Politik | 8 | Markt - Problemorientierung gesucht

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    • Es ging um " ass die meisten Güter in Deutschland knapp sind". Vielleicht hat das eine mir nicht bekannte fachwissenschaftliche Bedeutung. Rein vom Menschenverstand her ist hier gar nichts knapp, du kannst alles haben.

      Miss Jones schrieb:

      ...
      Wenn du wirklich glaubst, die SuS können sich immer alles leisten, lebst du offenbar nicht in Deutschland.
      oder du in Bangladesch? Nenne mir einen Achtklässler, der kein Smartphone hat.
    • Komm an meine Schule, und ich zeige sie dir...
      Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
      Die Grundlage des Glücks ist die Freiheit, die Grundlage der Freiheit aber ist der Mut. (Perikles)
      Wer mit beiden Füßen immer felsenfest auf dem Boden der Tatsachen steht, kommt keinen Schritt weiter. (Miss Jones)
    • Morse schrieb:

      Ich bin so frei mal noch weiter rumzustochern bzw. blöde Fragen zu stellen
      Immer gerne - wobei ich keine der Fragen als "blöd" bezeichnen würde ;).


      Genau, wie Miss Jones sagt, geht es um die leeren Taschen der Schüler. Es geht ja auch um die Unterscheidung von Grundbedürfnissen und Luxusbedürfnissen. Die Grundbedürfnisse der meisten meiner Schüler/innen dürften erfüllt sein, die Luxusbedürfnisse sicher nicht alle - zumindest hat nicht jeder immer das neueste iPhone etc., weil dafür das Geld (der Eltern) eben nicht reicht.

      Güter sind immer dann knapp, wenn sie erschöpflich sind und nicht (praktisch) unendlich zur Verfügung stehen, sodass sie kostenlos sind (wie z.B. Luft). Das bedeutet, dass im Normalfall eben nicht alle (!) Bedürfnisse befriedigt werden können, weil man für knappe Güter zahlen muss und man eben nicht genug Geld hat, um sich alles zu leisten. Und daraus ergibt sich ja die Notwendigkeit, zu wirtschaften, indem ich mich entweder für die PS4 Pro oder das neue iPhone entscheide - beides lässt mein Geldbeutel nicht zu (okay, mein Geldbeutel lässt weder das eine noch das andere zu, aber naja, das Referendariat ist ja bald vorbei :D).

      Natürlich kann man über die Doppeldeutigkeit von 'knapp' diskutieren und einwerfen, dass wesentlich mehr Güter in anderen Teilen der Erde wesentlich knapper sind bzw. Bedürfnisse in Deutschland künstlich erzeugt sind (wieso muss es denn ein iPhone sein?). Aber wie gesagt, hier soll es wirklich um Grundlagen gehen und genau wie die Güter auf dem Gütermarkt ist auch die Zeit im Nebenfach Politik knapp.

      Die Diskussion über die Bezahlung des Babysittens mit Schuhen (größtes Gegenargument dürfte sein, dass die Baby-Eltern ja gar nicht meinen Geschmack kennen [img]http://www.lehrerforen.de/wcf/images/smilies/staun.png[/img] ) finde ich auch spannend, wenn es dann ums Geld als Tauschmittel auf dem Markt gehen soll. Für den Einstieg in die Reihe und dabei eben die Erkenntnis, wieso man überhaupt wirtschaftet und wieso es also überhaupt Märkte gibt, finde ich das nicht tragfähig - vielleicht erkenne ich auch nur das Potenzial nicht richtig.

      Insofern bleibe ich wohl vorerst beim Schlaraffenland (in der Hoffnung, dass die SuS das nocht kennen). Ich steige aber natürlich nicht mit einem Monolog ein, sondern mit einem Bild, das es zeigt. Und wenn echt keiner weiß, was es ist, gibt es einen kleinen Info-Text, aus dem die SuS dann entnehmen, dass es ein Land ist, in dem alles aus Essen besteht und das alles kostenlos ist und einem direkt in den Mund geflogen kommt. Ich denke schon, dass die SuS ziemlich flott dazu kommen, dass das nicht funktioniert, weil Essen Geld kostet usw. Dementsprechend erhoffe ich mir, dass viele Aspekte der Reihe angesprochen werden und der Fahrplan so gemeinsam erarbeitet wird. Leider wohl tatsächlich gelenkter als es mir lieb ist, aber gut, das ist in der Sek I vielleicht ohnehin häufiger der Fall.
    • Krabappel schrieb:

      Vielleicht hat das eine mir nicht bekannte fachwissenschaftliche Bedeutung
      Ja, das wird es sein. Auch wenn du mit deinen Anmerkungen natürlich trotzdem nicht Unrecht hast, deutsche Kinder sind von Knappheit (existenzieller Güter) sicher nicht unfassbar hart betroffen.

      Hier von der bpb (bpb.de/nachschlagen/lexika/lex…tschaft/19788/knappheit):

      Knappheit
      die Tatsache, dass nicht alle Güter in so ausreichendem Umfang bereitstehen, um damit sämtliche Bedürfnisse zu befriedigen. Aufgrund des begrenzten, knappen Güterangebots kann nur ein Teil der grundsätzlich unbegrenzten Bedürfnisse des Menschen befriedigt werden. Die Knappheit der Güter ist ein wirtschaftliches Grundproblem und macht wirtschaftliches Handeln des Menschen notwendig, um eine bestmögliche Versorgung mit Gütern zu gewährleisten. Je knapper ein Gut ist, desto höher ist sein Preis.

      Duden Wirtschaft von A bis Z: Grundlagenwissen für Schule und Studium, Beruf und Alltag. 6. Aufl. Mannheim: Bibliographisches Institut 2016. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2016.



    • @FreMe: Vorsicht, ich nehm Dich beim Wort! ;)

      Wenn ich Deine Beschreibungen lese und mir den Unterricht bzw. dessen Lernziele vorstelle, pendelt das Niveau ganz stark hin und her. Auf der einen Seite vermeintliche Banalitäten, auf der anderen Seite sehr komplexe/abstrakte Wirtschaftstheorien.
      Da würden mich wirklich die konkreten Lernziele bzw. Feinziele interessieren!
      "Warum gibt es wirschaftliches Handeln" oder "Wirtschaftskreislauf" ist mir zu vage, darunter kann ich mir alles oder nichts vorstellen.
      Noch was inhaltliches:

      FreMe schrieb:

      Güter sind immer dann knapp, wenn sie erschöpflich sind und nicht (praktisch) unendlich zur Verfügung stehen, sodass sie kostenlos sind (wie z.B. Luft). Das bedeutet, dass im Normalfall eben nicht alle (!) Bedürfnisse befriedigt werden können, weil man für knappe Güter zahlen muss [...]
      Vorweg: ich unterrichte u.a. Geschichte und Gemeinschaftskunde, aber kein WK, BWL etc., bin also kein Profi (falls das nicht eh klar war ;-))
      Mir scheint zu verknüpfst "knapp" mit "teuer" ganz unabhängig von Angebot und Nachfrage. Schau mal auf Ebay-Kleinanzeigen, ob es da nicht erschöpfliche Waren kostenlos gibt...
      Oder Stell Dir vor es gäbe einen seltenen Rohstoff, für den sich kein Mensch interessiert.
      Diese Verknüpfung "knapp heißt teuer" ist doch ein Warenfetisch!

      Wahrscheinlich frage ich deshalb so viel/blöd nach, weil mich zum einen das Thema sehr interessiert, vor allem wie man die abstrakteren Theorien didaktisch reduzieren könnte, zum anderen kann ich mir wie oben geschrieben einfach nichts konkretes vorstellen bei Deinen Beschreibungen. Das muss aber nicht an Dir liegen, sondern womöglich auch an der Materie und ihrer Begriffshuberei wie Bedürfnis, Bedarf, Nachfrage etc.

      Wäre cool, wenn Du nach dem Halten Deiner Stunden/der Reihe schreiben könntest wie es lief! :)
    • FreMe schrieb:

      Hier von der bpb (bpb.de/nachschlagen/lexika/lex…tschaft/19788/knappheit):
      Knappheit
      die Tatsache, dass nicht alle Güter in so ausreichendem Umfang bereitstehen, um damit sämtliche Bedürfnisse zu befriedigen. Aufgrund des begrenzten, knappen Güterangebots kann nur ein Teil der grundsätzlich unbegrenzten Bedürfnisse des Menschen befriedigt werden. Die Knappheit der Güter ist ein wirtschaftliches Grundproblem und macht wirtschaftliches Handeln des Menschen notwendig, um eine bestmögliche Versorgung mit Gütern zu gewährleisten. Je knapper ein Gut ist, desto höher ist sein Preis.

      Duden Wirtschaft von A bis Z: Grundlagenwissen für Schule und Studium, Beruf und Alltag. 6. Aufl. Mannheim: Bibliographisches Institut 2016. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2016.

      Demnach stehen Güter also prinzipiell (!) in nicht ausreichendem Umfang bereit, aha!
      Damit wäre ja endlich mal geklärt, ob das Glas halb voll, oder halb leer ist! ;)
    • Morse schrieb:

      Demnach stehen Güter also prinzipiell (!) in nicht ausreichendem Umfang bereit, aha!
      ...Und die Bedürfnisse des Menschen generell unbefriedigt.

      Alles sehr spannend. Pass auf, dass es nicht durch eine Mischung von Allgemeinplätzen und Fachbegriffen langweilig wird :)

      Guck mal, vielleicht wäre sowas in der Art für euch interessant?:
      wirtschaftundschule.de/unterri…rktformen-und-wettbewerb/

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Krabappel ()

    • ich fange diese Unterrichtsreihe bisher immer mit der Frage "stellen Sie sich vor, sie sind auf einer einsamen Insel gestrandet. Ein Flugzeug kann 3 Dinge abwerfen, welche würden sie sich wünschen?" ab. Von da kann man dann Existenz und Luxusbedürfnisse unterscheiden. Dann kommen noch Kulturbedürfnisse dazu. Über die Insel kann man dann nach Hause schwenken und Individual und Kollektivbedürfnisse unterscheiden.

      Von den Bedürfnissen kommt man dann zu den Gütern als Bedürfnisbefriedigung. Und von den Gütern kann man dann zum Wirtschaftskreislauf und zu Produktionsfaktoren kommen.

      Preisbildung am Markt hängt bei uns meistens in nem anderen Lernfeld. Aber das geht über Bedürfnisse - Güter - Markt ja auch.
      [img]http://tickers.TickerFactory.com/ezt/d/4;10500;414/st/20160731/e/Geschafft+%F0%9F%98%8A/dt/6/k/6c2c/event.png[/img]
    • FreMe schrieb:

      Im Schlaraffenland ist alles unfassbar günstig bzw. kostet nichts und fliegt einem, wenn man gerade will, direkt in den Mund.
      Wieso ist es in Deutschland eigentlich nicht so?
      ist es doch.
      Die Grundbesdürfnisse und vieles darüber hinaus werden zu günstigen Preisen befriedigt.
      Viele, auch hochwertige Lebensmittel, sind heute wirklich günstig zu erstehen.

      Viel dafür arbeiten im Sinne von vorbereiten muss man heute auch oft nicht mehr. Alles gibt es jederzeit und teilweise schon vorbereitet. (ob das moralisch oder gesundheitlich immer sinnvoll ist, DAS wäre ein Thema als Diskussionsgrundlage)

      Ich finde die Postulierungen sehr problenatisch und für Schüler nicht wirklich nachvollziehbar.
      pingo, ergo sum
    • Ich verstehe dein Problem.

      Ich glaube, ich reite zunächst noch einmal auch der fachwissenschaftlichen Bedeutung von "knapp" herum und darauf, dass man im Schlaraffenland ja praktisch GAR NICHTS tun muss - und so ist es in Deutschland ja nun nicht.

      Dass viele Produkte in Deutschland sehr günstig sind und dieses Konsumverhalten ja auch in der Kritik steht, wird mindestens an anderer Stelle im Fach Politik/Wirtschaft aufgegriffen, ich finde die Anregung aber gut und werde das auch an das Ende dieser Reihe stellen.
      Somit kann ich die Leitfrage ändern zu "Leben wir im Schlaraffenland?". Zunächst kann ich dann abarbeiten, wieso nicht alles (auch Essen) kostenlos zur Verfügung steht, wieso wirtschaften notwendig ist etc. pp. und anschließend das Konsumverhalten der Deutschen kritisch betrachten.
      Somit müsste ich den notwendigen Aufbau von basaler Sachkompetenz und auch die Kritik, die hier geäußert wurde, ja unter einen Hut bekommen.
    • "praktisch GAR NICHTS tun" ist eine vage Formulierung. Was heißt das konkret, so dass man darüber diskutieren kann?

      "viele Produkte in Deutschland sehr günstig" - sehr günstig, aha! Verglichen mit was? Polen schon mal nicht.

      "wieso nicht alles (auch Essen) kostenlos zur Verfügung steht" - ist für diese Aussage die Zusammenstellung des Hartz IV Satzes berücksichtigt, oder aussen vor gelassen, weil nicht jeder darauf Anspruch hat?

      (Randnotiz:
      "Konsumverhalten der Deutschen kritisch betrachten" - hoffentlich ohne die oft vorgebrachte Kritik, dass die Armen doch an der Armut schuld sind, weil sie immer nur billig kaufen wollen ("Geiz ist geil").
    • Nur eine kurze Antwort:

      1. Natürlich (!) wird es im Unterricht präziser.
      1.1. "praktisch GAR NICHTS" bedeutet, dass es Versionen vom "Schlaraffenland"-Märchen gibt, in denen man ganz wenig bezahlen muss und es gibt Versionen, da ist alles umsonst. Ich werde wahrscheinlich die Version, wo alles umsonst ist, nehmen. Dementsprechend müsste man im Schlaraffenland insofern "praktisch GAR NICHTS tun", als dass man nicht für sein Essen arbeiten und/oder es bezahlen muss. Man muss es nur wollen, dann fliegt einem das Brathähnchen in den Mund.
      1.2. Beispiele sind: Jeans oder Schuhe für 10€. Mein Opa sagte immer "wir sind zu arm für billige Schuhe", da wurden halt ein Mal teure Schuhe geholt, die man dann gepflegt hat und im Zweifelsfall ging's zum Schuster. Und die hat man dann jahrelang getragen. Heute kauft man sich dann oft eher Schuhe für den Winter, die nach diesem einen Winter weggeschmissen werden. Das heißt ja keinesfalls, dass "die Armen doch an der Armut schuld sind". Es geht hierbei auch erst einmal weniger um die Unterscheidung arm vs. reich, sondern um die generelle Feststellung, dass sich das Konsumverhalten der Deutschen insgesamt verändert hat. Dass Deutschland "Konsumnation" ist, steht eigentlich außer Frage.

      2. Es geht, wie gesagt, um eine Einführungsreihe (!) in Klasse 8. Da kann ich schlichtweg nicht bei jedem Thema die große Diskussion aufmachen. Das ist oft schade, aber nicht zu ändern. Man könnte wahrscheinlich mit jeder der vier Reihen pro Schuljahr auch alleine das Schuljahr füllen. Um Hartz IV geht es hier also überhaupt nicht, weil dafür keine Zeit bleibt (und selbst in der Reihe zum Sozialstaat in Klasse 9 habe ich das z.B. nicht unterbringen können). Auch soziale Ungleichheit wird an anderer Stelle ein Thema sein.
      Ich glaube, das Fach Politik/Wirtschaft bzw. Sozialwissenschaften bietet mehr als viele andere Fächer an den meisten Stellen die Gelegenheit, über weitere Probleme zu sprechen. Da muss man sich halt immer überlegen, was man dann an welcher Stelle thematisieren kann. Viele Einwände sind ja prinzipiell berechtigt, gehen hier aber schlicht zu weit.
    • Bevor es themenbedingt in der Diskussion noch weiter ausufert: Was sind denn die curricularen Vorgaben bzw. auf welche Zielkompetenzen beziehst du dich? Vlt. ist es mit dem Hintergrund möglich, das Thema etwas stärker einzugrenzen, wobei ich wohl anerkenne, dass es gerade in der Natur des Faches liegt, dass man immer noch etwas stärker abgrenzen oder genauer spezifizieren könnte/müsste/sollte.
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