Problem mit Referendar und Fachkompetenz

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    • Wenn du meinst er kommt dir juristisch: Mach dich mal selbst schlau, wie weit deine Pflichten gegenüber dem Referendar exakt gehen.

      Aus dem Bauch heraus würde ich sagen: Du musst als Ausbildungslehrer Hilfestellungen bei der Planung des Unterrichts bieten und Rückmeldungen zu dessen Durchführung geben. Dazu gehört sicherlich auch, dass du diese sprachlichen Fehler ansprichst. Daher würde ich das an deiner Stelle auch tun. Außerdem musst du Gutachten erstellen, in denen du Positiva wie Negativa in fachlicher und didaktischer Hinsicht benennst, daher würde ich Mängel der Fachkompetenz darin auch benennen.
      Zu deinen Pflichten gehört aber sicher nicht, dass du eine Positivkorrektur der Unterrichtsentwürfe durchführst. Diese sind selbstständig zu erstellen. Du kannst zwar bei konkreten Fragen beraten, aber bist sicher nicht dafür verantwortlich, die sprachliche Gestaltung derselben aufzubessern.

      Also: Schau mal in die Vorschriften deines Bundeslandes rein. Zumindest für mich gilt: Wer mir mit juristischen Pflichten kommt, erhält von mir auch nur, was meine Pflicht ist (quasi: Dienst nach Vorschrift) und keinen Deut mehr.
      Warum Trübsal blasen, wenn man auch Seifenblasen kann?

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Midnatsol ()

    • Ich sehe jetzt das folgende Problem: Der Referendar wird sein Examen bestehen und bekommt dann eigene Klassen, muss alle Klausuren selbstständig korrigieren, auch Abiklausuren (alternativ ZAP-Arbeiten)
      - Der Zweitkorrektor wird sich wundern, warum der dann fertige Kollege so viele Fehler nicht anstreicht. Ich als Zweitkorrektur würde mir meinen Teil denken. Ggf. kommt es dann zu mehr oder weniger deutlichen Notenabweichungen zwischen Erst- und Zweitkorrektor. Im "Idealfall" wird die Note nur gemittelt, wenn es schlecht läuft, muss das ganzen zum Drittkorrektor. Oder aber der Schüler muss aufgrund der Zweitkorrektur in die mdl. Abweichungsprüfung im Abi.
      Richtig "gut" (Achtung Ironie!) kommte es, wenn die Klausur auch noch fremdkorrigiert wird (andere Schule).
      - Wenn der Kollege nun auf einen Schüler trifft, dessen Eltern Anwälte oder sonstewas sind und gegen eine Note Widerspruch einlegen (kommt ja immer wieder vor) und die Klausur vorlegt (nach dem Motto: "Kollege xy hat fachliche Mängel, da ...", dann bekommt der Kollege Stress. Auch Schüler(eltern) anderer Klassen können sich schnell ungerecht behandelt fühlen. Oder eben dieser Vater macht sich massive Sorgen um die Bildung seines Sohnes / seiner Tochter. Dann steht er schnell bei der Schulleitung oder noch schlimmer bei einer übergeordneten Behörde.
      - Wir regen uns schon auf, wenn unsere Schüler andauernd Rechtschreibfehler machen. Wenn nun Schüler, die in der 5. und 6. Klasse bei deinem noch Referendaren Unterricht haben, in die 7. Klasse kommen und auf einen Lehrer treffen, der alles (korrekt) anstreicht, dann wird sich dieser Kollege doch wundern: "Warum haben sie es nicht gelernt?
      - Wer schreibt ihm im Rahmen der Probezeitbeurteilungen oder möglicher späterer Beurteilungen im Rahmen einer Beförderung die Entwürfe um? Da kommt sowas gar nicht gut.
      - Was passiert, wenn die QA (Qualitätsanalyse) kommt und in seinem Unterricht zig Rechtschreibfehler entdeckt? Fällt es da nicht auf die Schule zurück?
      - Nehmen ihn die Schüler tatsächlich ernst? Wir gehen davon aus, dass er nach seinem Ref nicht an einer "Bullerbü-Schule" kommt (wo die Schüler verständnisvoll sind), sondern an eine Schule, an der Schule, wo es mehr zur Sache geht, wo Lehrer wegen irgendwelcher Kleinigkeiten schon nicht ernst genommen werden. Oder er kommt an eine Schule, an der die Eltern "Helikoptereltern" sind und schon bei einem "normalen" Lehrer das Haar in der Suppe suchen.
      - Wie kommt es an, wenn der Referendar nun bei seinen Bewerbungen auf eine Planstelle zig Rechtschreibfehler macht? Gerade mit Deutschlehrern kann man mitunter die Straße pflastern. Was passiert? Die Bewerbung wird direkt aussortiert und dein Referendar hat trotz Top-Examen null Chance eine Stelle zu bekommen (es sei denn, er findet jemanden, der ihm seine Bewerbung korrigiert).

      Ich würde ihm deutlich sagen, dass er dringend an seiner Rechtschreibung / seiner Grammatik arbeiten soll (zur Not mit Duden & Co). Ins Gutachten würde ich es auch auf jeden Fall reinschreiben. Solange deine Kritik berechtigt ist (sicherheitshalber die falschen Unterrichtsentwürfe etc. aufheben), dann sollte man dir nichts können.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Flipper79 ()

    • Punkt schrieb:

      Ich bin Mentorin eines wirklich engagierten Referendars und muss mir mal etwas von der Seele schreiben und ein paar Meinungen einholen.

      Mein Referendar hat die Fächer Mathe und Deutsch. Ich betreue ihn im Fach Deutsch in einem Grundkurs 11.
      Leider hat der Referendar große Probleme mit der sicheren Sprachbeherrschung. Er ist Muttersprachler, hat das Fach auf LA studiert und hat in methodischer Hinsicht wirklich innovative und gut geeignete Unterrichtsideen. Leider ist die Sprachbeherrschung vieler Schüler in der Sek II besser als seine. Natürlich weisen Sie auf Fehler an der Tafel oder auf Arbeitsblättern hin, die passieren selbst dem besten Lehrer mal. Aber bei meinem Referendar vergeht keine Stunde ohne Fehler, jedes AB, das er mir vorher zeigt, muss korrigiert werden. Und wenn ich bei ihm hospitiere, ist mir auch mehrfach aufgefallen, dass er die Fehler schlicht und ergreifend nicht sieht, weil er nicht weiß, dass es Fehler sind.
      Er hat einige Situationen pädagogisch geschickt umschifft und z. B. SuS an der Tafel korrigieren lassen.

      Kleines Beispiel:
      S. meldet sich, weist darauf hin, dass da 2 Kommas fehlen.
      Ref fragt: "Wo?"
      S. sagt, dass dasx Relativsätze sind, da kommen Kommas hin.
      Ref schaut völlig verdattert, sucht und nach einer Weile fordert er S. auf, das an der Tafel für alle sichtbar zu machen.


      Es gab schon einige dieser Situationen. Die SuS nutzen das nicht aus, weil er sympathisch ist, viele neue Unterrichtsmethoden anwendet und es ihnen in der Notengebung zugute kommt.
      Die ersten Monate dachte ich tatsächlich, dass wäre eine Aneinanderreihung von unglücklichen Einzelfällen oder eben Flüchtigkeitsfehler. Inzwischen hat mich die Mathelehrerin auch angesprochen, ihr sind auch vermehrt Schreibfehler aufgefallen.
      Im letzten Unterrichtsentwurf hatte er 25, teils schwerwiegende Rechtschreib- oder Grammatikfehler. Ich habe diese natürlich angestrichen, möchte ihn im Unterrichtsbesuch vor Schul- und Seminarleitung nicht auflaufen lassen.

      Ich weiß, dass ich sehr viel Wert auf die korrekte Sprachverwendung, v. a. im schriftsprachlichen Bereich lege und hinterfrage mich gerade kritisch. Ich möchte eure Meinung einholen zu folgenden Fragen, die mich bewegen:


      1. Ist Sprachbeherrschung ein Generationenproblem?

      Man hört es ja häufiger, dass Studenten Probleme mit der Rechtschreibung hätten. Vielleicht sehe ich das zu eng? Fach- und Sprachkompetenz sind ja nur ein kleiner Teil der Standards für die Lehrerausbildung. Die KMK-Anforderungen an Lehrer sehen eine Reihe verschiedenster Kompetenzen vor. Viele davon hat der Referendar bzw. entwickelt diese wunderbar.
      Er sagt selbst, dass er Dinge, die er mir schickt, oft vorher von Mit-Refs durchlesen lässt, weil ich ja immer Fehler finde. Da stelle ich mir schon die Frage, ob diese Defizite jetzt einfach "Normalität" sind. Die Verwendung des Konjunktivs musste ich dem Ref erklären und er versicherte mir, dass sich dieser auch für seine Mit-Refs komisch anhöre. Ich bin inzwischen wirklich verunsichert, inwieweit meine Anforderungen obsolet sind oder überzogen.

      2. Wie spreche ich das an?

      Wir haben vor einer Weile über das Handhaben von Fehlern im Unterricht (eher in Bezug auf SuS) gesprochen. Der Tenor war, dass er merkt, dass er etwas tun muss und er bemüht sich auch, seine Defizite aufzufangen.
      Aber das Grundproblem, nämlich seine sprachliche Kompetenz, habe ich noch nicht angesprochen. Ich hatte ein wenig gehofft, dass das mal von der Seminarleiterin bei einer Besprechung eines Unterrichtsbesuchs kommt, aber dort vermeidet der Referendar Tafelanschriebe, ist gut vorbereitet und seine Arbeitsblätter und Unterrichtsentwürfe lese ich ja vorher Korrektur. Er hat solide Leistungen erbracht und fällt in diesen "Prüfungssituationen" nicht negativ auf.


      3. Wie kann ein erwachsener Mann, dessen Muttersprache Deutsch ist, an seinen sprachlichen Kompetenzen arbeiten. Die Defizite hat er sowohl in der Rchtschreibung, als auch in der Grammatik und Zeichensetzung.(Ein Teil der Schüler kann tatsächlich ad hoc flüssiger und fehlerfreier schreiben als der Referendar. :( )
      Ich möchte dem Referendar gern praktische Tipps geben.




      Ich drück es mal so aus:
      Aus dem Studium sind mir Deutschlehrer bekannt, die an LRS litten und den Beruf dennoch ausüben wollten. Meine beste Freundin, ebenfalls Lehrerin (aber nicht in Deutsch), hat auch eine starke LRS diagnostiziert. Das war damals beim Hausarbeiten kontrollieren echt grausig udn auch der Prüfungsentwurf hat mich mehrfach an die Grenze des Heulens gebracht.

      Eventuell mal darauf ansprechen, ganz vorsichtig...und dann darauf hinweisen, dass man da was tun muss.
      Ob ein Weg sich lohnt gegangen zu werden weiß man erst wenn man ihn gegangen ist. - Peregrinatio maiores Weisheit

      1. Wenn dir Jammern hilft, ist das in Ordnung. Wichtig ist dabei nur, das du bei der ganzen Jammerei Eines nicht vergisst: Es interessiert niemanden. Beweg dich oder bleib stehen, aber gib niemals jemand anderen die Schuld für deinen Stillstand. (Kapa)
    • Ich schicke vorweg: ich habe nicht alles gelesen, insofern kann es sein, dass es sich jetzt doppelt:

      Ich verstehe gerade nicht so recht, warum es so problematisch ist, das offen anzusprechen? Der Mann ist erwachsen und sollte mit angemessen vorgebrachter Kritik umgehen können, zumal wenn klar ist, dass es darum geht ihn vor Schlimmerem zu bewahren. Gerade da du grundsätzlich eine positive Meinung über ihn hast, gehe ich davon aus, dass du in der Lage bist das sachlich und wertschätzend zu kommunizieren.
      Für mich wäre die Vorgehensweise klar:
      -direkt ansprechen und darauf hinweisen, dass er dringend daran arbeiten muss, da er sonst irgendwann Probleme bekommen wird
      -ihm auch sagen, dass du gezwungen sein wirst, diesen Punkt in deinem Gutachten zu erwähnen
      -mit ihm gemeinsam überlegen, inwieweit es ihm hilft seine RS etc. zu verbessern, wenn du seine Fehler anstreichst

      Und die Frage ist dann auch: wie genau machst du das? Wenn es ihm wichtig ist, an seiner RS zu arbeiten, würde ich an deiner Stelle anbieten, die Fehler nur noch am Rand anzustreichen und es ihm selbst überlassen, den Fehler zu erkennen und zu verbessern.
      Der Unterschied ist letztlich der, ob du seine Fehler für ihn verbesserst, damit er durchkommt (das fände ich dann in der Tat nicht zielführend) oder ob du ihn darauf hinweist, damit er daran arbeiten kann.
      Darüber hinaus ist es dann aber seine Aufgaben sich Gedanken zu machen, wie er seine Fähigkeiten verbessern kann.
      Das liegt dann definitiv nicht in deiner Verantwortung.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von icke ()

    • Damit wird er wohl durch die Lehrproben rasseln. Sag ihm das.

      Wenn nichts hilft, warte auf UBs vom Seminar. Bei mir hatten sich im kompletten Entwurf (nicht mal im Unterricht) zwei Zeichensetzungsfehler eingeschlichen und es wurde schon sehr heftig kritisiert.

      Wären mir Rechtschreibfehler im UB passiert, hätte man mir niemals eigene Klassen gegeben. Automatischer Grund für Verlängerung. Ist das nicht überall so?
    • Das Problem ist ja, dass die TE die Entwürfe des Referendaren korrigiert und die Rechtschreibfehler nicht auffallen.
      In NRW ist es so, dass man wegen fachlicher Mängel durch die Prüfung fallen kann (also wenn ich als M-Lehrer oder Phy-Lehrer etwas Falsches an die Tafel schreibe / etwas Falsches erläutere / ich falsche Schüleräußerungen als korrekt durchgehen lasse).
      In D wäre es wohl analog: Zu viele Rechtschreibfehler, keine Korrektur von Grammatikfehlern etc. = Mangelhaft in der entsprechenden Stunde. Allerdings kann man eine mangelhafte Stunde dann ausgleichen.
      Inwiefern Rechtschreibfehler z.B. in M oder Phy automatisch zu Nichtbestehen führen, weiß ich nicht.
    • Ich halte das neben anderen Gründen vor allem für ein Lehrer-Problem, dass darin besteht, dass wir uns nicht einig sind.

      Dass die TE/Mentorin auf das Problem hinweist, finde ich natürlich richtig, aber dass sie dem Deutsch(!)-Referendar(!) die Texte korrigiert, wie eine gutmeinende Mutter das Referat ihres Kinds, finde ich falsch.

      Ich kann es mir nicht verkneifen jetzt mal ein bisschen polemisch zu unterstellen:
      Ich kenne so viele Lehrer, die meinen es gut meinen (genau: meinen es gut zu meinen) und Schülern viel zu gute Noten geben, anstatt konsequent die eigentlich passenden.
      Dadurch werden die Bildungspläne ausgehöhlt, die dann nur noch auf dem Papier existieren und die Abschlussprüfungen passen sich peu à peu diesem Niveau an.

      In meinen Augen täuschen sich diese Kollegen selbst, indem sie ihre Schwäche, Schülern keine schlechten Noten geben zu wollen, weil sie die unangenehme Reaktion fürchten, für vermeintliches Engagement halten. Manche sind wirklich überzeugt, dass sie den Schülern damit etwas gutes tun (Stichwort "Schülerfreundlich"). Dabei tun sie nur kurzfristig sich selbst etwas gutes, nämlich, dass sie sich vor einer unangenehmen Situation drücken. Das Problem wird dann einfach ein Schuljahr bzw. an andere Kolllegen weitergegeben. Und jedes Mal wird der Druck höher, den Schüler abzusägen - jetzt, wo er doch schon so weit gekommen ist.
      Genau so war es evt. auch bei diesem Deutsch Referendar. "Ach komm, die Hausarbeit ist vom Thema her echt interessant... das wird er später sicher noch in den Griff kriegen! Muss er ja auch irgendwann, als Lehrer."
    • Die Entwürfe zu korrigieren geht gar nicht!!!! Echt. Das soll ein 2. Refi Probe lesen. Ein Mentor bespricht höchstens die Stundenplanung mit dem Referendar. Dann kann er auf schwierige Punkte hinweisen, etwas Mut zusprechen etc. Alles weitere klingt nach verfälschter Leistung. Wieso macht er das?
    • Im Grunde ist hier genug gesagt und ich kann mich der allgemeinen Meinung nur anschließen.
      Zwei Tipps habe ich nur noch: Fehler im Entwurf könntest du nicht nur nicht korrigieren oder auch nur anstreichen, sondern nur als Strichliste unten auf der Seite oder auf dem Deckblatt zählen. So hast du auf die vielen Fehler freundlicherweise aufmerksam gemacht und der Referendar muss sich unangenehm bemühen, diese zu finden. Du bist ihm entgegengekommen, aber erzeugst etwas Leidensdruck.
      Außerdem könntest du, während du ihm die Dramatik der Situation aufzeigst, ihn auch eindringlich "bitten" sämtliche Schriftstücke für Schüler oder geplanten Tafelanschriebe auf jeden Fall vorher immer jemandem mit echter Fachkompetenz zur Korrektur vorzulegen. Das ist auch so schön unpraktikabel, dass es wieder Leidensdruck erzeugt.
      Sage deutlich dazu, dass das freundliche Übergangslösungen sind, die ihm Zeit verschaffen, seine Defizite zu bearbeiten.
    • Gibt es bei euch keinen Ausbildungsoordinator? Den würde ich als erstes auf das Problem hinweisen. Dann wäre es bei uns wohl zu einem Dreiergespräcj (Referendar, Ausbildungslehrer, Ausbildungskoordnator) gekommen. Das muss ja nicht lange dauern. Problem beschreieb un dem Lehrling aufgebebn, sich um eine Lösung zu kümmern.

      Dass so eine schwerwiegende Lücke erst im Abschlussgutachten benannt wird, kann nicht sein. Das Fachliche lernt der Mensch ja nicht bei euch, sondern sollte es mitbringen. Also muss das Problem schon zu Beginn der Asbildung auffallen und sollte dann benannt werden. Das Gutschten am Ende Ausbildung sollte darlegen, was er von dem, was im Referenariat zu lernen war, mitnimmt.

      Da er schon eine Weile bei euch ist (Monate?), bist zu vielleicht schon etwas spät dran. Zumndest wird's aber knapp.
    • Ich möchte mich nochmal für den Input von euch bedanken! Ihr habt mir sehr viele Anregungen gegeben, auch über mein Verhalten nachzudenken und ich bin sehr strukturiert und sortiert in das Gespräch gegangen.
      Leider war mein Referendar krank, aber ich habe diese Woche nun endlich das Gespräch mit ihm führen können.

      Viele Gedanken von euch teile ich, aber ich habe nicht alles in epischer Breite dargelegt, sondern auf das Defizit verwiesen und mitgeteilt, dass es von meiner Seite ab sofort keine Korrektur bzgl. sprachlicher Mängel gibt.
      Er wirkte einsichtig und möchte in diesem Bereich verstärkt arbeiten.

      Was mich jedoch irritiert:
      Ich bin wohl die erste Person, die ihm das so deutlich gesagt hat. Weder im Studium noch in den Seminaren ist das bisher aufgefallen. Er weiß, dass er einige Schwächen hat, aber empfand diese bisher nicht als gravierend, weil die Noten immer gut waren.

      Ich bin gespannt, ob er an sich arbeiten kann und wird...
    • O. Meier schrieb:

      Gibt es bei euch keinen Ausbildungsoordinator? Den würde ich als erstes auf das Problem hinweisen. Dann wäre es bei uns wohl zu einem Dreiergespräcj (Referendar, Ausbildungslehrer, Ausbildungskoordnator) gekommen. Das muss ja nicht lange dauern. Problem beschreieb un dem Lehrling aufgebebn, sich um eine Lösung zu kümmern.

      Dass so eine schwerwiegende Lücke erst im Abschlussgutachten benannt wird, kann nicht sein. Das Fachliche lernt der Mensch ja nicht bei euch, sondern sollte es mitbringen. Also muss das Problem schon zu Beginn der Asbildung auffallen und sollte dann benannt werden. Das Gutschten am Ende Ausbildung sollte darlegen, was er von dem, was im Referenariat zu lernen war, mitnimmt.

      Da er schon eine Weile bei euch ist (Monate?), bist zu vielleicht schon etwas spät dran. Zumndest wird's aber knapp.
      Nein, wir haben keinen Ausbildungskoordinator.
      Als ich den Hauptseminarleiter auf die Fehler im letzten Entwurf ansprach (28 Rechtschreib- und Grammatikfehler!), meinte dieser, die wären ihm gar nicht aufgefallen. :staun:
      Im Ausbildungsgutachten gibt es bei uns nur einen kleinen Teilbereich, in dem ich das anführen kann. DORT werde ich das anführen. Wenn das Kriterium derart bedeutungslos ist (in meinem BL), muss ich damit leben. Verschweigen werde ich das Problem nicht, zumal wir das jetzt auch explizit als Etappenziel formuliert und verschriftlicht haben.
    • Das ist wirklich immer wieder erschreckend!

      Das Schlimme ist, dass es für Studis oder Referendare so einfach ist, damit durchzukommen. Einzig bei Klausuren dürfte es ja auffallen, alles Andere lassen sie vor Abgabe korrigieren und keinem fällts auf.
      Bei Unterrichtsbesuchen wird vorher jeder Tafelanschrieb durchgesprochen und korrigiert und nach dem Ref. juckt es keinen mehr.
      Das ist wirklich schlimm.
    • Punkt schrieb:

      Ich bin wohl die erste Person, die ihm das so deutlich gesagt hat. Weder im Studium noch in den Seminaren ist das bisher aufgefallen. Er weiß, dass er einige Schwächen hat, aber empfand diese bisher nicht als gravierend, weil die Noten immer gut waren.
      Meine Ausbildung ist nicht so lange her, deswegen kann ich dazu etwas sagen.

      An welcher Stelle im Studium sollen schlechte Orthografie- und Grammatikkenntnisse denn auffallen? Im modualisierten Studium kann man oft zwischen mehreren Seminaren/Vorlesungen mit verschiedenen Prüfungsleistungen wählen. Wem das Schriftliche nicht liegt, der lässt Hausarbeiten einfach weg. Klausuren sind oft im Multiple-Choice-Verfahren. Außerdem gibt es in der Regel sowieso keine Rückmeldungen seitens der Dozenten/Professoren, wenn man nicht explizit danach fragt. Man erhält digital seine Punkte und fertig.

      In den Ausbildungsseminaren waren die einzigen schriftlichen Dokumente, die meine Ausbilder von mir gesehen haben, die Unterrichtsvorbereitungen und die Handouts für Referate. Da wir die Vorbereitungen erst am Vorabend des Unterrichtsbesuchs schicken mussten, wurden diese teilweise nicht gründlich von den Ausbildern gelesen.

      Es ist möglich, dass sich meine Erfahrungen von denen anderer Junglehrer, welche andernorts oder in einem anderen Lehramt ausgebildet sind, unterscheiden. Doch mich wundert es nicht, dass deinem Referendar diese Auffälligkeiten bisher von niemand rückgemeldet wurden.
    • Luiselotte schrieb:

      Meine Ausbildung ist nicht so lange her, deswegen kann ich dazu etwas sagen.
      An welcher Stelle im Studium sollen schlechte Orthografie- und Grammatikkenntnisse denn auffallen? Im modualisierten Studium kann man oft zwischen mehreren Seminaren/Vorlesungen mit verschiedenen Prüfungsleistungen wählen. Wem das Schriftliche nicht liegt, der lässt Hausarbeiten einfach weg. Klausuren sind oft im Multiple-Choice-Verfahren. Außerdem gibt es in der Regel sowieso keine Rückmeldungen seitens der Dozenten/Professoren, wenn man nicht explizit danach fragt.
      Mein G/E Studium ist auch noch nicht so lange her, war aber noch zur alten Studienordnung:

      Multiple-Choice gab es kein einziges Mal.
      Manche Klausuren hatten auch einen Reproduktions-Teil, aber ansonsten wurde geschrieben was das Handgelenk hergab. In Prüfungen teilweise über 20 Seiten.
      Nicht alle, aber die meisten Profs. haben Orthografie- und Grammatik angestrichen.
      Ein Prof., der mir, abgesehen vom Inhalt, wirklich jedes falsche Komma um die Ohren gehauen hat, hat mich z.B. mal spitzfindig darüber Aufgeklärt, dass das Ausbleiben einer Handlung - also etwas, das gar nicht vorhanden ist - keine Ursache für auch nur irgendetwas sein könne usw. :)

      Im Ref. hat man mir nach einer Lehrprobe auch mal ein paar Tippfehler im (nachts überarbeiteten) Entwurf vorgehalten. Das war nicht tragisch, aber der Hinweis kam schon und mir war es peinlich.