Nun also doch - Gehaltszulage für Lehrer an Brennpunktschulen ?!

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    • Man kann im Verhalten der Arbeitgeber (= Bundesländer) natürlich leicht ein System erkennen, was den Lehrerarbeitsmarkt betrifft:

      In fiskalisch schlechten Zeiten (relativ wenig Steuereinnahmen) ist immer "kein Geld da", um die Arbeitsbedingungen zu verbessern, in fiskalisch guten Zeiten (wie jetzt: Rekordsteuereinnahmen seit Jahren auf allen staatlichen Ebenen) herrscht "plötzlich und unewartet" Lehrermangel (da der Beruf aktuell weder von den Arbeitsbedingungen noch von der Bezahlung für Leute attraktiv ist, die ansonsten vielleicht Lehrer geworden wären: dies betrifft nicht alle Fächer und alle Schulstufen gleichermaßen, wohl aber diejenigen, die in Konkurrenz zur "freien" Wirtschaft stehen, v.a. der mathematisch-naturwissenschaftliche Bereich).

      Also: Irgendetwas "hindert" die Bundesländer immer, die Arbeitsbedingungen für Lehrer zu verbessern, weshalb z.B. die allgemeine Arbeitszeitverkürzung seit den 50er-Jahren komplett an den Lehrern vorbeigegangen ist, siehe: ZDF-zoom: Was in Schule schiefläuft

      DESHALB traue ich den Rufen nach "Verbesserung der Arbeitsbedingungen" auch kein Stück, denn die sind im Zweifel spätestens beim nächsten Einbruch der Steuereinnahmen schnell wieder einkassiert, wie die Vergangenheit oft genug beweist, und habe lieber mehr Geld. Denn das nimmt einem so schnell keiner mehr weg...

      Gruß !
      Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

      "In theory there is no difference between theory and practice. In practice there is." (Yogi Berra)
    • Morse schrieb:

      Beispiel: das wichtigste ist, dass der Unterricht statt findet, egal wie, egal von wem - quasi hauptsache "auf dem Papier". Man denke nur an aktuelle Threads wie "zwei Klassen gleichzeitig unterrichten".
      Wenn ich mir die Stimmung in den Lehrerzimmern dazu hier im Forum allein anhöre, muss ich sagen: selber Schuld. Offensichtlich finden die meisten Kollegen das selbstverständlich.

      Von Seiten der Behörden finde ich das Vorgehen logisch. Was du schwarz auf weiß hast, ist nachvollziehbar-> hier U-Ausfallstatistiken.

      Ich frag mich halt, was sich Kollegen immer an realistischen Verbesserungen vorstellen? Wenn ich sehe, was bei uns allein im Schulhaus verschlampt oder geklaut wird... Ich würde meinem Chef auch nicht mehr Geld in die Hand drücken, um Material zu kaufen. Und wenn ich sehe, was in Förderstunden so passiert, schweig ich lieber.

      Okay, "Inklusion" ist kacke umgesetzt, das wird noch 100 Jahre dauern. Aber solange Hattie verkündet, es ist egal, was passiert, solange der Lehrer seine Sache gut macht, nehm ich lieber das Geld und pfeif auf jährlich neue Schülercomputer.
    • Krabappel schrieb:

      Ich frag mich halt, was sich Kollegen immer an realistischen Verbesserungen vorstellen? Wenn ich sehe, was bei uns allein im Schulhaus verschlampt oder geklaut wird... Ich würde meinem Chef auch nicht mehr Geld in die Hand drücken, um Material zu kaufen.
      Meiner (zugegeben bescheidenen) Erfahrung nach hängt das eine mit dem anderen direkt zusammen. Mein Ref habe ich an einer wirklich gut ausgestatteten Schule gemacht, heißt: Grundsanierung war 2 Jahre vorher abgeschlossen worden, die technische Austattung toll (top?) (in der Mehrheit der Räume festinstallierte Beamer mit Computern, dazu noch 3 mobile Beamerwagen mit angeschlossenen Laptops, DVD-/BluRay-Playern und Boxen sowie Dokumentenkameras, Laptops im Klassensatz, 2 Computerräume, drei moderne Kopierer, schnelles WLAN, 2 WLAN-Drucker, kostenlosen farbigen Fotokarton und kostenlose Posterrollen, kostenlose OHP-Folien und kostenloses farbiges Papier) - und das alles für 750 Schüler bzw. nicht ganz 60 Kollegen. Hinzu kamen eine Bibliothek für die Schüler und eine für die Lehrer, in der die Fachschaften richtig viel und gutes (vom Zustand und Alter gesehen) Material stehen hatten. Dazu gehörten natürlich auch Audio-CDs und DVDs/BluRays. Besonders bei uns Anglisten ist mir da aufgefallen, dass viele Kollegen auch privat angeschafftes Material bereitstellten. Es stand, mit Namen irgendwo im Einband stehend, dort im Regal neben dem Fachschaftsbesitz, undzwar weil dort _nichts_ verschwunden ist! Garnichts! Warum auch? Es war ja für jeden alles da und zugänglich. Schulbücher, Handreichungen und Workbooks für alle meine Klassen/Kurse hatten die Lehrer selbstverständlich am 1. Schultag des Schuljahres auf ihrem Platz im Lehrerzimmer gestapelt liegen gehabt, am Ende des Schuljahres brachten sie es zurück. Warum sollte ich das Zeug klauen, wenn ich es doch gestellt bekomme und - natürlich! - dasselbe Materialpaket auch nochmal für alle Kollegen zugänglich in der LehrerBib steht? So hatte ich sowohl zu Hause als auch in der Schule immer alles vorliegen, was ich brauchte. Es war traumhaft!
      An meiner jetzigen Schule gibt es NICHTS! Ich war geschockt, als ich an die Schule kam und erfuhr, dass wir keine Bücher gestellt bekommen, dass die Fachschafts"bibliothek" aus zwei abonnierten Fachzeitschriften, vereinzelten Schulbüchern in abgewracktem Zustand (die aus dem Schülerbestand zum Wegschmeißen aussortiert wurden) und einigen jahr(zehnt)ealten RAAbits-Ausgaben besteht, die aber (weil ja immer alles geklaut wurde) weggeschlossen sind, sodass man immer nur in den Pausen, wenn der Fachschaftsvorsitzende (der alleine den Schlüssel hat) da ist, überhaupt reinschauen könnte. Tut natürlich keiner. Mein Vorstoß, doch mal Material zu kaufen, stieß auf taube Ohren in der Fachkonferenz: "Haben wir doch alles schonmal angeschafft, das ist eh nach 2 Wochen wieder weg." "Ich kauf mir mein Material selbst, kann mich ja eh nicht drauf verlassen, dass das Zeug in der Schule dann da ist wenn ichs brauche!" usw. Es ist zum Mäusemelken. Sobald man mal ein Exemplar eines der alten Schulbücher in die Finger bekommt (oder aus irgendeinem Grund irgendwo eine OHP-Folie oder so rumliegt), nimmt man das Material mit nach Hause und bringt es im Idealfall dann, wenn man die Klasse abgibt und keine weitere Klasse in dieser Stufe mehr haben wird, wieder mit - legt es also irgendwo hin, wo es sich dann der nächste klaut. Man beteiligt sich also an dem elenden Geklaue, weil alle es tun und man keine andere Wahl hat; auf anderem Wege kommt man nicht an das benötigte Material dran. Entweder man kauft alles (was bei einem auslaufenden Schulbuch nunmal wirklich absolut verschwendetes Geld ist!), oder man nimmt mit was man kriegen kann. Quasi aus "Notwehr". Es ist ein Teufelskreis: Wir haben nichts - wir nehmen mit was wir kriegen können - wir kriegen nichts, weil ja immer alles wegkommt. Ich bin überzeugt: Hätten wir Zustände wie an meiner Ref-Schule, würde auch das Geklaue aufhören. Man müsste sich nur mal wagen, Geld in die Hand zu nehmen, und die entsprechenden Umstände zu schaffen.

      aaah, herrlich, diese Katharsis, wenn man sich den Frust mal von der Seele schreibt ;)
      Warum Trübsal blasen, wenn man auch Seifenblasen kann?
    • Also bestätigst du meinen Eindruck, dass Geldmangel im Schuletat nicht das Problem ist? Irgendwie hat es dein voriger Chef doch geschafft, den Kram beieinandertzuhalten.

      Bei uns klauen übrigens Externe, vermute ich. Es verschwinden Elektrogeräte, die sicher kein Kollege mitnimmt. Und auch Sachen, die einfach verschlampt werden, weil sich keiner verantwortlich fühlt.

      Klar wären kleinere Klassen prinzipiell netter. Wie oft ist bei euch denn voll bis zum Teiler?
      Bei mir Kind 1 und 2 sind es je 25 Schüler in der Klasse. Bei mir auf Arbeit ist keine Klasse bis an den Rand voll. Für die anstrengenden Schüler kann der Arbeitgeber ja nix.
    • So allgemein würde ich dem nicht zustimmen. Wie gesagt, meine Ref-Schule war gerade kernsaniert und fantastisch ausgestattet worden. Wie sie zu dem Glück gekommen sind, weiß ich nicht.
      An meiner jetzigen Schule wäre eine grundlegende Sanierung ebenfalls wünschenswert, wir haben momentan 2 Räume in denen nicht mehr unterrichtet werden kann, weil es nicht sicher ist, da in beiden Räumen Deckenplatten runtergekommen sind. Dass ähnliches in anderen Räumen vorkommen könnte, ist entsprechend wahrscheinlich. Aber was sollen wir machen, irgendwo müssen wir ja bleiben. Die Sportkollegen klagen ständig über den Zustand der Turnhallen, und die Medienausstattung ist i.A. auch deutlich ausbaufähig. Die Stadt steht aber unter Haushaltsaufsicht, für Neuanschaffungen ist nur in begründeten Ausnahmefällen Geld da, und wann diese erfolgen, selbst wenn sie genehmigt werden, steht (ebenso wie bei allen Ersatzbeschaffungen) in den Sternen. Hier fehlt es definitiv an Geld!!

      Anders sieht es mit dem Fachschaftsbudget in meinen beiden Fächern aus, da wäre der ein oder andere Sprung ganz klar drin, wird aber nicht gemacht. In einem der Fächer bekommen wir schon gar kein Geld mehr, weil das Konto so hoch ist, dass der jährliche Etat auf die "ärmeren" Fachschaften aufgeteilt wird. Es freut mich für die Künstler, aber ich finde das, in Anbetracht der mehr als mangelhaften Ausstattung in meinen Fächern, skandalös. Diese Ansicht teilen auch die Kollegen, aber mit Anschaffungsvorschlägen stehe ich (wie gesagt) trotzdem so ziemlich allein auf weiter Flur. Meine Anschaffungsvorschläge und -wünsche stoßen auf taube Ohren (Schulbücher, Handreichungen, etc.: "Nee, verschwindet eh nur wieder." Wörterbücher oder Wandkarten für die Klassenräume: "Werden immer zerrissen, lohnt sich nicht." Verbrauchsmaterial wie OHP-Folien oder mediale Ausstattung wie Dokumentenkamera: "Soll doch die Schule sowas holen, warum sollen wir das vom Fachschaftsbudget zahlen?" - prinzipiell ja richtig, aber mit dem Prinzip, lieber nichts zu kaufen, schießen wir uns mMn schlussendlich ins eigene Knie, da es bedeutet, dass sich einfach nichts tut, außer dass "unser" Geld an andere Fachschaften geht).

      Und sowas wie kleinere Klassen/ mehr Kollegen können wir uns vom überschüssigen Geld des Fachschaftsetats natürlich erst Recht nicht kaufen.

      Also: Mehr Geld für bessere (materielle und personelle) Ausstattung wäre mMn durchaus sinnvoll. Und bitte jemand, der das auch sinnvoll verwaltet.

      P.S.: Da du fragtest: In der Unterstufe kratzen alle Klassen am Teiler, wenn es durch Sitzenbleiber oder Schulwechsler blöd läuft überschreiten wir ihn auch manchmal (aufteilen will unsere Schulleitung nicht, weil man ja "die vorherige Klasse nicht auseinanderreißen kann, nur weil da jemand dazukommt. Das ist schließlich ein Sozialgefüge!" - ich hoffe ja, dass die bald anstehende neue Schulleitung das anders sieht). In der Qualifikationsphase sind die Kurse dann aber kleiner, in Hauptfächern meist 22-25, in Nebenfächern variiert es sehr stark (Luxuskurse mit 12 Schülern kommen jedes Schuljahr in fürs Schulprofil existenziell wichtigen Fächern vor, es kann aber auch mal ein Kurs im höheren 20er-Bereich vorkommen).
      Warum Trübsal blasen, wenn man auch Seifenblasen kann?
    • Mikael schrieb:

      ...
      DESHALB traue ich den Rufen nach "Verbesserung der Arbeitsbedingungen" auch kein Stück, denn die sind im Zweifel spätestens beim nächsten Einbruch der Steuereinnahmen schnell wieder einkassiert, wie die Vergangenheit oft genug beweist, und habe lieber mehr Geld. Denn das nimmt einem so schnell keiner mehr weg...

      Gruß !

      Diese "Gefahr" kann ich nachvollziehen. Ich halte sie für realistisch. Es kommt dann auf die Gegenwehr an. Auch finanzielle Leistungen sind doch gekürzt oder gar abgeschafft worden (Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld bzw. siehe die Einbußen infolge Angestellenstatus).
      (1) Für alles gibt es ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.
      (2) Wenn der falsche Mensch etwas Richtiges sagt, dann ist das Gesagte automatisch wertlos.
    • Morse schrieb:

      ...
      Ich teile Deinen Wunsch - besserere Arbeitsbedingungen - natürlich, aber diesen Gedanken, dass wir mit unserem Interesse, dass dem des Arbeitgebers so dermaßen entgegensteht, da überhaupt etwas zu mitzubestimmen hätten, geschweige denn eine Auswahl zu treffen zw. Löhnen und Arbeitsbedingungen, den halte ich für verkehrt. Das entspricht einfach nicht dem Verhältnis von Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Wünschen kann man sich immer viel, klar. Aber solche dezidierten Forderungen erwecken bei mir den Eindruck, dass man sich über dieses Verhältnis nicht im Klaren ist. Die Mitbestimmung ist in dem Maß vorhanden, in dem Man Druck ausüben kann. Nicht immer, aber meistens sitzt der Arbeitnehmer am längeren Hebel. Schon alleine dadurch, dass sein Profit durch die Anstellung des Arbeitnehmers, also die Rendite seiner Investition, überhaupt deren Bedingung ist. ...

      Wie in dem Kommentar zuvor geschrieben, ist genaugenommen NICHTS sicher vor den Eingriffen des Arbeitgebers (wenn es mal keinen Lehrermangel mehr gibt). Deshalb brauchen wir auch dann die Schlagkraft der Arbeitnehmervertretungen (Gewerkschaften und Berufsverbände). Sie scheinen sich nach meinem Eindruck jetzt zu sehr auf mehr Gehalt zu konzentrieren bzw. damit zufrieden zu geben. "Böse Zungen" behaupten ja, weil sie nur davon auch selbst profitieren.

      Genauso wie die Arbeitnehmervertretungen jetzt Gehaltserhöhungen durchsetzen können, die wir nicht wirklich brauchen, müssten sie doch auch Verbesserungen der Arbeitsbedingungen durchsetzen können, die auch kosten, und ggf. ihre Rücknahme verhindern.
      (1) Für alles gibt es ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.
      (2) Wenn der falsche Mensch etwas Richtiges sagt, dann ist das Gesagte automatisch wertlos.
    • Wenn ich alles lese, was @Midnatsol schreibt, frage ich mich wieder: Und die Lösung soll darin bestehen, dass wir uns die Gehälter erhöhen lassen bzw. eine 300,-Euro-Zulage bekommen? Und dann ist alles wieder gut?

      Nein, einfach nur die Gehälter erhöhen, ist die einfachste Lösung für die Politiker, nicht für uns. Unsere Probleme löst das nicht!

      Idee nebenbei: Eine Erweiterung des Konzepts der selbstständigen Schule darum, dass diese ein Budget bekommt, aus dem sie ALLES selbst bezahlt, also die Gehälter selbst bestimmt und die Ausgaben für Anschaffungen aller Art, auch Klassengrößen, Stundensoll und und und ... Da wäre ich mal gespannt, wie die Schulen es jeweils entscheiden würden (höchste Gehälter bei minimalster Ausstattung und mieseste Arbeitsbedingungen oder moderate Gehälter und bestmögliche Ausstattung und Arbeitsbedingungen ?).

      Müsste man mal einen Modellversuch starten. Irgendwann, irgendwo. ;) Oder gab es sowas schon?
      (1) Für alles gibt es ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.
      (2) Wenn der falsche Mensch etwas Richtiges sagt, dann ist das Gesagte automatisch wertlos.
    • sofawolf schrieb:

      Morse schrieb:

      ...
      Ich teile Deinen Wunsch - besserere Arbeitsbedingungen - natürlich, aber diesen Gedanken, dass wir mit unserem Interesse, dass dem des Arbeitgebers so dermaßen entgegensteht, da überhaupt etwas zu mitzubestimmen hätten, geschweige denn eine Auswahl zu treffen zw. Löhnen und Arbeitsbedingungen, den halte ich für verkehrt. Das entspricht einfach nicht dem Verhältnis von Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Wünschen kann man sich immer viel, klar. Aber solche dezidierten Forderungen erwecken bei mir den Eindruck, dass man sich über dieses Verhältnis nicht im Klaren ist. Die Mitbestimmung ist in dem Maß vorhanden, in dem Man Druck ausüben kann. Nicht immer, aber meistens sitzt der Arbeitnehmer am längeren Hebel. Schon alleine dadurch, dass sein Profit durch die Anstellung des Arbeitnehmers, also die Rendite seiner Investition, überhaupt deren Bedingung ist. ...
      Wie in dem Kommentar zuvor geschrieben, ist genaugenommen NICHTS sicher vor den Eingriffen des Arbeitgebers (wenn es mal keinen Lehrermangel mehr gibt). Deshalb brauchen wir auch dann die Schlagkraft der Arbeitnehmervertretungen (Gewerkschaften und Berufsverbände). Sie scheinen sich nach meinem Eindruck jetzt zu sehr auf mehr Gehalt zu konzentrieren bzw. damit zufrieden zu geben. "Böse Zungen" behaupten ja, weil sie nur davon auch selbst profitieren.

      Genauso wie die Arbeitnehmervertretungen jetzt Gehaltserhöhungen durchsetzen können, die wir nicht wirklich brauchen, müssten sie doch auch Verbesserungen der Arbeitsbedingungen durchsetzen können, die auch kosten, und ggf. ihre Rücknahme verhindern.

      Wo siehst Du eine "Schlagkraft" oder ein "durchsetzen können" der Gewerkschaften oder Verbände? Welche Mittel haben sie dafür?

      Gibt es ein Beispiel für einen Arbeitskampf von Lehrern in Deutschland? Ich meine nicht.
      In Berlin z.B. gab es ja eine Art "Warnstreik" von Angestellten Lehrern, aber nie einen richtigen Streik. (Zum Unmut einiger Beteiligter, die daraufhin aus der Arbeitnehmervertretung ausgetreten sind.)
      Und bei Beamten sieht das nochmal ganz anders aus, dort bleiben nur illegale Streiks oder Methoden wie "Dienst nach Vorschrift"/"Bummelstreik". Gab es schon Arbeitskämpfe von Beamten?

      Damit wir uns nicht falsch verstehen: sobald es irgendeine Verbesserung gibt an Gehalt oder Arbeitsbedingungen, reklamiert das jeder Verband oder Gewerkschaft für sich als ihren Erfolg. Das schon.
      Aber dass diese tatsächlich "erkämpft" worden sind, glaube ich nicht. Wodurch denn? Mit welchen Mitteln?
    • sofawolf schrieb:

      Da wäre ich mal gespannt, wie die Schulen es jeweils entscheiden würden (höchste Gehälter bei minimalster Ausstattung und mieseste Arbeitsbedingungen oder moderate Gehälter und bestmögliche Ausstattung und Arbeitsbedingungen ?).
      Da dieser Beruf voller Idealisten ist, könnte es leicht passieren, dass da eine Schule mit minimalsten Gehältern und super Ausstattung herauskommt. Auch so eine Schule würde vermutlich genug Lehrer finden, zugebenermaßen vermutlich nicht aus dem MINT oder wirtschaftlichen Bereich. Aber vielleicht eine große Menge an Lehrerinnen, die den Beruf als Berufung sehen und die vermögende Männer haben.
      Das ist ja einer der Gründe, warum die Arbeitsbedingungen so schlecht sind, die Schulen schlecht ausgestattet. (Genug) Lehrer arbeiten auch unter solchen Bedingungen.

      Zwingt mal einen Akademiker oder generell einen Beamten mit A13 dazu in einem Jugendherbergszimmer eine Woche lang zu übernachten und morgens Hagebuttentee und einfache Schrippen zu essen und sich auch noch die Nacht mit Lärm herumzuschlagen. Der würde euch den Vogel zeigen und auf eine Übernachtung im Hotel bestehen. Für Lehrer ist das völlig normal.
      Genauso erledigen Lehrer ganz viele Tätigkeiten, für die es in der Wirtschaft weniger qualifiziertes Personal gäbe.
    • Firelilly schrieb:

      Zwingt mal einen Akademiker oder generell einen Beamten mit A13 dazu in einem Jugendherbergszimmer eine Woche lang zu übernachten und morgens Hagebuttentee und einfache Schrippen zu essen und sich auch noch die Nacht mit Lärm herumzuschlagen.
      Wie oft gehst Du denn so konkret auf Schulreise? Ich hatte bislang noch nie Hagebuttentee und auch keine trockenen Schrippen auf Schulreise. Das Frühstücksbuffet im Dan-Hostel in Kopenhagen z. B. gibt bei weitem mehr her, als ich normalerweise zu Hause im Kühlschrank habe. Dort hatte ich auch eine 90 cm Matratze, zu Hause habe ich 20 cm weniger Platz. Gegen Lärm (den gibt's auch in Hotels) helfen Ohropax. Such doch einfach eine gescheite Jugendherberge raus und nicht irgendeine billige Absteige. Aber ich glaube ohnehin, dass Du hier mal wieder über Dinge schreibst, von denen Du in der Realität gar keine Ahnung hast. Geh Dich doch mit deinem Super-Diplom einfach mal in der Industrie bewerben, sollte doch möglich sein.
    • Wollsocken80 schrieb:

      Firelilly schrieb:

      Zwingt mal einen Akademiker oder generell einen Beamten mit A13 dazu in einem Jugendherbergszimmer eine Woche lang zu übernachten und morgens Hagebuttentee und einfache Schrippen zu essen und sich auch noch die Nacht mit Lärm herumzuschlagen.
      Wie oft gehst Du denn so konkret auf Schulreise? Ich hatte bislang noch nie Hagebuttentee und auch keine trockenen Schrippen auf Schulreise. Das Frühstücksbuffet im Dan-Hostel in Kopenhagen z. B. gibt bei weitem mehr her, als ich normalerweise zu Hause im Kühlschrank habe. Dort hatte ich auch eine 90 cm Matratze, zu Hause habe ich 20 cm weniger Platz. Gegen Lärm (den gibt's auch in Hotels) helfen Ohropax. Such doch einfach eine gescheite Jugendherberge raus und nicht irgendeine billige Absteige. Aber ich glaube ohnehin, dass Du hier mal wieder über Dinge schreibst, von denen Du in der Realität gar keine Ahnung hast. Geh Dich doch mit deinem Super-Diplom einfach mal in der Industrie bewerben, sollte doch möglich sein.
      Das kann ich schon so bestätigen, wie firelilly schreibt, aber andere Akademiker zwingt man zu Tagungen usw. also geht alles. Und ja bei der letzten Klassenreise hatte ich meine Margarine z.B. selber mit, damit ich kein trockenes Brötchen essen muss, aber ich hätte auch immer die Wahl mit Vollkornbrot gehabt und anderes gibt es bei uns zu Hause auch nicht, nur der Belag war für mich sehr dürftig, aber das habe ich auch oft in Hotels, weil die einfach nicht auf Allergiker richtig eingestellt sind, also würde das auch jedem anderen Akademiker so gehen. Und nachts Lärm kannst du auch im vier-Sterne Hotel haben. Also nichts, was uns Lehrer schlechter trifft als andere, meist sogar besser, denn viele andere werden auf Dienstreisen ohne Essen untergebracht.
    • sofawolf schrieb:

      Auch finanzielle Leistungen sind doch gekürzt oder gar abgeschafft worden (Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld bzw. siehe die Einbußen infolge Angestellenstatus).
      Das ist korrekt. Und deshalb ist die einzig sichere tatsächliche Verbesserung der Arbeitnehmersituation von Lehrern eine an die Gehaltsstufen gekoppelte Einkommensverbesserung - von A12 auf A13, z.B. Die kann nämlich nicht einfach so per Erlass weggenommen werden.

      Aber das willst du ja aus mysteriösen Gründen nicht.
    • Freakoid schrieb:

      Susannea schrieb:

      Mit Streiks ...
      Dafür ist hier im Westen die Angestellten-Quote unter den Lehrern noch viel zu gering. Und die streiken dann auch nicht für ein Ax nach Ay.
      Naja, das man nicht nur dafür streikt, sondern es noch mehr Forderungen gibt, ist doch klar. Und mal ganz ehrlich, die GEW hat es gerade wieder gefragt in ihrer Zeitung, warum streiken die Beamten nicht?!? Nur weil jemand sagt, sie dürfen nicht?

      Was passiert denn, wenn sie es doch tun, nichts(außer einen Satz in der Personalakte, mehr kann man sich doch gar nicht leisten bei dem Lehrermangel), also warum?