Pünktlich zur Sommerzeit: SPON-Artikel über die "Sommerferien" von Lehrern

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    • Xiam schrieb:

      Geht mir auch so. Im Sommer zwei Wochen weniger, dafür um Weihnachten rum zwei Wochen mehr. Denn in den Weihnachtsferien habe ich meistens so viele Korrekturen liegen, dass die unterrichtsfreie Zeit da kaum ausreicht. Gefeiert wird schon seit Jahren nicht mehr...
      Das halte ich für eine gefährliche Argumentation: An der Dauer der Ferienzeiten werden wir nichts ändern können, da zuviele Interessen hinter der jetzigen Regelung stecken: Tourismus-Industrie, Umgang der Unternehmen mit den Urlaubsansprüchen der Beschäftigten usw.: Wer soll den die Betreueung der Schüler übernehmen, wenn es plötzlich einen Monat Weihnachstferien gibt?

      Die Sommerferien sind die einzigen Ferien, in denen man einmal wirklich Ruhe hat und sich nicht um schulische Dinge kümmern muss. Wer jetzt fordert, die zu verkürzen, provoziert nur, dass Forderungen nach verpflichtenden Fortbildungen für die Lehrer in diesem Zeitraum aufkommen, oder dass die Lehrer (unbezahlt natürlich) "Sommerkurse", Ferienbeutreung o.ä. an den Schulen anbieten sollen. Die Winterferien wird man niemals verlängern, da gibt es zuviele Gegeninteressen (s.o.).

      Gruß !
      Mikael - Experte für das Lehren und Lernen
    • Mikael schrieb:

      Wer soll den die Betreueung der Schüler übernehmen, wenn es plötzlich einen Monat Weihnachstferien gibt?
      Diejenigen, die dafür im Sommer zwei Wochen weniger betreuen müssen :P

      Spaß beiseite, ich denke auch nicht, dass sich an der bestehenden Regelung etwas ändern wird, aber man wird ja wohl noch einmal träumen dürfen. Das wichtigste Argument für 6 Wochen Sommerferien ist wohl eher, dass in den Hochsommer-Wochen wegen der Hitze eh kaum geregelter Unterricht möglich wäre.
    • Japp, für die Schüler der Sek I.
      Die Sek II muss aber da bleiben, so sind dann aber auch genügend kühlere Räume vorhanden.
      Einige unserer Räume heizen sich ähnlich auf wie Autos in der Sonne. Die Hitze bekommen wir teilweise auch über Nacht nicht raus. So kam es sogar schon vor, dass wir nach dem Temperatursturz noch 2 oder 3 Tage lang hitzefrei hatten.
      Da sie Sanierung der Gebäudeteile seit Jahren nach hinten verschoben werden, wird es wohl auch noch ne Weile so gehen.
    • panthasan schrieb:

      Japp, für die Schüler der Sek I.
      Die Sek II muss aber da bleiben, so sind dann aber auch genügend kühlere Räume vorhanden.
      Einige unserer Räume heizen sich ähnlich auf wie Autos in der Sonne. Die Hitze bekommen wir teilweise auch über Nacht nicht raus. So kam es sogar schon vor, dass wir nach dem Temperatursturz noch 2 oder 3 Tage lang hitzefrei hatten.
      Da sie Sanierung der Gebäudeteile seit Jahren nach hinten verschoben werden, wird es wohl auch noch ne Weile so gehen.
      Ok, dachte eigentlich das gibt es nicht mehr.
      Bei wie viel Grad in den Räumen entfällt die Schule?
      Bei uns ist es teilweise 32 Grad warm. Aber nach Hause geht da keiner.
      Vor allem nicht in der Sekundarstufe I...
    • Gibt es in Hamburg auch noch für die SEK I. Die Schulleitung entscheidet dabei nach eigenem Ermessen, ob Hitzefrei gegeben wird, weil es aufgrund der Unterschiede in den baulichen Gegebenheiten an den unterschiedlichen Schulen keine einheitliche Regelung geben kann.

      Da die Elternvertretungen der SL aber regelmäßig auf's Dach steigen, wenn die SuS Vormittags nach hause geschickt werden und somit die Eltern vor Betreuungsproblemen stehen, entfällt bei uns zumindest maximal der Nachmittagsunterricht.
    • Xiam schrieb:

      FreMe schrieb:

      und finde, dass sechs Wochen auch sehr lang werden können.
      Geht mir auch so. Im Sommer zwei Wochen weniger, dafür um Weihnachten rum zwei Wochen mehr. Denn in den Weihnachtsferien habe ich meistens so viele Korrekturen liegen, dass die unterrichtsfreie Zeit da kaum ausreicht. Gefeiert wird schon seit Jahren nicht mehr...
      Ich möchte bei diesen tropischen Temperaturen aufgab keinen Fall vor schwitzenden Pubertieren stehen in einer Schule, wo sich nicht mal alle Fenster öffnen lassen.

      svwchris schrieb:

      Bei euch gibt es noch hitzefrei?
      Alles andere wäre Körperverletzung.
    • Ich bin überzeugt davon, dass Klimaanlagen eine Investition wären, die sich langfristig lohnt. Die Temperaturen und Luftfeuchtigkeiten aufgrund der vielen Menschen in den Räumen sind oft eine echte Zumutung und sie behindern massivst den Unterricht und zwar beidseitig. Aktuell kursiert ja noch ein Artikel wie Hitze die Denkfähigkeit herabsetzt. Das sehe ich exakt genauso.

      Meine Schule wird übrigens jetzt demand demnächst aufwendig saniert / umgebaut. Ohne Klimaanlage. Finde ich unmöglich.
    • svwchris schrieb:


      Ok, dachte eigentlich das gibt es nicht mehr.Bei wie viel Grad in den Räumen entfällt die Schule?
      Bei uns ist es teilweise 32 Grad warm. Aber nach Hause geht da keiner.
      Vor allem nicht in der Sekundarstufe I...
      Ja und Nein. Offiziell gibt es das so nicht mehr. Allerdings gibt es eine Empfehlung, dass bei über 28°C(?) nach ermessen der Schulleitung hitzefrei gegeben werden KANN. Den Schrieb hat mir der Konrektor erst letzte Woche kurz unter die Nase gehalten, als ich mal vorsichtig nachgefragt habe ;) . Aber es gibt wohl (zumindest in meinem Schulamtsbezirk) auch ein "Ranking", wo der meiste Unterricht deswegen ausfällt, sodass da indirekt Druck ausgeübt wird. Das habe ich aber nicht einsehen können.
    • Der Mythos vom "Halbtagsjob" und 3 Monaten Urlaub im Jahr kommt aber auch daher, dass wir keine normale Präsenzpflicht am Arbeitsplatz haben. Deshalb denken natürlich viele, dass wir mittags Feierabend haben und Ferien für uns Urlaub wären.

      Eine Freundin von mir arbeitet an einer Schule für Pflegeberufe. Die hat geregelte Arbeitszeiten von 7:30 - 16:00. Korrekturarbeiten, Nach- und Vorbereitung des Unterrichts etc. finden dort in dieser Arbeitszeit in der Schule statt. Wenn Überstunden geleistet werden, bekommt sie die auch extra vergütet und gutgeschrieben. Zuhause muss sie dafür auch nichts mehr machen.

      Gefällt mir persönlich irgendwie sogar besser, dieses Arbeitsmodell. Was ich alles in den Ferien und an den Nachmittagen und Abenden zuhause beruflich machen muss, wird nicht wirklich honoriert. Dafür muss man sich anhören, man hätte doch so viel frei.
    • Das hört sich zwar verlockend an, aber angenommen um 19 Uhr schießt mir eine Unterrichtsidee in den Kopf, die aber weitere Recherchen erfordert. Ich setze mich hin und plane das Unterrichtsvorhaben. Wäre das dann eine Überstunde? Würde ich mich trotzdem hinsetzen, weil es ja dann deutlich in der unbezahlten Zeit liegt?

      Dafür und für ähnliche "Überstunden" finde ich die Anzahl von Ferientagen gerechtfertigt. Auch dafür, dass ich in meinem ersten Beruf viel mehr verdienen würde. Und, dass ich in manchen Wochen jeden Tag früh zuhause bin und man mich vielleicht schon um eins im Schwimmbad sieht, habe ich mir in anderen Wochen herausgearbeitet.
    • 1. Keiner wird die notwendige Infrastruktur an den Schulen schaffen wollen, da viel zu teuer (Büroarbeitsplätze nach DIN unter Berücksichtigung diverser Arbeitsplatzschutzvorschriften: Das fängt beim Bürostuhl an, geht über die Beleuchtung und hört bei der Klimatisierung noch lange nicht auf: Wie viele Dutzende Millionen sparen die Schulträger alleine dadurch, dass im Winter nach Unterrichtsschluss konsequent die Heizung im Gebäude ausgeschaltet wird?). Mehr als im aktuellen Modell, in welchem die Lehrer ihre Arbeitsplatzausstattung trotz begrenzter Steuererstattung zum großen Teil selber zahlen, kann man nicht sparen.

      2. Ohne die unzähligen unbezahlten Überstunden (laut GEW-Studie für niedersächsische Gymnasiallehrer im Durchschnitt 3-4 Zeitstunden pro Woche, wobei die Ferienzeiten eingerechnet sind) wäre das ganze System Schule dank Inklusion, Intergration, dauernder Reformitis (z.B. G9 -> G8 -> G9 in Nierdersachsen), Sprachförderung, mangelnder Erziehung der Kinder durch ihre Erziehungsberechtigten usw. schon lange kollabiert: Die Länder wollen die notwendigen Überstunden weder bezahlen noch mehr Personal einstellen, das es aktuell dank Lehrermangel sowieso nicht in der benötigten Qualität und Quantität gibt. Im aktuellen System, das von der idealistischen Selbstausbeutung vieler Lehrkräfte getragen wird ("Aber die lieben Kleinen köööönnen doch nichts daföööör.") läuft es doch genau so, wie die Bildungs- und Finanzpolitiker sich das vorstellen.

      3. Würde es eine realistische Wahrnehmung der Arbeitszeit der Lehrkräfte durch die Öffentlichkeit geben, wären die Bildungspoitiker als die wahren Schuldigen der Misere und ihrem Dauergelaber von der "Bildungsrepublik Deutschland" schnell identifiziert. Man könnte nicht mehr auf die "faulen Säcke" als Sündenböcke für politisches Fehlversagen verweisen. Zudem würde man der Öffentlichkeit ein wichtiges Druckventil für den verbreiteten Hass auf die Lehrer nehmen, da sicherlich jeder Zweite immer noch unter dem selbsteingebildeten Trauma leidet, dass das eigene Leben doch soviel besser gelaufen wäre, wenn die Lehrer doch nur das eigene Genie erkannt und entsprechend gefördert hätten. In der heutigen Zeit wird eigenes Versagen nicht mehr akzeptiert, für alles und jedes muss der Schuldige her. Wenn sollte man denn sonst beschuldigen, wenn nicht die Lehrer? Putin?

      Gruß !
      Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

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    • Farbenfroh schrieb:

      Die hat geregelte Arbeitszeiten von 7:30 - 16:00. Korrekturarbeiten, Nach- und Vorbereitung des Unterrichts etc. finden dort in dieser Arbeitszeit in der Schule statt. Wenn Überstunden geleistet werden, bekommt sie die auch extra vergütet und gutgeschrieben. Zuhause muss sie dafür auch nichts mehr machen.
      Tatsächlich gibt es vereinzelt allgemeinbildende Schulen, in denen es eine Präsenzpflicht von ... bis ... gibt und jede Lehrkraft ihren eigenen Büroarbeitsplatz hat.

      Mein Traum wäre Kabinettsystem und Präsenzpflicht. Ich habe meinen eigenen Klassenraum, den ich nach meinen Bedürfnissen einrichte und den ich in Freistunden bzw. nach meinem Unterricht als Büro nutzen kann, für meine Vorbereitungen aber z.B. auch für Elterngespräche etc. Das häusliche Arbeitszimmer würde dann aufgelöst und ich hätte zuhause nichts mehr für die Arbeit.

      Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen haben aber gezeigt, dass an meiner Schule eine solche Präsenzpflicht nicht mehrheitsfähig wäre. Viele Kollegen wollen lieber zuhause arbeiten, vor allem aber hört man oft "Ich habe am Dienstag nur bis 11:20 Uhr Unterricht, und wenn ich dann noch bis 16 Uhr in der Schule bleiben müsste, wäre das blöde. Ich erledige da immer den Großeinkauf/gehe zum Friseur/mache Behördengänge/...)". Diesen so empfundenen Luxus des gelegentlichen aber regelmäßigen frühen Feierabends wollen sich einfach viele nicht nehmen lassen.
    • Ich habe auch ganz gerne einen oder zwei Tage möglichst wenig Stunden (bis 12/13 Uhr), die anderen Tage dafür auch mal länger (bis ca. 18 Uhr). Vor zwei Jahren hatte ich einen Vormittag frei und fing erst um 12 Uhr an. War auch nicht schlecht, außer, dass ich ständig früher für Vertretungen kommen musste. Das nervte dann schon. Die freien Nachmittage nutze ich für Arzttermine, Behördengänge,... Ich kann und will nicht alles in die Sommerferien verlegen. Dann müssten ja auch andere Urlaubsregelungen her.
    • Xiam schrieb:

      Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen haben aber gezeigt, dass an meiner Schule eine solche Präsenzpflicht nicht mehrheitsfähig wäre. Viele Kollegen wollen lieber zuhause arbeiten, vor allem aber hört man oft "Ich habe am Dienstag nur bis 11:20 Uhr Unterricht, und wenn ich dann noch bis 16 Uhr in der Schule bleiben müsste, wäre das blöde. Ich erledige da immer den Großeinkauf/gehe zum Friseur/mache Behördengänge/...)".

      Der Grund, warum eine Präsenzzeit in der Schule immer wieder gefordert wird, ist doch, dass sich in den privaten Arbeitszimmern von Lehrern unbezahlte und unregistrierte Überstunden anhäufen, die selbst in den Ferien nicht abgefeiert werden können.

      Solche "Luxusansprüche", die hier gegen die Präsenzzeit angeführt werden und die ich eigentlich gar nicht als Luxus empfinde, ließen sich doch mit Gleitzeitmodellen, die verbindliche Kernzeiten (Unterrichts- und Konferenzzeiten) vorsehen und darüber hinaus mit moderner Zeitmessung arbeiten, ohne weiteres verwirklichen.

      Das ist auf jeden Fall solchen Konstrukten wie dem hamburger Arbeitszeitmodell überlegen, bei dem irgendwelche Fantasiezeiten für Tätigkeiten (z.B. Klausurkorrektur) zusammengerechnet werden, um die Arbeitsanforderungen so schönzurechnen, dass sie auf die gesetzlich vorgesehene Arbeitszeit passen.