Folgefehler - ja oder nein?

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    • Midnatsol schrieb:

      Das finde ich persönlich jetzt gar nicht nachvollziehbar. Schüler A schreibt in Lücke 1 "haddn't" und in Lücke 2 "haddn't", Schüler B schreibt "haddn't" und "hadnn't", es liegen also 4 falsche Lösungen vor. Und Schüler A soll dafür einen Punkt bekommen, Schülber B (bei selber Anzahl richtiger Lücken) aber keinen? Das finde ich wirklich fraglich.
      Das hast du falsch verstanden. Man könnte z.B. bei einem Diktat in Deutsch bei demselben Fehler (dieselbe falsche Schreibweise) einen Wiederholungsfehler geben, ist dasselbe Wort wieder anders falsch geschrieben, dann ist es ein erneuter Fehler. Das gab's bei uns schon mal als offizielle Korrekturanweisung. (Ich weiß nur nicht mehr in welchem Zusammenhang.)
      Im vorliegenden Fall hat sich der Schüler 1x das Wort falsch eingeprägt, wobei es schon grenzwertig ist, hadn't falsch zu schreiben, zumal man das x mal im Englischen schreibt.
      Im Deutschen findet man öfter vor, dass Schüler keinen Plan haben, wie man ein Wort schreibt und es deswegen auf unterschiedliche Art falsch schreiben. Da ist die Frage, ob man da jedes Mal einen Wiederholungsfehler geben soll. In der Grundschule vielleicht eher.
      Wenn es streng korrigiert wird, wird nur der Wiederholungsfehler gegeben, wenn sich dieselbe falsche Schreibweise wiederholt.
    • Richtig kompliziert wird es, wenn ein Schüler es dreimal richtig und dreimal falsch macht. Deshalb werte ich bei Deutscharbeiten so: Was in Grammatik gerade Thema war, muss rechtschriftlich auch richtig geschrieben sein, z.B. bei zusammengesetzten Adjektiven wie "blutrot, himmelblau, zitronengelb, maigrün, blitzschnell, winterhart." Oft schreiben Grundschüler in so einer Aufgabe "blutrot, himmelblau, Zitronengelb, Maigrün, blitzschnell, Winterhart." Da sind bei mir alle großgeschriebenen Adjektive falsch.
      Bei der Fragestellung oben könnte es so sein, dass der Schüler, wenn ich das als Folgefehler werte, mehr Punkte hat als jemand, der nur 2 oder 3 Fehler macht, aber in unterschiedlicher Schreibweise.

      Zu der Eingangsfrage: Ich würde z.B. 3 von 6 Punkten geben und nicht 5 oder 5,5 für 6 falsche Schreibweisen!
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    • Also handelt es sich explizit um sechsmal exakt denselben (Schreib)fehler, hier konkret ein d zuviel, und der Rest ist völlig korrekt?
      Dann wäre ich für Variante C (1 kompletter Punktabzug einmalig, Rest Wiederholungsfehler), im extremsten Fall (wenn die Arbeit aus nichts anderem besteht zB) einmal für den ersten, einmal Wiederholungsfehler, Rest dann wirklich Schwamm drüber (also 2 Punktabzüge gesamt).
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    • DeadPoet schrieb:

      Aber bei einem Punkt pro Lücke enden halt irgendwann die Differenzierungsmöglichkeiten.
      genau deshalb finde ich solche Aufgaben mehr als fragwürdig.
      Das Past Perfect kann man sicher auch anders abprüfen als durch solche --sorry-- stumpfsinnigen Übungen.
      Stumpfsinn beim Einüben : ja
      Stumpfsinn beim schriftlichen Überprüfen: man sieht ja, es erleichtert nicht mal die Korrektur
      pingo, ergo sum
    • Da ja die Mathematik angesprochen wurde: Wenn ein Schüler in der Oberstufe jedes Mal Produkt- und Kettenregel verwechselt und wieder und wieder die falsche Ableitungsregel anwendet, dann ist das kein Folgefehler, sondern jedes Mal ein neuer Fehler. Wenn er damit dann richtig weiter rechnet, dann ist das folgerichtig, aber man kann nicht alles Folgefehler nennen. Zurück zum Englischen: Ansonsten kann der Schüler auch jedes Mal have + Infinitiv schreiben und es wäre ein Folgefehler, die erste Lücke ist falsch, alle folgenden sind derselbe Fehler --> Folgefehler?

      @Friesin: Reliabilität. ;)
      The price of freedom is eternal vigilance. (Leonard H. Courtney)
    • Valerianus schrieb:

      Da ja die Mathematik angesprochen wurde: Wenn ein Schüler in der Oberstufe jedes Mal Produkt- und Kettenregel verwechselt und wieder und wieder die falsche Ableitungsregel anwendet, dann ist das kein Folgefehler, sondern jedes Mal ein neuer Fehler.
      wenn aber ein Schüler in den unteren Klassen beim Zehnerübergang 4 + 7 =12 rechnet, egal welcher Hunderter davor steht, ist das dann jedes mal ein neuer Fehler?

      Es geht bei "haddn't" lediglich um einen Orthographiefehler. Die Form ist ansonsten ja richtig gebildet worden. Da gibt es beim Past Perfect in der Verneinung doch wesentlich derbere Fehler.
      Und um Anwendungsaufgaben schien es nicht zu gehen, zumindest war davon nirgends die Rede.
      pingo, ergo sum
    • Friesin schrieb:

      DeadPoet schrieb:

      Aber bei einem Punkt pro Lücke enden halt irgendwann die Differenzierungsmöglichkeiten.
      genau deshalb finde ich solche Aufgaben mehr als fragwürdig.Das Past Perfect kann man sicher auch anders abprüfen als durch solche --sorry-- stumpfsinnigen Übungen.
      Stumpfsinn beim Einüben : ja
      Stumpfsinn beim schriftlichen Überprüfen: man sieht ja, es erleichtert nicht mal die Korrektur
      Bedenke dabei deine Schulform. ;)
      Ich unterrichte Englisch in Klasse 5/6 auf H/R-Niveau. Da kann man nicht alle unterschiedlichen Grammatikformen der Lektion mit schwierigen / unterschiedlichen Aufgabenformaten abfragen, finde ich. Da muss es auch mal eine Aufgabe geben, wo man einfacher Punkte einheimst. Solche Formate wie die TE habe ich auch in meinen Arbeiten drin. So sind sie auch in meinem Lehrwerk in den Kontrollaufgaben drin.
      In der Hauptschule geht es nicht unbedingt um das richtige Produzieren von Sprache, sondern mehr um das Verstehen. Die Realschule ist demzufolge so ein Mittelding daraus und den Gym-Anforderungen.

      Ich würde 5/6 Punkte geben. Einen Punkt Abzug für den dusseligen orthografischen Fehler, der dauerhaft aufgetaucht ist. Verbessern müsste er alles.
    • Wenig fachlich, eher emotional:

      Ich möchte gerne noch einen pädagogischen Aspekte in die Diskussion einwerfen.

      Ich denke, man sollte auch den Schüler hierbei im Auge behalten. Ist es ein Schüler, der gerne oberflächlich arbeitet? Oder vielleicht ein Kind/Jugendlicher, der gerade unter Zeitdruck und evtl. Angst die Arbeit geschrieben hat und sich intensiv auf die PP konzentriert und versucht alles schnell richtig zu machen und nach der Leistungsüberprüfung auf dem Weg in die Pause schockartig merkt, dass er haddn´t schrieb, anstelle von hadn´t.???
      Ich hatte selbst im Englischunterricht in der 7. Klasse das Problem, dass ich plötzlich "she" mit "sch" schrieb, besonders im Diktat und unter Zeitdruck. Ich hatte das zwar sofort durch Auskreuzen des c korrigiert, aber durch die Häufung war es dann ein gewichtiger Fehler. Für mich war das sehr ärgerlich, aber auch lehrreich. Die Lehrerin damals hatte richtig gehandelt.

      Ich würde als Mutter gerade zwischen Variante B und C für mein Kind entschieden wissen wollen.
    • exousia1991 schrieb:

      Guten Morgen zusammen!

      In unserem Kollegium herrscht Uneinigkeit bei der Bewertung folgender Aufgabe in einer Englischarbeit:

      Die Schüler sollten in sechs Lücken die verneinte Form des "past perfect" einsetzen. Ein Schüler schreibt nun in jeder Lücke "haddn't + past participle", wobei das past participle stets korrekt gebildet ist.

      Ein Kollege würde hier statt einem Punkt 0,5 Punkte pro Lücke geben, ein anderer Kollege vertritt die Meinung, dass die Form jedes Mal als komplett falsch zu bewerten ist, da ein entscheidender Bestandteil nicht korrekt ist, wieder ein anderer Kollege schlägt vor, die erste Lücke als falsch anzusehen und die weiteren Lücken voll zu bepunkten, da es sich um einen immer wiederholten, minderschweren Orthographiefehler handelt...

      Wie lauten eure Einschätzungen? Vielen Dank!

      Auch ich würde 0,5 Punkte jeweils geben.
      Begründung: es ist zwar "nur" ein Schreibfehler, aber ein eher dackelhafter! Ich denke das mildere Korrektur hier nicht genug Anreiz bietet, aus dem Fehler zu lernen.
      Es gibt schlimme und weniger schlimme Schreibfehler.
      Z.B. ist es nicht so dramatisch, wenn man bei einem selteneren und schwerer zu schreibenden Wort durcheinander kommt, z.B. bei "colleague".
      Wenn aber jemand "I" außer am Satzanfang immer klein "i" schreibt, muss man schon deutlicher werden.
    • Semi-off-topic:

      Fehlende Punkte an Satzenden

      Bei grammatischen Fingerübungen fällt mir auf, dass mehr und mehr Schüler nicht wissen, dass man am Satzanfang groß schreibt und am Ende ein Satzzeichen setzt.
      Der Klassiker ist, dass Fragezeichen gesetzt werden, aber keine Punkte. Ich vermute mal, dass das an Whatsapp liegt. ("Mein Punkt heißt "send"!")

      Das Problem tritt eher bei einzelnen Sätzen zu Grammatikübungen auf, weniger in "authentischen" Texten.
      Ich frage mich manchmal, ob ich da etwas nachgiebiger sein sollte, weil es quasi eine "unauthentische" Schreibsituation ist.
      Andererseits sage ich während Tests/Arbeiten teilweise mehrmals, dass Punkte gesetzt werden müssen, sonst gibt es Punktabzug. Trotzdem gibt's manche, die keine Punkte setzen. Neulich habe ich das nicht nur mehrmals gesagt, sondern sogar direkt zu der Aufgabe dazu geschrieben! Trotzdem gab es ein paar, wenn auch wenige, die keine Punkte gesetzt haben.
      Durch den Punktabzug hat es sich bei vielen gebessert, aber nicht allen. Ich weiß nicht, ob ich womöglich zu viel Wert darauf lege und mich vergallopiere.
      Einerseits ist es für die Grammatikübung per se ziemlich Wurscht, ob da nun am Ende ein Punkt steht oder nicht - andererseits ist es aber einfach mal sowas von elementar, dass ich nicht darüber hinweggehen will.
      Habt ihr diese Problematik auch und wenn ja, wie geht ihr damit um?
    • Das solltet ihr euren Schülern eigentlich nicht in der Berufsschule und im Gymnasium sagen, das ist Stoff der 1. Klasse. Bereits wenn die ersten Sätze geschrieben werden, lernen die Schüler "Der Satzanfang ist groß, am Ende steht ein Satzzeichen.". Das Satzzeichen wird in der 1. Klasse noch mitdiktiert, aber in der 2. Klasse sollten die Schüler schon in der Lage sein, eigenständig . , ? oder ! (Damit ist nicht Kommasetzung gemeint, ich wollte nur im Sinne einer Aufzählung den Punkt vom Fragezeichen trennen ;) ) setzen zu können. Von höheren Klassen mal ganz zu schweigen.
    • Nein, Lehramtsstudent, das sollten wir den Schülern am Gym/ der Berufsschule nicht sagen MÜSSEN. Leider ist es aber notwendig, und dann sollten wir es auch sagen.

      Wenn ein Schüler mal einen einzelnen Punkt im Grammatikteil vergisst, dann setze ich den und gut ist's (nicht aber im Schreibteil). Aber wenn jemand die Punkte konsequent weglässt (hatte/habe in meiner 7. Klasse auch so ein paar Kandidaten), dann ziehe ich dafür Punkte ab. Bei vielen bessert es sich dadurch, bei einzelnen nicht. Das ist auch wieder so ein Aspekt von "sauberer Arbeitsweise": Wenn man ihn einfordert, dann sind nahezu alle Schüler in der Lage es richtig zu machen. Wenn man es durchwinkt, ändert sich nichts an der Sache. Deswegen bin ich auch eher für den härteren Punktekurs: Auf lange Sicht tut man den Schülern damit eher einen Gefallen, als wenn man Fehler als "naja, ist ja noch verständlich/ halbwegs richtig" durchwinkt damit es eine 2- statt einer 3+ wird. Ganz ehrlich, die Englischnote Klasse 7 interessiert später niemanden, ob jemand Rechtschreibung, Zeichensetzung etc. beherrscht und korrekt anwendet hingegen durchaus in nahezu allen Berufen.
      Warum Trübsal blasen, wenn man auch Seifenblasen kann?
    • Lehramtsstudent schrieb:

      Das solltet ihr euren Schülern eigentlich nicht in der Berufsschule und im Gymnasium sagen, das ist Stoff der 1. Klasse. Bereits wenn die ersten Sätze geschrieben werden, lernen die Schüler "Der Satzanfang ist groß, am Ende steht ein Satzzeichen.". Das Satzzeichen wird in der 1. Klasse noch mitdiktiert, aber in der 2. Klasse sollten die Schüler schon in der Lage sein, eigenständig . , ? oder !
      Ein bisschen muss ich hier in Bezug auf Satzzeichen verdeutlichen. Wir diktieren in der Grundschule bei uns schon noch alle Satzzeichen. Allerdings gibt es durchaus Aufgaben - vorzugsweise in Rechtschreib- oder Grammatikproben - (so werden bekanntlicherweiser die Arbeiten in Bayern genannt) wo Schüler als eigenständige Aufgabe Satzenden erkennen und die richtigen Satzzeichen setzen sollen. Ebenso tauchen Übungen dazu immer mal wieder auf.
      Wenn die Schüler anfangen, eigene Texte zu schreiben, sind sie gezwungen, die Satzzeichen selbst zu setzen. Und das können manche dennoch noch nicht im 3. Schuljahr, wenn ich sie übernehme. Es dauert bei den Schülern unterschiedlich lang, bis sie verstanden haben, wo man die richtigen Satzzeichen setzt. Das hat etwas mit Erfahrungen mit geschriebener Sprache zu tun und wie schnell man kapiert, wann ein Satz zu Ende ist. (Vielleser in der Grundschule haben so gut wie keine Probleme mit Satzzeichen.) Und etwas dazu hilft die Thematisierung der Satzglieder im 3. und 4. Schuljahr.
    • Friesin schrieb:

      wenn aber ein Schüler in den unteren Klassen beim Zehnerübergang 4 + 7 =12 rechnet, egal welcher Hunderter davor steht, ist das dann jedes mal ein neuer Fehler?
      Natürlich ist das jedes Mal ein neuer Fehler (je nach Punkteanzahl für die Aufgabe meinetwegen mal nur ein halber). Aber wenn jemand bei der schriftlichen Addition beständig denkt, dass 4 + 7 = 12 sei und dadurch alles falsch rechnet, dann ist das ein massiver Fehler, vor allem in Klasse 5 (kleiner hab ich nicht)...
      The price of freedom is eternal vigilance. (Leonard H. Courtney)
    • Valerianus schrieb:

      Aber wenn jemand bei der schriftlichen Addition beständig denkt, dass 4 + 7 = 12 sei und dadurch alles falsch rechnet, dann ist das ein massiver Fehler, vor allem in Klasse 5
      Ist auch in der Grundschule ein Fehler. Allerdings wird man unterschiedliche Aufgaben stellen und nicht immer die gleichen Rechnungen verlangen; damit stellt sich die Frage i.d.R. gar nicht.
      Typische Folgefehler in Mathematikproben sind bei uns z.B. wenn sich jemand in Textaufgaben bei einem Schritt verrechnet (= Punktabzug) und dann mit den falschen Zahlen, aber den richtigen Rechenschritten weiterrechnet. Oder die Schüler müssen eine Reihenfolge nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten rechnen (z.B. +30, -2 usw.), sie verrechnen sich einmal und rechnen dann nach der richtigen Gesetzmäßigkeit mit falschen Zahlen weiter.
    • haddn't: Reiner Orthografiefehler, den Fehler würde man nicht mal hören in gesprochenem Englisch. Falls 1 Punkt pro Form, past participle richtig gebildet, würde ich in beim ersten Mal 0,5 -1 Punkt abziehen, dann nicht mehr. Meine Erfahrung zeigt, dass so was eher eine Phase ist und eben nicht langfristig bleibt in Englisch, auch wenn man das entspannter sieht bei der Bewertung, Echte Probleme haben die Leute, die Formen bilden bis in die Kursstufe wie "hadn't went", "hadn't go"oder "we may can go".
      Fehlende Satzeichen treiben mich auch zur Weißglut. Ich ziehe einmal einen Punkt ab und wiederhole es mantraartig, nachdem andere, strengere Versuche keine Wirkung gezeigt haben.