Gegen den Lehrermangel - Das Refugee Teachers Program

  • Ich hatte an der Uni einen russischsprachigen Dozenten, bei dem man den Unterschied zwischen Entropie und Enthalpie nicht verstanden hat. Das kann er noch so richtig gemeint haben, wenn er die beiden Wörter näherungsweise gleich ausspricht, ist es halt falsch.

  • Ich hatte an der Uni einen russischsprachigen Dozenten, bei dem man den Unterschied zwischen Entropie und Enthalpie nicht verstanden hat. Das kann er noch so richtig gemeint haben, wenn er die beiden Wörter näherungsweise gleich ausspricht, ist es halt falsch.

    Das ist dann aber wohl eher die Ausnahme, wenn die Wörter so ähnlich sind, in der Regel geht es ja eher um Artikel oder sonstige Grammatikfehler und damit kann ein Unterricht natürlich fachlich völlig korrekt sein.


    Für den Stundenplaner ist es doof, wie man bei uns gesehen hat, die Frau konnte eben wirklich nur Sport unterrichten, als sie dazu aber keinen Bock mehr hatte, war sie damit eine Gefahr und dann wird es schwierig, denn selbst in Daz waren die Kinder besser als sie.

  • Das ist keine Ausnahme, sondern die Regel bei wissenschaftlichen Mitarbeitern aus dem Ausland die sehr häufig nicht richtig Deutsch können. Die in der Lehre einzusetzen ist ausgesprochen schwierig bis unverantwortlich gegenüber den Studierenden.


    Hier an der Schule habe ich eine Kollegin aus der Romandie, die macht gelegentlich Grammatikfehler. Ansonsten kommt die aber sicher auf C1 in Deutsch. Darunter geht es absolut nicht.

  • Das ist keine Ausnahme, sondern die Regel bei wissenschaftlichen Mitarbeitern aus dem Ausland die sehr häufig nicht richtig Deutsch können. Die in der Lehre einzusetzen ist ausgesprochen schwierig bis unverantwortlich gegenüber den Studierenden.


    Hier an der Schule habe ich eine Kollegin aus der Romandie, die macht gelegentlich Grammatikfehler. Ansonsten kommt die aber sicher auf C1 in Deutsch. Darunter geht es absolut nicht.

    Natürlich ist das eher die Ausnahme für die Schule, denn es geht hier um Schule und nicht um Uni, da kann das anders aussehen.


    Die Begriffe sind mir bis zur Sek II nicht einmal in Physik begegnet z.B.

  • Es geht um Personen, die unterrichten sollen. Das Problem ist das gleiche egal ob an der Schule oder Uni. An der Schule ist es sicher nochmal heikler. Ich war in meinem Arbeitskreis zeitweise die einzige mit einem deutschen Pass. Rate wer drei Jahre lang als einzige aus der Gruppe im Physikalisch-Chemischen Fortgeschrittenenpraktikum die mündlichen Prüfungen abgenommen hat. Da war der Russe mit der schlechten Aussprache noch das geringste Problem.

  • In meiner Klasse bin ich die einzige, die fließend Deutsch spricht. Die Kinder sprechen (bis auf mein einziges deutsches Kind) von leicht über stark gebrochen bis gar nicht Deutsch. Ich weiß, dass das nicht in jeder Klasse so ist, aber ganz egal wie viele Kinder mit Migrationshintergrund es gibt: sie brauchen ein Sprachvorbild, und Sprachvorbild können in Großstädten je nach Klassenzusammensetzung oft nicht die anderen Kinder sein.
    Wenn der Lehrer nun auch kein fließendes Deutsch spricht, wie sollen die Kinder es dann lernen?


    Auch in der Sek 1 ist, je nach Schulart, ein fließend Deutsch sprechender Lehrer wichtig.
    An Mittelschulen viel mehr noch als zum Beispiel am Gymnasium in der Unterstufe in Fächern wie Sport, Musik oder Kunst.


    Also zusammenfassend meine Meinung: Wenn Lehrer die Sprache nicht gut beherrschen, können sie nur im Notfall und nur in bestimmten Schularten und Fächern eingesetzt werden.

    • Offizieller Beitrag

    In meiner Klasse bin ich die einzige, die fließend Deutsch spricht. Die Kinder sprechen (bis auf mein einziges deutsches Kind) von leicht über stark gebrochen bis gar nicht Deutsch. Ich weiß, dass das nicht in jeder Klasse so ist, aber ganz egal wie viele Kinder mit Migrationshintergrund es gibt: sie brauchen ein Sprachvorbild, und Sprachvorbild können in Großstädten je nach Klassenzusammensetzung oft nicht die anderen Kinder sein.
    Wenn der Lehrer nun auch kein fließendes Deutsch spricht, wie sollen die Kinder es dann lernen?

    Dem muss ich mich leider anschließen. Auch wenn ich finde, dass Lehrkräfte mit Migrationshintergrund die Schulen bereichern können, Sprachvorbilder müssen sie trotzdem sein.
    In Berlin benötigen sie übrigens ein C2-Zertifikat, um ins Referendariat zu kommen. Aber selbst das lässt immer noch ganz leichten Dysgrammatismus zu. (Letztes Jahr in meiner einzigen Hospitationsstunde an der Tafel bei einer Kollegin gesehen, Deutschunterricht: "die Plakaten", dazu mündliche Grammatikfehler und wortreiche Umschreibunen, weil der Kollegin bestimmte Wörter nicht einfielen; mehrere Kinder haben diese Umschreibungen gar nicht verfolgen können.) Die Vertretungskräfte in Berlin haben nicht unbedingt das C2-Niveau. Sie können dann zwar gut Deutsch, aber wenn man in unteren Klassen Deutschunterricht im Brennpunkt erteilt, muss man Sprachvorbild sein für Kinder mit Migrationshintergrund und oft genug auch für Kinder, deren Vorfahren seit vielen Generationen Deutsch sprechen.

  • Um mal den Fokus von "nur Deutsch" ein wenig zu entfernen. Ich kenne "Refugee Teachers", die (als Fremdsprache) fließend Englisch sprechen, es an einer Universität studiert haben und jahrelange Unterrichtserfahrung in dem Fach haben.
    Leider dürfen diese Lehrkräfte nicht eingestellt werden (auch nicht mit nur (kurzfristig) befristetem Vertrag), selbst wenn wir dringend Bedarf für eine "Feuerwehrlehrkraft" im Fach Englisch (und nur dort) haben. Auch für solche Feuerwehrlehrkräfte gelten die Bedingungen wie für Quereinsteiger - und da in vielen Ländern der Welt nur ein Unterrichtsfach studiert wird, geht da einiges an Möglichkeiten verloren...


    (Ich denke übrigens an Lehrkräfte, die auch Deutsch auf einem gewissen Niveau sprechen und problemlos einsprachigen Englischunterricht in höheren Jahrgängen erteilen könnten. Hier muss es also nicht um die deutschsprachige Vermittlung der englischen Grammatik / möglicher Interferenzen gehen...)

  • @ Baer, ich sehe es wie Conni und Kathie u.a., für den Deutschunterricht sind deutsche Muttersprachler (Lehrer natürlich) wichtig, vor allem, meine ich auch, je jünger die Kinder und je weniger sie daheim Deutsch sprechen.


    Das warst ja du, glaube ich, die das infrage stellte, weil Englischlehrer in Deutschland auch meist keine Muttersprachler sind.

  • Das warst ja du, glaube ich, die das infrage stellte, weil Englischlehrer in Deutschland auch meist keine Muttersprachler sind.

    Es ist richtig, dass ich das infrage stellte. Nur das "weil" stimmt nicht.
    Ich stelle das in Frage, weil ich mehrere Nicht-Muttersprachler kenne, die in Deutschland (und anderswo) studiert haben und die ein äußerst hohes Sprachniveau haben. Akzentfrei, grammatikalisch ohne Fehler, umfangreicher Wortschatz. Ich wehre mich einfach gegen diese Pauschalisierung, dass alle Ausländer nur "gebrochen" [ja, ist überspitzt] Deutsch sprechen.




    (Ein Problem, dass ich tatsächlich schon bei ausländischen Lehrkräften / Quereinsteigern wahrgenommen habe: Sie kennen das deutsche Schulsystem nicht aus der eigenen Anschauung (ob eigene Schullaufbahn, die ihres Kindes oder aus dem Referendariat). Insofern herrscht in den ersten 1-2 Jahren doch eine größere Unsicherheit, was Schulrecht, Schullaufbahn, Ablauf des Schuljahres etc. anbelangt. Das ist aber keine unüberwindbare Hürde.
    Und hier im Forum haben wir auch immer wieder Missverständnisse, wenn die Schulsysteme / Gegebenheiten der verschiedenen Bundesländer verglichen werden. Merkt man auch bei Kollegen, die aus anderen Bundesländern neu an die Schule kommen und denen man erklären muss, dass man "das" bei uns "anders" macht / bezeichnet / ...)

  • Deshalb schrieb ich ja: "wenn Lehrer die Sprache nicht gut beherrschen..."


    Dass es Ausländer gibt, die fließend Deutsch sprechen, habe ich weder infrage gestellt noch war das hier das eigentliche Thema. Seit Beginn des Threads geht es um ausländische Lehrer, die eben nicht fließend Deutsch sprechen können.

  • Ich möchte nur mal so eine Idee zu dem Thema geben, so wie ich es verstanden habe, geht es schließlich nicht nur um Lehrer aus dem europäischen Raum. Die Sprache ist sicher eins, aber was ist mit Lehrern, die z. B. aus Ländern kommen, deren Auffassung von Schule, Erziehung usw. eine komplett andere Vorstellung als unsere beinhaltet....nur mal so als Idee

  • @ Diokeles, das sehe ich nicht als großes Problem. Es gibt auch "deutsche" Lehrer mit sehr unterschiedlichen Auffassungen zum Unterrichten, wahrscheinlich vergleichbar mit den Wählerpräferenzen für unsere politischen Parteien. Noch muss sich ja auch ein deutscher Lehrer diesbezüglich nicht bei Einstellung offenbaren. Das ist auch nicht nötig, denn den Rahmen des Erlaubten stecken die schulgesetzlichen Bestimmungen u.a. Gesetze in unserem Land ab. Das gilt dann auch für Lehrer ausländischer Herkunft. Sie können auch nur die "Freiheiten" nutzen, die auch wir deutsche Lehrer nutzen können. Das müssen wir dann genauso aushalten, wie wir "unsere Unterschiede untereinander" ja auch innerhalb dieses Rahmens aushalten müssen.

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