Wer sind eigentlich DUDEN?

  • Da hier einige beharrlich "Du" großschreiben, hab ich mal nachgesehen und: In der Tat! in Briefen und direkten Anreden immer noch erlaubt.


    Lustig fand ich dabei die Beispiele des Verlags:


    "In Briefen (auch auf Ansichtskarten u. Ä.), E-Mails und SMS kann man allerdings auch großschreiben: Liebe Elly, wir wünschen dir/Dir viel Erfolg in deinem/Deinem neuen Amt als Vorsitzende des Bachvereins und euch/Euch allen viele renaturierte Bäche voller überbordend lebensfroher Bachflohkrebse
    ...
    Das gilt dann zum Beispiel für Zettelmitteilungen in WGs (Katinka, du/Du wirst durchaus nicht gedisst, wenn du/Du auch mal den Müll runterbringst), ..."


    Da fragte ich mich, wer eigentlich wie und wie oft am DUDEN etwas ändert, z.B. "dissen " einfügt oder aus Du du bzw. das Wahl-Du macht?


    Edit: Ach hier! http://www.rechtschreibrat.com

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  • Keine Ahnung. Bei mir ist das "Du" schlichtweg ein Stück Nostalgie. Ich korrigiere aber in der Tat auch die Rechtschreibung meiner SuS in schriftlichen Prüfungen, auch wenn es keinen Einfluss auf die Note hat.


    Würde mich aber auch interessieren, wer entscheidet, was geht und was nicht. :)

  • Also bei mir war das "Du" großgeschrieben in schriftlichen Arbeitsaufträgen an die Schüler im Jahr 2012 als Referendar noch Standard und wurde auch moniert, wenn es klein geschrieben wurde. Nix Nostalgie.


    Ähnliches gilt für die Anrede in Briefen, zumindest in Norddeutschland. Wenn ein Mann einen Brief schreibt, fängt er an mit "Sehr geehrte Damen und Herren", schreibt eine Frau den Brief, muß da "Sehr geehrte Herren und Damen" stehen. Halt immer das andere Geschlecht zuerst. So wurde es mir schon in Klasse 3 in der Grundschule eingetrichtert, gleich in Verbindung mit der großgeschriebenen Anrede und so ist es auch noch heute zu gebrauchen.


    Bsp.: https://edelgard-bulmahn.de/im…hn_bleiberecht_reform.pdf
    Ach ja, die Frau war mal Bundesbildungsministerin. :zungeraus:


    Blöd nur, daß die meisten Lehrkräfte die Regeln selber gar nicht mehr kennen. :(
    Genauso wie die Regeln, wie man im Restaurant nach dem Essen das Besteck auf den Teller legt und was die Position von Messer und Gabel über die Qualität des Essens aussagen, so als Rückmeldung an die Küche. :rotwerd:

  • ...
    Genauso wie die Regeln, wie man im Restaurant nach dem Essen das Besteck auf den Teller legt und was die Position von Messer und Gabel über die Qualität des Essens aussagen, so als Rückmeldung an die Küche. :rotwerd:

    Ohja, sehr schön, wir hatten früher noch einen "Kinder Knigge" im Bücherregal :aufgepasst:

  • Ich weiss einfach gar nicht mehr, was wie geschrieben werden sollte weil schweizer Schriftdeutsch halt ein bisschen was anderes ist, als Hochdeutsch. Hin und wieder fällt es mir beim Lesen eines Buches auf (die werden in der Regel ja hochdeutsch gesetzt) dass ich dieses oder jenes Wort jetzt spontan anders geschrieben hätte, weil ich es mittlerweile anders gewohnt bin.

  • Ja, bei uns wird das "so daß" auseinander geschrieben, in Österreich und der Schweiz zusammen, natürlich in CH dann "sodass". Aber mehr als so ein paar Beispiele bekomme ich da auch nicht zusammen.

    Auch bei uns kann man sich "sodass" oder "so dass" aussuchen. Duden empfiehlt "sodass", und ich glaube Wahrig empfiehlt "so dass". Daß iss ja maln schöner Schungl!

  • @roteAmeise:
    Ich bleibe bei der Rechtschreibung von vor der Reform. ...


    Da könntest du dann allerdings Probleme bekommen, wenn die Forderungen danach, dass in allen Fächern auf Rechtschreibung zu achten sei, verbindlich wird. Schließlich ist für das Einprägen der richtigen Schreibweisen auch das wiederholte Sehen der richtigen Schreibweisen eine Hilfe.

    Es gibt für alles ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.

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  • Ich war immer davon ausgegangen, dass der Duden den jeweiligen Ist-Stand der Sprache beschreibt. Weniger, dass da jemand eine neue Regel festlegt.


    Wer da nun was feststellt und/oder Feldforschung betreibt...keine Ahnung ;)


    Man muss zwischen Rechtschreibung und Grammatik unterscheiden. Rechtschreibung kann "von außen" festgelegt werden. Grammatik nicht. Niemand kann beschließen, dass wir nach -mit- nicht mehr den Dativ, sondern künftig den Akkusativ benutzen.


    Rechtschreibung hingegen kann "von außen" beschlossen werden und das passiert nicht nur mittels der großen Reformen, die wir ja alle kennen (1901, 1996). Früher war da die Duden-Redaktion tonangebend, quasi jeder neue Duden brachte fast unbemerkt neue Schreibvarianten oder schaffte welche ab; jetzt macht das der Rat für deutsche Rechtschreibung. Inzwischen haben wir ja die 5. Reform der Reform von 1996. Seit 1996 galt für die vertraute Anrede "du" und ihre Formen nur Kleinschreibung; seit 2006 (?) wieder Klein- oder Großschreibung (wobei Großschreibung nur in Briefen und Ähnlichem, was oft falsch gemacht wird, sodass / so dass man es nun ständig groß sieht).


    Kein Wunder, dass die Verwirrung inzwischen perfekt ist, je nachdem, wann man die Rechtschreibung lernte. Da gibt es ja nun 6 Möglichkeiten (1 alte + 5 neue Varianten).

    Es gibt für alles ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.

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  • Rechtschreibung kann "von außen" festgelegt werden. Grammatik nicht. Niemand kann beschließen, dass wir nach -mit- nicht mehr den Dativ, sondern künftig den Akkusativ benutzen.
    ...

    Wieso sollte das nicht beschlossen werden können? Wenn genug Leute ein grammatikalisches Phänomen "anders" anwenden, könnte festgelegt werden, dass beide Varianten richtig sind. Er ist schöner wie du/Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod/am Freitag, den 13./und noch so allerlei, was einen auffällt, wenn man Facebook-Unterhaltungen liest ;)

  • Wieso sollte das nicht beschlossen werden können? Wenn genug Leute ein grammatikalisches Phänomen "anders" anwenden, könnte festgelegt werden, dass beide Varianten richtig sind. Er ist schöner wie du/Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod/am Freitag, den 13./und noch so allerlei, was einen auffällt, wenn man Facebook-Unterhaltungen liest ;)


    Da haben wir uns missverstanden.


    Bei der Rechtschreibung ist es ja eher so, dass eine neue Schreibweise von einer Kommission (jetzt: Rat für Rechtschreibung) beschlossen wird und die Leute ihr dann folgen (müssen).


    Neue grammatische Formen werden nicht von einer Kommission beschlossen und dann von den Leuten übernommen. Sie entstehen aus verschiedenen Gründen im Sprachgebrauch der Muttersprachler und werden dann (!) irgendwann vielleicht von einer Kommission "als (neu) richtig" anerkannt.

    Es gibt für alles ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.

  • Krabappel, Kippelfritze, ihr habt doch beide Recht! Mehr und mehr Leute wenden eine grammatische Variante an und irgendwann wird eben beschlossen, dass sie als richtig gilt.
    Macht das auch der Rechtschreibrat?


    Nein, @roteAmeise, dafür ist der eher nicht zuständig (siehe auch meinen Kommentar zuvor).


    PS: Krabappel und ich streiten hier nicht - nach meinem Empfinden -, sondern tauschen sich nur miteinander aus. Trotzdem danke für die Vermittlung. ;)

    Es gibt für alles ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.

  • Ja, Onkel Google konnte mir gerade auch kein Grammatik-Pendant zum Rechtschreibrat nennen. Also guckt die Redaktion vom Grammatikduden wohl einfach hin und wieder dem Volk aufs Maul, oder wie?



    PS: Ihr habt doch gar nicht gestritten, nur aneinander vorbei geredet, aber drei Sekunden nach mir hast du das ja auch schon klargestellt. So fix kann's gegen.

  • Ja, Onkel Google konnte mir gerade auch kein Grammatik-Pendant zum Rechtschreibrat nennen. Also guckt die Redaktion vom Grammatikduden wohl einfach hin und wieder dem Volk aufs Maul, oder wie?

    Das wäre eben interessant zu erfahren. Denn m.E. macht der Rechtschreibrat ja nichts anderes. Wenn er feststellt, dass soundsoviel Leute nicht Portemonnaie schreiben können, "erlaubt" er auch Portmonee, um die Schreiberei zu vereinfachen... Ist eigentlich ein cooler Job, vielleicht sollte man sich dort bewerben ^^

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