Belastung

    • Offizieller Beitrag

    Aber sonst gehts noch, ja?


    Du schreibst:

    Zitat

    Du bist innerhalb der Ferien krank? Das ist ganz einfach, such Dir eine stressige Phase nach den Ferien, geh zum Arzt und lass dich krank schreiben (bist ja eh total überarbeitet!) und hole die verpasste Erholungszeit der Ferien nach.

    - sprich, dass jemand sich eine Zeit zum Kranksein - möglichst eine besonders stressige (auch für die anderen Kollegen) aussuchen soll, UM sich krank schreiben zu lassen. Wenn man sich Zeiten aussuchen kann, entspricht das ganz offensichtlich keiner akuten Erkrankung und den Aufruf, das gezielt zu tun, wenn alle anderen auch besonders belastet sind, und um Ferien nachzuholen, muss ich hier nicht ernsthaft kommentieren.


    Dann flippst du aus, wenn ich darauf hinweise, dass es dazu ne Rechtslage gibt. Was allerdings meinem Jobprofil entspricht. Ist nämlich besser - auch für Kollegen - vorher darauf hinzuweisen, als wenn es denn dann soweit ist, dass ein Disziplinarverfahren eingeleitet wird. Was gar nicht so selten vorkommt wie man denkt. Und nein: es hat nicht jeder Amtsjurist und auch nicht jeder Richter dafür Verständnis. Besonders bei Beamten, da hilft auch die Unkündbarkeit, die kein Freibrief für alles ist, nichts. Wenn der Amtsarzt die Dienstfähigkeit feststellt, nachdem andere Ärzte Gefälligkeitsatteste ausgefüllt haben, bist du ziemlich im Eimer. Und in einem öffentlichen Forum dauernd zu Dienstvergehen aufzurufen - ist ja nicht das erste Mal - halte ich auch nicht für allzu klug.


    Krankschreibungen sind für kranke Menschen. Überarbeitung - die TE spricht hier von 2 fetten Erkältungen, nicht von einem Burnout - konstituiert noch keine solche. Um gar nicht erst dahin zu kommen, kann man und sollte man alles Mögliche tun, dazu haben wir hier ellenlange threads, aber sich präventiv in Stresszeiten krank schreiben zu lassen und Ferien nachzuholen gehört nicht dazu.
    Und es gehört GANZ bestimmt nicht zu guter Gewerkschafts- oder Personalratsarbeit oder Kollegialität dazu zu raten!

    • Offizieller Beitrag

    Firelilly, du hast nicht geschrieben, dass er "rechtzeitig" die Reißleine ziehen soll, sondern dass er sich krank schreiben lassen soll, damit er die (wegen Krankheit) verpasste Erholungszeit nachholen kann.
    Das geht aber nicht.


    Kl.gr.Frosch


    <Mod-Modus >
    Wir haben dich übrigens schon mehrfach darauf hingewiesen, dass du hier im Forum keine illegalen Tipps geben sollst.


    Danke.


    Kl.gr.Frosch, Moderator

  • Wenn der Amtsarzt die Dienstfähigkeit feststellt, nachdem andere Ärzte Gefälligkeitsatteste ausgefüllt haben, bist du ziemlich im Eimer.

    Mal völlig unabhängig von Firelillys grenzwertigem Vorschlag: Kann MICH denn der Dienstherr wirklich dafür belagen, wenn ich gutgläubig der Empfehlung eines Arztes gefolgt bin, auch wenn der Amtsarzt später zu einer völlig anderen Diagnose kommt? Ich entwerfe mal ein Fallbeispiel: Ich bin jemand, der bzgl. Krankheiten generell unsicher ist. Als es mir mal in einer stressigen Phase nicht gut geht, gehe ich deshalb sicherheitshalber lieber mal zum Arzt. Der Arzt kann kein Krankheitsbild erkenne, sieht aber, dass ich gestresst bin. Um mir etwas Gutes zu tun, schreibt er mich krank, sagt mir aber nicht, dass das gar nicht notwendig wäre. Ich frage auch nicht weiter nach, weil mir die Auszeit gerade ganz gut tut und ich dem Urteil menes Arztes vertraue. Vielleicht kommt das öfter vor, weil ich evtl. sogar ein wenig zum Hypochonder neige. Irgendwann werde ich zum Amtsarzt geschickt, der feststellt, dass ich eigentlich total gesund und nur ein wenig gestresst bin. Bekomme ICH dann wirklich ein Problem, weil ich dem Urteil meines Arztes vertraut habe?

    • Offizieller Beitrag

    Dein Beispiel hat mit Firelillys „Idee“ wenig zu tun. Ärzte können als Zeugen geladen werden. Wenn sie das Gespräch dann so wiedergeben, dass du um eine Krankschreibung gebeten hast, und gleichzeitig nichts eindeutiges vorlag, was eine AU erzwingt, und gleichzeitig der Amtsarzt Dienstfähigkeit feststellt, dann hast du ein dickes Problem.
    In deinem skizzierten Fall habe ich keine Ahnung wie das vor Gericht ausgeht, aber sicher ist, dass dich fürderhin SL UND Schulamt UND Amtsarzt auf dem Kieker haben, und dann hast du auch ein dickes Problem. Die Hürde zur Dienstfähigkeitsüberprüfung hängt auch nicht mehr so hoch wie einst mal.


    Es geht auf Dauer einfach nicht gut aus für Kollegen, so ein Verhalten, und wer ein Restverantwortungsbewusstsein hat, auch und gerade als Personalrat, rät auch nicht dazu.

  • Mal ganz ab von der ganzen "Pseudokrankschreiberei":
    Am besten gar nicht krank werden, und - definitiv nicht "in die Ferien schleppen", denn diese sind zum Erholen da, nicht zum krank sein. Klar kann man sich das nicht aussuchen, aber durch ein wirklich gesundes Immunsystem kommt nur wenig durch (selbst bei Bazillenmutterschiffen an der Schule, ich schaff das ja auch) - dazu gehört aber auch, auf seinen Organismus zu achten und wirklich rechtzeitig Warnsignale zu erkennen (und dann auch runterzuschalten). Denn auf Dauer bist du dadurch weit weniger krank, wenn eben nichts chronisch wird. Der Haupt"auslöser" für fast alle Krankheiten ist schlicht Stress, denn eine überreizte Psyche schwächt das Immunsystem, und dann kommen Erreger durch, die das sonst nicht könnten, und dann hast du den Salat.
    Ja, ich hab leicht reden... also bitte, ich mache den Job wirklich nicht erst seit gestern, und die Fälle, wo ich wirklich mal krank geschrieben war, kann ich immer noch an einer Hand abzählen. N dickes Fell gegenüber potentiellen Stressquellen ist da sicher hilfreich... und eine Souveränität, sich eben nicht für irgendwen zum Deppen machen zu lassen. Meine SL weiß, was sie an mir hat, die hat mir bisher keine Steine in den Weg gelegt und ist mir auch noch nicht dumm gekommen. Also meine Regeln und "kein Stress". Der hat bei mir Hausverbot, auch in Abiphasen (und ja - es wird auch schon mal in Kunst oder Sport Abi gemacht... gar nicht so selten).
    Geht alles. Und wenn das jemand nicht versteht, gibt das sogar eine sachliche Erklärung. Genau einmal. Dafür sind wir Gymnasium, da darf ich entsprechendes Verständnis erwarten. ;)

    Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
    Die Grundlage des Glücks ist die Freiheit, die Grundlage der Freiheit aber ist der Mut. (Perikles)
    Wer mit beiden Füßen immer felsenfest auf dem Boden der Tatsachen steht, kommt keinen Schritt weiter. (Miss Jones)
    Wenn der Klügere immer nachgibt, haben die Dummen das Sagen - das Schlamassel nennt sich dann Politik (auch Miss Jones)

    Einmal editiert, zuletzt von Miss Jones ()

  • Wenn ich das von profe lese und dann im Hinterkopf habe, dass ich jemandem, der sich in Stresssituationen in der Familie Montage und Freitage frei nimmt und ich dann als "Leute wie du sind Schuld an unserer Situation" bezeichnet werde, vorschlage, sich für zu Hause Hilfe zu holen und angeblich kein Verständnis habe, könnte ich.....


    Was wollte ich sagen? Das geht so nicht. Du schaffst das auf Dauer nicht. Schreib deine Stunden auf und lege sie vor. Notfalls machst du nach der 40-Stunden-Woche Schluss und die SuS warten auf ihre Klausuren. Führe Buch und gehe zum Personalrat.

  • Wenn Kollegiumsmitglieder krank sind, springt jemand anderes ein. Wenn jemand verpasste Erholungszeit nachholt, führt das zu einer Mehrbelastung der Leute, die dann einspringen müssen.

    Nur wenn diese mitspielen ("Engagement")!
    Man kann auch sagen "Tut mir leid, aber ich bin gerade selbst am Limit. Wenn ich das noch übernehmen soll, bin bald der nächste der ausfällt."


    Bei uns wird man gefragt, ob man etwas übernehmen könnte, und falls das nicht geht (aus welchen Gründen auch immer) dann geht's halt nicht und der Unterricht fällt mal aus.

  • Du findest es vielleicht unkollegial in der Schulzeit krank zu sein und es kollegial sich bis in die Ferien zu schleppen. Ich empfinde es genau als anders herum so.Denn genau so etwas sorgt für die schlechten Bedinungen an den Schulen, die fehlende Vertretungsreserve usw.
    Ist ja alles möglich, weil Lehrer lieber den Urlaub absagen.

    +1

  • Wenn man sich Zeiten aussuchen kann, entspricht das ganz offensichtlich keiner akuten Erkrankung

    Menschen wie Du sind schuld und zumindest mit dran schuld, dass Depressionen, Burnout und andere psychische Erkrankungen so ein Schattendasein führen und Menschen mit diesen Erkrankungen stigmatisiert werden. Keine akute Erkrankung, weil man sich die Zeiten aussuchen kann, wann man zum Arzt geht.... Unglaublich, Du bist wirklich in der Gewerkschaft? Das ist Deine Definition an krankschreibungswürdiger Krankheit? Naja, das kennt man... wie keine 40° Fieber? Kein gebrochenes Bein? Du kannst arbeiten!
    Übrigens, auch bei "körperlichen" Erkrankungen, die sich nicht selten über lange Perioden erstrecken (Darmerkrankungen, Rückenschmerzen, Tinnitus und tausende andere), ist man ja wohl variabel damit, wann man entscheidet, dass das Maß der Erträglichkeit voll ist. Auch mit Krebs kann man sich eine Zeit lang prima in die Schule schleppen, auch das habe ich schon von Kolleginnen gesehen.
    Viele schleppen sich mit allerlei bis in die Ferien aus genannten Gründen und sagen, wie hier, dann sogar ihren Urlaub ab. Genesung? So nicht erreichbar, das müsste einem doch klar sein!?
    Warum nicht vorher die Reißleine ziehen, in einer Zeit, wo stressbedingt die Symptome natürlich auch hefiger sind und die Gefahr eines Burnouts oder einer Eskalation der Krankheit natürlich um so größer ist, als in einer Phase geringer Belastung.
    Das hat nichts mit Gefälligkeitsattesten zu tun. Ein guter Arzt, und das sind zum Glück viele heutzutage, hat den Menschen ganzheitlich in Sicht.
    Da spielen auch Dinge wie Prävention eine Rolle. Kein Wunder, dass es so viel Burnout etc. gibt, wenn selbst Gewerkschaftler nichts davon halten rechtzeitig und in Phasen höchster Belastung (denn da ist man vulnerabel, da versagt die Resilienz eben am ehesten) die Reißleine zu ziehen. Wunderst Du dich in Deiner täglichen Arbeit z.B. bei Wiedereingliederung von Burnout Opfern eigentlich nicht, warum man da nicht rechtzeitig was gemacht hatte?
    Wir sind uns einig, dass man das nicht wegen Pillepalle zum Arzt laufen sollte. Aber ich bitte nochmal genau zu lesen, in welche Situation der TE ist und wie groß die Not der Belastungen ist. Da ist das Absagen des Urlaubs mehr als nur ein Warnsignal.
    Von mir aus sperrt mich dafür, aber ich rate Dir, gehe wenn Du mal wieder so richtig belastet bist in einer Streßphase und gar nicht mehr weißt, wie Du das alles schaffen sollst, zum Arzt und schildere ihm deine Beschwerden. Da wird ja sicherlich auch einiges psychosomatisch sich manifestieren. Wenn er dich nicht krankschreibt, dann ist es so. Ein guter Arzt achtet allerdings, und da bin ich sehr dankbar, nicht nur auf akute Erkrankungen mit Fieber oder heraustretenden Gedärmen. Und ja, damit holst Du dann vielleicht etwas den verpassten Urlaub nach. Und den brauchst Du. Den braucht jeder, damit man langfristig gesund ist.

  • Wenn der Amtsarzt die Dienstfähigkeit feststellt, nachdem andere Ärzte Gefälligkeitsatteste ausgefüllt haben, bist du ziemlich im Eimer.

    Und wenn man dann also vom Amtsarzt gezwungen wieder antritt und sich dann Säure über die Hände kippt, weil man anscheinend doch z.B. unter Schwindel und Wahrnehmungsstörungen leidet, wie der Arzt ja auch festgestellt hatte, dann hat glaube ich der Amtsarzt ein ziemliches Problem. Da säße ich aber sofort beim Rechtsanwalt und genau für so etwas ist man dann auch rechtsschutzversichert.
    Das ist ganz schön riskant als Amtsarzt anderen Ärzten Gefälligkeitsatteste zu unterstellen und die volle Verantwortung zu übernehmen den Lehrer rein zu schicken.
    Über so etwas freuen sich dann Versicherungen, falls doch nachträglich (auch Jahre später) Burnout oder sonstige Dinge diagnostiziert werden.
    "Wie? Der wurde wieder reingeschickt wegen angeblichen Gefälligkeitsattesten?"
    Kannst Du denn mal verlinken, wo ein Amtsarzt sich über Ärzte hinweggesetzt hat?

    • Offizieller Beitrag

    Firelilly, das Grundproblem Deiner Argumentation ist wieder einmal, dass Du Dir Extrembeispiele konstruierst, anhand derer Du die Legitimation für das von Meike völlig richtig dargestellte Dienstvergehen herstellen möchtest.
    Dieses "stellt Euch mal vor, es wäre so und so und so und dann passiert dies und dies und dies" führt in der Sache nicht weiter.


    Fakt ist, dass eine mutwillige Krankschreibung mit der Intention, entgangenen Erholungsurlaub zu kompensieren, rechtswidrig ist.
    Fakt ist auch, dass man mit dieser Problematik anders als von Dir dargelegt umgehen muss.

  • Firelilly, das Grundproblem Deiner Argumentation ist wieder einmal, dass Du DirFakt ist, dass eine mutwillige Krankschreibung mit der Intention, entgangenen Erholungsurlaub zu kompensieren, rechtswidrig ist.
    Fakt ist auch, dass man mit dieser Problematik anders als von Dir dargelegt umgehen muss.

    Richtig. Die Rechtswidrigkeit steht im Raum, egal, ob man das nun für gerecht oder richtig hält. Und dass man sich als Lehrer nicht rechtswidrig verhalten darf, wird hoffentlich niemand bestreiten. Übrigens betrifft das auch die Praxis, von der man ab und zu hört, nämlich bei einem Streit mit seinem Schulleiter mit der wütenden Drohung "wenn Sie dies und das machen, werde ich mich krankmelden!" aus dem Raum zu stürmen. Die Dienstrechtler bezeichnen das mit dem unschönen Wort "Nötigung" und da beginnen die Konsequenzen für den Lehrer sehr unangenhm zu werden.


    Was man in einem Fall, wie er vom Poster geschildert worden ist, tun kann, sollte und muss, ist frühzeitig zu reagieren. Als Lehrer muss man sich der Symptome drohender Überarbeitung bewusst sein und rechtzeitig etwas tun. Das ist übrigens auch eine Dienstpflicht, nämlich die Verpflichtung zur Gesunderhaltung. Wenn ich als Lehrer merke, dass ich an Schlaflosigkeit leide, trotz Nachtschlaf ständig schlapp und lustlos bin, wenn ich Angstzustände bzw. Panikattacken habe, wenn ich keinerlei Motivation und Ideen für meinen Unterricht habe, wenn mir meine Umgebung wachsende depressive Zustände mitteilt und ich das überhaupt nicht mitbekomme, dann ist es an der Zeit, dass ich mich an meinen Arzt wende. Mit der Schulleitung muss ich sowieso reden und darf mich dabei nicht mit törichtem Geplapper über meine vermeintliche Belastbarkeit abspeisen lassen. Eine ärztliche Diagnose und ärztlicher Rat helfen dabei sicherlich gegenüber der Schulleitung.


    Noch viel wichtiger ist allerdings, dass man sehr sorgfältig mit seiner psychischen Gesundheit umgehen muss, damit man nicht in eine ernste Komplikation reinrutscht und eventuell auch noch eine Suchterkrankung entsteht! Chronische Depressionen sind eine der Haupttodesursachen. Weiß allerdings kaum einer.

  • Ohje, das hat jetzt hier aber Wellen geschlagen.


    Ich möchte dazu Folgendes sagen: eine Krankschreibung "mal so", um mir quasi Ausgleich für Überstunden zu verschaffen, fällt bei mir nicht einmal ansatzweise in den Bereich des Denkbaren oder gar Machbaren.


    Ich bin aber mittlerweile soweit, dass ich bei Krankheit weiß, wann eine Krankschreibung notwendig ist.


    Und ja, der Stress hat zugenommen. Was schlichtweg daran liegt, dass bei uns nicht wenige Kollegen den anderen Weg gehen (Krankschreibung direkt in der Woche/in den beiden Wochen vor den Ferien, Zeit für die Korrekturen, dann entspannt auf Fernreise) und deren Arbeit aufgefangen werden muss.
    Oder wir Kollegen haben, für die ihre Arbeit mehr als zweitrangig ist und die wegen entsprechender "Minderleistung" auch keine "anspruchsvollen" Klassen mehr bekommen. Was wiederum zur Folge hat, dass die Arbeit ungleich verteilt ist.


    Ich für mich habe entschieden, dass ich das immer wieder ansprechen werden, dass mein Paket nicht leistbar ist. Und nein nicht beim Personalrat, weil der besetzt ist mit oben genannten Kollegen. Die haben sicherlich kein Interesse, dass da mal näher hingeschaut wird.


    Ich mache meinen Job gerne, ich bin auch bereit, mehr zu leisten als vielleicht üblich ist. Aber ich werde für mich meine Grenzen (neu) definieren müssen.


    Was mich fast am meisten ärgert, sind diejenigen Kollegen, die das System (Stichwort: Unkündbarkeit) für sich nutzen, und zwar mit einer Selbstverständlichkeit, die kaum auszuhalten ist. Die dann genau diese Vorschläge, die ich gelesen habe, umsetzen und mit ihrer Rücksichtslosigkeit und ihrem Egoismus anderen Kollegen schaden.

  • Ich mache meinen Job gerne, ich bin auch bereit, mehr zu leisten als vielleicht üblich ist. Aber ich werde für mich meine Grenzen (neu) definieren müssen.

    Immer dran denken - du bist Profi, du arbeitest für Geld, nicht für ein anerkennendes Schulterklopfen. Und Profis sagen offen, welche Resultate im Rahmen der Parameter möglich sind und welche nicht. Profis sagen auch gegebenenfalls "das geht nicht, das mache ich nicht."

    • Offizieller Beitrag

    Genau so geht's.


    Und es ist, wie du sagst:

    Zitat

    Und ja, der Stress hat zugenommen. Was schlichtweg daran liegt, dass bei uns nicht wenige Kollegen den anderen Weg gehen (Krankschreibung direkt in der Woche/in den beiden Wochen vor den Ferien, Zeit für dieKorrekturen, dann entspannt auf Fernreise) und deren Arbeit aufgefangenwerden muss.
    (...)
    Was mich fast am meisten ärgert, sind diejenigen Kollegen, die dasSystem (Stichwort: Unkündbarkeit) für sich nutzen, und zwar mit einer
    Selbstverständlichkeit, die kaum auszuhalten ist. Die dann genau dieseVorschläge, die ich gelesen habe, umsetzen und mit ihrer
    Rücksichtslosigkeit und ihrem Egoismus anderen Kollegen schaden.

    Firelillys Weg (jeder ist sich selbst der nächste) ist genau der, der andere Kollegen belastet und die Erschöpfungskette nach sich zieht.



    Um sowas in den Griff zu kriegen, müssen Kollegien zusammen stehen lernen. Dafür braucht es einen Anfang. Und natürlich muss auch jeder auf sich selber achten, aber nicht auf Kosten der anderen und nicht um den Preis einer Negativdominokette.


    Und es gibt genügend Möglichkeiten, sich auf einem Weg, der nicht rechtswidrig ist, zur Wehr zusetzen.
    Zum Beispiel gibt es tatsächlich fast keine Möglichkeiten eines SL einem Kollegen, der schon eine Überlastungsanzeige geschrieben hat, immer noch mehr aufzubürden. Je mehr Kollegen das machen (Kopie geht immer an den Arbeitgeber/das Land), desto eher ist der SL unter Beobachtung bezüglich des Umgangs mit den Mitarbeitern. Hier in meiner Gegend ist das intensiv genutzt worden, mit dem Effekt, dass nicht wenige SLen Stellungsnahmen schreiben und Maßnahmen zur Verbesserungen der Arbeitsbedingungen entwickeln mussten - zT unter Aufsicht des Amtes. Man muss halt dran bleiben.


    Es gibt die Möglichkeit, präventive Gespräche zu führen - Personalentwicklungs/Mitarbeitergespräche (heißt in verschiedenen Ländern anders): hier werden Zielvereinbarungen getroffen, die (in den meisten BL) auch schriftlich festgehalten werden müssen und bindend sind. Die meisten denken, das seien nur Karriereentwicklungsgespräche, dem ist aber mitnichten so: man kann diese Gespräche auch im Sinne der Entlastung/Arbeitskrafterhaltung führen und Zielvereinbarungen treffen im Sinne dessen, was die Qualität des Unterrichts im Zusammenhang mit Gesunderhaltung angeht.


    Man kann sich (mit einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter und der entsprechenden Liste) im nächsten Turnus selbst in den Personalrat wählen lassen und (ressourcenschonenderweise jedes halbe Jahr ein) Projekt/e zur Lehrergesundheit umsetzen:
    - kollegenfreundliche Dienstvereinbarungen treffen
    - Kollegen den Rücken stärken, die berechtigt "nein" sagen
    - auf Gleichbehandlung achten und dazu die vielen rechtlichen Mittel einsetzen, die man hat
    - pädagogische Tage mal nicht zu Schülerthemen, sondern zur Lehrergesundheit durchsetzen
    - Betriebsarzt einladen und die im Arbeitsschutzgesetz festgeschriebenen Untersuchungen zur physischen und psychischen (!) Gefährdungsbeurteilung bei euren zuständigen Betriebsarzt durchführen lassen
    - aus den Ergebnissen vial Konferenzbeschlüsse und Dienstvereinbarungen weitere Verbesserungen festschreiben
    uvm.


    Man kann die eigenen Ansprüche überdenken, man kann sich mit anderen zusammen tun und gucken, ob jeder dauernd das Rad selbst neu erfinden muss oder man sich gegenseitig stützen kann, man kann sich mit Gleichgesinnten zusammentun und auf Konferenzen zu neuen Sperenzchen "nein" sagen lernen ... und man kann hier mal nachlesen Anti-Burnout, Reduktion der Arbeitsbelastung, Selbstschutz ... und mehr. für viele Detailideen.

  • Dein Beispiel hat mit Firelillys „Idee“ wenig zu tun.

    Ja, das war mir klar. Deswegen hatte ich mich ja gleich zu Beginn davon distanziert.



    In deinem skizzierten Fall habe ich keine Ahnung wie das vor Gericht ausgeht, aber sicher ist, dass dich fürderhin SL UND Schulamt UND Amtsarzt auf dem Kieker haben, und dann hast du auch ein dickes Problem.

    Das klingt logisch. Generell ist der Weg zum Amtsarzt vermutlich ohnehin keiner, den man als Kollege gerne gehen würde.



    Es geht auf Dauer einfach nicht gut aus für Kollegen, so ein Verhalten, und wer ein Restverantwortungsbewusstsein hat, auch und gerade als Personalrat, rät auch nicht dazu.

    Das sollte sowieso klar sein. Schlimm genug, dass immer wieder Posts hier im Forum bestätigen, dass es doch nicht so ist...

  • ...Übrigens, auch bei "körperlichen" Erkrankungen, die sich nicht selten über lange Perioden erstrecken (Darmerkrankungen, Rückenschmerzen, Tinnitus und tausende andere), ist man ja wohl variabel damit, wann man entscheidet, dass das Maß der Erträglichkeit voll ist. ...

    Das finde ich auch problematisch. Ich war mal beim Arzt, weil während einer Erkältung die Rückenbeschwerden zugenommen haben. Der Arzt war angepisst, weil ich mir keinen Termin geben ließ, sondern in die Akutsprechstunde kam. Dass ich normalerweise trotz "Rücken" arbeiten gehe, nahm er nur zähneknirschend hin.


    Jeder muss für sich schauen, dass er chronische Beschwerden managt. Regelmäßig Sport und Entspannung muss jeder für sich organisieren, um gesund zu bleiben. Trotzdem kann es Phasen geben, da braucht man Genesungszeit, damit man sich wieder ins Lot bringt. Auch das gehört zur eigenen Gesunderhaltung.


    Trotzdem darf man nicht Urlaub durch Erkrankung in Schulferien aus Prinzip außerhalb nachholen, das sollte klar sein.


    Und: wer seinen Urlaub absagt, der hat ein massives Problem mit seiner Arbeitsorganisation. Das ist schon ein Anzeichen von Burnout. Ob man das allein in den Griff bekommt, die Maßnahmen des Arbeitsschutzes ausgeschöpft hat oder gegebenenfalls eine Kur machen muss, das kann nur jeder für sich beurteilen oder mit Hilfe eines Arztes und des Personalrates/der Gewerkschaft klären.


    Nur der TE selbst kann das für sich auseinanderklamüsern.

  • Und: wer seinen Urlaub absagt, der hat ein massives Problem mit seiner Arbeitsorganisation.

    Hierzu möchte ich gerne anmerken, was ich zuvor schon schrieb:


    Das Problem ist nicht meine Organisation der Arbeit, sondern schlichtweg die Organisation, die die Arbeit verteilt.


    Zu 90% in einem Korrekturfach eingesetzt, jährliche Abschlussprüfungen (inkl. der Erstellung der Prüfungen), mehrere Klassenlehrerschaften, Praktikumsbetreuung etc., da ist eine 40-Stunden-Woche wohl im Reich der Märchen anzusiedeln.


    Und hier schließt dann wohl der Kreis zum Ausgangspost von Profe. Es geht darum, dass Schulleitungen etc. kapieren, dass ein Kollegium nicht aus Melkkühen besteht/bestehen kann. Und statt die "Fähigen" und Engagierten weiter zu belasten, sollten eher die, die es sich so wunderbar bequem eingerichtet haben, in den Fokus rücken.
    Aber: das ist anstregend, das sind unangenehme Gespräche, das fördert evtl. zuvor geschilderte Reaktionen (krank "machen"). Da bedarf es einer Führung mit "A..." in der Hose. Die habe ich an unserer Schule (in sieben Jahren erlebe ich den vierten Schulleiter) bisher nicht erlebt.

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