Viel Wissen ansammeln nicht mehr zeitgemäß

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    • Wollsocken80 schrieb:

      Buntflieger schrieb:

      Aber wo wird heute noch regelmäßiges Auswendiglernen im Unterricht praktiziert? Zumindest offiziell gibt es das doch schon lange gar nicht mehr.
      Das ist natürlich Unsinn. Meine SuS müssen Fachbegriffe auswendig lernen, sonst verstehen sie irgendwann die Aufgabentexte nicht mehr.

      Buntflieger schrieb:

      Sobald etwas schulisch abverlangt wird, macht es auch weniger bis keinen Spaß mehr. Das war bei mir mit fast jedem Hobby so, welches zufällig in der Schule Thema war.
      Das nennt man "anekdotische Evidenz". Nur weil es bei Dir so war, ist es immer so - aha. :gruebel:

      Hallo Wollsocken80,

      du lässt deine Schüler in deinem Unterricht - denn davon rede ich - tatsächlich aktiv auswendig lernen?
      Das wäre allerdings eine absolute Rarität.

      Ich glaube nicht, dass ich mich weit aus dem Fenster lehne, wenn ich behaupte, dass Schule den wenigsten SuS regelmäßig Spaß bereitet. Es wird als Pflichtprogramm wahrgenommen; insgeheim vermissen tut man die Schule meist erst dann, wenn man sie nicht mehr besuchen muss.

      P.S.: Vielleicht einfach mal etwas genauer lesen, bevor man draufhaut. ;)

      der Buntflieger
    • Wollsocken80 schrieb:

      Kann man auch "passiv" auswendig lernen? "Ionisierungsenergie" z B muss man einfach mal ganz dumm auswendig wissen wie es definiert ist, sonst kann man den Begriff nicht richtig verwenden.

      P. S.: Vielleicht erst mal Erfahrungen sammeln bevor man zu allem was zu schreiben hat.

      Hallo Wollsocken80,

      und diese Definition der "Ionisierungsenergie" lässt du vor Ort im Unterricht auswendig lernen? Das meinte ich mit "aktiv". Dass man immer etwas von dem behält (d.h. später auswendig weiß), was man im Unterricht behandelt, ist klar. Das meinte ich mit "passiv".

      Dass man für die Schule gezielt auswendig lernen muss, wurde von mir nicht bestritten. Aber eben nicht im Unterricht, sondern in aller Regel zu Hause.

      P.S.: Das, was ich schreibe, basiert auf Erfahrung.

      der Buntflieger
    • Selbstverständlich wird in der Schule aktiv (auswendig) gelernt.

      Wenn man eine Gesetzmäßigkeit nicht genau wiedergibt, zum Beispiel ein Wort weglässt, ist es oft schon falsch. Definitionen, Regeln, Gesetze, Fachbegriffe sind Handwerkszeug, ohne die kann es keine Kompetenz(en) geben.

      Man kann natürlich hoffen, dass es irgendwann passiv in das letzte Gehirn eingesickert ist. Das würde allerdings dauern. Und wahrscheinlich nie eintreten. Und wie langweilig wäre das denn? Wobei es in manchen Lerngruppen schon beinahe so ist.

      Letztens habe ich auf einem Elternabend miterlebt, wie der Erdkundelehrer mal bitte begründen sollte, wieso er eigentlich so penetrant darauf besteht, dass die Jugendlichen die Bundesländer halbwegs richtig schreiben. Man kann doch erkennen, was sie meinen und notfalls kann man das ja auch googlen.

      Im Ernst??
    • @MrsPace Vielleicht nicht den Brockhaus aber der Grossteil meines Unterrichtsmaterials basiert auf 20 Jahre alten Lehrbüchern der klassischen Chemie die ich mir im 1. Semester meines Studiums gekauft habe. Die Theorien der Thermodynamik und Reaktionskinetik sind 150 Jahre altes und in Stein gemeisseltes Ewigkeitswissen, da ändert sich auch in den nächsten 150 Jahren nichts mehr dran. Beruhigend, nicht? ;)
    • Meerschwein Nele schrieb:

      Frapper schrieb:

      Das Problem, das ich mit der Kompetenzorientierung habe, ist, dass das Pendel schon extrem in die Richtung "totes Wissen zu lernen, ist so überflüssig" ausgeschlagen ist.Ja
      Ja und? Das universitär-fachdidaktische Gefasel geht je nach Mode in beliebige Richtungen. Das heißt ja nicht, dass man das als fachlich versierter Profi irgendwie sonderlich zur Kenntnis nehmen müsste. Lass die Dilettanten reden, worüber sie wollen, als Fachmann tu das, was nach deiner fundiert-fachlichen Kenntnis sinnvoll ist.
      Ich gebe dir ja recht und es sollte mich nicht jucken, was für weltfremdes Zeugs da in die Schule hereingeweht wird. Leider hören die Bildungsplaner in den Landeshauptstätdten davon, schreiben die Lehrpläne um, wonach sich die Verlage richten und zack hat man eben dieses abgespeckte Lehrwerk. :traenen: Ich bin ja schon froh, dass ich nicht Deutsch unterrichte. Da klagen meine Kollegen immer, dass die Lehrwerke unbrauchbar seien und sie sich so gut wie alles zusammenbasteln müssen.
    • Ratatouille schrieb:

      Selbstverständlich wird in der Schule aktiv (auswendig) gelernt.

      Wenn man eine Gesetzmäßigkeit nicht genau wiedergibt, zum Beispiel ein Wort weglässt, ist es oft schon falsch. Definitionen, Regeln, Gesetze, Fachbegriffe sind Handwerkszeug, ohne die kann es keine Kompetenz(en) geben.

      Man kann natürlich hoffen, dass es irgendwann passiv in das letzte Gehirn eingesickert ist. Das würde allerdings dauern. Und wahrscheinlich nie eintreten. Und wie langweilig wäre das denn? Wobei es in manchen Lerngruppen schon beinahe so ist.

      Hallo Ratatouille,

      wir verstehen offenbar nicht dasselbe unter "aktiv auswendig lernen".
      Ich meine nicht das Üben und Wiederholen von Inhalten (aber auch das findet meines Erachtens viel zu wenig statt), das wäre für mich ein Teil des "normalen" Lernprozesses bzw. der direkten Instruktion.

      Aber egal, wir müssen hier ja keine Begriffsklauberei betreiben. Vielleicht ist mein Konzept auch zu sehr auf das Stereotyp des alten Oberlehrers zugeschnitten, der die Kinder - den Zeigestock schwingend - die Vokabeln wiederholen lässt.

      der Buntflieger
    • Vielleicht habe ich gerade einen Denkehler, weil ich zu müde bin.

      Aber vieles (klar nicht alles) beruht doch auf auswendig lernen. So lernen Kinder die Zahlen, in dem sich erstmal die Zahlwortreihe auswendig aufsagen. Erst daraus, wenn das gefestigt ist, können sie eine Zählkompetenz aufbauen.

      Und ja ich lerne vieles mit den Kinder auswendig (z.B. Lieder, Nikolausgedicht, Muttertagsgedicht...)....lesen können sie auf meiner Stufe noch nicht. Da sind die oft schneller als ich (ich muss immer noch auf dem Zettel spicken und die können das).
    • FrauZipp schrieb:

      Vielleicht habe ich gerade einen Denkehler, weil ich zu müde bin.

      Aber vieles (klar nicht alles) beruht doch auf auswendig lernen. So lernen Kinder die Zahlen, in dem sich erstmal die Zahlwortreihe auswendig aufsagen. Erst daraus, wenn das gefestigt ist, können sie eine Zählkompetenz aufbauen.

      Und ja ich lerne vieles mit den Kinder auswendig (z.B. Lieder, Nikolausgedicht, Muttertagsgedicht...)....lesen können sie auf meiner Stufe noch nicht. Da sind die oft schneller als ich (ich muss immer noch auf dem Zettel spicken und die können das).

      Hallo FrauZipp,

      die Grundschule hatte ich nicht im Blick. Aber stimmt natürlich, in dem Alter saugen Kinder quasi alles auswendig auf, zumal viele Inhalte noch in den Bereich der Grundfertigkeiten fallen.

      Ich gebe mal ein Beispiel, um zu verdeutlichen, was ich eigentlich meine:
      In einer Geschichtsstunde wird ein Text gelesen, der in ein neues Thema einführt und 10 Schlüsselbegriffe, diversen Daten und sonstige Fakten enthält. Damit wird dann u.a. gearbeitet, beispielsweise ein Quellentext analysiert und die Inhalte darauf bezogen etc.

      Nun ist mir keine Geschichtsstunde in meiner gesamten Schulzeit in Erinnerung, in der wir die behandelten Inhalte auswendig gelernt hätten; das war zwar für Klassenarbeiten notwendig, musste jedoch jeder für sich selbst zu Hause erledigen - oder eben nicht.

      der Buntflieger
    • Hallo Buntflieger

      Ich weiss, was du meinst. Dein Beispiel kann ich nachvollziehen. Ich hab auch im Studium weit vernetzter gelernt als einfach alles auswendig. Begriffe und Begriflichkeiten habe ich dann nach und nach gelernt, weil sie eh immer wieder aufgetaucht sind. Es gab ein paar Deinitionen, die habe ich stur auswendig gelernt. Wie aus dem Gymnasium war, weiss ich gar nicht mehr so genau (das ist etwas länger her).

      Auf der Grundstufe könne sie noch nicht lesen, da passiert eben vieles über auswendig lernen. Ich wollte einfach noch eine andere Sichtweise auf das auswendig lernen einbringen.

      liebe Grüsse
    • Also meinst du lediglich, dass das Auswendiggelernte in der Klasse nicht mehr explizit "abgefragt" wird, oder? Das ist vlt. auch eine Gymnasialmentalität - nach dem Motto "Der Schüler ist selbstverantwortlich für sein Lernen und wenn er es nicht macht, muss er die Konsequenzen tragen.". Zumindest in der Grundschule wird viel auswendig gelernt bzw. werden feste Algorithmen, ähnlich wie Kochrezepze, vermittelt, z.B. Gedichte (Deutsch), schriftliche Division (Mathematik), Vokabeln (Englisch) oder Bundesländern (Sachunterricht).
    • Lehramtsstudent schrieb:

      Also meinst du lediglich, dass das Auswendiggelernte in der Klasse nicht mehr explizit "abgefragt" wird, oder? Das ist vlt. auch eine Gymnasialmentalität - nach dem Motto "Der Schüler ist selbstverantwortlich für sein Lernen und wenn er es nicht macht, muss er die Konsequenzen tragen.". Zumindest in der Grundschule wird viel auswendig gelernt bzw. werden feste Algorithmen, ähnlich wie Kochrezepze, vermittelt, z.B. Gedichte (Deutsch), schriftliche Division (Mathematik), Vokabeln (Englisch) oder Bundesländern (Sachunterricht).

      Hallo Lehramtsstudent,

      ja genau. Im Unterricht werden neue Inhalte erklärt, angewendet, ggf. transferiert etc. und wenn es möglichst jeder verstanden hat, kommt der nächste Themenabschnitt an die Reihe - so ganz grob umrissen. Schon in Mathe war es bei uns stets üblich, die Themen nur gerade so ausführlich zu behandeln, bis die Mehrheit das Kernthema halbwegs verstanden hatte und mittels eigener Übung zu Hause festigen und ggf. erweitern konnte. Und in den Klassenarbeiten wurde dann - zumindest im 2. Teil - eben dieses erweiterte Können vorausgesetzt.

      Formeln mussten wir zwar nicht (mehr) auswendig können, da wir über eine Formelsammlung verfügen konnten, allerdings war es sehr viel effektiver, die wichtigen Formeln auswendig zu können. Auch das fand jedoch nicht in der Schule statt.

      Im Unterricht wird viel erklärt, wenig geübt, kaum wiederholt und fast nie auswendig gelernt (Grundschule ausgenommen).

      der Buntflieger
    • Im Mathematikunterricht der Sek I und Sek II wird sicher auch genug auswendig gelernt. In der Sek I fallen mir da die Formeln zu Flächeninhalt, Volumen oder Umfang, sowie die Algorithmen zur Lösung von Gleichungen ein, in der Sek II wären es entsprechend die Integrations- und Differenzierungsregeln oder natürlich der Klassiker Kurvendiskussion. Wie viele Generationen mussten bisher und müssen immer noch die binomischen Formeln auswendiglernen? Oder Potenzgesetze... Natürlich lernt man das Prinzip zuerst und wendet es dann auf eine Aufgabe an, aber die wenigsten Matheaufgaben lassen sich wirklich ausschließlich selbstentdeckend und primär kompetenzorientiert berechnen. Das geht vlt. in der Kombinatorik und in manchen Geometriebereichen, aber mehr auch nicht.
    • Flächenformeln, binomische Fomeln, Potenzgesetze.
      Das sind doch Sachen wo man weitestgehend eben NICHTS auswendig lernen muss, wenn man eben irgendetwas verstanden hat.
      Die, die in Mathe viel auswendig lernen, sind die, die nichts verstehen. Da sind wir doch in gewisser Weise bei der Kompetenzorientierung.
    • Habe ich da etwa einen Denkfehler? Natürlich muss man es verstanden haben, aber wenn ich die entsprechenden Gesetze und Formeln nicht einmal ordentlich auswendig gelernt habe, wie soll ich Aufgaben, die hierauf basieren, richtig lösen können? Meine Schwächen im mathematischen Bereich sind einmal die trigonometrischen Sätze und die Logarithmusgesetze. Und warum? Weil ich sie nie auswendig lernte. Im Studium hatte ich noch einmal kurz mit den Logarithmusgesetzen zu tun, aber ich habe die Regeln schon wieder vergessen und müsste nachschauen, obwohl es im Prinzip nur stumpfes Auswendiglernen und Werte einsetzen ist.
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