Chemnitz

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    • Miss Jones schrieb:

      Du musst mal von deiner "Delinquenten"-Denke wegkommen.
      Ein Delinquent ist für mich der, der vor Gericht steht, bei dem das Gericht festgestellt hat, daß er eine Straftat begangen hat und bei dem es jetzt um das Strafmaß geht, bevor das Urteil verkündet wird. Das hat mit Hartz 4 erst einmal nichts zutun.

      Wenn es dann aber um die Konsequenzen der verhängten Strafe geht, sind diese allerdings sehrunterschiedlich, abhängig davon ob man vom Sozialsystem lebt oder nicht.


      Miss Jones schrieb:

      Du darfst nicht denken, was in der BLÖD steht oder bei RTL II gesendet wird, sei die "Norm".
      Ich habe direkt hinterm Zaun ein Sozialwohnheim vor der Nase, in dem die Leute nach ihrer Haftstrafe erst einmal untergebracht werden, bevor eine Wohnung für sie gesucht wird. In der kurzen Zeit direkt nach Verbüßung der Haftstrafe sind die alle noch gut drauf, die Sozialarbeiter kommen ja auch täglich vorbei. So manche haben den Sozialarbeitern schon erzählt, daß es ihnen nach eigenen Begriffen im Knast besser ging als draußen, weil sie einfach eigenständig ihr Leben nicht auf die Kette bekommen. Bei der Lautstärke, mit der dort "diskutiert" wird, bekommt man das alles ja zwangsweise mit, auch auf 20m Abstand.

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    • Stille Mitleserin schrieb:

      ...
      Der große wunde Punkt ist aus meiner Sicht die reformierte Rente: man hat vielen Menschen mit den Rentenreduzierungen und mit dem Heraufsetzen des Rentenalters ein Versprechen auf ein Auskommen im Alter genommen (wenigen hier im Forum). Die Riesterverträge lohnen sich nur für die Versicherungswirtschaft, bei einer Nullzinspolitik muss man ein gutes Aktiennäschen haben, um sein Geld gewinnbringend anzulegen. Das war alles handwerklich sehr schlecht gemacht und hat die Rentenversicherung als gesellschaftlichen Kitt nachhaltig beschädigt.

      In Schweden und Norwegen gibt es jeweils einen staatlich aufgelegten Fond, in den die Bürger freiwillig einzahlen können und der mit minimalem Aufwand (und Kosten) gemanagt wird und sehr ertragreich ist. Viele legen ihr Geld dort an, es gibt auch Garantien des jeweiligen Staates dazu. Das baut Vertrauen auf.

      Ein Staat, der wie der unsere fast alles privatisiert hat, auch Themen wie die Gesundheit, übersieht, dass Märkte und Gewinnorientierung eben nicht sozial sind. Damit hat unser Land ganz viel Vertrauen verspielt. Unterfinanzierte Bildung und eine unterfinanzierte Polizei tun ein Übriges - die Kernthemen, die eben noch nicht privatisiert wurden und auf denen der Staat punkten könnte. Tut er aber nicht.

      Hohe Mieten und hohe Energiepreise sowie die höchsten Steuern europaweit tragen nicht dazu bei, dass die Menschen mit ihrem Staat zufriedener sind.
      Das klingt alles hochinteressant und ich bekomme Lust, dazu mehr zu lesen. Aber du musst zwei Sachen eingestehen: erstens, deine libanesischen Schüler haben damit nichts aber auch gar nichts zu tun und zweitens: Einer AfD kann niemand ernsthaft zutrauen, derlei Reformen zustande zu bringen. Und ich höre davon ehrlich gesagt auch nichts. Nie sah ich ein Pegida-Plakat, auf dem die Riester-Rentenproblematik angeprangert wurde, stattdessen wurden Politiker symbolisch am Galgen aufgeknüpft. Man muss schon aufpassen, wen man in Schutz nimmt, wenn man von den besorgten Bürgern spricht, die niemand Ernst nähme.
    • Hallo Krabappel,

      du hast Recht, wenn du sagst, dass meine libanesischen Schüler und andere Flüchtlinge und Migranten mit den Problemen nichts zu tun haben.

      Man soll eigentlich nicht den Einzelfall beschreiben, um daraus abstrakte Schlüsse zu ziehen, ich versuche es trotzdem:

      Die Mutter eines Jugendfreundes hat sich vor zwei Jahren mit starken Kopfschmerzen an ihren Hausarzt gewandt. Der verschrieb Migränetabletten. Sie kam regelmäßig wieder, die Tabletten halfen nicht. Der Arzt stufte sie schließlich als hysterische Frau in den späten Wechseljahren ein. Erst als ihr Mann sie nach mehreren Monaten begleitete, weil sie den Alltag kaum noch bewältigte, leitete der Arzt Untersuchungen ein. 4 Monate später ist sie an ihrem Hirntumor verstorben.
      Meinen Freund, gut verdienend und gut gestellt, hat das sehr verbittert. Als Berichte darüber kamen, dass osteuropäische Flüchtlinge das Asylrecht in Deutschland dazu nutzten, sich hier kostenlos ärztlich behandeln zu lassen, hat ihn das dazu veranlasst, die AFD zu wählen. Er hält unser "System" für marode und ungerecht, die etablierten Parteien für nicht regierungsfähig und selbstgerecht. Er ist kein Nazi und arbeitete stes mit Ausländern zusammen, unter denen er auch viele Freunde hat. Er wollte mit seiner Wahl seinen Protest zeigen, weil er der Meinung ist, dass sich in unserem Staat viel ändern müsse. Die Flüchtlingspolitik interessiert ihn dabei nur ganz am Rand.

      Ich will das jetzt nicht beurteilen. Ich will damit nur zeigen, dass es m.E. nach eine ganze Menge AFD-Wähler gibt, die die AFD aus Protest gewählt haben. Nichtwählen hat ja bei uns keine Auswirkungen (außer, dass ich in GK die Politikverdrossenheit behandle) und für die Gruppe der Unzufriedenen hat sich nun eine Chance ergeben, ihren Unmut so zu zeigen, dass es wahrgenommen wird und auch weh tut. Und das tut es ja. Dem Jugendfreund ist übrigens völlig klar, dass von der AFD keine Lösungen zu erwarten sind, das Personal der Partei findet er nicht gut.

      Im Übrigen denke ich, dass diese öffentliche Sicherheit (siehe Hobbes) ein Thema ist, das wirklich mit den Urängsten der Menschen spielt. Die Bedrohung ist eben nicht mehr nur diffus nach Fällen wie in Kandel oder Freiburg. Und es trifft Frauen und Kinder besonders häufig, die Wehrlosen also. Da verstehen die Leute keinen Spaß.
    • Ein verbitterter Mensch, der den Hass auf eine Fehldiagnose und den Tod seiner Frau auf "Osteuropäer" schiebt? Ich bitte dich, das kannst du nicht ernst meinen :ohh:

      Und mit "die Leute" meinst du schon dich, oder? Dann wüsste ich gern, wo du als Frau oder Kind betroffen bist. Sorry, es sammeln sich hier zwar allerlei Leute mit Studium und Verstand aber die Argumente scheinen mir nach wie vor irgendwo aus der Nähe der Amygdala zu finden sein.
    • @plattyplus
      ...so hat sich dasvorher aber nicht gelesen.
      Das Problem ist aber - weißt du, was ein Tag Haft "kostet"?
      So beißt sich die Katze in der Hinsicht in den Schwanz...

      @Krabappel
      ...so entsetzt bin ich über das, was @Stille Mitleserin da berichtet, nicht. Es ist natürlich falsch, eien absolut nicht taugliche Partei zu wählen, aber die AfD profitiert eben von solchen "verbitterten", die aus allen möglichen Gründen die Schnauze voll haben. Und die eben nicht "die Violetten" oder "die Tierschutzpartei" wählen. Wenn die Piraten mal von den Profilneurosen wegkämen und die Wähler verstünden, was Basisdemokratie wäre... aber dazu sind solche "Verbitterte" leider viel zu verkalkt und eingerostet in ihrem "Denken" (oder eher "Nicht-Denken").
      Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
      Die Grundlage des Glücks ist die Freiheit, die Grundlage der Freiheit aber ist der Mut. (Perikles)
      Wer mit beiden Füßen immer felsenfest auf dem Boden der Tatsachen steht, kommt keinen Schritt weiter. (Miss Jones)
      Wenn der Klügere immer nachgibt, haben die Dummen das Sagen - das Schlamassel nennt sich dann Politik (auch Miss Jones)
    • @Krabappel Im Gegensatz zu StillerMitleserin, deren Beiträge auf mich sehr besonnen wirken und auch zum Nachdenken und Recherchieren anregen, kommst Du und @Miss Jones eigentlich ein ums andere mal nur mit hysterischen Ausbrüchen, persönlichen Attacken und Pauschalisierungen ums Eck. Die Moderation ignoriert das, so viel hat Valerianus ja schon festgestellt. Insofern macht es wirklich überhaupt keinen Sinn, hier noch weiter zu diskutieren.
    • Krabappel schrieb:

      Einer AfD kann niemand ernsthaft zutrauen, derlei Reformen zustande zu bringen.
      Die AfD wird doch nicht gewählt, weil die so gut sind oder ein so tolles Wahlprogramm haben.
      Die werden gewählt, weil die anderen so schlecht sind. Das hat bei den anderen beisher nur keiner verstanden/verstehen wollen.
      Planung ersetzt Zufall durch Irrtum. :_o_P

      8_o_) Politische Korrektheit ist das scheindemokratische Deckmäntelchen um Selbstzensur und vorauseilenden Gehorsam. :whistling:

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von SteffdA () aus folgendem Grund: Rechtschreibfehler korrigiert.

    • Äh, als Kind bin ich jetzt nicht betroffen. Als Frau durchaus. Öfter mal. Auch im Unterricht. Geht den Kolleginnen übrigens ähnlich, der honeymoon ist nun mal vorbei. Wenn alles harmonisch läuft - prima. Bei Konflikten reagieren viele der jungen Männer auch schon mal offen aggressiv, wenn sie nicht bekommen, was sie wollen. Zum Beispiel Noten. Oder Anwesenheitsbescheinigungen (bei Abwesenheit). Ist einfach eine kulturelle Geschichte, ein echter Mann muss sich in der patriarchalischen Gesellschaft durchsetzen, sonst verliert er das Gesicht.

      Das mit der Protestwahl hast du schon verstanden? Ich habe übrigens nicht geschrieben, dass ich die Haltung des Jugendfreundes gut finde.
    • Wollsocken80 schrieb:

      @Krabappel Im Gegensatz zu StillerMitleserin, deren Beiträge auf mich sehr besonnen wirken und auch zum Nachdenken und Recherchieren anregen, kommst Du und @Miss Jones eigentlich ein ums andere mal nur mit hysterischen Ausbrüchen, persönlichen Attacken und Pauschalisierungen ums Eck. ...
      Das ist nicht wahr. Ich habe niemanden attackiert und rede die ganze Zeit davon, eben NICHT zu Pauschalisieren. Wenn ich das täte, würde ich sagen, dass "meine Kurden" die fleißigsten Schüler überhaupt sind und ich daraus schlösse, dass alle "Ausländer" fleißig seien. Humbug.

      Aus einem Einzelschicksal mit Wut auf den Hausarzt hahnebüchenes Protestwählen eines großen Teil der Bevölkerung zu entschuldigen, das ist Pauschalisierung.

      Vielleicht liest du einfach unsere Beiträge, bevor du dich dazu äußerst, ich habe Stille Mitleserins Beiträge durchaus gelesen und differenziert und sachlich, nicht persönlich, kommentiert.
    • @ Wollsocken:
      Hm, diese Definition finde ich bei Krabappel jetzt nicht wirklich zutreffendend. IHRE Beiträge sind weder pauschalisierend noch übertrieben.

      Kl.gr.Frosch

      <Mod-Modus >
      Aber auf die Attacken gegen andere User sollte der ein oder andere User hier mal verzichten. Wobei mir da auch eher andere Namen als Krabappel einfallen würden.

      Kl.gr.Frosch, Moderator
      [img]http://www.tibet-initiative.de/images/tibetflag-ani.gif[/img]Free Tibet!!
      ----
      Die meisten meiner Beiträge entstehen auf einer tablet-Tastatur. Da es dort kein haptisches Feedback gibt, schleichen sich schneller Tippfehler ein. Sorry.
    • Neu

      Ziemlich interessanter Artikel, der die Hinwendung zur rechten Extreme eher weniger im „sozialen Abgehängtsein“ als in narzisstischer Kränkung/subjektiven Demütigungsgefühlen sieht, die in jeder Schicht vorkommen können.
      Viele Sozialwissenschaftler kommen zu der überraschenden Erkenntnis: Für die Entstehung radikaler Strömungen werden wirtschaftliche Gründe bisher klar überschätzt. Da sind sich ausnahmsweise das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) und die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung einig. „Allein durch wirtschaftliche Schwäche lässt sich der regionale Erfolg der AfD nicht erklären“, heißt es in einer IW-Studie: Ihre westdeutschen Hochburgen habe die Partei in Bayern und Baden-Württemberg, zwei reichen Ländern, während sie im ärmeren Nordwesten von Nordrhein-Westfalen bis Schleswig-Holstein bei der Bundestagswahl über einstellige Ergebnisse nicht hinauskam.
      Ausschlaggebend seien vielmehr „kulturhistorische, soziokulturelle oder sozialpsychologische Faktoren“. Auch die Böckler-Forscher sagen, eigene Erfahrungen mit Arbeitslosigkeit hätten „keinen signifikanten Einfluss auf das Wahlverhalten“. Wohl aber spielten Abstiegsängste eine Rolle.
      (...) Nicht nur Modernisierungsverlierer haben eine Schwäche für radikale Ideen. Die Arbeitslosenquote kann noch so niedrig, das Wachstum noch so hoch sein, ein Teil der Bevölkerung fühlt sich trotzdem zurückgelassen. „Mit Statistik kommt man nicht gegen Gefühle an“, sagt der Bielefelder Soziologe Wilhelm Heitmeyer. „Die AfD schafft es, aus der individuellen Ohnmacht kollektive Machtphantasien zu bauen.“ Diese Art der Radikalisierung fand schon lange vor Chemnitz und Köthen statt, sogar vor der Gründung der Pegida-Bewegung vor vier Jahren. Das Potential war latent schon vorher da, Heitmeyer hat es schon Anfang des neuen Jahrtausends auf rund 20 Prozent der Bevölkerung taxiert – in ganz Deutschland, quer durch alle Bevölkerungsschichten. (...)Wenn die Anerkennung fehlt, sehnen sich die Leute nach der starken, autoritären Hand. Die bietet derzeit die AfD, die Partei des „autoritären Nationalradikalismus“, wie Heitmeyer sie nennt. Das Deutschsein ist der zentrale Identitätsanker, die Wiederherstellung der Kontrolle das Versprechen. Das verfängt nicht nur bei Arbeitslosen und Geringverdienern. Die AfD ist inzwischen tief in das Bürgertum eingedrungen, ihre Anhängerschaft umfasst Professoren genauso wie Ärzte oder Anwälte.
      faz.net/aktuell/wirtschaft/meh…t-und-warum-15790134.html
      WE are the music-makers, and we are the dreamers of dreams,
      World-losers and world-forsakers on whom the pale moon gleams
      yet we are the movers and shakers of the world for ever, it seems.