Einstellung als Fremdsprachenlehrer ohne Auslandserfahrung in euren Bundesländern möglich?

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    • Einstellung als Fremdsprachenlehrer ohne Auslandserfahrung in euren Bundesländern möglich?

      Hey ihr :)

      Ich hatte zwar schon einen Thread, indem es um Englisch ohne Auslandserfahrung ging, aber mich würde konkret interessieren ob es in euren Bundesländern (besonders Hessen, Badenwürttemberg) überhaupt möglich ist ohne jegliche Auslandserfahrung als (Fremdsprachen)Englischlehrer eingestellt zu werden?
    • In NRW hängt es nur davon ab, ob die Uni den Auslandsaufenthalt verlangt. Für das Ref oder die Einstellung ist es nicht relevant.

      Wenn wir Englisch ausschreiben ist aber garantiert eine Frage im Bewerbungsgespräch auf Englisch.

      Und seien wir ehrlich: ich hab in Australien sehr viele Deutsche getroffen, die fast kein Englisch nutzten. Die sprachen nur mit deutschen Backpackern, waren bei Deutschen als Au-Pair...
      Only Robinson Crusoe had everything done by Friday.
    • Wir hatten mal einen Referendar ohne Auslandserfahrung. Der hat in jeder Lehrprobe zu hören bekommen, dass er mal ins Land müsse. Ich halte nicht viel von Fremdsprachenlehrern ohne landeskundliche Erfahrungen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Lisam ()

    • Meine Studienordnung schrieb einen kürzeren Aufenthalt im Ausland vor. In Härtefällen konnte dieser durch ein spezielles Modul ersetzt werden.

      Ich habe zB eine Anerkennung dieses Aufenthalts bekommen, da ich in meinem vorherigen Job häufig im Ausland gewesen bin und die geforderten 12 Wochen nachweisen konnte.

      Es geht also unter best. Bedingungen auch ohne. Sobald man den Master of Education hat ist es unerheblich und im Referendariat bedarf es keiner neuen formalen Bestätigung, da reicht der MEd dann aus.
    • Nachdem wir dieses Thema (Sinn von Auslandsaufenthalten) ja tatsächlich vor ein paar Monaten erst hatten, zitiere ich mich einfach mal selbst aus dem damaligen Thread:


      WillG schrieb:

      Also, als Fremdsprachenlehrer (Sek.II) mit längerer Auslandserfahrung im und nach dem Studium bin ich natürlich der Meinung, dass hervorragendeSprachkompetenz, gestützt durch längere(n) Auslandsaufenthalt(e),durchaus eine wichtige Basis für den guten Fremdsprachenunterricht sind. Ich kann auch jedem nur raten, dies nicht zu unterschätzen. Die Gründewurden ja schon genannt.

      So, in der Alltagspraxis, die ja bekanntlich gerade im Schulwesen häufig weit vom Idealbild oder auch nur von einem wünschenswerten Minimalansatz entfernt ist, kann man das aber auch ein wenig nüchterner betrachten. Ich glaube, wir dürfen uns da selbst nicht überschätzen. Woliegen denn die konkreten Vorteile im Auslandsaufenthalt:


      * sprachliche Kompetenz
      Wenn man einen Auslandsaufenthalt ernst nimmt, wird man mit sehr hoher Souveränität im Gebrauch der Fremdsprache nach Hause kommen. Das betrifft dann Grammatik, Ausdruck und Aussprache ebenso wie die Pragmatik. Es gibt wohl keine Methode, die so effektiv den Sprachgebrauch voranbringt. Das heißt aber nicht, dass es ausgeschlossen ist, ein entsprechendes Niveau auch ohne Auslandsaufenthalt zu erreichen, wenn man die nötige Begabung hat. Bei mir hätte sie evtl. nicht gereicht, aber ich möchte nicht ausschließen, dass es solche Fälle gibt. Gleichzeitig gibt es auch diejenigen, die ihr gesamtes Auslandsjahr nur mit anderen deutschen Austauschstudenten verbringen und deren Kommunikation in der Fremdsprache sich auf die allernötigsten
      Alltagsgeschäfte (quasi A2-Niveau) beschränkt. Die werden dann auch nichts davon haben.


      * Landeskunde
      Der Vorteil des Auslandsaufenthalts besteht ja nun nicht unbedingt darin, dass man plötzlich viel mehr über die Geschichte oder das polit. System des Ziellandes weiß (sog. "Realienkunde"), sondern dass man ein grundlegendes Verständnis für die Alltagskultur und die kulturelle Identität eines Landes entwickelt (=interkulturelle Kompetenz). Dieses Verständnis kann man dann häufig nur schwer verbalisieren, wenn man sich nicht parallel dazu auch theoretisch oder wissenschaftlich mit diesem Gebiet beschäftigt. Ein solches Verständnis bereichert natürlich den Fremdsprachenunterricht, weil man ihn unter diesen Umständen vermutlich
      ganz anders aufzieht und ausrichtet als nur die reine Sachinformation in den Mittelpunkt zu stellen. Aber auch das setzt natürlich persönliches Interesse und Engagement voraus, das man wohl nicht hat, wenn man nur ins Ausland geht, weil "man das halt so macht als Fremdsprachenlehrer"


      * persönliche Kompetenz
      Die Auslandserfahrung macht in aller Regel souveräner, selbstbewusster und flexibler. Keine Frage. Aber das sind natürlich alles Eigenschaften, die jedem Lehrer gut zu Gesicht stehen würden, also nicht auf den Fremdsprachenlehrer beschränkt sind. Die interkulturelle Kompetenz hingegen, die ich oben schon angesprochen habe, sind eng mit einem bestimmten Verständnis von Fremdsprachenunterricht verbunden, das meiner Ansicht nach die Voraussetzung für "guten" Fremdsprachenunterricht ist.
      Aber auch diese Kompetenz kann man sich sicherlich mit einiger Mühe aneignen, ohne ins Ausland zu gehen.


      Fazit: (Fast) jeder Fremdsprachenlehrer wird von einem Auslandsaufenthalt profitieren, wenn er ihn denn mit der richtigen
      Eisntellung antritt. Ich würde sogar so weit mitgehen, dass man eine gewisse Qualitätsstufe nur mit dieser Erfahrung erreichen kann (- von ganz vereinzelten Ausnahmen vielleicht abgesehen). Allerdings kann man natürlich auch ohne Auslandsaufenthalt Fremdsprachenlehrer werden und vermutlich muss das auch gar nicht heißen, dass man dann ohne Ausnahme ein Leben lang ein schlechter Fremdsprachenlehrer bleibt.
    • Berufsschule93 schrieb:

      ob es Bundesländer gibt die Fremdsprachenlehrer ohne Auslandserfahrung einstellen
      In Deutschland sind das nur Einzelne, ich würde sagen, so um die 16. Kann es sein, dass Du keine Ahnung davon hast, wie in D Lehrerausbildung und -einstellung laufen? Mit dem bestandenen 2. Staatsexamen bist Du voll ausgebildeter Lehrer und darfst Deine Fächer unterrichten. Weitere Qualifikationen sind im Allgemeinen nicht erforderlich.

      Im Übrigen: Gründe, während des Studiums keinen Auslandsaufenthalt zu absolvieren, gibt es reichlich.
      Manch einer hält sich viel zugute auf seine aufrechte Haltung - und hat doch nur einen Stock im A...
    • Noch ein "outside view": In der Schweiz ist für moderne Fremdsprachen in Sek II ein mindestens viermonatiger Sprachaufenthalt und ein C2 Sprachnachweis verpflichtend (zusätzlich zum Masterabschluss, versteht sich) – ohne gibt es kein Lehrdiplom.
    • @Philio: Gilt das für alle Kantone und wenn ja, weißt du, wie die Situation an anderen Schulformen (z.B. Grund- und Förderschule) aussieht? C2 Sprachnachweis ist ja schon sehr hoch, wobei ich es bei einem viersprachigen Land natürlich nachvollziehen kann.
    • Lisam schrieb:

      Ich halte nicht viel von Fremdsprachenlehrern ohne landeskundliche Erfahrungen.
      Welche Erfahrung müßte ein Englisch-Lehrer vorweisen, damit Du ihn für tauglich hältst?
      Ich frage deswegen, weil Englisch ja doch in vielen Ländern gesprochen wird und deren "Landeskunde" sich grundsätzlich unterscheiden.

      Also welche Länder darf er als "Erfahrung" einbringen und welche nicht?
      • Great Britain
      • Irland
      • Kanada
      • USA
      • Australien
      • Neuseeland
      • Indien
      • Bahamas

      fossi74 schrieb:

      Mit dem bestandenen 2. Staatsexamen bist Du voll ausgebildeter Lehrer und darfst Deine Fächer unterrichten. Weitere Qualifikationen sind im Allgemeinen nicht erforderlich.
      Und du darfst die Fächer nur in deinem Bundesland unterrichten. Glaub nicht, daß du mit dem 2. StaEx für das Lehramt Primarstufe (also Grundschule) aus Niedersachsen in NRW an einer Grundschule unterrichten darfst. Bildung ist Landessache und das 2. StaEx gilt nur für das eine Bundesland. Meine Cousine hat das Theater mitgemacht. Studiert in NDS, Referendariat in NDS und dann Grundschule in NRW ging nicht, weil der Englisch-Unterricht in der Grundschule so grundsätzlich verschieden ist, daß es ihr nicht anerkannt wurde.

      Ich selber habe versucht mein 2. StaEx aus NRW auch in NDS anerkennen zu lassen. Ging nicht, weil es meine Fächer so gar nicht in NDS gibt.

      Ist bei uns, die wir direkt an einer Landesgrenze wohnen, halt besonders doof. Da verringert sich die Anzahl der Schulen in passabler Reichweite nämlich mal gleich ganz gewaltig, wenn man von anderen Bundesländern mit nur 10 Minuten Fahrzeit bis zur Landesgrenze quasi umzingelt ist.
    • Lehramtsstudent schrieb:

      Gilt das für alle Kantone und wenn ja, weißt du, wie die Situation an anderen Schulformen (z.B. Grund- und Förderschule) aussieht? C2 Sprachnachweis ist ja schon sehr hoch, wobei ich es bei einem viersprachigen Land natürlich nachvollziehen kann.
      Da das Lehrdiplom zum Unterrichten in der ganzen Schweiz berechtigt, gilt diese Regel für alle Kantone. Primarschule ... keine Ahnung. Da das Lehramt Primarschule kein universitärer Studiengang ist kann ich es mir nicht vorstellen. Mit der Viersprachigkeit des Landes hat das nebenbei bemerkt nichts zu tun.

      Edit: Zitat aus den Zulassungsbedinungen für das Bachelor-Studium Primarschule (PH Basel):

      "Studienbewerberinnen und Studienbewerber, deren Muttersprache nicht Deutsch ist und die den Studienberechtigungsausweis nicht an einer allgemeinbildenden Schule der Sekundarstufe II im deutschsprachigen Raum erworben haben, müssen einen Nachweis der Sprachkompetenz Niveau C2 gemäss europäischem Referenzrahmen erbringen."

      Bzgl. Fremdsprachen (Französisch wird ja an der Primar schon unterrichtet) steht leider nichts da.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Wollsocken80 ()

    • Lehramtsstudent schrieb:

      Philio: Gilt das für alle Kantone und wenn ja, weißt du, wie die Situation an anderen Schulformen (z.B. Grund- und Förderschule) aussieht
      Habe Stichproben bei den PH gemacht, C2 ist bei allen Sek II Studiengängen gefordert. Die Dauer des Sprachaufenthalt variiert aber etwas, PH Bern verlangt z. B. 6 Monate.

      Primarschule und Sek I habe ich bei "meiner" PH nachgesehen, dort ist in den entsprechenden Studiengängen B2 als Eingangsniveau und C1 als Ausgangsniveau festgelegt. Bei Förderschulen habe ich keine Ahnung.


      Lehramtsstudent schrieb:

      C2 Sprachnachweis ist ja schon sehr hoch (...)
      Bin kein Sprachlehrer, aber ich würde sagen: für Sek II angemessen. Wir haben regelmässig Lernende, die in ihrer Zeit bei uns das C1 Sprachzertifikat machen. Nach meinem Verständnis sollte die Sprachkompetenz der unterrichtenden Lehrperson entsprechend höher sein.
    • Lehramtsstudent schrieb:

      C2 Sprachnachweis ist ja schon sehr hoch
      Nein, nicht wirklich. Ausbuchstabiert heißt C2: "Kann praktisch alles, was er/sie liest oder hört, mühelos verstehen. Kann Informationen aus verschiedenen schriftlichen und mündlichen Quellen zusammenfassen und dabei Begründungen und Erklärungen in einer zusammenhängenden Darstellung wiedergeben. Kann sich spontan, sehr flüssig und genau ausdrücken und auch bei komplexeren Sachverhalten feinere Bedeutungsnuancen deutlich machen."

      Soviel sollte ein Sprachlehrer draufhaben; auf jeden Fall mit Sek II-Fakultas.
    • In der Sek II sicherlich, nur bei Grundschule und Sek I bin ich mir da unsicher. Ich habe jetzt keinen offiziellen Sprachtest abgelegt, würde mein Sprachniveau in Englisch aber bei circa C1 einschätzen. Obwohl ich durchaus in der Lage bin, eine englischsprachige Unterhaltung (z.B. im Fernsehen) verfolgen, auch komplexere Texte inhaltlich verfassen und mich an einer spontanen Unterhaltung auf Englisch beteiligen zu können, habe ich persönlich das Gefühl, dass da dennoch Luft nach oben ist. Vlt. liegt das auch daran, dass zumindest gefühlt die Unterschiede zwischen den niedrigeren Sprachniveaus relativ klein sind und mit steigendem Anspruch immer größer werden, weswegen es eine größere Herausforderung darstellt, z.B. von C1 nach C2 zu wechseln.