personellen Gegebenheiten zu treffen. Aber wenn manches festgelegt wäre, würden m.E. Ressourcen frei werden. Lehrer könnten sich wieder auf wichtige Dinge fokussieren. Ich denke nicht, dass "alles offen zu halten" dem Lehrer bei seinem Kerngeschäft hilft. So, wie für viele Kinder die große Wahl eher verwirrend und wenig zielführend ist, geht es Lehrern auch öfter. Das ist mein Eindruck. Ob sie das zugeben würden?

      2. Kommen die Entscheidungsträger denn ins Gespräch? Kommen wir denn hier wirklich zielorientiert ins Gespräch? Lernen wir denn wirklich voneinander? Sagt denn ein Bildungsminister: Das übernehmen wir jetzt von dem BL, wo es besser läuft? Wer analysiert denn wirklich, wo es aus welchen Gründen besser läuft? Welches Fazit ziehen wir denn aus der Studie? Da wird dann auf einer bestimmten Methode, die die meisten nicht mal kennen, nicht mal ihren richtigen Namen geschweige denn dss Konzept dahinter, herumgehackt und sie evtl. verboten ... Das soll die Lösung sein.

      3. Ich fand es gut, dass Lehrer problemlos den Bezirk (heute BL) wechseln konnten ohne Drama wegen ihres Abschlusses. Ich fand gut, dass Kinder problemlos die Schule wechseln konnten zumindest buch- und stoffmäßig wesentlich problemloser. Ich fänd auch gut, wenn der Bund bestimmte Dinge regulieren aber vor allem auch FÖRDERN könnte. Und ehrlich, auch jetzt ist so viel Politik im Spiel. Ist das besser so? Das bringt millionen neue Säue, die durch Dorf getrieben werden. Auch erst nach Jaaaahren wird dann festgestellt, dass es das Falsche war. Für mich kein Argument.

      4. Ich glaube tatsächlich, dass viele Kolleginnen - auch gerade in Grundschulen - sich weniger auf gleiche Rahmen bei ihren Diensteschilder, der Tagestransparenz und bei Karteien konzentrieren würden, wenn ihnen einige Entscheidungen durch Vorgaben abgenommen werden würden. Das ist der Punkt, wo man nicht viel falsch machen kann. Es gäbe mehr Sicherheit und Stabilität. Bei den wirklich unterrichtsrelevanten Entscheidungen tun sich viele schwer, weil sie es nicht können, es sie überfordert oder sie Angst vor Fehlentscheidungen haben. Nun könnte man sagen, dass nur fähige Leute Lehrer werden sollten. Stimmt! Gibt nur nicht genug, die auf die Idee kommen. Deshalb liest man auch in diversen Foren und fb-Gruppen immer häufiger Fragen, wo man an der Person, dem Studium oder dem ganzen System zweifelt. Mein neuestes Beispiel: "Hat jemand eine Idee, wie ich Teilen mit Rest einführen kann?" Wenn da keine Idee da ist, wie soll es dann erst bei der Leselernmethode oder beim Verfahren für die schriftliche Subtraktion werden.

      Ich bin gespannt, was nach dem großen Aufschrei wirklich folgen wird.
      8) LG cubanita1

      Achte gut auf deinen Körper. Er ist der einzige Ort, in dem du leben kannst.
    • Ich habe in meinem Studium eine Hausarbeit zu dem Thema "Bildungssystem der DDR" geschrieben und mich intensiv damit beschäftigt. Neben vielen positiven Aspekten (wenn man die Ideologie mal rausnimmt) gibt es auch Negative. Und Behinderte wurden eher ausgegrenzt, als in die Gesellschaft einbezogen.

      Mein Onkel zum Beispiel hatte Diabetes und sollte deswegen auf eine Sonderschule gehen. Da mein Opa Parteimitglied war, konnte er das verhindern.

      Aus heutiger Sicht (und ich denke wir diskutieren gerade eine Übertragbarkeit ins heute) kann man das nur Abschieben nennen.
    • Anja82 schrieb:

      Ich habe in meinem Studium eine Hausarbeit zu dem Thema "Bildungssystem der DDR" geschrieben und mich intensiv damit beschäftigt. Neben vielen positiven Aspekten (wenn man die Ideologie mal rausnimmt) gibt es auch Negative. Und Behinderte wurden eher ausgegrenzt, als in die Gesellschaft einbezogen.

      Mein Onkel zum Beispiel hatte Diabetes und sollte deswegen auf eine Sonderschule gehen. Da mein Opa Parteimitglied war, konnte er das verhindern.

      Aus heutiger Sicht (und ich denke wir diskutieren gerade eine Übertragbarkeit ins heute) kann man das nur Abschieben nennen.
      au mann, nee, nix Übertragbarkeit ins heute ... Nur nicht immer schwarz und weiß ... Mal einfach gucken, was die Vorteile waren ohne dass gleich Ostalgie vorgeworfen wird.
      8) LG cubanita1

      Achte gut auf deinen Körper. Er ist der einzige Ort, in dem du leben kannst.
    • Bolzbold schrieb:

      Es geht doch letztlich darum, dass Schulen früher nicht so ein Tamtam gemacht haben, dass Lehrer noch Autoritätspersonen waren und Eltern für gewöhnlich in Bezug auf Schule absolut obrigkeitshörig waren. Das war in der früheren BRD genauso wie in der DDR.
      Dass das heute nicht mehr so ist, hat durchaus auch sein Gutes. In Deutschland scheine wir es aber nie zu schaffen, das Pendel einmal in der Mitte zur Ruhe kommen zu lassen. Es muss immer in eines der beiden Extreme ausschlagen. Erst kam die autoritäre Erziehung zu des Kaisers Zeiten, in Weimar, im Dritten Reich und in der frühen Nachkriegszeit. Danach kam die antiautoritäre Erziehung mit den 68ern. Beides zum Teil bereits erhebliches Unheil angerichtet und tut es immer noch.

      Bildung und Erziehung kommen ohne Disziplin nicht aus - können aber durch zu autoritäre Anteile ebenso gehemmt werden.

      Man muss die Mitte finden. Genau!

      Aber das ist auch das Schwierige daran, weil jeder die Mitte woanders verortet.
      Für alles gibt es ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.
    • sofawolf schrieb:

      Conni schrieb:

      Anja82 schrieb:

      Mimi am Zaun. Ali im Haus. Musste ich tausendfach schreiben. *lach* Einheitlich waren sie glaube ich nicht, ich weiß eine Freundin hat eine andere Fibel als ich. Ich habe meine nämlich noch.
      Es gab eine Neubearbeitung?Ich war so böse und habe mir Lesen, Schreiben und Rechnen vor Schuleintritt selber beigebracht. Lautiert habe ich dabei gar nicht. Das gab erstmal richtig Ärger in der Schule.Du musst noch dazuschreiben, dass Zaun und Haus als Bildchen gedruckt waren.
      Ich denke, die besseren Ergebnisse lagen nicht nur an der Methode. In meiner Erinnerung hatten wir mehr Deutschstunden, mehr "Zucht und Ordnung", gleichschrittiges Lernen aller, 2 Stunden Vorschularbeit täglich im letzten Kindergartenjahr etc.
      "Zucht und Ordnung" klingt sehr ablehnend. Da kann natürlich keiner sagen, dass er das befürworte. Zucht und Ordnung will ich auch nicht. Eine vernünftige Arbeitsatmosphäre schon. Sie scheint mir die Grundlage aller Lernerfolge zu sein.
      Ich konkretisiere, was ich damit meinte:
      - Konsequenzen bei kleinsten Disziplinverstößen (Eltern in Schule zitiert, die damals auch noch pro-Schule reagierten) - bis hierhin finde ich es in Ordnung,
      - bei größeren Verstößen wurde der Betrieb, in dem die Eltern arbeiteten, informiert, diese wurden dort zum Chef zitiert und bekamen richtigen Ärger (das würde etwa 5 bis 8 Elternhäuser meiner Klasse heutzutage betreffen), ferner gab es Fahnenapelle, bei denen Tadel vor der ganzen Schule vergeben wurden, ebenso wie Lob. Beides wurde von der Klasse massiv schlecht angenommen, da man damit "aus dem Einheitsbrei" herausragte,
      - wer nicht passte, wurde entweder an die Sonderschule abgeschoben oder als Außenseiter abgecancelt (habe einen überdurchschnittlich intelligenten Bruder, der in der DDR zum totalen Schulversager wurde),
      - Einheitslernen. Jeder lernte zur gleichen Zeit das gleiche. Dies war genauestens vorgegeben: Was muss in welcher Stunde unterrichtet werden. MUSS. Keinerlei Abweichen, wer mal eine "aktuelle Stunde" zu einem aktuellen Thema (Mama von Mitschülerin im Krankenhaus) einschob, bekam richtig Ärger. Mein Bruder ist ausgetickt, weil er damit nicht klarkam. Ich habe mich weggeträumt, weil ich massiv unterfordert war und 6 Jahre komplett in Fantasiewelten zugebracht, danach etwas seltener. Bei kleinsten Äußerungen, wenn man z.B. einen Buchstaben schon kannte, bevor die Lehrerin ihn benannte, wurde man blöd angemacht, bloßgestellt und beschämt. Je nach Lehrerin mehr oder weniger.
      Gleichschrittig marschierende Masse.
    • sofawolf schrieb:

      Man muss die Mitte finden. Genau!

      Aber das ist auch das Schwierige daran, weil jeder die Mitte woanders verortet.
      Ich sehe die Mitte nicht als einen Punkt oder als einen schmalen Streifen an sondern als ein noch verhältnismäßig breites Feld, das flexible und individuelle Reaktionen auf Schülerverhalten zulässt.

      Wenn ich natürlich mit Elternhäusern zu tun habe, die antiautoritär oder gar nicht erziehen, dann wird meine Mitte wohl als konservativ bis reaktionär wahrgenommen.
      Von konservativeren Elternhäusern wird ein nachsichtigerer Erziehungsstil hingegen gerne als "links" oder, wie es jetzt vom Duktus her ja modern ist, "linksgrünversifft" wahrgenommen.

      Da ich mit bis zu 32 Individuen in einer Klasse arbeiten muss, benötige ich ein ebenso individuelles Spektrum an Pädagogik - was mich wiederum mal autoritärer, mal autoritativer, mal nachsichtiger auf Schüler(fehl)verhalten reagieren lässt.
      Gruß
      Bolzbold



      Ich bin ein Ar***, und deswegen konnte ich nur Lehrer werden.
    • Conni schrieb:

      ...
      - wer nicht passte, wurde entweder an die Sonderschule abgeschoben oder als Außenseiter abgecancelt (habe einen überdurchschnittlich intelligenten Bruder, der in der DDR zum totalen Schulversager wurde),
      - Einheitslernen. Jeder lernte zur gleichen Zeit das gleiche. Dies war genauestens vorgegeben: Was muss in welcher Stunde unterrichtet werden. MUSS. Keinerlei Abweichen, wer mal eine "aktuelle Stunde" zu einem aktuellen Thema (Mama von Mitschülerin im Krankenhaus) einschob, bekam richtig Ärger. Mein Bruder ist ausgetickt, weil er damit nicht klarkam. Ich habe mich weggeträumt, weil ich massiv unterfordert war und 6 Jahre komplett in Fantasiewelten zugebracht, danach etwas seltener. Bei kleinsten Äußerungen, wenn man z.B. einen Buchstaben schon kannte, bevor die Lehrerin ihn benannte, wurde man blöd angemacht, bloßgestellt und beschämt. Je nach Lehrerin mehr oder weniger.
      Gleichschrittig marschierende Masse.
      Jou, so viel zum Thema Sonderschulbedürftigkeit, Einheitslernen, Über- und Unterforderung sowie Inklusion. Ist ja sooo unaktuell nicht.

      Aber zurück zum Thema: lasen/rechneten Viertklässler den besser zu DDR-Zeiten? Dann wäre ja die Frage, ob es daran liegt, dass Lehrern wörtlich vorgekaut wurde, was sie wörtlich ihren Schülern vorkauen mussten. Und um welchen Preis noch mal?

      Oder wie oben jemand schrieb: schön, dass in Sachsen im Querschnitt bei derlei Studien gut abgeschnitten wird. Wenn die Leistung aber darin mündet, dass ein Drittel AfD wählt, dann bleibt die wesentliche Frage, was wirklich verstanden wurde.
    • Krabappel schrieb:

      Aber zurück zum Thema: lasen/rechneten Viertklässler den besser zu DDR-Zeiten? Dann wäre ja die Frage, ob es daran liegt, dass Lehrern wörtlich vorgekaut wurde, was sie wörtlich ihren Schülern vorkauen mussten. Und um welchen Preis noch mal?
      Ich kann mir vorstellen, dass sie dies insgesamt besser taten, weil ja nur diejenigen erfasst wurden, die dazu überhaupt in der Lage* weil an Regelschulen waren.
      *Stichwort Elternschaft. Unabhängig davon, dass Inklusion und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben indiskutabel sein sollten, wurde die Inklusion in Deutschland ja erst so richtig voran getrieben, als man merkte, dass Verhaltens- und Lernprobleme immer schlimmer wurden und man so den schwarzen Peter den Lehrern zuschieben konnte. Dazu gibt es die Entwicklung, dass bestimmte Menschen mehr Kinder bekommen und andere weniger. Oder ganz plakativ: die Dummen werden immer mehr und weil sie in der Mehrheit sind, ist diese Mehrheit die Norm geworden, Leitlinien und Anforderungen wurden gesenkt etc pp. Und nun stellt man fest, dass 1. nicht mal mehr das reicht, weil man 2. dachte, "Ach machen wir halt Inklusion zum Nulltarif" auf Kosten aller. Und damit möchte ich noch mal klarstellen, dass ich nach wie vor überzeugt von Inklusion bin - aber nicht zu den derzeitigen Bedingungen.
    • Nachdem Mitte Oktober sich keiner vorstellen konnte, dass die Ganztagsschule flächendeckend kommt -
      jetzt gibt es ein paar Zahlen:

      spiegel.de/lebenundlernen/schu…tagsschule-a-1177865.html

      Spannend finde ich den Hinweis auf die Anzahl der Ganztagsschüler in HH, die sich ja gut entwickelt haben. Wenn das kein Vorbild ist.... für BAWÜ
      Die Kritik der Experten kann ich nicht ganz ernst nehmen - wenn man das wirklich will, wird man den Lehrkräften einfach ein bis zwei Stunden mehr Deputat aufbürden. Ich sehe das so oder so kommen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Stille Mitleserin ()

    • Stille Mitleserin schrieb:

      Nachdem Mitte Oktober sich keiner vorstellen konnte, dass die Ganztagsschule flächendeckend kommt -
      jetzt gibt es ein paar Zahlen:

      spiegel.de/lebenundlernen/schu…tagsschule-a-1177865.html

      Spannend finde ich den Hinweis auf die Anzahl der Ganztragsschüler in HH, die sich ja gut entwickelt haben. Wenn das kein Vorbild ist.... für BAWÜ
      Die Kritik der Experten kann ich nicht ganz ernst nehmen - wenn man das wirklich will, wird man den Lehrkräften einfach ein bis zwei Stunden mehr Deputat aufbürden. Ich sehe das so oder so kommen.
      Und ich soll dann mittags auch noch für die Kinder kochen? Und dann essen wir alle im Klassenzimmer?
      Nicht allein der Unterricht ist das Problem, sondern alles was dazu gehört, dass Kosten verursacht.
      Mensa, Ruheräume für Schüler und in der Theorie zumindest auch für Lehrer, Freizeitangebote in der Mittagspause, externe Kräfte und und und.