Schüler gesteht seine „Liebe“

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    • Schüler gesteht seine „Liebe“

      Hallo zusammen,

      ich hab mich hier wirklich nur angemeldet, da mich seit einigen Tagen folgendes Problem begleitet:

      Am Freitag kam ein Schüler aus meiner Klasse zu mir und wollte etwas besprechen. Da ich noch ca. 5 Min. Pause hatte, machte ich darauf aufmerksam. Er meinte, er wolle das lieber in Ruhe machen und warte dann bis zur Mittagspause (2 Schulstunden).
      Ich war da schon etwas verwirrt, da die SuS an Freitagen eigentlich auch extern unterrichtet werden und gar nicht im Hause sind.

      Der Schüler hat ein „Drogenproblem“, das auch in Behandlung ist. Ich bin zunächst davon ausgegangen, dass er darüber sprechen möchte.

      In der Mittagspause kam er dann erneut zu mir und ich ging mit ihm in einen Besprechungsraum. Er hat wirklich länger gebraucht, bis er mit der Sprache rausrückte und gestand mir dann seine Gefühle!

      Ehrlich gesagt, wusste ich nicht recht damit umzugehen. Da ich auch gar nicht mit so etwas gerechnet hatte. Ganz im Gegenteil: Der Schüler fiel mir eher negativ auf, ich empfand seine Blicke als unangenehm und sein Auftreten total provokant. Er hatte schon einige Ordnungsmaßnahmen und einen längeren Schulverweis hinter sich.
      Ich hab ihm dann gesagt, er solle da nochmal drüber nachdenken und dass ich eher glaube, dass er da was falsch interpretiere (habe es also heruntergespielt).

      Gestern hatte ich dann wieder in meiner Klasse Unterricht. Bereits in der ersten Stunde spielte er mehrfach mit seinem Handy, sodass ich ermahnen musste. In der zweiten Stunde nahm ich es ihm dann weg. Ich hab die Regel, dass das Handy dann bis zum Ende des Schultages einkassiert wird und abgeholt werden muss.

      Er kam dann gestern auch am Ende des Tages und wir unterhielten und auf dem Flur. Da er glasige Augen hatte, sprach ich es an und er erzählte mir, dass er wieder Drogen genommen habe. In diesem Kontext meinte er dann auch, dass dies die einzige Möglichkeit sei, mich zu „vergessen“.
      Die machte natürlich ein Fass auf, da ich das klarstellen wollte.

      Das ging dann Hin und Her. Irgendwann zeigte er mir ein Foto, auf dem eine „Line“ mit dem Anfangsbuchstaben meines Namens zu sehen war. Ich dachte echt, ich sehe nicht richtig!

      Ich bin wirklich ratlos, hab meinem Freund bereist davon erzählt. Er ist der Meinung, ich solle direkt zum Schulleiter gehen.
      Ich weiß nicht, ob ich das dann nicht an eine zu große Glocke hänge?!

      Hat einer bereits Erfahrungen mit so etwas? Würdet ihr euch da Unterstützung holen oder einfach weitermachen, wie gehabt?

      Hab auch schon dran gedacht, ob ich irgendwie falsche Signale gesendet haben könnte? Ich habe halt zu allen meinen SuS eine gute Beziehung! Aber so etwas hatte ich noch nie!
    • Kann schon vorkommen. Ist gar nicht selten. Vor allem, weil die in dem Alter bei zugewandten Personen oft gar nicht unterscheiden können zwischen Liebe und sich-hingezogen-Fühlen weil man von jemandem angenommen wird. Oft kommt das dann noch zusammen mit einem häuslichen Umfeld, wo das Gegenteil der Fall ist.

      Schulleitung auf jeden Fall informieren, da enttäuschte Schüler, wenn sie mal begreifen, dass das nix wird, gerne mal zu "Rache" bzw. Enttäuschungsaktionen greifen und dann musst du gewappnet sein, dass keine Vorwürfe im Raum stehen, denen du mangels Zeugen nicht begegnen kannst. "Als wir allein waren, hat sie aber...". Also präventiv tätig werden.
      Schriftliche Gesprächsnotiz mitbringen.

      Dem Schüler tut man auch keinen Gefallen, ihn in deinen Kursen zu lassen.
      Ein Kurswechsel wäre gut.
      Bis dahin: keine Gespräche unter vier Augen mit ihm.

      Habt ihr eine/n Beratungslehrer/in, der/die sich um ihn kümmern kann? Behandlung hin oder her, in der Schule braucht er ja offensichtlich auch Unterstützung. Wenn er sich einredet, seine "Liebe" zu dir wäre der Grund für seinen Drogenkonsum ist er noch weit von aus dem Schneider entfernt. Dann dient alles als Ausrede.
      WE are the music-makers, and we are the dreamers of dreams,
      World-losers and world-forsakers on whom the pale moon gleams
      yet we are the movers and shakers of the world for ever, it seems.
    • Ich würde es auch so handhaben:

      1. Niemals mehr allein in einem geschlossenen Raum mit ihm. Immer die Tür auflassen oder mit einem Kollegen.
      2. Den Sozialpädagogen, wenn ihr denn so etwas an der Schule habt, mit ins Boot holen. Die wissen sicher besser was zu tun ist als du.
    • Lehrerin. schrieb:

      Ich weiß nicht, ob ich das dann nicht an eine zu große Glocke hänge?!

      a) Gehe ich davon aus, dass du der Schüler bist.
      b) Bei einem Schüler, der offensichtlich Kokain nimmt, unter Drogeneinfluß in die Schule kommt, fragst du dich ob es zu hoch gehängt ist, die Schulleitung einzuschalten?
      c) Da dir die Handlungsweise bei b) nicht bekannt ist, gehe ich davon aus, dass a) der Fall ist.
    • Karl-Dieter schrieb:


      a) Gehe ich davon aus, dass du der Schüler bist.
      Davon gehe ich nicht aus; mir fallen an meiner eigenen Schule spontan direkt drei junge Kolleginnen ein, die solch einen Beitrag posten könnten. Dass man, wenn so etwas passiert, erst einmal konsterniert ist und nicht weiß, wie man sich verhalten soll, halte ich für nachvollziehbar.

      Ich schließe mich den vorhergehenden Tippgebern an: Egal, aus welchen Gründen ein Schüler solch ein Geständnis machen sollte (ob wirklich verknallt, Provokation oder gar Prank): Geh ihm aus dem Weg - du kriegst sonst nur Ärger. Hol die Angelegenheit raus aus dem einsamen Besprechungsraum und mach sie gegenüber deinen Vorgesetzten publik.
    • Ich hatte das leider auch schon mal. Jedoch nicht ganz so krass.

      Die wichtigsten Dinge wurden schon gesagt: Schulleitung informieren und dafür Sorge tragen, dass du bei jedem Gespräch/Kontakt mit ihm Zeugen hast.

      Dass er am Handy gespielt hat, etc... Auch negative Zuwendung (Zurechtweisung) ist Zuwendung. Ich würde das an deiner Stelle im Unterricht komplett ignorieren, gleich nach der Stunde zum Abteilungsleiter gehen, ihm die Sache erklären. Er soll sich dann den Buben einbestellen und die Konsequenzen verhängen. Bitte geh auf keinen Fall auf seine Provokationen ein. Sonst entsteht ein Teufelskreis aus dem du nicht mehr rauskommst.

      Wenn er dich nochmals anspricht, würde ich ihm ganz klar und deutlich sagen, was Sache ist. Einmal, kein zweites Mal. Ende der Diskussion.
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