Deutsch und die englische Rechtschreibung

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    • Meerschwein Nele schrieb:

      Andererseits ist gesprochene und geschriebene Sprache ein extrem wichtiger sozialer Marker.
      Klar. Genauso wie z.B. der wöchenentliche private Musikunterricht, das dreimalige im Jahr in Urlaub fahren, das eigene Auto mit 18 Jahren und das Auslandsjahr während des Studiums.

      Schule macht sich doch etwas vor, wenn sie meint irgendwie das Bestreben nach sozialer Differenzierung nivellieren zu können...

      Gruß !
      Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

      "In theory there is no difference between theory and practice. In practice there is." (Yogi Berra)
    • Mikael schrieb:

      Meerschwein Nele schrieb:

      Andererseits ist gesprochene und geschriebene Sprache ein extrem wichtiger sozialer Marker.
      Klar. Genauso wie z.B. der wöchenentliche private Musikunterricht, das dreimalige im Jahr in Urlaub fahren, das eigene Auto mit 18 Jahren und das Auslandsjahr während des Studiums.
      Schule macht sich doch etwas vor, wenn sie meint irgendwie das Bestreben nach sozialer Differenzierung nivellieren zu können...
      Zumindest liefert Schule eine Legitimation für die materielle Ungleichheit unserer Gesellschaft.
      Der Paketbote hätte sich halt nur mehr anstrengen müssen in der Schule, dann hätte er ja auch Anwalt werden können!
      Diejenigen, die es in unserer chancengleichen Konkurrenz zu nichts bringen, seien also selbst schuld.

      In der Gleichheit der bürgerlichen Demokratie werden die materiellen Verhältnisse stets ausgeklammert, weil sie die vermeintliche Gleichheit komplett aushöhlen.
    • Es geht auch nicht darum, dass Schule alleine Chancengleichheit schafft, sondern dass sie ihren Teil dazu beiträgt, dass, innerhalb eines verhältnismäßig kurzen Zeitraums, in dem tatsächlich alle Menschen einer Altersgruppe Teil einer gemeinsamen übergeordneten Institution (=Schule) sind - was in ihrem weiteren Leben nie mehr der Fall sein wird -, alle Schüler zumindest die Chance erhalten, sich mit finanziell unabhängigen Mitteln (im Gegensatz zum privaten Musikunterricht, etc.) soziale Teilnahme erarbeiten können. Dazu gehören die sozialen Marker "gesprochene und geschriebene Sprache" und natürlich auch die Tatsache, dass guter Schulerfolg zu einer besseren beruflichen Zukunft führen kann.
    • Das ist schon richtig, aber ein Schüler aus bescheidenen soziales Verhältnissen wird mit hoher Wahrscheinlichkeit niemals über einen "soliden" Mittelschichtsjob hinauskommen. Für den Eintritt in die soziales Oberschicht (höheres Management, politische Karriere, Behördenleitung usw.) fehlt im einfach der richtige "Stallgeruch". Da kann er noch so intelligent oder fleißig sein (jedenfalls in Europa).

      Gruß !
      Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

      "In theory there is no difference between theory and practice. In practice there is." (Yogi Berra)
    • Gibt ja immer Ausnahmen, die werden dann bei solchen Diskussionen als Kronzeugen genannt.
      Warum arbeiteten sich Ali und Kevin nicht vom Tellerwäscher zum Millionär?
      Bei George Soros ging's doch schließlich auch, der hat ja schon mit 21 Jahren bei einer Wette gegen das britische Pfund eine Milliarde verdient und wurde zum "Self-made Milliardär". Da könnten sich Ali und Kevin mal eine Scheibe abschneiden!
    • Mikael schrieb:

      Das ist schon richtig, aber ein Schüler aus bescheidenen soziales Verhältnissen wird mit hoher Wahrscheinlichkeit niemals über einen "soliden" Mittelschichtsjob hinauskommen. Für den Eintritt in die soziales Oberschicht (höheres Management, politische Karriere, Behördenleitung usw.) fehlt im einfach der richtige "Stallgeruch". Da kann er noch so intelligent oder fleißig sein (jedenfalls in Europa).

      Gruß !
      ...ja, und in Deutschland ganz besonders. Das ist aber noch lange kein Grund, sich auf "Whatsappdenglisch" auszuruhen. Die Kinder meiner Schüler werden auch in hohen Zahlen wieder von uns an der Förderschule beschult. Soll ich sie deswegen aufgeben? Wir lesen auch ab und an Balladen und ich halte Vorträge darüber, was Respekt ist, was man tun muss, wenn man später mal ein Auto fahren will (überhaupt irgendeins), dass man pünktlich kommen und saubere Klamotten anziehen muss, dass es nicht "isch war Aldi" heißt... immer und immer wieder. Red mir das bloß nicht aus, sonst werd ich depressiv :spritze:
    • Krabappel schrieb:

      sofawolf schrieb:

      ...Heißt das nicht aber letztlich auch, dass man zum Erlernen der Rechtschreibung eigentlich keine Regeln pauken müsste?
      ...
      Naja das Wissen um die Gesetzmäßigkeiten, die es gibt erleichtern halt die richtige Schreibung. Wenn ich weiß, dass Sträucher von Strauch kommt und eben nicht „Streucher“ geschrieben wird, kann ich mir das bei Mäuse, Säure, Beule und alle anderen eu/äu-Wörter auch schnell selbst herleiten...

      Dass man Maschine nicht mit -ie- schreibt (und viele andere Merkwörter ohne logische Ableitung), muss man sich ganz einfach merken.

      Rechtschreibunterricht hilft, Bewusstsein für unsere Schriftsprache zu entwickeln. Wie englische Grundschullehrer Schriftspracherwerb lehren und ob englischsprachige Kinder mehr/weniger/gleichviel Probleme mit der Orthographie haben weiß ich nicht. Chinesische Kinder lernen gar keine Lautschrift, ob das was für Deutsch lernende Schüler ändert?

      Darin stimme ich dir durchaus zu, nur denke ich, Regeln braucht man eher im Zweifelsfall - heutzutage stehen sie aber zu sehr im Vordergrund. Sie stehen für mich eher an 2. Stelle. Das ist sogar jetzt noch so. Erst, wenn ich zweifle, überlege ich, welche Regel in einem bestimmten Fall zutrifft.

      Das meiste Andere habe ich mir wahrscheinlich einfach durch viel Lesen und Schreiben (mit Korrektur) gemerkt.
      (1) Für alles gibt es ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.
      (2) Wenn der falsche Mensch etwas Richtiges sagt, dann ist das Gesagte automatisch wertlos.
    • Mikael schrieb:

      Das ist schon richtig, aber ein Schüler aus bescheidenen soziales Verhältnissen wird mit hoher Wahrscheinlichkeit niemals über einen "soliden" Mittelschichtsjob hinauskommen. Für den Eintritt in die soziales Oberschicht (höheres Management, politische Karriere, Behördenleitung usw.) fehlt im einfach der richtige "Stallgeruch". Da kann er noch so intelligent oder fleißig sein (jedenfalls in Europa).

      Gruß !
      "Stallgeruch"?
      Du meinst, Gestank nach Scheisse vom vielen Arschkriechen?
      Es ist leider - auch in Deutschland - sehr oft noch so, mit Beziehungen, Kontakten und Protektion weiter zu kommen als mit Leistung.
      Fair ist anders...
      Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
      Die Grundlage des Glücks ist die Freiheit, die Grundlage der Freiheit aber ist der Mut. (Perikles)
      Wer mit beiden Füßen immer felsenfest auf dem Boden der Tatsachen steht, kommt keinen Schritt weiter. (Miss Jones)
      Wenn der Klügere immer nachgibt, haben die Dummen das Sagen - das Schlamassel nennt sich dann Politik (auch Miss Jones)
    • Mikael schrieb:

      sofawolf schrieb:

      Ich frage mich, wozu wir Lehrer eigentlich (deutsche) Rechtschreibregeln mit den Kindern pauken, wenn sie doch immer weniger Geltung haben.
      Außerhalb von Behörden gibt es keinen Zwang zur korrekten Rechtschreibung und Ausdrucksweise. Im Prinzip kann jeder schreiben und sprechen wie er will, solange ihn jemand versteht. Wenn man sich die Orte der unregulierten Rechtschreibung und Kommunikation ansieht (Facebook, WhatsApp, Youtube usw.), dann sieht man, wie die Zukunft der deutschen Sprache aussieht.

      Gruß !

      Ja, sicherlich, die meisten schreiben privat, wie sie wollen (und können), aber absichtlich falsch schreibt doch wohl kaum jemand (außer bei der um sich greifenden Kleinschreibung) ?!?
      (1) Für alles gibt es ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.
      (2) Wenn der falsche Mensch etwas Richtiges sagt, dann ist das Gesagte automatisch wertlos.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Sofawolf ()

    • Meerschwein Nele schrieb:

      sofawolf schrieb:

      Nebenbei: Eben las ich gerade im Internet:

      "Poilzei crasht Weihnachtsparty der Hells Angels"

      Ich frage mich, wozu wir Lehrer eigentlich (deutsche) Rechtschreibregeln mit den Kindern pauken, wenn sie doch immer weniger Geltung haben.
      to strike / streiken
      sauce / Soße

      Wo ist das Problem?

      Hier:

      crashen / kräschen?

      Angels / Enschels?

      (Das Kind schreibt nach deutschen Rechtschreibregeln/-prinzipien, aber die passen wieder mal nicht. => Verwirrung)
      (1) Für alles gibt es ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.
      (2) Wenn der falsche Mensch etwas Richtiges sagt, dann ist das Gesagte automatisch wertlos.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Sofawolf ()

    • sofawolf schrieb:

      ... Regeln braucht man eher im Zweifelsfall - heutzutage stehen sie aber zu sehr im Vordergrund. Sie stehen für mich eher an 2. Stelle. Das ist sogar jetzt noch so. Erst, wenn ich zweifle, überlege ich, welche Regel in einem bestimmten Fall zutrifft.
      Soso, na dann. Erteilst du Deutsch Kl 5/6, die zeitlichen Anteile der Regelerarbeitung zur Rechtschreibung im sachsen-anhaltinischen Gesamtschullehrplan Deutsch sind nach deiner wissenschaftlichen Betrachtungsweise zu hoch und daher möchtest du eine Petition zur Änderung desselben starten? Kämpfst du für den Abbau von Anglizismen in der Öffentlichkeit? Sollen Grundschullehrer einfach mal gefühlt weniger Regeln vermitteln? Oder betreibst du gar eine Seite zu den Auswirkungen von Mondphasen auf die Orthographie? Das würd ich ehrlich gerne wissen. Musst dich aber natürlich nicht dazu äußern, wie gehabt :)
    • Krabappel schrieb:

      sofawolf schrieb:

      ... Regeln braucht man eher im Zweifelsfall - heutzutage stehen sie aber zu sehr im Vordergrund. Sie stehen für mich eher an 2. Stelle. Das ist sogar jetzt noch so. Erst, wenn ich zweifle, überlege ich, welche Regel in einem bestimmten Fall zutrifft.
      Soso, na dann. Erteilst du Deutsch Kl 5/6, die zeitlichen Anteile der Regelerarbeitung zur Rechtschreibung im sachsen-anhaltinischen Gesamtschullehrplan Deutsch sind nach deiner wissenschaftlichen Betrachtungsweise zu hoch und daher möchtest du eine Petition zur Änderung desselben starten? Kämpfst du für den Abbau von Anglizismen in der Öffentlichkeit? Sollen Grundschullehrer einfach mal gefühlt weniger Regeln vermitteln? Oder betreibst du gar eine Seite zu den Auswirkungen von Mondphasen auf die Orthographie? Das würd ich ehrlich gerne wissen. Musst dich aber natürlich nicht dazu äußern, wie gehabt :)

      Ach, das nehme ich diesmal sportlich und mit Humor. :)

      Mein erster Gedanke war ja, wieso die Kinder (vermeintlich) so gut Englisch schreiben lernen, obwohl sie da meistens (meine Annahme) keine Rechtschreibregeln lernen und ob man das nicht auf Deutsch übertragen könnte. Da werden ja heutzutage viele Regeln gelernt bzw. der Fokus darauf gelegt, aber ansonsten wenig geübt (u.U. darf man anfangs schreiben, wie man will und Diktate sind sowieso verpönt). Ich überlege also, ob das der richtige Weg ist, aber das gründet sich auf die genannten Annahmen, von denen ich nicht wirklich weiß, ob sie stimmen. Einige haben es bestätigt, andere haben widersprochen.

      Nun sind wir auf ein Nebengleis geraten. Mir scheint durchaus, dass die Flut englischsprachiger Begriffe im Deutschen (die wir aber nicht eindeutschen) das Erlernen der Rechtschreibung für die Kinder noch zusätzlich erschwert, denn die Regeln, die sie da mühsam heutzutage lernen sollen, passen dann oftmals wieder nicht, d.h., die Zahl der Ausnahmen steigt enorm (Beispiele oben). Aber gegen's Eindeutschen ( = Schreiben nach deutschen Rechtschreibregeln, wie z.B. Soße, Streik, Keks, Büro ... ich weiß, die sind nicht alle englischen Ursprungs) sind auch viele und bezeichnen das als schrecklich (bei den neuen Wörtern aus anderen Sprachen aber wiederum nur).

      Ansonsten äußere ich mich natürlich, wenn ich es will. Wenn es persönlich (gehässig) wird, will ich eher nicht ... je nachdem ... :)
      (1) Für alles gibt es ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.
      (2) Wenn der falsche Mensch etwas Richtiges sagt, dann ist das Gesagte automatisch wertlos.
    • Achso...

      sofawolf schrieb:

      ... Mir scheint durchaus, dass die Flut englischsprachiger Begriffe im Deutschen (die wir aber nicht eindeutschen) das Erlernen der Rechtschreibung für die Kinder noch zusätzlich erschwert, denn die Regeln, die sie da mühsam heutzutage lernen sollen, passen dann oftmals wieder nicht, d.h., die Zahl der Ausnahmen steigt enorm (Beispiele oben). Aber gegen's Eindeutschen ( = Schreiben nach deutschen Rechtschreibregeln, wie z.B. Soße, Streik, Keks, Büro ... ich weiß, die sind nicht alle englischen Ursprungs) sind auch viele und bezeichnen das als schrecklich (bei den neuen Wörtern aus anderen Sprachen aber wiederum nur)...
      ...dann behaupte ich einfach mal: Kinder verkraften das! Ich hab mir als Kind auch "Friseur" gemerkt, schreibe aber gern Frisör, wenns allgemein so gewünscht wird. Duden sei mein Herr und Meister :bete:
    • Also ich mußte als Kind auch die Ausnahmen verkraften:
      • Sauce
      • Portemonnaie
      • Friseur
      • Physik
      • Thron
      • Tabu
      • ...
      Wenn man da natürlich vorher noch anfängt sowas nach Gehör zu schreiben und dann nochmal wieder anders, wird es doch verwirrend.

      Was das Englische angeht, kommt es halt drauf an wie häufig man das im Alltag braucht, ist zumindest meine Meinung. Während meines Studiums war ich an einem Ort, an dem grob jeder dritte Einwohner Englisch sprach. Da brauchte man das selbst für den Nebenjob bei Donald McBurger. Die Besatzungstruppen sind ja immer noch hier. Wir sind ja die Eingeborenen von Trizonesien. ;)
      --> https://www.youtube.com/watch?v=JqIr3Ffgz7Q

      Ach und: Auch die Engländer müssen sich an unsere Worte gewöhnen, auch wenn mir da gerade nur drei einfallen.
      • Kindergarten
      • Blitzkrieg
      • Angst