unzufiedenstellende kurzfristig kommunizierte Unterrichtsverteilung

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    • TheChris schrieb:

      ch würde es schwierig finden. Ich nutze die Ferien (und damit alle Ferien) in der Regel, um meinen Unterricht vernünftig vorzubereiten, um mich dann im Schuljahr zu entlasten. Habe meist eine hohe Korrekturbelastung und somit mach ich mir das Leben dann leichter. Ohne Druck macht das auch Spaß, kreativ an die Sache gehen zu können.
      bei uns sprang letztes Jahr unmittelbar vor Schuljahresbeginn ein neuer Kollege doch noch ab.
      Schwupp, war der ganze Stundenplan hinfällig.

      Da kann man sich noch viel wünschen und besser finden und und und..... an Stelle des Stundenplanmachers möchte ich nicht sein. Nie. Never.
      pingo, ergo sum
    • Friesin schrieb:


      bei uns sprang letztes Jahr unmittelbar vor Schuljahresbeginn ein neuer Kollege doch noch ab.Schwupp, war der ganze Stundenplan hinfällig.

      Da kann man sich noch viel wünschen und besser finden und und und..... an Stelle des Stundenplanmachers möchte ich nicht sein. Nie. Never.
      Ja- das hatten wir mit einer Schwangerschaft. So ist das Leben ;) Ist halt kein Ponyhof^^
      "If you never try, then you'll never know" - Coldplay
    • Wollsocken80 schrieb:

      Ich hatte meine Stundenzuteilung bereits im Februar und meinen Stundenplan im Mai.
      Da hast du es echt gut. Ich wusste vor den Ferien, was ich bekoome (bis auf eine kleine Veränderung), aber hatte noch keinen Stundenplan. Dann vergleiche ich das mit den anderen drei Schulen unserer Art in Hessen: 1. eine hat einen richtig fitten Konrektor und jeder ist mit fertigem Stundenplan in die Ferien gegangen, 2. ein Teil wusste in der ersten Ferienwoche Bescheid, 3. sie wissen gar nichts, nicht einmal, was sie an Fächern in welchen Stufen zugeteilt bekommen; das stellt sich erst in der ersten Woche nach den Ferien raus, die erste Woche ist Klassenlehrerunterricht. Da würde ich bei 36 Stunden verrückt werden.
      Frühzeitige Planungen werden von der Fachleitung, Stufenleitung oder anderen Beauftragten übernommen.
    • Wollsocken80 schrieb:

      Ich hatte meine Stundenzuteilung bereits im Februar und meinen Stundenplan im Mai.
      Erinnert mich irgendwie an die Diskussion mit meiner SL vor der letzten Klassenfahrt. Auf Anregung der SL sollten wir unbedingt in Hamburg in die Elbphilharmonie und da dann auch nicht bloß eine Führung durchs Haus sondern wirklich einem Konzert lauschen.

      Meine Antwort war nur noch: "Ok, dann geben sie mir jetzt schon einmal die Genehmigung für die nächste Klassenfahrt in 3 Jahren, auch wenn die Schüler erst im nächsten Jahr zu uns kommen, weil ich mindestens 2 Jahre im Voraus die Karten kaufen muß bei so einer großen Menge. Da kaufe ich dann auch gleich 32 Karten (30 Schüler, 2 Begleitpersonen), auch wenn nachher nur 19 Schüler fahren. Das muß dann halt auf die verbleibenden Schüler umgelegt werden."
      Danach hatte sich das Thema Konzert in Elbphilharmonie schlagartig erledigt. :D

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    • Bei uns wurden die letzten (Vertretungs-)stellen kurz vor Schuljahresende besetzt, zwei Tage später ging die Unterrichtsverteilung raus, so dass noch genug Zeit für die Fehlerkorrekturen, Änderungswünsche, Absprachen, usw. war.
      Den Stundenplan gibt's immer in der letzten Ferienwoche, einfach, weil wir schon zu oft schlechte Erfahrungen mit langfristig ausfallenden Kollegen gemacht haben. Wenn der Stundenplan am Anfang der Ferien fertig ist und dann plötzlich doch noch jemand, der viele Hauptfächer unterrichtet und Klassenlehrer ist, längere Zeit ausfällt, fängt man halt wieder von vorne an.... Und dann kommen zur doppelten Arbeit auch noch die Beschwerden der Kollegen, denen der erste Stundenplan aber besser gefallen hat....
      Außerdem bin ich am Ende des Schuljahres meist ziemlich durch und bin froh, wenn alles, was noch so eben erledigt werden muss, fertig wird. Nach der Erholung kann ich dann mit frischer Kraft und Motivation wieder an den Stundenplan gehen und habe auch eher wieder Lust noch bei Kollegin X zu schauen, dass sie immer zur ersten Stunde kommen darf und bei Kollege Y die Betreuung des Hundes miteinzuplanen...

      An meiner alten Schule gab es die Unterrichtsverteilung irgendwann in den Ferien per Mail - Änderungswünsche verboten. Den Stundenplan gab es einen Tag vor Schulbeginn, der war aber immer nur vorläufig und wurde dann nach zwei Wochen nochmal geändert...
    • In diesem Zusammenhang hätte einmal eine Frage an die Sek. II Lehrer, rein interessehalber:

      Was macht denn diese Mehrarbeit in der 13. Klasse Leistungskurs aus?
      Wie viele Stunden sind das Mehraufwand auf das ganze Schuljahr gesehen im Vergleich z.B. zu einer Mittelstufenklasse?
      Ich kann es mir höchstens noch in Deutsch durch die langen Aufsätze und die insgesamt längeren Arbeiten in einigen Fächern erklären. Bekommt man nicht für die Korrektur des Abiturs Korrekturzeiten und hat dann nach dem Abitur in diesen Klassen keinen Unterricht mehr? (Nachtrag: habe gerade gelesen, dass man dann Vertretungen machen muss...)

      Als Schülerin habe ich nie gemerkt, dass meine Oberstufenlehrer mit uns mehr Arbeit hatten als in den unteren Stufen. Wir waren ja auch selbstständiger, haben für einen Teil des Unterrichtsstoffs auch mal selbstständig durch Referate vorbereitet, wo der Lehrer gar nichts tun musste. Dass Gymilehrer den Stoff bis zur 13. Klasse durch ihr Studium beherrschen, setze ich voraus. Hausaufgaben werden nicht mehr groß vom Lehrer kontrolliert.

      Wenn man ein Stoffgebiet zum ersten Mal im Unterricht macht, muss man in jeder Klasse erstmal eine genauere Unterrichtsplanung machen, egal welche Klasse.
    • Wir schicken die Stundenpläne in der 1. Ferienwoche rum, die ganzen Rückmeldungen werden dann in der letzten Ferienwoche eingearbeitet, das stellt leider so einiges wieder um. Aber die Unterrichtsverteilung wird nur geändert, wenn was gravierendes ist (Schwangerschaft, Krankheit...).

      Ich bin seit langem nicht mehr in der Mittelstufe gewesen, empfinde die Oberstufe als etwas arbeitsintensiver, weil es (gerade am beruflichen Gymnasium) viele Themen in den Büchern nicht gibt und man jede Klausur neu erfinden muss. (Gerade FHR-Klausuren mit Kompetenzorientierung, also Hörverstehen, Leseverstehen,... da findet man teilweise schwer Texte in der richtigen Länge auf dem richtigen Niveau.)
      Zur LK Korrektur brauche ich schon viel Zeit (im Englisch LK und auch in Päda), aber dafür hat ein LK auch 5 Stunden, ein GK nur 3. In der Mittelstufe (kürzere, einfachere Klassenarbeiten) war ich da deutlich schneller.
      Hausaufgaben werden natürlich kontrolliert und eine Textanalyse in Englisch zu besprechen ist auch echt aufwändig.
      Abiturkorrekturen müssen halt nebenbei passieren und wenn man dann einen LK, einen GK und noch ne Zweitkorrektur, nebenbei mündliche Prüfungen hat ist das schon manchmal knapp. Ja, es fällt dafür Unterricht aus, aber das merke ich ehrlich erst nach den letzten Prüfungen. Ist aber wenn man nur Oberstufe hat wohl auch extremer. Dafür haben wir praktisch kaum Vertretung.
      Aber gut, hab ich mir so ausgesucht.

      Also Mehraufwand: Jein. Hängt auch von der Schule ab. Wir verteilen da ganz fair Korrekturentlastungen und mit ner Vollzeitstelle und nur schriftlichen Klassen bekommt man (bei uns!) auch bis zu 3 Stunden Korrekturentlastung. Hilft in der Klausurphase nicht, danach schon.

      Ach und nein: ich konnte nicht alle Inhalte. Appropriation, Gentechnik auf Englisch... aber ist ja auch schön mal was neues zu machen ;)
      Only Robinson Crusoe had everything done by Friday.
    • @'Caro
      Bei uns bin ich mit meinem allgemeinen Fach immer automatisch Tutor, d.h. die üblichen Klassenlehrerdinge wie Elterabende, Orgasachen, Studienfahrt werden von mir organisiert.
      Bei einem LK schreiben die Schüler normale Klausuren oft mehr als zweistündig und dementsprechend dauert die Korrektur länger. Alle Schüler des Lks schreiben beim Abi eine 6 stündige Klausur, die zu korrigieren und ein Gutachten anzufertigen ist. Hat man einen Gk in Deutsch, müssen zwar auch alle eine Prüfung ablegen, aber es sind auch mdl möglich. Die muss ich zwar auch erstellen und prüfen, es frisst aber nicht so viel Zeit wie die schriftlichen. Hinzu kommen die oben angeführten Prüfungskonferenzen, bei uns etwa 4/5 Termine.
      Korrekturtage? Davon kann ich nur träumen...die Osterferien sind meine Korrekturtage. In der ersten Woche nach den Osterferien heißt es dann Zweitkorrektur des parallelen Lks, dafür habe ich dann eine Woche Zeit parallel zum normalen Unterricht (auch die 13 BG hat Unterricht). Und sind die dann fertig, flattert die 12FOS Abschlussprüfung rein, natürlich parallel zu den mdl. Prüfungen im BG. Prost!

      Zu den Hausaufgaben:??? Natürlich kontrolliere ich sie bzw. nehme sie mit nach Hause, um den Schülern eine Rückmeldung zu geben. Und dabei handelt es sich um mehrseitige Charakterisierungen etc.
    • Karl-Dieter schrieb:

      yestoerty schrieb:

      Korrekturentlastungen
      Da würde mich jetzt mal interessieren: Aus welchem Topf kommen die? Also du meinst hier schon konkret Entlastungsstunden, die direkt Auswirkungen auf das Deputat haben? Oder meinst du tatsächlich wirklich drei einzelne freie Stunden?
      Ne, schon so richtig aufs Deputat angerechnet. Aus welchem der Töpfe die genau kommen weiß ich nicht. Wahrscheinlich aus mehreren? Als Anrechnungsgrund wird bei Untis (Beschluss der GLK angegeben). Ist mal so von der Lehrerkonferenz beschlossen worden und die werden dann nach einem Schlüssel verteilt. (Anzahl der Klausuren, FHR/ GK oder LK, Sprache oder nicht...) die Anzahl ist immer unterschiedlich, was halt so übrig ist. Bei 120 Kollegen sind es ca 60 Stunden.
      Only Robinson Crusoe had everything done by Friday.
    • @Caro07
      Ein "Knackpunkt" den ich da vor allem sehe ist - eine Übernahme in der 13. Den Kurs hat also vorher ein Kollege geleitet, der jetzt ausfällt. Das ist noch mal ein Unterschied zu einem LK, den du komplett durch die Oberstufe begleitest (wie es idR auch ist), denn du "darfst" dich da in den ganzen Stoff des Kollegen einarbeiten - immerhin kommt da am Ende ja das Abitur (samt Vorabi- und Abiturklausur).
      Und jetzt stell dir mal vor, du hattest mit diesem Kollegen vllt noch nie zu tun (was an größeren Schulen durchaus nicht ungewöhnich ist).

      Ich bekomme dieses Jahr - mal wieder, ist nicht so häufig - einen neuen LK. Den hab ich dann bis zum Abitur, da weiß ich, wie ich den Stoff einteile, wie ich was vermittle, usw... ich freu mich drauf. Ich habe es kurz vor den Ferien erfahren, und habe mir während der Ferien schon ein paar Gedanken gemacht...
      Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
      Die Grundlage des Glücks ist die Freiheit, die Grundlage der Freiheit aber ist der Mut. (Perikles)
      Wer mit beiden Füßen immer felsenfest auf dem Boden der Tatsachen steht, kommt keinen Schritt weiter. (Miss Jones)
      Wenn der Klügere immer nachgibt, haben die Dummen das Sagen - das Schlamassel nennt sich dann Politik (auch Miss Jones)
    • Ich kann das Problem auch nur sehr schlecht nachvollziehen. Ich habe fast jedes Schuljahr 13er in beiden Fächern. Sprich in der Regel um die 50 Klausuren Erstkorrektur. Bei der Zweit- und Drittkorrektur nimmt die SL Gott sei Dank Rücksicht auf diese Doppelbelastung so dass es da oft bei zweimal um die 20 bleibt... Trotzdem sind das halt insgesamt knapp 100 Klausuren (für die ich wenn es gut läuft sechs Korrekturtage insgesamt bekomme).

      Dazu habe ich meist noch ein Berufskolleg 2 (auch Oberstufe) in Englisch, bei dem auch eine Erst- und Zweitkorrektur anfällt. Hier sind es insgesamt an die 60 Klausuren...

      Nächstes Schuljahr wird bei mir ausnahmsweise mal recht chillig. Ich kann Bugwelle abbauen, habe daher nur 20 Stunden und "nur" 13er und BK2 in Englisch. Sonst keine Prüfungsklassen. Das Jahr drauf, aber wieder dasselbe Spiel. 13er in Mathe, 13er in Englisch, BK2 in Englisch und Abschlussklasse Wirtschaftsschule in Mathe...

      Wenn meine Freundinnen und Freunde, die alle am allgemeinbildenden Gymnasium unterrichten, sich beschwerden, sie müssten schon wieder eine Kursstufe unterrichten und hätten dann zwei Jahre hintereinander Abi... Meine Güte, ich sage schon gar nichts mehr dazu... :autsch:

      Noch an den/die TE, falls er/sie überhaupt noch mitliest: Sehe das als Chance. Du bist gezwungen, dein Zeitmanagement zu optimieren. Finde einen Weg. Ich kann das nur empfehlen. Ich habe mir über die Jahre auch zwangsweise ein optimales Zeitmanagement angeeignet und so gibt es während des Schuljahres echt lange Phasen, in denen um spätestens 16 Uhr der Griffel fällt.

      Ich nutze zum Beispiel die Sommerferien um sporadisch mal was fürs kommende Schuljahr vorzubereiten. Ich habe kommendes Schuljahr sechs Klassen. Zwei davon einstündig Englisch in der Berufsschule. Da gibt es Türschwellen-Didaktik, bzw. ich orientiere mich daran, was ich in den Durchläufen davor gemacht habe. Die anderen Klassen sind alle Oberstufe. BG und BK. Da steht der Unterricht komplett bis auf das zweite Halbjahr der 13. Klasse. Ferien haben wir seit 2,5 Wochen, aber es war so heiß, dass man eh nur in den frühen Morgen- und späten Abendstunden raus kann. Männe darf noch eine Woche arbeiten bis zum Urlaub; die Hunde liegen regungslos auf den Fliesen. Und bevor ich irgendwie Zeit totschlage, mache ich halt was für die Schule. ;)
    • @Caro07
      Ich sehe es vor allem als Abwechslung. Durch meine Fächer habe ich eben (fast) nur Kurse, diese sind meist dreistündig. Dementsprechend viele verschiedene habe ich dann eben (volles Deputat). Sind zwar auch so schon "Wahlfächer", aber ein LK ist dann idR noch motivierter, und ich habe mehr Zeit, Themen zu vertiefen, die sonst vllt nur kurz angeschnitten werden können, oder die sogar der Zeit komplett zum Opfer fallen. Ich mag meine Fächer, von daher wird das wohl Spaß machen (wir sprechen in diesem Fall konkret von Kunst).

      Aber es ist auch wirklich etwas anderes, wenn du den Kurs über die gesamte Oberstufe koordinierst und weißt, welche Themen du wann, wie und wie ausführlich behandelst. Wenn das ein Kollege schon zwei Jahre gemacht hat, und dann ausfällt - der das dann übernehmen muss hat unter Umständen in dem einen Jahr mehr Stress als wenn er den Kurs drei Jahre hätte, weil vllt komplett anders strukturiert, vllt Themen, mit denen man selber bisher nicht gearbeitet hat oder auch nichts anfangen kann, usw...
      "nervig" ist sowas immer.
      Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
      Die Grundlage des Glücks ist die Freiheit, die Grundlage der Freiheit aber ist der Mut. (Perikles)
      Wer mit beiden Füßen immer felsenfest auf dem Boden der Tatsachen steht, kommt keinen Schritt weiter. (Miss Jones)
      Wenn der Klügere immer nachgibt, haben die Dummen das Sagen - das Schlamassel nennt sich dann Politik (auch Miss Jones)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Miss Jones ()

    • Ich unterrichte ja am Weiterbildungskolleg. Dort arbeiten wir ja in Semestern, das heißt Abitur findet auch im Herbst im statt. Demnach hat eigentlich jeder Kollege jedes halbe Jahr mit dem Abitur zu tun.

      Allerdings ist unser System auch so klein, dass sich die Anzahl der Korrekturen in ganz anderen Dimensionen bewegt.
    • @Caro07 Ich denke, es ist ein weit verbreitetes Missverständnis, dass die höhere Selbständigkeit von Oberstufenschülern zu einer Arbeitsentlastung für uns Sek-II-Lehrpersonen führt. Dieses Missverständnis ist allerdings auch unter Sek-II-Kollegen bis zu einem gewissen Grad verbreitet. ;) Ich unterrichte ja nur 10. - 13. Klasse und mehrheitlich Schwerpunktfach, was in etwa einem deutschen Leistungskurs entspricht (nur dass es bei uns halt über alle 4 Jahre die beiden Leistungsniveaus gibt). Als erstes vorneweg: Ich betrachte das natürlich nicht als "Aufwand", es ist halt meine Arbeit, für die ich bezahlt werde. Ich habe auch beim Vorstellungsgespräch der Schulleitung direkt gesagt, ich unterrichte nicht an einer Schule, an der ich kein Schwerpunktfach bekomme.

      Das zentrale Lernziel des Unterrichts in der Oberstufe ist natürlich die Studierfähigkeit der SuS und das sollte jeder Sek-II-Lehrer auch ernst nehmen. Ich versuche gerade auch relativ verzweifelt unserem Lehramtsanwärter klar zu machen, dass er sich die Fachinhalte aus der Chemie eigentlich an den Hut stecken kann, wenn er es nicht schafft, den Schülern Lern- und Arbeitstechniken zu vermitteln, mit denen sie nachher an der Uni überleben können. "Selbständigkeit" muss erlernt und gelehrt werden, das kommt nicht "einfach so" mit dem 16. oder 17. Geburtstag der Jugendlichen. Das ist in etwas so, wie wenn Du Deinen Grundschulkindern das Lesen und Schreiben beibringst. Nur wahrscheinlich subtiler, weil Du ja recht genau weisst, was die Kinder am Ende können sollen, "Selbständigkeit" dagegen ist aber ein recht schwammiger Begriff. In jedem Fall kann ich meinen SuS nicht einfach ein Skript hinknallen und ihnen sagen "Da ... mal bitte bis in 3 Wochen ausfüllen, ich gehe dann Kaffee trinken" (überspitzt ausgedrückt natürlich).

      Ich muss bei der Vorbereitung der Materialien sehr genau überlegen, was die SuS denn nun *wirklich* ohne meine Hilfe bearbeiten können, sprich ich muss ihre Vorkenntnisse sehr genau kennen und zusehen, dass sie für neu zu erarbeitende Inhalte auch Zugang zu geeigneten Informationsquellen haben. Letzteres ist in einem Fach wie Chemie einigermassen schwierig, weil die SuS bei Internet-Quellen z. B. kaum selbst entscheiden können, ob das jetzt brauchbar ist oder nicht (sie haben einfach von allem im Fach viel zu wenig Ahnung). Also muss ich vor einer wirklich selbständigen Phase Stunden um Stunden erst mal alles vorsichten, bevor ich mein Material rausgeben kann. Dann muss ich auch immer geeignete Repetitions-Schleifen einbauen, sprich Themen aus der Vergangenheit wieder aufgreifen und dem aktuellen Stoff entsprechend erweitern. Klingt logisch, wird aber von nicht gerade wenigen Kollegen gerade in meinem Fach gerne mal vergessen. Am Ende kommt dann die Maturprüfung und es heisst "Ach ... ja das mit den Zwischenmolekularen Kräften und den Funktionellen Gruppen müssen Sie schon auch können!". Da knallen die SuS freilich zurecht mit dem Kopf auf den Tisch, weil sie sich mit den Themen zuletzt vielleicht vor 2 Jahren beschäftigt haben und von Jugendlichen an einer Schule kann nun mal kein Mensch erwarten, dass die freiwillig und selbständig auf die Idee kommen, das zwischendurch einfach so noch mal anzuschauen. Das ist kompletter Bullshit. Es sind Jugendliche, die nicht mit nur einem Fach, sondern mit zwölf Fächern oder gar noch mehr belästigt werden, wovon sie maximal die Hälfte überhaupt interessiert.

      Ich muss also auf der fachlichen Ebene die ganze Zeit über recht weit voraus und auch immer recht weit zurück denken, also stets die ganzen 4 Jahre im Blick haben. Auch wenn hier von Sek-II-Kollegen gerne mal was anderes behauptet wird, bin ich auf fachlicher Ebene durchaus auch hin und wieder auf Uni-Niveau unterwegs. Vielleicht gibt das die strenge Lehrplanbindung in Deutschland nicht her, das weiss ich natürlich nicht. Ich lasse meine SuS aber eben schon hin und wieder sehr komplexe Zusammenhänge erarbeiten oder sehr verschachtelte Rechenaufgaben lösen, die ich mir aus irgendwelchen Uni-Arbeitsblättern hole. Nur leider steht da in der Regel kein Rechenweg dabei oder wenn, dann ist er so kompliziert (weil z. B. über Differentialrechnung exakt gelöst, was meine SuS gar nicht können), dass er für mich unbrauchbar ist. Also sitze ich und löse alles selbst und überlege mir, wie ich den Rechenweg sinnvoll in Einzelschritte unterteile, dass auch der Schwächste im Kurs noch schnallt, worum es eigentlich geht. Und dann habe ich natürlich immer Leute im Kurs, die's einfach können und mit den fiesesten Fragen um die Ecke kommen, auch darauf muss ich vorbereitet sein. Ich mache das nicht um besonders cool dazustehen "Oh meine SuS können Uni-Aufgaben lösen!", sondern weil es an der Stelle primär um Löse*strategien* geht. Die SuS sollen sehen, an was man alles gleichzeitig denken muss, wenn man mal vor einer wirklich komplizierten Aufgabe sitzt.

      Als nächstes kommt die praktische Arbeit. Ich nehme an, dass es das auch in Deutschland in einem Chemie-LK gibt, selber hatte ich Mathe und Bio als LK ohne praktischen Anteil, aber das ist bald 20 Jahre her. Die Versuche fallen nicht vom Himmel, auch wenn natürlich alles schon mal gemacht worden ist, aber halt nicht genau in unserem Labor mit unserem Möglichkeiten. Also muss ich alles selber ausprobieren, Volumina und Mengen anpassen, eventuell Arbeitsschritte substituieren weil die entsprechenden Gerätschaften bei uns nicht vorhanden sind und eine sinnvolle Versuchsauswertung, die irgendwie mit dem Theorieunterricht zusammenpasst, muss natürlich auch noch gemacht werden. Jetzt könnte man natürlich einfach jedes Jahr das gleiche machen, dazu hat aber bei uns keiner Lust, weil's uns irgendwann einfach anödet. Also tauschen wir jedes Jahr 1 - 2 Versuche, was halt wieder dazu führt, dass man steht und ausprobiert, ggf. verwirft und wieder von vorne anfängt. Im Praktikum selbst arbeiten die Jugendlichen so weit es geht selbständig. Ich sitze aber nebendran, habe ein wachsames Auge drauf und muss im Zweifelsfall jederzeit springen können. Dazu muss ich natürlich jeden Handgriff vorhersehen können um abschätzen zu können, ob der Schüler jetzt grade kurz davor ist, einen Bock zu schiessen. Habe ich selber nicht vorher alles mal ausprobiert, endet so ein Praktikum sehr schnell im gefährlichen Chaos.

      Sehr anstrengend aber auch sehr spannend wird es, wenn es um Projekt- oder Maturarbeiten geht. Da suchen sich die SuS dann Themen aus, die natürlich auch schon mal gemacht worden sind, denken sich aber eine eigene Fragestellung aus, so dass das Ergebnis der Experimente schlussendlich unbekannt ist. Da muss ich nun als betreuende Lehrperson sehr weit voraus denken können und vor allem sehr flexibel sein um die Auswahl der Methoden z. B. spontan so anpassen zu können, dass aus einem anfänglichen Misserfolg eben doch noch was wird. Der Schüler ist an dieser Stelle zumindest in meinem Fach überhaupt nicht in der Lage absehen zu können, ob seine geplanten Experimente erfolgreich sein werden oder nicht. Das kann er einfach nicht, weil ihm die Erfahrung fehlt. So lernt der Schüler denn auch, dass es ohne sorgfältige Planung gar nicht geht, eine zu ausführliche Planung aber Zeitverschwendung ist, weil gewisse Dinge ohnehin nicht vorhersehbar sind.

      Die scheinbare Selbständigkeit der Jugendlichen ist also hintenrum von der Lehrperson eigentlich recht stark gelenkt und kontrolliert. Wenn man's richtig macht. Wenn man sich hinstellt und sagt "So ... ihr seid jetzt selbständig", dann hat man erheblich weniger Arbeitsaufwand, aber eigentlich könnte man's auch gleich bleiben lassen, weil's eh nichts bringt. Ach ja ... den ganzen Aufriss habe ich so, wie hier beschrieben, auch nur in den Schwerpunktfachkursen. Die Grundlagenfachkurse laufen so nebenher, da kann ich chillen. Das gilt natürlich absolut nicht für jedes Fach, aber in der Chemie ist es einfach so, dass es im Grundlagenfach die wenigsten SuS wirklich interessiert und sie können die Fachinhalte auch wirklich für nichts gebrauchen, wenn sie nichts in die Richtung studieren. Da sind wir dann alle gemeinsam froh, wenn der Aufwand möglichst klein bleibt. Grundlagenfach-SuS belästige ich nicht gross mit Selbständigkeits-Trallafitti. Dafür haben die ihre Schwerpunktfächer in denen die Kollegen das dann hoffentlich erledigen. :) Es ist in jedem Fall soooo viel weniger Aufwand, sich einfach hinzustellen und zu sagen "Gucken Sie mal, das lustige Experiment hier ... jetzt schreiben wir schön brav auf, was wir beobachtet haben und wie wir das erklären können."

      So, das ist natürlich jetzt viel Text aber ich hoffe, das gibt Dir ein bisschen ein Gefühl dafür, was so ein LK bzw. ein Schwerpunktfach an Arbeitsaufwand bedeuten *kann*. Hängt ja immer alles davon ab, was man als Lehrperson draus macht, aber das ist wohl auf jeder Stufe und an jeder Schulform so.
    • Ich finde auch die Oberstufe hat sich mit G8 noch verändert.

      Mit meinen Fächern unterrichte ich übrigens auch lieber im Lk, die Klausuren sind zwar länger, aber dafür weniger (bei 15 Stunden LK 3 Stapel, 15 Stunden GK sind 5 Stapel). Man kennt die Gruppe besser, fühlt sich weniger gehetzt im Quartal...

      Ich achte aber auch darauf nicht zu viele Abschlussklassen in einem Jahr zu haben.

      Aber in den FHR-Klassen bin ich auch gerne. Mit den Kompetenzorientierten Klausuren brauche ich zum Erstellen länger, bin aber in der Korrektur viel schneller.
      Only Robinson Crusoe had everything done by Friday.